WMDEDGT – August 22

Der Monatsfünfte und Frau Brüllen fragt mal wieder, mit was man seine Zeit verbringt. WMDEDGT nennt sie das und hier sieht das so aus:

03:00 Uhr „Oh Gott, meine neue Leinenbluse!“, schrecke ich aus meinem Halbschlaf aus Fresskoma und Erschöpfung hoch. Es stürmt in Frankfurt und in Gedanken sehe ich meine neue Oberbekleidung schon zusammengekrümmt als nasses, trauriges Etwas in irgendeiner Straßenecke liegen. Ich tapse im Dunkeln durch den Gang, durchquere das Wohnzimmer und finde sie am Balkonstuhl hängend. Rasch pflücke ich sie vom Stuhl, lege sie auf die Couch und trinke ein Glas Wasser, um dann wieder ins Bett zu huschen. Der Römer fragt im Dunkeln, was los sei. „Ich habe gerade meine Bluse…“, doch da schnarcht er schon wieder.

07:30 Uhr Ich stehe auf und bin vom gestrigen Geburtstagsessen noch so voll gefressen, dass ich nur Tee und Kaffee trinke. Dann dusche ich mich fix ab, wecke das Kind, bügle meine heute Nacht vom Balkon gepflückte Leinenbluse, wecke das Kind wieder, befülle die Wasserflasche mit frischem Wasser, tische das Frühstück auf und wecke das Kind nochmal. Irgendwann steht er auf. Er isst und trinkt sehr müde, ich mache mich fertig. Danach ziehe ich Signorino an. Er will nicht in die Kita. Ich schlage ihm vor, dass er das rote Zoo-Auto mitnehmen dsrf. Der Vorschlag kommt an! Leider finde ich das Auto nicht. So brüllt das Kind und ich suche panisch und wenig konstruktiv, während die Zeit uns gleichzeitig hämisch im Nacken sitzt. Irgendwann finde ich es – in der Mitte des Wohnzimmers auf dem Teppich. Wir können los. Auf dem Weg zum Auto umgehen wir viele Pfützen bis Signorino doch noch einen Moment findet, in dem er reinspringen kann. Ich habe eine blütenweiße Hose an und versuche diese mit Feuchttüchern im Auto zu reinigen. Für mehr ist keine Zeit. Es tröpfelt. Wir fahren los. Kaum aus der Ausfahrt raus, schüttet es in Strömen. Fußgänger:innen und Rad:fahrer halten sich schützend Jacken, Zeitschriften und Ordner über den Kopf. An einen Regenschirm denkt in diesem saharaheißen Sommer offensichtlich niemand.

09:15 Uhr Angekommen an der Kita, ruft das Kind herzzerreißend und Rotz und Wasser heulend „Mama! Mama!“. Es will auf meinen Arm. Seine Erzieherin steht auf und wir lösen ihn von meinem Bein. Ich fühle mich (mal wieder) wie die schlechteste Mutter der Welt. Im Auto angekommen, atme ich zwei, drei Mal durch und fahre nach Hause.

10:50 Uhr Ich gehe zur S-Bahn. Irgendetwas Oberleitungsmäßiges müsse zwar repariert werden, verrät mir die App, aber ich versuche mein Glück. Es beginnt zu tröpfeln. Folgerichtig habe ich natürlich keinen Schirm mitgenommen. Anscheinend bin ich ein Typus Mensch, der aus vorher getätigten Beobachtungen zwar urteilt („Jetzt haben die alle keinen Schirm dabei, obwohl die Wetter-App doch sagte, dass es regnen wird!“) , aber keine logischen Schlüsse für sich daraus zieht („Heute sollte ich auf alle Fälle einen Schirm mitnehmen.“). Nun denn, wie gut, dass ich eine weiße Hose anhabe. Das macht die Geschichte gleich doppelt spannend. Vielleicht verzichtet der Hausarzt, zu dem ich gleich will, darauf, dass ich mich ausziehen muss. Durch die durchsichtig gewordene Hose sieht er eh gleich alles.

11:50 Uhr Wenn Sie mit einem dringenden Anliegen zum Hautarzt wollen, müssen Sie früh aufstehen. Vor 9 Uhr werden die unangemeldeten Fälle abgearbeitet. Auch wenn Sie „ja eigentlich gar net komme wollde“ und dann doch noch um 11:50 Uhr auftauchen. Man schiebt Sie „ausnahmsweise“ ein, aber auch nur, weil bald Wochenende ist. Sie sehen, im halb offenen Wartebereich erfährt man so einiges Nützliches.

12:40 Uhr Beim Arzt war alles in Ordnung. Ich buche gleich noch den Termin für‘s Hautkrebsscreening (im Februar dann…) und gehe in den japanischen Laden nebenan. Signorino und ich schmissen jeweils einen Creme-Pumpspender herunter und nun verweigern die Spender ihre Pumpleistung. Also habe ich zwei neue, leere Pumpspender gekauft und pumpe nun um.

