Ultimo Ratio: Badewanne!

Es ist Sonntag. Die Nacht war kurz – oder lassen Sie es mich präzisieren: für eine Minderheit der Familie war sie gar nicht erst existent.

Wenn Signorino schlief, schnarchte der Römer in einer unerhörten Lautstärke. Wenn der Römer leise schlummerte, wandelte Signorino halb wach im Bett umher, wollte meine Hand mal im Gesicht, dann wieder auf seiner Brust, dann gar nicht mehr. Er rollte sich, begab sich in die beliebte Position „der Seestern“ mit seinen Füßchen in meinem Gesicht oder lies sich schlafend auf mich plumpsen. Es war zum verrückt werden.

Indessen wartete der Römer selig schlafend auf seinen Einsatz um seinen Lautstärkeregler wieder hochzufahren. Die perfekte Bühne für seinen brummenden Auftritt bot sich natürlich nur, wenn das Kind endlich in die Schlafparalyse geglitten war.

Müde schlürfte ich am nächsten Morgen ins Bad. Signorino befand sich in Obhut des Römers. Mein Blick fiel auf die Badewanne. „Ob es jemand merken würde, wenn ich mir einfach ein Bett in der Badewanne bauen würde? Zwei Handtücher dienen als Kissen, der Bademantel als Decke und ich könnte eine weitere halbe Stunde unbemerkt schlummern. Zur Tarnung würde ich den Duschvorhang zuziehen. Der Römer würde beim Anblick des geschlossenen Vorhangs nur wieder denken, dass ich einen neuen Ordnungsfimmel habe und dann….“ Noch ehe ich mich den weiteren Details hingeben konnte, kratzte es leise an der Tür. Mangels Haustier konnte es nur bedeuten, dass Signorino dem Römer entwischt ist. Sein pädagogisch wertvolles Betreuungskonzept besteht unter anderem auch aus „Zeitung lesen“ oder „am Handy scrollen“. Ich seufzte und öffnete die Tür. Ein fröhlicher Signorino guckte mich grinsend an. Ich hob ihn hoch und brachte ihn zurück zum Römer.

„Dein Kind ist abgehauen.“ sagte ich und er blickte nur kurz von seinem Handy auf. „Ma lui giocava!! [Aber er spielte!!]“ gab er empört zurück, so als ob das zehn Monate alte Kind durch eine ausgeklügelte List ausgebüchst wäre. Ich nickte kurz und schlich in die Küche. Während ich darauf wartete, dass die Kaffeemaschine endlich aufheizen würde, fiel mein Blick auf die zwei großen Wäscheberge. „90 Grad – weiß“ und „40 Grad – bunt“ türmten sich in schwindelerregenden Höhen vor dem großen Haushaltsschrank. Wenn man die beiden zusammen schieben würde, dann würde das ein wunderbar kuscheliges Bett ergeben. Ob man mich hier suchen würde? Wahrscheinlich nicht. Wer vermutete schon eine erwachsene, nüchterne Frau eingekuschelt auf zwei Wäschebergen? „Ob ich es versuchen sollte?“ fragte ich mich, doch im selben Augenblick hörte ich den Römer aus dem Wohnzimmer schreien: „AAAAAMORE! Un po‘ di giaccio ed un caffé, per favore!“ [Schatz! Ein bissschen Eis und einen Espresso, bitte!]

Bei dem Blick aufs Thermometer erübrigte sich die Frage, ob er nur sehr umständlich einen Caffè Shakerato bei mir bestellen wollte. Ich brachte ihm eine kalte Kompresse aus dem Kühlschrank – eingewickelt in ein Küchenhandtuch und nahm den schluchzenden Signorino in Empfang. „Non lo so come ha fatto lui. [Ich weiß nicht wie er das gemacht hat.] Auf einmal dotzte er mit dem Kopf gegen die Couch und als ich dachte, dass er nun nicht weiter fallen könnte, dotzte er weiter mit dem Hinterkopf auf den Teppichboden. Ich habe nur einen Moment weggeschaut, da war es schon passiert.“ erklärte mir der Römer wild gestikulierend. Sein Handy, dass in seiner rechten Hand aufleuchtete und sein dazugehöriger, ellenlanger Kommentar auf einer sozialen Plattform lies mich das das Gegenteil vermuten. „Ma il caffé?!“ [Aber der Espresso?!] hakte der Römer nach. Meine Vergesslichkeit gegenüber seiner Espressobestellung schockierte ihn mehr als der Sturz seines Sohnes. Ich guckte ihn genervt an. „Prioritäten.“ murmelte ich und hielt die Kompresse vorsichtig an Signorinos Stirn. „Alles muss man hier selber machen.“ motzte der Römer und stiefelte theatralisch in die Küche.

Wenig später kam er mit zwei caffé zurück. „Entschuldige, es gab nur noch deca…[entkoffeinierten Espresso] – ma non fa nulla. [aber das macht ja nichts] Am Montag kaufe ich neuen Kaffee.“ säuselte er fröhlich. „….ma non fa nulla.“ [Aber das macht nichts.] wiederholte ich in meinen Gedanken und beschloss, dass es auch nichts machen würde, wenn ich heute alleine auf der Couch schlafen würde. Sollen sie doch gucken, wo sie bleiben.

Ich bereitete das restliche Frühstück zu und brachte es an den Tisch. Signorino zappelte aufgeregt in seinem Hochstuhl hin und her. Das erste Stück Marmeladenbrot erreichte ihn und er stieß ein erleichtertes „Mjam“ aus. Während ich ihn fütterte, mampfte der Römer angeregt seine italienischen Kekse und trank seinen Espresso mit allergrößter Muße. Als er damit fertig war, streckte und reckte er sich, guckte zu uns hinüber und stellte fest: „Visto che ci dura ancora un bel po‘, io mi ristraio ancora. [Da es bei euch anscheinend noch ein bisschen dauert, lege ich mich nochmals hin.] Ich hab heute Nacht so unruhig geschlafen.“ Noch eh ich empört antworten konnte, war er schon abgerauscht. Einzig seine Kekskrümel und seine leere Espressotasse zeugten von seinem Gastspiel am Frühstückstisch.

Ich schüttelte den Kopf – trank meinen italienischen Kaffee Hag und begann mit der Grundreinigung des Tisches, Signorinos, des Hochstuhls und der Glasvitrine hinter Signorino. Danach saugte ich Marmeladenbrot-Stücke ein und legte mich erschöpft auf den Teppichboden. Von links hörte ich ein heiteres „Da da“ und spürte eine winzige Hand, die sich auf meinem Brustkorb abstützte. Noch eh ich aufblicken konnte, versank eine andere Hand forsch in meiner Magengrube. „Signorino. Au! Nein!“ presste ich hervor, da spürte ich schon ein Knie in einer meiner Rippen. „Nein. Nein. Nein.“ wiederholte das Kind. „Ich bin ein lebendes Klettergerüst. Na toll!“ dachte ich und verfluchte den Römer, der sicher schon schlummernd im warmen Bett lag.

Nach weiteren 40 Minuten erschien der feine Herr Farniente gut gelaunt mit einem „Ci voleva“ [Das habe ich jetzt gebraucht] auf den Lippen. „Alles gut bei dir?“ fragte er, als er mich auf dem Rücken liegend mit dem auf mir herumturnenden Signorino sah.

„Ich bin müde, habe heute Nacht nicht geschlafen. Meine Augen fallen zu und Signorino klettert seit 40 Minuten auf mir herum. Gleichzeitig habe ich keinerlei Kraft mich zu bewegen. Jede Zelle meines Körpers ächzt nach Schlaf und du legst dich hin und döst! Ich will keinen entkoffeinierten Kaffee, keine Wäscheberge, keinen Kompressendienst am Kind. Ich will einfach nur in der Badewanne schlafen ohne das jemand an der Tür kratzt. Ist das denn zu viel verlangt?“ ergoß sich mein Jammerschwall auf den verstrubelten Römer. „Amore, dann sag doch was! Ma sto io col bambino [Aber ich kann doch beim Kind sein]. Leg dich hin – solange du willst.“ redete der Römer beruhigend auf mich ein und half mir hoch. „Brauchst du noch ein zweites Kissen? Ohrenstöpsel? Eine Wärmflasche?“ sorgte er sich um mich – oder wohl eher um mein geistiges Wohlbefinden. „Nein, danke.“ antwortete ich weinerlich und schleppte mich mit letzter Kraft ins Bett.

Nach wunderbaren drei Stunden Schlaf kehrte ich erholt und mental geordnet zurück. „Das war zauberhaft.“ schwärmte ich und lächelte sanft. „Nein. Nein. Nein.“ begrüßte mich Signorino lachend. „Ich bin froh, dass es dir wieder besser geht. Ich war wirklich besorgt als du gesagt hast, dass du in der Badewanne schlafen willst. Da wusste ich: adesso basta! [Jetzt reicht’s] Lei deve dormire. [Sie muss schlafen] Aber…sag mal, hattest du das wirklich ernst gemeint mit der Badewanne?“ wollte er neugierig wissen.

„Ach nein, nein. Das wäre ja verrückt!“, entkräftete ich meine vorherige Aussage, „Ich war wohl sehr müde.“

Dem Römer genügte diese Antwort und er erklärte mir irgendetwas Zusammenhangloses über die Autobahnbezifferung in Deutschland.*

Einen Teufel werde ich tun und ihm meine „ultimo ratio“ im Kampf gegen den Schlaf verraten. Sollen sie mich doch überall suchen – friedlich in der Badewanne schlummernd vermuten sie mich garantiert nicht.

