WMDEDGT – Mai 2022

Der Monatsfünfte und Frau Brüllen vergisst erstmal fragt mal wieder, mit was man seine Zeit verbringt. WMDEDGT nennt sie das und hier sieht das so aus:

07:20 Uhr Ich darf heute meinen gestrigen, verpassten Arbeitstag nachholen. Da die Kita wie jede Woche (in der kein Feiertag ist) gestreikt hat, freue ich mich darauf, in Präsenz zu arbeiten, da zwei Kolleginnen meine Anwesenheit vor Ort benötigen. Es regnet, ich muss einen 2jährigen zur S-Bahn schleppen, Sie können sich meine Stimmung vorstellen.

07:40 Uhr Kurzer Knatsch zwischen dem Römer und mir, da er sein Vorfahrtsrecht im Bad als gottgegeben betrachtet. Da ich gerade dabei bin Tabula rasa zu machen, sage ich ihm auch gleich, dass er mir donnerstags nie hilft, das Kind kitafein zu machen.

08;00 Uhr Mein Vortrag hat sofort gewirkt. Er weckt das Kind. Das dauert ein bisschen. Mit Blick auf die Uhr übernehme ich schlussendlich. Er fängt vor mir an zu arbeiten. Das Kind steht auf, geht in die Küche, ruft “Kissen! Kissen!”, geht aus der Küche und legt sich schnurstracks wieder zurück ins Bett – auf sein Kissen. So ein Tag ist das also. Ich persönlich finde die Idee genial und würde auch gerne “Kissen! Kissen!” machen, aber irgendjemand muss die verlorenen Stunden durch den Kita-Streik wieder reinarbeiten. Letztendlich schlage ich vor, dass er Peppa Wutz gucken kann, während er frühstückt. Es scheint zu wirken. Da das Kind beschäftigt wirkt, lege ich mein Büro-Make-Up auf. Diesmal sogar mir rotem Lippenstift. Wir haben heute Kundenbesuch und ich möchte nicht, dass sie immer meine Turnschuhe mustern. Deswegen lenke ich den Blick geschickt auf meine tiefroten Lippen. Für diese und weitere geniale Beauty-Tipps zögern Sie nicht, mir zu folgen. 😉

08:40 Uhr Das Kind ist frisch bezogen. Obwohl, so ganz wahr ist das nicht. Es hat noch sein Pyjama-Oberteil an, dass ich raffiniert mit einer Zip-Jacke kombiniert habe. Wir können los. Freude!

09:25 Uhr Die Erzieherinnen von Signorinos Gruppe sind nicht da. D.h. er hat irgendeine Vertretung. Fröhlich geht er ins Gruppenzimmer, nur um zu merken, dass seine Bezugspersonen fehlen. Tränen! Mit schlechtem Gewissen muss ich ihn dennoch dort lassen, da ich arbeiten muss. Das ewige Zermürbnis von Eltern eben. Ich hetze zur Arbeit.

09:40 -14:20 Uhr Ich bin in der Arbeit. Vorbereitung Kundentermin. Mehrere Anrufe. Organsieren, koordinieren, an den Chef delegieren, das Übliche eben. Dazwischen eine zehnminütige Mittagspause mit den Kolleg*innen.

14:20 Uhr Der Laptop ist in meinem Rucksack. Ich wünsche dem Kollegen ein schönes Wochenende. Er guckt irritiert. Ich hetze durchs Treppenhaus nach unten. Im zweiten Stock steht ein Konsulatsmitarbeiter (oder der Konsul himself?!) und übergibt etwas Kleines an einem Herrn im Trainingsanzug. Der Konsul guckt irritiert als er mich sieht. Ich auch, aber nur weil der Herr im Trainingsanzug dem Konsul des Konsulats einen Liter Sonnenblumenöl mitgebracht hat. Anscheinend wird das Öl nun offiziell als Währung in verschiedenen Ländern akzeptiert. Und wir Volltrottel horten nur Olivenöl im großen Stil…. So ist das eben, wenn man auf das falsche Öl setzt. Nach dieser irritierenden Szene geht’s zur Kita und ich sammle das Kind ein. “Heute hat er nicht geschlafen.”, flötet die Erzieherin. Ich grinse unter der Maske, denn das heißt früher Feierabend als Eltern. Am Dienstag hat er zwei Stunden geschlafen und das bedeutete: Um 23 Uhr schlief er endlich ein. Wir gehen zur Straßenbahn.

Hätten wir nur auf das richtige Öl gesetzt.

14:40 Uhr Die Straßenbahn hat eine neue Route. Bumsfallera, wir bekommen die ganz große Frankfurt-Tour über Sachsenhausen. Ein Rentner-Ehepaar steigt ein. Sie foppen sich gegenseitig. Immerhin haben sie sich noch etwas zu sagen. Nach 25 Minuten zahle ich den Preis für Signorinos ausgefallenes Mittagsschläfchen. Er schläft in der Tram ein. Ich trage das schlaffe Kind nach Hause. Mir fällt dabei beinahe der Arm ab. Einige Frankfurter Fußball-Fans kommen mir entgegen. Anscheinend geht es heute um etwas. Ich muss mal den Mann fragen. Der wird das wissen.

18:00 Uhr Der Römer kommt heim, snackt Signorinos Schüssel mit Blaubeeren weg und gibt dann an, Hunger zu haben. Bevor er sich seine kleine Wohlfühl-Platte aus lauwarmen Brot, Tomaten und einer feinen Auswahl an verschiedenen Käsesorten zubereitet, teile ich ihm mit, dass wir nachher “aber schon noch” (O-Ton) essen und dieses Nachher hoffentlich bald ist. Am Ende isst er ein Stück Brot mit einer kleinen Käseauswahl. Signorino schreit aus dem Kinderzimmer nach uns. Ich bleibe wie festgetackert sitzen, da ich heute genau 10 Minuten Mittagspause hatte und nur gerannt bin. Der Mann scrollt seelenruhig durch sein Handy. Ich räuspere mich. Signorino fordert Hilfe beim Lego-Aufzug ein. Der Mann, immer noch tiefentspannt, ignoriert uns. “Maaaaamaaaa! Aufzug!!!”, wird nun eindeutig aus dem Kinderzimmer gebrüllt. “Signorino meint dich.”, säusle ich. Der Mann guckt auf, seufzt, geht ins Kinderzimmer. Bei aller Liebe, aber ab und an darf sich der Gatte auch erheben.

20:00 Uhr Das Kind liegt im Bett. Hallelujah! Wie immer durfte ich ihn bringen, weil er mit mir in wenigen Minuten einschläft. Mit seinem Vater will er lieber „T(r)eppen“ aus Lego bauen. Der Mann ist so fertig vom „Nicht-ins-Bett-bringen“, dass er erstmal ein Eis braucht. Ich setze mich hin und fange an, meine Karteikarten fürs Studium zu lernen.

Let‘s call it a day!

WMDEDGT – März 2022

Es ist der 5. und die arme Frau Brüllen, die einen Skiunfall hatte (Gute Besserung!!), fragt wie immer: “Was machst du eigentlich den ganzen Tag?” oder, etwas kürzer:WMDEDGT.

gegen 02 Uhr: Signorino schreit. Ich höre ihn und stelle mich tot. Der Römer wacht wenige Augenblicke nach mir auf und sprintet zu Signorino. Wie eine schnurrige Katze strecke ich mich in unserem Bett aus und döse wieder ein.

08:30 Uhr Der Römer kam nicht wieder. Signorino ist wach und kommt in mein (höhö! so fühlte es sich an) Schlafzimmer. Wir kuscheln, dann will er „Schokoku(chen)“. Leider haben wir keinen. Dafür Schnecken (Huhu! Valentin! 😄 Da musste ich an dich denken). Signorino hüpft aus dem Bett. Er isst wenig Apfel-Schnecke, will dann Joghurt, dann lieber doch nicht, dann will er Brot mit Marmelade. Dann doch nicht mehr. Dadurch, dass das Kind aber momentan so wenig isst, sind wir froh, wenn er irgendetwas isst. Am Ende verspeist er das Franzbrötchen des Römers und der Römer isst den Rest vom Joghurt, den Rest der Schnecke und den Rest des Marmeladenbrötchens. Ich esse nur Schnecke.

09:30 Uhr Wir ziehen uns an. Der Römer beschwert sich, dass ich immer seine Pullis anziehe. Meine sind alle in der Wäsche, außerdem hat er mir seinen grauen Pulli geschenkt. Ich erinnere ihn daran, dass ich sogar eine Katze darauf genäht habe, weil er so unansehnlich war. Ruhig erkläre ich, dass er de facto oftmals meinen Pulli trägt und nicht andersherum. Er gibt auf.