13:00-14:40 Uhr Wieder daheim. Ich gönne mir Zeit für mich und lese Blogs. Dann rufe ich den Einen an und wir quatschen über den gestrigen, zusammen verbrachten Abend. Zeitgleich ruft der Römer an. Er würde mich gerne an der Kita treffen. Ich willige ein. Erst im Auto frage ich mich, warum er das Kind nicht alleine abholen kann. Aber nun sitze ich schon im Gefährt. Der Römer winkt mir zu, wir gehen in die Kita und holen das verwirrte Kind ab: „Mamaaa! Papaaaa! Maaapa!“

15:00 Uhr Wieder zu Hause. Der Mann hat eingekauft. Bucatini („Conosci bucatini?“ Kennst du Bucatini?), italienische Kekse, Bresaola (ähnlich Bündnerfleisch), noch mehr italienische Kekse, irgendwelche italienischen Cracker. Ich habe den leisen Eindruck, ihm fehlt Italien? 🤔

16:00 Uhr Die Gallensteine des Mannes sind zurückgekehrt. Er jammert so vor sich hin, will aber nicht zum Arzt, dann doch, dann ist er zu müde für einen zweiten Bluttest, heute ist’s wieder extra schlimm. Ins Krankenhaus will er dann doch nicht und am besten soll das Problem sich in Luft auflösen. Aber wie damals bei der Gallenblase, löst sie sich leider nicht auf, sondern musste heraus operiert werden. Er baut erstmal Zug mit dem Kind und jammert, und fühlt sich schlapp und hat Krämpfe…. Wie kann man nur so stur sein? Die einzige Lösung liegt doch auf der Hand 🏥? Lieber jetzt als im Urlaub, fernab der Zivilisation und damit fernab von Krankenhäusern .

17 Uhr Nächster Halt: Drogeriemarkt. Der Mann deckt sich mit Gallenstein-Hausmitteln ein: Apfelessig, Kurkuma, Löwenzahntee, usw.. Das Kind macht gut mit beim Einkaufen. Daheim kriegt er dennoch einen Anfall, dass er zum Spielplatz wollte und will. Also gehen wir zum Spielplatz. Ich bestelle noch rasch Pizza vor, denn unsere Lieblingspizzeria machte eine dreiwöchige (!) Pause und heute ist sie wieder da.

Sieht nach (zugegeben sehr dreckigem) Strand aus. Ist aber ein Spielplatz. Aber meine weiße Hose ist noch weiß. Das ist doch auch etwas.

18:40 Uhr Vom Spielplatz zurück warten wir auf die Pizza. Das Kind kann nicht mehr warten und isst ein Marmeladenbrötchen als Vorspeise.

19:30 Uhr Die Nachbarn von oben bohren. Das Kind hat neuerdings Angst vor Bohrgeräuschen und so hängt ein ängstliches Kind auf mir wie ein Koala an einem Ast. Ich frage mich, wann deren Bohrprojekt beendet ist. Seit Tagen geht das schon so. Aber vielleicht bauen sie ab… und nicht auf. Das wäre mir sehr lieb.

20:45 Uhr Meine Schwiegermutter wünscht mit ihrem Enkelkind zu reden. Da weder Enkelkind, noch Schwiegermutter über ein Handy verfügen, ruft der Römer seinen Bruder an, der das Videotelefonat an seine Mutter weiterreicht. Nur Signorino guckt lieber „Tan“. Dann bequemt sich das Kind, drei Sekunden ins Telefon zu starren, nur um dann wieder „Tan“ zu gucken.

23:00 Uhr Das Kind schläft endlich. Let‘s call it a day!

Gleich geht’s weiter

Ein Gedicht von unseren Nachbarn

Es hämmert über uns. Die Nachbarn, die den ganzen Tag einen Ausflug machten, wollen doch noch ihr Tagwerk schaffen und klopfen und nageln fröhlich an ihrem Heimwerkerprojekt, das seit Mitte dieser Woche tatkräftig bearbeitet wird.

Und so fragte ich mich, wie wohl ein Gedicht von der anderen Seite aussehen würde? Welches Gedicht würden unsere Nachbarn aus ihrer Sicht zu Papier bringen. Lesen Sie hier einen meiner kläglichen, lyrischen Versuche nach:

Hämmern am Samstagabend

Samstagabend einundzwanzig Uhr dreißig

Auf die Nachbarn sch**ß ich

Ich hämmer hier und auch noch da

Ach, wie ist das Leben wunderbar

Klopf klopf Den Nagel rein

und schnell nach Schatz gerufen

Wer wird denn da schon böse sein 

und scharren mit den Hufen 

Die Nachbarn von unten 

drehen nervös ihre Runden

Das Nachbarskinde schlummert

Unser Hammer wummert

Hobbies sind wichtig

Besonders nach neun

Die Nachbarn oben, unten, links, ach die werd'n sich freuen

Ganztags mussten wir einen Ausflug machen

Schließlich waren wir mit unseren Ausflugssachen

am Badesee beim Sonne tanken

wo sich Erholung und Spaße ranken

deswegen nageln wir so spät

auch wenn unser Nachbar beinahe fleht

dass das Kinde ruht in seinem Bette

Lang schläft's so eh nicht 

Jede Wette!

22 Uhr - Das Werk ist vollbracht

Signorino von unten ist gerade erwacht

Ach wie schön kann Handwerk sein

Spätabends hauen wir den Nagel rein. 

Wir klopfen, hämmern, pochen, schlagen

Soll das Gewissen etwa an uns nagen?

