Unser 75. Geburtstag

Am Montag war es soweit: Der Römer und ich sind 75 Jahre alt geworden. Passenderweise suchten wir uns damals, unwissentlich voneinander, den gleichen Geburtstag aus, den 10.Oktober oder 10.10., wenn Sie so wollen. Ein Geburtsdatum wie ein Binärcode.

Der Plan für den vergangenen Montag war der folgende: Das Kind mit der S-Bahn zur Kita zu bringen; Frühstück im Café – ganz in Ruhe; Bummeln und Stöbern im Stadtzentrum; Mittagessen – ganz in Ruhe; einen kleinen Abstecher zum japanischen Lieblingscafé, um Geburtstagskuchen zu holen; Kind einsammeln; Kuchen essen; Abends Pizza. Gute Nacht!

Dieses Vorhaben klang zu schön um wahr zu sein. Vermutlich wurde es deswegen nicht wahr.

Alles fing damit an, dass Signorino bereits um 3 Uhr morgens unterbewusst gratulieren wollte. Er schrie „Mama! Mama!“ und der Römer stand auf, weil er näher an der Schlafzimmertüre und somit näher an Signorinos Zimmer schläft. Ein Mann wie ein Goldstück. Ich kann es nur oft genug erwähnen. Leider war Signorino nicht damit einverstanden, dass Papa auftauchte, wo er doch explizit nach mir gerufen hat und so schälte sich der kleine Kerl aus dem Kinderbett, huschte den dunklen Gang entlang bis zu unserem Schlafzimmer und rief noch einmal „Mama! Mama!“. Daraufhin hob ich ihn ins Bett und er kuschelte sich an mich. Der Römer schnarchte derweil schon unbeeindruckt im Kinderzimmer vor sich hin. Von 0 auf Tiefschlaf in wenigen Millisekunden ist nur eines von vielen verborgenen Talenten meines Gatten.

Währenddessen begann in meinem Bett das unsägliche Spiel, in dem das Kind bereits schläft, jedoch unbedingt und absolut unwirsch meine Hand streicheln muss, um gut weiterschlafen zu können. Sie können sich vorstellen wie wach man ist, wenn einem permanent und mit fahrigen Bewegungen über die Hand gestreichelt wird. Sobald man die Hand entzieht, sucht Signorino nach dieser Hand und sollte er sie nicht finden, fängt er herzzerreißend an zu weinen. Bis 6 Uhr morgens ging das Spiel so, dann schlief ich erschöpft ein – oder das Kind hörte endlich auf, meine Hand zu streicheln. So genau weiß ich das nicht mehr.

Nur anderthalb Stunden später weckte mich mein Handy mit dem Klingelton „Glasperlen im Wind“ und ich wollte weder Glasperlen, noch Wind und schon gar nicht geweckt werden nach dieser kurzen Nacht. Hauptsächlich wollte ich meine wohlverdiente Ruhe und noch einige, wenige Stunden Schlaf. So sicherte ich Signorino mit einem Kissen, dass er nicht vom Bett stürzen konnte und torkelte schlaftrunken ins Kinderzimmer zu meinem noch immer schnarchenden Gatten. Ein „Guten Morgen, mein Schatz. Alles Gute zum Geburtstag.“ kam mir dabei nicht über die Lippen. Vielmehr grummelte ich ein „Du bringst Signorino heute alleine in die Kita, oder? Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen und du hattest hier deine Ruhe.“. Kalte, harte Elternsprache – reduziert auf das wichtigste: Rhetorischer Fragesatz inklusive einer Begründung, die der Römer wahrlich nicht negieren konnte. Alle Argumente waren auf meiner Seite. Er musste es nur einsehen. „Ja, kann ich machen.“, murmelte der Römer sehr müde in sein Kissen. Ich nickte, machte auf dem Absatz kehrt, legte mich wieder ins Bett neben Signorino und versuchte einzuschlafen. Nach kurzer Zeit tauchte der etwas schlaftrunken wirkende Römer im Schlafzimmer auf. „Wir können auch alle daheim bleiben.“, schlug er leise vor, um das Kind nicht zu wecken. Ich willigte mit einem „Hm“ ein und drehte mich um. Nach mir die Sintflut. Der Mann hatte daraufhin den eher fragwürdigen Einfall, sich in das eh schon zu knapp bemessene Bett zu quetschen. Noch ehe seine Haarspitzen das Kissen berührten, schnarchte er bereits wieder. Das Kind nahm dies wohl zum Anlass, sich auf den Rücken zu drehen und den Seestern zu machen. Und ich klammerte mich an den wenigen, noch verbleibenden Zentimetern der Matratze fest und versuchte nach Leibeskräften einzuschlafen. Natürlich sollte es mir nicht gelingen. So zog ich gegen 07:55 Uhr ins Kinderbett um, was keine glorreiche Idee war, denn das Zimmer liegt zur Straßenseite. Gerade war die Rushhour der Grundschulkinder, die fröhlich singend, jauchzend, plappernd in die Grundschule gingen. Manche stritten sich auch. Unbedingt wollte ich einschlafen, denn ich war hundemüde und wollte später unseren Geburtstag gebührend feiern, aber es wollte und wollte mir nicht gelingen. So gab ich um 08:30 Uhr auf, denn ich sah endlich ein, dass es Zeitverschwendung war, wach im Kinderbett zu liegen.

Müde stellte ich die Kaffeemaschine an, ließ den Wasserkocher seine Dienste tun und kramte nach Frühstückskeksen. Dann rief ich in der Kita an, um Signorino für heute abzumelden. „Aber wir hoffen, dass er morgen wieder in die Kita gehen kann.“, säuselte ich. Die Erzieherin wünschte ihm gute Besserung und legte auf.

Gegen 09:45 Uhr erhoben sich das andere Geburtstagskind und Signorino. Mir war übel wie lange nicht mehr, was nicht am Kaffee lag, sondern viel mehr an dem tags zuvor vertilgten Käsekuchen. Es war eine Übelkeit, die nicht in der Kloschüssel enden wollte, das merkte ich schnell. Viel mehr war es eine, die einzig dem Zwecke diente, einem gehörig den Tag vermiesen zu wollen. Sie hielt sich latent im Hintergrund, aber sobald man mehr als zwei Schritte tat, erinnerte sie einen wieder daran, dass sie auch noch anwesend war und dies auch weiterhin sein werde. Der Römer hingegen war komplett verschnupft und rührte sich bereits zum Frühstück ein Erkältungspülverchen an. Der Kleine hingegen war gut gelaunt, ausgeschlafen und froh, dass er auch diesen Tag mit uns verbringen durfte. Als wir fertig gefrühstückt hatten, wünschten der Römer und ich uns „Alles Gute zum Geburtstag“ und besiegelten diesen Wunsch mit einem großen Kuss. Signorino blickte uns an als würde er sagen wollen: „Ich hab’s immer geahnt: Ihr seid tatsächlich ein Paar.“. Dann bekam auch er einen dicken Kuss.

Kurz darauf klingelte es drei Mal schallend an der Tür. Wir hatten nichts bestellt und erwarteten auch nichts. „Ignorier das einfach! Das wird für die Nachbarn sein.“, sprach ich zum Gatten und ging ins Bad. Dann klingelte es wieder zwei Mal. „Die Paketfahrer werden auch immer dreister. Lasst die armen Leute doch in Ruhe, wenn sie nichts bestellt haben.“, dachte ich, während ich mir das Gesicht wusch. Als ich es gerade abtrocknete, klingelte es wieder. „Io vado un attimo a vedere chi è. [Ich gehe einen Moment, um zu sehen, wer es ist.]“, erklärte mir der Römer und eilte die Treppe hinunter. Wenige Augenblicke später kam er mit einen dicken, fetten Blumenstrauß zurück. „Für dich. Sarà del tuo amante. [Das wird von deinem Liebhaber sein.]“, scherzte er und ich guckte ihn mit großen Augen an. „Die sind doch von dir!!“, rief ich freudestrahlend und bedankte mich sogleich. Kleinlaut gab der Römer zurück, dass sie definitiv nicht von ihm waren. „Oh.“, sprach ich und nahm den großen Strauß entgegen. Mit spitzen Fingern fummelte ich die Karte aus dem Umschlag. „Alles Liebe zum Geburtstag. Dein Büro-Team.“, las ich und war sehr glücklich. Meine Kolleginnen vom Nebenjob, der mittlerweile eher mein Hauptjob ist, hatten mich mit diesem floralen Gruß überrascht. Wie schön, solche Kolleginnen zu haben.

Meine Übelkeit trat vor lauter Freude wieder in den Hintergrund und so zog ich mich und dann das Kind rasch an. Der Römer war schon fertig bekleidet. Sogleich streifte ich mir den Mantel um, denn das Thermometer verriet, dass es 7 Grad Celsius in Frankfurt hatte. Brrrr! Eiskalt. Aber die Sonne schien trotzdem und wollte es sich nicht anmerken lassen, dass dies ein Oktobertag war. Als wir die Wohnung verließen, war mir wieder speiübel. An der frischen Luft wurde es nicht wirklich besser und in der S-Bahn erst recht nicht. Zu lauten Reggaeton-Klängen, die aus mitgebrachten Boxen eines Mitreisenden durch die S-Bahn wummerten, kamen wir im S-Bahntunnel kurz vorm Hauptbahnhof stehen. „Muy autentico. [Sehr authentisch]“, rief ein spanischsprechender Fahrgast dem Boxen-Besitzer zu und es entspann ein freundliches Gespräch auf Spanisch. Mir war immer noch übel, wir standen im dunklen Tunnel kurz vorm Hauptbahnhof und die laute Musik machte mich etwas unwirsch. In dieser Situation hätte ich mir weniger Authentizität gewünscht, um ehrlich zu sein. Nach fünf endlos langen Minuten ging die Fahrt weiter und wir hangelten uns von Haltestelle zu Haltestelle weiter bis wir an der Konstablerwache ankamen. Wir bummelten etwas durch ein Kaufhaus, aber Signorino beschwerte sich so laut und vehement, dass wir das Kaufhaus schnell wieder verließen. Da das Kind Strumpfhosen brauchte, löste ich meinen Geburtstagsrabatt im nächsten Bekleidungsgeschäft ein und erhielt vier wunderbare Strumpfhosen. Mehr nicht, denn das Kind findet Kaufhäuser doof und ließ sich auch nicht von diesem Fakt ablenken.

Der nächste Halt war die Kleinmarkthalle, die das Kind faszinierend fand. Dort kauften wir eine Brezel für Signorino. Zufrieden kaute das Kind und ich nutzte die Gunst der Stunde, um ein Stückchen zu stibitzen. Schlagartig war meine Übelkeit verflogen. Ob meinem Körper einfach nur ein „Bavarian Shot“ gefehlt hatte? Ich weiß es nicht, aber es war auch egal.

Wir schlenderten weiter Richtung japanische Lieblingsbäckerei*, ließen uns drei Stück Kuchen (ein himmlischer Cheesecake, ein schokoladiger Kaffeekuchen und eine fantastische Matcha-Schnitte) einpacken und schlugen dann den Weg Richtung Römer (dem Frankfurter Rathaus) ein.

Da das Wetter so herrlich war, kurvten wir durch die neue Altstadt, weiter zum Main und dort immer entlang bis Signorino einen Spielplatz von weitem entdeckte. Dort verbrachten wir eine Stunde und merkten uns diesen Ort für nächsten Sommer, denn der Spielplatz war wirklich weitläufig und schön angelegt.

Vom Willy-Brandt-Platz fuhren wir heim, bestellten von unterwegs etwas zum Mittagessen und kamen fünf Minuten vor Lieferung daheim ein. Nachdem essen, durften wir Geburtstagskinder abwechselnd ein Stündchen Mittagsschlaf machen, während der Kleine lieber Lego spielte.

Danach warteten die Kuchen auf uns. Signorino schmeckte keiner davon, was wir nicht weiter tragisch fanden (böse Eltern!). Er bekam ein Butterbrot und auch das war okay.

Abends waren wir so voll, dass wir Großen nichts herunterbekamen. Nur der Kleine machte Brotzeit. Dann ging er (für seine Verhältnisse) recht früh um 21 Uhr schlafen. Was für ein wunderbar bunter und aufregender 75. Geburtstag.

Und am nächsten Tag holten wir all das in einem Tag nach, was wir in einer Woche machen wollten: Wir brachten das Kind zur Kita und das Auto zur HU-Untersuchung, dann frühstückten wir „einen der besten Cappuccinos Frankfurts“ im Brühmarkt*, statteten dem Outlet und dem Drogeriemarkt in Bockenheim einen Besuch ab, kauften Gummistiefel für mich und Trainingshosen für Signorino und den Römer, um dann nach Hause zu fahren, ein Paket abzuholen, die nächste S-Bahn in die Stadt zu nehmen, Signorinos Hausschuhe umzutauschen, ein Ladekabel zu kaufen, Mittag zu essen, um dann den „für Frankfurt erstaunlich guten Espresso“ [O-Ton Römer] bei The Espresso Bar auszuprobieren. Dann holten wir das Kind ab. Puh! Ganz schön anstrengend eine Woche in einem Tag nachzuholen.

*Werbung aus Überzeugung, unbezahlt und unbeauftragt

Donauwalzer im Halb-Stunden-Takt

Es ist Freitagnachmittag und ich steige in Passau in den ICE90. Als ich in der 2. Klasse Jacke und Rucksack abstreife und die beiden Dinge im Gepäckfach verstaut habe, lasse ich mich auf meinen reservierten Gangplatz plumpsen. Mein Blick fällt auf die gut lesbare Anzeige, die über der Türe des Großraumabteils prangt. „Sie befinden sich im Zug ‚Donauwalzer’. Der nächste, planmäßige Halt ist Plattling.“ Zum ersten Mal in meiner Zuggast-Laufbahn fällt mir auf, dass der ICE nicht einfach nur eine Zugnummer hat, sondern einen richtigen Namen. „Donauwalzer“ klingt wirklich sehr schön. So schwungvoll, so elegant, ja, beinahe poetisch. Und: Der Name macht beinahe Sinn, verkehrt der Zug doch zwischen Linz (AT) und Dortmund. Immerhin führt das erste Stück der Zugfahrt an der Donau entlang.

