WMDEDGT – Oktober 21

Es ist der 5. und Frau Brüllen fragt: “Was machst du eigentlich den ganzen Tag?” oder, etwas kürzer: WMDEDGT.

07:00 Uhr Der Wecker klingelt. Ich krieche aus dem Bett. Es war mal wieder eine bescheidene Nacht. Seit zwei Wochen wacht Signorino im 20 Minuten Takt auf. Zähne, Schub oder Was-auch-immer… Irgendwann ist es einem auch recht egal, was genau einem den dringend benötigten Schlaf raubt. Ein müder Römer kommt aus dem Kinderzimmer, dass kein Kinderzimmer, sondern viel mehr ein Römerzimmer ist. Das Kind will eh nicht allein schlafen und schläft im Elternzimmer, das ein Mutter-Kind-Zimmer ist. Wir frühstücken schnell. Ich eile ins Bad. Mit etwas Farbe im Gesicht sehe ich beinahe aus wie Gottes Geschenk an die Menschheit. Aber auch nur beinahe. 😉

08:10 Uhr Das Kind wird geweckt. Es hustet immer noch viel und ist verschnupft. Wir wissen nicht, ob er für den geplanten Rom-Aufenthalt in zwei Tagen fit ist. Hauptsächlich wegen des Fluges bin ich besorgt. Mit Erkältung zu fliegen ist kein Spaß. Das kann ich Ihnen aus eigener, leidvoller Erfahrung sagen.

Ob wir dieses Bild bald in live sehen?

08:40 Uhr Wir verlassen das Haus. Diesmal ist die Müllabfuhr früh dran und wir stottern nicht die ganze Allee hinter den fleißigen Jungs her. Ich fahre uns auf die andere Seite der Stadt. Wir parken, klappen den Buggy auf und eilen zur Kita. Wir geben Signorino ab, ich übergebe der Erzieherin ein paar Sachets Erkältungstee zum Probieren. Dann machen der Römer und ich uns auf den Weg zur Arbeit. An der Ampel trennen sich unsere Wege. Ein paar Meter durch den Grüngürtel, dann bin ich schon im Büro. Vier Stockwerke und ich bin so außer Atem, dass ich ein Sauerstoffzelt bräuchte. Mittlerweile ist es

09:40 Uhr Ich fahre den PC hoch, fröne meiner Arbeit zwischen Botengängen und Geburtstagskalendern (Ergebnis: Ich bin alt! Man könnte ich sagen, ich bin die Mutter Beimer des Büros) und dann ist es auch schon

14:10 Uhr und ich eile zur Kita. Signorino ist komplett angezogen und wartet an der Tür auf mich. Wir schlendern zum Parkplatz vor der alten Wohnung und düsen heim.

15:00 Uhr Daheim angekommen kämpfe ich mich durch den Haushalt, was sinnlos ist, denn das Kind verwüstet alles hinter meinem Rücken. Es ist wie ein mir ständig folgender Tornardo. Na gut. Ich frage ihn, ob er mir einen Kaffee machen kann. Er läuft in sein Kinderzimmer, macht mir einen Kaffee an seinem roten Kaffeevollautomat und mir bleibt genug Zeit, richtigen Kaffee an meiner Kaffeemaschine zu machen.

16:00 Uhr Der nette Herr vom Autohaus ruft an. Man müsse meine Reifen für die Fünf-Meter-Kutsche bestellen. 14 Tage dauert das ungefähr. Ob wir auch gleich die Sensoren austauschen sollen. Er erklärt mir die Pros und Kontras. Da ich gerne ein stressfreies Leben habe, entscheide ich mich dafür. Er will sich erkundigen, wie viel die Sensoren kosten. Ob wir den Service-Termin dann auf den Reifenmontiertermin verschieben sollen, frage ich. Als er hört, dass ich seit 60(!) Tagen ohne Service durch Frankfurt schlittere, bittet er mich, den Termin nicht zu verschieben.

19:00 Uhr Der Römer schreibt, dass er früher heimkommt. Die Freude ist groß – auf allen Seiten. Und nur fünf Minuten später steht er vor der Tür. Er verzieht sich nach einer Begrüßungsküsschenrunde zum Kochen. Signorino und ich bespielen die Rutsche. Die Lieblingsversion des Kindes ist, dass ich ihm helfe, die Rutschfläche von unten nach oben hochzulaufen, dann dreht er sich am höchsten Punkt um 180 Grad und ich mache eine Version von Engelchen-Flieg, in dem ich ihn an den Armen packe und nach unten segeln lasse. Wir spielen dieses Spiel unzählige Male bis Mutter Beimers Rücken klagt. Dann ist das Geheule groß und ich bin froh, dass der Römer die Pasta auf den Tisch stellt. Das Kind hat bereits gegessen und es ist „crazy time“. Das bedeutet, dass ihm nur noch affige Ideen mit hohem Gefahrenpotenzial in den Sinn kommen. Je müder das Kind, desto absurder die Ideen. Es ist ein ständiges Diskutieren, Heulen, Schreien und ich bin froh, wenn die Zeit des „Ab ins Bett!!“ naht.

21:10 Uhr Und da ist sie auch schon: Die Ab-ins-Bett-Zeit. Der Römer erbarmt sich, während ich mich durch Anträge und Flugticketbuchungen kämpfe. Um 21:50 Uhr fallen mir beinahe die Augen zu, aber ich will noch eine Stunde des Einführungsseminars meines aktuellsten Arbeitgebers mitbekommen.

Gute Nacht und Cheerio!

WMDEDGT – September 21

Es ist der 5. und Frau Brüllen fragt: “Was machst du eigentlich den ganzen Tag?” oder, etwas kürzer: WMDEDGT.

Alle anderen Mitblogger finden Sie übrigens hier.

Die Frage ist heute schnell beantwortet. Das Kind und ich liegen flach, gleichzeitig haben wir drei Farnientes einen Umzug zu meistern. Dabei sind die beiden Wörter “flach liegen” vollkommen irreführend. Keiner liegt und schon gar nicht flach. Das Kind weint viel, verweigert jegliche Medikamente und ist auch ansonsten recht instabil, läuft aber viel durch die Wohnung und still stehen stellt keinerlei Option da. Ich weine etwas weniger, nehme meine Medikamente, aber die Erkältungsviren haben in meinem Erwachsenenkörper viel mehr Spielfläche, um sich so richtig auszuleben. Gerne würde ich flach liegen, doch es gibt keine Möglichkeit dazu.

