Glück für 45 Cent

Glück für 45 Cent

Bei der gestrigen Geschichte aus der S-Bahn habe ich Ihnen Teil 2 unterschlagen. Deswegen folgt hier die Fortsetzung:

„Sie haben gar keine Maske auf! Das macht dann 50 Euro, bitte.”, spricht der Kontrolleur hinter mir. Er ist einer von zwei VGF-Mitarbeitern, die im Gang der S-Bahn stehen, mit der Signorino und ich in die Kita/Arbeit fahren. Sie reden mit einem aufstrebenden jungen Mann, Ende zwanzig, den das Duo ohne Maske erwischt. Ich recke meinen Kopf, um den jungen Maskenverweigerer noch besser sehen zu können, was gar nicht so einfach ist, wenn man ein recht großes Kleinkind auf dem Schoß hat. Wie sagt man in Italien so schön: „La curiosità è femmina. [Die Neugier ist weiblich.]“ Auch mich trifft das definitiv zu.

“Oh, aber … hm… heute musste es schnell gehen.”, antwortet der junge Mann, den ich mittlerweile eingehend gemustert habe. Dunkelblauer Anzug, dunkelbraune Haare, eine Werbeagentur würde ihn wohl als sportlich-maskulin betiteln. Jede seiner dunklen Strähne ist einzeln und mühsam mit Gel definiert worden. Vermutlich sind deswegen die Seiten so kurz geschoren, weil ihm schlichtweg die Zeit fehlen würde, den ganzen Kopf morgens Strähne für Strähne einzeln zu hegen und legen. “Helmut, die Ausrede habe ich ja noch nie gehört.”, witzelt der eine Kontrolleur mit seinem Kollegen Helmut. Das Kontrolleur-Team ist ungefähr im gleichen Alter. Gestandene Männer, graue Haare, die Uniform spannt etwas im Bauchbereich, weswegen beide die Uniformweste offengelassen haben. Kontrolleur Helmut grinst und spricht zum jungen Anzugträger: “50,- € kost‘ Sie die Maskenfreiheit im Zug.” Der andere Kontrolleur, der nicht Helmut heißt, hat ein Einsehen und sagt: „Jetzt mach ma da net lang rum! Ziehen’s schnell die Maske auf und wir gehen einfach weiter als wär nix g’wese.“ Der geschleckte, aber maskenlose Anzugträger druckst herum. „Ja, nun…“, stammelt er. Heute früh musste es schnell gehen und da habe er in der Eile überhaupt nicht an eine Maske gedacht und deswegen kann er auch keine aufsetzen. „Nach ‚Schnell-aus-dem-Haus‘ sieht seine perfekt definierte Frisur aber nicht aus.“, denke ich zynisch. Und in meiner Mutti-Blase füge ich meinen Gedanken noch hinzu: „Also ich bin in der Lage an Kind, Laptop, Firmenhandy, mein Handy, unterschriebenen Zettel für die Kita samt fünf Euro Ausflugsgeld, Schnuller, Trinkflasche, Sonnenhut, Nerven-Riegel und Sonnencreme zu denken und bin zehn Minuten später als gewöhnlich aufgestanden. Aber Mr. Finance-Frankfurt schafft es nicht an seine Maske zu denken?! Kommt ja auch überraschend nach 2,5 Jahren, dass er in den Öffis eine Maske tragen muss.“ Dann verbiete ich mir meine Gedanken. Was weiß ich schon vom Leben des Jungspundes? Das Äußere täuscht doch allzu gerne über die wahren Probleme eines jeden hinweg.

Unweit entfernt vom Jungspund sitzt ein junggebliebener Mitsechziger. Hochgewachsen, kurzärmliges Karohemd, weiße, etwas längere Haare, Schnauzer. Einer, dem ich den Namen Wolfgang geben würde und vermutlich damit recht hätte. Er reicht dem Jungspund eine OP-Maske. „Unbenutzt natürlich.“, sagt er und zwinkert, was ich ganz genau sehen kann, denn ich recke und strecke angestrengt meinen Kopf, um von diesem morgendlichen Schauspiel ja nichts zu verpassen. Der Jungspund strahlt Wolfgang an. „Vielen, vielen Dank! Das ist aber nett. Das zahle ich Ihnen aber. Wie viel macht das?“, näselt der Jungspund. „45 Cent.“, antwortet Wolfgang trocken. Der Jungspund holt seinen Geldbeutel aus seiner Ledertasche, kramt, findet nicht die passenden Münzen, kramt weiter und versucht mühsam ein paar Münzen zusammenzusammeln, die im besten Fall 45 Cent ergeben. Ich denke noch: „Mein Gott, gib Wolfgang doch jetzt einfach 2 Euro. Alleine schon deswegen, dass er dich gerettet hat vor deiner 50 Euro Strafe.“ Doch Wolfgang steht bereits an der S-Bahn-Tür und wartet darauf, dass die Bahn an der Haltestelle Ostendstraße zum Stehen kommt. Grinsend beobachtet er das Schauspiel des Münzen suchenden Jünglings, bis er ihn mit dem Satz ‚Lass‘ gut sein, Bub! Ich war a amal jung. Da hat man ganz andere Sachen im Kopf.‘ erlöst. Spricht’s, die Türen gehen schrill piepend auf und er verschwindet Richtung Rolltreppen. „Da haben Sie jetzt aber Glück!“, kommentiert der Kontrolleur Helmut. „Was ich Ihnen nämlich noch verschwiegen hab: Eine Anzeige hätt’s auch noch für sie gehagelt. Vielleicht nehmen Sie sich nächstes Mal morgens mehr Zeit. Nur so als Tipp.“ Diesmal lacht der andere Kontrolleur. „Du Helmut, wollten wir nicht auch an der Ostendstraße raus?“, fragt der namenslose Kontrolleur seinen Kollegen Helmut. „Au ja! Jetzt aber schnell.“ Beide wackeln aus dem Zug. Der Jungspund greift zum Telefon. „Jan, du glaubst nicht, was mir gerade passiert ist!“

