Wochenende und andere Katastrophen

Ich hoffe, Sie hatten ein traumhaftes Wochenende. Für die muslimische Gemeinde gab es einen hohen Feiertag – das muslimische Opferfest.

Wie wir es verbracht haben? Schwitzend auf der Autobahn mit einem schreienden Baby. Das Kind wickelnd am Rastplatz bei 32 Grad. Im Stau und schließlich zurückgepfiffen hinter Würzburg.

„Mama ist zu labil. Ein Wechsel der Personen (mein Bruder sollte fahren, ich sollte kommen mit Kind – der Römer wäre heim geflogen) würde ihr nicht gut tun.“ sagte Ova. „Ich weiß auch nicht, warum unser Bruder das nicht schon gestern bemerkt hat. Könnt ihr noch umdrehen oder seid ihr schon in der Nähe von München?“

Ich atmete tief ein und tief aus. Wir saßen bei Apfelkuchen und Espresso (Nerven beruhigen!) in einer Raststätte. Der Römer hatte Signorino auf dem Schoß und merkte, dass mein konzentriertes Atmen kein Zufall war.

„Okay, wir drehen um.“ antwortete ich. Ova entschuldigte sich hundert Mal, obwohl niemanden die Schuld traf. „Alles gut. Glück im Unglück, dass wir erst hinter Würzburg sind.“

Danach erklärte ich dem Römer die Lage. Er dachte kurz nach. „Ich war noch nie in Würzburg. Können wir dort eine Nacht verbringen?“ Da ich auch noch nie in Würzburg war, taten wir das. Es war sehr schön, unglaublich freundliche Menschen (vielleicht die Stadt mit den freundlichsten Bewohnern?) und eine sehr entspannte Atmosphäre.

Genießen konnte ich es nur so lala: Ständig trudelten wieder Hiobsbotschaften ein.

Wir wandeln auf einem schmalen Grat zwischen Psychiatrie (für beide? für einen?), Pflegeheim (für meinen Vater! aber er ist zu fit für eine geschlossene Abteilung – doch beim Stichwort Demenz gibt es nur das als Vorschlag) und Kuraufenthalt.

Mittlerweile kennt uns der psychosoziale Dienst des Landkreises recht gut.

Wir Geschwister arbeiten nun in einem Projektteam. „Die Super Geschwister“ hat uns mein Bruder genannt. Unsere Ideen, Betreuungspläne und Heimadressen werden in der App Trello (Werbung, unbezahlt) organisiert. So bleibt eine gewisse Übersicht bestehen.

Egal in welcher Situation Sie momentan sind, ich möchte Ihnen drei meiner aktuellen Lieblingssätze mitgeben:

  1. This too shall pass. It may pass like a kidney stone, but it will pass.
  2. Don’t try to calm the storm. Calm yourself. The storm will pass.
  3. Manchmal wird es keine gute Lösung geben, sondern nur die am wenigsten schlechte.