Da es für mich im „Donauwalzer“ nicht wirklich viel zu tun gibt, schweifen meine Gedanken ab: Ich überlege, wie man die Strecke von Frankfurt am Main nach München nennen könnte? “Isar-Spießer“, „Geschäftlhuber“ (eine Verschmelzung der Wörter „Geschäft“ und des bayerischen ‚G’schafftlhuabas‘, Wichtigtuer) oder „Vom-Feldmann-zum-Reiter-in-dreieinhalb-Stunden“ (an Anlehnung der beiden Oberbürgermeister Frankfurts und Münchens). Ich grinse und eh ich an weitere, pfiffige Zugnamen denken kann, bleibt mein Gehör an dem Gespräch meiner Sitznachbarn auf den Plätzen links von mir kleben.

Das ältere Ehepaar, das nur vom Gang getrennt von mir sitzt, lässt ihren scheinbar erfolgreichen Linz-Urlaub Revue passieren. Sie berichten sich gegenseitig noch einmal von den schönsten Momenten und verstecken hier und da ein Witzchen in ihren Ausführungen. Nun fahren sie zurück nach Dortmund, höre ich aus dem Gespräch heraus. „Oh, das ist aber auch eine ganze Ecke.“, denke ich und da mir langweilig ist, recherchiere ich, wie lange die Zugfahrt für das Dortmunder Ehepaar noch dauern wird. Von Passau aus sitzen die beiden noch knappe 8 Stunden im Zug. Das erfordert sicher ein gewaltiges Sitzfleisch. Gerade rollt der Zug aus Passau los, da unterbricht der männliche Part des älteren Paares das Gespräch und schiebt seinen Hemdsärmel etwas nach hinten, um auf seine goldene Armbanduhr mit dem rehbraunen, gemaserten Lederarmband zu gucken.

„Margot, wir verlassen Passau mit fünf Minuten Verspätung.“, informiert der Fahrgast seine Gattin ernst, die neben ihm am Fenster sitzt. Sie seufzt resigniert. „Dass die Züge in Deutschland aber auch nie pünktlich sein können! Andere Länder kriegen es doch auch hin.“, spricht er weiter und Margot nickt eifrig. „Ja, Walter. Eine Schande ist das!“

Wenn Sie mich fragen, ist fünf Minuten Verspätung absolut im Toleranzrahmen. Schließlich ist ein Zug ein durchaus komplexes Verkehrsmittel, das abhängig von anderen Zügen, Signalen, Passagieren, Personal, Schienen, beizeiten auch dem Wetter und Was-nicht-alles ist.

„Margot, das lässt mir keine Ruhe. Ich rufe Petra an, dass wir uns in Dortmund verspäten.“, spricht Walter eindringlich und lässt sich das Mobiltelefon von seiner Gattin Margot reichen. Er tippt ein wenig umher und hält sich das Handy ans Ohr. „Ja? Hallo? Petra? Vati hier! Sag Markus bitte, dass unser Zug Verspätung hat. Wir kommen fünf Minuten später in Dortmund an. Er braucht sich also nicht hetzen, wenn er uns abholt. Ja…. ja….ich halte dich auf dem Laufenden, Petra. Bis dann! Mach’s gut!“

Eine halbe Stunde vergeht, in der ich etwas planlos in meinem Tablet herumklicke. Zügig erreichen wir den nächsten Halt Plattling. Ich merke, wie die Herrschaften neben mir immer fahriger werden. Walter guckt mehrmals auf die Uhr, während Plattlinger und Nicht-Plattlinger aus- und zusteigen. Nach wenigen Minuten Halt schließen sich die Türen des ICEs und er rollt los.

„ACHT Minuten Verspätung! Wenn das so weiter geht, kommen wir in Dortmund mit mindestens zwei Stunden Verspätung an.“, mutmaßt Walter entzürnt. Margot bekräftigt ihn heftig nickend in seiner Annahme. Mir erscheint Walters Verspätungs-Vorhersage etwas utopisch, aber meine Bahn-Erfahrung ist nicht wirklich ausgeprägt, deswegen will ich nicht darüber urteilen.

„Margot, ich rufe die Kinder nochmal an. Es wäre mir unangenehm, wenn unser Schwiegersohn so lange am Dortmunder Hauptbahnhof auf uns warten müsste.“ Margot reicht ihm abermals wortlos das Mobiltelefon.

„Was soll man machen?“ steht auf dieser Mauer und so ganz genau weiß ich das auch nicht.

„Ja? Petra? Vati nochmal. Ja, ja! Alles in Ordnung. Mach dir keine Sorgen. Ich wollte dir nur mitteilen, dass wir mittlerweile acht Minuten Verspätung haben. ACHT! Genau! Sag Markus bitte, dass er acht Minuten später losfahren kann. Ja… ja… genau, ich halte dich auf dem Laufenden. Bis dann, mein Liebling!“, spricht Walter ins Telefon und gibt es an Margot zurück.

„Hoffentlich wird Petra nicht an jedem Bahnhof angerufen.“, denke ich noch und beginne einen Film anzuschauen, den ich vorab heruntergeladen habe. Nach einer weiteren halben Stunde erreichen wir Regensburg. Auch hier geschäftiges Aus-, Zu- und Umsteigen der Passagiere. Neugierig schiele ich zu Walter und Margot. Tatsächlich fixiert Walter bereits seinen Chronographen. Wie zuvor pfeift der Schaffner, die Türen schließen sich und wir setzen uns langsam in Bewegung.

„Mittlerweile sind wir bei zwölf Minuten, Margot!! Zwölf! Unpünktlich bis zum Gehtnichtmehr!“, teilt Walter Margot mit und scheint aufgebracht. Walters Gattin schüttelt resigniert den Kopf. Ein Glück waren die beiden in Österreich und nicht in Albanien, schießt es mir durch den Kopf. Sie würden durchdrehen, jedoch das Minutenzählen im hunderter Bereich perfektionieren.

„Ruf doch nochmal die Kinder an!“, weist Margot ihren Gatten an und reicht ihm unaufgefordert das Telefon. „Petra? Ja, ich bin’s nochmal, Vati. Genau, wir sitzen noch immer im Zug. Ich wollte dir nur ausrichten, dass wir Regensburg mit einer zwölfminütigen Verspätung verlassen haben. Korrekt… nur, dass du Markus nochmal kurz informieren könntest, dass er sich am Dortmunder Hauptbahnhof nicht die Beine in den Bauch steht. Wunderbar, Liebling. Ja, wir rufen an, wenn wir mehr wissen, keine Sorge!“, höre ich Walter ins Telefon sprechen. Danach gibt er das Telefon an Margot zurück.

Ich lächle in mich hinein und gucke meinen Film weiter. Bis zum Halt Nürnberg ist er überaus spannend. Doch meine Mitreisenden, Margot und Walter, werden am Bahnhof Nürnberg deutlich spannender, weswegen ich abermals den rechten Kopfhörer aus dem Ohr nehme. Mein Blick schweift wie zufällig zu Margot und Walter, die in ihrer gewohnten Pose auf ihren Sitzen sitzen. Walter blickt dabei auf die Armbanduhr. Margot guckt besorgt auf den Bahnsteig. Dann schließen sich die Türen und wir fahren los.

Blick auf den Frankfurter Hauptbahnhof. Von Aschaffenburg dauerte es noch ein gutes Stück nach Frankfurt.

„16 Minuten, Margot!!!“, ruft Walter empört und Margot weist ihn mit einem “Pscht” auf seine etwas zu leidenschaftliche Lautstärke hin. „16 Minuten!“, flüstert Walter nun sehr laut und Margot reicht Walter wortlos das Mobiltelefon. „Ja, Petra?! Genau, Vati schon wieder. Wir sitzen in Nürnberg. NEIN! NEIN! Im Zug in Nürnberg. Ja, immer noch in unserem Zug. Der Satz ist mir jetzt blöd über die Lippen gekommen. Also, wir sitzen in unserem Zug und – Achtung, Petra- das ist wichtig: Wir haben sechzehn Minuten Verspätung! Sech-zehn! Eine absolute Unverschämtheit der deutschen Bahn. Aber darum soll es nicht gehen. Wichtig ist, dass du Markus bitte Bescheid gibst… Ja… [murmelt] Aha…er ist immer noch in der Arbeit… genau, ruf ihn in der Arbeit an und sag Bescheid, Kind…. Richtig, dass er nachher nicht so lange in Dortmund warten muss. Das kostet ja alles Parkgebühren! Wunderbar, mein Liebling. Bis dann. Tschüss!“, informiert Donau-Walter seine Tochter Petra.

Aus purem Interesse und reiner Neugier recherchiere ich abermals in der Bahn-App, wie lange es von Nürnberg bis Dortmund dauern wird. Die Antwort finde ich sehr schnell: Noch 6 Stunden. Dann frage ich mich, wie oft Walter seine Tochter noch anrufen wird und finde auch diese Antwort, die mehr eine Vermutung ist, in der App: Neun Mal, denn es sind noch neun Haltestellen bis Dortmund. Immerhin: Jetzt ist noch die bessere Zeit für Petra, denn wir halten bis Koblenz nur stündlich. Ab dann wird es happig mit einem 15 bzw. 30 Minutentakt.

Mir fällt ein, dass der ICE hinter Nürnberg meist einige Zeit wettmachen kann. Vielleicht sogar 16 Minuten Verspätung? Und wenn das der Fall wäre, stellt sich die Frage, ob Walter seine Tochter über die Verfrühung informieren wird? „Mein Gott, ist das spannend hier im ICE.“, stelle ich im Stillen für mich fest und widme mich wieder meinem Film, der nur halb so spannend ist wie meine Mitreisenden.

Nach einiger Zeit tritt ein freundlicher Bahnmitarbeiter auf. Er kontrolliert die Fahrkarten und gibt Auskunft zur Verspätung. Ein junger Mann spricht ihn an, ob er seinen Anschlusszug in Würzburg wohl erwischen wird und der nette Bahnrepräsentant antwortet: „Auf jeden Fall erwischen Sie Ihren Anschluss. Wir haben einige Minuten gut gemacht und nur noch vier Minuten Verspätung. Das schaffen Sie ganz sicher. Keine Sorge.“ Walter guckt zweifelnd auf seine Armbanduhr, um die Aussage des Kontrolleurs zu überprüfen. Sie scheint zu stimmen, doch seine Stirnfalten bleiben weiterhin in Alarmbereitschaft.

Als wir in Würzburg einrollen und die Fahrgäste aus- und einsteigen, begutachtet Walter abermals seinen Zeitmesser. „Willst du nicht Petra informieren, dass wir nur noch vier Minuten Verspätung haben?“, will Margot von Walter wissen als wir losrollen. „Ja, du hast recht, Margot. Besser ist das. Nicht, dass Markus davon in letzter Minute erfährt. Es wäre ihm sicher furchtbar peinlich, zu spät zu kommen.“, antwortet Walter und seine Gattin reicht ihm das Handy.

„Petra? Vati am Apparat. Wir sind gerade aus Würzburg losgefahren und haben nur noch vier Minuten Verspätung. Vielleicht könntest du Markus sagen, dass er doch ein bisschen eher losfährt? Ich weiß, das kommt jetzt überraschend. Markus hat sich sicherlich schon auf die spätere Abholzeit eingestellt, aber der Zug hat Zeit aufgeholt. Wenn du willst, rufe ich ihn in der Arbeit an und teile es ihm mit. Oder ist er schon daheim? …. (murmelt) immer noch in der Arbeit… gut… [Petra spricht einen längeren Dialog, Walters Augen weiten sich] Ach, du hast unsere Verspätung noch gar nicht weitergegeben? [Leicht entsetzt] UND WANN WOLLTEST DU DAS TUN? In knapp fünf Stunden sind wir in Dortmund!!! Markus muss sich doch darauf einstellen können!? Wir rufen dich seit Stunden munter an und du gibst unsere Infos einfach nicht weiter. Petra, ich sage dir das in aller Deutlichkeit: So unzuverlässig haben Mutti und ich dich nicht erzogen. [Pause, Petra spricht wieder etwas länger] Ja, das möchte ich auch hoffen. Ruf Markus sofort an! Meeting hin oder her. Zu unserer Zeit hätte es freitags um halb sechs Uhr nichts mehr zu besprechen gegeben in der Arbeit, aber das ist wohl eure Generation. Man schnackt einfach gerne über dies und das im beruflichen Kontext, während man sich privat nichts mehr zu sagen hat. Ich sehe die Entwicklung überaus kritisch an. [Petra spricht wieder] Wunderbar, mein Schatz. In 45 Minuten sind wir in Aschaffenburg. Wir rufen dich an, wenn wir von Aschaffenburg losrollen. Okay, bis dahin!“. Walter gibt Margot das Telefon zurück und schüttelt fassungslos den Kopf. „Kannst du dir das vorstellen, Margot? Petra hat ihren Mann noch nicht einmal über unsere Verspätung informiert? Seit Stunden rackern wir uns ab und versuchen ihr eine möglichst genaue Lageeinschätzung per Telefon zu übermitteln und sie nimmt es auf die leichte Schulter. Nächstes Mal sagen wir Kirsten Bescheid. Die ist deutlich zuverlässiger.“, spricht Walter auf dem Weg nach Aschaffenburg empört. Margot kommentiert: „Zwei Töchter- und beide sind so unterschiedlich. Dabei haben wir sie doch genau gleich erzogen. Ich schreibe Markus lieber noch eine SMS mit der aktuellen Verspätung. Nicht, dass Petra unsere Nachrichten wieder nicht an Markus weitergibt.“

Sehr zu meinem Bedauern musste ich in Aschaffenburg umsteigen, sonst hätte ich Ihnen berichten können, ob Walter an allen sieben, noch verbleibenden Zwischenhalten nach Dortmund bei seiner Tochter Petra angerufen hat, um sie über die aktuelle Verspätung zu informieren. Und, ob Margot an jedem Bahnhof zusätzlich noch eine SMS an Markus verfasst hat. Aber ich vermute, die Antwort lautete ja. Vielleicht wäre Petra gar nicht so unglücklich, wenn ihre Schwester Kirsten die Abholung der Eltern nächstes Mal koordinieren würde.

