Elternsein im Dauerlauf: Alles gleichzeitig, nichts ganz

Wenn alles gleichzeitig ruft

Dieses ständige Entscheiden macht mich mürbe: Machen Sie jetzt dies oder machen Sie jetzt das? Weil beides, lieber Elternteil, ist zeitlich einfach nicht machbar.

Dabei sind „dies“ und „das“ eher so etwas wie „die Wohnung endlich mal putzen“ oder „mal eine Fuhre Wäsche anstellen“. Leider sind „dies“ und „das“ aktuell nicht „zum Sport gehen“ oder „Freunde treffen“.

Grundordnung oder Grundbedürfnisse?

Alles bleibt liegen, alles wird „nur mal eben abgelegt“ und mangels Zeit und Kapazitäten für lange Zeit nicht mehr am richtigen Ort verstaut. So lange bis sich die Dinge stapeln.

Klar, eine rudimentäre Grundordnung gibt es. Mal mehr, mal weniger. Damit meine ich zum Beispiel, die Küche aufzuräumen. Aber auch nur, weil sonst an Kochen gar nicht zu denken ist.

Dabei werden Grundbedürfnisse in diesem Haushalt, mit Neugeborenem und Kindergartenkind, schon noch irgendwie gestillt: Warme Mahlzeiten, gefüllte Brotdosen, benutzbare Badezimmer inklusive ausreichender Hygieneartikel und einen halbwegs vollen Kühlschrank.

Neue Hausschuhe für den Kindergarten oder T-Shirts in der richtigen Größe werden organisiert, wenn alle Grundbedürfnisse gestillt und noch Kapazitäten frei sind. Oder wenn mir Signorinos abgefressenen Hausschuhe beim Umziehen in der Kita-Garderobe in die Hände fallen und ich wenige Minuten später mit hochrotem Kopf und schamerfüllten Blick die Kita verlasse.

Es ist aktuell ein Drahtseilakt. Und es betrifft noch so viel mehr Felder: Gewaschen könnte hier täglich werden. Das schafft aber keiner, denn dafür müsste man dle Wäsche sortieren. Aber Sie ahnen es, es mangelt an der lieben Zeit, denn auch das Baby lässt sich nicht ablegen. Es könnte ja von einem Säbelzahntiger gefressen werden, denkt es. Gleichzeitig ist genau er, Bianco, die Ursache der vielen Wäsche. Denn er spuckt was das Zeug hält.

Und wenn das mit dem Ablegen doch klappt, in den seltenen Momenten, in denen Bianco die Federwiege akzeptiert, ist wieder irgendwo ein Brandherd (meist nicht wörtlich zu nehmen, außer bei der Breze), der gelöscht werden möchte.

Der Mülleimer läuft über und mieft oder der Hunger frisst einem ein Loch in den Magen. Aber auch Themen wie der Elterngeldantrag, der jetzt aber wirklich fertig gestellt werden muss, da nur drei Monate rückwirkend gezahlt wird.

Es fühlt sich ein bisschen an, als würde man versuchen, seine dreckigen Fenster mit einem alten, öligen Lappen zu putzen: Egal wie fest man reibt und putzt, es wird nicht besser. Eher schlechter.

Apropos Fenster: Die wurden das letzte Mal 2024 geputzt. Und nicht mal im Winter, sondern der Patina zufolge, im Herbst.

Keine Zeit! Keine Kapazitäten! Oder wie der Römer sagt: Immerhin kann dir nicht jeder von außen in die Wohnung glotzen – der Patina sei dank.

Und so ist das wohl: Man muss bei all den Aufgaben, die sich verdoppelt haben und der Zeit, die sich halbiert hat, noch irgendwo das Positive sehen.

Kurze Socken bei drei Grad – und andere kleine Siege

Ja, es ist chaotisch hier. Und ja, manchmal ziehe ich die kurzen Sommersocken an bei morgendlichen Temperaturen um die drei Grad, weil die langen Socken in der Wäsche sind. Und für die Wäsche war eben letzte Woche keine Zeit – aber hey, der Sommer kommt bestimmt! Warum nicht schon die Füße in den Übergangsstiefeln an die kurzen Socken gewöhnen?!

So muss man das wohl sehen! Die Fahne hochhalten, wenn das Schiff bereits zu zwei Dritteln untergegangen ist.

22 Kommentare

  1. Eine Bekannte, selbständig und ganz nebenbei einen großen Haushalt mit einem ganzen Rudel Kinder führend (nicht nur drei wie bei uns…) erzählte lachend, dass sie von der Erzieherin schräg von der Seite angesprochen wurde, weil ihre damals Jüngste nicht eben saubere Unterwäsche angehabt hätte (ich wäre vermutlich vor Scham im Boden versunken). Na, die arme junge Frau bekam was zu hören! „Was kann ich denn dafür, wenn sich meine Tochter keine neue Wäsche aus dem Schrank nimmt? Meinen sie, dass ich das kontrolliere? Da hätte ich viel zu tun!“
    Haltung bewahren. Haushalt und Kinder groß ziehen (oder gar erziehen, wie hier zur Stelbständigkeit) ist Arbeit! wer tätig ist, macht zum einen Fehler und kann nicht alles immer schon erledigt haben! Das geht nicht. Das habe ich u.a. von ihr (und von den Zwängen des Alltags) gelernt.
    Und genier mich immer noch, wenn etwas nicht ganz so aussieht, wie es meiner Meinung nach soll….