Die Nacht war miserabel. Der Morgen dramatisch. Mittags schlief das Kind und wachte mehrmals schreiend und vollkommen empört auf, weil es von seinem eigenen Hustenanfall geweckt wurde. Der Umzug wächst uns über den Kopf. Anstatt auf Kita und vier fleißige Hände zu vertrauen, ist die bittere Wahrheit, dass nur der Römer fit ist, das Kind so unmöglich in eine Betreuungseinrichtung gebracht werden kann und ich mich wie ein frisch geborenes Fohlen durch die Wohnung bewege. Wie sich die Situation letztendlich löst, erkläre ich Ihnen in den nächsten Tagen. Denn bis jetzt weiß ich es selber nicht wie wir diese Tage überstehen sollen.

“Wer rettet die Welt?” – Ich sicher nicht. Nicht heute.

Haben Sie’s fein, bleiben Sie gesund und Cheerio, Miss Sophie!

WMDEDGT – August 21

Es ist mal wieder soweit: Wie jeden 5. des Monats will Frau Brüllen wissen: „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“ oder, etwas knapper, WMDEDGT?

09:05 Uhr – Nach einer grausamen Nacht, in der halbstündlich Signorino entweder seinen Schnuller verlor, kuscheln wollte, dann doch wieder nicht, dann Durst hatte, daraufhin Papa erst zu weit weg war und dann zu nah dran, klingelt mein Wecker. Der Kleine schläft selig. Der Große ist schon weg. Kaffee, Tee und Cantuccini für mich – und das in Ruhe.

10:20 Uhr – Meine Frühstückscantuccini sind versteckt, um mir das erste morgendliche Drama (Warum isst Mama Kekse und ich darf nicht?) zu ersparen. Jetzt kann ich das Kind wecken. Natürlich schläft er jetzt wie ein Stein. Das war schon so, als er noch in seiner Fruchtblase schwamm. Nachts war Party – und ab 8 Uhr hat er dann bis nachmittags geschlafen. Trotzdem bestehe ich darauf, dass er aufsteht. Wir haben schließlich um 11:45 Uhr einen wichtigen Termin. Schnelles Frühstück für Signorino. Noch schnelleres Anziehen und dann los!

11:17 Uhr Das wird eng. Wir marschieren los über die Flößerbrücke nach Dribbdebach (Sachsenhausen). Erst auf der anderen Seite fällt mir ein, dass die Überquerung der Ignatz-Bubis-Brücke einen Hauch schlauer gewesen wäre. Egal – dann laufe ich halt am anderen Ufer entlang bis zum Bürgeramt Sachsenhausen. Und laufen ist das richtige Stichwort, denn genau das ist meine Geschwindigkeit. Schließlich komme ich um 11:40 Uhr an – fünf Minuten vor Termin. Der Herr an der Rezeption des Bürgeramtes, der mir meinen Online-Termin freischaltet, weißt mich sogleich darauf hin, dass es heute etwas dauert. „15 bis 20 Minuten müssen Sie schon rechnen.“ Ich nicke. Am Ende werden es 35 Minuten Wartezeit. Ein Klacks mit einem aktiven Kleinkind. 30 Minuten verbrachten wir damit, pausenlos aus dem Bürgeramt rauszulaufen, die minimale Anhöhe herunter, um sie sogleich wieder hochzulaufen, nur um dann wieder in den Wartebereich des Bürgeramtes einzulaufen, die Arme hochzureißen, vorbei am Fotoautomat, hinein, zurück (weil Mutti schimpft) und wieder raus aus dem Wartebereich. Wir waren eine Attraktion, auf die ich gut und gerne hätte verzichten können. Schlussendlich erscheint unsere Wartenummer auf dem Display und wir rollen zu Tisch Nummer Vier. Alles wird umgeschrieben, überklebt und abgestempelt. Das ist mein viertes Stadtviertel in Frankfurt – in sechs Jahren. Ich beschließe, dass ich es damit bewenden lassen kann. Jedoch habe ich/haben wir noch nie in Dribbdebach, sondern immer nur in Hibbdebach gewohnt. Falls Ihnen das alles zu viel hibbde (hüben) und dribbde (drüben) ist und Sie am Ende nur Bahnhof verstehen: Hier wird das sehr schön erklärt.

12:40 Uhr Holdrio! Es ist vollbracht. Wir kehren, diesmal deutlich gemächlicher, nach Hause zurück und ich mache ein paar Fotos.

13:00 Uhr Ich beschließe, dass Kochen für mich jetzt gerade keine Option darstellt, also bemühe ich den hiesigen Supermarkt-Lieferdienst, der neuerdings Bowls anbietet. Einen 10 Euro Gutschein finde ich auch noch im Internet und so landen zusätzlich noch eine Packung Joghurt, Milch, zwei Franzbrötchen und eine Käsestange im Warenkorb. 14 Minuten später steht ein sehr freundlicher Jungspund vor meiner Tür und überreicht mir die Einkäufe. Ich überreiche ihm das Trinkgeld. Alle sind glücklich. Signorino isst etwas Käsestange und beginnt dann, sie zu zerfleddern, was zunächst unbemerkt bleibt, da ich meine Bowl genieße. Sie ist tatsächlich sehr lecker, was mich wiederum sehr freut.

14:45 Uhr Das Kind schläft endlich – nach einer Stunde voller Bemühungen. Der Römer ruft an und will wissen, wie es beim Bürgeramt lief. Lange haben wir nicht Zeit zu plaudern, denn seine Arbeit ruft, sowie mein Studium. Wenigstens das zweite Kapitel des wissenschaftlichen Arbeitens will ich fertig machen, bevor es mich fertig macht.