Verdammt! Ostendstraße! Hier müssen wir auch raus. Ich renne mit Kind und Rucksack aus der S-Bahn, gerade als die Türen anfangen sich piepsend zu schließen. Geschafft! Wir sind an der richtigen Station gerade noch so herausgesprungen.

Glück muss man haben.

Land der Dichter und Denker

Land der Dichter und Denker

Morgens in der S-Bahn. Signorino und ich fahren zur Kita. Wir setzen uns in die linke Vierer-Sitzgruppe, in dem ein junger, schmaler, sehr intellektuell wirkender Mann ein dickes Buch liest. Als er uns, oder viel mehr Signorino bemerkt, reißt er die Augen panisch auf. Er geht wohl davon aus, dass mein Sohn laut krakelnd seine Ruhe stören will. Doch Signorino ist ein S-Bahn-Profi und weiß sich zu benehmen. Als mein Nachwuchs beinahe flüsternd bemerkt, dass wir jetzt in einen Tunnel fahren, entspannen sich die Gesichtszüge des Intellektuellen. Er hat verstanden, dass Signorino kein Stimmungsmacher ist. Also keine Gefahr für die morgendliche Ruhe in der S-Bahn.

Wir rollen am Hauptbahnhof ein. Ein Typ steigt ein. Neongrünes Oberteil, beige Cargo-Hose mit vielen Schnallen und Verschlüssen. Kurz geschorene, mittelblonde Haare. Alles an dem Mitreisenden schreit. Der erste Eindruck lässt mich erahnen, dass nicht nur sein Kleidungsstil schrill ist, sondern auch alles andere an dem neuen Mitreisenden. Doch vielleicht mag das täuschen. Höflich ist er auf alle Fälle, denn er bedankt sich, als eine ältere Dame mit grauem Pagenschnitt ihre weinrote Handtasche auf ihren Schoß hebt, um für den Herrn einen Sitzplatz zu schaffen. Dass seine Stimme dabei laut und dröhnend ist, bemerke ich zwar, will aber meinem ersten Eindruck noch nicht gleich nachgeben.

Nur der schmale S-Bahn-Gang trennt uns jetzt noch von diesem Mitmenschen. Gerade fahren wir an der Taunusanlage ein, als Signorino leise bemerkt, dass vom Bahnsteig ein Aufzug mit Leuten nach oben schwebt. Ich gebe ihm recht und erkläre ihm mit gedämpfter Stimme, dass der Aufzug die Leute nach oben und unten befördern kann und, mit Blick auf die Anzug- und Kostümträger:innen im Aufzug, weise daraufhin, dass sie zur Arbeit müssen. Der schrille, junge Mann in der Vierersitzgruppe neben uns pult indessen sein Handy unter lautem Stöhnen und Seufzen aus der Hosentasche.

Endlich hält er es in der Hand. Ein paar Mal wischt er lustlos darauf herum, dann stellt er die Musik an. Natürlich ohne Kopfhörer dafür zu benutzen. Blecherne Balkanmusik wird von seinem Mobiltelefon in höchster Lautstärke herausgewürgt. Die Sängerin winselt wehleidig zu den Bässen und Klängen.

Alle Köpfe der um ihn herumsitzenden Mitfahrer:innen schnellen ruckartig zu ihm und fixieren ihn mit zusammengekniffenen Augen. Er bemerkt es nicht.

“Jetzt Sommermusik.”, kommentiert er laut. Wir Übrigen gucken uns irritiert an. Keiner sagt etwas. Brasilianische Funk-Klänge wummern durch den Waggon. Um-tscha-tscha-um-tscha-tscha. Um-tscha-tscha-um-tscha-tscha.

Ein älterer Herr, Hesse vermutlich, geht an uns vorbei. “Sin wa hier an da Copacabana oder was?”, spricht er im Vorbeigehen. Wir grinsen. Unser Mitreisender ignoriert den Kommentar. Als selbst ernannter S-Bahn DJ braucht man eben höchste Konzentration für das, was man tut.