Die Antwort lautet natürlich "Nein"

Gewissen - was soll das sein?

It’s not easy, but we make it look easy.

New York, Flughafen John F. Kennedy, irgendwann im Jahr 2017. Abflug 21:50 Uhr Ortszeit. In Deutschland ist es 03:50 Uhr morgens.

Ein gut gelaunter Stationsleiter kommt vom Upper Deck einer Boeing 747-8 ins Maindeck nach unten, scherzt mit uns und flötet „Problem solved. Der Gast auf 82 C ist jetzt auf 83 C. War ein double seating. Kann passieren.“ Er lächelt sein strahlend weißes Lächeln. Wir lächeln zurück. „It’s not easy.“, antworte ich und gähne in meine Armbeuge. Dann begrüßen wir die letzten beiden Gäste, die müde, mit einem Nackenhörnchen um den Hals ins Flugzeug schlurfen. „Darling, it’s not easy. But we make it look easy.“, antwortet Sam, der Stationsleiter. Dabei täuscht er eine Pirouette an und vorbeugt sich. Wir grinsen, obwohl wir gerade alle lieber schlafen oder bei unseren Lieben auf der heimischen Couch sitzen würden. „So, hier kommt der Abschluss. 7 Passagiere vorne in der First, 80 in der Business und 276 hinten in der Economy. Full house. Good luck, guys! Ihr könnt die Türe schließen.“ Meine Kollegin schließt die Türe 2L. Die Kabinenchefin gibt übers Cabin Interphone ihr Kommando „Cabin crew, all doors in flight.“ Wir stellen unsere Türen um. Let’s go!

An den Satz „It’s not easy, but we make it look easy.“ musste ich denken, als Ver.di zum Streik der Bodenmitarbeiter einer deutschen Fluglinie aufrief. Als ich den einseitigen Meinungsbeitrag von Alexander Hagelüken in der Süddeutschen Zeitung las, musste ich schon sehr schlucken. Verständnisheuchelnd beginnt er seinen Artikel, um dann die ganz große Keule herauszuholen. So fragt er „Ist es wirklich nötig, Urlaubern am Mittwoch diesen zusätzlichen Chaostag zu bescheren?“

Lieber Herr Hagelüken, die so kurze wie einfache Antwort lautet: Ja, ist es.

Sie sind Journalist. Werden Sie regelmäßig mit Polizeischutz in den Feierabend begleitet, weil die Nerven mancher Passagiere Leser:innen so dermaßen blank liegen, dass sie handgreiflich werden? So handgreiflich, dass sie den Kopf eines Bodenmitarbeiters nehmen und ihn mit voller Wucht gegen einen Check-In-Automaten schleudern, so dass der Bodenmitarbeiter daraufhin seinen Feierabend im Krankenhaus beim Platzwunden-Nähen verbringt? Rät Ihnen Ihr Arbeitgeber, besser Turnschuhe zur Uniform zu tragen, damit Sie notfalls schnell davon laufen können? Werden Sie tagtäglich angeschrien, obwohl Sie für die Flug-Ops absolut nichts können? Machen Sie trotzdem Ihren Job mit einer Engelsgeduld, behalten Sie Ihre Nerven, atmen lieber zwei, drei Mal tief durch und gehen dann trotzdem tagtäglich zum Dienst? Ziehen Sie sich erst an Ihrer Arbeitsstelle Ihre Uniform an, weil Sie Angst haben, auf dem Weg zur Arbeit nicht nur verbal angegangen zu werden, wenn die hiesigen Sommergewitter mal wieder dafür sorgen, dass eben keine Maschine mehr aus Frankfurt herausfliegen dürfen?

Lieber Herr Hagelüken, die Gedanken sind frei. Meinungen sind es auch. Aber bitte informieren Sie sich doch vorab, wie es wirklich hinter den Kulissen ausschaut. Dafür brauchen Sie weder Interviews mit Bodenmitarbeiter:innen führen, noch die Presseabteilung der Fluggesellschaft bemühen. Setzen Sie sich einen Tag an den Flughafen, gerne an den Flughafen Frankfurt Rhein-Main-Airport, beobachten Sie, hören Sie einfach nur zu. Mehr braucht es nicht, um sich ein Bild der katastrophalen Situation und der unglaublichen Leistung der Bodenmitarbeiter:innen zu machen. Und dann, lieber Herr Hagelüken, wäre Ihre Meinung vermutlich eine andere.

Lassen Sie sich dabei vom schönen Schein des Bodenpersonals nicht täuschen, aber zeigen Sie zumindest Verständnis dafür, dass die Bodenmitarbeiter:innen schlichtweg nicht mehr können. Die Geschäftsleitung hört Ihnen nicht zu, denn das Problem besteht nicht erst seit gestern, sondern seit Monaten. Als ich noch regelmäßig in Frankfurt flog, waren die anstrengendsten Tage, die der Sommergewitter oder des Wintereinfalls. In diesem Jahr ist jeden Tag Sommergewitter und Wintereinfall zugleich. Wie sollen sich die Bodenmitarbeiter:innen denn Gehör verschaffen, wenn Sie nicht da treffen, wo es weh tut und wo die Presse gezwungen ist, darüber zu berichten?

