WMDEDGT – September 2022

Es ist September. Irgendwie riecht die Luft nach Herbst und heute ist mein erster Arbeitstag nach den großen Ferien. So fragt Frau Brüllen mit was man den ganzen Tag so seine Zeit verbringt. Sie nennt das WMDEDGT. Na, dann wollen wir mal gucken:

03:00 Uhr „Mama? Mama?“ fragt ein leises Stimmchen aus dem Kinderzimmer. Ich setze mich in unserem Bett auf und warte, ob es sich wiederholt. Vielleicht war es nur Teil eines Signorino’schen Traumes? Nach einer halben Minute fragt das Stimmchen wieder „Mama?“. Also stehe ich auf und tapse im Dunkeln in Signorinos Kinderzimmer. Das Kind ist ziemlich schwitzig, aber nicht fiebrig. Ich habe es schlichtweg zu gut gemeint, als ich ihn für die Nacht angezogen habe. Nochmal umziehen im Halbschlaf und damit riskieren, dass die kleine Motte ganz aufwacht oder doch so lassen? Ich entscheide mich für Option 2 und mache den Reissverschluss vom Schlafsack ganz auf. Dann kuschele ich mich zu ihm. Wie immer huschen seine nervösen Hände rastlos über meine. „So kann kein Mensch schlafen.“, denke ich noch und nicke anscheinend kurze Zeit später weg.

04:30 Uhr Signorino schläft tief und fest neben mir. Ich taste mich wieder zurück ins Schlafzimmer. Der Römer okkupiert das ganze Bett und ich verweise ihn mit leichten Schüben auf seine Seite. Im Schlaf seufzend dreht er sich nach links und macht Platz.

07:00 Uhr Guten Morgen ohne Sorgen. Aufstehzeit! Ich will liegen bleiben, aber damit kann ich am Ende des Monats leider nicht meine Rechnungen bezahlen. So stehe ich auf, Kaffee, Kekse, Anziehen, den Römer aus dem großen Bad scheuchen und los geht‘s mit der S-Bahn.

08:40 Uhr Ich komme in der Arbeit an und beginne damit, mein E-Mail Postfach aufzuräumen. Erst lösche ich die Quatsch-E-Mails, dann markiere ich die wichtigen E-Mails bis mir mein Chef schreibt, ob ich noch etwas für den heutigen, extrem wichtigen Termin benötigen würde. Ich werde stutzig. Bis eben bin ich davon ausgegangen, dass er den Termin leitet und mir, falls nicht, nicht in allerletzter Minute am ersten Tag nach meinem Urlaub Bescheid gibt. Ich frage nach. Kurzes Telefonat, dann löse ich das Problem mit einigen, weiteren Telefonaten und informiere alle Beteiligten. Was für ein Start nach den Ferien. Der restliche Tag verläuft gut. Ich buche eine Geschäftsreise in die Zentrale. Nennen Sie mich überheblich, aber ich bin berufsbedingt so oft gereist, ich möchte nirgends mehr hin.

12:30 Uhr Mittagspause. Ich kläre die Kollegen (alle männlich) über mein geballtes Wissen über Pasta auf, welches ich im Taxi zum Flughafen Rom-Fiumicino erwarb. Erstaunte Ahs und Ohs. Ein Kollege schreibt mit. Das ist kein Witz,

14:30 Uhr Ab zur Kita. Blöderweise entschied ich mich heute für die neuen Turnschuhe. Glück im Unglück habe ich noch Blasenpflaster in den Rucksack geworfen, bevor ich heute morgen das Haus verließ. Meine Fersen brauchen alle beide. Autsch!

14:45 Uhr Es gibt einen neuen Erzieher in Signorinos Kita. Er wirkt sehr nett. Ansonsten das Übliche. Wir gehen nach Hause und ich merke, wie toll Signorino schon sprechen kann. „Andiamo S-Bahn.“, sagt er zu mir und er hat recht. Wir gehen tatsächlich zur S-Bahn.

15:30 Uhr Endlich daheim. Ich tische den Nachmittagssnack auf. Dann rufe ich Turtle an. Während wir telefonieren, rollen auf der gegenüberliegenden Allee 4(!) große Feuerwehrautos und ein Krankenwagen an. In Windeseile werden Schläuche ausgerollt, die Liege des Krankenwages steht bereit, 5 Feuerwehrmänner stehen mit Rauchschutzhauben und vollständiger Montur bereit, die anderen wuseln durch die Gegend und rufen Kommandos. Ich drücke mir die Nase an der Fensterscheibe platt. Mein Gott, manchmal bin ich echt so ein Gaffer. Nach fünf Minuten werden die Schläuche wieder eingerollt, die Transportliege zum Krankenwagen zurückgeschoben. Die Feuerwehrmänner schälen sich aus ihrer Montur. Ein Glück war es vermutlich nur ein Fehlalarm.

18:00 Uhr In einer Stunde kommt der Mann heim. Ich überlege, was das Kind essen möchte. Es gestaltet sich schwierig, weil alles (außer Süßkram) NEIN! Ist.

19:00 Uhr Mann ist da. Die Kartoffeln habe ich bereits in den Ofen geschoben. Der Römer kocht Kabeljau dazu. Das Kind hat in der Zwischenzeit drei Butterbrote verdrückt. Während wir essen, will Signorino kneten und animiert uns mit immer neuen Knetvorschlägen dazu, mitzukneten. „Jetzt Schildkröte! Jetzt Elefant! Jetzt Schuhe! Jetzt S-Bahn!“. Der Römer knetet nach dem Abendessen alles, was Signorino angibt. Sagen wir so: Das Kind ist mit jeglichen Gebilden zufrieden, Hauptsache der Titel stimmt.

Kneten – ein Riesenspaß für Signorino

20:00 Uhr Heute ist der 32. Geburtstag meines besten Freundes. Ich rufe ihn in Schweden an, wo er beruflich ist. Wir tauschen uns aus und Signorino quakt immer wieder ins Telefon. Es gestaltet sich schwierig. Am Ende muss der Römer den Nachwuchs abtransportieren. Als ich auflege, höre ich Tigergeräusche vom Römer aus dem Wohnzimmer. Dazu lautes Kichern von Signorino.

22 Uhr Das Kind kämpft noch immer mit dem Schlaf und will und will nicht einschlafen. Dank des Mittagsschlafes in der Kita kommt das Kind hier oft nicht vor 23 Uhr zur Ruhe. Juhu! Der Römer ist bei ihm und übernimmt den letzten Teil der Einschlafbegleitung, bei der die Hände des Kindes rastlos durch die Gegend flattern, während es versucht, den Kampf gegen den Schlaf zu gewinnen.

Let‘s call it a day.