Die junge Frau im Sommerkleid, die ihm gegenüber sitzt, steht genervt ausatmend auf und lässt sich auf einem Sitz am Ende der S-Bahn nieder. Ich blicke ihr nach und werde wütend. Nicht auf die junge Frau, sondern, dass einer sich das Recht herausnimmt, morgens die ganze S-Bahn zu terrorisieren. Eines der ungeschriebenen Gesetze ist es, dass morgens in öffentlichen Verkehrsmitteln absolute Ruhe zu herrschen hat.

Wir fahren an der Hauptwache ein. “Gelb.”, erklärt mir Signorino und meint damit die gelben Wandpanellen der Hauptwache.

“Jetzt lustige Musik.”, stimmt uns unser DJ auf den nächsten Kracher in seiner Playlist ein. Wieder sagt niemand etwas. Die ältere Dame neben ihm verdreht die Augen. Doch jetzt platzt mir der Kragen. Dafür war ich zu lange Flugbegleiterin, als dass ich jetzt meine Klappe halten könnte.

“Also, entschuldigen Sie mal bitte. Ich glaube, es hakt! Wir befinden uns hier im Land der Dichter und Denker. Und wissen Sie, wie es dazu kam? In dem Ruhe herrschte. Ab-so-lu-te Ru-he! Meinen Sie, irgendjemand kann dichten und denken bei dieser scheppernden Musik? Also bitte, verschonen Sie uns mit Ihren DJ-Künsten.”

Die Leute grinsen. Der Kerl will gerade antworten, da heißt es hinter uns: “Sie haben gar keine Maske auf! Das macht dann 50,-€, bitte.” Zwei Kontrolleure stehen bei einem jungen Mann im Anzug. “Oh, aber … hm… heute musste es schnell gehen.”, antwortet dieser. “Helmut, die Ausrede habe ich ja noch nie gehört.”, witzelt der eine Kontrolleur mit dem anderen. Der grinst. Zum jungen Anzugträger gewandt, wiederholt er noch einmal: “50,- € kost Sie die Maskenfreiheit im Zug, der Herr.”

Unser DJ wird blass. Auch er hat keine Maske auf. Wie von der Tarantel gestochen läuft er bis ans Ende des Waggons. Die „lustige Musik“, die er uns gerade eben noch ankündigt hat, begleitet ihn und an der nächsten Station springt er aus der S-Bahn. Ruhe! Endlich Ruhe!

Nur das Kind singt leise ein Lied seiner Lieblingsserie “Bohnentoast bing! Bohnentoast bong! Bohnentoast bingedibangedibung!”.

Einkommensnachweis

Das Verfahren, den Römer zum Germanen zu machen, läuft seit Oktober 2020. Wann immer sich das dafür zuständige Regierungspräsidium bei uns meldet, ist der Gatte schon flattrig im Hausflur. Noch im Lift reißt er den amtsgrauen Umschlag auf und sobald er die Türe aufgesperrt hat, ruft er bereits im Wohnungsflur „Amore, quelli del passaporto mi hanno mandato una lettera.“ [Schatz, die vom Pass(amt) haben mir einen Brief geschickt.]

Nach meiner obligatorischen Frage, was in dem Brief stehen würde, kommt das ebenso obligatorische Schulterzucken. „Beamtendeutsch.“, antwortet der Römer resigniert und drückt mir den Brief in die Hand. Sogleich setze ich mich hin und lese mir den Brief durch.

Doch es geht immer nur um eines: Mehr Unterlagen. Diese sollen gerne vorbeglaubigt, ganz beglaubigt, übersetzt, apostilliert, gestempelt, unterschrieben, vom Notar eigenhändig verpackt, zugeklebt, beschriftet und auf einer weißen Stute, die nicht älter als 5,4 Jahre alt ist bei Vollmond überbracht werden.

Am Ende des ersten Briefes stand der Zusatz:

„Bitte legen Sie einen aktuellen, beglaubigten Einkommensnachweis bei. Auch den Ihrer Ehefrau.“

Das taten wir natürlich. Die Monate verstrichen. Alle Unterlagen waren wie vorgegeben eingereicht. Ein neuer Brief flatterte ins Haus. Selbe Szene. Das Regierungspräsidium habe die Unterlagen geprüft und sie würden die Unterlagen nun zu allen relevanten, staatlichen Instanzen weiterleiten. Am Ende des Briefes wurde noch vermerkt:

„Bitte legen Sie einen aktuellen, beglaubigten Einkommensnachweis bei. Zu unserer Entlastung schicken wir Ihre zuletzt eingereichten Einkommensnachweise zurück.“

Wir machten einen Termin im Bürgeramt aus, ließen erneut Einkommensnachweise beglaubigen und schickten sie nach Darmstadt. Die Zeit verstrich. Ein neuer Brief des Regierungspräsidiums erreichte uns nach Monaten. Dieser teilte uns mit, dass der Römer einen germanischen Pass bekommen könne, solange sein Herkunftsland ihn aus der jetzigen Staatsbürgerschaft entlassen würde. Am Ende stand der obligatorische Satz:

„Bitte legen Sie zu den geforderten Dokumenten einen aktuellen, beglaubigten Einkommensnachweis bei. Zu unserer Entlastung schicken wir Ihre eingereichten Einkommensnachweise zurück.“

„Ma che cavollo! [Aber was für ein Unding!] Wie viele denn noch?“, wollte der Mann von mir wissen. Ich zuckte mit den Schultern. „Ist halt so.“, sprach ich. Was soll ich mich auch aufregen? So sind die Regeln für Passanwärter in diesem Land.