Kindermund #2

Signorino ist immer noch angeschlagen, kommt aber langsam wieder zu Kräften. Gestern aß er bereits ein ganzes Pain au chocolat, das ihm der Römer mitbrachte, nachdem er tagelang keinen richtigen Hunger hatte.

Das ganze Kind ist danach voller Brösel und ich frage: „Und, Signorino, hat’s dir geschmeckt?“

Signorino: „Ja, bin papa-satt!“

Ich: „Papa-satt? Na, dann bist du ja richtig, richtig satt. In so einen Papa geht ja viel mehr rein als in einen Signorino.😉”

Signorino: “JA! Papa-satt.”

Von Pain au chocolat wird selbst der Papa papasatt.

WMDEDGT – Oktober 2022

Es ist Oktober. Es ist der Fünfte. Der Römer und ich sind daheim, da wir Urlaub haben und etwas Paar-Zeit verbringen wollten. Signorino ist pünktlich zu unserem Urlaub krank geworden. Und so fragt Frau Brüllen mit was wir nun den ganzen Tag verbringt. Sie nennt das WMDEDGT. Na, dann wollen wir mal gucken:

Kurz vor Mitternacht: Signorino weint. Der Römer übernimmt die frühe Nachtschicht wie gestern.

Zw. 00-04:00 Uhr: Immer wieder weint das kranke Kind, kann aber durch kuscheln beruhigt werden. Alle drei schlafen nicht bis gar nicht.

04:22 Uhr Schichtwechsel. Ich übernehme die späte Krankenschicht neben Signorino. In unser großes Bett will er auf gar keinen Fall. Also quetsche auch ich mich ins 90 Zentimeter Kinderbett.

08:00 Uhr Zeit für ein neues Fieberzäpfchen. Der Römer legt sich zu Signorino. Ich mache mir Frühstück und bereite mich darauf vor, beim Kinderarzt anzurufen. An sich ist der Kinderarzt klasse, aber erreichbar ist er nicht. Gestern riefen wir 7(!) Mal an. Es hob keiner ab. Gleichzeitig soll/darf man nicht in der Praxis ohne Termin vorbeikommen. Wenn heute keiner ans Telefon geht, ist mir das egal. Dann stehen wir um 10 Uhr ohne Termin und Telefonat auf der Matte.

08:30 Uhr Heute hat der Kinderarzt eine Bandansage, dass er gestern und heute im Urlaub sei. Der Römer hat den Auftrag, nachher bei unserer alten Kinderärztin anzurufen.

09:00 Uhr Er hat angerufen und kommt ins Bad mit der Info „09:30 Uhr.“. Mehr sagt er nicht. Ich rege mich auf, denn es ist vollkommen unmöglich, dass wir in 30 Minuten alle angezogen sind und auf der anderen Seite der Stadt, um den Termin wahrzunehmen. „Tranquilla [Beruhige dich]. Ich wollte dir nur sagen, dass der Kinderarzt ab 09:30 Uhr telefonisch erreichbar ist.“ Mein „Dann sprich in ganzen Sätzen, Mensch!“ schlucke ich runter. Wir sind aufgrund der angespannten Lage und des Schlafmangels bereits sehr dünnhäutig.

09:30 Uhr Alle Leitungen beim Kinderarzt sind frei und wir kommen durch. „Um 10:10 Uhr kommen Sie bitte vorbei.“, säuselt die Sprechstundenhilfe ins Telefon. Der Römer erklärt, dass Signorno, nachdem er die ganze Nacht wach war, noch schläft und wir zudem auf der anderen Seite der Stadt wohnen. „10:30 Uhr, dann. Aber das ist eine Ausnahme.“, spricht die Arzthelferin. Was der Römer nicht erwähnt hat, ist, dass wir ebenfalls noch im Pyjama sind. Wie die Irren machen wir uns fertig, wecken das Kind, lassen es frühstücken, ziehen es zeitgleich an und sind um 10:02 Uhr auf dem Weg zum Kinderarzt. Ich starte den Motor und gondle in den Osten. Zum Glück ist der Mainkai offen für den Autoverkehr.

10:30 Uhr Wir schaffen es pünktlich und dürfen noch 30 Minuten im überfüllten Wartezimmer warten. Dann sind wir endlich dran. Im Nebensatz erwähnt die Dottoressa, dass das Kind einen viralen Infekt hat und dazu eine Entzündung. Dann stellt sie fest, dass die Kinderzahnstellung eine KA-TA-STRO-PHE sei. Einen zehnminütigen Vortrag hält sie mir, dass das gar nicht geht und der Schnuller SOFORT weg muss. Ich sage nur „Ja.“. Mehr nicht. Natürlich hat sie recht. Aber den Ton finde ich mehr als kurios. Ein Gespräch ist nicht möglich, da sie einfach nur ein Standpauke halten möchte. „Gründe für den Schnuller findet man immer.“, beendet sie ihren Vortrag. Am Ende gibt sie mir noch ein Notfall-Zäpfchen, falls sich Signorinos Luftröhre aufgrund der Kehlkopfentzündung zu sehr verengen sollte und den Tipp, dass der Kleine morgen wunderbar wieder in die Kita gehen kann. Ich bedanke mich und denke „Ganz sicher nicht.“. Das Kind ist müde, hat keine Stimme, weint bei jedem Husten. Ich will das weder dem Kind, noch den Erzieher*innen, noch den anderen Kindern zumuten und finde es unverantwortlich, das Kind in diesem Zustand zu schicken. Ich würde so auch nicht in die Arbeit gehen, warum sollte ich Signorino so in die Kita gehen lassen?

11:15 Uhr Wir fahren nach Hause. Passend zu diesem miserablen Tag ist die Brücke kurz vor unserem Zuhause gesperrt. Die Umleitung führt uns 9km durch den Frankfurter Westen.

Immerhin hat der Römer einen riesen Spaß, die Einfahrt nach Frankfurt von der Autobahn aus zu fotografieren. Wir bestellen Pizza als wir daheim sind.

15:30 Uhr Wir sind alle müde, aber dennoch schläft keiner. Es wird viel gekuschelt und wir reden wenig, damit unser heiserer Signorino auch nicht reden muss. Dazwischen ruft Turtle an und fragt, wie es uns geht. Dann bricht der Römer zum Zahnarzt auf.

17:00 Uhr Der Gatte kommt zurück. Er habe „nur“ 200 Euro gezahlt für all die Vermessungen und Abdrücke für seine Zahnschiene. Ich schlucke. „Also gibt es heute wohl Ofengemüse. Irgendwo muss man ja sparen.“, denke ich noch so und schlürfe in die Küche. Ich schnipple das Gemüse und höre ein aufgeregtes und vollkommen hilfloses „Amore, si sta per addormentare. [Liebling, er ist gerade dabei einzuschlafen.] Was soll ich jetzt tun?“. Ich gebe zurück, dass ich ihn in den Schlafanzug stecken würde und zwar möglichst schnell. Irgendein Problem sieht der Römer dabei und fängt schon wieder an zu diskutieren. „Schatz, mach doch bitte ein Mal was ich sage. Nur ein einziges Mal. Bitte!“, gebe ich zurück und er steckt das Kind tatsächlich in Schlafanzug und Schlafsack. Ich bereite das Kinderzimmer schlaftauglich vor und der müde Signorino legt sich freiwillig ins Bett. Nach 30 Sekunden döst er. Da er normalerweise 3-4 Stunden später ins Bett geht, stellen wir uns auf eine lange Nacht ein, denn er wird um 22 Uhr sicher fit sein.

20:00 Uhr Zu denken, dass Signorino bis 22 Uhr schläft, war schon sehr optimistisch. Er ist wach und heiser, dazu weint er und vermutlich tut ihm alles weh. Wir Eltern leiden mit und versuchen, die Situation erträglich zu machen.

21:00 Uhr Über und stampft mal wieder eine Elefantenherde oder die Nachbarn, so genau weiß man das nicht. Ich lese etwas und gehe ins Bett. Die Nacht wird vermutlich nicht existent.

Let‘s call it a day.

Übersetzen? Kann ich!

Das vorletzte Wochenende war seltsam entspannend. Beinahe entspannender als der Urlaub, wenn Sie mich fragen. Hingegen war das vergangene Wochenende angespannt, anstrengend, nervig, was alleine an meinem Drang liegt, auf jeder Hochzeit gleichzeitig tanzen zu wollen.

Alles begann am letzten Mittwoch, als mich ein mir bekanntes Marktforschungsinstitut kontaktierte. Bereits in der Vergangenheit habe ich für dieses in unregelmäßigen Abständen gearbeitet. Joachim, der dort arbeitet, fragte per E-Mail, ob ich denn zufällig Zeit hätte zwischen einem und fünfzehn Interviews vom Italienischen ins Deutsche zu übersetzen. Ich solle ihn am besten telefonisch kontaktieren. Tatsächlich hatte ich Zeit und fand die Idee verlockend, ein paar extra Taler zu verdienen. So rief ich Joachim an und wir besprachen die Details. Wie viele eineinhalbstündige, auf Italienisch geführte und von mir sinngemäß auf Deutsch übersetzte Interviews ich in einen eigens dafür konzipierten Fragebogen eintragen könne, wollte er von mir wissen. „Ein bis zwei vielleicht?“, war meine zaghafte Antwort, die Joachim nicht gerade glücklich machte. „Guck, ich habe hier 15 Interviews und spreche kein Wort Italienisch. Wären denn vielleicht drei Interviews möglich?“, wollte Joachim von mir wissen und klang dabei gelinde gesagt etwas verzweifelt. Ich dachte kurz über das Arbeitspensum meines Haupterwerbs. „Wird schon irgendwie gehen.“, dachte ich und sagte kurzerhand zu. Er war zufrieden und schickte mir eine E-Mail mit weiteren Details, Passwörtern und Links, wobei er nicht unerwähnt ließ, dass er sich auch über ein viertes, von mir bearbeitetes Interview freuen würde. Zwei Tage später, am Freitagabend, würden die ersten Interviews, die in Mailand stattfänden, online abrufbar sein, stand im Schlusssatz der E-Mail. Ich schielte auf meinen Terminkalender und hakte das freie Wochenende ab.

Freitag, 21 Uhr. Joachim schrieb eine E-Mail, dass der Startschuss gefallen sei. Blöderweise zeigte Signorino keinerlei Verständnis für den gefallenen Startschuss und weigerte sich vehement ins Bett gebracht zu werden. Auch Papa, der ihn ins Bett bringen sollte, wurde zwar als notwendiges Übel betrachtet, war jedoch keine Alternative zu mir, seiner Mutter. Gerne dürfe Papa im Kinderzimmer als hübsches Beiwerk bleiben, jedoch gebührte nur mir die Hauptrolle der Einschlafbegleitung. Da Signorino bei meiner Abwesenheit wie am Spieß schrie und sich nicht mehr beruhigen ließ, konnte ich weder das Interview anhören, noch mich konzentrieren. So blieb mir nur übrig, mich nervös neben den Ableger zu legen und die Sekunden zu zählen. Mir rann die Zeit sprichwörtlich durch die Finger, denn ich wollte endlich anfangen zu arbeiten. Nicht, weil ich mir nichts schöneres für einen Freitagabend vorstellen konnte als zu übersetzen, nein, vielmehr, weil mir schwante, mich restlos übernommen zu haben. Ein erster Überblick über das zu bewältigende Arbeitspensum sollte mir Ruhe verschaffen, dachte ich.

Freitag, 22 Uhr. Signorino ist endlich eingeschlafen. Ich startete den Laptop, machte mich mit dem Material vertraut und fühlte mich als würde ich alleine im offenen, tiefschwarzen Meer paddeln. „Ja, keine Ahnung.“, murmelte ich immerzu als ich das Material durchlas. Dann hörte ich mir den Anfang der ersten, italienischen Tonaufnahme an. Ein Mailänder näselte sich durchs Interview, das ein, der Stimme nach, älterer Herr mit ihm führte. Der Mailänder war mir unsympathisch, der Interviewer dagegen sehr sympathisch. Aber darum ging es in meiner Arbeit nicht, denn meine einzige Aufgabe bestand darin, die wichtigen Details aus dem Meer an Informationen herauszufischen und auf Deutsch in die richtige Spalte zu schreiben.

Recht schnell verstand ich, dass die beiden in einem Auto-Showroom irgendwo in Mailand standen und herausgefunden werden sollte, wie das Auto des Typus XY vom Mailänder bewertet wurde.

Verstehen Sie mich richtig, meine Italienischkenntnisse kann man als durchaus solide bezeichnen. Dabei sind meine Sprachkenntnisse vermutlich von der eher ruppigeren Sorte, denn schließlich perfektionierte ich mein Italienisch mit dem Römer und das römische Italienisch kann man durchaus als unflätig bezeichnen. Dabei reichen meine Sprachkenntnisse aus, um das tägliche Leben mit meinem Mann zu bestreiten, wobei ich mittlerweile dazu übergangen bin, Italo-Germanisch zu reden. Dabei vermischen sich deutsche und italienische Wörter zu einem einzigen Sprachbrei, der zumindest für uns Sinn ergibt. Ja, ich würde mich soweit aus dem Fenster lehnen, um zu behaupten, dass ich meinen Mann meistens verstehe – und er mich auch.

Doch leider ging es in diesem Interview mit dem näselnden Mailänder nicht darum, ein Alltagsgespräch zu verstehen. Vielmehr wollte eine Automarke Infos darüber haben, wie ihr neuer Prototyp denn nun bei der Zielgruppe ankäme und ich sollte das Bindeglied in der Kette aus Verbraucher und Hersteller sein, das die Information aufbereitet. Sehr zu meinem Missfallen ist mein italienisches Auto-Vokabular so gut wie nicht vorhanden, was mir bereits nach einigen, wenigen Sätzen zwischen dem Mailänder und dem Interviewenden auffiel.