Fröhlicher Katzenaufnäher auf dem Pulli.

10:30 Uhr Endlich ist alles für den Waldspaziergang gepackt. Man möchte meinen, wir fahren in den Urlaub. Heute fühle ich mich danach, etwas neues auszuprobieren. Also fahren wir zur Oberschweinstiege. Dort liegen Baumstämme herum, die das Kind beklettern will. Der Römer hilft. Aber sehen Sie selbst in der Galerie! Das Kind geht heute sehr viel und will partout nicht getragen werden (Juhu!). Am Ende helfen noch zwei Bestechungsquetschies um am Auto anzukommen. Der Römer ist etwas genervt, weil das Kind am Ende im großen Stil ausflippt und er gleichzeitig hungrig ist, was der Gatte aber nicht einsehen möchte. Ich biete dem römischen Ehemann einen Schokoriegel aus meinem Süßigkeitenfach in der Mittelkonsole an und fahre uns nach Hause. Mit zunehmendem Blutzuckerspiegel hört der Gatte auf zu schmollen.

13:30 Uhr Wir sind daheim. Ich beschließe, dass heute Sandwich-Tag ist und grille Auberginen und Paprika im Ofen. Dann vermische ich diese Kreation mit Schafskäse und toaste Bauernbrot. Tada! Essen ist fertig. Das Kind will nur „Bot mit Butti“, Brot mit Butter. Danach vertilgt er eine Banane. Wir beschließen, dass das Kind heute auch ohne Mittagsschlaf durchhalten kann. Nach einer Stunde legt sich der Römer geschafft in Signorinos Bett. Es kann wohl nicht jedes Familienmitglied ohne Mittagsschlaf durchhalten. 😉

15:30 Uhr Wir reden über unseren Urlaub Ende März. Der Römer möchte nach Albanien. Ich gebe ehrlich zu, dass ich momentan so ausgebrannt bin, dass ich mir das nur ungern antun würde. Erholung ist das keineswegs. Ganz im Gegenteil! Wir haben schon eine Beschwerdeliste von Verwandten, die das Kind IMMER NOCH NICHT gesehen haben. Und er ist schließlich schon 2 Jahre alt!!! Dass dazwischen Corona war und wir nicht vier Mal im Jahr nach Albanien reisen konnten, fehlt anscheinend in der Erinnerung der Verwandtschaft. Ich schlage dem Römer vor, dass ich ihm ein Formular ausstelle und beglaubigen lasse, dass er alleine mit Signorino ins EU-Ausland reisen darf. Er winkt ab. So dringend sei es nicht, dass er nach Albanien müsse. Außerdem sei es abends ganz furchtbar kalt. Nicht, dass das Kind sich erkältet. 😄 Ob wir denn stattdessen nach Dubai könnten? „Klar!“, sage ich und frage nach dem Reisebudget. Der Römer überlegt kurz. „800 Euro.“, gibt er schließlich sein Budget preis. „Vielleicht eher Dietzenbach statt Dubai? Aber auch nur, wenn wir daheim schlafen?“, ziehe ich ihn auf. Er versucht‘s mit Südspanien. Wir gucken mal, ob und wenn ja, wohin wir fahren.

17:00 Uhr Nachdem der Römer seit Wochen erwähnt, dass er heute aber ganz unbedingt das Auto innen putzen will, erinnere ich ihn daran, dass er auch heute ganz unbedingt das Auto innen putzen wollte. Er murmelt unverständliches. Ich bringe ihm den Staubsauger. Wir gehen in den Keller, um den neuen Kindersitz zu holen. Dort finden wir auch ein Laufrad, leider unaufgepumpt. Die Ballpumpe hilft auch nicht weiter. Wir nehmen den Auto-Aufzug und ich bekommen nur ein ganz klein bisschen Panik als er laut kracht. Dennoch: Wir kommen oben heil an. Dann putzen wir das Auto, während Signorino auf dem Parkplatz hin- und herläuft. Das Auto ist in einem desaströsen Zustand. 30 Minuten später, Signorinos neuer Kindersitz wurde gerade installiert, ist das Auto sauber. Das Kind, das zu Testzwecken in den neuen Kindersitz gesetzt wurde, weigert sich vehement auszusteigen. Also bringt der Römer den Kindersitz in den Keller und ich warte mit Signorino im Auto. Der Gatte kommt zurück, wir fahren los. Bei den Spritpreisen ist eine Spritztour in der Stadt ziemlich dämlich. Wir düsen ins Westend, dann wieder zurück. Ein Transporter steht in unserer Einfahrt, also fahren wir noch eine kleine Runde. Unglücklicherweise schläft das Kind ein. Nach 15 Minuten sind wir wieder daheim. Das Kind betrachtet es als Affront, ihn aus dem Schlaf gerissen zu haben. Die Laune ist katastrophal, aber noch katastrophaler wäre es, das Kind nicht zu wecken und bis weit nach Mitternacht zu bespaßen. So ist er hoffentlich nur bis 22 Uhr wach.

19:00 Uhr Der Mann macht Pesto. Da das Kind momentan ein schwieriger Esser ist, hoffen wir, damit punkten zu können. Es klappt. Gnocchi mit Pesto werden vom kleinsten Farniente verschlungen. Ich habe heute den festen Plan, dass das Kind vom Mann ins Bett gebracht wird, nachdem ich das seit Wochen und Monaten mache. „Volentieri. [Gerne.]“, sagt der Mann und wir wissen beide, dass das auch heute wieder nichts wird.

21:30 Uhr Das Kind scheint ausreichend müde zu sein. Ich verstecke mich im Bad. Der Mann putzt mit dem Nachwuchs Zähne. Dann legen sie sich ins Bett. Und natürlich flippt der Kleine komplett aus. Komplett. Ich wiederhole im Geiste, dass er auch ohne mich auskommt, zumindest ein „Ins-Bett-bringen“ in drei Monaten. Er lässt sich nicht beruhigen. Ich gehe genervt in sein Zimmer und bringe ihn ins Bett.

Let‘s call it a day!

WMDEDGT- Januar 2022

Es ist der 5. und Frau Brüllen fragt wie immer: “Was machst du eigentlich den ganzen Tag?” oder, etwas kürzer:WMDEDGT.

07:00 Uhr – Aufstehen. Der Römer hat sich schon unbemerkt aus dem Haus geschlichen. Ich esse zwei Kekse, trinke einen Espresso und vier Schluck Tee und begebe mich in die Maske. Für mehr als UV-Creme, Tagescreme und aufgepinselten Lidschatten, den ich als Kajal missbrauche, reicht es trotzdem nicht. Stichwort: Es reicht für die Videokonferenzen, aber live braucht mich auch keiner treffen. Da Homeoffice Pflicht ist, gehe ich davon aus, niemanden im Büro anzutreffen, so wie an den letzten beiden Tagen.

08:00 Uhr – Ich wecke Signorino. Er schläft tief und fest. Die Idee in die Kita zu gehen, findet er zwar nicht berauschend, aber immerhin brüllt er nicht. Er frühstückt extrem langsam. Nach 20 Minuten ziehe ich ihn an während er an seinem Haferkeks nuckelt. Ich biete ihm, damit er überhaupt etwas im Magen hat, Marmeladen gefüllte Schokoherzen an. “Signorino, willst du sowas?”, sage ich und er wiederholt “Sowas.”.Er nimmt das Herz in Empfang, probiert, macht “JamJamJam” (Wirklich!) und schreit dann begeistert “Sowas”. Ich kläre ihn auf, dass “Sowas” nicht der Name der Schokoherzen ist und nenne die korrekte Bezeichnung, doch der Zug ist abgefahren. Nach “Sette” gibt es nun eben “Sowas”.

08:30 Uhr – Es hat 3 Grad Außentemperatur, aber zum Glück nicht Innentemperatur. Blöderweise müssen wir hinaus und können nicht drinnen bleiben. Wir gehen zur S-Bahn, Signorino fragt, ob wir Zug fahren und ich bestätige. Dann geht er erstaunlich lang selbst, bevor er getragen werden will. Ich liefere ihn in der Kita ab, er weint kurz, ich tröste, dann rennt er zum Spielen. Mein Tschüss bekommt er schon gar nicht mehr mit.

09:15 Uhr – Ich nehme meine obligatorische Arbeitssprachnachricht für den Anderen auf. Immer im Grüngürtel beginnend und im Grüngürtel endend, erzähle ich ihm von meinem bevorstehenden Tag und wünsche ihm einen guten Morgen, wenn er um 12 Uhr aufsteht. Er war gerade in L.A., das Jetlag ist noch recht frisch.