[*Der Römer meint, es könnte Sie auch interessieren, deswegen hier für Sie vom Römer: Eine ungerade Nummer tragen alle Autobahnen in Deutschland, die in Nord-Süd-Richtung führen (beispielsweise die A1); gerade Nummern bekommen alle, die in West-Ost-Richtung verlaufen (etwa die A 4).]

Signora Motzikova

*

Tun Sie es oder tun Sie es nicht?

Keine Sorge, Sie müssen mir diese Frage nicht beantworten. Bei uns ist es wie in einer guten Beziehung. Auch Geheimnisse muss man voreinander haben dürfen.

Aber um über den Römer und mich zu sprechen: Wir tun es. Nicht öffentlich, da genieren wir uns zu sehr. Obwohl, ab und zu ist es auch in der Öffentlichkeit passiert. Dann stieß ich den Römer meist unsanft mit dem Ellbogen in die Rippen und sssch-te ihn an.

Doch von vorne: Alles fing mit den Nachbarn oben an. Nette, kurz angebundene Herren, für die ich manchmal ein Päckchen annehme. Ich sollte den Nachnamen allein schon deswegen kennen, doch zu präsent ist ihr Eigenname, den sie von uns bekommen haben: Die TIRs, die sich wiederum in den kleinen und den großen TIR aufteilen.

Den Namen bekamen sie, weil sie uns sehr stark an eben diese erinnern.

So klebt doch das Schild mit der Aufschrift TIR an vielen italienischen LKW-Transporten: Transports Internationaux Routiers «trasporti internazionali su strada» [Internationaler Straßen Transport]

Und eins haben sie alle gemeinsam: Es sind sehr große, sehr schwere LKWs. Bevor sie jetzt mit „fat shaming“ kommen, möchte ich mich hiermit offiziell davon distanzieren. Denn der Römer war’s und hat ihnen den Namen gegeben. Beschwerden leite ich aber gerne weiter.

Zurück zu den TIRs: den großen TIR sieht man meist nur auf dem Balkon. Einmal in 3 Jahren hat er die Wohnung verlassen – mithilfe der Feuerwehr über den Balkon. Er musste ins Krankenhaus – und – nun ja – passte nicht durch’s Treppenhaus. Der kleine TIR ist dagegen eher im exekutiven Bereich tätig, kauft ein, macht Botengänge und kümmert sich auch sonst um alles.

Mit unseren seidenpapierstarken Wänden sahen wir uns gezwungen, ihnen Spitznamen zu geben. Sagen wir, um ihre Privatsphäre zu wahren.

Und genau das ist unsere dunkle, abgründige Seite: Wir geben unseren Nachbarn heimlich Spitznamen.

So auch geschehen vor 1,5 Jahren. Die Labradoodles sind ins Hinterhaus eingezogen. Herzige, übertrieben freundliche Menschen. Doch geistige Tiefe lässt sich bei Ihnen nicht erahnen. Eben ähnlich eines Labradoodles. Es mögen freundliche Tiere sein, wahrscheinlich auch intelligent (verzeihen Sie hier mein mangelndes Fachwissen über diese Hunderasse), ABER sie wirken so heiter und gleichzeitig nichtsahnend wie unsere Nachbarn. Sie, die Labradoodle Frau, könnte getrost ein „Influencer“ sein und er, der Labradoodle Rüde, macht „irgendwas mit Medien in einem Start-Up“.

Jedesmal wenn wir die Labradoodles sehen, begrüßt der Römer sie freundlich mit einem „Haaaaallo! Buongiorno!“ und haucht mir ein „Prendi la pallaporta la palla – molla la palla“ [Fang den Ball – bring den Ball – lass den Ball aus“] ins Ohr. Ich lächle dann verlegen und die Labradoodle Frau quietscht jedes mal vergnügt: „Iiiiich liebe Italienisch! Das ist so eine schöne Sprache!“ Der Römer lacht dann und nickt eifrig, während ich denke: „Na, wenn die wüsste!“

Letztens lies sich auch Turtle dazu hinreißen jemanden der Nachbarn zu taufen – incognito versteht sich. Ich erzählte ihr davon, dass ich ein Paket bei Torben abgeholt habe. „Wer ist das denn?“ fragte sie, eine ihrer selbstgemachten Zimtschnecken mampfend. „Mmh…der von dem Marketing Büro unten.“ versuchte ich es ihr zu erklären. „Aaaach! Der Rotfuchs von der Kifferbude!“ klarte sich ihr Gesicht auf. Der Römer prustete los: „Si! Il roscio! Grande, Turtle!“ [Ja, der Rotfuchs! Großartig, Turtle!] High Five! Beide schlugen ein und Torben hatte seinen Namen weg. „Il roscio“ ist er seitdem. Der Rothaarige von der Kifferbude.

Doch glauben Sie mir: Auch unsere Nachbarn haben es faustdick hinter den Ohren. Zum Beispiel Hubsi und Schnupsi, das flotte Mitvierziger Paar, das erst seit ein paar Wochen hier wohnt. Durch die stets gleichen, hochpreisigen Outdoor Jacken, die sie bei ihrer morgendlichen Nordic Walking Runde am Main tragen, erinnern sie mich eher an Vorort Idylle als an Großstadt. Und eben dieses Pärchen ist keinen Deut besser. Wann immer wir ihnen begegnen, höre ich ein leise gehauchtes „König Leonidas“ und „Svetlana Motzikova“. Am Anfang dachte ich, es sei ein Zufall, aber nein – mittlerweile kann man nicht mehr von Zufällen reden.

„Wie findest du es eigentlich, dass Hubsi und Schnupsi uns Namen gegeben haben?“ frage ich den Römer – mit dem nötigen Maß Empörtheit. „Die haben uns Namen gegeben? Quali sarebbero? [Welche wären das?]“ geht er neugierig darauf ein. „Also…du heißt „König Leonidas“ – und damit bist du echt gut weggekommen.“ fange ich an. „E tu? Come ti chiamano? [Und du? Wie nennen sie dich?]“ fragt er nun grinsend. Ich seufze und verdrehe die Augen. „Svetlana Motzikova!“

Der Römer kreischt los vor lachen. Sein Gepruste hallt durch die ganze Wohnung. „Svetlana Motzikova! È troppo forte! Geniale!“ [Svetlana Motzikova! Das ist zu gut! Genial!] Er lacht mittlerweile Tränen und muss sich abstützen. „Ja, ja, stütz dich nur ab….pfff!“ motze ich, halb eingeschnappt.

„Scusa, amore! Ich hätte nur nicht gedacht, dass Hubsi und Schnupsi so viel Fantasie und Humor haben. Fa troppo ridere [Das ist extrem lustig]. Ma una domanda: Perché ti chiamano Motzikova? [Aber eine Frage: Warum nennen sie dich Motzikova?]“ fühlt er mir auf den Zahn.

„Aaaach…eigentlich gibt es dafür keinerlei Grund. Ich habe Hubsi nur sanft (aber bestimmt) darauf hingewiesen, dass er nicht im Innenhof auf meinem Parkplatz parken darf. Es geht hier streng nach Seniorität. Darauf lege ich allergrößten Wert!“ erkläre ich ihm. „Aha….?!“, stellt der Römer fest, „…und weiter?“

Er kennt mich einfach zu gut und weiß, dass das nicht unsere einzige Begegnung war. „Außerdem habe ich Schnupsi erklärt, dass wir eine sehr ruhige Hausgemeinschaft sind und niemand um 13:30 Uhr bohren sollte. Auch nicht am Umzugstag. Das ist Signorinos Schlafenszeit und ich berufe mich auf die Hausordnung.“ ergänze ich spitz. Der Römer prustet wieder los. „Hast du es so erklärt? Proprio alla tedesca? [Genau so deutsch?]“ lacht er. „Ja.“ antworte ich knapp. „Dann hast du deinen Namen auch wirklich verdient, Signora Motzikova.“

Am nächsten Tag, Hubsi und Schnupsi kommen gerade von ihrer Nordic Walking Runde heim, halte ich ihnen mit einer großen Mülltüte bewaffnet die Tür auf, wünsche ihnen einen wunderschönen, guten Morgen und verwickle sie in einen heiteren Smalltalk über Nordic Walking. Der Römer, der die Szene mit Signorino beobachtet, fühlt sich sofort dazu berufen, diese Situation zu beurteilen. „Das war richtig nett, dass du ihnen zufällig die Tür aufgehalten hast. Sie müssen ja nicht wissen, dass du 10 Minuten am Türspion gewartet hast um sie abzupassen. Aber bevor du dir jetzt noch Nordic Walking Stöcke kaufst und mit ihnen eine Runde witzelnd durch den Park stöckelst, will ich dir sagen: mach dir keine Hoffnungen – den Namen behältst du auf alle Fälle, Svetlana Motzikova.“

Ich fühle mich ertappt, doch gebe schnippisch zurück: „Danke, ich trage es dennoch mit Fassung!“

„Non è che tu hai una scelta.“ [Es ist nicht so, als ob du eine Wahl hast] grinst der Römer.

*Bildquelle: Shutterstock

Si – am Arsc*

Bitte tun Sie mir den Gefallen und verurteilen Sie mich nicht auch noch. Ich fühle mich schon von ganz allein vom Schicksal betrogen. Wie ich nur ein Jahr später auf dem Boden herumkrieche und mit einem Tischstaubsauger glutenfreie Bio Maisstangen und Demeter zertifizierte Reiswaffeln mit Apfel-Mango Pulver einsauge, schäme ich mich über meine oft gehässigen Kommentare über die weit verbreitete Helikopter-Elternstaffel.

Wissen Sie, man macht sich so lange über Eltern lustig bis man selbst Kinder hat. Dann lacht sich das Schicksal ins Fäustchen und guckt mit einer großen Tüte Popcorn zu wie man so wird wie „die anderen“.