16:30 Uhr Ob ich im neuen Stadtviertel auch so viele Gelegenheiten haben werde, mein Hessisch zu perfektionieren, wie im hiesigen Quartier? Gerade stritten sich zwei Baudekorateure vor meinem Fenster und das im feinsten Hessisch. Es war eine sprachliche Fundgrube für mich. Für einen Moment musste ich mein Studienskript zur Seite legen und ein paar, besonders schöne Wörter (Hinnäääzimmä = Hinterzimmer) nachsprechen. Dann kam noch der nüchterne Sohn* von Frau Becker, der 89jährigen Dame in unserem Haus, angefahren und schrie bereits von der Straße hoch zu ihrem Balkon: „Muddäääär?! Muuuuddääär?! Ich bin’s, Mudääär!“

*Frau Becker hat auch noch einen, dem Alkohol etwas mehr zugewandten Sohn mit einem aufgeregt kläffenden Hund.

18:00 Uhr Der Römer kommt nach Hause. In der Hand trägt er Post von meinem Primärarbeitgeber. Mal schauen, ob mein Teilzeit-Gesuch anerkannt wurde. Aber ich meine gelesen zu haben, dass dieses Jahr alle Teilzeit-Erstwünsche akzeptiert wurden. Klar, in der Krise wäre ich um jeden froh, der Teilzeit arbeiten will. Das Kind verweigert seine Nudeln. Der Römer isst diese gerne und bereitwillig. Dafür bekommt Signorino Brot mit Butter (Zwieback ist aus).

19:00 Uhr Große Überraschung: Ich habe meinen Teilzeitwunsch bekommen. Leider ist es nicht der, von dem ich ausging. Wir überlegen wie wir das organisiert bekommen. Wird schon, irgendwie. Muss ja. Aber ein wenig Panik steigt in mir hoch, wenn ich daran denke. Danach Spielplatz. Hauptsächlich nutzen wir die Schaukel, dann den Sandkasten. Am Ende regnet es dicke Tropfen. Wir eilen nach Hause und das Gewitter stoppt (vorerst).

20:35 Uhr Das Kind verspeiste sein zweites Abendessen anstandslos. Der Römer ist einkaufen gegangen. Nun regnet es in Strömen. Kam das Gewitter also doch noch und hat gewartet bis es den Römer für sich alleine hat. Hm… abholen wäre mit Kind logistisch zu schwierig. Er muss vermutlich warten bis es aufhört oder aber er rennt durch den Regen.

21:15 Uhr Der Römer schreit nach Albanien. Die Damen des Hauses (Schwägerinnen, Nichte, Mutter) stehen Schlange, um Signorino zu sehen. Wirklich, das ist kein Witz. Sie stehen in einer Schlange. 😄 Ich koche, Signorino huscht zu mir. Es ist wohl zu viel weibliche Verwandtschaft. Immerhin weiß ich, dass es allen “mire” (gut) geht und uns geht es anscheinend auch “mire”. Alles mire also. Man freut sich sehr auf den Römer, der morgen (alleine – wir, Signorino und ich, wurden ausgeladen von ihm) kommt. Es sei sehr heiß. Im Süden brennt’s. Morgen kommen Helikopter aus den Niederlanden, um beim Löschen zu helfen. Danach essen wir.

23:30 Uhr Das Kind ist außer Rand und Band. Somit denkt es partout nicht ans Schlafen. Let’s call it a day, auch wenn Signorino anderer Meinung ist.

WMDEDGT – Juli 21

Es ist mal wieder soweit: Wie jeden 5. des Monats will Frau Brüllen wissen: „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“ oder, etwas knapper, WMDEDGT?

08:00 Uhr Ich bin seit 5 Minuten wach und parke die Familienkutsche um. Das liegt a) daran, dass ich im halben Halteverbot stehe und b) dass sich eine unflätige Person aus Groß-Gerau auf meinen Tiefgaragenstellplatz gestellt hat. Da letzterer 12 Geh-Minuten von unserer Wohnung entfernt ist, konnte ich sie nicht einparken, hinterließ ihr aber eine ordentliche Notiz an der Heckscheibe mit der „Bitte“ mich anzurufen, wenn sie gedenkt wegzufahren. Raten Sie mal: Der Anruf kam nie. Und wird vermutlich auch nie kommen.

Wie man aber auf irgendeinem Stellplatz einer Tiefgarage parken kann, ist mir unbegreiflich. Ich wünschte ihr, dass sie (lebenslang und ausversehen)Taschentücher mitwäscht (aber die, die sich in 1000 kleine Einzelteile auflösen).

09:00 Uhr Mann und Kind sind aus dem Haus. Ich tippe den Morgen ab, dann geht es weiter auf meiner bumsvollen Agenda. Mein eigentlicher Plan nach der Prüfung war, mir einen entspannten Tag auf dem Sofa zu gönnen. Aber die Hummeln im Hintern und die knallvolle To-Do-Liste verhindern das. Also tue ich, was getan werden muss: Haushalt, Umzug vorbereiten, mal ins neue Studienskript gucken (Würden Sie lieber den Wälzer „Typographie“ anfangen oder doch lieber das schlankere „Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten„?)

11:00 Uhr Bis jetzt vergnügte ich mich im hauseigenen Büro (= Esstisch) und stellte fest, dass einige Institutionen noch gar nichts von meinem neuen Nachnamen wissen. Muss wohl in 2017 durchgerutscht sein. Na ja, jetzt ist zumindest der DSL Anbieter informiert, dass ich seit mehr als vier Jahren unter neuem Namen laufe. Ich schreibe mir einen groben Schlachtplan für die nächsten zwei Tage und schiebe Aufgaben von einer To-Do-Liste auf die nächste. So kann man seine Zeit auch verbringen. Aber mal ehrlich: Die unzähligen Pfandflaschen würden Sie doch auch lieber am Dienstag zurückbringen, oder? Ich stehe noch gar nicht ordentlich und trittsicher in der Woche und soll bereits am Pfandautomaten Flasche um Flasche einlegen? Nein, nein, nicht mit mir. Heute reicht es nur für die Postfiliale. Und auch das nur mit Ach und Krach! Ich mache mich daran, Babyschlafsäcke zu bügeln und zu fotografieren. Ein anderes Baby hat sicher noch eine ganze Weile Freude an Signorinos zu klein gewordenen Schlafsäcken.