“Produziert in Albanien.” kann eben auch manchmal eine Bürde sein.

Ein paar Tage verstrichen. Mein Mann schrieb mir eine Nachricht und schickte mir ein Foto der wöchentliche Einkaufsliste weiter. Er fragte, ob ich nach der Arbeit einkaufen gehen könne.

Ich schrieb zurück: „Nach ausführlicher Prüfung der Einkaufsliste, bitte ich um einen aktuellen Einkommensnachweis. Den Einkaufszettel der letzten Woche schicke ich Ihnen zu meiner Entlastung zurück.“

„Non fa ridere.“ [Das ist nicht lustig.], antwortet der Mann trocken.

Ja, wer den Schaden hat, braucht für den Spott wahrlich nicht zu sorgen.

Ihr/e Hausarzt/-ärztin schreibt nicht hieroglyphisch

Nun habe ich das Thema unitechnisch so lange aufgeschoben, dass ich es jetzt wohl oder übel bearbeiten muss: Typografie – Schrift entdecken.

Mein erster Impuls als Gewohnheitstier war natürlich, dass ich gar nichts entdecken möchte, da nicht jede Entdeckung unbedingt positiv ist. Zu oft, vielleicht kennen Sie das, entdeckte ich etwas negatives, weswegen ich gut und gerne auf neue Entdeckungen verzichten kann. Doch leider, leider hilft das ganze Jammern und Lamentieren nichts – diese Schriften möchten von mir entdeckt werden, sagt die Universität.

Und dabei ist mir etwas ganz erstaunliches eingefallen. Mein Kopf neigt (gerade bei diesen heißen Temperaturen) gerne dazu, abzuschweifen und sich selbstständig zu machen, während ich versuche, ihn zu knebeln und Wissen in ihn zu zwängen. Es ging in meinem Skript-Text altägyptische Hieroglyphen, bei denen mir zuerst die Schrift meines Hausarztes in den Sinn kam, wenn er irgendetwas aufschreibt. Vermutlich haben Medizinstudent*innen im Laufe ihrer Universitätskarriere das Modul „Altägyptische Hieroglyphen – Rezepte und Botschaften richtig schreiben mit der Hand“, das eben so beliebt ist wie mein Typografie-Modul. Doch dort lernen sie nicht hieroglyphisch, wie es vom gemeinen Fußvolk gerne angenommen wird, sondern meines Erachtens demotisch.

Denn, und hier kommen wir zum springenden Punkt, es gibt drei verschiedene Hieroglyphen-Stile.

Da wäre der hieroglyphische Stil mit Abbildungen von Pharaonen, Adlern, Sphinx und Co. Er war der erste Stil, der sich entwickelte. Die Anfänge können auf ca. 2900/2800 v. Chr. datiert werden. Um ca. 500 – 100 v. Chr. verschwand die Hieroglyphenmalerei.

Dann gibt es den hieratischen Stil, der sich parallel zum hieroglyphischen Stil ab ca. 1900 v. Chr. entwickelte und als „starrer, monumentaler Repräsentationsstil“ bezeichnet werden kann. Um 400 v. Chr. entwickelte sich der demotische Stil, die Alltagsschrift, welche bis 100 v. Chr. benutzt wurde. (Quelle: Brockhaus 1992, S. 65)

Da ich mir geschriebene Jahreszahlen schlecht vorstellen kann, dachte ich mir, ich bastle uns einen Zeitstrahl.

Aber wie sehen sie aus, diese hieroglyphischen, hieratischen und demotischen Stile? Sehr schön fand ich diese Grafik, in der der Unterschied gut zu erkennen ist. Wenn Sie sich diese genau anschauen, werden Sie merken: Ihr Hausarzt/-ärztin schreibt gar nicht hieroglyphisch, sondern eher demotisch. Manche sicher auch hieratisch, aber hieroglyphisch, nein, so schreibt wirklich kein Arzt/keine Ärztin.

Falls Sie zu diesem Thema etwas ergänzen wollen, weil Sie es ganz genau wissen, zögern Sie nicht und klären Sie mich auf. 🙂 Wie immer bin ich um jeden Impuls dankbar.

Das Beitragsbild zeigt übrigens die gut leserliche „römische“ Schrift. Mein Gatte wünschte mir viel Glück für die Prüfung letzte Woche.

Ketchup im Zoo

Es ist Samstagnachmittag. Ein kleiner Haufen Kind liegt auf dem Sofa. Er ist in den ersten zehn Minuten seiner Zeichentrickserie eingeschlafen.

Vollkommen erschöpft fielen ihm die Augen zu. Ich kann ihn verstehen, denn es war wirklich aufregend im Zoo. Jetzt, mit 2,5 Jahren interessiert er sich für Gi-affe, Pinnuin und Zeb-a. Zugegeben, einen Kollateralschaden musste eine arme, zufällig vorbei flanierende Ziege verbuchen, was mir wiederum sehr Leid tat.