Blöderweise fiel mir dabei auch noch ein in der Vergangenheit liegendes Streitgespräch zwischen dem Römer und mir ein. Wir saßen dabei im Auto, ich fuhr und der Gatte erklärte mir irgendetwas am Auto – und das im dichten Straßenverkehr Frankfurts und auf Italienisch. Da ich ihn absolut nicht verstand und mir sein immer eindringlicher werdendes, italienisches Autovokabular gewaltig auf die Nerven ging, war ich froh unsere Einfahrt hochzurollen. Dort beendete ich unser Gespräch mit einem hitzigen „Es heißt in Frankfurt nicht ‚volante‘, sondern Lenkrad.“. Daraufhin stieg der Römer wutentbrannt aus, knallte mit der Autotür des gerade eben abgestellten Autos und stiefelte fuchsteufelswild in die Wohnung. Alleine diese Szene zeigt doch sehr eindrucksvoll, dass ich in keinster Weise daran interessiert war, mein italienisches Vokabular um die Kategorie „Auto und seine Bestandteile“ zu erweitern. Doch der Teufel ist ein Eichhörnchen.

Ja, diesmal hatte ich keine Wahl und verzweifelte in den ersten Minuten. Unangenehm berührt trabte ich zum Römer. Ob er mir helfen könne, wollte ich wissen. Er guckte mich mit seinen stahlblauen Augen an. „Es geht um italienische Autoteile und davon verstehe ich nichts.“ Er verschränkte seine Arme und grinste diabolisch. Auch er schien sich an den Auto-Streit erinnern zu können. „Ich habe es dir immer gesagt, dass es besser ist, die italienischen Begriffe zumindest verstehen zu können. Aber du hast dich damals mit Händen und Füßen gewehrt. Also, ich für meinen Teil kenne die Teile mittlerweile auf beiden Sprachen. Aber sag, wie heißt nochmal „Lenkrad“ auf Italienisch?“

1:0 für den Römer.

Doch ich holte auf. „Volante.“, antwortete ich nüchtern.

1:1. Ausgleich.

„Ah, dann weißt du ja schon alles. Wozu brauchst du dann meine Hilfe?“, wollte der Römer süffisant grinsend von mir wissen.

2:1 für den Römer.

Ich schwieg. Solange, bis er ein Einsehen hatte und mit mir zum Laptop ging. Gemeinsam hörten wir uns den ersten Teil des italienischen Marktforschungsinterviews an. „Ma che?! [Aber was?!] Der Mailänder tut beinahe so, als wären alle deutschen Autos nüchtern und langweilig.“, kommentierte der Römer das Interview, in dem der Mailänder im Showroom auf seine Lieblingsmodelle deuten sollte. Natürlich entschied er sich für ein Italienisches. „Hm… aber warum mag er das deutsche Auto nicht? Wegen den „prese d‘aria“?“, versuchte ich den Römer aus der Reserve zu locken. „Esatto [Genau.]. Genau deswegen gefällt ihm das italienische Auto besser. Aber wenn du mich fragst, hat er überhaupt keine Ahnung von Geschmack.“, gab der Römer zurück. Ich hielt das aufgezeichnete Interview für einen Moment an: „Entschuldige, aber was sind überhaupt „prese d‘aria“?“, hakte ich beim Römer nach. „Lüftungsschlitze.“, antwortet er in lupenreinem Deutsch. Mein Gott, der Mann hatte damals wirklich recht als er mir das italienische Autovokabular aufdrücken wollte. Doch das behielt ich für mich.

Indessen mauserten wir uns durch den ersten Fragebogen bis ich beinahe mit allen Begriffen vertraut war. Als ich mich fest im Sattel meiner Übersetzertätigkeit sah, bedankte ich mich beim Römer für seine Hilfe und entließ ihn aus seinem Dienst als Chefübersetzer. „Immer gerne.“, antwortete dieser und lächelte milde. Dann drehte er sich noch einmal um und flötete: „Soweit ich mich erinnere, hast du aber auch ein Bilderwörterbuch aus deiner Zeit in Bergamo, das alle Autoteile erklärt. Damit habe ICH die deutschen Begriffe nach unserem Streit im Auto gelernt.“

3:1 für den Römer. Er hat haushoch gewonnen.

Hier ein Auszug aus einem Italienisch-Englischen Wörterbuch

Oh Mann! Grinsend setzte er sich auf die Couch und vertiefte sich in ein Buch. „Das sagst du jetzt?!“, antwortete ich vollkommen perplex, sprang auf und suchte das Buch in unserem Bücherregal. „Die Sprachen sind rechts unten.“, flötete er und amüsierte sich köstlich. „Ja, ja. Weiß ich schon.“, gab ich knapp zurück und wusste es doch nicht. Woher auch? Ich schlage meistens mithilfe einer simplen App die wenigen, noch unklaren Wörter nach. „Ah, da ist es ja.“, rief ich freudig und der Römer mahnte zur Ruhe, weil Signorino schlief und das auch so bleiben sollte. Rasch blätterte ich das bebilderte Wörterbuch auf, glitt an den Seiten mit der menschlichen Anatomie vorbei, ließ auch den Teil über Flora und Fauna, sowie die Bestandteile einer Fabrik hinter mir und fand schließlich den Sektor „Automobile“. „Ah, ‚un monovolume‘ ist also ein Family-Van und kein antikes Auto-Radio.“, stellte ich überrascht und gleichzeitig interessiert fest. Der Römer guckte mich entgeistert an. „Bist du sicher, dass du die Übersetzungen alleine machen willst?“, wollte er von mir wissen. „Na, klar. Das schaffe ich doch mit links.“, gab ich zurück und blickte in das amüsiert-schockierte, römische Antlitz. „Dai, forza! Danach schaue ich vielleicht nochmal über den Fragebogen.“, erwähnte er ganz beiläufig. „Okay!“, willigte ich ein, um kurz danach herauszufinden, dass „minigonne“ so gar nichts mit den mir bekannten Miniröcken zu tun hatten. Vielmehr handelte es sich hier um Einstiegsbleche. die unter den Autotüren angebracht werden. Ja, es ist schon wahr, was man sagt: Man lernt wirklich nie aus!

Pasta-Kurs im Flughafentaxi – das Rom-Tagebuch [Tag 8]

Pasta-Kurs im Flughafentaxi – das Rom-Tagebuch [Tag 8]

Dienstag, 30.08.2022

Ich habe kaum geschlafen, was in diesem Urlaub eher die Regel als die Ausnahme darstellt. Um 04:21 Uh, ich war gerade eingenickt, kam die überaus fleißige und arbeitsame Müllabfuhr vorbei und fuhr gefühlte 30 bis 40 Mal den rostigen Mülltonnen-Greifarm unter unserem Fenster kreischend hoch und runter. Aber wer kann es ihnen übel nehmen, wo sie doch die Stadt in tiefster Nacht vom Müll befreien?

Am Morgen schaut auch der Römer sehr unerholt aus der Wäsche. Müde greift er zur schwarzen Baseballmütze und setzt sie auf seine welligen, dunklen Haare. Anscheinend ist ihm heute nicht nach aufwendigem Haarstyling zumute. Wie immer holt er Frühstück für uns. Als er zurückkommt trinken wir schweigend den ersten Kaffee des Tages. Da Signorino noch schläft, genießen wir die doch so seltene Ruhe. Nach zehn Minuten, in denen jeder für sich seinen Gedanken ungestört nachhängen darf, hören wir ein zaghaftes: „MamaPapa?!“. Signorino ist wach.

„Si, amore? [Ja, Schatz.]“, ruft der Römer ins Schlafzimmer, erhebt sich sogleich und geht Signorino kuscheln. Danach sorgt er dafür, dass Signorino auch genug frühstückt. Indessen kümmere ich mich um das logistisch erfolgreiche Kofferpacken, um später am Flughafen so wenig Stress wie möglich zu haben. Dazu zählt auch, so sinnvoll zu packen, dass die Handgepäcksdinge nach ihrer Priorität in den Rucksäcken verstaut sind. Nach kürzester Zeit ist mein Rucksack der Versorgungsrucksack geworden, der Wasser, Snacks und einen warmen Kinderpulli für den Flug beinhaltet. Außerdem liegen bei mir alle Flüssigkeiten oben auf, damit ich sie an der Sicherheitskontrolle rasch aus dem Rucksack ziehen kann. Der römische Rucksack beinhaltet dagegen das gesamte Windel-Equipment und die Technik. In Signorinos Elefanten-Rucksack ist lediglich leichtes Malzeug, ein paar Legosteine und eine Packung Feuchttüchter gestaut. Das Aufgabegepäckstück verlangt derweil keinerlei Präzession und so landen unsere Dinge gerollt oder gefaltet, nach dreckiger und frischer Wäsche aufgeteilt im Koffer. Nach 40 Minuten bin ich fertig.

Um Punkt 10 Uhr übergeben wir die Schlüssel an unsere Vermieter, bedanken uns und schleppen Kind und Koffer nach unten. Dann überqueren wir die Viale di Trastevere und erreichen nach wenigen Metern den Taxistand. Leider ist an diesem Tag und zu dieser Uhrzeit kein einziges Taxi in Sicht, was mich durchaus nervös stimmt. Vor uns stehen zudem noch zwei junge Schwedinnen, die ebenfalls auf ein Taxi warten. Da sie zuerst da waren, haben sie natürlich Vorrang. Nach etwa fünf Minuten Wartezeit hält ein Taxi. Die Schwedinnen kriechen auf die Rücksitzbank, wechseln vier Worte auf Englisch mit dem Taxifahrer und kraxeln postwendend wieder aus dem Taxi heraus. Wir gucken sie fragend an. „Only cash!“, sagt die eine der beiden und zuckt mit den Schultern. „Okay!“, spricht der Römer, nähert sich der Taxibeifahrertür, öffnet diese mit einem freundlichen „Salve! Buongiorno! [Grüß Sie, Guten Tag!] und wird noch einmal vom Taxifahrer, diesmal auf Italienisch, darauf hingewiesen, dass sein EC-Karten-Lesegerät leider defekt sei. „Ma noooo! Non c’è problema. [Aber nein! Gar kein Problem] Wir können bar zahlen.“, beschwichtigt ihn der Römer und der Taxifahrer steigt aus, um uns mit dem Koffer zu helfen. Dann klettern wir alle drei auf die Rücksitzbank, verstauen die Rucksäcke und der Römer instruiert den Fahrer, dass wir zum Flughafen müssen. „Ciampino o Fiumicino? [Ciampino oder Fiumicino?]“, will der Taxifahrer noch wissen und der Römer antwortet, dass wir Fiumicino bevorzugen würden. Ein kurzer Lacher auf beiden Seiten und ein „Va bene. [In Ordnung.]“ später, schlängeln wir uns flott durch den dichten Verkehr Roms. Dabei sucht der Fahrer mit der rechten Hand eine Telefonnummer in seiner Kontaktliste im Handy, während er mit der linken Hand das Auto steuert. Sein Blick wandert dabei immer mal wieder zwischen dem chaotischen, römischen Straßenverkehr und seinem Handy hin und her. Als er die Nummer gefunden hat, es kurz tutet und dann ein Antonino mit einem sonoren „Pronto!“ antwortet, haftet der Blick unseres Taxifahrers weitestgehend auf der Straße. Nur bei einigen Abschnitten des Telefongesprächs, redet sich unser Taxifahrer derartig in Rage, dass er nicht mehr den Verkehr beobachtet, sondern sein Handydisplay fixiert und leidenschaftlich mit diesem diskutiert. Ob ihm einer sagen sollte, dass es ein Sprachtelefonat ist und Antonino ihn über das Display gar nicht sehen kann? Lieber nicht, sonst dreht er sich noch zu mir um und wir rasen in ein Stauende. Stattdessen bevorzuge ich, auf der Rücksichtsbank mitzubremsen. Natürlich bringt das effektiv rein gar nichts, was auch der Römer bemerkt, der grinsend auf meinen rechten Fuß starrt, der im 10-Sekunden-Takt bremst.

Um mich abzulenken, fängt mein Mann an, auf Deutsch mit mir zu palavern. Er spricht überaus selten Deutsch mit mir, aber wenn sich eine:n Italiener:in in der Nähe befindet, wählt er diesen Modus, um ungestört mit mir reden zu können. Jedes Mal aufs Neue bin ich begeistert, welchen sprachlichen Fortschritt der Römer wieder gemacht hat. Von Mal zu Mal spricht er fließender, wobei seine Grammatikkünste fast gar nicht mehr darauf schließen lassen, dass er erst seit sechs Jahren in Deutschland ist. Nach etwa zehn Minuten beendet der Taxifahrer sein Telefonat und scheint sich zu langweilen. Immer wieder guckt er interessiert in den Rückspiegel, neben dem seine Taximarke hängt. „Francesco M.“ steht darauf und auf dem Lichtbild starrt er uns blass und emotionslos entgegen.

Während der Römer und ich eine kleine Gesprächspause einlegen, wittert Francesco seine Chance. Mit einem einfachen „Da dove siete? [Woher seid ihr?]“ steigt er in die bis dahin rein deutsche Konversation ein. „Aus Frankfurt.“, antwortet der Römer und ich weiß genau, warum er nicht die ganze Wahrheit sagt. Würde er aufdecken, dass er aus Albanien kommt, aber in Rom aufgewachsen ist, würde wieder das altbekannte Spiel anfangen: „Ah! Albanien! Ich kenne XY aus Albanien. Un bravo ragazzo [Ein guter Kerl.]“, gefolgt von einem Vortrag darüber wie der Taxifahrer Albanien und die Albaner:innen per se in Italien sieht. Mit der Antwort „Frankfurt“ ist der Römer definitiv auf der sicheren Seite. Nach kürzester Zeit finden Francesco, der Taxifahrer, und der Römer ein gemeinsames Gesprächsthema: Die Preisentwicklung in Italien und Deutschland. Akkribisch vergleichen Sie zuerst Benzinpreise, dann die aktuellen Obstpreise (IT: Kilopreis für Trauben liegt bei 3€ statt wie gewöhnlich bei 1,50€), um dann weiter über Gas- und Strompreise zu diskutieren. Schließlich kommen die beiden zu einer wirklich wichtigen Kategorie: Die Pasta-Preise in Italien.