WMDEDGT – August 22

Der Monatsfünfte und Frau Brüllen fragt mal wieder, mit was man seine Zeit verbringt. WMDEDGT nennt sie das und hier sieht das so aus:

03:00 Uhr „Oh Gott, meine neue Leinenbluse!“, schrecke ich aus meinem Halbschlaf aus Fresskoma und Erschöpfung hoch. Es stürmt in Frankfurt und in Gedanken sehe ich meine neue Oberbekleidung schon zusammengekrümmt als nasses, trauriges Etwas in irgendeiner Straßenecke liegen. Ich tapse im Dunkeln durch den Gang, durchquere das Wohnzimmer und finde sie am Balkonstuhl hängend. Rasch pflücke ich sie vom Stuhl, lege sie auf die Couch und trinke ein Glas Wasser, um dann wieder ins Bett zu huschen. Der Römer fragt im Dunkeln, was los sei. „Ich habe gerade meine Bluse…“, doch da schnarcht er schon wieder.

07:30 Uhr Ich stehe auf und bin vom gestrigen Geburtstagsessen noch so voll gefressen, dass ich nur Tee und Kaffee trinke. Dann dusche ich mich fix ab, wecke das Kind, bügle meine heute Nacht vom Balkon gepflückte Leinenbluse, wecke das Kind wieder, befülle die Wasserflasche mit frischem Wasser, tische das Frühstück auf und wecke das Kind nochmal. Irgendwann steht er auf. Er isst und trinkt sehr müde, ich mache mich fertig. Danach ziehe ich Signorino an. Er will nicht in die Kita. Ich schlage ihm vor, dass er das rote Zoo-Auto mitnehmen dsrf. Der Vorschlag kommt an! Leider finde ich das Auto nicht. So brüllt das Kind und ich suche panisch und wenig konstruktiv, während die Zeit uns gleichzeitig hämisch im Nacken sitzt. Irgendwann finde ich es – in der Mitte des Wohnzimmers auf dem Teppich. Wir können los. Auf dem Weg zum Auto umgehen wir viele Pfützen bis Signorino doch noch einen Moment findet, in dem er reinspringen kann. Ich habe eine blütenweiße Hose an und versuche diese mit Feuchttüchern im Auto zu reinigen. Für mehr ist keine Zeit. Es tröpfelt. Wir fahren los. Kaum aus der Ausfahrt raus, schüttet es in Strömen. Fußgänger:innen und Rad:fahrer halten sich schützend Jacken, Zeitschriften und Ordner über den Kopf. An einen Regenschirm denkt in diesem saharaheißen Sommer offensichtlich niemand.

09:15 Uhr Angekommen an der Kita, ruft das Kind herzzerreißend und Rotz und Wasser heulend „Mama! Mama!“. Es will auf meinen Arm. Seine Erzieherin steht auf und wir lösen ihn von meinem Bein. Ich fühle mich (mal wieder) wie die schlechteste Mutter der Welt. Im Auto angekommen, atme ich zwei, drei Mal durch und fahre nach Hause.

10:50 Uhr Ich gehe zur S-Bahn. Irgendetwas Oberleitungsmäßiges müsse zwar repariert werden, verrät mir die App, aber ich versuche mein Glück. Es beginnt zu tröpfeln. Folgerichtig habe ich natürlich keinen Schirm mitgenommen. Anscheinend bin ich ein Typus Mensch, der aus vorher getätigten Beobachtungen zwar urteilt („Jetzt haben die alle keinen Schirm dabei, obwohl die Wetter-App doch sagte, dass es regnen wird!“) , aber keine logischen Schlüsse für sich daraus zieht („Heute sollte ich auf alle Fälle einen Schirm mitnehmen.“). Nun denn, wie gut, dass ich eine weiße Hose anhabe. Das macht die Geschichte gleich doppelt spannend. Vielleicht verzichtet der Hausarzt, zu dem ich gleich will, darauf, dass ich mich ausziehen muss. Durch die durchsichtig gewordene Hose sieht er eh gleich alles.

11:50 Uhr Wenn Sie mit einem dringenden Anliegen zum Hautarzt wollen, müssen Sie früh aufstehen. Vor 9 Uhr werden die unangemeldeten Fälle abgearbeitet. Auch wenn Sie „ja eigentlich gar net komme wollde“ und dann doch noch um 11:50 Uhr auftauchen. Man schiebt Sie „ausnahmsweise“ ein, aber auch nur, weil bald Wochenende ist. Sie sehen, im halb offenen Wartebereich erfährt man so einiges Nützliches.

12:40 Uhr Beim Arzt war alles in Ordnung. Ich buche gleich noch den Termin für‘s Hautkrebsscreening (im Februar dann…) und gehe in den japanischen Laden nebenan. Signorino und ich schmissen jeweils einen Creme-Pumpspender herunter und nun verweigern die Spender ihre Pumpleistung. Also habe ich zwei neue, leere Pumpspender gekauft und pumpe nun um.

13:00-14:40 Uhr Wieder daheim. Ich gönne mir Zeit für mich und lese Blogs. Dann rufe ich den Einen an und wir quatschen über den gestrigen, zusammen verbrachten Abend. Zeitgleich ruft der Römer an. Er würde mich gerne an der Kita treffen. Ich willige ein. Erst im Auto frage ich mich, warum er das Kind nicht alleine abholen kann. Aber nun sitze ich schon im Gefährt. Der Römer winkt mir zu, wir gehen in die Kita und holen das verwirrte Kind ab: „Mamaaa! Papaaaa! Maaapa!“

15:00 Uhr Wieder zu Hause. Der Mann hat eingekauft. Bucatini („Conosci bucatini?“ Kennst du Bucatini?), italienische Kekse, Bresaola (ähnlich Bündnerfleisch), noch mehr italienische Kekse, irgendwelche italienischen Cracker. Ich habe den leisen Eindruck, ihm fehlt Italien? 🤔

16:00 Uhr Die Gallensteine des Mannes sind zurückgekehrt. Er jammert so vor sich hin, will aber nicht zum Arzt, dann doch, dann ist er zu müde für einen zweiten Bluttest, heute ist’s wieder extra schlimm. Ins Krankenhaus will er dann doch nicht und am besten soll das Problem sich in Luft auflösen. Aber wie damals bei der Gallenblase, löst sie sich leider nicht auf, sondern musste heraus operiert werden. Er baut erstmal Zug mit dem Kind und jammert, und fühlt sich schlapp und hat Krämpfe…. Wie kann man nur so stur sein? Die einzige Lösung liegt doch auf der Hand 🏥? Lieber jetzt als im Urlaub, fernab der Zivilisation und damit fernab von Krankenhäusern .