Plötzlich unterhält man sich über die Farbe und Beschaffenheit des Baby Stuhlgangs – während man isst. Man backt zuckerfreie Waffeln auf Bananenbasis (gar nicht mal so schlecht!) und jedes mal, wenn man in seinem chemie- und schadstofffreien Universum hockt und selbst gekochte Gemüsebällchen vom TÜV zertifizierten Babyhochstuhl schrubbt, steht der Römer hinter einem und sagt Schokolade kauend: „Als ob deine und meine Eltern so viel Aufwand betrieben hätten wie du! Bei all den Kindern wäre das auch gar nicht gegangen. Abgesehen davon hätte meine Mutter auch gar keine Zeit gehabt für solche Spielereien. Abbiamo mangiato la pappa – e basta. [Wir haben Brei gegessen – und das war’s] Wer den nicht wollte, der hat Pech gehabt. Irgendwann isst das Kind schon, wenn es Hunger hat.“

Ich blicke vom Boden auf, nachdem ich die Jagd nach dem letzten Krümel beendet habe und lasse den Staubsauger aufheulen. Das sollte Antwort genug sein. Doch der Römer verstand meine Drohung nicht.

Veramente, amore! [Wirklich, Schatz!] Wir sind so übervorsichtig. È assurdo! [Das ist absurd] Wir sollten uns einfach mal entspannen. Ganz besonders du, elicottera. [Helikopterfrau]“ setzt er seinen unerwünschten Monolog fort.

„Ok. Danke.“ antworte ich knapp und überprüfe nochmal, ob das Babyphone auch wirklich an ist.

„Zum Beispiel auch mit diesem Babyphone in unserer kleinen Wohnung. Sowas gab es bei uns gar nicht. Irgendeiner hat mich dann schon gehört, wenn ich laut genug geschrien habe. Wir versklaven uns für Signorino. O in altre parole: è troppo! [Oder mit anderen Worten: Es ist zu viel!]“ erklärt er – immer noch Schokolade kauend.

„Hm…“ gebe ich zurück. Durch das ständige Hinterherrennen und Verbote aussprechen an Signorino habe ich keine Energie mehr mich zu langen und breiten Diskussionen hinreißen zu lassen.

„Nein….Nein…Nein…Nein…Nein….Da…Da.“ tönt es aus dem Babyphone. Signorino ist wach. „Ah siehst du! Un’altra cosa! [Eine andere Sache!] Das erste Wort unseres Kindes ist nein, weil es das den ganzen Tag von dir hört. Vielleicht solltest du deine Sätze etwas positiver formulieren.“ kommentiert der Römer weiter und isst schlussendlich das letzte Stück Schokolade der Packung. Er knüllt das bunte Papier zusammen und versucht es in den Mülleimer zu werfen. Es gelingt ihm und er ruft laut jubelnd: „Siiiiiii!“

„Si am Arsch.“ murmle ich und gehe – genervt von seinen Ratschlägen – zu Signorino um ihn aus dem Bettchen zu befreien.

„Scusa? [Entschuldige?]“ fragt der Römer, doch ich war bereits im Schlafzimmer und auf meinem Erziehungsratgeber Ohr taub.

Später, am Nachmittag, gehen wir einkaufen, nachdem wir den Spaziergang mit Signorino beendet haben. Angekommen im großen Supermarkt begutachte ich das Gemüse. Ich greife nach einer Avocado und der Römer fragt mich, ob diese für Signorino sei. „Ja, ist im Angebot.“ gebe ich in den Einkauf vertieft zurück.

„BIST DU VERRÜCKT?!?!“ überschlägt sich seine Stimme. Ich gucke ihn irritiert an. „Die ist doch gar nicht BIO?!?!“ spricht’s, nimmt sie mir aus der Hand und legt sie zurück. „Damit kann gerne eine andere Mutter ihr Kind vergiften, aber nicht du. Du bringst den kleinen Kerl noch um.“ sagt er und fährt mit Signorino im Buggy schnurstracks in die Bio Abteilung. Dort zieht er sein selbst mitgebrachtes Obstnetz aus Bio-Baumwolle aus der Jackentasche und füllt unter allergrößtem Argwohn gegenüber den anderen Gemüsesorten eine Avocado ein. „Seit wann hast du ein eigenes Obstnetz?“ frage ich entgeistert. „Ach das….“ sagt er und denkt, ich würde nicht weiter nachhaken. Aber nicht mit mir, mein Freund! Nach einigen Sekunden des sinnfreien Herumstotterns, platzt es aus ihm heraus: „Ich bin einfach kein Fan davon, wenn das Gemüse meines Sohnes mit Plastik in Berührung kommt. È troppo pericoloso.[Das ist viel zu gefährlich] Da habe ich kein gutes Gefühl dabei. Wenn wir schon nicht regional kaufen, dann wenigstens bio!“

Ich grinse nur und sage: „Also mit diesem Obstnetz für unseren Sohn… Das hätte es früher bei uns nicht gegeben. Deine Mutter hätte das sicher nicht mitgemacht bei euch Kindern und -bei aller Liebe- wir sind so übervorsichtig, das ist doch ABSURD! Assurdo!! Wo wäre sie denn da hingekommen, wenn jeder ein eigenes Obstnetz gehabt hätte? Und BIO!!! Also nein, wir versklaven uns doch für unseren Sohn. Du solltest dich mal entspannen. Einfach mal alles ein bisschen sportlicher sehen. Und vielleicht solltest du auch einmal positiver auf andere Gemüsesorten und Anbauweisen herangehen. Du bist in letzter Zeit so negativ.“

Er funkelt mich an und setzt seinen Einkauf fort. Wir sprechen kein Wort, nur Signorino tönt „Nein, nein, nein, da, da, da.“ durch die Gänge.

„Zahlst du oder zahl ich, elicottero?“ frage ich ihn provozierend an der Kasse. Er rümpft nur seine Nase und holt seinen Geldbeutel heraus. „Und die Treuekarte nicht vergessen! Diese Woche gibt es achtfach Punkte.“ flöte ich. Er verdreht genervt die Augen und verstaut eine Packung Bio Maiswaffeln – demeter zertifiziert.

Daheim angekommen ruft er in Albanien an. Erstaunlich oft hört man das Wort „bio“ aus seinem Mund und dem Mund seiner Mutter. Als er auflegt, kommt er triumphierend auf mich zu: „Ha! Vedi! [Siehst du!] Alles war bio!“ Fragend blicke ich von Signorinos angekauten Bauklötzchen auf. „Ich habe gerade mit meiner Mutter telefoniert und alles war bio. Nur Obst und Gemüse aus eigenem Anbau bekam ich damals. Alles war frisch geerntet aus Omas Garten.“ erklärt er. „Aha. Na dann.“ gebe ich wenig interessiert zurück. „Ich wollte es dir nur sagen, weil du mich elicottero genannt hast. Und das bin ich nicht.“ weist er mich auf mein „Vergehen“ hin.

Ich lege einen Holzwürfel zur Seite, hole tief Luft und erkläre dann: „Schatz, nun sind wir doch mal ehrlich: Wir sind beide elicotteri – aus dem einfachen Grund, weil Signorino unser erstes und einziges Kind ist. Wir haben keinerlei Erfahrung und wollen alles perfekt machen. Hätten wir hier noch zwei andere Kinder herumhüpfen, wäre die Zeit auch deutlicher knapper um sich über solche Details Gedanken zu machen. Einigen wir uns einfach darauf, dass jeder von uns – auf unterschiedliche Art und Weise – ein elicottero ist.“

Va bene! [In Ordnung] Aber du etwas mehr.“ merkt er an. Wir müssen beide lachen. „Wenn du dich damit besser fühlst: sehr gerne!“ stimme ich zu.

Wir müssen sparen, amore!

„Wir müssen sparen.“ sagte ich, während ich die Kontoauszüge des letzten Monats überprüfte. „Hmmm…“ antwortete der Römer unfokussiert und starrte in seinen Computer-Bildschirm. „Ich meine es ernst! Irgendwo müssen wir sparen. Sonst kannst du unseren unbezahlten Urlaub vergessen.“ setzte ich meine Rede fort. „Si, si,…“ antwortete der Römer und nickte abwesend.

Ich schüttelte den Kopf und markierte Posten auf den Kontoauszügen, die Einsparungspotenzial hatten.

„Ist das deine Kreditkarte, die mit 45 endet? Oder meine?“ fragte der Römer in die Stille.

Ich guckte ihn mit dem selben Ausdruck an wie Melania Trump stets ihren Gatten anguckt. So als ob ich den schlechten Witz nicht verstehen würde. „Sag mal, hörst du mir eigentlich zu?“ zeterte ich los. „Ma si [Aber ja], irgendwas mit unbezahlter Urlaub. Aber du hast mir meine Frage noch nicht beantwortet. 45 alla fine sei tu, vero? [45 am Ende bist du, richtig] Ho fatto un gran affaro! [Ich habe ein riesen Schnäppchen gemacht] Una maglia di cashmere – colore azzuro! [Ein Kaschmir-Pullover in hellblau!] Wenn ich gleich bezahle, schicken sie es heute noch aus Italien los.“

Ich schnappte nach Luft und geriet durch seine Aussage erst richtig in Fahrt: „Ich glaub’s nicht! Du hast überhaupt nicht zugehört!! Ne, ne, mein Lieber! WIR müssen sparen.“ Der Römer guckte mich trotzig an. „Che palle essere sposato con una tedesca. [So ein Quatsch mit einer Deutschen verheiratet zu sein.]“ murmelte er ganz leise, doch dennoch laut genug um ihn zu verstehen.