Und ab hier beginnt Francescos Pasta-Kurs, der mit Gold nicht aufzuwiegen ist. Nachdem er uns die aktuellen Pasta-Preise seiner bevorzugten Marken vorgebetet und nochmals erörtert hat, dass er meist nur im Angebot kauft, lässt er uns teilhaben an seinem unglaublichen Wissen über Pasta. Ich versuche, die wichtigsten Punkte für Sie zusammenzufassen. Natürlich ist Francescos Wissen ohne Gewähr auf Vollständigkeit und/oder absoluter Richtigkeit.

Pasta-Kurs auf die Francesco-Art:

Klares Kochwasser: Gute Pasta erkennen Sie daran, dass das Kochwasser klar bleibt. Sollte sich das Wasser beim Kochen weißlich verfärben, wurden andere Dinge zu den einzig wahren Pasta-Bestandteilen Wasser und Hartweizengries hinzugefügt. Dies könnte zum Beispiel Maismehl oder jegliches, anderes Mehl sein, was dazu dient, den Pastateig zu strecken und somit die Herstellungskosten zu senken. Dadurch büßt die Nudel jedoch viel Geschmack und Konsistenz ein.


Heute für Sie ausprobiert. Das Wasser sieht einigermaßen klar aus.

„Al Dente bis zum Schluss“: Gute Pasta verkocht nicht. Sie können Pasta eines Qualitätsherstellers locker ein paar Minuten länger als auf der Packung angegeben im Wasser lassen. Bis zu 14 Minuten Kochzeit sollte für eine gute Nudel kein Problem darstellen. Francesco erzählte, dass sie bei ihm zu Hause gerne große, sonntägliche Familienmittagessen (=pranzo) haben und da es viele Gänge gibt, die Pasta auch gerne einmal ein paar Minuten länger als üblich im Wasser bleibt. Sie ist und bleibt trotz längerer Kochzeit „al dente“.

„Made in Molise“: Der Weizen sollte aus Italien stammen und zwar möglichst aus der Region „Molise“. Sollte das nicht möglich sein, sollte der Weizen zumindest aus Europa kommen. Francesco führt weiter aus, dass eine bekannte, italienische Marken, die sie in jedem deutschen Supermarkt kaufen können, dazu übergegangen ist weltweit Weizen einzukaufen, der durchaus auch genmodifiziert sei, laut Francesco. In Italien gab es daraufhin einen großen Aufschrei und die Verkaufszahlen brachen ein.

Al Bronzo macht den Unterschied„: Die Nudeln sollten möglichst „al bronzo“ produziert sein. Das bedeutet, dass der Nudelteig auf Bronzeformen gezogen wird, wodurch die Oberfläche der Nudel rauer und ihre Struktur dichter wird. Dies dient dazu, dass die Soße optimal an der Nudel haften bleibt.

„Francescos Lieblinge“: Zu Francescos absoluten Lieblingen zählt die Marke „La Molisana“*, die ihren Weizen ausschließlich aus der Region Molise bezieht. Auf Platz 2 befindet sich die Nudelmarke „Rummo“*, die Sie bei uns auch im gut sortierten Super- oder Drogeriemarkt finden. Bei Rummo sei zu beachten, dass sie europäischen Weizen benutzen.

„Das schafft jeder“: Die Nudelsoße sollten Sie immer selber machen. Als Basis benutzen sie ein soffrito: Dazu schwitzen Sie feingehackte Zwiebeln und eine Knoblauchzehe im Ganzen (diese können Sie hinterher wieder herausfischen) an und geben Passata di Pomodoro darüber. Salzen, etwas Chilli dazu und köcheln lassen. Dann vermischen Sie die Pasta direkt noch in der großen Tomatensoßenpfanne mit den Nudeln, damit die beiden sich verbinden. Und wie Sie bereits wissen, haftet die Soße an der angerauten Oberfläche (al bronzo) der Nudel optimal.

„Francescos Geheimtipp“: Ein paar Semmelbrösel, un filo d’olio [ein wenig Olivenöl] und Petersilie auf den bereits angerichteten Teller Pasta geben. Das schafft laut Francesco wirklich jeder!

Merke: Die perfekte Nudel färbt das Nudelwasser nicht weiß, verkocht nur bei grober Fahrlässigkeit, ist al bronzo produziert und beinhaltet optimalerweise nur Weizen aus der Region Molise.

Als Francesco langsam vor Terminal 1 des Flughafens rollt, würde ich am liebsten sitzen bleiben. Viel zu spannend ist sein geballtes Wissen über die perfekte Pasta. Doch leider, leider müssen wir aussteigen und unseren Flug erwischen. Als der Römer den Koffer entgegennimmt, wird ihm von Francesco folgende Frage gestellt: „Ma tu sei italiano, vero? [Aber du bist Italiener, richtig?]“ Der Römer schüttelt lachend seinen Kopf: „No, no, sono tedesco. [Nein, nein, ich bin Deutscher.]“ Ich gucke etwas irritiert. Technisch gesehen ist der Römer noch kein Deutscher. Dafür arbeitet das albanische Konsulat und die deutsche Einbürgerungsstelle viel zu langsam. Wie es denn komme, dass der Römer ein so lupenreines Italienisch spreche, will Francesco daraufhin wissen. „Das ist einfach zu erklären.“, sagt der Römer, „Ich habe sehr viele Jahre in Rom gewohnt.“ Daraufhin sprechen Francesco und der Römer fünf Minuten über das Leben in Rom, um kurz danach über Francescos Heimat Kalabrien zu reden. Mit Blick auf die Uhr, müssen die beiden sich schließlich voneinander losreißen. Als wir Signorino auf den Rollkoffer setzen, raunt mir der Römer zu: „I calabresi vivono per mangiare. [Die Kalabrier leben fürs Essen.]“. Ja, so ist das wohl. Und zum Glück sind sie so nett und teilen ihr Wissen.

Am Flughafen ist es anstrengend wie immer mit Kleinkind. Immerhin zahlt sich meine aufwendige Handgepäcksordnung aus und so kommen wir schnell und unkompliziert durch die Sicherheitskontrolle. Da wir immer noch viel zu früh am Flughafen sind, versuchen wir Signorino zu beschäftigen, was mäßig gut klappt. Nach einer unendlich lang erscheinenden Wartezeit kommen wir im Flugzeug an. Signorino schläft natürlich nicht erschöpft im Flugzeug ein. Da wir ziemlich müde sind, geben wir ihm das Tablet und er darf eine Serie gucken.

Endlich in Frankfurt ist unser Koffer zwar angekommen, aber beschädigt. Eine Rolle hakt und ist kaputt. So statten wir dem „baggage claim“ auch noch einen Besuch ab. Da dies nicht mein erster, beschädigter Koffer in meiner Laufbahn ist, geht es ruckzuck. Am Ende brauchen wir ein Koffergutachten, das wir uns in der Innenstadt einholen müssen. Aber nicht heute.

Auf dem Weg zur S-Bahn stoppen wir noch bei der goldenen Möwe. Heute ist eh schon alles egal und kochen stellt keine wirkliche Option dar. Wir bestellen an einem riesigen Bildschirm und Signorino und der Römer setzen sich hin, während ich das Essen abhole. Kurz darauf isst Signorino zufrieden seine Pommes und probiert Chicken Nuggets von mir und auch wir Erwachsenen sind zufrieden mit dem kulinarischen Angebot der goldenen Möwe. Dann nehmen wir die S-Bahn nach Hause.

Als wir endlich in unserer Wohnung sind, bin ich drauf und dran den Laminatboden vor Freude zu küssen. Aber ich kann mich noch davon abhalten. Schließlich habe ich heute noch etwas weitaus wichtigeres vor: Circa 3 Kilo Tomaten wollen geerntet werden. Und das mache ich dann auch!

Tomaten über Tomaten
Diese Tomatenpflanze brach unter der Tomatenlast zusammen
Und ein paar Chillis.

*Werbung, unbezahlt und unbeauftragt

Nachtrag: Ab heute haben wir eine Woche frei und bleiben daheim. Wir werden als Paar ganz entspannt in eines der unzähligen Museen Frankfurts gehen, während Signorino in seiner vertrauten Kita spielen wird. Manchmal kann Urlaub so einfach sein, oder?

Espresso zu Heavy-Metal-Klängen – Das Rom-Tagebuch [Tag 7]

Montag, 29.09.2022

Es ist 09:30 Uhr und alle schlafen – außer mir. Ich bin bereits wach, wobei „bereits“ sicher das falsche Adverb um diese Zeit ist. Mit gemischten Gefühlen denke ich an unseren morgigen Abreisetag. Um 10 Uhr müssen wir aus dem Haus, um das Flugzeug gegen Mittag zu besteigen. Um ehrlich zu sein, wäre es mir am liebsten, bereits heute Abend heimzufliegen, aber das Umbuchen meines Mitarbeiter-Tickets gestaltet sich schwierig und so werden wir wohl erst morgen Mittag Rom verlassen können. Dabei bin ich mir sicher, dass diese Tatsache sehr von 15 römischen Mücken geschätzt wird und sie auf ein grandioses, letztes Abendmahl (mit mir in der Hauptrolle) hoffen.

Immer noch sehe ich aus als hätte ich Windpocken und so pflege ich meine Mückenstiche mit dem Gel, dessen Verpackung stark an einen Flüssigklebestift erinnert. Langsam erwachen die männlichen Farnientes. Der Große springt auf und will sich um Frühstück kümmern, wie er es schon die ganze Woche über gemacht hat. Der Kleine möchte wieder seine Stimmung und sein Befinden in seinem Kleidungsstil manifestieren. Heute soll es die kurze Jeanshose sein – dazu ein weißes Polo-Shirt. Ob die Vorlage seines Outfits der römische Bekannte alias „der weiße Stein“ war? Meine noch benutzbaren, scheinbar sauberen Kleidungsstücke aus dem Koffer lassen mich langsam aber sicher verzweifeln. Selbst die Teile, die ich noch kein einziges Mal in diesem Urlaub angehabt habe, sind voller Wassermelonenflecken (Grazie, Signorino!). Als der Römer von der sizilianischen Bäckerei zurück kommt und ich ihm von meiner Misere berichte, kommt just der Kommentar, dass ich schließlich nicht besonders penibel mit meiner Kleidung umgehen würde. Ganz im Gegensatz zum römischen Gatten, versteht sich. Kurz schnellt mein Puls nach oben und ich mache dem feinen Herrn Römer klar, dass sein Privileg darin liegt, Papa geworden zu sein, was bedeutet, dass die körperliche Nähe zum eigenen Kind nicht mit Ende der Schwangerschaft endet. Signorino und vermutlich einige Kinder mehr leben quasi auf einem bis sie bereit sind, sich abzunabeln. Und wie das so ist bei einem Kleinkind, dass ständig auf Mamas Schoß, Arm, Rücken oder Hüfte will, sind Mamas Kleidungsstücke eben dann fleckig und/oder verknittert. Mein, zugegeben, etwas geladener Redeschwall lässt den Römer verstummen. Solange, bis er fragt, ob ich Hilfe beim Waschen meiner Kleidungsstücke brauche. Ich nicke und bedanke mich für sein Verständnis. Gleich nachmittags würde er sich um meine Kleidungsstücke kümmern, gibt er an. Sein „Gleich nachmittags“ kenne ich bereits aus der Vergangenheit und warte immer noch auf den ein oder anderen „Nachmittag“. Aber ich bleibe gespannt.

Als wir fertig gefrühstückt haben, gehen wir vor die Tür. Erster Stopp: Ein Modegeschäft. Signorino braucht eine zweite, lange Hose, da wir nur eine eingepackt haben. Ein paar Söckchen, eine lange und kurze Hose später, sowie ein T-Shirt, dass der Mann für den Sohn haben will, nehme ich noch ein einfaches T-Shirt im Sale mit. Augenscheinlich scheint es zu passen. Für eine Anprobe ist keine Zeit.

Der nächste Halt ist unser Stammcafé Baylon. Bereits die ganze Woche freute ich mich auf den Besuch „unseres“ Cafés. Hier schlug die zarte Liebe zwischen dem Römer und mir erste, feine Wurzeln. Die süßen Croissants, der herbe caffé und die wunderbare Atmosphäre trugen sicher auch dazu bei, dass wir den Schritt wagten und der Römer zu mir nach Deutschland zog.

Doch was soll ich sagen? Corona forderte anscheinend überall seine Opfer. Das einst so geliebte Café ist ein seelenloses Loch geworden. Wir treten ein und laute Heavy-Metal-Musik kreischt aus den Boxen. Der schöne 20er Jahre Charme, die adrette Arbeitskleidung der Bedienungen und auch die charmanten Kellner*innen sind alle verschwunden. Dafür haben sie nun eine dermaßen unmotivierte, kaugummikauende Kellnerin, die so wirkt als wäre sie dazu gezwungen worden, Gast bei uns zu sein und nicht andersherum. Oder anders ausgedrückt: Diese junge Dame in der Gastgeberrolle ist definitiv eine Fehlbesetzung. Immerhin ist der caffè gut, wobei ich in Italien noch nie schlechten Espresso getrunken habe. Doch, doch, auch das passiere, sagt der Römer. Er sei vor Jahren mit der Rugby-Mannschaft in Norditalien gewesen und dort hätten sie tatsächlich schlechten Kaffee getrunken. Dennoch habe ich recht, dass man in Italien lange suchen müsse für einen wirklich schlechten Kaffee. Das sei in Deutschland besser. Man kann sich sicher sein, dass man sehr schnell wässrigen, sauren Espresso findet – egal wo. Ich „mmh-pfe“ gegen die Heavy-Metall-Musik an und mein Blick fällt auf die lange Glasvitrine, die in der Vergangenheit mit reichlich frischem Obst, Teilchen, Croissants und Kuchen gefüllt war. Hier herrscht gähnende Leere. Ein einzelner Apfel steht in einer 10-Meter-Glasvitrine. Ich fühle mich so unwohl, dass ich meinen caffè herunterstürze und den Römer nervös dabei beobachte wie er in aller Ruhe ein Päckchen Zucker in den Espresso einrührt. Verträumt starrt er in seinen Espresso, während heftige Heavy-Metal-Klänge uns immer eindringlicher Anbrüllen. Signorino zappelt unruhig auf meinem Schoss. Ja, wir sind mehr als bereit zu gehen. „È diventato proprio un buco. [Es ist wirklich ein Loch geworden.]“ stellt der Römer nun fest und rührt weiter mit ruhiger Hand in seinem Espresso. Noch eine Löffel-Umdrehung mehr und ich renne schreiend aus dem Café. Doch endlich nippt er an seinem gut gerührten Espresso. Ob ich auch eine centrifuga [Smoothie] will, will der Römer von mir wissen. Mein Blick fällt auf den einsamen Apfel in der Glasvitrine. „Ich vermute, der Apfel reicht nicht für uns beide.“, antworte ich sarkastisch. „Sie haben sicher noch irgendwo Obst.“, gibt der Römer zurück. „Sei mir nicht böse, aber ich finde, DAS ist der Eingang zur Unterwelt. Ich möchte einfach nur raus hier.“, spreche ich meine Gedanken aus. Der Römer nimmt Blickkontakt zur Bedienung auf. Lustlos und immer noch Kaugummi kauend schlendert sie zu uns. „Two forty, please.“, knurrt sie die englischen Worte als wären es Italienische. „Va bene così. Grazie. [Stimmt so. Danke.]“, sagt der Römer und gibt ihr 3 Euro. „Grazie.“, antwortet die Bedienung, krallt sich die drei Euro und schlürft lustlos davon. Es ist eben nichts für die Unendlichkeit. Nicht mal das schöne Café, in dem wir so gerne waren.