17 Uhr Nächster Halt: Drogeriemarkt. Der Mann deckt sich mit Gallenstein-Hausmitteln ein: Apfelessig, Kurkuma, Löwenzahntee, usw.. Das Kind macht gut mit beim Einkaufen. Daheim kriegt er dennoch einen Anfall, dass er zum Spielplatz wollte und will. Also gehen wir zum Spielplatz. Ich bestelle noch rasch Pizza vor, denn unsere Lieblingspizzeria machte eine dreiwöchige (!) Pause und heute ist sie wieder da.

Sieht nach (zugegeben sehr dreckigem) Strand aus. Ist aber ein Spielplatz. Aber meine weiße Hose ist noch weiß. Das ist doch auch etwas.

18:40 Uhr Vom Spielplatz zurück warten wir auf die Pizza. Das Kind kann nicht mehr warten und isst ein Marmeladenbrötchen als Vorspeise.

19:30 Uhr Die Nachbarn von oben bohren. Das Kind hat neuerdings Angst vor Bohrgeräuschen und so hängt ein ängstliches Kind auf mir wie ein Koala an einem Ast. Ich frage mich, wann deren Bohrprojekt beendet ist. Seit Tagen geht das schon so. Aber vielleicht bauen sie ab… und nicht auf. Das wäre mir sehr lieb.

20:45 Uhr Meine Schwiegermutter wünscht mit ihrem Enkelkind zu reden. Da weder Enkelkind, noch Schwiegermutter über ein Handy verfügen, ruft der Römer seinen Bruder an, der das Videotelefonat an seine Mutter weiterreicht. Nur Signorino guckt lieber „Tan“. Dann bequemt sich das Kind, drei Sekunden ins Telefon zu starren, nur um dann wieder „Tan“ zu gucken.

23:00 Uhr Das Kind schläft endlich. Let‘s call it a day!

Gleich geht’s weiter

WMDEDGT – Juni 22

WMDEDGT – Juni 22

Der Monatsfünfte und Frau Brüllen fragt mal wieder, mit was man seine Zeit verbringt. WMDEDGT nennt sie das und hier sieht das so aus:

09:00 Uhr Ich werde von den Kirchenglocken geweckt und drehe mich nochmal um. Keine Ahnung wie viel Uhr es ist. Das rekonstruiere ich erst um…

…09:20 Uhr als ich höre wie sich die Türe zum Wohnzimmer öffnet. Signorino ist auf den Beinen. Ich wecke den Mann, er soll mal gucken gehen. Im Wohnzimmer steht ein ziemlich müder Signorino und dreht sich mit halb geschlossenen Augen umher. Der Römer nimmt ihn und trägt ihn in unser Bett. Man muss es ja nicht gleich übertreiben und aus den Betten springen. Wir kuscheln ausgiebig. Irgendwann steht der Mann auf und macht uns Frühstück.

10:00 Uhr Es sieht bei uns aus wie der Frankfurter Ostpark nach einem langen Grill-Wochenende, also räumen wir auf, schmeißen die Waschmaschine an, die Spülmaschine ebenso, dann saugen wir Staub, aber der Staubsauger macht schlapp und möchte erst geladen werden. Der Römer nimmt dies zum Anlass, seinen Körper zu stählen (die Strandsaison steht vor der Tür!) und macht Liegestützen. Signorino wirft sich auf seinen Rücken, was den Trainingseffekt mindestens verdreifacht.

12:00 Uhr Heute ist Pinsatag. Wir bestellen bei unserer liebsten Pinseria und ich entscheide mich für Lachs, Spinat und Käse. Mario Monti nennt der Römer diese Pinsa und lacht über seinen eigenen Witz laut und schallend. Eigentlich heißt die Pinsa Mare e Monti, Meer und Berge und nicht wie ein italienischer Politiker. Der Römer bestellt eine Pizza mit viel Gemüse (die Strandsaison!) und Signorino bekommt eine Margherita. Wir warten auf den Lieferdienst. Er kommt früher als geplant. Essen, Espresso und für mich ab in die Dusche, da ich immer noch im Hausanzug bin.

14:00 Uhr In den Wald oder nicht? Das Kind ist müde und quengelig. Wir entscheiden uns dagegen, da er auf der Rückfahrt sicher einschlafen würde und wir auf einen frühen Feierabend hoffen. Der Römer wegen seines Doktorat-Projekts und ich, weil ich am Mittwoch zur Prüfung antreten will. Wir gehen Richtung Stammspielplatz, biegen aber kurz vorher ab, da der kleine Spielplatz komplett leer gefegt ist. Viel Rutschen, Wippen, Feuerwehrauto fahren und Tauben jagen steht auf dem Programm.

Signorino fährt das Feuerwehrauto wie ein Profi.

15:00 Uhr Ich entdecke den Römer auf dem Südbalkon. Er guckt sich meine Pflanzen an, die er meist als „belle ma inutili“, schön aber unnütz, bezeichnet. Dazu tröpfelt ein leichter Sommerregen vom grauen Himmel herunter. Es ist eine wahre Freude hier draußen zu sein. Ich setze mich neben ihn. Kurz mal durchatmen und ins Grüne gucken.

7 Tomaten und eine Chilli stehen auf dieser Seite des Balkons. Gurken, der Feigenbaum und der Granatapfelbaum stehen auf der anderen Seite.

17:00 Uhr Eine kleine Eispause. Ich verabschiede mich zum Lernen und bleibe doch bei WordPress hängen. Nur kurz lesen, nur kurz liken, alleine beim Kommentieren – Sie merken es selber – hinke ich hinterher. Die Privatspielplätze hinter unserem Haus sind gut besucht. Ich hole mir die Kopfhörer aus dem Wohnzimmer und stelle „White Noise – 3 hours“ ein. Dann quäle ich mich durch die 64 Karteikarten, die ich auswendig lernen muss und die bis Mittwoch sitzen müssen.

19:00 Uhr Es gibt heute sehr früh Essen. Der Römer hat genauso gekocht wie dieser Tag war: Völlig schnörkellos, aber sehr angenehm. Es gibt grünen Spargel, Spiegelei und eine Scheibe Brot. Das Kind will nur Butter(brot), was sich darin zeigt, dass es die Butter ableckt und wenig Brot ist. Danach isst er einen Joghurt. Alle satt, alle glücklich und für einen Bewohner heißt es: Schlafanzug an. Der Römer telefoniert derweil nach Albanien. Wir dürfen auch in die Kamera winken.

21:00 Uhr Das Kind ist im Bett, der Pflaumenkuchen im Backofen, ich widme mich meinen Karteikarten und dann heißt es: Let’s call it a day! Heute war seit langem ein sehr, sehr entspannter Tag.