13:00 Uhr Das blöde an Emails ist meist, dass man eine Antwort darauf möchte. Kommt die Antwort dann, beginnt die Arbeit von Neuem und man schreibt wieder eine Email zurück. Ich ping-pong-e vier Emails zurück und mache mir Bratnudeln. Dazu erwärme ich die Pasta Fredda von gestern einfach in einer Pfanne. Aber sagen Sie das nicht dem römischen Gatten, denn alleine die Idee bereits al dente gekochte Nudeln nach einem Tag im Kühlschrank in der Pfanne knusprig zu braten, würde bei ihm wahrscheinlich einen Brechreiz auslösen. Jede gute Ehe braucht eben ihre Geheimnisse und das ist meines. 😉 Dann flitze ich zum Auto, denn einer der Email-Schreibenden will meinen Kilometerstand wissen. Meine Antwort „recht wenig“ genügte ihm anscheinend nicht.

14:25 Uhr Ich hole Signorino von der Kita ab. Er läuft grinsend an die Scheibe und umarmt mich, sobald die Tür Erzieherin die Tür aufmacht. Seine Bezugserzieherin erzählt mir, wie der Tag heute verlief (gut!). Dann düsen wir nach Hause und Signorino grüßt die Jungs vorm Barbershop wie ein großer Imperator – mit beiden Händen nach oben. Einer winkt zurück. Signorino verliert seine römische Autorität und grüßt kichernd und winkend zurück. Daheim angekommen fällt mir auf, dass ich noch zur Post muss. Also hieve ich den Buggy wieder die sechs Stufen nach unten und wir rollen zur Post. Wieder zu Hause mache ich mir erst einmal einen Espresso und Signorino bekommt ein Wasser. Als er die Kekse auf dem Esstisch entdeckt und ich sie schnell wegpacke, quälen wir uns durch einen 20minütigen Schreianfall, der alle Oktaven abdeckt, die Signorino beherrscht. Am Schluss isst unser Ableger zerknirscht und schmollend eine Banane und ich schreibe mir hinter die Löffel, dass ich die Kekse vom Vormittag unbedingt wegpacken muss, wenn das Kleinkind nach Hause kommt.

17:30 Uhr Ich bereite die Cannelloni für heute Abend vor. Es ist Herbst (na ja… irgendwie schon), da muntern einen die Cannelloni vielleicht ein bisschen auf? Signorino macht Quatsch, lehrt den Papiermüll aus, verteilt ihn, räumt ihn in die Küchenschränke, räumt Töpfe und andere Küchenutensilien aus den Schränken, ABER ich habe beide Hände voller Ricotta-Spinat-Mischung UND er ist beschäftigt. Also ja! Ganz viel Freude dabei, Signorino. 🤪

18:30 Uhr FERTIG! Wir essen dann mal und schieben es wieder in den noch warmen Ofen. Heute ist des Römers langer Arbeitstag.

20:00 Uhr Der Römer ist daheim und hat einen Bärenhunger mitgebracht. Zwei Portionen und einen Deca(ffeinato) später findet er die Kraft, die Wassermelone in mundgerechte Stücke zu teilen. Wir stellen fest, dass Signorino Schnupfen hat und hoffen darauf, dass daraus kein richtiges „Krank“ wird, denn am Mittwoch wollen wir nach München düsen.

21:30 Uhr Halleluja! Das Kind schläft. Nur drei Mal erzählte ich die Geschichte mit dem Hummer, der Kummer hat, weil das Seepferdchen nicht da ist. In welcher, eventuell amourösen, Beziehung der Hummer dabei zum Seepferdchen steht, ist mir auch nach unzähligen Malen des Vorlesens nicht ganz klar. Mittlerweile vermute ich aber, sie sind einfach nur sehr gute Freunde. Obwohl der Schlusssatz mich zweifeln lässt. Denn, nachdem das Seepferdchen wieder aufgetaucht ist, sagt der Hummer: „Nur mit dir an meiner Schere, bin ich glücklich hier im Meere.“ Das sagt man doch nicht zu einem Freund, oder? Sie sehen… ich komme in den Schmarrn rein, wie man so schön sagt.

In diesem Sinne: Let’s call it a day!

WMDEDGT – Juni 21

Es ist mal wieder soweit: Wie jeden 5. des Monats will Frau Brüllen wissen: „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“ oder, etwas knapper, WMDEDGT?

10:00 Uhr Die Nacht war holprig. Aber das Kind fiebert nicht mehr und das finde ich nach aufregenden Tagen (und noch aufregenderen Nächten) ziemlich gut, auch wenn unser Ableger heute Nacht im Halbstundentakt aufwachte und jedes Mal spitz schrie. Ich wische etwas auf dem Telefon hin und her und war froh, dass die samstägliche Kategorie „Anderswo“ bei Geschichten und Meer | La Mère Griotte bereits veröffentlicht wurde. Dort entdecke ich auch den aufklärenden und überaus interessanten Artikel zum Thema Gendern. Dann beschließe ich, aufzustehen. Der eigentlich noch dösende Signorino findet das aber so blöd, dass er laut schreit. Nun gut. Dann bleibe ich eben noch liegen.

10:40 Uhr Der römische Gatte schwingt sich aus dem Bett und steuert in Richtung Bad. Dabei lässt er die Schlafzimmertür offen. Eine gigantische Wolke Knoblauchgestank zieht ins Schlafzimmer und mir wird blümerant. Wenig später schimpfe ich leicht mit dem römischen Gatten. Er solle sein (knoblauchiges Koch-)Zeug zeitnah wegräumen, erkläre ich ihm. Der römische Gatte führt aus, dass er aufgrund der schwierigen Lage mit dem Kind keine anderen Möglichkeit hatte abzuspülen und nicht einmal seinen liebevoll zubereiteten, albanischen Knoblauch-Joghurt (total erfrischend im Sommer; die deutsche Gattin stößt auch kaum auf) verspeisen konnte. Immerhin: Auch das Kind ist wach aufgrund des penetranten Geruchs. Wir stehen endgültig auf!