09:25 Uhr – Das Licht brennt im Büro, die Tür ist unverschlossen. Ich treffe auf zwei Kollegen und mir wird eine dritte Kollegin angekündigt. Full-House, Wahnsinn! Hätte ich mal lieber heute Morgen das Gala-Makeup aufgetragen. Naja! Chance vertan. Wir treffen uns in der Kaffeeküche wie in alten Zeiten, nur dass ich diesmal ganz beiläufig anfrage, ob sie sich brav getestet haben, denn das müsse ich in meiner Liste vermerken. Mit einem Test in der linken und dem Espresso in der rechten Hand verziehe ich mich in meinen Raum, trinke den Espresso und mache danach den Test. Immerhin hätte ich bei einem positiven Ergebnis einen guten Espresso vorher gehabt. Doch ich bin negativ und darf mich der Entrümpelung der Kammer des Schreckens widmen. Nomen est omen. Es ist schrecklich. Ich versuche alles bei Kleinanzeigen zu verschachern, aber es ist sehr mühselig. Dazwischen bestelle ich Getränke, kümmere mich um Blickschutzbildschirmfolien und kommuniziere das den Kollegen auf Englisch. Falls Sie sich, wie ich heute Vormittag, fragen, was Blickschutzbildschirmfolie auf Englisch heißt: Privacy screen protector. You’re welcome!

10:00 Uhr – Ich telefoniere über die Bundeslandgrenze nach Bayern in die Zentrale. Und siehe da: Die haben morgen schon wieder Feiertag! Heilig Drei König. Ständig gibt es was zu feiern in Bayern. Ich beschwere mich etwas bei meiner Kollegin. Sie zeigt Verständnis und bestellt als Wiedergutmachung vier Bildschirme für das Frankfurter Büro. Immerhin hat jemand Mitleid mit den armen Hessen.

12:15 Uhr – Die Kollegen gehen zum Mittagessen. Ich dürfte natürlich auch mit, aber leider komme ich sonst nicht auf meine Stunden. Also bestelle ich mir eine Bowl, wie man auf hessisch sagt. Leider ohne Reis, stattdessen mit Salat. Das sehe ich aber erst als ich auf den Salat starre. Ja gut! Dann halt “low carb”. Zum Ausgleich gönne ich mir drei Schokoriegel und einen Espresso, damit mein Körper nicht in Aufruhr gerät und streikt. Man weiß ja nie.

14:05 Uhr – Ich packe den Laptop ein, briefe die Kollegen, dass sie dem Kleinanzeigen Kunden bitte aufmachen mögrn und verschwinde in das Grau in Grau Frankfurts. Ein Stück den Grüngürtel entlang, der im Winter auch problemlos Braungürtel heißen könnte, und schon bin ich an der Kita. Kurzes Briefing der Erzieherin, Signorino will nochmal Brot und wir gehen zur S-Bahn.

15:05 Uhr – Wir sind daheim und essen Joghurt und Banane. Dann kuscheln wir uns auf die Couch und gucken Bobo Siebenschläfer*. Jedesmal, wenn Bobo mit Mama Siebenschläfer im Garten ist, und Mama “So, Bobo, jetzt graben wir ein Loch.” sagt, bricht das Kind vor lauter Gelächter vollkommen zusammen.

16:05 Uhr – Der römische Gatte ist daheim. Heute ist Mittwoch und Einkaufstag. Überraschung: Er fühlt sich wie jeden Mittwoch miserabel. Als ich ihm ankündige, dass ich nochmal 2 Stunden arbeiten müsse und wir nicht einkaufen gehen, fühlt er sich immer noch nicht besser. Ich arbeite, Signorino ist sauer auf mich, weil ich keine Zeit für ihn habe, der Römer liegt mit seinem Handy auf der Couch. Ich erinnere den Mann daran, dass Homeoffice nicht bedeutet, dass ich trotzdem für alle ansprechbar bin, während ich auf der Tastatur herumklimpere. “Ma che devo fare?” [Aber was soll ich denn tun?] fragt der Gatte.

18:00 Uhr – Ich habe fertig, wie mancher sagen würde (Wenn Sie den Satz nicht kennen, sind Sie vermutlich noch recht jung. Herzlichen Glückwunsch!). Dann verziehe ich mich in die Badewanne. Manchmal braucht Mutti auch eine Pause. Das Kind brüllt. Ich schreie aus der Badewanne: “Er hat Hunger!!!” Der Römer bestreitet das, denn es sei doch erst 18:30 Uhr. Ich schreie wieder: “Er hat Hunger!!!” Nach dem vierten Mal gibt der Römer entnervt auf und siehe da – Signorino hatte Hunger.

20:00 Uhr – Der Gatte sagt, es gefriert heute Nacht nicht. Ich traue ihm nicht und muss wohl in die Kälte, um die Folie auf die Frontscheibe zu schnallen. Ich gräme mich noch etwas, schließlich ist es kalt und ich bereits im Schlafanzug.

Notfalls fahren wir Zug wie hier in Japan.

21:30 Uhr – Das Kind schläft endlich. Der Mann ist sich sicher, dass es nachts nicht gefriert und deswegen gehe ich heute nicht mehr aus dem Haus und decke das Auto ab. Soll es doch gefrieren! Dann kratze ich die Scheibe halt ab, während Signorino ums Auto herumläuft. 🤷🏻‍♀️

21:45 Uhr – Der sonst so beratungsresistente Mann fragt ausgerechnet mich nach Ratschlägen zu Zitationsstilen und Uni-Kram. Entweder er kennt niemand anderen oder er vertraut tatsächlich meiner Expertise? 🧐 Ich erkläre ihm etwas und er hört aufmerksam zu. Wenn Sie wüssten, wie das damals bei unseren internen Deutschunterricht ablief, wo er jedes Satzteil meinerseits anzweifelte, dann würden Sie sich jetzt ebenso wundern wie ich.

Ich beschließe zu lesen und dann ins Bett zu gehen. Let’s call it a day!

WMDEDGT – Dezember 21

Es ist der 5. und Frau Brüllen fragt wie immer: “Was machst du eigentlich den ganzen Tag?” oder, etwas kürzer: WMDEDGT.

09:00 Uhr Das Kind tappst in das Kinderzimmer, wo ich alleine schlief und immer noch schlafen möchte. Wir einigen uns auf kuscheln. Der Mann tappst hinterher, gibt mir einen Kuss und hört sich immer noch angeschlagen an. Dennoch fühlt er sich im Stande, Croissants in den Ofen zu legen und für das Kind Haferbrei zuzubereiten. Schlussendlich lässt er noch zwei Espressi aus der Maschine und setzt das Teewasser auf. Ich lese die Signorino’schen Kinderbuchklassiker, die der Nachwuchs mittlerweile (zum Teil) mitsprechen kann. Es geht in etwa so:

Ich: Lea stößt sich ihren Zeh. Das tut richtig, richtig…

Kind: WEH!!!

Ich: Tröstet sie der Schnuller?

Kind: NEIN!!!

Ich: Oma muss jetzt bei ihr sein.

10:00 Uhr Die Wohnung muss geputzt werden. Wir sortieren, räumen auf, saugen und wischen. Das Kind ist mehr oder weniger hilfreich. Am Ende putze ich das Bad, während Signorino seine Spielküche im großen Stil unter Wasser setzt. Selbst die Kinderzimmerwand ist nass. Zweisprachiges Schimpfen prasselt auf Signorino nieder. Der kleine Kerl lacht und will weiter Quatsch machen. Wir machen ihm deutlich, dass das großer, großer Sche*ß (O-Ton) ist. Er läuft durch die Wohnung und schreit „Sch*iß“. Heute sind wir wirklich wieder ganz tolle Eltern. Am Ende saugt er mit dem Staubsauger den Esstisch ab und fegt fast alles vom Tisch. Da ich wieder ins Bad zurückgegangen bin, um den Spiegel zu putzen, gibt es viel Geschrei zwischen dem Römer und Signorino. Am Ende kommt das heulende Kind ins Bad und will mir verständlich machen, dass Papa ihm den Staubsauger weggenommen hat. Ich tröste und beteuere, dass Papa das schon ganz richtig gemacht hat und Staubsauger nichts für Kinder sind – besonders, wenn er damit die Obstschale vom Tisch schleudern will.