WMDEDGT – Mai 2022

Der Monatsfünfte und Frau Brüllen vergisst erstmal fragt mal wieder, mit was man seine Zeit verbringt. WMDEDGT nennt sie das und hier sieht das so aus:

07:20 Uhr Ich darf heute meinen gestrigen, verpassten Arbeitstag nachholen. Da die Kita wie jede Woche (in der kein Feiertag ist) gestreikt hat, freue ich mich darauf, in Präsenz zu arbeiten, da zwei Kolleginnen meine Anwesenheit vor Ort benötigen. Es regnet, ich muss einen 2jährigen zur S-Bahn schleppen, Sie können sich meine Stimmung vorstellen.

07:40 Uhr Kurzer Knatsch zwischen dem Römer und mir, da er sein Vorfahrtsrecht im Bad als gottgegeben betrachtet. Da ich gerade dabei bin Tabula rasa zu machen, sage ich ihm auch gleich, dass er mir donnerstags nie hilft, das Kind kitafein zu machen.

08;00 Uhr Mein Vortrag hat sofort gewirkt. Er weckt das Kind. Das dauert ein bisschen. Mit Blick auf die Uhr übernehme ich schlussendlich. Er fängt vor mir an zu arbeiten. Das Kind steht auf, geht in die Küche, ruft “Kissen! Kissen!”, geht aus der Küche und legt sich schnurstracks wieder zurück ins Bett – auf sein Kissen. So ein Tag ist das also. Ich persönlich finde die Idee genial und würde auch gerne “Kissen! Kissen!” machen, aber irgendjemand muss die verlorenen Stunden durch den Kita-Streik wieder reinarbeiten. Letztendlich schlage ich vor, dass er Peppa Wutz gucken kann, während er frühstückt. Es scheint zu wirken. Da das Kind beschäftigt wirkt, lege ich mein Büro-Make-Up auf. Diesmal sogar mir rotem Lippenstift. Wir haben heute Kundenbesuch und ich möchte nicht, dass sie immer meine Turnschuhe mustern. Deswegen lenke ich den Blick geschickt auf meine tiefroten Lippen. Für diese und weitere geniale Beauty-Tipps zögern Sie nicht, mir zu folgen. 😉

08:40 Uhr Das Kind ist frisch bezogen. Obwohl, so ganz wahr ist das nicht. Es hat noch sein Pyjama-Oberteil an, dass ich raffiniert mit einer Zip-Jacke kombiniert habe. Wir können los. Freude!

09:25 Uhr Die Erzieherinnen von Signorinos Gruppe sind nicht da. D.h. er hat irgendeine Vertretung. Fröhlich geht er ins Gruppenzimmer, nur um zu merken, dass seine Bezugspersonen fehlen. Tränen! Mit schlechtem Gewissen muss ich ihn dennoch dort lassen, da ich arbeiten muss. Das ewige Zermürbnis von Eltern eben. Ich hetze zur Arbeit.

09:40 -14:20 Uhr Ich bin in der Arbeit. Vorbereitung Kundentermin. Mehrere Anrufe. Organsieren, koordinieren, an den Chef delegieren, das Übliche eben. Dazwischen eine zehnminütige Mittagspause mit den Kolleg*innen.

14:20 Uhr Der Laptop ist in meinem Rucksack. Ich wünsche dem Kollegen ein schönes Wochenende. Er guckt irritiert. Ich hetze durchs Treppenhaus nach unten. Im zweiten Stock steht ein Konsulatsmitarbeiter (oder der Konsul himself?!) und übergibt etwas Kleines an einem Herrn im Trainingsanzug. Der Konsul guckt irritiert als er mich sieht. Ich auch, aber nur weil der Herr im Trainingsanzug dem Konsul des Konsulats einen Liter Sonnenblumenöl mitgebracht hat. Anscheinend wird das Öl nun offiziell als Währung in verschiedenen Ländern akzeptiert. Und wir Volltrottel horten nur Olivenöl im großen Stil…. So ist das eben, wenn man auf das falsche Öl setzt. Nach dieser irritierenden Szene geht’s zur Kita und ich sammle das Kind ein. “Heute hat er nicht geschlafen.”, flötet die Erzieherin. Ich grinse unter der Maske, denn das heißt früher Feierabend als Eltern. Am Dienstag hat er zwei Stunden geschlafen und das bedeutete: Um 23 Uhr schlief er endlich ein. Wir gehen zur Straßenbahn.

Hätten wir nur auf das richtige Öl gesetzt.

14:40 Uhr Die Straßenbahn hat eine neue Route. Bumsfallera, wir bekommen die ganz große Frankfurt-Tour über Sachsenhausen. Ein Rentner-Ehepaar steigt ein. Sie foppen sich gegenseitig. Immerhin haben sie sich noch etwas zu sagen. Nach 25 Minuten zahle ich den Preis für Signorinos ausgefallenes Mittagsschläfchen. Er schläft in der Tram ein. Ich trage das schlaffe Kind nach Hause. Mir fällt dabei beinahe der Arm ab. Einige Frankfurter Fußball-Fans kommen mir entgegen. Anscheinend geht es heute um etwas. Ich muss mal den Mann fragen. Der wird das wissen.

18:00 Uhr Der Römer kommt heim, snackt Signorinos Schüssel mit Blaubeeren weg und gibt dann an, Hunger zu haben. Bevor er sich seine kleine Wohlfühl-Platte aus lauwarmen Brot, Tomaten und einer feinen Auswahl an verschiedenen Käsesorten zubereitet, teile ich ihm mit, dass wir nachher “aber schon noch” (O-Ton) essen und dieses Nachher hoffentlich bald ist. Am Ende isst er ein Stück Brot mit einer kleinen Käseauswahl. Signorino schreit aus dem Kinderzimmer nach uns. Ich bleibe wie festgetackert sitzen, da ich heute genau 10 Minuten Mittagspause hatte und nur gerannt bin. Der Mann scrollt seelenruhig durch sein Handy. Ich räuspere mich. Signorino fordert Hilfe beim Lego-Aufzug ein. Der Mann, immer noch tiefentspannt, ignoriert uns. “Maaaaamaaaa! Aufzug!!!”, wird nun eindeutig aus dem Kinderzimmer gebrüllt. “Signorino meint dich.”, säusle ich. Der Mann guckt auf, seufzt, geht ins Kinderzimmer. Bei aller Liebe, aber ab und an darf sich der Gatte auch erheben.

20:00 Uhr Das Kind liegt im Bett. Hallelujah! Wie immer durfte ich ihn bringen, weil er mit mir in wenigen Minuten einschläft. Mit seinem Vater will er lieber „T(r)eppen“ aus Lego bauen. Der Mann ist so fertig vom „Nicht-ins-Bett-bringen“, dass er erstmal ein Eis braucht. Ich setze mich hin und fange an, meine Karteikarten fürs Studium zu lernen.