Der Römer will keine Langeweile aufkommen lassen und so schlägt er vor, in den Interior Laden nebenan zu gehen. Wir treten ein, werden höflich begrüßt, gucken uns kurz um und treten wieder auf die Straße. Zu teuer und nicht unser Stil ist das ernüchternde Ergebnis. Vermutlich hängt mir auch noch die Trauer und Enttäuschung über mein „Café“ nach, als dass mir etwas interessant erscheinen könnte. Danach schlendern wir etwas plan- und ziellos durch Trastevere und nehmen gleich noch Pizza bei La Renella mit. Eben genauso wie die Tage zuvor auch.

Ich bin so platt und gleichzeitig genervt, dass ich mich nochmal an den Computer setze und schaue, ob man nicht vielleicht doch diese Mitarbeiter-Flugtickets umbuchen kann. Immerhin ist der letzte Flug aus Rom nur zu 50% ausgebucht. Gleichzeitig würden uns nur zwei Stunden Zeit bleiben, um alles zu packen und die Wohnung fluchtartig zu verlassen. Wie schön wäre der Gedanke, heute Nacht im eigenen Bett zu schlafen? Ich versuche bei der Hotline anzurufen, aber es gibt kein Durchkommen. Gleichzeitig will das Kind jetzt unbedingt und sofort auf meinem Schoss sitzen, während ich in der Warteschleife hänge. Jeglicher Versuch vom Römer ihn wegzulocken, endet in einer lauten Kreischattacke, so dass ich die Warteschleifenmusik gar nicht mehr verstehe. Ob wir sicher sind, dass wir heute Abend zurückfliegen wollen, frage ich den Römer und er antwortet „Non lo so. Che ne pensi? [Weiß ich nicht. Was meinst du?]“. Ich lege auf. Keiner ist sich sicher, ob eine Umbuchung auf den heutigen Tag sinnvoll ist und es wäre ein unendlicher Stress alles in so kurzer Zeit zu packen. Dann soll es nicht sein. Fliegen wir halt morgen Mittag.

Müde fallen der Römer und ich ins Bett. Signorino zeigt jedoch kein Anzeichen von Müdigkeit. Draußen ist es heiß und die Mittagssonne knallt vom Himmel. Somit ist rausgehen keine Option. Warum müssen eigentlich die, die ins Bett gehen wollen, die ins Bett bringen, die nicht ins Bett gehen wollen? Signorino beginnt zu malen, zu snacken, zu trinken, zu quatschen, Dinge durch die Gegend zu tragen, seine neuen Socken auseinander zu pflücken und in unterschiedlichen Kombinationen wieder zusammenzufügen. Kurzum: Unsere Geduld befindet sich bereits im hellroten Bereich. Dazu kommt, dass permanent nach „MAMAAA!“ geschrien wird. Ich checke uns derweil für den morgigen Flug ein. Obwohl wir innerhalb der EU fliegen, wird alles abgefragt. Wirklich alles! Das kenne ich sonst nur bei Reisen von/nach Drittländern. Beim Römer ist mir nicht ganz klar, was sein Reisegrund für Deutschland eigentlich ist. Deutscher Staatsbürger ist er nicht. Er studiert auch nicht in Deutschland, macht keine Geschäftsreise und ist auch kein Tourist. Die Auswahloption „Ich wohne in Deutschland, weil ich eine:n Deutsche:n geheiratet habe und jetzt hier leben muss.“ gibt es leider nicht. Am Ende schreibe ich „Arbeit“. Stimmt ja auch.

Um halb fünf Uhr Nachmittags schlafen Signorino und der Römer endlich ein. Es war heute wirklich ein langer, anstrengender Kampf. Meine Müdigkeit ist hingegen komplett verflogen und ich habe Hunger. Also esse ich etwas und versuche dann, mich nochmals hinzulegen. Das Bett quietscht. Ich vermisse mein Zuhause mit all seinen Vorteilen. Reisen mit Kleinkind ist eine Herausforderung und hat wirklich wenig mit Erholung zu tun.

Der Große wacht wenig später auf und geht duschen. Ich erinnere noch einmal freundlich an meine Kleidungsstücke, die er „gleich nachmittags“ waschen wollte. Missmutig löst er sein Versprechen ein und wäscht mit geschickter Hand Wassermelonenflecken in der Badewanne aus. Der Kleine wacht kurz danach von den Dusch-und Waschgeräuschen auf und baut sich im Bett eine Kissenburg. Derweil packe ich schon mal die dreckige Wäsche und baue eine Dreck-Wäsche-Burg in unserem Koffer. Der Große will sich noch bei Freund A., dem Restaurantbesitzer, verabschieden und holt in diesem Zug gleich Abendessen. Während wir essen, unterhalten wir uns darüber, ob ein Abendspaziergang noch eine Option wäre. „Raus! Ja!“, spricht unsere nachtaktive Kleinkind-Eule. Als wir fertig gegessen haben, beschließen wir Piazza Venezia und den Kapitolsplatz zu besuchen. Bus Nummer 8 bringt uns dorthin und wir stellen fest, dass es eine Haltestelle direkt vor unserer Tür gibt. Selbst der Römer wusste darüber nicht Bescheid und wir sind all die Tage zuvor mit bleischwerem Kleinkind auf den Schultern sieben Minuten nach Hause gegangen. Mamma mia!

Vor Ort angekommen erklimmen wir den Kapitolsplatz mit seinen sehr steilen, mit Sommersandalen sehr rutschigen Treppen und landen sofort in der Vergangenheit: Hier war ich zuletzt alleine mit dem Römer. Die Idee ein gemeinsames Kind zu haben war weit entfernt. Es gab nur ihn und mich – und jetzt rennt unser Kleinkind lachend über den Platz und grüßt Touristen aus aller Welt mit einem fröhlichen „Haaaaallo!!“.

Der römische Gatte

Wir schauen uns noch das Forum Romanum von oben an, gehen die rutschige Treppe wieder hinunter, schlendern am Teatro di Marcello, das oft für das Kolosseum gehalten wird, vorbei und überqueren den Tiber mithilfe der Tiberinsel. Signorino will alles selber laufen (Betonung auf laufen) , was wir begrüßen würden, wäre der Verkehr nicht so dicht. So tragen wir das maulende Kind heim, dass immer wieder „Laufen! Laufen!“ schreit.

Endlich sind wir zu Hause und packen für morgen.

Das Tor zur Unterwelt und der sprechende, weiße Stein – Das Rom-Tagebuch [Tag 6]

Sonntag, 28.08.2022

Heute gehen wir es beinahe schon unverschämt langsam an. Wie immer lässt uns „Il Siciliano“ mit seinen gefüllten Croissants satt und zufrieden in den Tag starten. Danach vertrödeln wir den Vormittag ohne schlechtes Gewissen. Als alle ausgiebig getrödelt haben und endlich vollständig angezogen sind, verlassen wir unsere Ferienwohnung. Signorino lässt verlauten, dass er unverzüglich ein Eis benötigt. Wir sind im Urlaub und die letzten, richtig heißen Eistage sind für dieses Jahr bereits gezählt, so soll er sein Eis bekommen. Wir Großen trinken lieber einen Espresso. Nach einer halben Kugel Eiscreme mag Signorino nicht mehr, was durchaus ungewöhnlich für ihn ist. Der Römer versucht das Eis aufzuessen und stellt schnell fest: Es ist voller gefrorener Wasserklumpen, die das ganze Eis durchsetzen. Jetzt wissen wir, warum das Kind sein geliebtes Schokoladeneis so schrecklich fand.

Zwei Tassen Espresso und ein Eis mit ❄️-Klümpchen.

Wir verlassen das Café und schlendern durch Trastevere. Der Römer zeigt mir, wo er vor 15 Jahren gewohnt hat. Nachdem er mir alles beschrieben hat und mir an der Fassade „sein“ Fenster gezeigt hat, sehe ich mich etwas in der Straße um und entdecke Erstaunliches: Der Eingang zur Unterwelt liegt genau vor mir, ordentlich beschriftet mit der Hausnummer 21a. Unter dem Schild steht „Unterwelt“. Das war’s. Ein vollkommen unscheinbarer Eingang zur Unterwelt gähnt mich gelangweilt an. Er ist verschlossen und mit Vorhängen abgedeckt. Ob der dreiköpfige Höllenhund Zerberus hinter der Tür schlummert? Oder doch für eine kurze Pipi-Pause in einen der Vicoli [Gassen] Trasteveres unterwegs ist?

Via Agostino Bertani 21a, falls Sie irgendwann auf der Suche nach der Unterwelt sind.

Mit dieser Erkenntnis streifen wir weiter durch Trastevere und holen Pizza bei La Renella (wo sonst?). Auf dem Rückweg gehen wir bei der Fontana di Santa Maria in Trastevere vorbei und natürlich muss Signorino, wie jedes Mal, pritsch-pratach (=plitsch-platsch) beim Brunnen machen. Er erklimmt die Stufen, quetscht sich an den rastenden Touristen vorbei und will hochgehoben werden. Mit einer solch großen Freude streicht er mit den Händen durchs Wasser, dass wir lachen müssen. Manchmal sind es eben die kleinen Dinge, die am glücklichsten machen.

Signorinos Hände am Brunnen. Bereit für Pritsch-Pratsch.

Auf dem Rückweg zur Wohnung treffen wir, rein zufällig, einen muskulösen, sehr breiten und ehemaligen Rugby-Bekannten des Römers. „Ah, sei tornato? [Ah, bist du zurückgekehrt?]“, fragt der bullige Bekannte und der Römer gibt an, dass er nur diese Woche in Rom sei – „in vacanza“, im Urlaub. Fünf Minuten Smalltalk später verabschieden wir uns. Außer Hörweite ruft Signorino „Tschüss, weißer Stein!“. Dazu winkt er. Offensichtlich meint er den Rugby-Bekannten des Römers mit dem weißen Polo-Shirt, der für Signorino nichts anderes als ein sprechender, weißer Stein war.

Wir essen unsere Pizza und der Römer geht danach alleine einen Kaffee trinken. Ich möchte keinen und bleibe deswegen mit Signorino in der Wohnung. Dabei stelle ich fest, dass Signorinos Windeln rasant zur Neige gehen. Ich überlege, ob wir den heutigen Tag mit vier Windeln überstehen. Nein, lieber nicht zu knapp planen. Haben ist nunmal besser als Brauchen – auch am heutigen Sonntag. Zum Glück macht der Supermarkt auch an diesem christlichen Ruhetag um 16 Uhr auf und rettet uns hoffentlich aus der Misere.

Der Römer kehrt beschwingt zurück. Das Kind ist derweil aufgedreht und müde. Dazu kommt, dass er eine ungeheure Angst vor jedem, neuen Geräusch entwickelt. Der Mixer im Café? Er springt panisch vom Stuhl und krabbelt auf meinen Schoß. Der Fön? Er wirft sich in meine Arme. Der Rasierapparat vom Römer? Er hat eine heftige Heulattacke. Ich tröste viel und versuche ruhig zu erklären, dass die Dinge zwar laut, aber ungefährlich sind. Einzig die Angst vor Krankenwagen kann ich umwandeln. Ich erzähle Signorino, dass das Dinosaurier-Autos sind, die Verletzte Dinosaurier zum Arzt fahren. Diese schnell zusammengestöpselte Erklärung meinerseits klingt für ihn absolut plausibel. Seitdem sagt er bei jedem Krankenwagen „Sausia-Auto“. Sie verletzen sich eben ständig mit ihren langen Beinen, so dass man nur ganz selten Dinosaurier auf der Straße sieht. Ist doch logisch!

Irgendwann schläft das müde Kind ein und wir Großen duschen nacheinander. Während ich unter der Dusche stehe,geht der Römer Windeln holen. Und Obst. Und Mozzarella. Und Brot. Und was nicht alles. Und das alles in seiner Geschwindigkeit, ohne dass Frau oder Kind zur Eile treiben. Ja, es sind tatsächlich die einfachen Dinge im Leben, die glücklich machen.

Gegen 18 Uhr wecken wir das Kind. Kurze Kleidungswunsch-Diskussion mit langem, kindlichen Trotzanfall. Am Ende besteht Signorino darauf eine lange Hose anzuziehen. Der Römer findet‘s blöd und zu warm. Mir ist’s egal, denn ich habe auch eine lange Hose an. Jeder hat eben ein eigenes Temperaturempfindnis. Immerhin haben wir alle eine Hose an. Man kann es auch mal positiv sehen.