Als es passiert war, starrten die Ziege und ich uns entsetzt, um Fassung ringend, an. Hätte die Ziege sprechen können, sie hätte mit aufgeregt-zittriger Stimme “Das hat er nicht wirklich getan?!” gefiepst. Aber ja, mein Ableger hat das wirklich getan und der armen, zutraulichen Ziege kräftig in die kalt-feuchte Nase gekniffen. Und ja, das hätten wir beide nicht erwartet und es tat mir furchtbar Leid für die Ziege. Entschuldigend wollte ich sie am Bauch tätscheln, doch sie trabte beleidigt davon. Vermutlich brachte sie sich in Sicherheit vor dem neugierig kneifenden Menschenkind. Wer weiß auf welche Ideen Signorino noch gekommen wäre, wäre die Ziege stehen geblieben?

Zuvor, sonst hätte ich den Sohn gar nicht auf die Ziege losgelassen, tätschelte er eifrig andere Ziegen und machte „Wau!Wau!“. „Nein, nein.“, erklärten wir Eltern geduldig. „Das ist kein Hund. Das ist eine Ziege.“ Der Nachwuchs blieb beim „Wau!Wau!“, um schlussendlich das Tier mit “Ciao Ciao, Ziege!“ zu verabschieden. Irgendetwas blieb also doch hängen. Doch im Albanien-Urlaub vertiefen wir das Ziegen-Wissen noch etwas. Unser Lernziel wäre, dass der Nachwuchs weiß, dass es sehr untypisch für Ziegen ist, “Wau!Wau!” zu machen, sofern sie nicht von Hunden sozialisiert worden sind. Und selbst dann wäre es vermutlich eine erstaunliche Leistung seitens der Ziege.

Sehr gut haben uns übrigens die Seehunde gefallen, die der Römer und ich einstimmig für „foche”, oder auf Deutsch, „Robben“ hielten. Eifrig begann ich daheim den Unterschied zwischen Seehunden und Robben zu recherchieren und hörte bereits beim ersten Satz wieder auf „Alle Seehunde sind Robben, aber nicht alle Robben sind Seehunde.“ Puh! Das wirkte wie der Anfang einer Sachaufgabe. Ich beschloss, dass diese Wissenslücke ruhig ungestopft bleiben könne und tat es mit einem “Man muss auch nicht alles wissen!” ab. Für Signorino gab es nur eine Definition für dieses unter Wasser verkehrende Tier: Fiiiiesch (mit langem I). Auch nach mehrmaligem Erklären bzw. zweisprachig auf ihn einreden (Foche! Robbe! Sono foche, amore mio! Das ist eine Robbe, mein Schatz! Vedi?! Foche!), blieb er dabei: Es war ein Fiiiesch!

Ein Fiiiesch lt. Signorino. Im Video: Signorino erklärt etwas in seiner eigenen Sprache. 😄

Wir guckten noch bei den Okapis vorbei, bei einem Nilpferd, das Signorino als Stein bezeichnete und man ihm recht geben musste, denn das Tier lag mit dem Rücke zu uns vorm Wasserloch und bei aller Liebe: Es sah aus wie ein nasser Stein mit winzigen Stein-Ohren, die sich ab und an bewegten.

Die Erdmännchen verpassten wir diesmal, aber dafür guckten wir noch bei Gi-affe (das Kind kann kein R aussprechen) und Zeb-a (das R-Problem, wie gesagt) vorbei. Danach stärkten wir uns in der prallen Sonne mit den gesunden Klassikern der regionalen Küche: Chicken Nuggets und Pommes. So großzügig der Gatte auch beim Verteilen der Portionen war, so sparsam war er beim Ketchup. Einen Fingerhut voll Ketchup pumpte er aus einem großen Spender auf jede Portion Pommes und balancierte damit zu unserem Tisch. Daran erkennt man sie wohl, die kulturellen Unterschiede. Meine Pommes tragen normalerweise eine ordentliche Portion Ketchup auf dem Pommeshaupt. So viel, dass die direkt darunter verschütteten Pommes gar nicht mehr vor der Ketchup-Lawine zu retten sind und falls doch, nur mit einem Piekser gegessen werden können. Die römische Ketchup-Ration ist ein fingernagelgroßer Klecks, der einen irritiert fragen lässt, ob das Ketchup im Spender leer war. „Ma che! Era pieno! [Ach was! Es war voll!]“, sprach der Gatte und kaute auf einer nackten Pommes herum. Kurz überlegte ich, ob ich nochmal zur Ketchupquelle gehen sollte, aber ich arrangierte mich mit der verschwindend geringen Menge. Sparsam teilte ich sie mir ein, so dass ich fast ein Drittel der Pommes mit leicht benetzter Ketchup-Schicht essen konnte.

Dem Sohn war dieser Umstand schlichtweg egal. So gerne er ungesunde Lebensmittel wie Süßigkeiten und Eis in rauen Mengen isst, so sehr widert ihn Fruchtsaft und Ketchup an. Ein gesunder Ausgleich, wenn Sie so wollen, oder einfach nur sein römisch-albanisches Erbgut, das keinen Bedarf für Ketchup (und Fruchtsäfte) sieht. So aß er viele, nackte Pommes und probierte die Chicken Nuggets, die er „Bäh!“ fand. Obwohl wir neben dem Eisstand saßen, fragte er dennoch kein einziges Mal “…oder Eis?”, was wir durchaus als Erfolg verbuchten.