Let‘s call it a day!

WMDEDGT – März 2022

Es ist der 5. und die arme Frau Brüllen, die einen Skiunfall hatte (Gute Besserung!!), fragt wie immer: “Was machst du eigentlich den ganzen Tag?” oder, etwas kürzer:WMDEDGT.

gegen 02 Uhr: Signorino schreit. Ich höre ihn und stelle mich tot. Der Römer wacht wenige Augenblicke nach mir auf und sprintet zu Signorino. Wie eine schnurrige Katze strecke ich mich in unserem Bett aus und döse wieder ein.

08:30 Uhr Der Römer kam nicht wieder. Signorino ist wach und kommt in mein (höhö! so fühlte es sich an) Schlafzimmer. Wir kuscheln, dann will er „Schokoku(chen)“. Leider haben wir keinen. Dafür Schnecken (Huhu! Valentin! 😄 Da musste ich an dich denken). Signorino hüpft aus dem Bett. Er isst wenig Apfel-Schnecke, will dann Joghurt, dann lieber doch nicht, dann will er Brot mit Marmelade. Dann doch nicht mehr. Dadurch, dass das Kind aber momentan so wenig isst, sind wir froh, wenn er irgendetwas isst. Am Ende verspeist er das Franzbrötchen des Römers und der Römer isst den Rest vom Joghurt, den Rest der Schnecke und den Rest des Marmeladenbrötchens. Ich esse nur Schnecke.

09:30 Uhr Wir ziehen uns an. Der Römer beschwert sich, dass ich immer seine Pullis anziehe. Meine sind alle in der Wäsche, außerdem hat er mir seinen grauen Pulli geschenkt. Ich erinnere ihn daran, dass ich sogar eine Katze darauf genäht habe, weil er so unansehnlich war. Ruhig erkläre ich, dass er de facto oftmals meinen Pulli trägt und nicht andersherum. Er gibt auf.

Fröhlicher Katzenaufnäher auf dem Pulli.

10:30 Uhr Endlich ist alles für den Waldspaziergang gepackt. Man möchte meinen, wir fahren in den Urlaub. Heute fühle ich mich danach, etwas neues auszuprobieren. Also fahren wir zur Oberschweinstiege. Dort liegen Baumstämme herum, die das Kind beklettern will. Der Römer hilft. Aber sehen Sie selbst in der Galerie! Das Kind geht heute sehr viel und will partout nicht getragen werden (Juhu!). Am Ende helfen noch zwei Bestechungsquetschies um am Auto anzukommen. Der Römer ist etwas genervt, weil das Kind am Ende im großen Stil ausflippt und er gleichzeitig hungrig ist, was der Gatte aber nicht einsehen möchte. Ich biete dem römischen Ehemann einen Schokoriegel aus meinem Süßigkeitenfach in der Mittelkonsole an und fahre uns nach Hause. Mit zunehmendem Blutzuckerspiegel hört der Gatte auf zu schmollen.

13:30 Uhr Wir sind daheim. Ich beschließe, dass heute Sandwich-Tag ist und grille Auberginen und Paprika im Ofen. Dann vermische ich diese Kreation mit Schafskäse und toaste Bauernbrot. Tada! Essen ist fertig. Das Kind will nur „Bot mit Butti“, Brot mit Butter. Danach vertilgt er eine Banane. Wir beschließen, dass das Kind heute auch ohne Mittagsschlaf durchhalten kann. Nach einer Stunde legt sich der Römer geschafft in Signorinos Bett. Es kann wohl nicht jedes Familienmitglied ohne Mittagsschlaf durchhalten. 😉

15:30 Uhr Wir reden über unseren Urlaub Ende März. Der Römer möchte nach Albanien. Ich gebe ehrlich zu, dass ich momentan so ausgebrannt bin, dass ich mir das nur ungern antun würde. Erholung ist das keineswegs. Ganz im Gegenteil! Wir haben schon eine Beschwerdeliste von Verwandten, die das Kind IMMER NOCH NICHT gesehen haben. Und er ist schließlich schon 2 Jahre alt!!! Dass dazwischen Corona war und wir nicht vier Mal im Jahr nach Albanien reisen konnten, fehlt anscheinend in der Erinnerung der Verwandtschaft. Ich schlage dem Römer vor, dass ich ihm ein Formular ausstelle und beglaubigen lasse, dass er alleine mit Signorino ins EU-Ausland reisen darf. Er winkt ab. So dringend sei es nicht, dass er nach Albanien müsse. Außerdem sei es abends ganz furchtbar kalt. Nicht, dass das Kind sich erkältet. 😄 Ob wir denn stattdessen nach Dubai könnten? „Klar!“, sage ich und frage nach dem Reisebudget. Der Römer überlegt kurz. „800 Euro.“, gibt er schließlich sein Budget preis. „Vielleicht eher Dietzenbach statt Dubai? Aber auch nur, wenn wir daheim schlafen?“, ziehe ich ihn auf. Er versucht‘s mit Südspanien. Wir gucken mal, ob und wenn ja, wohin wir fahren.

17:00 Uhr Nachdem der Römer seit Wochen erwähnt, dass er heute aber ganz unbedingt das Auto innen putzen will, erinnere ich ihn daran, dass er auch heute ganz unbedingt das Auto innen putzen wollte. Er murmelt unverständliches. Ich bringe ihm den Staubsauger. Wir gehen in den Keller, um den neuen Kindersitz zu holen. Dort finden wir auch ein Laufrad, leider unaufgepumpt. Die Ballpumpe hilft auch nicht weiter. Wir nehmen den Auto-Aufzug und ich bekommen nur ein ganz klein bisschen Panik als er laut kracht. Dennoch: Wir kommen oben heil an. Dann putzen wir das Auto, während Signorino auf dem Parkplatz hin- und herläuft. Das Auto ist in einem desaströsen Zustand. 30 Minuten später, Signorinos neuer Kindersitz wurde gerade installiert, ist das Auto sauber. Das Kind, das zu Testzwecken in den neuen Kindersitz gesetzt wurde, weigert sich vehement auszusteigen. Also bringt der Römer den Kindersitz in den Keller und ich warte mit Signorino im Auto. Der Gatte kommt zurück, wir fahren los. Bei den Spritpreisen ist eine Spritztour in der Stadt ziemlich dämlich. Wir düsen ins Westend, dann wieder zurück. Ein Transporter steht in unserer Einfahrt, also fahren wir noch eine kleine Runde. Unglücklicherweise schläft das Kind ein. Nach 15 Minuten sind wir wieder daheim. Das Kind betrachtet es als Affront, ihn aus dem Schlaf gerissen zu haben. Die Laune ist katastrophal, aber noch katastrophaler wäre es, das Kind nicht zu wecken und bis weit nach Mitternacht zu bespaßen. So ist er hoffentlich nur bis 22 Uhr wach.