11:00 Uhr Wie gewohnt will ich mein Handy an unserem quasi einzigen Ladegerät anstecken, bis ich sehe: Huch! Das Kabel ist abgeknickt und damit kaputt. Ich informiere den Römer gewohnt aufgeregt, der ebenso gewohnt lässig reagiert. Er sei sich sicher, da müsse noch ein weiteres Ladekabel sein. Auch ich erinnere mich jetzt dunkel. Es scheitert allein am Auffinden dieses Kabels. Da wir hungrig und aufgrund der letzten Tage unansehnlich sind, beschließe ich die Vorzüge der Großstadt zu nutzen und Frühstück mit den letzten 4% meines Akkus zu organisieren. Das kommt bei allen Familienmitgliedern gut an. Sie machen sich hungrig über eine Vielzahl an rasch gelieferten Franzbrötchen her.

12:00 Uhr Der hohe Zuckeranteil des Franzbrötchens beflügelte anscheinend meinen Geist. Blitzartig schießt mir der mögliche Aufenthaltsort des Handy-Ladekabels in den Kopf. Noch ehe ich den Satz mit dem vermeintlichen Verbleib des Kabels fertig ausgesprochen habe, ist der Römer bereits in seinen „Ciabatte“ [Hausschuhen] aus dem Haus gehechtet, um sein lebensnotwendiges Mobiltelefon wieder in Betrieb zu nehmen. Es ist nur noch bei 4% Akku. Er wird fündig und kehrt triumphierend in die Wohnung zurück. Dann verbindet er das Telefon mit dem nun wieder kompletten Ladegerät. Das Telefon piepst bestätigend. Der Römer atmet erleichtert auf. Ich schlage vor, dass wir beim örtlichen Drogeriemarkt vorbeischauen, um ein zweites Ladekabel zu kaufen.

13:00 Uhr Pädiatrische, mütterliche Konsultation via Videotelefonie. Unser Ableger hat zwar kein Fieber mehr, aber ist immer noch schlapp. Ich schreibe mir eine Liste für die Apotheke. Ein Glück liegt diese neben dem Drogeriemarkt. Dreißig Minuten später sind wir alle ausgehfein und trotten bei T-Shirt Temperaturen zum Einkauf. Nach etwas längerer Suche finden wir ein Ladekabel für das Telefon, fehlkaufen beinahe Kinder-OP-Masken (sie waren für 5 Euro am Wühltisch und ich missdeutete sie als Erwachsenenmasken) und traben weiter zur Apotheke. Dort bekamen wir von der netten Apothekerin Kinder-Sonnencreme Pröbchen geschenkt. Auf nach Hause! Ich versuche den Knirps ins Bett zu bringen – ohne Erfolg. Der Römer kocht – wie immer mit großem Erfolg. Er produziert eine verboten cremige pasta rosa*. Wir vertagen das Mittagsschläfchen des Nachwuchses und essen. Danach zwei schnelle caffè. Der Römer bietet an, den Kleinen ins Bett zu bringen, da ich noch etwas erledigen muss.

16:00 Uhr Unser Ableger macht sich immer mal wieder verbal bemerkbar, hat aber dazu beide Augen fest geschlossen. Wir wechseln uns dazulegend ab. Der Römer schreibt in seiner Signorino freien Zeit einen Motivationsbrief. Ich lese etwas über Interdependenzen von Medien, Öffentlichkeit und Gesellschaft. Dann bricht der Himmel auf und ein ganzes Mittlermeer an Regenwasser scheint sich über Frankfurt zu ergießen. Halleluja! Es hört gar nicht mehr auf. Die Rose vorm Fenster weiß nicht, ob sie’s gut oder schlecht finden soll. Der pitschnasse, vorbeispazierende Fußgänger sieht aus als würde er stark unter dieser regenassen Situation leiden. Ein Glück sitze ich im Trocknen, denk ich noch. Dann stoße ich ungeschickt das Wasserglas um. Ja nun.

18:00 Uhr Signorino ist erwacht, während der Römer die Tür ins Schloss zog. Letzterer düste in die Pizzeria, um seinen ehemaligen Chef und guten Freund zu besuchen. Das Kind scheint knatschig und isst zwei Stückchen Brot, zwei Stückchen Banane und drei Kekse, die er sich in einem unbeobachteten Moment selbst organisiert hat. Vermutlich hätte er noch mehr Kekse verspeist, wenn denn mehr Kekse in der Packung gewesen wären. Immerhin: Er isst! Danach spielen wir mit Bausteinen und ich mache mich daran, die katastrophal aussehende Küche in einen Ort der Sauberkeit zu verwandeln. Die Aufgabe erscheint mir so spannend, wie aussichtslos.

19:30 Uhr Der Römer ist zurück von seinem Ausflug in die Pizzeria und hat den Wochenendeinkauf im Arm. Signorino wirft ihm seine Kleinkindschuhe vor die Füße und schnallt sich meine Handtasche um. Er will wohl spazieren gehen. Wir ziehen ihn an und gehen hinaus. Nach dem Gewitter ist die Luft herrlich klar und es ist angenehm warm, aber nicht schwül. Unser Ziel ist die Schaukel am Fluss. Signorino freut sich über 25 Minuten Geschaukel, während wir uns über Erwachsenenkram (Steuererklärung, Aufenthaltstitel,…) unterhalten. Dann setzen wir den laut protestierenden Farniente in den Buggy und schlürfen nach Hause. Dort macht sich der Römer ans Kochen. Der kleine Farniente bekommt Würstchen und Brot. Er isst sehr schlecht. Das war aber schon zu erwarten.

22:00 Uhr Das Kind kann nun in beide Hände klatschen und übt diese neue Fähigkeit bis zum Umfallen. Als ich ihn in den Schlaf singen will, klatscht er dazu mit. Es dauert eine ganze Stunde bis er schließlich ausgeklatscht hat und ins Land der Träume geschwebt ist. Wir hoffen auf eine Nacht ohne Nachtschreck. Aber lassen wir uns überraschen.

Let‘s call it a day! Gute Nacht! 😴

*Es war ein Zwischending aus pasta in bianco, also Nudeln mit Parmesan, und einigen wenigen Tomaten. Die Farbe war tatsächlich zart rosa.