Der Stationsleiter in New York hatte damals sehr recht als er sagte „It’s not easy. But we make it look easy.“ Doch wenn man es nicht einmal mehr einfach erscheinen lassen kann, dann muss gehandelt werden, denn so sind die Zustände untragbar.

Zusammengestöpseltes – Samstag

[Zusammengestöpseltes vom gestrigen Samstag]

Zum vierzigsten Mal an diesem Vormittag singt Anna Caterina Antonacci im Royal Opera House „Habanera – L‘amour est un oiseau rebelle“. Natürlich tut sie dies nur in unserem Fernseher im heimischen Wohnzimmer, denn sonst wäre die Oper Carmen furchtbar langweilig, wenn sich die immer gleiche Szene wieder und wieder genau so abspielen würde.

Doch würde es nach mir gehen, wäre auch eine gewisse Variation der Lieder wünschenswert. Aber es geht nicht nach mir. Das Kind bestimmt die Musikauswahl und darf es das nicht, heult es so lange und intensiv, dass sie von der elterlichen Musikauswahl eh nichts mitbekommen würden. Nachdem wir seit Monaten die Kinderliederklassiker der Blondgelockten und ihres Mannes hören, versuche ich vereinzelt ein paar andere Musikeinflüsse in die Kinderlieder-Monotonie zu streuen. Heute gelang es und so hören wir eben zum zigsten Mal, wie die Antonacci den rebellischen Vogel namens Liebe die Sprunghaftigkeit in die Schuhe schieben will.

Aber beschweren möchte ich mich nicht. Am gestrigen Freitag hörten wir in Endlosschleife „Bella Ciao“. Auch das Kind kann schon mitsingen, nennt den armen Partisanen aber immer „parmigiano“, Parmesan. Und wenn der Parmesan sich von seiner Schönen verabschiedet, um ihr mit auf dem Weg zu geben, ihn doch bitte auf dem Berg unter dem Schatten einer Blume zu beerdigen, und dabei unser Nachwuchs auf- und abhüpft, erscheint mir die Szene doch etwas abstrus. Es ist sicher nicht Signorinos Schuld, dass die Bedeutung des Liedtextes von der feierwütigen Gesellschaft in den Hintergrund gedrängt wurde. Aber es ist seltsam mitanzusehen, wie die Privilegierteren dieser Welt diese Melodie in den Diskotheken, Bars und Clubs mitsummen.

Dann lieber Signora Antonacci, die die Flüchtigkeit der Liebe besingt.

Wie flüchtig der Liebste sein kann, möchte ich Ihnen hier erklären: Mein Mann weilt alleine (hoffentlich!) im klimatisierten Hotel in Tirana. Wie das kam? Er fantasierte mir vor einigen Wochen zusammen, dass er so gerne verreisen würde. Wie zu unseren besten Zeiten als Paar ohne Kind, nur mit Handgepäck, in ein Flugzeug einsteigen und ab nach Rom. Natürlich nur ein Wochenende. Dort würde er dann am Samstag nach Ostia fahren und abends Freunde treffen und essen gehen, dazu noch dies und das, bis er dann Sonntagnachmittag gut erholt in Frankfurt einschweben würde und gewappnet wäre für den weiteren Verlauf dieses Jahres 2022. Als fürsorgliche Ehefrau bot ich ihm an, seine Idee in die Tat umzusetzen und dies als Geburtstagsgeschenk seines Vierzigsten zu verbuchen. Nun ist dieser Vierzigste zwar einige Jahre her, aber durch Kind und Corona waren ihm die Hände gebunden.

Der Römer ist außer Haus!

Als der Plan konkreter wurde, schwenkte er doch auf Tirana um. So stand er gestern zwei Stunden am Frankfurter Flughafen bei der Sicherheitskontrolle B und wartete darauf, abgetastet und kontrolliert zu werden. Der Flug hob mit einer Stunde Verspätung ab, was momentan durchaus als pünktlich zu werten ist. Und was er dann nicht alles vor Ort erlebt hat. Als er mir abends noch ein Video schickte, wie er(!) das neue Vehikel seines Bruders durch die staubigen Gassen Kamez steuerte, dachte ich wieder daran, wie viel Gottvertrauen diese Albaner haben. Da lässt man jemanden ans Steuer seines neuen SUVs Stuttgarter Herkunft und dies geschieht selbstverständlich im Dämmerlicht der steinigen und staubigen Straßen, die noch dazu kaum bis gar nicht beleuchtet sind. Natürlich besitzt dieser Jemand, der Römer, einen albanischen Führerschein, den er vor 24 Jahren erwarb (fragen Sie nicht wie!), seitdem aber auch nur drei Mal fuhr. Ja, richtig gelesen, drei Mal. Anscheinend passierte nichts bei dieser flotten Fahrstunde in Kamez und Automatik sei „ganz einfach“ zu fahren, tönte der Römer, aber mir wurde ganz anders.