Abmarsch zum Restaurant des römischen Freundes A.. Küsschen, Küsschen für alle, von allen. Signorino ist natürlich der offizielle Star-Gast. Wir setzen uns und der Römer erkundigt sich interessiert bei seinen Kellner-Freunden, ob die amerikanischen Touristen zurückgekehrt sind und mit ihnen die so dringend benötigten Einnahmen in der Gastronomie. „Ja… es sind einige Amerikaner:innen zurückgekommen.“, lautet die Antwort von Kellner Angelo, in der seltsamerweise dennoch ein sorgenerfüllter Ton mitschwingt. „Aber die Russ:innen fehlen uns als zahlende Gäste.“ Aha. Da ist die Erklärung für seine Sorge. „Es geht schon, irgendwie.“, gibt er an. „Immerhin läuft es besser als letztes Jahr und das Jahr davor.“ Es fallen aufmunternde Sprüche, aber wie aufmunternd kann ein Spruch sein, wenn Existenzen daran hängen? Dann entschwindet Angelo eilig zu einem Tisch amerikanischer Damen, die ein Dessert wünschen.

Wir warten auf den römischen Freund C. und sind gewappnet mit allem, was unser Reise-Unterhaltungsprogramm für einen aufgeweckten 2jährigen in Restaurant-Situationen hergibt. Und tatsächlich, Signorino hält bis 21:50 Uhr durch. Dann nimmt ihn der römische Freund C. auf den Schoß und wiederholt fünf Mal „Nooo, niente mammà. Ti tengo io! [Nein, nichts Mama. Ich behalte dich!]“ Das Kind heult und brüllt. Signorino kann sich kaum beruhigen, so dass uns der Römer heimbringt und wieder zu seinen Freunden A. und C. düst. Daheim kuschelt sich Signorino an mich, nicht, dass ihn doch noch Freund C. abholt und behalten will.

Mülleimer-Jagd in Rom – das Rom-Tagebuch [Tag 5]

Samstag, 27.08.2022

Ha! Es hat nur fünf Tage gedauert und ich bin morgens nicht mehr unleidlich. Es stimmt schon, was man sagt: Man gewöhnt sich an alles. Auch an das quietschende Bett und alle anderen Störfaktoren, die meine Schlafhygiene beeinträchtigen. Meinen nächtlichen Erfolg kann keiner der männlichen Farnientes nachvollziehen, denn groß und klein schlafen Nacht um Nacht wie die Babys.

Leider ist mein Erfolg nur von kurzer Dauer, denn es juckt unangenehm an meinen Armen und Beinen. Noch vor dem Frühstück tupfe ich das Gel, das der Römer in der Apotheke erwarb, auf die roten Mückenstiche. Langsam, ganz langsam wird es besser.

Während ich noch tupfe, holt der Römer bereits Frühstück bei unserem neuen Stamm-Café „Il Siciliano“. Wenn einer Süßgebäck kann, dann definitiv die Sizilianer:innen. Nach vorheriger Absprache mit dem Römer, beschlossen mehr ich als er, dass Signorino heute kein Croissant bekommt. Nicht etwa, weil wir besonders gemeine Elterm sind, sondern viel mehr, weil er seit Tagen nur ein einziges Mal von dem Süßgebäck abbeißt, um dann lieber Kekse zu essen. Sehr zum Leid meines immer enger werdenden Hosenbundes, müssen der Römer und ich das Signorino’sche Croissant vernichten. Auch mein Magen rebelliert, denn nach eineinhalb pappsüßen Croissants mit Creme-Füllung fühle ich mich etwas schwerfällig in der Magengegend. Der Römer stimmte meinen Ausführungen natürlich voll und ganz zu bevor er das Haus verließ. Das macht er oft, um sich unnötige Diskussionen zu ersparen.

Nach wenigen Minuten kommt er mit einer Papiertüte gefüllt mit zwei großen Croissants und einem Mini-Croissant zurück. Signorino habe ihm so Leid getan, da musste er ihm zumindest ein kleines Marmeladencroissant mitnehmen. Es sei nur so groß wie zwei Kinderhände und deswegen absolut in Ordnung. Unser Nachwuchs freut sich sehr über das kleine Croissant, beißt ein einziges Mal davon ab und legt es auf meinen Teller. Dann widmet er sich den Keksen und will Milch dazu. Immerhin ist das Signorino’sche Croissant so klein, dass die Hälfte davon mich und meinen Magen kaum belastet.

Danach beginnt wie immer die Ideenfindung für das heutige Ausflugsprogramm. Wir kommen nicht recht weiter und so beschließen wir zuerst dem Laden gegenüber einen Besuch abzustatten.

Seit Tagen kann ich vom Küchenfenster unserer Ferienwohnung aus die Fußmatte des Ladens sehen, auf der „Ciao Patatoni!“ steht und ganz unter uns: Ich würde meine linke Niere verkaufen, um so eine Fußmatte in Frankfurt zu haben. So treten wir ein und gucken uns interessiert um, während ich nichts anderes als diese Fußmatte im Sinn habe. Leider entdecke ich sie nirgends. Immerhin entdeckt der Römer etwas und zwar rosa Baby-Tennissocken mit der Aufschrift „Daje!“ [röm. Komm schon!]. Er verliebt sich in die keinen Daje-Socken und will sie für die frisch geborene Tochter eines italienischen Freundes in Frankfurt kaufen. Gesagt, getan. Er schreitet zur Kasse und ich instruiere den Römer, doch bitte UNBEDINGT nach dieser Fußmatte zu fragen. Zögernd dreht er sich noch einmal zu mir um. Ich zische ein leises „Daje! Na los, mach schon!“. Ja, ich meine das tatsächlich bitterernst. Als auch er bemerkt, dass ich nicht scherze, fragt er das Verkaufspersonal höflich nach der Fußmatte. „Ah, das tut mir Leid.“, sagt der Ladenbesitzer. „Diese Fußmatte war eine Sonderanfertigung für uns. Sie ist leider unverkäuflich.“ Der Römer bedankt sich, zahlt und wir verlassen mit den Babysöckchen das Ladengeschäft. „Alles muss man selber machen.“, stelle ich fest und suche bereits nach „Fußmatten zum selber designen“ im Internet. „Muss das jetzt sein?“, will der Römer wissen. Jetzt bemerke ich selber, dass das tatsächlich ein bisschen dämlich ist und vertage die Fußmattensuche auf einen späteren Zeitpunkt. Wir bringen die Geschenktüte in die Ferienwohnung und beschließen von der Piazza Trilussa ein Taxi zur spanischen Treppe zu nehmen. Für 8,70 Euro bringt uns ein älterer Herr sehr zügig zu eben dieser. Als wir zahlen, bemerke ich wieder einmal, wie günstig Taxifahren in Italien ist. Wir bedanken uns und steigen aus.

Tatsächlich sind wir nicht wegen der Sehenswürdigkeit gekommen, sondern weil der Römer und ich in dieser Ecke ein Outlet kennen, das in der Vergangenheit immer tolle Angebote hatte. Leider können wir uns nicht mehr an den exakten Standort des Outlets erinnern und so irren wir ein bisschen zwischen den Luxusmarken umher und wundern uns über die Menschenschlangen, die sich vor so manchem Luxusgeschäft bildet. Als wir an einer Schlange vorbeigehen, bleibt Signorino stehen. „Hoch!“, spricht er und meint es ernst. Immerhin sind wir schon 50 Meter weit gegangen. Natürlich verstehe ich den kindlichen Wunsch getragen zu werden. Auf seiner Höhe sieht man nicht wirklich viel außer Schuhe, Knie und Hüften. Ich nehme ihn auf den Arm und schleppe ihn durch die Gassen. Er meldet sogleich seinen Wunsch nach „EEEIS!“ an und wiederholt es sicherheitshalber nochmal auf Italienisch, damit ihn auch wirklich jeder Elternteil verstehen kann. Da wir gerade erst gefrühstückt haben, beschließen wir, dass Signorino noch ein Weilchen ohne Eis auskommen kann. Stattdessen bekommt er seine Wasserflasche in die Hand gedrückt. Er guckt verdutzt, trinkt aber dann.

Am Outlet angekommen sind wir ziemlich enttäuscht. Die Auswahl ist sehr ausgedünnt. Da Signorino neben „Steine gucken“ auch „Kleidung gucken“ ziemlich langweilig findet, beschließt er die Treppe des zweistöckigen Geschäftes zu benutzen und zwar mehrmals und ohne Pause. Wir teilen uns auf: Erst schaue ich ein wenig durch die kleine Leicht-Daunenjacken-Auswahl, dann hat der Römer Zeit einen Blick in die Herrenabteilung zu werfen. Eh ich mich versehe, ist der Römer bereits in einem handfesten Verkaufsgespräch zu einer sehr eigenwilligen Trainingsjacke, die für mich eher nach Altkleidersammlung als nach Designerstück aussieht. Mein Gatte schwört Stein und Bein, dass das DIE Marke ist und nur Kenner dieses tolle Teil für den horrenden Preis schätzen würden. Ich stimme ihm zu. So muss es sein, denn anders kann ich es mir nicht erklären, wer mehr als fünf Euro für so eine furchtbar hässliche Jacke ausgibt. „Nur 150 Euro kostet sie.“, will mich der Römer überzeugen und ich falle aus allen Wolken. „150 Euro für eine Jacke, die du vermutlich nur daheim trägst?“, überschlägt sich meine Stimme. „Wie? Daheim? Ich werde die Jacke überall tragen.“, will mich der Römer überzeugen. „Bitte nicht.“, murmle ich. Signorino huscht derweil wieder die Treppe hoch und hat Gefallen daran gefunden, all die Schuhe, die pro Treppenstufe links und rechts platziert sind, zu tätscheln. Dazu begrüßt er sie, indem er ihre Farben erwähnt „Hallo Blau! Hallo Braun! Hallo Schwaaahaaz!“. Wenn ein Schuh hinsichtlich seiner Farbwahl besonders außergewöhnlich ist, sagt er nur „Hallo Schuhe!“ und tätschelt ihn ein bisschen weniger als die anderen. Während ich Signorino und die Schuhe beaufsichtige, sehe ich den Römer nachdenklich vor der aufgebügelten Trainingsjacke stehen. Er will diese Jacke, probiert sie noch ein, zwei Mal an, betrachtet sich im Spiegel auf der Verkaufsfläche und der Verkäufer redet auf ihn ein, dass diese Jacke ganz besonders „particolare“ [einzigartig] sei. Ja, so scheint es mir auch. Selten habe ich ein hässlicheresTeil gesehen. „Che faccio? [Was mache ich jetzt?]“, fragt mich der Römer. „Das musst du wissen.“, antworte ich und halte Signorino davon ab, einen Schuh samt Schuhkarton die Treppe hinunterzuwerfen. Der Römer seufzt. „Vielleicht kaufe ich sie später.“, spricht er. Wir wissen beide, dass dieses „Später“ nicht eintreffen wird. Sehr geknickt verlässt er den Laden. „Eis!!!“, ruft sich Signorino wieder ins Gedächtnis und der Römer ist damit beschäftigt für Signorino eine Eisdiele zu suchen. Wir landen in einem etwas edlerem Café mit furchtbar muffigem Personal. Die Eisverkäuferin gibt Signorino nicht einmal einen Waffelkeks auf sein überteuertes Schokoladeneis. Auch der Römer bestellt sich ein Scholoadeneis und ich frage mich, warum sie bei identischer Bestellung nicht einfach einen Becher zusammen genommen haben? Kurz danach weiß ich warum. Während ich den Nachwuchs mit Eis füttern darf und gleichzeitig aufpassen muss, dass er das Eis nicht zu schnell ist, da er sonst vor „Gehirnfrost“ schreit, löffelt der Römer in aller Ruhe sein Eis weg. Er hat leider, leider keine Hand frei, um das Kind zu füttern, denn schließlich würde sein Essen ebenso schnell schmelzen wie das des Nachwuchses. Verstehen Sie mich richtig, ich helfe Signorino sehr gerne, sein Eis zu essen. Jedoch wird das Erlebnis für mich etwas komplizierter, da ich einen hellrosa Hosenrock und ein weißes T-Shirt anhabe. Mit Argusaugen versuche ich, das Kind und mich sauber zu halten und gleichzeitig mit Schokoladeneis zu füttern, was furchtbar anstrengend ist. Als das Kind grundgereinigt ist und mein T-Shirt nur über einen winzigen Schokoklecks im Bauchnabelbereich verfügt, ziehen wir weiter. Der Römer sucht verzweifelt einen Mülleimer für die beiden Papp-Eisbecher, kann aber keinen finden und ärgert sich lautstark. Schritt um Schritt wird er wütender ob der mangelnden Mülleimer in der italienischen Hauptstadt. Schließlich, vor einer Kirche, finden wir einen und er versenkt erleichtert die beiden Verpackungen. „Das ist in Frankfurt schon besser.“, erklärt er mir und ich grinse. Ja, auch Frankfurt hat seine Vorteile.

Endlich ein Mülleimer vor einer Kirche.
Die Ansicht ohne Mülleimer und nach oben ist fast noch besser.

Mittlerweile, am Largo Argentino angekommen, wollen wir den Bus der Linie 8 nach Casaletto (Genau: à casa, al letto – nach Hause, ins Bett) nehmen. Leider lässt er heute auf sich warten. Es ist Mittagszeit und furchtbar heiß. Signorino will seinen Sonnenhut nicht tragen und wir streiten uns. Als der Bus kommt, gebe ich genervt auf. Im Bus braucht er keinen Sonnenhut. Da will ich mal nicht so sein. Angekommen an unserer Haltestelle bringt uns der Römer noch in die Wohnung, um dann zu La Ranella zu spurten. Diesmal bringt er erstaunlich viel Pizza mit, die wie immer klasse ist. Signorino isst am liebsten „Pizza Bianca“, also gebackener Pizzateig ohne alles mit Salz und Olivenöl.

Dann fängt der Kampf ums Mittagsschläfchen wieder an. Das Kind findet unsere Idee wie immer doof, ist aber müde. Sehr müde. Schließlich beschließt der Römer mit Signorino zu raufen. Laut kichernd kämpfen sie auf dem quietschenden Bett, um dann nach dem Kampf erschöpft nebeneinander zu liegen. Signorino trinkt Wasser und nickt dabei weg. Was für eine kluge Taktik. Vor 18 Uhr wacht der kleine Mann nicht auf.