WMDEDGT – Mai 21

Frau Brüllen ruft auch im Mai zum WMDEDGT [Was machst du eigentlich den ganzen Tag] auf. Genau vor einem Monat sind wir aus Albanien zurückgekommen und seitdem schreibe ich an den Albanienchroniken, was sich als zeitintensiver herausstellte, als ich anfangs dachte.

Nun aber los, in diesen Mittwoch, den 05.05.2021:

00:30 Uhr Der Römer isst noch einmal, bevor er sich schlafen legt und somit bis zum Fastenbrechen gegen 20:50 Uhr nichts mehr essen darf. Dünn ist er geworden, aber erstaunlicherweise nicht dünnhäutig. Ich bereite mich derweil im Bad auf die anstehende Nachtruhe vor. Als ich aus dem Badezimmer komme, fällt dem Römer ein, dass er noch seine Arbeitskluft für morgen bügeln müsste. Ich biete ihm an, sie zu bügeln, während er sich im Bad pflegt und hegt. Das schenkt ihm zehn Minuten mehr Schlaf und so muss er um 6 Uhr (statt 5:50 Uhr) aufstehen. Danach tigern wir ins Bett.

10:00 Uhr Signorino und ich rollen aus dem Bett. Nicht ganz freiwillig. Viel mehr werden wir aus dem Bett gefegt, da unser fleißiger Hausmeister direkt unter unserem Schlafzimmerfenster schwungvoll mit dem Besen kehrt. Da soll noch mal einer sagen, jeder soll vor seiner eigenen Tür kehren. Bei uns macht das Herr Balkanovic. Als wir ins Wohnzimmer stolpern, begrüßt uns ein strahlend blauer Himmel. Das kommt mir sehr gelegen, da ich heute den Anderen zum Kaffee treffen wollte. Wenig später frühstücken Signorino und ich. Der Himmel verdunkelt sich bedrohlich, so dass ich das Licht in unserer Wohnung anknipsen muss. Dann stürmt es. Ich rufe den Anderen an und frage nach Plan B. Es gibt keinen. Sein langjähriger Mitbewohner ist daheim. Meine beiden (der Römer und Signorino ;-)) ebenso. Für einen koffeinhaltigen pas de deux eignet sich diese Atmosphäre nicht. Wir einigen uns darauf, abzuwarten. Vielleicht reißt die Wetterfront wieder auf?

12:00 Uhr Ich war nur einen Moment in eine Überweisung vertieft. Als ich aufblicke, finde ich mich in einem Meer aus Plastik-Pfandflaschen wieder. Mangels römischer Abwesenheit vermute ich den kleinen Farniente dahinter. Darauf angesprochen grinst er schelmisch. Das gesamte Ausmaß erkenne ich erst, als ich am Bad und am Schlafzimmer, Richtung Küche, vorbeitrabe. Überall liegen blaue, grüne u. durchsichtige Flaschen jeglicher Größe. Das Kind freut sich. Immerhin erkennt er den Wert hinter seiner Kunstinstallation „Die Rückeroberung der Pfandflaschen“. Seine ignorante Mutter schimpft leise über das Chaos, verstaut die Pfandflaschen in der großen Tüte, aus der sie kamen und platziert sie auf dem Kühlschrank. Der Künstler brüllt mich an. Er ist in Rage und will nicht akzeptieren, dass ich ein so mühsam gefertigtes Kunstwerk einfach auf dem Kühlschrank verstaue. Ich rede ihm gut zu. Als das nicht hilft, widme ich mich der Pflege der römischen Kaschmiruniform. Während ich die Cardigans und Pullis in ein kaltes Wasserbad einlege, frage ich mich, wie oft ich sie dieses Jahr eigentlich noch von Hand baden muss, bis sich der Frühling bemerkbar macht? Sommerliche Leinenhemden sind deutlich genügsamer als ihre sensiblen, divenhaften Kaschmirbrüder, die selbst beim Handwaschprogramm der Waschmaschine mit der Nase rümpfen und sich beleidigt zusammenziehen.

13:00 Uhr Ich bereite das Mittagessen zu. Der übrig gebliebene, persische Reis wird kurzerhand zu einem gebratenen Eierreis umfunktioniert. Signorino quittiert das Ergebnis mit einem mehrmaligen „Mmh!“.

Danach sende ich eine Sprachnachricht an den Anderen bezüglich unserem Nachmittagsprogramm. Er ist gerade im Fitnessstudio, als es hier abermals anfängt zu sturmen und zu winden. Ich sage kurzerhand, wetterbedingt, ab. Er nimmt es mir nicht übel und wir behalten die nächsten Tage im Blick, um uns auf einen Coffee-to-go und ein Stück Kuchen von Condit Couture [Werbung aus Überzeugung] zu treffen.

15:00 Uhr Das Kind ruht und ich sitze an den Albanienchroniken. Die Bearbeitung meiner Albanienaufzeichnungen ziehen sich etwas. Auch heute ist das Zeitfenster dementsprechend klein, weil der Römer gleich von der Arbeit kommen wird und Signorino sicherlich bald aufwacht. Ich schaffe es bis zu der Stelle mit dem aufgewirbelten, saharafarbenen Staub.

16:30 Uhr Der Mann kommt heim und verkündet, dass er zusätzlich zu seiner 42 Stunden Woche, noch bei seinem guten Freund in der Pizzeria aushelfen will. Ich bin mehr als angesäuert, denn das bedeutet, dass er nur noch zum Schlafen heimkommen wird. Dieses, in der Freundschaft vollkommen ergebene Verhalten des Römers geht mir wirklich auf den Keks. Man muss auch mal Nein sagen können. Dann bleibt die Pizzeria halt geschlossen. Ein Freundschaftsdienst beinhaltet nicht vier Abende die Woche zusätzlich zu seiner Vollzeit-Stelle zu arbeiten. Und von einer Arbeit direkt zur nächsten zu fahren, dann 4 Stunden zu schlafen, um dann für den Frühdienst parat zu stehen, halte ich für absolut dämlich. § 3 Arbeitszeitgesetz (ArbZG) gibt mir übrigens Recht: Sollten Sie in Ihrem Hauptjob bereits 8 Stunden gearbeitet haben, dürfen Sie in Ihrem Nebenjob nur noch 2 Stunden arbeiten, da die Höchstarbeitszeit von 10 Stunden am Tag nicht überschritten werden darf. Aber was interessieren den Römer und seinen italienischen Freund schon Gesetze?