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    • Ha! Das merke ich mir. Das ist der richtige Ansatz. Signorino pariert nur, wenn ich ihn zum Kindergarten bringe und Bianco nicht bei Papa daheim bleiben kann: Dann klappt plötzlich alles alleine: Zähne putzen, anziehen, Schuhe anziehen, Brotbox in den Rucksack. Wenn Mama aber beide Hände frei hat? Na, dann weiß man nicht mehr, wo nochmal der Kleiderschrank war oder wie man die Jacke anzieht. 😄

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  2. Es muss für dich passen, nicht für andere. Damit sind schon mal ein paar Aufgaben vom Tisch. Der Rest – nun ja, da musst du wohl durch. Aber irgendwann wird’s besser, bestimmt. Schöne Ostern trotzdem! Liebe Grüße

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  3. Ein sauberer Haushalt wird überbewertet 😉
    Mein Heim versinkt im Chaos seit mein Mann vor 4 Jahren krank geworden ist!

    Hauptsache den Kindern geht es gut – alles andere kann warten.

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  4. Du hast das gut beschrieben. Und auch als Nicht Mama kann ich mir (nicht natürlich 😉) vorstellen wie heftig das ist.
    Der Satz mit dem Sichtschutz gefällt mir. Ob ich mir das ohne Kinder auch einreden kann?
    Liebe Grüße und schöne Ostern.

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  5. Liebe Eva,

    jeder hat gutgemeinte Ratschläge, Tröstungen
    Sind sie wirklich hilfreich – Nein –
    Lediglich die Anteilnahme tut gut
    Auch ich hatte ein Kindergartenkind (3) und einen Säugling ohne Ehemann (war auf Dienstreisen)
    Zu versorgen
    Die Elternzeit war beschränkt, von finanziellen Unterstützungen ganz zu schweigen
    Kindergartenplatz – Fehlanzeige
    Kopf hoch!
    Haushaltshilfe organisieren , bzw. liebevolle Person die Freiraum schafft
    Damals über eine kl Anzeige i Stadtanzeiger …
    Schnell gefunden
    Du solltest es für Dich tun!
    Sport, Beruf, Freunde sind wichtig
    Das schönste Kompliment erhielt ich damals von dem gerade 3 jährigen Sohn
    Gerade war ich gehetzt von der Dienstreise gelandet und er durfte mich am Flughafen abholen
    (natürlich war ich geschminkt, das neue giftgrüne Kostüm …)
    „Mama !!! Jetzt bist Du meine schöne Mama“
    Selbst, wenn ich zum Sport, ins Kino … ging, hatte ich immer im Kopf – hoffentlich klappt alles mit den Kindern

    Bitte nimm mir die Zeilen nicht übel
    Es geht so schnell vorbei – die Jahre fliegen
    Delegiere die lästigen Pflichten, schaffe Dir Freiräume
    Herzliche Ostergrüße
    Meggie

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    • Liebe Meggie,
      vielen, herzlichen Dank für deine wunderbaren Worte. Ja, so muss man es sehen. “Mutter” kommt nicht von “Märtyrer”. Ich werde Ausschau halten!
      Die Worte deines damals Dreijährigen gehen doch runter wie Öl!
      Signorino sagte vor ein paar Monaten einmal: “Du bist die beste Mama auf der Welt.”
      Und damit das so bleibt, beherzige ich deinen Ratschlag. Heute war ich schon entspannt Kaffee trinken mit einem langjährigen Freund. “Nur” zwei Stündchen, aber ich fühlte mich danach gleich viel ausgeglichener.
      Auch dir herzliche Ostergrüße, Eva

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  6. Das Schiff ist doch nicht zu zwei Dritteln untergegangen – es schaut zu einem Drittel raus aus der Flut! So sahen das die Passagiere auf dem Tanzdeck auf der T., so sieht das in gewissen Lebensphasen aus. Falls das Schiff untergeht ist es nicht das Dümmste, einfach weiterzutanzen. Falls es aber nur ein momentanes Eintauchen ist, das machen Schiffe bei Seegang halt so, ist es einfach richtig, zu schöpfen – Wasser und Hoffnung: Es wird sich schon wieder aufrichten. Stabilisieren.
    Ach, hab ich schon erzählt? Die größere der Zwillinge war Kotzmeisterin. Man konnte beinah Vorhersagen machen: Neues Gewand und – zack! Ganz toll war es im Auto. Wenn die BEscherung nicht nur innerhalb der Kleidung, sondern in alle Ritzen des Fahrzeuges läuft. Diese Autokonstrukteure haben offenbar weder einen Garten, noch Kinder, noch Haustiere – sonst könnten die keinen solchen winkeligen Unsinn bauen!