Der Römer meldet an, eine schnelle „spesa“ [Einkauf] zu machen. Nach dem gestrigen Schreianfall Signorinos hüten wir uns davor, nochmal mit Signorino in einen Supermarkt zu gehen. Rasch flitzt der Römer in den Supermarkt im Souterrain unserer Ferienwohnung und kauft allerhand Nützliches und Unnützliches.

Danach das Übliche aus Duschen, einer kleinen Runde um den Block und Abendessen bis wir schließlich um Mitternacht im Bett sind.

Pantheon beinahe ohne Linse – das Rom-Tagebuch [Tag 4]

Freitag, 23.08.2022

Morgens krieche ich wieder etwas unleidlich unter dem dünnen, weißen Leinentuch hervor. Die übliche Mischung aus quietschendem Bett (bei jeder nur leicht verrutschten Haarsträhne) und der Straßenlärm, sowie die von Signorino vorgegebene, unchristliche Bettgehzeit (irgendwann nach Mitternacht) machen mich fertig. Dazu die Hitze in der römischen Hauptstadt, die stellenweise noch etwas intensiver ist als die, die ich in Frankfurt in den letzten Tagen vor den großen Ferien erlebt habe. Langsam, ganz langsam schalte ich von meinem inneren Leerlauf in den ersten Gang und habe Mühe, dabei nicht gleich vollkommen benommen vom Stuhl zu fallen. Der Römer, bei dem all diese nächtlichen Umstände und die Hitze Energiegeber (und nicht wie bei mir Energieräuber) sind, hüpft bereits gut gelaunt durch die Straßen Roms und holt Frühstück. Ein Mann wie ein Goldstück, auch das muss man ab und an lobend feststellen.

Signorino erwacht in der Zwischenzeit. Auch ihm tun die Nächte gut und er verbringt sie in vollkommener Zufriedenheit neben mir. Ich wechsle ihm die Windel und will ihm die kurze, rehbraune Hose mit dem Ananasdruck anziehen, aber keine Chance. Er weiß genau, wie er sich kleiden will und schreit wie am Spieß beim Anblick der kurzen Hose mit dem Print. Er zeigt mir selbstsicher, dass für ihn – als direkter Nachfahre des Römers – nur die orange, kurze Hose ohne Druck in Frage kommt. Dazu will er bitte das T-Shirt mit dem Eiffelturm-Print anziehen und Socken. Blau sollen diese sein! Das passende Paar zerrt er sogleich aus dem Koffer. Wenn er sich jetzt noch zweifelnd im Spiegel beäugen würde, wäre er die exakte Kopie des Römers.

Apropos Römer: Der kommt gerade zurück und wir frühstücken.

Währenddessen besprechen wir – wie die Tage zuvor – mögliche Ausflugsziele in Rom mit unserem Zweijährigen. Wieder schlägt der Römer den botanischen Garten vor, aber bei aller Liebe für den botanischen Garten, zwei Mal in zwei Tagen muss ich ihm auch keinen Besuch abstatten. Mein Vorschlag, Terme di Caracalla, findet der Römer gut, allerdings ist er der Meinung, dass wir schon zu spät dran sind und die Sonne so erbarmungslos vom Himmel knallen würde, dass wir diesen Ausflug heute lieber nicht machen sollten. Am Ende entscheiden wir uns für Bummeln. Genauso heiß wie der Ausflug zur Caracalla-Therme, wie wir schnell feststellen werden, aber immerhin zahlen wir keinen Eintritt und sind schnell wieder zu Hause.

Durch Trastevere schlendernd entdeckt der Römer ein T-Shirt mit dem wenig charmanten Aufdruck „Fatti cazzi tuoi“ [Sehr frei übersetzt: Kümmere dich um deinen Mist]. Er würde das T-Shirt gerne kaufen. Gleichzeitig ist er hin und hergerissen, ob er das T-Shirt wirklich braucht und so beschließen wir, dass wir es eventuell auf dem Rückweg kaufen werden.

Weiter geht es Richtung Nonna Vincenzas Konditorei. Leider sind wir noch so voll vom Frühstück, dass wir keinen Platz für ein zweites Frühstück finden können. Am Campo de‘ Fiori angekommen, zeige ich dem Römer einen geheimen Geheimgang, der tatsächlich so geheim ist, dass der Römer ihn nicht kennt. Dazu halten wir uns an der Piazza del Biscione, die direkt an den Campo de‘ Fiori anschließt, ganz rechts bis wir einen Art Tunnel entdecken. Dort gehen wir hindurch und kommen an der Via di Grotta Pinta heraus. Das ist sicher nichts weltbewegendes, aber für mich war es ein schönes Gefühl, dem Römer etwas von Rom zeigen zu können und nicht nur Sehenswürdigkeiten, Tricks und Kniffe gezeigt zu bekommen.

Die Aussicht auf die Kuppel der Kirche Sant‘Andrea della Valle wartet nach dem geheimen Geheimtunnel auf Sie.

Der Römer lotst uns zur Piazza Navona. Dort gönnen wir uns auf der Stufe zum Trottoir sitzend eine kleine Trinkpause. Es ist sehr heiß und viele Tourist:innen sind auf und an der Piazza unterwegs. Wir blicken auf die brasilianische Botschaft und mir wird schlagartig blümerant. Nicht etwa wegen der brasilianischen Botschaft, viel mehr, weil mein Kreislauf verrückt spielt. Ruckartig stehe ich auf und hoffe, dass es besser wird und tatsächlich geht es mir etwas besser. Mein Kreislauf läuft sich langsam wieder warm, oder, hinsichtlich der Temperaturen, vermutlich eher kühl. Wir beschließen weiterzugehen und der Römer bringt uns zum Pantheon – sein Lieblingsbauwerk. Wir beobachten die Tourist:innen, die allesamt nur damit beschäftigt sind, sich vor dem Pantheon fotografieren zu lassen. Abseits steht ein älteres Schweizer Pärchen in Tarn-Beige gekleidet. Sie sind die einzigen, die das Pantheon mit eigenen Augen und nicht durch eine Linse betrachten. Ihre Köpfe stecken sie zusammen und weisen sich gegenseitig auf Dinge hin, die sie an der Außenfassade oder an der Architektur des Pantheons in all seiner Einzigartigkeit entdeckt haben. Ja, diese beiden erleben Rom tatsächlich wie es sein soll und am Ende haben sie vermutlich mehr zu erzählen als all die Fotograf:innen, die nur auf der Suche nach dem nächsten Like sind.

Ein schneller Schnappschuss auch von mir. 😄

Der Römer will mir noch eine ganz andere Sehenswürdigkeit zeigen. Bei einem Jeansgeschäft am Eck hat er DIE Herren-Jeans schlechthin entdeckt. Jeder hat eben am Pantheon Augen für etwas anderes. 😉 Anprobieren möchte er sie nicht, weil das mit Signorino jedes Mal eine Herausforderung ist und so wollen wir gerade weiterziehen bis ich das Pärchen, dass sich in den Nationalfarben Italiens gekleidet hat, entdecke. Ich vermute, dass es ein Zufall ist, aber ein Foto war es mir doch wert. Ob die Dame heute früh zu ihrem Liebsten sagte: „Wenn du rot und weiß anziehst, bin ich grün?“ Als ich den Römer auf das italienische Duo aufmerksam mache, muss auch er laut lachen. Mein Vorschlag, dass er morgen Rot und Gold anzieht, während ich ganz in Schwarz gehe, findet er dann nicht mehr so zum Lachen. Spielverderber!

Ein Bild für die Götter. Sie in Grün. Er in Rot und Weiß. Zusammen stellen sie die italienische Flagge dar.

Wir setzen unseren Rundgang fort und besuchen die Galleria Alberto Sordi, oder wie sie bei mir heißt „Umberto Ecco“. Na ja, immerhin eint die beiden, dass sie berühmte Italiener waren. Dort sind mittlerweile alle Geschäfte dauerhaft geschlossen, dafür sind zwei Kaffeebars offen. Wir setzen uns zu der linken Kaffeebar und meine Blase drückt. Das Tat sie schon im Frühjahr 2019 an dieser Stelle und ich wunderte mich noch, warum ich ständig pinkeln musste. Tja, Signorino war damals schon mit an Bord – wir wussten nur nichts davon. Diesmal ist niemand mit an Bord und ich gehe zur Toilette und zeige pflichtbewusst meinen Kassenzettel vor, um mir einen Euro Toilettengebühr zu ersparen. Denn wer im Café konsumiert hat, darf die Toilette kostenlos benutzen. Die wunderbare Reinigungskraft hat den Laden im Griff – aber sowas von. Nach jeder Benutzung putzt und desinfiziert sie, was das Zeug hält. Sie kontrolliert, dass nicht zu viele Leute auf einmal im Spa-Bereich (den Ausdruck können Sie beinahe wortwörtlich nehmen, so sauber ist das WC) stehen und ist dazu freundlich und überaus fleißig. Als ich gehe bedanke ich mich herzlich bei ihr und lege ein paar Münzen in ihre kleine, dunkelgrüne Schale.

Zurück am Tisch diskutieren der Römer und Signorino gerade über die Sinnhaftigkeit der Zuckerpäckchen in einer kleinen, schwarzen Plastikschale, die auf dem Tisch steht. Der Römer findet es sinnvoll, dass die Zuckerpäckchen in der dafür bestimmten Zuckerschale bleiben sollen. Signorino stellt das gänzlich in Frage und lädt Zuckerpäckchen um Zuckerpäckchen aus, die der Römer geflissentlich wieder einräumt bis sie sich nach dem dritten Zuckerpäckchen streiten. Auch als ich mich auf die Seite des Römers stelle, ist das Geschrei bei Signorino groß. Er hat absolut ungerechte Eltern, die nichts und zwar gar nichts verstehen. Als Trostpreis bekommt er mein unbenutztes Zuckerpäckchen und wir tragen das 15 Kilo Kind zur Piazza Venezia, von der wir ein Taxi nach Hause nehmen wollen. Doch weil es gerade so schön ist, frage ich den Römer, ob wir nicht doch noch zum Largo Argentino weitergehen wollen und er gibt sich geschlagen. Dafür trage ich das Kind auf meinem Arm weiter. Der Largo Argentino ist komplett eingezäunt. Vermutlich wollten die Katzen, die dort leben, einfach mal ihre Ruhe und haben Betriebsurlaub eingereicht.

Da es nur noch wenige Schritte zur Bushaltestelle, die eigentlich eine Tramhaltestelle ist, sind, beschließen wir, uns das Taxi zu sparen. Wir fahren also wieder Richtung Casaletto und der Römer erklärt unserem Nachwuchs abermals, dass es jetzt „a casa“ (nach Hause) und ins „letto“ (Bett) geht und nur deswegen „Casaletto“ auf dem Bus stehen würde. Der Kleine guckt irritiert und fasziniert zugleich. Vermutlich hört er selten so viel dummes Zeug in einem Satz. Als wir im Bus sitzen, sind wir erleichtert, dass der Bus über eine Klimaanlage verfügt und diese noch dazu funktioniert. Wir schleppen das Kind die letzten Meter nach Hause und machen das Essen warm. Danach weigert sich das Kind Mittagsschlaf zu machen und so verbringen wir die Zeit bis 16:30 Uhr mit einem sehr knatschigen, sehr müden Kind bis Signorino endlich einschläft.

Der Römer mustert meine unzähligen Mückenstiche an den Beinen mit großen Augen. Ich sehe ziemlich zerstochen aus. Noch dazu kratzen die Dinger wie verrückt. Rasch zieht der Römer seine Schuhe an und geht in die Apotheke. Dort holt er mir ein Anti-Juckreiz-Gel gegen Mückenstiche. Auch, wenn ich mich wiederhole: Ein Mann wie ein Goldstück. Dankbar nehme ich es entgegen, betupfe die Stiche, doch es juckt immer noch fürchterlich. Immerhin haben sich die Mücken einzig und alleine mich als lebendes Buffet ausgesucht. Signorino und der Römer bleiben komplett verschont. Der Römer schnappt sich seinen Laptop und bereitet seine Bewerbung für ein Uni-Projekt vor, während ich meinen Reisebericht stichpunktartig abtippe. Dann sortiere ich Urlaubsbilder.

Nachdem Signorino erwacht ist, holt der Römer Supplì und Pizza von unten. Der Laden ist bekannt für seine Supplì, die als frittierte Reisbällchen beschrieben werden können. Für seine Pizza ist der Laden anscheinend nicht bekannt, denn sie schmeckt grauenhaft. Der Teig ist matschig, die Tomatensauce erinnert an Ketchup. Der Käse erinnert an geschmolzenes Plastik.

Abends verlassen wir das Haus gegen 21:30 Uhr und nutzen es schamlos aus, dass das Kind eine Eule ist, die nicht vor Mitternacht ins Bett geht. Der Abendspaziergang wird dennoch anstrengender als gedacht. Alleine eine Männer-WG entzückt Signorino, da sie mit einer Gießkanne die Pflanzen vor ihrer ebenerdigen Wohnungs- und Haustüre gießen. „Gießkanne! Gießkanne!“ ruft Signorino den Männern zu und sie lachen das Kind freundlich an. Schließlich finden wir noch zwei Nasoni, Wasserspender, und Signorino macht „pritsch pratsch“ mit dem heraussprudelnden Wasser. Am Ende ist das ganze Kind gewaschen und sehr nass. Wir beschließen, zurückzukehren und Signorino trocken zu legen.

Ja, die Zeiten sind wohl vorbei, in denen wir jung und unbeschwert bis spät in die Nacht durch Trastevere zogen. Alles hat im Leben eben seine Zeit – auch das. Daheim kuscheln wir uns ins Quietschebett und gucken eine Zeichentrickserie, während unten viele ausgehfreudige Leute lachend und laut quatschend vorbeiziehen. Als wir das Kind in den Schlafanzug stecken, hat er seinen Palmwedel, den er auf der Straße fand, immer noch in der Hand. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft wie es scheint.