„Komm mir jetzt nicht so! Ne, ne, mein Lieber. Wir setzen uns jetzt hin und gehen alle Posten durch, die wir einsparen können.“ fing ich wieder an und meine Emotionen liefen heiß.

Da saßen wir also: Ich – mit meiner schwarzen Brille, Kontoauszüge fest in der Hand, aufrechter Rücken und bereit alles einzusparen, was es einzusparen gibt. Und er, in seinem aufgeknöpftem, azurblauem Leinenhemd, lässig zurückgelehnt, eine schwarze Locke fiel ihm frech ins Gesicht.

„Okay, erster Punkt: Deine Schönheits-Tinkturen aus Südkorea.“ machte ich den Auftakt.

No!“ begehrte der Römer auf. „Du kannst mir alles nehmen, aber nicht meine Jugend!“ sprach’s und verschränkte bockig seine bronzenen Arme. „Deine Jugend ist seit 20 Jahren vorbei, amore mio. Du meinst wohl „dein jugendliches Aussehen.““, machte ich mich über seine Aussage lächerlich, „Ein Produkt aus dem Drogeriemarkt wird es wohl auch tun.“

Ich wollte gerade zum nächsten Punkt übergehen, doch ich hatte die Rechnung ohne den Römer gemacht. Theatralisch schmiss der Römer seinen Kopf in den Nacken. „Ma certo! [Aber sicher] Und was willst du mir als nächstes nehmen? Die monatliche Pasta- und Soßenlieferung aus Italien?“

Ah, ich sehe du bist schon eigenständig zum nächsten Punkt übergegangen.“ grinste ich ihn kampflustig an. „Warum genau musst du dir von einer toskanischen Fattoria Soßen und Pasta schicken lassen? Reicht denn keine Supermarkt-Pasta? Es muss doch auch nicht die günstigste sein?“

Der Römer schnappte aufgebracht nach Luft. DAS war zu viel für ihn. „Io…tu…! Ma no! No! No! [Ich…du…! Aber nein! Nein! Nein!]“ presste er entrüstet heraus. Er schnappte sich die Kontoauszüge und schrieb mit dickem Filzstift „non modificabile!!!“ [unveränderbar!!!] neben die beiden Posten.

„So, jetzt gucke ich, was ich streichen kann.“ setzte er sehr erbost an. „Aha! Eccoci qua! [Da wären wir!] Bio-Windeln? Kann weg! Wir brauchen doch wohl keine Bio-Windeln für Signorino. Meinst du, ich hatte damals Bio-Windeln in Albanien? Pfff… Davon hätte ich vielleicht träumen können. So – gestrichen.“ sprach’s und strich den Posten knallhart durch.

Nun schäumte ich vor Wut. Dickschädel knallte gegen Malok [albanisch: Dickkopf]. „Du kannst an allem sparen, aber nicht am Kind! Bist du wahnsinnig? Signorino soll keine Bio-Windeln mehr tragen? Was kommt als nächstes? Vielleicht verkaufen wir auch noch seinen Autositz?“ schimpfte ich los, stand ruckartig auf, stützte die Hände auf dem großen Esstisch ab und versuchte ihn mit einem Blick zu töten. Leider gelang es mir nicht. Er saß mir immer noch bockig, mit verschränkten Armen gegenüber und starte den Kontoauszug an.

Die Fronten waren verhärtet. Wenn wir nicht bald einen neutralen Posten finden würden, auf den wir beide verzichten konnten, dann würde einer heute Nacht auf der Couch schlafen. Und das war ganz sicher ich! Allein schon um des Römers Schnarchen und Signorinos erhöhtem Platzbedürfnis zu entgehen.

Ich stellte mich hinter ihn und guckte über seine Schulter. „Da.“ sagte ich knapp. „Wasser- und Saftlieferung. Ich denke, das sollte kein allzu großes Problem sein, wenn wir für ein paar Wochen oder Monate darauf verzichten würden.“ Er antwortete nicht, strich den Posten aber dennoch durch. Ein erster Erfolg in dieser italbanisch-deutschen Verhandlung.

„Ecco! [Hier!] Meine Fachzeitschrift werde ich aussetzen können. Das Zugeständnis mache ich – für meine Familie.“ erwiderte er provozierend. Ich überging großzügig seine Provokation und bedankte mich überschwänglich. Dazu legte ich meine Hand freundschaftlich auf seine Schulter. „Okay, hier – der teure Windelbalsam für Signorino. Er ist ja nun kein Neugeborenes mehr. Sein Popöchen wird auf die allgäuer Bio-Apotheken Creme verzichten können – hoffe ich.“ lenkte ich ein.

Er nickte zufrieden und strich den Posten durch.

Ein paar weitere, kleinere Posten fanden wir, die nicht überlebenswichtig waren. Am Ende bedankte ich mich bei ihm und setzte mich zufrieden auf die Couch.

„Ah, die Kreditkarte mit der 45 am Ende ist übrigens deine.“ klärte mich der ungefragt auf. „Ja, ja, ich weiß. Warum?“ gab ich – in eine Zeitschrift vertieft – zurück. „Weil ich gespart habe – ganz wie du wolltest.“ antwortete der Römer mit leuchtenden Augen. Ich schaute ihn indessen fragend an. „Abbiamo risparmiato un sacco. [Wir haben einen Haufen gespart.] 151 Euro per essere preciso. [151 Euro um genau zu sein.] Stell dir vor, der Kaschmir-Pulli hätte vorher ganze 250 Euro gekostet. Und jetzt zahlen wir nur noch 99 Euro. Super, oder?“ strahlte er mich freudig an.

Ich fiel vom Glauben ab.

„Du scherzt, oder?“ fragte ich knapp.

Ma tu hai detto che dobbiamo risparmiare. [Aber du hast gesagt, dass wir sparen müssen.] Und jetzt haben wir gespart. Für die gesparten 151 Euro sind auch locker Signorinos Bio-Windeln drin.“ informierte mich der Römer freudig.

Ich legte mein Gesicht in meine Handflächen und schüttelte den Kopf. „Ich geb’s auf!“ sprach ich in meine Hände. „Was ist denn nun schon wieder nicht okay?“ fragte der Römer.

Die Antwort blieb ich ihm schuldig. Aber der hellblaue Kaschmir-Pullover steht ihm ganz ausgezeichnet.

Audio – Bei Farnientes gibt’s heute Sushi

Liebe Leser,

ich habe meine Audiodatei schon einmal vor einigen Tagen hier gepostet. Es war und ist ein Herzensprojekt Ihnen meine Geschichten selbst vorzulesen.

Allerdings ist mir aufgefallen, dass ich die Komponisten der Eingangsmusik nicht nach Erlaubnis gefragt habe.

Also schrieb ich Oliver Astrologo und der apulischen Gruppe „Sciamaballà“ eine Email. Beide antworteten überaus nett und herzlich. Sie erlaubten mir die Nutzung ihres Stücks als Intro. [Das dazugehörige Video finden Sie hier: klick]

Deswegen, heute, nur für Sie noch einmal meine Lesung von „Bei Farnientes gibt’s heut Sushi“.

Bei Farnientes gibt’s heut Sushi

„Jetzt ist es passiert.“ werden Sie sagen während Sie die Überschrift lesen. „Ab jetzt wird sie uns jeden Tag erzählen, was es zu essen gibt. Irgendwann wird sie Wörter wie Foodie, Foodblog und Foodinspiration benutzen.“

Aber weit gefehlt, meine sehr verehrten Leser*innen! Vielmehr möchte ich Ihnen von einem, nein, von meinem Durchbruch erzählen. Es dauerte Jahre und nur durch mein unglaublich aufopferungsvolles Durchhaltevermögen habe ich es geschafft: Der Römer isst jetzt Sushi.

„Nichts besonderes.“ werden Sie mir mit Ihrem internationalen Gaumen antworten und währenddessen genüsslich ihre vietnamesische Phở schlürfen oder sich äthiopische Injera in den Mund schieben.

Aber ich halte ein „Oh doch!“ dagegen. Dazu muss ich ihnen eine Geschichte erzählen, die sich exakt so vor ein paar Jahren ereignet hat:

Als ich den Römer kennen lernte, war er ein begeisterter Fan der italienischen Küche. Das traf sich gut. Er wohnte schließlich in Rom. Doch wer nun erwartet, dass der Römer eine andere Landesküche außer der italienischen akzeptierte, den muss ich nun leider bitter enttäuschen. Es gab für ihn nur diese eine Küche.

Selbst in Albanien aß er zwar brav und ohne Widerworte das Festmahl, das seine Familie bei jedem Besuch auftischte, doch an Abenden, an denen er alleine Ausgang hatte, verschlug es ihn selbstredend in ein italienisches Restaurant. Wenn man ihn fragte, ob man etwas exotischeres essen könne, nickte er und schlug türkisch vor, denn Mezze und gegrillte Fleischspieße waren gerade noch so akzeptabel.

Die deutsch-österreichische Küche war ihm meist schon zu exotisch. Knödel wurden als „pane bagnato“ [nasses Brot] abgetan. Allerdings wurde ein hauchdünnes Kalbsschnitzel von ihm akzeptiert, da es dieses auch in der italienischen Küche unter dem wohlklingenden Namen „scaloppina milanese“ gab.

Und damit endete sein kulinarischer Horizont auch schon wieder.

Doch ich machte mir über dieses Thema nie viele Gedanken. Wenn wir uns sahen, dann waren wir meist in Rom und weniger in Frankfurt. Ich mag die italienische Küche und fand es vollkommen ausreichend mich von gegrilltem Fisch über Pizza bis hin zu cacio e pepe durch zu schlemmen.