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    • Stimmt, man muss immer das Positive sehen: Fürs Eisbaden zahlen manche Menschen viel Geld. Das wäre damit dann gratis. Warum Beachpartys, wenn man auch Open-Water-Partys haben kann? 😉 Dieses Babykotzen ist wirklich eine Wissenschaft für sich. Wir waren sogar schon bei der Kinderosteopathin: Ergebnis? Einen Tag war Ruhe. Und dann ging’s richtig rund. Zum Glück haben wir kein Auto – da spart man das Gefriemel bei der Sitzsäuberung. 😄

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      • Tja, da kommt man halt mit dem Baby gar nicht erst bis zum Kinderarzt oder der, Originalaussprache, Ergotapperie. Also ohne Stinkekarre auf’m Land. Aber man weiß dann zumindest, dass und warum des Busfahrers Arbeitstag nicht mit der letzten Fahrt endet. Und das liegt meist nicht mal an mitfahrenden Babys!
        Und ja, und ich behaupte sogar, dass das für manche Momente so sein wird, diese Erlebnisse sind unbezahlbar und bleibende Erinnerungen. Ganz gewiß. Wie Du schon gesagt hast: Manche zahlen viel für Erlebnisse, die sie selbst wohl nicht auf die Reihe bringen und deshalb einen Organisator dafür brauchen. Pah! Das bekommen wir auch so hin!

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      • Ich erinnere mich als junges Mädchen auf dem Land: Drei Busse gab es. Das musste reichen! Ohne Auto war es hoffnungslos und hippe Lastenfahrräder gab es weder, noch hätten sie bei Strecken von 20km in die nächste Kreissstadt geholfen.
        Genau! Aber hallo!

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      • Das mit dem Fahrrad habe ich – ohne größere Transporte, obwohl ich auch manchmal einen die Rucksackkapazität testenden Einkauf nach Hause verfrachtete – lange genug getrieben. Einige Jahre 22km (mit dem Auto 25) einfach (hatte ich schon geschrieben, dass wir eine 18% Steigung aus dem Tal hoch zu uns haben?) oder, immerhin nur so 15km, in die andere Richtung. Allerdings unter Verzicht auf Extremeskapaden. Also angekündigtes Schlechtwetter oder gar Winterverhältnisse, Schnee und Glatteis – danke, nein. Da mußte das Auto ran. Auch mit dem Bus habe ich das einige Jahre probiert, was der Arbeitgeber mit der Idee wechselnder Arbeitsplätze quittierte – so lässig handhaben wir das nicht, oh nein! Die Autoindustrie muß gefördert werden.

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      • 22 km mit dem Rad sind echt beeindruckend – und bei 18 % Steigung sowieso eine echte Leistung! Am Ende zählt nur: Hauptsache irgendwie ankommen – möglichst entspannt, wenn irgendwie möglich.

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      • Ich geb da ganz gern an. Ohne zu wissen, wie weit ich da heut noch käme. Die Strecke war selbstverständlich einfach und jahrelang, bis kurz vor Schluß (mit der Arbeit) fuhr ich selbstverständlich ohne Strom! – Nach meiner Steigung war da nix mehr mit entspannt. Nur noch mit schweißgebadet. Aber das soll ja gesund sein. Sagt man.

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      • Übrigens: Meiner Meinung nach ist der Spruch, immer das Positive sehen zu müssen, falsch. Always look on the bright side of live… nö, danke. Jeder nur ein Kreuz?
        Aber was gewiß richtig ist, immer auch, neben dem anderen, die positive Seite zu sehen! So es eine gibt. Es gibt sie fast immer. Manchmal freilich nur in homöopathischer Dosierung, positiv ausgedrückt und fatal für die positive Seite, unschädlich.

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  7. Das kennt bestimmt jeder – das tägliche Chaos nicht nur in der Sockenschublade! Besonders wenn die Familie noch mitmischt, wird es manchmal zur echten Herausforderung, den Überblick zu behalten. Sneaker-Socken, Wollsocken, Baumwollsocken – die Sortierung kann zum echten Zeitfresser werden. Und zum Schluss hat man noch einzelne Socken, die plötzlich nicht mehr das passende Paar hat.

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    • Vielen Dank für diesen großartigen Kommentar – so treffend beschrieben und dabei noch mit einem Augenzwinkern! Das Sockenchaos ist wirklich ein Dauerbrenner im Familienalltag. Und ganz ehrlich: Die rot-schwarz geringelten Socken auf eurer Homepage wären bei mir sofort ganz oben in der Sockenschublade. 😉😃

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