Satt und glücklich guckten wir noch zum Bären. Neben dem Gehege stand eine lebensgroß nachgebildete Figur aus Plastik, mit der man sich fotografieren lassen konnte. Fälschlicherweise hielt ich diese freundliche Bärenfigur für einen Waschbären und habe nun, auch nach den irritierenden Blicken des Römers, den Beweis dafür, meine Sehstärke nächste Woche überprüfen zu lassen.

Ein echter Bär im Gehege. Und ganz sicher kein Waschbär. 😉

Es war ein sehr schöner Tag mit all dem Frankfurter Getier. Doch das Spannendste war für Signorino die Straßenbahn, die am Zoo vorbeifuhr. Würde das arme Kind nie Straßenbahn fahren dürfen, ich würde es verstehen. Aber wir fahren mindestens drei Mal die Woche Straßenbahn und drei Mal die Woche S-Bahn. Man möchte meinen, irgendwann wäre das Kind gesättigt vor lauter Straßenbahnfahrten. Aber dem war nicht so!

Zum Abschluss fuhren wir noch zwei Stationen mit der Straßenbahn und das war definitiv das Highlight des heutigen Tages für das Kind.

Haben Sie ein tierisch-feines Wochenende mit hoffentlich genug Ketchup zu Ihren Pommes!

Frankfurt, c’est moi!

“Frankfurt, c’est moi!”, scheint das absolutistische Motto des Frankfurter Königs Oberbürgermeisters Peter Feldmann zu sein. Und obwohl ihn die wenigsten im Amt haben wollen, mutet es an, dass er gekommen ist, um zu bleiben. So wurde am 01.06.2022 ein Antrag gem. § 17 (3) GOS mit der Nummer 408 von den Grünen, der SPD, FDP und der Partei Volt vorgelegt. Dort ist vermerkt, dass der Oberbürgermeister Peter Feldmann kein weiteres Vertrauen mehr für die weitere Amtsausführung genießt. Als Begründung wird unter anderem der AWO-Skandal und sein Fehlverhalten der letzten Wochen genannt. Weiter steht im Antrag geschrieben, dass Peter Feldmann „offenkundig nicht in der Lage ist sein Amt weiter angemessen auszuüben.“ Er wurde aufgefordert, sein Amt niederzulegen oder positiver formuliert „mit sofortiger Wirkung sein Amt zur Verfügung zu stellen“. Andernfalls werde man am 14. Juli 2022 mit der Einleitung des Abwahlverfahrens beginnen. (Quelle: ParlamentsInformationsSystem)

Doch wer ist Peter Feldmann überhaupt? 1958 in Niedersachsen geboren und aufgewachsen in Frankfurt-Bonames machte er sein Abitur an der Ernst-Reuter-Schule in Frankfurt. Nach dem Studium der Politologie und Sozialbetriebswirtschaft, wurde er Leiter der Stabstelle der Arbeiterwohlfahrt. 2012 wurde er als Nachfolger von Petra Roth ins Amt des Oberbürgermeisters gewählt. (Quelle: Magistrat Frankfurt)

Mittlerweile ist er auch bei der Presse in Ungnade gefallen. Die Bild-Zeitung gab ihm beispielsweise die Spitznamen „Pattex-Peter“, da er an seinem Amt klebt wie der bekannte Kraftkleber oder auch, etwas uncharmanter, „Peinlich-Peter“.

„Peinlich-Peter“ (Quelle: Bild-Zeitung) machte unlängst seinem Spitznamen alle Ehre, als er im Flugzeug nach Sevilla eine Ansprache hielt, in der er, wie er dachte, einen lockeren Spruch zum Aufheizen in die hitzige Fußball-Fan-Menge abfeuerte. Die Flugbegleiterinnen wurden damit beschrieben, dass sie ihn „hormonell am Anfang erstmal außer Gefecht gesetzt haben“. Ein kecker Spruch, der sicher für einige Lacher in einer überfüllt-schwitzigen Fußballerumkleide gesorgt hätte. Jedoch war Peter Feldmann nicht in einer Fußballumkleide der Ü60 Gruppe eines hessischen Provinzvereins, sondern als oberster Frankfurter in seiner Rolle als OB in einem Flugzeug nach Sevilla. Der technische Fortschritt ist Fluch und Segen zugleich, wenn jede und jeder von uns zur/m Reporter:in wird und so landete der Clip in Blitzgeschwindigkeit im Internet, wo Feldmanns Kritiker:innen diesen dankend als gefundenes Fressen aufgriffen.

Auch die Bürger:innen Frankfurts wehren sich gegen OB Feldmann. Unlängst entdeckte ich diesen Aufkleber im gediegenen Frankfurter Westend.