19:00 Uhr Der Mann macht Pesto. Da das Kind momentan ein schwieriger Esser ist, hoffen wir, damit punkten zu können. Es klappt. Gnocchi mit Pesto werden vom kleinsten Farniente verschlungen. Ich habe heute den festen Plan, dass das Kind vom Mann ins Bett gebracht wird, nachdem ich das seit Wochen und Monaten mache. „Volentieri. [Gerne.]“, sagt der Mann und wir wissen beide, dass das auch heute wieder nichts wird.

21:30 Uhr Das Kind scheint ausreichend müde zu sein. Ich verstecke mich im Bad. Der Mann putzt mit dem Nachwuchs Zähne. Dann legen sie sich ins Bett. Und natürlich flippt der Kleine komplett aus. Komplett. Ich wiederhole im Geiste, dass er auch ohne mich auskommt, zumindest ein „Ins-Bett-bringen“ in drei Monaten. Er lässt sich nicht beruhigen. Ich gehe genervt in sein Zimmer und bringe ihn ins Bett.

Let‘s call it a day!

WMDEDGT- Januar 2022

Es ist der 5. und Frau Brüllen fragt wie immer: “Was machst du eigentlich den ganzen Tag?” oder, etwas kürzer:WMDEDGT.

07:00 Uhr – Aufstehen. Der Römer hat sich schon unbemerkt aus dem Haus geschlichen. Ich esse zwei Kekse, trinke einen Espresso und vier Schluck Tee und begebe mich in die Maske. Für mehr als UV-Creme, Tagescreme und aufgepinselten Lidschatten, den ich als Kajal missbrauche, reicht es trotzdem nicht. Stichwort: Es reicht für die Videokonferenzen, aber live braucht mich auch keiner treffen. Da Homeoffice Pflicht ist, gehe ich davon aus, niemanden im Büro anzutreffen, so wie an den letzten beiden Tagen.

08:00 Uhr – Ich wecke Signorino. Er schläft tief und fest. Die Idee in die Kita zu gehen, findet er zwar nicht berauschend, aber immerhin brüllt er nicht. Er frühstückt extrem langsam. Nach 20 Minuten ziehe ich ihn an während er an seinem Haferkeks nuckelt. Ich biete ihm, damit er überhaupt etwas im Magen hat, Marmeladen gefüllte Schokoherzen an. “Signorino, willst du sowas?”, sage ich und er wiederholt “Sowas.”.Er nimmt das Herz in Empfang, probiert, macht “JamJamJam” (Wirklich!) und schreit dann begeistert “Sowas”. Ich kläre ihn auf, dass “Sowas” nicht der Name der Schokoherzen ist und nenne die korrekte Bezeichnung, doch der Zug ist abgefahren. Nach “Sette” gibt es nun eben “Sowas”.

08:30 Uhr – Es hat 3 Grad Außentemperatur, aber zum Glück nicht Innentemperatur. Blöderweise müssen wir hinaus und können nicht drinnen bleiben. Wir gehen zur S-Bahn, Signorino fragt, ob wir Zug fahren und ich bestätige. Dann geht er erstaunlich lang selbst, bevor er getragen werden will. Ich liefere ihn in der Kita ab, er weint kurz, ich tröste, dann rennt er zum Spielen. Mein Tschüss bekommt er schon gar nicht mehr mit.

09:15 Uhr – Ich nehme meine obligatorische Arbeitssprachnachricht für den Anderen auf. Immer im Grüngürtel beginnend und im Grüngürtel endend, erzähle ich ihm von meinem bevorstehenden Tag und wünsche ihm einen guten Morgen, wenn er um 12 Uhr aufsteht. Er war gerade in L.A., das Jetlag ist noch recht frisch.

09:25 Uhr – Das Licht brennt im Büro, die Tür ist unverschlossen. Ich treffe auf zwei Kollegen und mir wird eine dritte Kollegin angekündigt. Full-House, Wahnsinn! Hätte ich mal lieber heute Morgen das Gala-Makeup aufgetragen. Naja! Chance vertan. Wir treffen uns in der Kaffeeküche wie in alten Zeiten, nur dass ich diesmal ganz beiläufig anfrage, ob sie sich brav getestet haben, denn das müsse ich in meiner Liste vermerken. Mit einem Test in der linken und dem Espresso in der rechten Hand verziehe ich mich in meinen Raum, trinke den Espresso und mache danach den Test. Immerhin hätte ich bei einem positiven Ergebnis einen guten Espresso vorher gehabt. Doch ich bin negativ und darf mich der Entrümpelung der Kammer des Schreckens widmen. Nomen est omen. Es ist schrecklich. Ich versuche alles bei Kleinanzeigen zu verschachern, aber es ist sehr mühselig. Dazwischen bestelle ich Getränke, kümmere mich um Blickschutzbildschirmfolien und kommuniziere das den Kollegen auf Englisch. Falls Sie sich, wie ich heute Vormittag, fragen, was Blickschutzbildschirmfolie auf Englisch heißt: Privacy screen protector. You’re welcome!

10:00 Uhr – Ich telefoniere über die Bundeslandgrenze nach Bayern in die Zentrale. Und siehe da: Die haben morgen schon wieder Feiertag! Heilig Drei König. Ständig gibt es was zu feiern in Bayern. Ich beschwere mich etwas bei meiner Kollegin. Sie zeigt Verständnis und bestellt als Wiedergutmachung vier Bildschirme für das Frankfurter Büro. Immerhin hat jemand Mitleid mit den armen Hessen.

12:15 Uhr – Die Kollegen gehen zum Mittagessen. Ich dürfte natürlich auch mit, aber leider komme ich sonst nicht auf meine Stunden. Also bestelle ich mir eine Bowl, wie man auf hessisch sagt. Leider ohne Reis, stattdessen mit Salat. Das sehe ich aber erst als ich auf den Salat starre. Ja gut! Dann halt “low carb”. Zum Ausgleich gönne ich mir drei Schokoriegel und einen Espresso, damit mein Körper nicht in Aufruhr gerät und streikt. Man weiß ja nie.

14:05 Uhr – Ich packe den Laptop ein, briefe die Kollegen, dass sie dem Kleinanzeigen Kunden bitte aufmachen mögrn und verschwinde in das Grau in Grau Frankfurts. Ein Stück den Grüngürtel entlang, der im Winter auch problemlos Braungürtel heißen könnte, und schon bin ich an der Kita. Kurzes Briefing der Erzieherin, Signorino will nochmal Brot und wir gehen zur S-Bahn.

