Von der Küchenmuse geküsst

Heute hat mich nachts die Muse geküsst. Anders kann ich es mir nicht erklären. Es fing heute morgen alles ganz harmlos an mit einem Rezept, dass ich heute auf meiner italienischen Koch-Lieblingsseite gesehen habe. Ich las das Rezept für eine einfache Tomatensauce und war wie vom Blitz getroffen. „Ach soooooo geht das!“ murmelte ich fasziniert vor mich hin.

Um allerdings meine geteilte Beziehung zur Küche zu beschreiben, muss ich etwas weiter ausholen. Es fing in meiner Kindheit an. Meine Mutter kochte solide. Nicht besonders passioniert, aber absolut in Ordnung. Eine gesunde Mittelklasse Küche würde ich im Nachhinein sagen. Die Einflüsse waren eindeutig bayerisch in jeglichen Variationen. Die Kunden meines Vaters, die ihm seinen Dank oftmals in Form von ganzen Martinsgänsen und Rinderkeulen aussprachen, beeinflussten das Kochverhalten meiner Mutter. Unter lautem Gezeter und Beschwerden verarbeitete sie dieses Fleisch zu Sonntagsbraten und Gulasch.

Wer allerdings richtig gut kochte und backte war mein Opa. Von der saftigen Eierlikörtorte (Herrentorte) bis zum Pichlsteiner (ein kräftiger Fleisch- und Gemüseeintopf) wusste er alles zuzubereiten. Seines Zeichens erzkatholisch freute ich mich immer besonders auf die Freitage. Jegliche Freitage waren von Süßspeisen geprägt, da Fleisch strengstens verboten war an diesem Tag. Als Kind waren das selbstredend meine Lieblingstage. Duftende Apfelküchlein, Marmeladen gefüllte Pfannkuchen, köstliche Rohrnudeln mit Zimt und Zucker bestreut oder auch sein sagenumwobener Kaiserschmarrn begleiteten mich durch meine Kindheit. Ich war fasziniert von seinen Kochkünsten.

Als ich mich selber mehrmals daran versuchte, wurde ich zwar für das Endprodukt gelobt, gleichzeitig wollte man mich aber zum Teufel jagen aufgrund der Unordnung in der Küche. Also beschränkte ich meine Kochkünste auf das allernötigste, je älter ich wurde. Morgens gab es meist eine schnelle Butterbreze auf die Hand, Mittags wurde im nahe gelegenen „Food Plaza“ des Shoppingcenters neben meiner Arbeit gespeist und abends beschränkten sich meine Kochkünste auf Butterbrot und Suppe.

Als ich mein Leben den ewigen, weiten Lüften verschrieb, aß ich meist aus den Aluförmchen das, was an Bord übrig blieb. Besonders wählerisch war ich nicht. Auf Kurzstrecke wurde es schon mal ein Salat, da ich die Brötchen, Schokoriegel und Chipspäckchen nicht mehr sehen konnte. Abends im Hotel war es meist zu spät für Roomservice und wenn, endete es mit einer Currywurst oder einem Burger.

Wer aber immer Sorge trug, dass ich ordentlich und ganz besonders fantastisch aß, war der Römer. Mit Leidenschaft und „viel amore“ (Klischee Ahoi!) kochte er die besten Pastasaucen, experimentierte mit apulischem Reis und Garnelen, kochte uns pollo al limone (Hähnchen in Zitronensauce) und überraschte auch schon mal mit einer focaccia barese. Ab und zu kochte ich, wenn der Römer keine Lust hatte, doch ich war etwas beschämt, da ich doch nie qualitativ so gut kochen konnte wie der Römer. Also lief es meist auf einen Bestellservice hinaus.

Seit ich nun nicht mehr fliegen darf und praktisch „Berufsverbot“ habe, der Römer aber gleichzeitig arbeitet, muss ich mich irgendwie selber versorgen. Und heute, mit einem einfachen Rezept für Spaghetti mit selbstgemachter Tomatensauce fing es an. Es schmeckte tatsächlich so gut wie beim Römer. Das musste selbst er feststellen und vertilgte zwei Teller voller Spaghetti.

Ich war erstaunt. Woher konnte ich das plötzlich? Gleichzeitig war ich motiviert. Jetzt noch schnell ein Brot gebacken. Ich wagte mich an dieses Thema und was soll ich sagen? Im ganzen Haus duftet es fantastisch nach frischem Brot. Man kann es nicht mit gekauftem Brot vergleichen, absolut nicht. So saftig, fluffig und wohl duftend schmeckt wahrscheinlich nur selbstgemachtest Brot. Das Beste daran ist aber: Es war blitzschnell fertig. Ein bisschen Hefe, ein bisschen Mehl, Salz, Gewürze und fertig.

Ich werde noch zur Küchenfee. 😀

6 Gedanken zu “Von der Küchenmuse geküsst

  1. Ja, man kann es nicht mit gekauftem Brot vergleichen – es ist in diesem Moment das beste Brot der Welt und diesen Duft gibt es nirgendwo anders. Es ist ein ganz besonderes Erlebnis, Brot zu backen. Deines sieht köstlich aus 🙂

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