Nun lernt man selbst in den einfachsten PR-Fibeln, dass es eine desaströse Strategie ist, sich bei einem von der Öffentlichkeit deklarierten Skandal, als Opfer der Umstände darzustellen und die Schuld für sein eigenes Fehlverhalten bei anderen zu suchen. Vielmehr kann man am Anfang eines Skandals das Ruder noch einmal herumreißen, in dem man als Sünder zu Kreuze kriecht und absolute Besserung gelobt. Irgendwann wird die Welle der Schmach schon absinken und man kann geschickt seine eigens dafür konzipierten „White-Washing-Strategien“ positionieren. Doch in diesem Fall möchte ich mir den Hinweis erlauben, dass ein mit einem Minimum an Restwürde gewählter, freiwilliger Abgang ein weitaus besserer Ausgangspunkt für die Zukunft Peter Feldmanns wäre als eine erzwungene Abwahl.

Oder wie der deutsche Politiker Haluk Yildiz dem Oberbürgermeister Peter Feldmann bei der gestrigen Stadtverordnetensitzung nahe legte: „Gehen Sie mit Gott, aber gehen Sie.“

Bums! Aus! Ende!

1000 Dank für all Ihre gedrückten Daumen!

Endlich Licht am Ende des Prüfungstunnels. Zumindest für den Moment.

Die Prüfung lief phänomenal. So phänomenal, dass ich in einer halben Stunde – angesetzt waren 90 Minuten – fertig war und die ganze Zeit dachte „Und dafür habe ich monatelang gelernt? Für diese 20 Scherzfragen?“. Nennen Sie es Überheblichkeit, aber tatsächlich hatte ich den Eindruck, dass die Fragen sehr an der Oberfläche kratzten.

Wie dem auch sei: Lieber so, als eine Prüfung, die mir die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Und sollten Sie Fragen zum Informantenschutz, zur Mediengeschichte, zu einem Treatment oder Abstract haben, melden Sie sich gerne. Auch auf die Frage, warum die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) bei Presse- und Rundfunk beinahe nicht greift, kann ich Ihnen antworten. 😉

Und da ich bei jedem Studien-Modul etwas mitnehme, teile ich dieses Zitat mit Ihnen:

In den Nachrichtenmedien wird die Wirklichkeit nicht einfach widergespiegelt, sondern konstruiert.

Beck, K. (2014) Soziologie der Online-Kommunikation. , S. 184ff.. Springer VS, Wiesbaden

Oder Joghurt?!

Signorino verfügt mittlerweile über drei Möglichkeiten, uns mitzuteilen, dass ihm etwas schmeckt oder eben auch nicht.

„Mmh! Lecker.“ wird meist für allerhand Süßkram oder Pizza benutzt. Es bedeutet absolute Zustimmung und 10 von 10 Punkten.

„Bäh!“ benutzt er, Sie ahnen es, für Dinge, die definitiv nicht seinen Geschmack treffen.

„…oder Joghurt?!?“ ist eine höfliche Rückfrage, ob er nicht lieber statt der angebotenen Speise einen Joghurt essen könne. Es widert ihn nicht dermaßen an wie eine „Bäh-Speise“, dennoch würde er bevorzugen, nicht weiter essen zu müssen.

Bakllava und caffé waren „Mmh! Lecker!“

So, morgen schreibe ich die Prüfung (danke für all die gedrückten Daumen!) und dann bin ich gewohnt wieder für Sie da.😉

Nächtliche Ruhestörung

Es ist Samstag, 23:30 Uhr. Unser Sohn sollte eigentlich schlafen und würde das auch gerne tun, nur über uns herrscht Partystimmung. Es hört sich an als würden wir unter einer Wild-West-Kneipe leben. Schrille Damen-Jauchzer, Gelächter, Trappeln, Klatschen und lautes Gerede halten unseren Sohn wach.

Irgendwann reißt meinem Gatten der Geduldsfaden und er stapft hoch. Wütend klingelt er, ganze vier Mal. Ich weiß es so genau, da ich das Klingeln in unserer Wohnung hören kann. Unsere Nachbarn und ihre Partytruppe können es nicht hören. Dann pocht er mehrmals laut gegen die Tür. Die Nachbarin schreit „Schahaaaatz! Schahatz!“ durch das Gegröhle und Gestampfe der sich amüsierenden Meute. Bei ihrem Organ höre ich auch das glasklar. Schahaaatz anscheinend auch, denn er öffnet gut gelaunt die Türe, erzählt mir der Römer später.

Unmissverständlich macht mein Gemahl dem Nachbarn klar, dass unser Sohn um 23:30 Uhr gerne schlafen würde.

Dieser antwortet irritiert, mit seinem eigenen einjährigen Nachwuchs auf dem Arm: „Aber wir machen doch gerade eine Party!!!“

Ein bisschen Zoff gabs‘s schon

Ja, und genau das wäre das Problem, antwortet der Römer. „Oh.“, sagt der Familienvater überrascht und fragt sicherheitshalber nochmal beim Römer nach: „Das heißt, wir müssen jetzt leiser sein, oder?“

Der Römer, so wird er es mir später berichten, nickt langsam und mit irritiert zusammengekniffenen Augen. Dann wünscht er den Nachbarn eine geruhsame Nacht und macht auf dem Absatz kehrt.