Generell bleibt noch zu sagen, dass die Zeit mit Signorino alleine sehr gut machbar war. Sogar so gut, dass ich regelrecht entspannt bin. Ich ließ aber auch Fünfe gerade sein. Beispielsweise stellte sich das Kind als Mittagessen Salzstangen und danach ein „blaue Eis“ (er meinte die Verpackung) vor. Wir diskutierten. Dazu muss ich sagen, dass Signorino generell ein sehr schwieriger Esser ist. Ich versuchte ihn also davon zu überzeugen, dass mein eben gekochter Couscous-Matsch mit Gemüse nichts anderes sei, als ein sehr kleiner Reis, aber er antwortete mir mit „Bäh“. Partout wich er nicht von eben dieser Meinung ab. Wir klapperten die üblichen Verdächtigen der Signorino’schen Nahrungskette ab: Joghurt – Bäh. Blaubeeren – Bäh. Butterbrot – Bäh. Wassermelone – ok. Hatten wir aber nicht daheim. Am Ende fragte ich mich, wozu ich mich überhaupt stressen soll. Wenn das jetzt gerade der dringende, kindliche Wunsch ist und die Ernährung am Ende des Tages ungefähr passt, dann bitte: „Lass dir deine Salzstangen und dein Schokoeis schmecken, lieber Signorino.“ Ich gab mein Okay und sah das Kind selten sooo glücklich beim Essen. Abends ließ er sich wieder auf meine normale Küche ein. Oder, um es mit den Worten der Habanera, dargeboten von Signora Antonacci zu sagen: Das Essverhalten des Kindes ist eben auch ein rebellischer Vogel.

Verwechslung mit Nahverkehrszügen

Am Vorabend

Ich liege neben Signorino im Bett. Wie immer versucht das Kind noch etwas Wach-Zeit herauszupressen. Er fängt also an, all die Kinder aufzuzählen, die mit ihm in der Kita-Gruppe sind.

Signorino: “Ein Henry, eine Camille, eine Emilia, ein Bao, ein S-Bahn….”

Ich: “Die S-Bahn geht aber nicht mit dir in die Kita. Mit der S-Bahn fahren wir zur Kita.”

Das Kind protestiert heftig. Natürlich gehe auch “S-Bahn” mit ihm in die Kita. Ich blicke auf die Uhr an meinem Handgelenk. 22 Uhr. Müde vom Tag knicke ich ein. Ja, aber natürlich. Wie konnte ich das nur vergessen? Auch S-Bahn gehe in Signorinos Kindergartengruppe.

Signorino wiederholt noch zwei Mal bekräftigend das Wort „S-Bahn“. Nach weiteren zehn Minuten begibt er sich, müde vom Tag, langsam ins Land der Träume.

Auf dem Weg zur Kita – mit der S-Bahn

Am nächsten Tag

Wir sind gerade an der Gruppen-Garderobe der Kita angekommen. Signorino sitzt auf dem niedrigen Bänkchen unter der bunt bemalten Kinder-Garderobe. Ich ziehe ihm die weißen Straßenschuhe aus und tausche sie gegen ein Paar dunkelblaue Hausschuhe.

Aufgeregt ruft das Kind „Da! S-Bahn!” und zeigt zur Eingangstür unserer Kita-Etage.

Ich drehe mich zur Eingangstür um, doch glaube nicht ernsthaft, dort eine S-Bahn zu erspähen. Und genau so ist es: Dort läuft gerade Signorinos Kita-Kollege Jesper samt Mutter ein. Hand in Hand steuern sie auf die Gruppen-Garderobe zu, bei der Signorino gerade die Schuhe von mir gewechselt bekommt. Ich schließe noch schnell den Klettverschluss der Hausschuhe, um Signorino postwendend zu antworten:

Ich: “Nein, Schatz, das ist doch Jesper und seine Mama. [Es rattert in meinem Kopf. Der Groschen fällt. Kann das Missverständnis tatsächlich an einem Aussprache-Fehler gelegen haben? Ich fange an zu lachen] Ach, Jesper meintest du!!! Nicht S-Bahn.”

Signorino, etwas trotzig: “Ja, ‘esban!”

A wie Rind, B wie Haus

Die verborgene Schönheit eines Studienmoduls entdeckte ich in der Vergangenheit recht schnell. Irgendetwas Interessantes wurde einem immer geboten. Beim Thema Typografie ist die Schönheit sehr schwer zugänglich, so dass selbst der zweite und dritte Blick nicht genügen. Mittlerweile bin ich bei Lektion 3 (von 6) angekommen und ich weiß nun, was Ligaturen sind. Es sind Buchstabenkombinationen von mindestens zwei Zeichen. Dies kann ein fi (typografische Ligatur) oder eine Tonligatur wie Æ sein. Das „&“-Zeichen ist zum Beispiel eine Wortligatur.

Generell muss ich sagen, dass dieses Wissen zu den Dingen zählt, auf die ich gut und gerne verzichten hätte können. Ich lebte 31 Jahre sehr gut ohne dieses Wissen über Ligaturen und kann mir durchaus vorstellen, dass ich weitere 31 Jahre sehr gut ohne gelebt hätte. Aber nun weiß ich es und teile es mit Ihnen, denn geteiltes Leid, ist halbes Leid.

Das einzig spannende, das ich lernte, war, dass sich der Buchstabe A vom phönizischen Alef = Rind ableitete. Man stilisierte also ein Rind. Aus Alef (=Aleph) wurde im griechischen Alpha. Der Rinderkopf wurde um 90 Grad gedreht. Das „A“ entstand, das die Römer geschickt von den Griechen abkupferten.