12:00 Uhr Wir gehen an die frische Luft. Die große Tour de Paket wartet auf uns. Erst zur gelben Packstation, denn zwei Pakete müssen auf den Weg gebracht werden. Blöderweise, oder in Signorinos Fall, praktischerweise liegt diese in einer Bahnstation. Und Bahnstation bedeutet, Rolltreppen und Rolltreppen bedeuten grenzenloser Spaß. Wir geben die Pakete ab und nehmen den Weg von einer Seite des Bahnhofes auf die andere – hoch oben, immer dem Bahnsteig entlang. Davor und danach kann Signorino Rolltreppe fahren, was dazu führt, dass er nicht im großen Stil ausrastet. Win-Win sozusagen. Auf der anderen Seite des Bahnhofes liegt die schwarze Packstation. Ich hole ein Paket ab. Der Römer will wissen, was darin ist. Als ich mit „Silikon-Plätzchenunterlage“ antworte, lacht der sehr charmante Mann: „Die wird eh nur bei uns daheim herumliegen. Tu uns einen Gefallen und schick sie gleich zurück.“ Pff! Wird er schon sehen wie oft ich sie benutzen werde. Notfalls bekommt er sie nächstes Jahr zu Weihnachten. 😉 Wir schlendern heim. Dort angekommen mutiert Signorino zu einer unkontrollierbaren Katze. Er klettert auf den Stuhl und reißt die Orchidee vom Fensterbrett. Das macht er natürlich heimlich während wir uns die Jacken ausziehen. Als ich das römische „Ma che ca**o stai facendo?“, höre, weiß ich Bescheid. Hier ist mindestens eine mittelgroße Katastrophe in Gange. Signorino wird in sein Zimmer geschickt. Wir räumen alles auf und saugen nochmals durch. Immerhin sehe ich, dass der Topf viel, viel zu klein für die Orchidee ist. Deswegen werde ich nächste Woche wohl zum Baumarkt fahren müssen und ihr einen neuen Topf spendieren.

13:30 Uhr Wir haben zu Mittag gegessen. Das Kind gehört ins Bett. Ich übertrage dem Römer diese Aufgabe und mache mich daran, die Nikolaus-Aufmerksamkeiten einzupacken. Dieses Jahr bringt er eine Kleinigkeit für Turtle und Signorino. Wir sind leider leer ausgegangen. Vielleicht sind wir nächstes Jahr artiger. 🙂 Wenn es dämmert, wird es auf dem Balkon versteckt.

15:00 Uhr Als ich Turtle zum verfrühten Nikolaus-Fest eingeladen habe, habe ich nicht bedacht, dass wir weder Kuchen noch Plätzchen daheim haben. Der Römer schlägt Apple Crumble vor. Guter Mann! Geht schnell – und noch wichtiger: Wir haben alle Zutaten daheim. Selbst Vanilleeis hätten wir daheim. Und wer kennt ihn nicht, den typischen Nikolaus-Crumble. Eine alte, bayerische Tradition… oder ist es doch eine römische? 😉

15:40 Uhr Das Kind wird von uns geweckt. Der Römer düst ins Bad ab. Seinen Bart müsste er stutzen, gibt er an. Er hat vermutlich nur keine Lust, ein gewecktes und nöliges Kind zu bespaßen. Wenig später klingelt es. Ich vermute, es ist Turtle. Sie wäre aber 40 Minuten zu früh. Das ist normalerweise nicht ihr Stil. Letztendlich ist es der Nachbar mit dem ähnlichen, aber arabischen Nachnamen, der immer unsere Post bekommt (und umgekehrt). Schön ein Gesicht zum Namen zu haben.*

16:40 Uhr Tante Turtle kommt vorbei. Der Apple Crumble wird serviert und wir essen. Der Kleine findet erst Apple Crumble blöd, dann doch gut, dann findet er am besten Turtles Apple Crumble auf Turtles Teller. Als alle gegessen haben, was für eine Überraschung, entdecke ich doch tatsächlich zwei gefüllte Stiefel auf dem Balkon. Der Kleine findet Bausteine klasse, aber dass das ein Pizzeria Set ist, ist ihm total egal. Hauptsache Legosteine. Turtle freut sich, dass der Nikolaus an sich gedacht hat. Wir lesen Ausschnitte aus ihrem Buch. Etwas später bestellen wir Pizza.

18:30 Uhr Die Pizza kommt an. Sie ist okay. Der Römer findet sie schrecklich, obwohl wir schon das dritte Mal dort bestellt haben. Mein Lieblingsladen war das eh nie.

20:00 Uhr Turtle bricht auf. Der Römer bringt sie zur Bahn. Jetzt geht’s für den Mini gleich in die Badewanne. Das wird wieder der Brüller – im wahrsten Sinne des Wortes. Baden führt hier immer zu großem Geschrei.

22:00 Uhr Das Kind ist im Bett! Hallelujah! Let’s call it a day.

Gleich geht’s weiter….

*Da kommt meine innere Frau Keifflinger raus.

WMDEDGT – Oktober 21

Es ist der 5. und Frau Brüllen fragt: “Was machst du eigentlich den ganzen Tag?” oder, etwas kürzer: WMDEDGT.

07:00 Uhr Der Wecker klingelt. Ich krieche aus dem Bett. Es war mal wieder eine bescheidene Nacht. Seit zwei Wochen wacht Signorino im 20 Minuten Takt auf. Zähne, Schub oder Was-auch-immer… Irgendwann ist es einem auch recht egal, was genau einem den dringend benötigten Schlaf raubt. Ein müder Römer kommt aus dem Kinderzimmer, dass kein Kinderzimmer, sondern viel mehr ein Römerzimmer ist. Das Kind will eh nicht allein schlafen und schläft im Elternzimmer, das ein Mutter-Kind-Zimmer ist. Wir frühstücken schnell. Ich eile ins Bad. Mit etwas Farbe im Gesicht sehe ich beinahe aus wie Gottes Geschenk an die Menschheit. Aber auch nur beinahe. 😉

08:10 Uhr Das Kind wird geweckt. Es hustet immer noch viel und ist verschnupft. Wir wissen nicht, ob er für den geplanten Rom-Aufenthalt in zwei Tagen fit ist. Hauptsächlich wegen des Fluges bin ich besorgt. Mit Erkältung zu fliegen ist kein Spaß. Das kann ich Ihnen aus eigener, leidvoller Erfahrung sagen.

Ob wir dieses Bild bald in live sehen?

08:40 Uhr Wir verlassen das Haus. Diesmal ist die Müllabfuhr früh dran und wir stottern nicht die ganze Allee hinter den fleißigen Jungs her. Ich fahre uns auf die andere Seite der Stadt. Wir parken, klappen den Buggy auf und eilen zur Kita. Wir geben Signorino ab, ich übergebe der Erzieherin ein paar Sachets Erkältungstee zum Probieren. Dann machen der Römer und ich uns auf den Weg zur Arbeit. An der Ampel trennen sich unsere Wege. Ein paar Meter durch den Grüngürtel, dann bin ich schon im Büro. Vier Stockwerke und ich bin so außer Atem, dass ich ein Sauerstoffzelt bräuchte. Mittlerweile ist es

09:40 Uhr Ich fahre den PC hoch, fröne meiner Arbeit zwischen Botengängen und Geburtstagskalendern (Ergebnis: Ich bin alt! Man könnte ich sagen, ich bin die Mutter Beimer des Büros) und dann ist es auch schon

14:10 Uhr und ich eile zur Kita. Signorino ist komplett angezogen und wartet an der Tür auf mich. Wir schlendern zum Parkplatz vor der alten Wohnung und düsen heim.

15:00 Uhr Daheim angekommen kämpfe ich mich durch den Haushalt, was sinnlos ist, denn das Kind verwüstet alles hinter meinem Rücken. Es ist wie ein mir ständig folgender Tornardo. Na gut. Ich frage ihn, ob er mir einen Kaffee machen kann. Er läuft in sein Kinderzimmer, macht mir einen Kaffee an seinem roten Kaffeevollautomat und mir bleibt genug Zeit, richtigen Kaffee an meiner Kaffeemaschine zu machen.

16:00 Uhr Der nette Herr vom Autohaus ruft an. Man müsse meine Reifen für die Fünf-Meter-Kutsche bestellen. 14 Tage dauert das ungefähr. Ob wir auch gleich die Sensoren austauschen sollen. Er erklärt mir die Pros und Kontras. Da ich gerne ein stressfreies Leben habe, entscheide ich mich dafür. Er will sich erkundigen, wie viel die Sensoren kosten. Ob wir den Service-Termin dann auf den Reifenmontiertermin verschieben sollen, frage ich. Als er hört, dass ich seit 60(!) Tagen ohne Service durch Frankfurt schlittere, bittet er mich, den Termin nicht zu verschieben.