15:05 Uhr – Wir sind daheim und essen Joghurt und Banane. Dann kuscheln wir uns auf die Couch und gucken Bobo Siebenschläfer*. Jedesmal, wenn Bobo mit Mama Siebenschläfer im Garten ist, und Mama “So, Bobo, jetzt graben wir ein Loch.” sagt, bricht das Kind vor lauter Gelächter vollkommen zusammen.

16:05 Uhr – Der römische Gatte ist daheim. Heute ist Mittwoch und Einkaufstag. Überraschung: Er fühlt sich wie jeden Mittwoch miserabel. Als ich ihm ankündige, dass ich nochmal 2 Stunden arbeiten müsse und wir nicht einkaufen gehen, fühlt er sich immer noch nicht besser. Ich arbeite, Signorino ist sauer auf mich, weil ich keine Zeit für ihn habe, der Römer liegt mit seinem Handy auf der Couch. Ich erinnere den Mann daran, dass Homeoffice nicht bedeutet, dass ich trotzdem für alle ansprechbar bin, während ich auf der Tastatur herumklimpere. “Ma che devo fare?” [Aber was soll ich denn tun?] fragt der Gatte.

18:00 Uhr – Ich habe fertig, wie mancher sagen würde (Wenn Sie den Satz nicht kennen, sind Sie vermutlich noch recht jung. Herzlichen Glückwunsch!). Dann verziehe ich mich in die Badewanne. Manchmal braucht Mutti auch eine Pause. Das Kind brüllt. Ich schreie aus der Badewanne: “Er hat Hunger!!!” Der Römer bestreitet das, denn es sei doch erst 18:30 Uhr. Ich schreie wieder: “Er hat Hunger!!!” Nach dem vierten Mal gibt der Römer entnervt auf und siehe da – Signorino hatte Hunger.

20:00 Uhr – Der Gatte sagt, es gefriert heute Nacht nicht. Ich traue ihm nicht und muss wohl in die Kälte, um die Folie auf die Frontscheibe zu schnallen. Ich gräme mich noch etwas, schließlich ist es kalt und ich bereits im Schlafanzug.

Notfalls fahren wir Zug wie hier in Japan.

21:30 Uhr – Das Kind schläft endlich. Der Mann ist sich sicher, dass es nachts nicht gefriert und deswegen gehe ich heute nicht mehr aus dem Haus und decke das Auto ab. Soll es doch gefrieren! Dann kratze ich die Scheibe halt ab, während Signorino ums Auto herumläuft. 🤷🏻‍♀️

21:45 Uhr – Der sonst so beratungsresistente Mann fragt ausgerechnet mich nach Ratschlägen zu Zitationsstilen und Uni-Kram. Entweder er kennt niemand anderen oder er vertraut tatsächlich meiner Expertise? 🧐 Ich erkläre ihm etwas und er hört aufmerksam zu. Wenn Sie wüssten, wie das damals bei unseren internen Deutschunterricht ablief, wo er jedes Satzteil meinerseits anzweifelte, dann würden Sie sich jetzt ebenso wundern wie ich.

Ich beschließe zu lesen und dann ins Bett zu gehen. Let’s call it a day!

WMDEDGT – Dezember 21

Es ist der 5. und Frau Brüllen fragt wie immer: “Was machst du eigentlich den ganzen Tag?” oder, etwas kürzer: WMDEDGT.

09:00 Uhr Das Kind tappst in das Kinderzimmer, wo ich alleine schlief und immer noch schlafen möchte. Wir einigen uns auf kuscheln. Der Mann tappst hinterher, gibt mir einen Kuss und hört sich immer noch angeschlagen an. Dennoch fühlt er sich im Stande, Croissants in den Ofen zu legen und für das Kind Haferbrei zuzubereiten. Schlussendlich lässt er noch zwei Espressi aus der Maschine und setzt das Teewasser auf. Ich lese die Signorino’schen Kinderbuchklassiker, die der Nachwuchs mittlerweile (zum Teil) mitsprechen kann. Es geht in etwa so:

Ich: Lea stößt sich ihren Zeh. Das tut richtig, richtig…

Kind: WEH!!!

Ich: Tröstet sie der Schnuller?

Kind: NEIN!!!

Ich: Oma muss jetzt bei ihr sein.

10:00 Uhr Die Wohnung muss geputzt werden. Wir sortieren, räumen auf, saugen und wischen. Das Kind ist mehr oder weniger hilfreich. Am Ende putze ich das Bad, während Signorino seine Spielküche im großen Stil unter Wasser setzt. Selbst die Kinderzimmerwand ist nass. Zweisprachiges Schimpfen prasselt auf Signorino nieder. Der kleine Kerl lacht und will weiter Quatsch machen. Wir machen ihm deutlich, dass das großer, großer Sche*ß (O-Ton) ist. Er läuft durch die Wohnung und schreit „Sch*iß“. Heute sind wir wirklich wieder ganz tolle Eltern. Am Ende saugt er mit dem Staubsauger den Esstisch ab und fegt fast alles vom Tisch. Da ich wieder ins Bad zurückgegangen bin, um den Spiegel zu putzen, gibt es viel Geschrei zwischen dem Römer und Signorino. Am Ende kommt das heulende Kind ins Bad und will mir verständlich machen, dass Papa ihm den Staubsauger weggenommen hat. Ich tröste und beteuere, dass Papa das schon ganz richtig gemacht hat und Staubsauger nichts für Kinder sind – besonders, wenn er damit die Obstschale vom Tisch schleudern will.

12:00 Uhr Wir gehen an die frische Luft. Die große Tour de Paket wartet auf uns. Erst zur gelben Packstation, denn zwei Pakete müssen auf den Weg gebracht werden. Blöderweise, oder in Signorinos Fall, praktischerweise liegt diese in einer Bahnstation. Und Bahnstation bedeutet, Rolltreppen und Rolltreppen bedeuten grenzenloser Spaß. Wir geben die Pakete ab und nehmen den Weg von einer Seite des Bahnhofes auf die andere – hoch oben, immer dem Bahnsteig entlang. Davor und danach kann Signorino Rolltreppe fahren, was dazu führt, dass er nicht im großen Stil ausrastet. Win-Win sozusagen. Auf der anderen Seite des Bahnhofes liegt die schwarze Packstation. Ich hole ein Paket ab. Der Römer will wissen, was darin ist. Als ich mit „Silikon-Plätzchenunterlage“ antworte, lacht der sehr charmante Mann: „Die wird eh nur bei uns daheim herumliegen. Tu uns einen Gefallen und schick sie gleich zurück.“ Pff! Wird er schon sehen wie oft ich sie benutzen werde. Notfalls bekommt er sie nächstes Jahr zu Weihnachten. 😉 Wir schlendern heim. Dort angekommen mutiert Signorino zu einer unkontrollierbaren Katze. Er klettert auf den Stuhl und reißt die Orchidee vom Fensterbrett. Das macht er natürlich heimlich während wir uns die Jacken ausziehen. Als ich das römische „Ma che ca**o stai facendo?“, höre, weiß ich Bescheid. Hier ist mindestens eine mittelgroße Katastrophe in Gange. Signorino wird in sein Zimmer geschickt. Wir räumen alles auf und saugen nochmals durch. Immerhin sehe ich, dass der Topf viel, viel zu klein für die Orchidee ist. Deswegen werde ich nächste Woche wohl zum Baumarkt fahren müssen und ihr einen neuen Topf spendieren.