Sei sehen das Rind doch auch, oder?

Dasselbe Spiel passierte mit dem griechischen Buchstaben Beta. Im phönizischen als „Beth“ (= Haus) erschaffen. Man versuchte also mehr schlecht als recht ein Haus zu malen. Zugegeben, das Haus hatte etwas Schieflage und eine Wand fehlte. Zum Vergleich habe ich Ihnen das „Haus vom Nikolaus“ gemalt. Ein Spiel, das wir in der Grundschule spielten. Man darf dazu den Stift nicht absetzen, sondern muss das „Haus vom Nikolaus“ in einem Rutsch zeichnen. Wie Sie sehen, ist es mir auf Anhieb nicht gelungen.

Falls Sie wissen wollen, warum Gamma einen Kamelrücken darstellt, dann schauen Sie sich gerne diese Liste an und lassen Sie sich verzaubern von der phönizischen Schrift, die wiederum nach Griechenland transportiert wurde, weil die Phönizier fleißige Händler waren und auch dort Handel betrieben.

Nachtrag: Wer bei wunderbaren Gerda schmökern möchte, um die Raffinesse der griechischen Buchstaben zu entdecken, dem sei ihr Alphabet sehr ans Herz gelegt: Starten Sie am besten mit A wie Alpha (Alpeh), um dann gleich zum B – Beta – Beth zu finden – und eh Sie sich versehen, sind Sie tief drin im Buchstaben-Dschungel und können auf dem nächsten Treffen unter Freund:innen richtig auftrumpfen. 🙂

Ich stürze mich derweil in Lektion 3 „Schriftklassifikation“ und bin gespannt, was ich Ihnen darüber berichten kann.

Haben Sie einen guten Start ins Wochenende!

Haarfarbe Gut

Gestern Nachmittag versuchte ich mit Signorino seine Haarfarbe zu üben. Mehrmals wiederholte ich, dass er blond sei. Er vernahm es und sprach fleißig “brond” nach, denn schließlich kann er jetzt den Buchstaben “R” aussprechen und benutzt ihn auch gleich noch als “L”-Ersatz.

Abends, als der Römer nach Hause kam, fragte ich Signorino:

“Signorino, welche Haarfarbe hast du?”

Signorino dachte angestrengt nach. Wie war doch gleich nochmal dieses Wort für seine Haarfarbe? Ich half etwas auf die Sprünge: “B….l….”

“GUT!!!!”, schrie das Kind freudestrahelnd.

Haarfarbe “Gut” – immerhin ist das Kind mit seiner Haarfarbe zufrieden.

Haarfarbe Gut – darauf ein High-Five!

Wegen mir bitte keinen Stress

Im ICE von Frankfurt nach München. Ich sitze in einem Ruheabteil der 1. Klasse*. Wir steuern auf Aschaffenburg zu. Ein Herr, Mitte 60, graues, schütteres Haar, hellbeige Bundfaltenhose, nussbrauner Ledergürtel, das weiße Hemd ordentlich in die Hose drapiert, marschiert laut telefonierend an meinem Abteil vorbei.

„Luisa?! Wo bist du denn jetzt um Himmels Willen? WAS? Ich versteh‘ dich nicht? Wo du bist!! Aha…Aha…“

Er legt auf. Rennt wieder an meinem Abteil vorbei. 10 Minuten vergehen. Dann geht er abermals laut telefonierend im Stechschritt an meinem Abteil vorbei.

„LUISA?!?! Ja, Schatz!! WO bist du? Ich bin in Wagen 29! NEUN-UND-ZWAN-ZIG! Genau! Ja… Aha…aha. Nu komm doch mit den Kindern in meinen Waggon!! Ach woher… das ist nicht zu weit! „

Nach fünf Minuten, die Verbindung ist schlecht, legt er auf. Wir halten in Aschaffenburg. Ich sehe ihn von meinem Fenster aus auf dem Bahnsteig stehen. Er hält Ausschau. Anhand seiner Telefonate sucht er Luisa. Als der Schaffner zur Abfahrt pfeift, springt er zurück in den Waggon 29.

Nach wenigen Augenblicken läuft er wieder geschäftig telefonierend an meinem Abteil vorbei.

„Ja, Aschaffenburg wäre jetzt deine Chance zum Umsteigen gewesen!! Mensch, LUISA! Schatz! Wo seid ihr denn jetzt? Sag doch mal Kathi sie soll ans Te…. Luisa?! [Kurze Pause… es scheint als wäre die Verbindung abgebrochen] Ah… da bist du wieder! Luisa, wo sitzt ihr jetzt genau? Aha…aha… ja, die nächste Station ist Würzburg. Hm…hm…genau. Wagen 29! NEUNUNDZWANZIG!“

Bei so viel Aufregung kriegt sogar das Ruheabteil-Zeichen Risse

Die Zeit vergeht. Er telefoniert noch zwei weitere Male mit Luisa. Dann halten wir in Würzburg. Wieder steht er auf dem Bahnsteig und schaut, von wo Luisa und die Kinder angelaufen kommen. Wieder pfeift der Schaffner zur Abfahrt. Wieder eilt der Herr in Wagen 29, der mittlerweile nichts mehr mit einem Ruhewagen gemein hat, sondern viel mehr das Flair eines Großraumbüros vermittelt, was durchaus den lauten Telefonaten des Herrn geschuldet ist.