19:00 Uhr Der Römer schreibt, dass er früher heimkommt. Die Freude ist groß – auf allen Seiten. Und nur fünf Minuten später steht er vor der Tür. Er verzieht sich nach einer Begrüßungsküsschenrunde zum Kochen. Signorino und ich bespielen die Rutsche. Die Lieblingsversion des Kindes ist, dass ich ihm helfe, die Rutschfläche von unten nach oben hochzulaufen, dann dreht er sich am höchsten Punkt um 180 Grad und ich mache eine Version von Engelchen-Flieg, in dem ich ihn an den Armen packe und nach unten segeln lasse. Wir spielen dieses Spiel unzählige Male bis Mutter Beimers Rücken klagt. Dann ist das Geheule groß und ich bin froh, dass der Römer die Pasta auf den Tisch stellt. Das Kind hat bereits gegessen und es ist „crazy time“. Das bedeutet, dass ihm nur noch affige Ideen mit hohem Gefahrenpotenzial in den Sinn kommen. Je müder das Kind, desto absurder die Ideen. Es ist ein ständiges Diskutieren, Heulen, Schreien und ich bin froh, wenn die Zeit des „Ab ins Bett!!“ naht.

21:10 Uhr Und da ist sie auch schon: Die Ab-ins-Bett-Zeit. Der Römer erbarmt sich, während ich mich durch Anträge und Flugticketbuchungen kämpfe. Um 21:50 Uhr fallen mir beinahe die Augen zu, aber ich will noch eine Stunde des Einführungsseminars meines aktuellsten Arbeitgebers mitbekommen.

Gute Nacht und Cheerio!

WMDEDGT – September 21

Es ist der 5. und Frau Brüllen fragt: “Was machst du eigentlich den ganzen Tag?” oder, etwas kürzer: WMDEDGT.

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Die Frage ist heute schnell beantwortet. Das Kind und ich liegen flach, gleichzeitig haben wir drei Farnientes einen Umzug zu meistern. Dabei sind die beiden Wörter “flach liegen” vollkommen irreführend. Keiner liegt und schon gar nicht flach. Das Kind weint viel, verweigert jegliche Medikamente und ist auch ansonsten recht instabil, läuft aber viel durch die Wohnung und still stehen stellt keinerlei Option da. Ich weine etwas weniger, nehme meine Medikamente, aber die Erkältungsviren haben in meinem Erwachsenenkörper viel mehr Spielfläche, um sich so richtig auszuleben. Gerne würde ich flach liegen, doch es gibt keine Möglichkeit dazu.

Die Nacht war miserabel. Der Morgen dramatisch. Mittags schlief das Kind und wachte mehrmals schreiend und vollkommen empört auf, weil es von seinem eigenen Hustenanfall geweckt wurde. Der Umzug wächst uns über den Kopf. Anstatt auf Kita und vier fleißige Hände zu vertrauen, ist die bittere Wahrheit, dass nur der Römer fit ist, das Kind so unmöglich in eine Betreuungseinrichtung gebracht werden kann und ich mich wie ein frisch geborenes Fohlen durch die Wohnung bewege. Wie sich die Situation letztendlich löst, erkläre ich Ihnen in den nächsten Tagen. Denn bis jetzt weiß ich es selber nicht wie wir diese Tage überstehen sollen.

“Wer rettet die Welt?” – Ich sicher nicht. Nicht heute.

Haben Sie’s fein, bleiben Sie gesund und Cheerio, Miss Sophie!

WMDEDGT – August 21

Es ist mal wieder soweit: Wie jeden 5. des Monats will Frau Brüllen wissen: „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“ oder, etwas knapper, WMDEDGT?

09:05 Uhr – Nach einer grausamen Nacht, in der halbstündlich Signorino entweder seinen Schnuller verlor, kuscheln wollte, dann doch wieder nicht, dann Durst hatte, daraufhin Papa erst zu weit weg war und dann zu nah dran, klingelt mein Wecker. Der Kleine schläft selig. Der Große ist schon weg. Kaffee, Tee und Cantuccini für mich – und das in Ruhe.

10:20 Uhr – Meine Frühstückscantuccini sind versteckt, um mir das erste morgendliche Drama (Warum isst Mama Kekse und ich darf nicht?) zu ersparen. Jetzt kann ich das Kind wecken. Natürlich schläft er jetzt wie ein Stein. Das war schon so, als er noch in seiner Fruchtblase schwamm. Nachts war Party – und ab 8 Uhr hat er dann bis nachmittags geschlafen. Trotzdem bestehe ich darauf, dass er aufsteht. Wir haben schließlich um 11:45 Uhr einen wichtigen Termin. Schnelles Frühstück für Signorino. Noch schnelleres Anziehen und dann los!

11:17 Uhr Das wird eng. Wir marschieren los über die Flößerbrücke nach Dribbdebach (Sachsenhausen). Erst auf der anderen Seite fällt mir ein, dass die Überquerung der Ignatz-Bubis-Brücke einen Hauch schlauer gewesen wäre. Egal – dann laufe ich halt am anderen Ufer entlang bis zum Bürgeramt Sachsenhausen. Und laufen ist das richtige Stichwort, denn genau das ist meine Geschwindigkeit. Schließlich komme ich um 11:40 Uhr an – fünf Minuten vor Termin. Der Herr an der Rezeption des Bürgeramtes, der mir meinen Online-Termin freischaltet, weißt mich sogleich darauf hin, dass es heute etwas dauert. „15 bis 20 Minuten müssen Sie schon rechnen.“ Ich nicke. Am Ende werden es 35 Minuten Wartezeit. Ein Klacks mit einem aktiven Kleinkind. 30 Minuten verbrachten wir damit, pausenlos aus dem Bürgeramt rauszulaufen, die minimale Anhöhe herunter, um sie sogleich wieder hochzulaufen, nur um dann wieder in den Wartebereich des Bürgeramtes einzulaufen, die Arme hochzureißen, vorbei am Fotoautomat, hinein, zurück (weil Mutti schimpft) und wieder raus aus dem Wartebereich. Wir waren eine Attraktion, auf die ich gut und gerne hätte verzichten können. Schlussendlich erscheint unsere Wartenummer auf dem Display und wir rollen zu Tisch Nummer Vier. Alles wird umgeschrieben, überklebt und abgestempelt. Das ist mein viertes Stadtviertel in Frankfurt – in sechs Jahren. Ich beschließe, dass ich es damit bewenden lassen kann. Jedoch habe ich/haben wir noch nie in Dribbdebach, sondern immer nur in Hibbdebach gewohnt. Falls Ihnen das alles zu viel hibbde (hüben) und dribbde (drüben) ist und Sie am Ende nur Bahnhof verstehen: Hier wird das sehr schön erklärt.

12:40 Uhr Holdrio! Es ist vollbracht. Wir kehren, diesmal deutlich gemächlicher, nach Hause zurück und ich mache ein paar Fotos.

13:00 Uhr Ich beschließe, dass Kochen für mich jetzt gerade keine Option darstellt, also bemühe ich den hiesigen Supermarkt-Lieferdienst, der neuerdings Bowls anbietet. Einen 10 Euro Gutschein finde ich auch noch im Internet und so landen zusätzlich noch eine Packung Joghurt, Milch, zwei Franzbrötchen und eine Käsestange im Warenkorb. 14 Minuten später steht ein sehr freundlicher Jungspund vor meiner Tür und überreicht mir die Einkäufe. Ich überreiche ihm das Trinkgeld. Alle sind glücklich. Signorino isst etwas Käsestange und beginnt dann, sie zu zerfleddern, was zunächst unbemerkt bleibt, da ich meine Bowl genieße. Sie ist tatsächlich sehr lecker, was mich wiederum sehr freut.

14:45 Uhr Das Kind schläft endlich – nach einer Stunde voller Bemühungen. Der Römer ruft an und will wissen, wie es beim Bürgeramt lief. Lange haben wir nicht Zeit zu plaudern, denn seine Arbeit ruft, sowie mein Studium. Wenigstens das zweite Kapitel des wissenschaftlichen Arbeitens will ich fertig machen, bevor es mich fertig macht.

16:30 Uhr Ob ich im neuen Stadtviertel auch so viele Gelegenheiten haben werde, mein Hessisch zu perfektionieren, wie im hiesigen Quartier? Gerade stritten sich zwei Baudekorateure vor meinem Fenster und das im feinsten Hessisch. Es war eine sprachliche Fundgrube für mich. Für einen Moment musste ich mein Studienskript zur Seite legen und ein paar, besonders schöne Wörter (Hinnäääzimmä = Hinterzimmer) nachsprechen. Dann kam noch der nüchterne Sohn* von Frau Becker, der 89jährigen Dame in unserem Haus, angefahren und schrie bereits von der Straße hoch zu ihrem Balkon: „Muddäääär?! Muuuuddääär?! Ich bin’s, Mudääär!“

*Frau Becker hat auch noch einen, dem Alkohol etwas mehr zugewandten Sohn mit einem aufgeregt kläffenden Hund.

