Ruhebedürfniss

Die letzten Wochen brechen an und ich bin seit heute im Krankenhaus um’s Eck angemeldet. Die diensthabende Hebamme, die die Anmeldung mit mir machte, war, wie sollte es anders sein, italiana. Als ich ihr erzählte, dass ich mit dem Römer verheiratet bin, war sie überaus erfreut! „Ottimo! Cosi parliamo italiano e tedesco! Mi piace!“ [Super! So können wir italienisch und deutsch sprechen!“]

Ansonsten schlafe ich seit einigen Nächten wieder sehr, sehr gut. Und ich merke wie ich mich langsam zurückziehe. Ich möchte mich nicht mehr mit so vielen Leuten treffen. Momentan kann ich auch nur den Römer und den Einen ertragen. Die beiden aber dann in großem Maße. Mit dem Einen telefoniere ich gefühlt 3-5 Mal am Tag.

Gleichzeitig ist mir der Andere schon zu viel. Ich möchte meistens meine Ruhe.

Oder vielleicht liegt es auch daran, dass der Andere mich seit zwei Wochen nervt, dass er unbedingt meinen Werkzeugkoffer braucht, ich ihm Termine vorgebe, er da aber nicht kann und dann wieder damit nervt. Oder, dass er Ideen hat wie „Wir sollten alle Weihnachten bei mir feiern!“ und ich ihm klipp und klar sage, dass ich wahrscheinlich gerade tief im Wochenbett stecke und mit Sicherheit meine Ruhe will, er aber der festen Meinung ist, dass man UNBEDINGT (!) bei ihm dieses Jahr feiern muss. Und er gelesen (!) hat, dass eine Woche Wochenbett ja wohl reicht um dann wieder aktiv am sozialen Leben teilzunehmen. Ich sag mal so: Nein!

Rosi, die e`bamma, meinte, es wäre durchaus normal, dass man vor der Geburt mehr Ruhe braucht und keinen Nerv mehr für all die „Probleme“ seiner Mitmenschen hat. So wie sich Tiere kurz vor der Geburt zurückziehen, so ziehen sich auch Menschen vermehrt zurück und bräuchten ihre Ruhe. Das muss nicht bei jeder Schwangeren so sein, aber bei mir scheint es zu 100% zu stimmen.

Vielleicht mag es auch an dem grauen Herbstwetter liegen, aber am liebsten bin ich daheim oder unterwegs auf einer kurzen Runde um den Block.

Auch die Fragen wie „Und? Gibt es schon Neuigkeiten?“ ertrage ich nur noch schlecht. Es gibt keine Neuigkeiten – und wenn, würde ich es sicherlich zeitnah mitteilen. Es fehlt ja noch etwas mehr als ein Monat! Vielleicht werde ich in den letzten Zügen mein Handy bewusst ausstellen…

Ich atme mal tief durch, verkrümmel mich in die Badewanne und singe „Starfish“ laut mit! OOOOOMM!

8 Gedanken zu “Ruhebedürfniss

    • Ach, das wusste ich gar nicht. Das ist sicher hart! Je weiter die Schwangerschaft fortschreitet, desto „unangenehmer“ wird es. Ich bin eine der wenigen Privilegierten, die sogar ab Beginn der Schwangerschaft aufgrund von Strahlenbelastung u. Schichtarbeit daheim bleiben durfte. Ich weiß aber, dass die Schweizer Kollegen der Tochterfirma bis zum vollendeten 3. Schwangerschaftsmonat noch arbeiten bzw. fliegen müssen…

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    • SO hab ich auch reagiert. Besonders als kinderloser, schwuler Mann kann er gerne noch so viele Artikel lesen, dass eine Woche Wochenbett locker reicht, ich mach das so wie ICH das für richtig halte… Da kann er Weihnachten feiern mit wem er will – definitiv aber ohne uns!
      LG ❤️

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      • Es geht ja auch nicht nur um das Wochenbett allein, sondern auch ums Stillen, Wickeln, einen neuen Schlafrhythmus finden, der verheilende Dammschnitt etc.
        Und so ganz nebenbei möchte man vielleicht auch das neue Familienmitglied kennenlernen, dass man neun Monate im Bauch getragen hat…
        LG🌹

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      • Genau, es ist doch eine riesen Veränderung u. keine „kleine Sache“. Man muss erst einmal ankommen, sich kennenlernen, ist voll mit Hormonen, alles ist neu,… da werd ich nach einer Woche nicht fröhlich auf einem Weihnachtsabend rumhümpfen. Geschweige denn: Wir wurden nicht mal gefragt, OB wir überhaupt Weihnachten feiern MÖCHTEN. Der Römer ist eh außen vor – er nimmt zwar an Weihnachten teil (wie in den letzten Jahren wenn wir bei meinen Eltern waren) aber natürlich „feiert“ er es nicht in dem Sinne, dass er etwas damit verbindet. Ich musste oft an und über Weihnachten arbeiten, dh es war mir nicht besonders wichtig. Mit dem Kleinen werden wir jetzt wieder anfangen, sobald er 1-2 Jahre alt ist, weil es einfach eine schöne Tradition ist. Das gleiche gilt natürlich auch für das Fest des Fastenbrechens und das Opferfest. Man sieht und feiert mit der ganzen Familie! Man isst lecker, alle sitzen beisammen,… Aber wir möchten auch aktiv entscheiden, was WIR wollen und es soll nichts über unserem Kopf hinweg entschieden werden à la „Stellt euch nicht so an – das geht schon!“.
        LG ❤️

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