So langsam meldet sich eine leise Ahnung, warum Luisa und die Kinder Schwierigkeiten haben, Wagen 29 zu finden.

Abermals eilt das Perpetuum Mobile von Wagen 29 an meinem Ruhe(!)-Abteil vorbei:

„LUISA! Was war denn jetzt los?! Ihr seid ja wieder nicht… Luisa? [Die Verbindung scheint mal wieder unterbrochen, obwohl ich mittlerweile nicht mehr an Funk-Probleme glaube] Ah! Ja! Ja! Luisa! Wo seid ihr denn jetzt? Hm… Ja, nun kommt doch…. Genau, Nürnberg ist der nächste Halt. Da könntest du mit den Kindern zu mir wechseln. Wagen NEUN-UND-ZWAN-ZIG! 29! Genau! Wie, das lohnt sich nicht mehr?! LUISA? [wieder ein „Verbindungsproblem“, wie es scheint] Ah… ja… nu Stress dich doch nicht!!! Wir sind doch im Urlaub!! Nein, nein, wegen mir müsst ihr nicht den Waggon wechseln. Dann setz ich mich jetzt ganz entspannt hin und wir sehen uns in München. Genau! Bleibt da sitzen, wo ihr seid. Ganz ohne Stress soll unser Städtetrip beginnen. Macht euch eine schöne Fahrt, auch wenn wir nicht zusammen sitzen. Wir sehen uns dann in München! Luisa??“

Nach der ganzen Aufregung bin ich fix und fertig. Ich wünschte, ich wüsste, in welchem Wagen Luisa und die Kinder sitzen, um einfach mal meine Ruhe haben zu können.

*Wahnsinn, oder? Ich fühlte mich wie Gottes Geschenk an die Menschheit!

Fuck Ahmed, echt!

Heute fuhr ich alleine mit der S-Bahn, um Signorino von der Kita abzuholen. Sie war beinahe leer. Ich setzte mich in eine leere Sitzgruppe und klickte auf dem Handy herum. Mangels Kopfhörer war ich gezwungen, den Dialog der Jugendlichen in der Sitzreihe neben mir mitzuhören. Aber es hat sich gelohnt!

S-Bahn Graffiti

Schüler 2: “… und dann hat er gesagt, ich bin dick geworden.”

Ich schiele zu den drei Jungs hinüber. Drei schmächtige Teenager. Vielleicht 16, 17 Jahre alt. Keiner von ihnen ist dick.

Schüler 1: “Du bist doch nicht dick geworden! Du hast dich halt körperlich verändert. Also deine Muskeln sind vielleicht dicker geworden, Digga. Aber da ist kein Fett oder so.”

Schüler 2 zeigt den anderen beiden Jungs Bilder, vermutlich aus einem sozialen Netzwerk.

Schüler 2: “So will ich halt aussehen. Ich weiß selber, dass das harte Arbeit ist, aber ich will halt so aussehen.”

Die beiden anderen nicken verständnisvoll.

Schüler 1: “Ahmed soll einfach die Klappe halten!”

Schüler 2 (laut flüsternd): “Ich habe auch schon gehört, dass jemand die Klasse wegen ihm gewechselt hat. Der ist so schlimm!”

Schüler 3, der die ganze Zeit über nur zuhörte, meldete sich nun zu Wort.

Schüler 3: “Leute, ganz ehrlich: Ich hab keinen Bock auf den Scheiß. Wir sind in der 11. Klasse. Ich will nicht jeden Tag hören, wer zu dick, wer zu dünn, zu groß oder zu klein ist. Ich will einfach mit guten Leuten etwas lernen. Über ernsthafte Themen diskutieren und so. Das ist bei uns einfach Kindergarten. Fuck Ahmed! Echt!”

Wow! Ich wünschte, ich wäre in dem Alter schon so reflektiert gewesen und hoffe, dass die Jungs diesen guten Leuten begegnen und dass sie auf die Lästermäuler dieser Welt pfeifen können. Auf dem richtigen Weg sind sie auf alle Fälle.

WMDEDGT – Juli 22

Der Monatsfünfte und Frau Brüllen fragt mal wieder, mit was man seine Zeit (oder Ferien) verbringt. WMDEDGT nennt sie das und hier sieht das so aus:

Ein absolut ereignisloser Tag – und los geht’s um…

07:30 Uhr Jetzt aber wirklich! Ich stehe auf. Heute ist mein Homeoffice-Tag, also brauche ich mich nicht übermäßig beeilen. Der Arbeitsweg fällt ja weg. Die erste Besprechung ist um 10 Uhr.

08:10 Uhr Der Römer weckt das Kind. Ich verstecke* mich, wie immer, im Schlafzimmer und fange an zu arbeiten. Mein Postfach ist semi-voll, eine wichtige Broschüre wurde mir zugeschickt, jedoch finde ich die Antwort meiner Frage nicht darin. Tja, nun.