18:00 Uhr Der Römer kommt nach Hause. In der Hand trägt er Post von meinem Primärarbeitgeber. Mal schauen, ob mein Teilzeit-Gesuch anerkannt wurde. Aber ich meine gelesen zu haben, dass dieses Jahr alle Teilzeit-Erstwünsche akzeptiert wurden. Klar, in der Krise wäre ich um jeden froh, der Teilzeit arbeiten will. Das Kind verweigert seine Nudeln. Der Römer isst diese gerne und bereitwillig. Dafür bekommt Signorino Brot mit Butter (Zwieback ist aus).

19:00 Uhr Große Überraschung: Ich habe meinen Teilzeitwunsch bekommen. Leider ist es nicht der, von dem ich ausging. Wir überlegen wie wir das organisiert bekommen. Wird schon, irgendwie. Muss ja. Aber ein wenig Panik steigt in mir hoch, wenn ich daran denke. Danach Spielplatz. Hauptsächlich nutzen wir die Schaukel, dann den Sandkasten. Am Ende regnet es dicke Tropfen. Wir eilen nach Hause und das Gewitter stoppt (vorerst).

20:35 Uhr Das Kind verspeiste sein zweites Abendessen anstandslos. Der Römer ist einkaufen gegangen. Nun regnet es in Strömen. Kam das Gewitter also doch noch und hat gewartet bis es den Römer für sich alleine hat. Hm… abholen wäre mit Kind logistisch zu schwierig. Er muss vermutlich warten bis es aufhört oder aber er rennt durch den Regen.

21:15 Uhr Der Römer schreit nach Albanien. Die Damen des Hauses (Schwägerinnen, Nichte, Mutter) stehen Schlange, um Signorino zu sehen. Wirklich, das ist kein Witz. Sie stehen in einer Schlange. 😄 Ich koche, Signorino huscht zu mir. Es ist wohl zu viel weibliche Verwandtschaft. Immerhin weiß ich, dass es allen “mire” (gut) geht und uns geht es anscheinend auch “mire”. Alles mire also. Man freut sich sehr auf den Römer, der morgen (alleine – wir, Signorino und ich, wurden ausgeladen von ihm) kommt. Es sei sehr heiß. Im Süden brennt’s. Morgen kommen Helikopter aus den Niederlanden, um beim Löschen zu helfen. Danach essen wir.

23:30 Uhr Das Kind ist außer Rand und Band. Somit denkt es partout nicht ans Schlafen. Let’s call it a day, auch wenn Signorino anderer Meinung ist.

WMDEDGT – Juli 21

Es ist mal wieder soweit: Wie jeden 5. des Monats will Frau Brüllen wissen: „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“ oder, etwas knapper, WMDEDGT?

08:00 Uhr Ich bin seit 5 Minuten wach und parke die Familienkutsche um. Das liegt a) daran, dass ich im halben Halteverbot stehe und b) dass sich eine unflätige Person aus Groß-Gerau auf meinen Tiefgaragenstellplatz gestellt hat. Da letzterer 12 Geh-Minuten von unserer Wohnung entfernt ist, konnte ich sie nicht einparken, hinterließ ihr aber eine ordentliche Notiz an der Heckscheibe mit der „Bitte“ mich anzurufen, wenn sie gedenkt wegzufahren. Raten Sie mal: Der Anruf kam nie. Und wird vermutlich auch nie kommen.

Wie man aber auf irgendeinem Stellplatz einer Tiefgarage parken kann, ist mir unbegreiflich. Ich wünschte ihr, dass sie (lebenslang und ausversehen)Taschentücher mitwäscht (aber die, die sich in 1000 kleine Einzelteile auflösen).

09:00 Uhr Mann und Kind sind aus dem Haus. Ich tippe den Morgen ab, dann geht es weiter auf meiner bumsvollen Agenda. Mein eigentlicher Plan nach der Prüfung war, mir einen entspannten Tag auf dem Sofa zu gönnen. Aber die Hummeln im Hintern und die knallvolle To-Do-Liste verhindern das. Also tue ich, was getan werden muss: Haushalt, Umzug vorbereiten, mal ins neue Studienskript gucken (Würden Sie lieber den Wälzer „Typographie“ anfangen oder doch lieber das schlankere „Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten„?)

11:00 Uhr Bis jetzt vergnügte ich mich im hauseigenen Büro (= Esstisch) und stellte fest, dass einige Institutionen noch gar nichts von meinem neuen Nachnamen wissen. Muss wohl in 2017 durchgerutscht sein. Na ja, jetzt ist zumindest der DSL Anbieter informiert, dass ich seit mehr als vier Jahren unter neuem Namen laufe. Ich schreibe mir einen groben Schlachtplan für die nächsten zwei Tage und schiebe Aufgaben von einer To-Do-Liste auf die nächste. So kann man seine Zeit auch verbringen. Aber mal ehrlich: Die unzähligen Pfandflaschen würden Sie doch auch lieber am Dienstag zurückbringen, oder? Ich stehe noch gar nicht ordentlich und trittsicher in der Woche und soll bereits am Pfandautomaten Flasche um Flasche einlegen? Nein, nein, nicht mit mir. Heute reicht es nur für die Postfiliale. Und auch das nur mit Ach und Krach! Ich mache mich daran, Babyschlafsäcke zu bügeln und zu fotografieren. Ein anderes Baby hat sicher noch eine ganze Weile Freude an Signorinos zu klein gewordenen Schlafsäcken.

13:00 Uhr Das blöde an Emails ist meist, dass man eine Antwort darauf möchte. Kommt die Antwort dann, beginnt die Arbeit von Neuem und man schreibt wieder eine Email zurück. Ich ping-pong-e vier Emails zurück und mache mir Bratnudeln. Dazu erwärme ich die Pasta Fredda von gestern einfach in einer Pfanne. Aber sagen Sie das nicht dem römischen Gatten, denn alleine die Idee bereits al dente gekochte Nudeln nach einem Tag im Kühlschrank in der Pfanne knusprig zu braten, würde bei ihm wahrscheinlich einen Brechreiz auslösen. Jede gute Ehe braucht eben ihre Geheimnisse und das ist meines. 😉 Dann flitze ich zum Auto, denn einer der Email-Schreibenden will meinen Kilometerstand wissen. Meine Antwort „recht wenig“ genügte ihm anscheinend nicht.

14:25 Uhr Ich hole Signorino von der Kita ab. Er läuft grinsend an die Scheibe und umarmt mich, sobald die Tür Erzieherin die Tür aufmacht. Seine Bezugserzieherin erzählt mir, wie der Tag heute verlief (gut!). Dann düsen wir nach Hause und Signorino grüßt die Jungs vorm Barbershop wie ein großer Imperator – mit beiden Händen nach oben. Einer winkt zurück. Signorino verliert seine römische Autorität und grüßt kichernd und winkend zurück. Daheim angekommen fällt mir auf, dass ich noch zur Post muss. Also hieve ich den Buggy wieder die sechs Stufen nach unten und wir rollen zur Post. Wieder zu Hause mache ich mir erst einmal einen Espresso und Signorino bekommt ein Wasser. Als er die Kekse auf dem Esstisch entdeckt und ich sie schnell wegpacke, quälen wir uns durch einen 20minütigen Schreianfall, der alle Oktaven abdeckt, die Signorino beherrscht. Am Schluss isst unser Ableger zerknirscht und schmollend eine Banane und ich schreibe mir hinter die Löffel, dass ich die Kekse vom Vormittag unbedingt wegpacken muss, wenn das Kleinkind nach Hause kommt.

17:30 Uhr Ich bereite die Cannelloni für heute Abend vor. Es ist Herbst (na ja… irgendwie schon), da muntern einen die Cannelloni vielleicht ein bisschen auf? Signorino macht Quatsch, lehrt den Papiermüll aus, verteilt ihn, räumt ihn in die Küchenschränke, räumt Töpfe und andere Küchenutensilien aus den Schränken, ABER ich habe beide Hände voller Ricotta-Spinat-Mischung UND er ist beschäftigt. Also ja! Ganz viel Freude dabei, Signorino. 🤪

18:30 Uhr FERTIG! Wir essen dann mal und schieben es wieder in den noch warmen Ofen. Heute ist des Römers langer Arbeitstag.

20:00 Uhr Der Römer ist daheim und hat einen Bärenhunger mitgebracht. Zwei Portionen und einen Deca(ffeinato) später findet er die Kraft, die Wassermelone in mundgerechte Stücke zu teilen. Wir stellen fest, dass Signorino Schnupfen hat und hoffen darauf, dass daraus kein richtiges „Krank“ wird, denn am Mittwoch wollen wir nach München düsen.