Es war alles in bester Ordnung und wir hätten glücklich und verliebt bis ans Ende unserer Tage leben können, wäre da nicht unser erster, gemeinsamer Urlaub gewesen.

Das Reiseziel, Singapur und Bali, klang vielversprechend. Wir waren beide aufgeregt. Ich, weil ich hohe Erwartungen an diesen, unseren, ersten, gemeinsamen Urlaub hatte. Der Römer, weil er zum damaligen Zeitpunkt noch nie einen Fuß auf einen anderen Kontinent gesetzt hatte.

Im Flugzeug war alles ganz wunderbar. Man bot eine Auswahl an internationalen und asiatischen Gerichten an. Der Römer wählte begeistert die „internationale“ Küche, die aus insalata caprese [Tomate-Mozzarella] als Vorspeise und petto di pollo con purè (Hühnerbrust mit Kartoffelpüree) bestand. Ich hingegen war froh, die asiatische wählen zu können, wollte ich mich doch auf den Urlaub einstimmen.

In Singapur angekommen merkte man noch nicht viel vom römisch-kulinarischen Defizit. Am ersten Abend aßen wir frittiertes, einfaches Huhn und Reis. (pollo fritto con riso)

Generell galt: Alles, was einen italienischen Namen vorweisen konnte, wurde ohne Murren akzeptiert. Der Rest wurde verweigert, auch wenn das bedeutete in den Hungerstreik zu gehen.

Am zweiten Abend gingen wir in einen Foodcourt. Überall lachten uns kleine Buden an und jegliche, asiatische Gerichte wurden feilgeboten. Es war ein wahres Fest. Indisch dort, chinesisch da hinten, malaysisch links, usw., usw..

Ich setzte mich an ein Tischchen und bot dem Römer an, schon einmal zu gucken, was er essen möchte. Ich würde den Platz solange reservieren.

Der Römer stolzierte im Foodcourt umher, guckte sich alles genau an und verzog meist angewidert den Mund, bevor er seine Inspektion beim nächsten Stand fortsetzte.

Nach 20 Minuten, ich wartete mit knurrendem Magen auf meinem Platz, kam er zurück – mit leeren Händen. „Non trovo nulla qui! Fa tutto schifo.“ [Ich finde hier nichts. Es ist alles eklig.] sprach’s und ließ sich auf den Platz neben mir plumpsen. Ich guckte ihn irritiert – und hungrig – an.

„Und dafür hast du 20 Minuten gebraucht?“ fragte ich leicht genervt. „Vabbe, devo oppure vedere che c’è.“ [Ja gut, ich muss doch sehen was es gibt] antwortete er flapsig. Ich, ganz das allgemeine Wohl im Blick, bot ihm an, nochmal mit ihm gemeinsam zu schauen, ob es nicht doch was für ihn geben würde.

Wir gingen von Stand zu Stand und ich versuchte dem Römer das ein oder andere Gericht schmackhaft zu machen. „No.“ war seine andauernde und ernüchternde Antwort. Dazu schüttelte er vehement den Kopf. Ich atmete tief durch, da ich nicht wollte, dass dieser Urlaub gleich am Anfang zu einem Disaster werden würde.

Im Augenwinkel sah ich einen Dumpling Stand. Ich steuerte auf ihn zu. Der Römer trottete missmutig und hungrig hinter mir her. „Ah! Ravioli!“ erhellte sich sein Gesicht. „Buoni! Come sono?“ [Lecker! Wie sind die gemacht?] Der Römer, der damals sehr schlecht Englisch sprach, bat mich die Beschreibung zu übersetzen. „Mit Garnelen, vegetarisch oder mit Schwein!“ zählte ich auf. „Mmmh…buono! [Mmmh…gut] Ich nehme eine Portion mit Garnelen und eine vegetarische Portion.“ Ich bestellte die doppelte Menge für uns und nahm sie nach wenigen Minuten dankend in Empfang.

Angekommen am Platz war er höchst zufrieden mit seiner Wahl. „Veramente squisiti, questi ravioli.“ [Wirklich vorzüglich, diese Ravioli.] stellte er fest. „Sie heißen dumplings.“ erklärte ich ihm kauend. „Ah…dumpings! Fa oppure senso!“ [Ah…Dumpings! Das macht auf alle Fälle Sinn] bestätigte er mir. „Nein, nein, DUMP-L-INGS.“ wiederholte ich. „Ok…va bene. Basta che tu li sai pronunciare giuastamente.“ [Ok…in Ordnung. Es reicht, wenn du sie richtig aussprechen kannst] stimmte er mir zu.

An den darauffolgenden Tagen ernährten wir uns von „Dumpings“ und „Burger“. Weitere, kulinarische Versuche akzeptierte der Römer nicht. „Na, das kann ja was werden.“ dämmerte es mir – doch ich schob den Gedanken beiseite.

Nach einigen Tagen setzten wir unsere Reise fort. Es sollte nach Bali, Ubud um genau zu sein, gehen um dann – nach ein paar Tagen Aufenthalt – auf eine kleine Insel namens Gili Trawangan überzusetzen.

In Ubud angekommen machten wir uns auf die Suche nach etwas Essbarem. „Nasi Goreng wird er wohl essen können.“ dachte ich. Weit gefehlt, denn es gab kein italienisches Pendant dazu. Mangels Auswahl bestellte ich es trotzdem für ihn. Als Vorspeise bestellte ich Hühner Satay Spieße.

Die Vorspeise empfing er mit großer Freude. „Mmmh…spedine al pollo.“ [Mmmh…Hühnerspieße.] lobte er und verschlang sie gierig. „Ma questo sugo di noci non centra nulla. Sarebbe stato meglio con un sugo di pomodoro.“ [Aber diese Nusssoße passt überhaupt nicht dazu. Eine Tomatensoße wäre besser gewesen]

Ich lächelte milde und tätschelte sein Knie.

Als die Hauptspeise kam, machte er große Augen. „Ma che cos’è?“ [Aber was ist das denn?] fragte er sichtlich entsetzt. „Nasi Goreng.“ flötete ich und wünschte ihm guten Appetit. Er stocherte lustlos in seinem Gericht herum. Ab und zu probierte er ein, zwei Reiskörner und geriet dabei so ins Schwitzen, dass er fast alle Knöpfe seines weißen Leinenhemds aufmachte. Dann tupfte er sich theatralisch den Schweiß von der Stirn und ächzte: „Troppo picante! No, non lo mangio!!“ [Viel zu scharf! Nein, das esse ich nicht!] Ich atmete tief ein und aus und rechnete in Gedanken nach wie viele Tage wir noch in diesem „Paradies“ verbringen müssten, bevor wir wieder heimfliegen konnten. „14.“ murmelte ich völlig resigniert als ich die Anzahl der restlichen Urlaubstage kalkuliert hatte. „Wie 14?“ fragte der Römer. „Ääähm….entschuldige, 140.000 Rupien kostet ein Gericht, glaub ich.“ versuchte ich mich aus der Situation zu retten. Der Römer trank seinen Softdrink und aß die traurige Grill-Tomate, die resigniert am Rand des Tellers lag.

Am nächsten Tag machte ich mich alleine auf die Suche nach einem internationalen Restaurant während der Römer hungrig im Pool plantschte.

Zum Glück wurde ich fündig. Nur wenige 100 Meter von unserer Unterkunft entfernt gab es ein vegetarisches Café. Es sollte von nun an unsere Stammlokalität werden. Jeden Tag – zweimal – bestellte der Römer eine Mezze Platte und verschlang sie meist zwischen zwei Atemzügen. Nachmittags gönnte er sich ein Stück Muffin oder tortina, wie er es nannte.

Mir graute es bereits vor Gili Trawangan. Wird man etwas Essbares dort finden? Oder wird er sich nur von Softdrinks, tortina und Toastbrot ernähren?

Ich sollte es noch früh genug herausfinden, denn die Reise ging am nächsten Tag los. Wir setzten mit der Fähre auf die kleine Insel über. Angekommen am Zielort streifte er durch die Speisekarte eines schönen Strandlokals… und… nichts…es gab rein gar nichts für ihn. Neidisch blickte ich zu einem niederländischen Pärchen hinüber… sie aßen ein traditionelles, indonesisches Gericht und wirkten sehr glücklich dabei. Neben mir saß der hungrige, italienische Trauerkloß und guckte böse, weil ihm die heimische Küche fehlte.

Ich bestellte mir „Phad Thai“. Der Römer wollte nur eine Zitronenlimonade und Satay Spieße – ohne Soße. Als das Essen kam, guckte er neidisch auf meinen Teller. „Che cos’è?“ [Was ist das?] fragte er interessiert. „Sembra come tagliatelle con gamberi. Buono!“ [Es scheint wie Bandnudeln mit Garnelen. Lecker!] beantwortete er sich die Frage selbst. „N…jaaaa… Willst du probieren?“ erwiderte ich hoffnungsvoll. „Ma si! Perchè no?“ [Aber ja, warum nicht?] antwortete er begeistert. Er steckte sich die erste Gabel voller Phad Thai in den Mund und ich wartete gespannt auf seine Reaktion. „Buonissimo!“ [Sehr lecker!] fiel sein Urteil aus. Erleichtert atmete ich auf.

Fortan aß er jeden Abend Phad Thai und jeden Mittag Satay Spieße. Andere kulinarische Ausflüge wagte er – wie immer – nicht. Seine kargen Essgewohnheiten zeichneten sich sehr schnell ab. Im Gesicht wurde er sehr hager und auch seine Hosen saßen von Tag zu Tag lockerer. Böse Zunge würden behaupten, er sah wie ein Schiffsbrüchiger aus, der aus unerfindlichen Gründen auf dieser Insel angespült wurde.