*Wenn ich mich nicht verstecke, gibt es so lange Drama bis ich das Kind höchstpersönlich in die Kita bringen darf, weil das Kind Papa nicht mehr als Kita-Bring-Person akzeptieren möchte. Dann brauche ich aber kein Homeoffice machen, weil ich dann schon in der Innenstadt bin…

08:50 Uhr „Ciiiiao! Noi andiamo! [Tschühüüss! Wir gehen!]“, ruft der Römer Richtung Schlafzimmer. Dann gehen sie tatsächlich. Seltsamerweise fragt sich das Kind nie, warum Papa sich bei der Schlafzimmer-Tür verabschiedet, wenn er geht. Vermutlich verbucht Signorino diese Angewohnheit seines Papas unter „Jeder hat so seinen Tick. Lass den Alten sich mal bei der Türe verabschieden, wenn ihn das glücklich macht.“.

Bis 14:00 Uhr Verschiedene Meetings, Jour Fixe, dazwischen Recherche, Tabellen ausfüllen, englische Info-Texte fabrizieren, für was man eben so bezahlt wird. Dazwischen zwei Onigiris (danke an unseren heimlichen Foodblogger Valentin fürs Lust darauf machen in den letzten Wochen).

14:10 Uhr Ich starte den Motor und düse zur Kita. Es ist so wenig in der Stadt los, dass ich mich beim Auto fahren gar nicht aufregen muss. Ob schon alle im Urlaub sind? Selbst Radfahrer:innen mit klobigen Fahrradanhängern sind kaum vertreten. Es sind doch noch gar keine Ferien in Hessen?

14:45 Uhr Ich hole Signorino ab. Er isst einen Honigmelonenschnitz. Seine Erzieherin erzählt mir, dass er einen tollen Tag hatte. Klar, heute standen Wasserspiele auf dem Kita-Plan. Das ist Signorinos liebstes Element.

15:30 Uhr Der Römer ruft an. Das Kind will lieber Zeichentrick-Serie gucken und begrüßt Papa mit einem halbherzigen „Hallo Papa!“. Ich unterhalte mich mit dem Römer und find’s schön, ihn zu sehen. Dann muss der Römer weiterarbeiten. „Ciao Papa!“, wünscht das Kind und ist froh, dass er wieder in Ruhe seine Serie gucken kann.

16:00 Uhr Wir bauen Pizza aus Legosteinen. Ich weiß nicht, wie dieses Spiel aufkam, aber wir bauen seit gestern Lego-Pizza am laufenden Band. Fließband-Arbeit sozusagen. Ich finde die generelle Idee einer Pizza so inspirierend, dass wie just zwei Pizzen vorbestellen. Ich nehme „il solito“, also wie immer. Der Römer äußert sich nicht welche er wünscht, also nimmt er auch „il solito“. Turtle ruft mit einer interessanten Frage an: „Wie sagt man nochmal ‚einfach‘ auf Bayerisch?“ Wir reden so selten bayerisch, da ist das eine durchaus berichtigte Frage. Ich schreibe unserer Mutter, ob man tatsächlich „oafach“ für „einfach“ sagt. Es hört sich sehr falsch an… Wenn Sie die Lösung wissen, gerne auf ober- oder niederbayerisch, zögern Sie nicht und teilen Sie diese gerne mit uns.

18:40 Uhr Die Pizza verspätet sich. Dann gehe ich eben nochmal auf den Balkon. Signorino kommt mit. Er erklärt mir, welche Pflanzen wir auf dem Balkon haben. Laut Signorino haben wir sieben Erdbeer-Pflanzen, die aber in der Realität Tomaten sind. Dazu kommt noch die Gurke, die in Wahrheit ein Feigenbaum ist, und die andere Gurke, die ein Granatapfel-Gewächs ist. Und dann sind da noch die echten Gurken, die für Signorino aber „Blumen“ sind. Thymian und Rosmarin laufen unter dem Namen „Grün“ und damit ist der Balkon-Anbau auch vollständig erklärt. Das Gießen mit Kind ist wie immer ein Disaster: Die Pflanzen haben wenig Wasser abbekommen, aber das Kind ist nun gut gegossen und sehr fröhlich.

Viele Erdbeeren, Gurken und Grün.

19:30 Uhr Der Römer ist da, kurz danach kommt die Pizza an. Signorino freut sich und läuft „Pizza! Pizza!“ schreiend durchs Wohnzimmer. Dann verdrückt er zwei Stück Pizza, steht auf und baut sich mal wieder eine Lego-Pizza nach seinen Wünschen zusammen. Der Römer erzählt mir so dies und das. Unter anderem wie viel ein Patient für den Urlaub ausgibt und dass seine Kolleg*innen nicht wissen, was ein Goniometer ist. Ich habe auch keine Ahnung, bin aber auch nicht in dem Beruf tätig. Immerhin erweitere ich mein Wissen und weiß nun, dass das Gerät irgendwelche Winkel messen kann. Was es nicht alles gibt!

23:10 Uhr Das Kind schläft seit 10(!) Minuten und das nach einem Marathon des Zubettgehens. Etwas lustiges ist noch passiert. Nachdem das Kind nur Quatsch im Bett machte und den Römer und mich unterhielt, psch-te ich ihn an und sagte “SCHLAF JETZT, SIGNORINO!!!”. Er drehte sich darauf zum Römer und sprach “SCHLAF JETZT, PAPA!”. Und das tun wir jetzt auch. Let’s call it a day.