Als er mir die Geschichte erzählt, pruste ich (leise!) los. Nein, die hellsten Kerzen auf der Torte sind unsere Nachbarn sicher nicht. Aber unterhaltsam sind sie allemal.

WMDEDGT – Juni 22

WMDEDGT – Juni 22

Der Monatsfünfte und Frau Brüllen fragt mal wieder, mit was man seine Zeit verbringt. WMDEDGT nennt sie das und hier sieht das so aus:

09:00 Uhr Ich werde von den Kirchenglocken geweckt und drehe mich nochmal um. Keine Ahnung wie viel Uhr es ist. Das rekonstruiere ich erst um…

…09:20 Uhr als ich höre wie sich die Türe zum Wohnzimmer öffnet. Signorino ist auf den Beinen. Ich wecke den Mann, er soll mal gucken gehen. Im Wohnzimmer steht ein ziemlich müder Signorino und dreht sich mit halb geschlossenen Augen umher. Der Römer nimmt ihn und trägt ihn in unser Bett. Man muss es ja nicht gleich übertreiben und aus den Betten springen. Wir kuscheln ausgiebig. Irgendwann steht der Mann auf und macht uns Frühstück.

10:00 Uhr Es sieht bei uns aus wie der Frankfurter Ostpark nach einem langen Grill-Wochenende, also räumen wir auf, schmeißen die Waschmaschine an, die Spülmaschine ebenso, dann saugen wir Staub, aber der Staubsauger macht schlapp und möchte erst geladen werden. Der Römer nimmt dies zum Anlass, seinen Körper zu stählen (die Strandsaison steht vor der Tür!) und macht Liegestützen. Signorino wirft sich auf seinen Rücken, was den Trainingseffekt mindestens verdreifacht.

12:00 Uhr Heute ist Pinsatag. Wir bestellen bei unserer liebsten Pinseria und ich entscheide mich für Lachs, Spinat und Käse. Mario Monti nennt der Römer diese Pinsa und lacht über seinen eigenen Witz laut und schallend. Eigentlich heißt die Pinsa Mare e Monti, Meer und Berge und nicht wie ein italienischer Politiker. Der Römer bestellt eine Pizza mit viel Gemüse (die Strandsaison!) und Signorino bekommt eine Margherita. Wir warten auf den Lieferdienst. Er kommt früher als geplant. Essen, Espresso und für mich ab in die Dusche, da ich immer noch im Hausanzug bin.

14:00 Uhr In den Wald oder nicht? Das Kind ist müde und quengelig. Wir entscheiden uns dagegen, da er auf der Rückfahrt sicher einschlafen würde und wir auf einen frühen Feierabend hoffen. Der Römer wegen seines Doktorat-Projekts und ich, weil ich am Mittwoch zur Prüfung antreten will. Wir gehen Richtung Stammspielplatz, biegen aber kurz vorher ab, da der kleine Spielplatz komplett leer gefegt ist. Viel Rutschen, Wippen, Feuerwehrauto fahren und Tauben jagen steht auf dem Programm.

Signorino fährt das Feuerwehrauto wie ein Profi.

15:00 Uhr Ich entdecke den Römer auf dem Südbalkon. Er guckt sich meine Pflanzen an, die er meist als „belle ma inutili“, schön aber unnütz, bezeichnet. Dazu tröpfelt ein leichter Sommerregen vom grauen Himmel herunter. Es ist eine wahre Freude hier draußen zu sein. Ich setze mich neben ihn. Kurz mal durchatmen und ins Grüne gucken.

7 Tomaten und eine Chilli stehen auf dieser Seite des Balkons. Gurken, der Feigenbaum und der Granatapfelbaum stehen auf der anderen Seite.

17:00 Uhr Eine kleine Eispause. Ich verabschiede mich zum Lernen und bleibe doch bei WordPress hängen. Nur kurz lesen, nur kurz liken, alleine beim Kommentieren – Sie merken es selber – hinke ich hinterher. Die Privatspielplätze hinter unserem Haus sind gut besucht. Ich hole mir die Kopfhörer aus dem Wohnzimmer und stelle „White Noise – 3 hours“ ein. Dann quäle ich mich durch die 64 Karteikarten, die ich auswendig lernen muss und die bis Mittwoch sitzen müssen.

19:00 Uhr Es gibt heute sehr früh Essen. Der Römer hat genauso gekocht wie dieser Tag war: Völlig schnörkellos, aber sehr angenehm. Es gibt grünen Spargel, Spiegelei und eine Scheibe Brot. Das Kind will nur Butter(brot), was sich darin zeigt, dass es die Butter ableckt und wenig Brot ist. Danach isst er einen Joghurt. Alle satt, alle glücklich und für einen Bewohner heißt es: Schlafanzug an. Der Römer telefoniert derweil nach Albanien. Wir dürfen auch in die Kamera winken.

21:00 Uhr Das Kind ist im Bett, der Pflaumenkuchen im Backofen, ich widme mich meinen Karteikarten und dann heißt es: Let’s call it a day! Heute war seit langem ein sehr, sehr entspannter Tag.