Auf dem Rückflug war er heilfroh, dass es eine eurasische Fluglinie war. Er stopfte sich mit Mezze, Hähnchenspießen und Baklava bis oben hin voll. Satt und glücklich schlief er ein und wachte erst in Istanbul wieder auf.

Auf dem Flug nach Rom erzählte er dem interessierten, italienischen Flugbegleiter sein kulinarisches Martyrium. Dieser nickte verständnisvoll und legte ihm mitfühlend eine Hand auf die dürre Schulter. Ich stellte mich indessen schlafend.

„Nie wieder.“ schwor ich mir in Rom. „Nie wieder gehe ich mit ihm auf eine Reise, die europäischen, nein, italienischen Boden verlässt.“

Doch es kam, wie es kommen musste. Er zog nach Deutschland – und fortan begann eine mehrjährige, geschmackliche Gewöhnungsphase für den Römer. Mittlerweile isst er gerne indisch, thailändisch, vietnamesisch und – so gar (aber das dauerte bis letztes Jahr im Dezember) rohen Fisch in Reis – oder Sushi, wie es korrekt heißt.

„Darf ich dich mal was fragen?“ wendete ich mich gestern an ihn während er mit seinen Stäbchen geschickt das Sushi in die Sojasauce tauchte. Er nickte bejahend und kaute zufrieden.

„Warum hast du fast 40 Jahre lang nur italienisch, albanisch und Mezze gegessen?“ erkundigte ich mich bei ihm.

„Es gibt einfach mehr italienische Restaurants in Rom als alles andere. Da hatte ich den Drang nicht, etwas Neues auszuprobieren. Mal aß ich ein Kebab, wenn ich von einer durchtanzten Nacht kam. Aber auch nur, weil alle italienischen Imbisse schon geschlossen hatten.“ antwortete er sehr ehrlich.

„Und jetzt? Wie findest du’s jetzt mit all den Möglichkeiten, die wir haben?“ hakte ich neugierig nach. „Gut. Wirklich! Aber die italienische Küche würde mir zum Überleben reichen.“ gab er grinsend zurück.

„Na dann! Finger weg von meinem Lieblings-Sushi.“ konterte ich. „Ti piacerebbe!“ [Das würde dir so passen!] hielt er dagegen und schob sich genüsslich eine Sushirolle in den Mund.

Warnung!

Kennen Sie das? Sie lesen ein Buch und in ihrem Kopf fügen Sie automatisch Bilder dazu ein. Die Hauptdarstellerin sieht für Sie vielleicht aus wie Grace Kelly und der widerwärtige Nebendarsteller wie ihr unsympathischer Cousin Markus mit den derben Sprüchen?

Doch dann passiert es: Einige Monate danach sehen Sie (zufällig) die verfilmte Version des Buches. Doch die Schauspieler scheinen so gar nichts gemein zu haben mit den Personen, die Sie in Ihrem Kopf in liebevoller Kleinstarbeit zusammengesetzt haben.

Sollte Ihnen das so – oder so ähnlich – schon einmal passiert sein, dann klicken Sie nun auf das kleine [X] oben rechts. Schließen Sie den Beitrag und genießen Sie den restlichen Tag.

Wenn Sie dennoch weiterlesen, dann nur auf eigene Gefahr:

Ich – in meiner damaligen, letzten Schwangerschaftswoche, gebe Ihnen nun die Möglichkeit diesen Beitrag zu schließen

Nun gut, Sie wollten es so:

Ich habe mein Personenregister (Haupt- und Nebendarsteller) überarbeitet. Schon lange war es mir ein Dorn im Auge, denn es war ein einziger Haufen hastig hingeworfener Darstellernamen. Ordnung musste endlich her!

Gesagt – getan. Und wo ich gerade dabei war, dachte ich, dass ich auch gleich das ein oder andere Bildmaterial einfüge. So kam es also, dass ich, Eva Farniente, nun gar nicht mehr so anonym durch’s Internet rausche. Auch den Römer, den Einen und den Anderen kann man erahnen.

Dennoch: Signorino, Turtle und Ova bleiben ein Phänomen. Der Erstgenannte, weil er noch so klein ist und mit 18 Jahren ganz allein entscheiden darf, welche Bilder von ihm ins Internet katapultiert werden und die beiden Letzteren, weil ich weiß, dass sie sehr verschwiegene Personen sind.

Nun denn, viel Spaß! Und kommen Sie mir hinterher nicht mit: Ich hätte Sie nicht eindringlich gewarnt!

P.S.: Da ich aber keine Influencer-Mutti bin, ist und bleibt das Fotomaterial bis auf weiteres das einzige. Es gibt keine liebevollen Insta-Stories, wo ich Ihnen Tee, Haarspülungen und Gesichtscremes aufschwatzen will (mit Rabattcode 40% günstiger!!) und es wird keine 10 Min HIT Workouts (das würde ich auch nicht durchhalten!) geben. Ich hoffe, Sie verkraften das und begnügen sich weiterhin mit den Geschichten auf meinem Blog!

Si, si, certo!

Keine Sorge, wir sind schon mit einem überfordert. Ein Zweites würde uns in den Ruin stürzen! 😄

Je höher man fliegt, desto härter ist der Boden der Tatsachen, auf dem man früher oder später unsanft landet.

Und was sind wir hoch geflogen als wir vom Kinderkriegen geträumt haben! Sicher über 30.000 Fuß, denn das würde unsere fantasievollen Ideen unter offensichtlich akutem Sauerstoffmangel erklären.

Hatten wir während meiner Schwangerschaft noch den festen Wunsch mit einem 6 Wochen alten Baby nach Florenz zu fliegen (Stichwort: saldi oder Winterschlussverkauf), so knallten wir mit voller Wucht in das, was Alltag mit Baby bedeutete.

Vor ein paar Wochen war eine Freundin samt Mann zu Besuch. Sie kamen von außerhalb, deswegen buchten sie sich für ein paar Tage in einem Wellnesshotel unserer Stadt ein.

Wir trafen uns in diesen Tagen oft und plauderten über die wenigen Themen, die uns nach Jahren des losen Kontakts noch übrig geblieben waren.

Sie, die gerade mit dem ersten Kind schwanger ist, erzählte uns von den aberwitzigsten Plänen. Ihr Mann nickte stets bekräftigend. Am Anfang ließen wir sie gewähren, verkniffen uns das Lachen und das Berichten über die Realität. Wir nickten und lächelten. Platzierten begeisterte „Wows“, „Aahs“ und „Ohs“.

Als wir erzählten, dass Signorino durchschläft, aber nur, wenn er zwischen uns liegt und jeder ihm sein Händchen hält (und das bitteschön die ganze Nacht), lachten sie laut. „Wie soll man denn da schlafen können, wenn du die ganze Nacht sein Händchen halten musst? Ich könnte das gar nicht!“ sagte sie und er lachte.

Der Römer wollte gerade ansetzen und von Nächten erzählen, in denen man gar nicht schläft – oder jede Stunde aufgeweckt wird. Er wollte ihnen erzählen, dass wir wahre Glückspilze sind, dass wir die meisten Nächte durchschlafen – auch wenn Signorino spät ins Bett geht. Doch ich gab ihm einen Knuff in die Seite. Ich lächelte ihn an und flüsterte „Sie werden es schon noch früh genug herausfinden.“ als sie davon erzählte, welchen Stillsessel sie gekauft haben und dass sie „windelfrei“ unbedingt ausprobieren wollen.

Sie berichtete von ihrer geplanten Reise nach Nordafrika zu einer arabischen Hochzeit einer Freundin. Ich rechnete nach. „Das Baby wäre dann 4 Monate alt?“ fragte ich interessiert. Sie lächelte und streichelte über ihren Bauch. Der Römer biss sich währenddessen auf die Lippe. Sie fuhr fort und schmückte den Ablauf in den schönsten Farben aus. Das Baby soll für die fünf Tage der Hochzeitsfeierlichkeiten bei Oma bleiben oder aber – noch besser – mitkommen. Es würde zufrieden im Hotelzimmer schlafen, während Mama und Papa (mit Babyphone) im großen Saal zu lauter, arabischer Musik mit 300 anderen Gästen tanzen würden.

Ich sah wie die Augenbrauen des Römers hochschoßen. Gerade wollte ich ihn wieder knuffen, doch es brach schon aus ihm heraus. „Si, si, certo!“ sprach er sehr sarkastisch und übersetzte es auch gleich für unsere Gäste – nur für den Fall, dass sie es nicht eh schon verstanden hätten: „Ja, ja, sicher!“

Ich wollte ihm einen bösen Blick zuwerfen, doch ich musste so lachen, dass es mir nicht gelang. „Nur weil IHR ein anstrengendes Baby habt, heißt das nicht, dass unser Plan nicht klappen wird.“ erklärte die eingeschnappte, werdende Mutter und ihr Mann tat das, was er am besten kann: er nickte eifrig.

Ich lächelte sanft, streichelte ihr über die Schulter und sagte: „Da hast du Recht. Es muss nicht so sein wie bei uns.“ Es beruhigte sie.

Doch der temperamentvolle Römer, müde von dem ganzen, zusammen verbrachten Wochenende, an dem man nur von ihren Vorstellungen als zukünftiges Elternpaar sprach, trat nach: „Mbè…vedrai tu come sarà facile. [Du wirst sehen wie leicht es ist]“ sprach er und übersetzte es diesmal nicht.

Sie guckte mich fragend an. „Er sagt, es wird sicher einfacher als bei uns.“ interpretierte ich sehr großzügig.

„Ah ja! Das glaube ich nämlich auch.“ antwortete sie beruhigt und schob sich ein Stück Erdbeerkuchen in den Mund.