16:45 Uhr Wie zwei alte Wasserkocher heizen wir uns gegenseitig bei unserem andauernden Disput auf. Es riecht schon nach einem Seng- und Schmorschaden, als der Römer beleidigt abzieht. Jeder kühlt erst einmal für sich aus.

17:30 Uhr Der Römer schnappt sich Signorino und die beiden gehen spazieren. Nicht ganz freiwillig. Aber ich habe mich wütend abgemeldet. Das “Nein”-sagen Thema ist ein sehr beliebtes Streitthema bei uns. Der Römer gibt nämlich gerne nicht nur den kleinen Finger, sondern gleich den ganzen, römischen Körper von Kopf bis Fuß, was sein italienischer Gastro-Kumpel gerne und oft (aus-)nutzt.

19:00 Uhr Für Signorino gibt es Rührei mit Tomaten und Parmesan. Dazu Brot. Da der Haussegen heute eh schon schief hängt, diskutieren wir, wer mit dem Einkauf dran ist. Jeder hat eine Liste voller Argumente, die er nacheinander abfeuert. Die Fronten sind immer noch freundlich-verhärtet.

21:00 Uhr Die Zeit verstreicht. Das Kind muss ins Bett. Grund genug, dass der Römer letztendlich loszieht um einzukaufen. Ich rufe ihn noch fix an und instruiere ihn, Toastbrot und Würstel mitzunehmen. „Ja, ja, hab‘ ich schon in der Hand.“ , spricht der Römer und legt recht schnell auf. Als er heimkommt, verstaut er die Einkäufe leise, weil ich das Kind bereits ins Bett „la le lu“-e.

22:00 Uhr Ein Nudelauflauf (oder pasta al forno) steckt im Ofen. Das Kind schläft mittlerweile. Der Römer ist auf der Couch eingenickt. Mir soll’s recht sein. So schreibe ich etwas weiter am letzten Teil der Albanienchroniken.

[Gleich geht’s weiter]

WMDEDGT – März 21

Es ist März. Es ist der Fünfte. Sie ahnen es: Frau Brüllen ruft zum Was machst du eigentlich den ganzen Tag (kurz: WMDEDGT) auf.

Also auf mit Gebrüll (höhö!) in diesen Freitag!

00:00 Uhr Ich klappe mein Buch zu und freue mich, dass ich es fertig gelesen habe. Obwohl, verschlungen trifft es eher. Nicht, weil es so spannend war (unspannend war es aber auch nicht!), sondern weil ich mit Signorino die wenige Zeit, die ich habe, so effizient wie möglich nutzen muss.

00:30 Uhr Ich frage den Römer, der über einem kompliziert aussehenden Buch über Fußsohlen hängt, ob er auch ins Bett gehen will. Wir einigen uns darauf, dass ich den Anfang im Bad mache und er noch etwas über Fußsohlen liest. Am Bad laufe ich dann wie durch Zauberhand vorbei und lande in der Küche. Zufrieden mümmel ich zwei Käsestangen weg, eh mich mein Weg doch noch ins Bad führt. Der Römer zieht wenig später nach, spart sich aber den Umweg über die Küche.

1:00 Uhr Wir betten das Kind um. Der Römer hat heute den Hauptpreis in der Schlaflos-Lotterie gewonnen und darf neben seinem Sprössling schlafen. Ich verziehe mich ins Einzelbett.

7:00 Uhr Der Römer weckt mich zum Bettentausch, weil er zur Arbeit muss. Ich ziehe in das vorgewärmte Doppelbett neben der kleinen Raupe im Schlafsack-Kokon um. Ich höre noch wie der Römer in die Dusche steigt, dann bin ich auch schon weggeschlummert…..

9:30 Uhr Signorino weckt mich, in dem er sich hin- und herdreht und mir „vorsummt“ wie seine Nacht war. Dazu zupft er mir an den Haaren und legt sich mit seinem Oberkörper auf mein Gesicht.

10 Uhr Wir kuscheln noch eine Runde, dann stehen wir auf. Ich mache uns Frühstück. Drei Löffel Haferschleim (wie mein Opa das neumodische Porridge bezeichnete) isst er, dann besteht er auf Kekse. Kluges Kind, kommt genau nach uns. Ich mache uns spanische und französische Jazz-Chansons an, die langsam plätschernd unser Frühstück untermalen.

10:30 Uhr Es klingelt. Erst nur ein Mal. Ich reagiere natürlich nicht. Dann klingelt es wieder. Ich bin genervt, beschließe aber von meiner Taktik nicht abzuweichen. Ein drittes Mal wird geklingelt. Ich überlege kurz zu öffnen, dann gucke ich an mir herunter: Schlabbershirt ohne BH, kurze Shorts, unrasierte Beine,…. meine vorherige Entscheidung manifestiert sich. Ein viertes Mal wird geklingelt. Ich springe entnervt auf. Meine innere Frau Keifflinger ruft durch die Wohnung „Wir sind doch hier nicht im Laufhaus!“. Dann fällt mein Blick auf das monströse Bekleidungspaket, das ich gestern für die Nachbarin angenommen habe. Ich öffne die Tür einen Spalt breit, weil ich quasi nackt bin. Niemand da. Ich knalle die Tür entnervt zu. Meine innere Frau Keifflinger denkt an den heutigen Artikel von Tom und schiebt ein entnervtes „Die kann froh sein, ihr Paket nicht in der Arnulfstraße abholen zu müssen.“ hinterher. Das würde ich ihr nach ihrer unerhörten Klingeltirade gönnen, 400 Kilometer nach München zu fahren um ihr dämliches Paket abzuholen. Dann erinnere ich mich daran, wie ich diesen Monat schon einmal auf der anderen Seite der Tür stand und mein Paket wollte. Die nächsten 10 Minuten fühle ich mich doof deswegen. Aber dann verfliegt das Gefühl wieder.