21:30 Uhr Halleluja! Das Kind schläft. Nur drei Mal erzählte ich die Geschichte mit dem Hummer, der Kummer hat, weil das Seepferdchen nicht da ist. In welcher, eventuell amourösen, Beziehung der Hummer dabei zum Seepferdchen steht, ist mir auch nach unzähligen Malen des Vorlesens nicht ganz klar. Mittlerweile vermute ich aber, sie sind einfach nur sehr gute Freunde. Obwohl der Schlusssatz mich zweifeln lässt. Denn, nachdem das Seepferdchen wieder aufgetaucht ist, sagt der Hummer: „Nur mit dir an meiner Schere, bin ich glücklich hier im Meere.“ Das sagt man doch nicht zu einem Freund, oder? Sie sehen… ich komme in den Schmarrn rein, wie man so schön sagt.

In diesem Sinne: Let’s call it a day!

WMDEDGT – Juni 21

Es ist mal wieder soweit: Wie jeden 5. des Monats will Frau Brüllen wissen: „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“ oder, etwas knapper, WMDEDGT?

10:00 Uhr Die Nacht war holprig. Aber das Kind fiebert nicht mehr und das finde ich nach aufregenden Tagen (und noch aufregenderen Nächten) ziemlich gut, auch wenn unser Ableger heute Nacht im Halbstundentakt aufwachte und jedes Mal spitz schrie. Ich wische etwas auf dem Telefon hin und her und war froh, dass die samstägliche Kategorie „Anderswo“ bei Geschichten und Meer | La Mère Griotte bereits veröffentlicht wurde. Dort entdecke ich auch den aufklärenden und überaus interessanten Artikel zum Thema Gendern. Dann beschließe ich, aufzustehen. Der eigentlich noch dösende Signorino findet das aber so blöd, dass er laut schreit. Nun gut. Dann bleibe ich eben noch liegen.

10:40 Uhr Der römische Gatte schwingt sich aus dem Bett und steuert in Richtung Bad. Dabei lässt er die Schlafzimmertür offen. Eine gigantische Wolke Knoblauchgestank zieht ins Schlafzimmer und mir wird blümerant. Wenig später schimpfe ich leicht mit dem römischen Gatten. Er solle sein (knoblauchiges Koch-)Zeug zeitnah wegräumen, erkläre ich ihm. Der römische Gatte führt aus, dass er aufgrund der schwierigen Lage mit dem Kind keine anderen Möglichkeit hatte abzuspülen und nicht einmal seinen liebevoll zubereiteten, albanischen Knoblauch-Joghurt (total erfrischend im Sommer; die deutsche Gattin stößt auch kaum auf) verspeisen konnte. Immerhin: Auch das Kind ist wach aufgrund des penetranten Geruchs. Wir stehen endgültig auf!

11:00 Uhr Wie gewohnt will ich mein Handy an unserem quasi einzigen Ladegerät anstecken, bis ich sehe: Huch! Das Kabel ist abgeknickt und damit kaputt. Ich informiere den Römer gewohnt aufgeregt, der ebenso gewohnt lässig reagiert. Er sei sich sicher, da müsse noch ein weiteres Ladekabel sein. Auch ich erinnere mich jetzt dunkel. Es scheitert allein am Auffinden dieses Kabels. Da wir hungrig und aufgrund der letzten Tage unansehnlich sind, beschließe ich die Vorzüge der Großstadt zu nutzen und Frühstück mit den letzten 4% meines Akkus zu organisieren. Das kommt bei allen Familienmitgliedern gut an. Sie machen sich hungrig über eine Vielzahl an rasch gelieferten Franzbrötchen her.

12:00 Uhr Der hohe Zuckeranteil des Franzbrötchens beflügelte anscheinend meinen Geist. Blitzartig schießt mir der mögliche Aufenthaltsort des Handy-Ladekabels in den Kopf. Noch ehe ich den Satz mit dem vermeintlichen Verbleib des Kabels fertig ausgesprochen habe, ist der Römer bereits in seinen „Ciabatte“ [Hausschuhen] aus dem Haus gehechtet, um sein lebensnotwendiges Mobiltelefon wieder in Betrieb zu nehmen. Es ist nur noch bei 4% Akku. Er wird fündig und kehrt triumphierend in die Wohnung zurück. Dann verbindet er das Telefon mit dem nun wieder kompletten Ladegerät. Das Telefon piepst bestätigend. Der Römer atmet erleichtert auf. Ich schlage vor, dass wir beim örtlichen Drogeriemarkt vorbeischauen, um ein zweites Ladekabel zu kaufen.

13:00 Uhr Pädiatrische, mütterliche Konsultation via Videotelefonie. Unser Ableger hat zwar kein Fieber mehr, aber ist immer noch schlapp. Ich schreibe mir eine Liste für die Apotheke. Ein Glück liegt diese neben dem Drogeriemarkt. Dreißig Minuten später sind wir alle ausgehfein und trotten bei T-Shirt Temperaturen zum Einkauf. Nach etwas längerer Suche finden wir ein Ladekabel für das Telefon, fehlkaufen beinahe Kinder-OP-Masken (sie waren für 5 Euro am Wühltisch und ich missdeutete sie als Erwachsenenmasken) und traben weiter zur Apotheke. Dort bekamen wir von der netten Apothekerin Kinder-Sonnencreme Pröbchen geschenkt. Auf nach Hause! Ich versuche den Knirps ins Bett zu bringen – ohne Erfolg. Der Römer kocht – wie immer mit großem Erfolg. Er produziert eine verboten cremige pasta rosa*. Wir vertagen das Mittagsschläfchen des Nachwuchses und essen. Danach zwei schnelle caffè. Der Römer bietet an, den Kleinen ins Bett zu bringen, da ich noch etwas erledigen muss.

16:00 Uhr Unser Ableger macht sich immer mal wieder verbal bemerkbar, hat aber dazu beide Augen fest geschlossen. Wir wechseln uns dazulegend ab. Der Römer schreibt in seiner Signorino freien Zeit einen Motivationsbrief. Ich lese etwas über Interdependenzen von Medien, Öffentlichkeit und Gesellschaft. Dann bricht der Himmel auf und ein ganzes Mittlermeer an Regenwasser scheint sich über Frankfurt zu ergießen. Halleluja! Es hört gar nicht mehr auf. Die Rose vorm Fenster weiß nicht, ob sie’s gut oder schlecht finden soll. Der pitschnasse, vorbeispazierende Fußgänger sieht aus als würde er stark unter dieser regenassen Situation leiden. Ein Glück sitze ich im Trocknen, denk ich noch. Dann stoße ich ungeschickt das Wasserglas um. Ja nun.

18:00 Uhr Signorino ist erwacht, während der Römer die Tür ins Schloss zog. Letzterer düste in die Pizzeria, um seinen ehemaligen Chef und guten Freund zu besuchen. Das Kind scheint knatschig und isst zwei Stückchen Brot, zwei Stückchen Banane und drei Kekse, die er sich in einem unbeobachteten Moment selbst organisiert hat. Vermutlich hätte er noch mehr Kekse verspeist, wenn denn mehr Kekse in der Packung gewesen wären. Immerhin: Er isst! Danach spielen wir mit Bausteinen und ich mache mich daran, die katastrophal aussehende Küche in einen Ort der Sauberkeit zu verwandeln. Die Aufgabe erscheint mir so spannend, wie aussichtslos.

19:30 Uhr Der Römer ist zurück von seinem Ausflug in die Pizzeria und hat den Wochenendeinkauf im Arm. Signorino wirft ihm seine Kleinkindschuhe vor die Füße und schnallt sich meine Handtasche um. Er will wohl spazieren gehen. Wir ziehen ihn an und gehen hinaus. Nach dem Gewitter ist die Luft herrlich klar und es ist angenehm warm, aber nicht schwül. Unser Ziel ist die Schaukel am Fluss. Signorino freut sich über 25 Minuten Geschaukel, während wir uns über Erwachsenenkram (Steuererklärung, Aufenthaltstitel,…) unterhalten. Dann setzen wir den laut protestierenden Farniente in den Buggy und schlürfen nach Hause. Dort macht sich der Römer ans Kochen. Der kleine Farniente bekommt Würstchen und Brot. Er isst sehr schlecht. Das war aber schon zu erwarten.

22:00 Uhr Das Kind kann nun in beide Hände klatschen und übt diese neue Fähigkeit bis zum Umfallen. Als ich ihn in den Schlaf singen will, klatscht er dazu mit. Es dauert eine ganze Stunde bis er schließlich ausgeklatscht hat und ins Land der Träume geschwebt ist. Wir hoffen auf eine Nacht ohne Nachtschreck. Aber lassen wir uns überraschen.