Als das Wochenende vorbei war, saßen der Römer und ich für eine kurze Verschnaufpause am Küchentisch. Endlich machte Signorino ein Mittagsschläfchen. Caffé und pasta alle mandorle (sizilianische Mandelkekse) standen vor uns: „Ich bin froh, dass sie heute abgereist sind. Non lo facevo piú! [Ich hielt es nicht mehr aus] Diese Traumtänzer! Er kauft das halbe, überteuerte Babygeschäft auf. Sachen, die das Kind nie anfassen wird, bevor es nicht mindestens 2 Jahre alt ist. Dazu diese völlig falschen Annahmen. Und dann immer diese Kommentare, dass sich deine Freundin am allerbesten auskennt, weil sie damals als 8-jährige, ihren neu geborenen Bruder zweimal gewickelt hat. È troppo stupida, amica tua! [Deine Freundin ist ganz schön doof]“

Ich rührte gemächlich in meinem Espresso, biss in einen butterweichen Mandelkeks und sprach: „Ach, weißt du, sie wird merken, dass ihre Erfahrung als 8-jährige sie nicht zu einer vollwertigen Mutter gemacht hat und dass sie noch genug lernen muss. Aber warum sollte ich ihr den Augenblick kaputt machen? Sie soll die Schwangerschaft genießen. Die ersten Tage und Wochen mit Baby wird sie ganz schnell wieder auf den Boden der Tatsachen holen.“

Der Römer guckte sehr nachdenklich. Irgendetwas brannte ihm noch auf der Seele. „Dimmi!“ [Spuck’s aus!] sagte ich.

„Non lo trovo giusto di non dire niente a loro. [Es ist nicht richtig, ihnen nichts zu sagen] Man kann sie doch wenigstens warnen, dass sie nicht blindlings ins Verderben laufen – come noi. [so wie wir.]“ erklärte er mir.

Ich musste grinsen, weil ich an uns als werdende Eltern dachte.

„Kannst du dich noch an unseren Rom Urlaub erinnern? Wolltest du vom müden und geschafften Marco die Wahrheit hören? Er stand mit uns am Tresen des Baylon Cafès, seine leere Espressotasse lag schlaff in der Hand, und murmelte völlig resigniert „terribilmente difficile“ [schrecklich schwer]. Ich weiß noch, wie wir durch die vicoli [Gässchen] von Trastevere spaziert sind und kichernd sagten: „Ja, vielleicht für ihn. Unser Kind wird ganz anders.“ Wir wollten es nicht wahrhaben. Und das ist auch gut so, denn sonst hätte niemand Kinder.“ fasste ich diese Begegnung für ihn zusammen.

Ah mi ricordo. Già. Marco aveva raggione! [Ah, ich erinnere mich. Stimmt schon. Marco hatte Recht] Ich sollte ihm schreiben, dass er untertrieben hat.“ stimmte der Römer mir zu.

„Siehst du! Und deswegen lächeln wir und sagen nichts über die Schwierigkeiten zu werdenden Eltern. Sie werden es schon noch früh genug herausfinden.“ ergänzte ich meine Geschichte.

„Va bene. [In Ordnung] Ich lächle, winke und wünsche ihnen viel Erfolg.“ lachte der Römer.

Da schrie auch schon Signorino. Er ist erwacht – nach 20 Minuten Mittagsschlaf. Seine Zähnchen kommen.

„Tocca te! [Du bist dran!]“ sagte der Römer. „Ich hatte ihn vorhin schon 3 Stunden schuckelnd auf dem Arm, weil er sich nicht ablegen lässt.“

Ich seufzte. „Showtime!“ Dann gab ich dem Römer einen Kuss und widmete mich Signorino.

„Es ist nur eine Phase!“ rief er mir aufmunternd hinterher.

Si, si, certo!“ antwortete ich.

Heute koche ich!

Was für Sie klingen mag wie ein einprägsamer Titel eines gelungen Kochblogs (keine Sorge, ich ändere meinen Blognamen nicht schon wieder!), ist in Wahrheit eine Drohung – wenn man dem Römer Glauben schenken darf.

Würde er diesen harmlos scheinenden Satz heute noch einmal hören, er würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und ausrufen: „Mamma mia, sempre questa donna!“ [Mamma mia, immer diese Frau!]

Trotzdem habe ich das dringende Bedürfnis Ihnen die ganze Geschichte von vorne zu erzählen, denn Sie verstehen mich. Da bin ich mir sicher!

Etwas Grundlegendes über mich sollten wir zuerst klären: Ich bin kulinarisch gesehen sehr kreativ. Täglich finden mich neue Kochideen und möchten in die Tat umgesetzt werden. Nur gibt es da ein Problem: Ich bin in der Küche vollkommen talentfrei oder um es mit anderen Worten zu sagen: Mein größter Erfolg ist und bleibt eine pasta fredda – ein italienischer Nudelsalat.

Heute war es wieder soweit: Eine neue Idee fand mich. Wie ich gedankenverloren durch einen italienischen Kochblog stöberte, sah ich es: Mein Rezept! Es trug den melodisch klingenden Namen polpette di melanzane al sugo [Auberginen Frikadellen in Tomatensoße]

Ein kurzer Blick in den Kühlschrank genügte. Es war alles vorhanden. Zumindest dachte ich das zu diesem Zeitpunkt noch. Denn wäre mein kurzer Blick ein langer Blick gewesen, wäre mir sogleich aufgefallen, dass zwei Zutaten fehlten: Eier und Parmesan. Fundamentale Geschmacks- und Konsistenzsäulen in diesem Rezept.

Aber hätte mich diese Lappalie davon abgehalten das Rezept postwendend umzusetzen? Wohl nicht! Denn „Improvisation“ ist mein zweiter Vorname.

So machte ich mich also an die Arbeit.

Schritt 1: Tomatensugo kochen. Dazu benötigt man passierte Tomaten , Zwiebeln, Zucker (ja, das kam mir auch spanisch vor), Salz, Pfeffer und Basilikum.

Hm…die sofortige Zubereitung des Sugos erschien mir nicht sinnvoll. Er würde doch nur herumstehen und damit Platz rauben, der in der eh schon kleinen Küche bereits Mangelware war.

Ich vertagte Schritt 1 auf später.

Dass Gerichte an Geschmack gewinnen, je länger sie köcheln, wusste ich zu diesem Zeitpunkt leider nicht. So ging ich sehr von mir selbst überzeugt zu Schritt Nummer 2 über.

Schritt 2: Würfeln Sie die Auberginen und geben Sie sie in ein Sieb. Bestreuen Sie sie großzügig mit Salz, damit sie an Flüssigkeit verlieren.

Das erschien mir sinnvoll. Während ich die Auberginen würfelte, tauchte der Römer hinter mir auf. „Madre mia!!! Le dita!!“ [Meine Güte! Die Finger!!] rief er. Ich beobachtete das Messer wie es nur wenige Millimeter neben meinen Fingerkuppen entlang schnitt. „Kein Grund zur Sorge“, sagte ich sehr cool, „ich mache das immer so!“ Der Römer nahm mir das Messer aus der Hand. „Wenn du es immer so machst, dann machst du auch immer etwas falsch. È un miracolo che non è mai successo qualcosa!“ [Es ist ein Wunder, dass nie etwas passiert ist] Als er die Auberginen fertig gewürfelt hatte, nahm ich ihm das Messer aus der Hand. „Danke, aber ich komme nun allein zurecht.“ sagte ich sehr schnippisch. Ich platzierte die Würfel in einem Küchensieb und fing an sie mit Salz zu bestreuen. Und während ich so bestreute und meinen Gedanken nachging, hörte ich den Römer schon wieder: „Ma che stai facendo? [Was machst du denn da?] Soviel Salz vertragen die Auberginen doch gar nicht! Und warum das grobe Meersalz?!“ Ich guckte auf die Auberginenwürfel. In meiner Tagträumerei versalzte ich die Auberginen sprichwörtlich. „Viel hilft viel!“ erklärte ich ihm sehr selbstbewusst, doch er wusch bereits die Auberginen um sie von meinem Salzgestöber zu befreien. Er trocknete sie kurz auf einem Küchentuch und streute mit einer geschickten Handbewegung feinkörniges Meersalz auf die Würfel. Gerade soviel, dass sie ins Schwitzen kamen.

Schritt 3: Drücken Sie nun das Wasser leicht aus den Auberginen. Anschließend erhitzen Sie das Öl in einem Topf. Danach frittieren Sie die Auberginenwürfel bis sie goldgelb sind.

Nachdem die Auberginenwürfel ein Teil ihres Wassers ausgeschwitzt hatten und ich sie danach ausdrückte (Sie glauben gar nicht wie viel Wasser in so einem Gemüse ist!) stand die Königsdisziplin an: Das Frittieren.

Während ich das Sonnenblumenöl großzügig in den Topf goß, stand der römische Paul Bocuse schon wieder neben mir. „STOOOP!!“ schrie er plötzlich als der Topf erst halbvoll war. „Jahaaaa“ antwortete ich genervt. „Basta così. [Das reicht so!] Das ist mehr als genug Öl!“ unterwies er mich fachmännisch.

Nach einer Pause fragte er sichtlich erheitert: „Du willst also wirklich frittieren?“ „Ja, so steht’s im Rezept.“ antwortete ich nüchtern und konzentriert. „Ma sei scema? [Bist du verrückt?] Du kannst doch kaum ein Toastbrot unfallfrei zubereiten und jetzt willst du frittieren?“ machte er sich über mich lustig. Ich atmete tief ein. „Arroganter Hamel!“ dachte ich und sagte es auch. Er guckte mich fragend an. Das Wort Hamel fehlte ihm wohl im Wortschatz. „Nichts, nichts.“ säuselte ich. „Weißt du, nur weil DU dich noch nicht an das Thema Frittieren getraut hast, heißt das nicht, dass ich es nicht versuchen kann.“

Der Römer grinste, wünschte mir in bocca al lupo [Viel Glück] und täuschte an zu gehen. Doch er war zu neugierig wie das Experiment enden würde. Deswegen schaffte er es nur bis zum Türrahmen und lehnte nun lässig dagegen.