11:00 Uhr Heute ist der richtige Tag, das letzte Weihnachtsgeschenk an Signorino auszuhändigen. Er bekommt ein Legoset von seiner Oma. Da er zwischen Nikolaus und Weihnachten Geburtstag hat, ist der Dezember knallvoll mit Geschenken. Um das zu entzerren, teile ich sie auf die darauffolgenden Monate auf. Er freut sich sehr über die willkommene Abwechslung und wirft einen Legoanhänger durch die Gegend.

11:20 Uhr Ich räume die Spülmaschine aus und ein, wische galant über die Arbeitsplatte und beschließe heute im Wohnzimmer ordentlich aufzuräumen. Ich sauge, wische, räume um und auf, bis ich über die Ecke des Schreckens stolpere. Auf der Kommode stapelt sich zu kleine Kinderkleidung, die dringend verpackt werden muss und dann in den Keller soll. Ich beschließe, dass heute der richtige Tag dafür ist. Mitten im Tatendrang fällt mir Signorinos Kommode ein, die ebenso dringend ein Update bräuchte. Ich sortiere auch hier aus und verpacke alles in Tüten, die ich ordnungsgemäß beschrifte.

13:00 Uhr Schnelles Mittagessen: mini farfalle in bianco. Signorino verschmäht sein Essen wie er es seit Tagen mit allem macht. Dafür isst er 1,5 Bananen. Ich hingegen esse brav auf.

13:40 Uhr Signorino wird von mir ins Bett gebracht. Die Klingel ist ausgestellt. Das Handy ist lautlos. Ich beschließe mir einen caffè zu gönnen. Dann schreibe ich mit Turtle, mit der ich eigentlich morgen einen schwesterlichen Roadtrip nach München begehen sollte. Leider machte mir Signorino einen Strich durch die Rechnung, weil er momentan nicht einmal eine mütterliche Pinkelpause lang bei seinem Vater sein kann. Ich wünsche ihr eine gute Fahrt.

15:30 Uhr Signorino meldet sich, dass er wach ist und gerne aus dem Schlafzimmer abgeholt werden will. Ich lasse meinen Artikel über eine Schriftstellerin links liegen, schalte die Klingel wieder ein und bringe den kleinen Farniente ins Wohnzimmer. Von allem Angebotenen will er nur eine halbe Banane, einen Joghurt und ein Stück Brot mit Butter.

16:20 Uhr Ich beschließe nach einer sinnlosen Runde Trockenshampoo mir lieber gleich die Haare zu waschen. Ich streame die Lieblingslieder des Kindes auf dem Fernseher und wähne mich in Sicherheit beim Haare waschen. Eine Vorahnung bleibt und ich lasse die Badtür lieber offen. Zwei Minuten später läuft das Kind fröhlich grinsend mit einem Tesaroller an der Badezimmertür vorbei (wie kam der da überhaupt ran?). Ich sprinte hinterher, sehe ich doch vor meinem geistigen Auge bereits, dass er die Tesaklinge in den Mund nehmen will. Das Kind ist pissig, ich schweißgebadet und mein linkes Auge brennt, weil bei meinem Sprint halbausgespültes Shampoo vom Kopf ins Auge getropft ist. Ich spüle die Haare eilig aus und binde sie in einen Turban.

17:00 Uhr Die Nachbarin von heute Vormittag klingelt nochmals. Ich eile mit Handtuch-Turban zur Tür. Das Kind wittert seine Chance und eilt hinterher um sich den Hausflur genauer anzuschauen. Ich halte ihn fest, mein Turban rutscht. Ich reiche ihr das Paket und lächle entschuldigend. Sie bedankt sich artig. Darauf entscheide ich, dass ich zumindest den Haaransatz trocknen muss. Den Rest werde ich erledigen, wenn der Römer von der Arbeit heimkommt.

18:00 Uhr Der Römer kommt hungrig heim. Er berichtet von seinem Tag, einem beruflichen Angebot und vielem mehr. Dann gehen wir spazieren. Währenddessen schreibt seine Kollegin, ob er das Fenster am Empfang zugemacht hat, da er als letztes in den Feierabend ist. Er erinnert sich nicht und beschließt zurück zur Arbeit zu fahren. Er geht los – und ruft 5 Minuten später an. Er habe seinen Arbeitsschlüssel vergessen. Er kehrt kichernd zurück. Ich frage ihn augenzwinkernd, ob er getrunken hat. Religionsbedingt fällt die Antwort ernüchternd (hihi) aus.

19:30 Uhr Ich koche einen schnellen Milchreis für Signorino. Wir Erwachsenen wollen später irgendetwas kochen. Der Römer ist mittlerweile zurück von seinem Betriebsausflug. Dann diskutieren wir über das Jobangebot bis er zum römischen k.o. Argument „Aber in Italien sind die Gesetze so und so…“ kommt. Ich erkläre ihm, dass wir auf seinen Wunsch hin, in Deutschland sind und es kein Deutschland mit italienischen Gesetzen gäbe. Unsere imaginären Streitgeweihe haben sich mittlerweile ineinander verhakt. Das heißt „Timeout“ für uns! Der Römer schaufelt den Rest von Signorinos Milchreis rein. Ich kümmere mich um die Küche. Signorino kümmert sich um die Küchenhandtücher und den Papiermüll, in dem er alles irgendwo in der Wohnung verteilt.

21:30 Uhr Der Römer versteckt sich, Signorino muss ihn suchen. Der Römer hat dabei weitaus mehr Spaß als unser Ableger (und der kichert sich schon einen weg, wenn er seinen Papa hinter dem Buggy sitzend findet). Lautes Gelächter auf allen Seiten. Der Ableger wirkt noch nicht müde. Deswegen darf er noch etwas wachbleiben.

21:45 Uhr Jetzt aber fix ins Bett. Der Römer hat heute das Vergnügen, den Ableger ins Bett zu bringen.

23:20 Uhr Wir haben das Abendessen ausgelassen. Nun meldet sich der kleine Hunger. Ein Mitternachtssnack aus Käse, Oliven, Bresaola, Brot, später getrockneten Feigen und Süßkram muss her.