Let‘s call it a day! Gute Nacht! 😴

*Es war ein Zwischending aus pasta in bianco, also Nudeln mit Parmesan, und einigen wenigen Tomaten. Die Farbe war tatsächlich zart rosa.

WMDEDGT – Mai 21

Frau Brüllen ruft auch im Mai zum WMDEDGT [Was machst du eigentlich den ganzen Tag] auf. Genau vor einem Monat sind wir aus Albanien zurückgekommen und seitdem schreibe ich an den Albanienchroniken, was sich als zeitintensiver herausstellte, als ich anfangs dachte.

Nun aber los, in diesen Mittwoch, den 05.05.2021:

00:30 Uhr Der Römer isst noch einmal, bevor er sich schlafen legt und somit bis zum Fastenbrechen gegen 20:50 Uhr nichts mehr essen darf. Dünn ist er geworden, aber erstaunlicherweise nicht dünnhäutig. Ich bereite mich derweil im Bad auf die anstehende Nachtruhe vor. Als ich aus dem Badezimmer komme, fällt dem Römer ein, dass er noch seine Arbeitskluft für morgen bügeln müsste. Ich biete ihm an, sie zu bügeln, während er sich im Bad pflegt und hegt. Das schenkt ihm zehn Minuten mehr Schlaf und so muss er um 6 Uhr (statt 5:50 Uhr) aufstehen. Danach tigern wir ins Bett.

10:00 Uhr Signorino und ich rollen aus dem Bett. Nicht ganz freiwillig. Viel mehr werden wir aus dem Bett gefegt, da unser fleißiger Hausmeister direkt unter unserem Schlafzimmerfenster schwungvoll mit dem Besen kehrt. Da soll noch mal einer sagen, jeder soll vor seiner eigenen Tür kehren. Bei uns macht das Herr Balkanovic. Als wir ins Wohnzimmer stolpern, begrüßt uns ein strahlend blauer Himmel. Das kommt mir sehr gelegen, da ich heute den Anderen zum Kaffee treffen wollte. Wenig später frühstücken Signorino und ich. Der Himmel verdunkelt sich bedrohlich, so dass ich das Licht in unserer Wohnung anknipsen muss. Dann stürmt es. Ich rufe den Anderen an und frage nach Plan B. Es gibt keinen. Sein langjähriger Mitbewohner ist daheim. Meine beiden (der Römer und Signorino ;-)) ebenso. Für einen koffeinhaltigen pas de deux eignet sich diese Atmosphäre nicht. Wir einigen uns darauf, abzuwarten. Vielleicht reißt die Wetterfront wieder auf?

12:00 Uhr Ich war nur einen Moment in eine Überweisung vertieft. Als ich aufblicke, finde ich mich in einem Meer aus Plastik-Pfandflaschen wieder. Mangels römischer Abwesenheit vermute ich den kleinen Farniente dahinter. Darauf angesprochen grinst er schelmisch. Das gesamte Ausmaß erkenne ich erst, als ich am Bad und am Schlafzimmer, Richtung Küche, vorbeitrabe. Überall liegen blaue, grüne u. durchsichtige Flaschen jeglicher Größe. Das Kind freut sich. Immerhin erkennt er den Wert hinter seiner Kunstinstallation „Die Rückeroberung der Pfandflaschen“. Seine ignorante Mutter schimpft leise über das Chaos, verstaut die Pfandflaschen in der großen Tüte, aus der sie kamen und platziert sie auf dem Kühlschrank. Der Künstler brüllt mich an. Er ist in Rage und will nicht akzeptieren, dass ich ein so mühsam gefertigtes Kunstwerk einfach auf dem Kühlschrank verstaue. Ich rede ihm gut zu. Als das nicht hilft, widme ich mich der Pflege der römischen Kaschmiruniform. Während ich die Cardigans und Pullis in ein kaltes Wasserbad einlege, frage ich mich, wie oft ich sie dieses Jahr eigentlich noch von Hand baden muss, bis sich der Frühling bemerkbar macht? Sommerliche Leinenhemden sind deutlich genügsamer als ihre sensiblen, divenhaften Kaschmirbrüder, die selbst beim Handwaschprogramm der Waschmaschine mit der Nase rümpfen und sich beleidigt zusammenziehen.

13:00 Uhr Ich bereite das Mittagessen zu. Der übrig gebliebene, persische Reis wird kurzerhand zu einem gebratenen Eierreis umfunktioniert. Signorino quittiert das Ergebnis mit einem mehrmaligen „Mmh!“.

Danach sende ich eine Sprachnachricht an den Anderen bezüglich unserem Nachmittagsprogramm. Er ist gerade im Fitnessstudio, als es hier abermals anfängt zu sturmen und zu winden. Ich sage kurzerhand, wetterbedingt, ab. Er nimmt es mir nicht übel und wir behalten die nächsten Tage im Blick, um uns auf einen Coffee-to-go und ein Stück Kuchen von Condit Couture [Werbung aus Überzeugung] zu treffen.

15:00 Uhr Das Kind ruht und ich sitze an den Albanienchroniken. Die Bearbeitung meiner Albanienaufzeichnungen ziehen sich etwas. Auch heute ist das Zeitfenster dementsprechend klein, weil der Römer gleich von der Arbeit kommen wird und Signorino sicherlich bald aufwacht. Ich schaffe es bis zu der Stelle mit dem aufgewirbelten, saharafarbenen Staub.

16:30 Uhr Der Mann kommt heim und verkündet, dass er zusätzlich zu seiner 42 Stunden Woche, noch bei seinem guten Freund in der Pizzeria aushelfen will. Ich bin mehr als angesäuert, denn das bedeutet, dass er nur noch zum Schlafen heimkommen wird. Dieses, in der Freundschaft vollkommen ergebene Verhalten des Römers geht mir wirklich auf den Keks. Man muss auch mal Nein sagen können. Dann bleibt die Pizzeria halt geschlossen. Ein Freundschaftsdienst beinhaltet nicht vier Abende die Woche zusätzlich zu seiner Vollzeit-Stelle zu arbeiten. Und von einer Arbeit direkt zur nächsten zu fahren, dann 4 Stunden zu schlafen, um dann für den Frühdienst parat zu stehen, halte ich für absolut dämlich. § 3 Arbeitszeitgesetz (ArbZG) gibt mir übrigens Recht: Sollten Sie in Ihrem Hauptjob bereits 8 Stunden gearbeitet haben, dürfen Sie in Ihrem Nebenjob nur noch 2 Stunden arbeiten, da die Höchstarbeitszeit von 10 Stunden am Tag nicht überschritten werden darf. Aber was interessieren den Römer und seinen italienischen Freund schon Gesetze?

16:45 Uhr Wie zwei alte Wasserkocher heizen wir uns gegenseitig bei unserem andauernden Disput auf. Es riecht schon nach einem Seng- und Schmorschaden, als der Römer beleidigt abzieht. Jeder kühlt erst einmal für sich aus.

17:30 Uhr Der Römer schnappt sich Signorino und die beiden gehen spazieren. Nicht ganz freiwillig. Aber ich habe mich wütend abgemeldet. Das “Nein”-sagen Thema ist ein sehr beliebtes Streitthema bei uns. Der Römer gibt nämlich gerne nicht nur den kleinen Finger, sondern gleich den ganzen, römischen Körper von Kopf bis Fuß, was sein italienischer Gastro-Kumpel gerne und oft (aus-)nutzt.

19:00 Uhr Für Signorino gibt es Rührei mit Tomaten und Parmesan. Dazu Brot. Da der Haussegen heute eh schon schief hängt, diskutieren wir, wer mit dem Einkauf dran ist. Jeder hat eine Liste voller Argumente, die er nacheinander abfeuert. Die Fronten sind immer noch freundlich-verhärtet.

21:00 Uhr Die Zeit verstreicht. Das Kind muss ins Bett. Grund genug, dass der Römer letztendlich loszieht um einzukaufen. Ich rufe ihn noch fix an und instruiere ihn, Toastbrot und Würstel mitzunehmen. „Ja, ja, hab‘ ich schon in der Hand.“ , spricht der Römer und legt recht schnell auf. Als er heimkommt, verstaut er die Einkäufe leise, weil ich das Kind bereits ins Bett „la le lu“-e.

22:00 Uhr Ein Nudelauflauf (oder pasta al forno) steckt im Ofen. Das Kind schläft mittlerweile. Der Römer ist auf der Couch eingenickt. Mir soll’s recht sein. So schreibe ich etwas weiter am letzten Teil der Albanienchroniken.

[Gleich geht’s weiter]