Ich ließ mich nicht irritieren. Mutig erhitzte ich das Öl, fuhr nochmal mit den Händen durch die Auberginenwürfel und schüttete sie dann alle gleichzeitig in den kleinen Topf. Sie glauben gar nicht wie das spritzt und schäumt!

Aaah!! Porca puttana! [Das übersetzte ich Ihnen besser nicht]“ schrie der Römer.

Mein Gott, kann dieser Mann denn nicht einmal zufrieden sein?

„Schnell, schnell, du brauchst einen Schaumlöffel! Küchenrolle! Einen Teller! Das verbrennt dir doch sofort auf Stufe 9!“ Während ich mich noch suchend nach den gewünschten Utensilien umblickte, hatte er bereits alles im Bruchteil einer Sekunde zusammengesucht, den Temperaturregler auf kleine Flamme gestellt und seihte bereits die goldgelben Auberginenwürfel ab. „Puh! Das war knapp!“ reagierte er sehr gestresst. Ich guckte ihn verdutzt an. „Ging doch nochmal alles gut!“ lächelte ich während ich die goldgelb glänzenden Würfel betrachtete. Der Römer tupfte sich indessen den Schweiß von der Stirn.

Schritt 4: Vermengen Sie die frittierten Auberginenwürfel mit dem geriebenen Parmesan, den Semmelbrösel, dem Ei, den passierten Tomaten und dem Basilikum.

Nichts leichter als das. Während ich versuchte alles zu mischen, fiel es mir auf: Der Römer hatte das letzte Ei heute Mittag gegessen. „Mortacci tua!“ fluchte ich.

Aber ich wäre nicht ich, würde ich nicht exzellent improvisieren können. „Ein bisschen mehr Tomatensoße und es sollte klappen.“ redete ich mir ein. Also ertränkte ich die Auberginenwürfel in eben dieser. Streute eine Packung Semmelbrösel auf die Maße, die nun arg flüssig geworden war und wollte gerade den Basilikum hinzufügen, als ich aus dem Off schon wieder die Stumme des Römers vernehmen konnte: „Ma che cos’è? Stai facendo un insalata?“[Aber was ist das denn? Machst du gerade einen Salat?] fragte er grinsend. Ich räusperte mich, denn soviel Unverschämtheit lässt selbst mich nicht kalt.

Voller Selbstbeherrschung antwortete ich dann: „Nein, amore mio. Diese Pflanze nennt man Basilikum und sie ist Bestandteil der polpette.“ Kaum hatte ich meinen Satz ausgesprochen, drängte er mich bereits zur Seite, entfernte die Basilikumblätter vom Stängel und schnitt sie hauchdünn. „Du kannst doch keinen ganzen Baum in den Teig mischen. Basilikum muss man kleinschneiden, damit es sein Aroma versprüht. Er soll dich am Gaumen kitzeln! Es frischer machen! Luftiger! Es wird doch kein sorbetto al basilico [Basilikum Sorbet]“ erklärte er mir sehr fachmännisch.

„Das wäre ja auch kalt.“ glänzte ich zynisch mit meinem Wissen.

Er überließ mir den Teig. Die ganze aufgestaute Wut auf diesen Besserwisser machte es zu einem regelrechten Kinderspiel diesen Teig zusammenzukneten. Und wie ich knetete! „So ein Klugschei*er! Arroganter Hamel!“ murmelte ich vor mich hin.

Als ich den geriebenen Parmesan hinzufügen wollte, merkte ich, dass er in unserem Kühlschrank nicht zugegen war. Ich verwechselte ihn bei meiner vorherigen Zutatenvisite schlichtweg mit dem Pecorino.

Mehr als ein Schulterzucken rief auch dieses Problem nicht in mir hervor. Ich rieb ihn sehr fein und wollte ihn gerade untermischen, als ich zum wiederholten Male eine Stimme vernahm.

Der Römer – wie sollte es auch anders sein: „Ma è scritto parmeggiano, non pecorino!“ [Aber hier steht Parmesan, nicht Pecorino!] merkte der Römer an, während er auf die Stelle im Rezept deutete. „Ja, ich weiß. Aber ich dachte, ich improvisiere!“ erklärte ich ihm. Einen Teufel werde ich tun und ihm mitteilen, dass ich nicht genau geschaut habe als ich die Zutaten im Kühlschrank kontrolliert habe.

„Improvisieren? Du? Dazu braucht man Erfahrung! Fantasie! Passione [Leidenschaft]!“ neckte er mich. „Hab ich alles und jetzt rutsch zur Seite. Dieses Rezept verlangt nach Pecorino!“ motzte ich und schob ihn aus der Küche.

Schritt 5: Formen Sie Bällchen und platzieren Sie im Inneren einen kleinen Würfel Mozzarella. Danach panieren Sie die Bällchen mit Semmelbrösel.

Das krieg ich hin! Kein Problem. Ich versuchte Bällchen zu formen, doch der Teig klebte zäh zwischen meinen Handflächen. Der Römer kam wieder vorbei, angeblich um ein Fläschchen für Signorino zuzubereiten, und guckte mich belustigt an. „Aqua. Tiepida.“ [Wasser. Lauwarm.] merkte er süffisant im Vorbeigehen an. „Ja, kannst du dir nehmen. Gläser sind im oberen Küchenschrank.“ teilte ich ihm kühl mit. „No! Du sollst deine Hände mit lauwarmen Wasser befeuchten. Dann kannst du die Bällchen besser formen.“ ergänzte er mit seiner arroganten Küchenchef-Art. „Hmpf…“ hmpfte ich. „Geht schon.“

Als er die Küche verlassen hatte, versuchte ich seinen Trick und siehe da: Es klappte wunderbar. Doch gar nicht so doof, dieser Römer.

Schritt 6: Frittieren Sie nun die Bällchen bis sie goldgelb sind.

Das ist einfach. Das habe ich gerade eben schon gemacht.

Doch ich lernte aus meinem Fehler: Ich stellte eine niedrigere Temperatur als vorhin ein! Erst warf ich ein Bällchen in den Topf, dann nochmal 2, dann kam mir ein Gedanke und ich suchte etwas im Küchenschrank. Danach warf ich nochmal 3 Bällchen rein.

Der Römer – diesmal mit einem satten Signorino auf seinem Arm – stand in der Tür. „Was wird das denn wieder?“ fragte er in seinem Besserwisser Ton. „Nichts. Ich werfe Bällchen ins heiße Öl.“ erklärte ich schnippisch. „Si, lo vedo. [Ja, das sehe ich] Aber warum sind manche fast schwarz und andere fast roh?“ fragt er entsetzt. „Ääähm…“ brachte ich hervor.

Ich guckte in den Topf. „Oh!“ entfuhr es mir.

Da hatte ich schon Signorino auf dem Arm und wir wurden gebeten, das Spektakel von weitem zu betrachten. „Per la sicurezza di tutti!“ [Für die Sicherheit aller] hörte ich noch.

Der Römer seihte wieder ab, warf die besonders schwarzen polpette in den Müll und ließ dann die übrigen, noch zu frittierenden Bällchen in das heiße Öl gleiten. „Ist das das Rezept?“ fragte der Römer sehr höflich. „Ja!“ antwortete ich schuldbewusst. Der Römer lächelte mich aufmunternd an und rettete, was noch zu retten war. Signorino hielt mir seine Spielzeug-Raupe vor die Augen und guckte mich erwartungsvoll an. Wir gingen ins Wohnzimmer. Ich legte Signorino auf seiner Krabbeldecke ab und deckte den Tisch.

Nach 20 Minuten konnten wir essen. Traumhafte, wolkenähnliche polpette alle melanzane dampften auf den Tellern. Es roch himmlisch! Der würzige Sugo unterstrich den vollmundigen Geschmack des Käses.

„Ti piace?“ erkundigte sich der Römer. „Ja! Sehr gut. Ausgezeichnet.“ erklärte ich zufrieden zwischen zwei Bissen. „Hai fatto bene, amore mio. [Das hast du gut gemacht, mein Schatz] Der Pecorino war eine super Idee.“ lobte der Römer mich. Ich errötete, wusste ich doch, dass er die meiste Zeit meine Fehler ausgebügelt hatte und wir nur deswegen diese traumhaften Frikadellen genießen konnte. „Ma la prossima volta, che dici, proviamo una ricetta insieme?“ [Aber nächstes Mal, was meinst du, probieren wir ein Rezept zusammenzukochen?] wendete er sich ganz scheinheilig an mich. „Okay.“ knickte ich ein. „Aber ich suche es aus!“

Er lächelte und küsste mich auf die Backe. „D’accordo. Ma niente fritto!“ [Einverstanden! Aber nichts Frittiertes!]

Wie der Römer und ich uns kennen lernten (Teil 2)

Tadaaaa! Da ist er: Der überarbeitete Teil 2 unserer Kennenlern-Geschichte.

Sie haben den großen Vorteil, dass Sie nicht Jahre mitfiebern müssen (sowie der David Hasselhoff des Nordens: christophrox), was denn nun zwischen uns ist. Sie können das Endergebnis bewundern: Ich heiratete am Römer den Römer und wir haben letzten Dezember einen Signorino bekommen.

Genießen Sie Teil 2: [klick]