13:30 Uhr Wir haben zu Mittag gegessen. Das Kind gehört ins Bett. Ich übertrage dem Römer diese Aufgabe und mache mich daran, die Nikolaus-Aufmerksamkeiten einzupacken. Dieses Jahr bringt er eine Kleinigkeit für Turtle und Signorino. Wir sind leider leer ausgegangen. Vielleicht sind wir nächstes Jahr artiger. 🙂 Wenn es dämmert, wird es auf dem Balkon versteckt.

15:00 Uhr Als ich Turtle zum verfrühten Nikolaus-Fest eingeladen habe, habe ich nicht bedacht, dass wir weder Kuchen noch Plätzchen daheim haben. Der Römer schlägt Apple Crumble vor. Guter Mann! Geht schnell – und noch wichtiger: Wir haben alle Zutaten daheim. Selbst Vanilleeis hätten wir daheim. Und wer kennt ihn nicht, den typischen Nikolaus-Crumble. Eine alte, bayerische Tradition… oder ist es doch eine römische? 😉

15:40 Uhr Das Kind wird von uns geweckt. Der Römer düst ins Bad ab. Seinen Bart müsste er stutzen, gibt er an. Er hat vermutlich nur keine Lust, ein gewecktes und nöliges Kind zu bespaßen. Wenig später klingelt es. Ich vermute, es ist Turtle. Sie wäre aber 40 Minuten zu früh. Das ist normalerweise nicht ihr Stil. Letztendlich ist es der Nachbar mit dem ähnlichen, aber arabischen Nachnamen, der immer unsere Post bekommt (und umgekehrt). Schön ein Gesicht zum Namen zu haben.*

16:40 Uhr Tante Turtle kommt vorbei. Der Apple Crumble wird serviert und wir essen. Der Kleine findet erst Apple Crumble blöd, dann doch gut, dann findet er am besten Turtles Apple Crumble auf Turtles Teller. Als alle gegessen haben, was für eine Überraschung, entdecke ich doch tatsächlich zwei gefüllte Stiefel auf dem Balkon. Der Kleine findet Bausteine klasse, aber dass das ein Pizzeria Set ist, ist ihm total egal. Hauptsache Legosteine. Turtle freut sich, dass der Nikolaus an sich gedacht hat. Wir lesen Ausschnitte aus ihrem Buch. Etwas später bestellen wir Pizza.

18:30 Uhr Die Pizza kommt an. Sie ist okay. Der Römer findet sie schrecklich, obwohl wir schon das dritte Mal dort bestellt haben. Mein Lieblingsladen war das eh nie.

20:00 Uhr Turtle bricht auf. Der Römer bringt sie zur Bahn. Jetzt geht’s für den Mini gleich in die Badewanne. Das wird wieder der Brüller – im wahrsten Sinne des Wortes. Baden führt hier immer zu großem Geschrei.

22:00 Uhr Das Kind ist im Bett! Hallelujah! Let’s call it a day.

Gleich geht’s weiter….

*Da kommt meine innere Frau Keifflinger raus.

WMDEDGT – Oktober 21

Es ist der 5. und Frau Brüllen fragt: “Was machst du eigentlich den ganzen Tag?” oder, etwas kürzer: WMDEDGT.

07:00 Uhr Der Wecker klingelt. Ich krieche aus dem Bett. Es war mal wieder eine bescheidene Nacht. Seit zwei Wochen wacht Signorino im 20 Minuten Takt auf. Zähne, Schub oder Was-auch-immer… Irgendwann ist es einem auch recht egal, was genau einem den dringend benötigten Schlaf raubt. Ein müder Römer kommt aus dem Kinderzimmer, dass kein Kinderzimmer, sondern viel mehr ein Römerzimmer ist. Das Kind will eh nicht allein schlafen und schläft im Elternzimmer, das ein Mutter-Kind-Zimmer ist. Wir frühstücken schnell. Ich eile ins Bad. Mit etwas Farbe im Gesicht sehe ich beinahe aus wie Gottes Geschenk an die Menschheit. Aber auch nur beinahe. 😉

08:10 Uhr Das Kind wird geweckt. Es hustet immer noch viel und ist verschnupft. Wir wissen nicht, ob er für den geplanten Rom-Aufenthalt in zwei Tagen fit ist. Hauptsächlich wegen des Fluges bin ich besorgt. Mit Erkältung zu fliegen ist kein Spaß. Das kann ich Ihnen aus eigener, leidvoller Erfahrung sagen.

Ob wir dieses Bild bald in live sehen?

08:40 Uhr Wir verlassen das Haus. Diesmal ist die Müllabfuhr früh dran und wir stottern nicht die ganze Allee hinter den fleißigen Jungs her. Ich fahre uns auf die andere Seite der Stadt. Wir parken, klappen den Buggy auf und eilen zur Kita. Wir geben Signorino ab, ich übergebe der Erzieherin ein paar Sachets Erkältungstee zum Probieren. Dann machen der Römer und ich uns auf den Weg zur Arbeit. An der Ampel trennen sich unsere Wege. Ein paar Meter durch den Grüngürtel, dann bin ich schon im Büro. Vier Stockwerke und ich bin so außer Atem, dass ich ein Sauerstoffzelt bräuchte. Mittlerweile ist es

09:40 Uhr Ich fahre den PC hoch, fröne meiner Arbeit zwischen Botengängen und Geburtstagskalendern (Ergebnis: Ich bin alt! Man könnte ich sagen, ich bin die Mutter Beimer des Büros) und dann ist es auch schon

14:10 Uhr und ich eile zur Kita. Signorino ist komplett angezogen und wartet an der Tür auf mich. Wir schlendern zum Parkplatz vor der alten Wohnung und düsen heim.

15:00 Uhr Daheim angekommen kämpfe ich mich durch den Haushalt, was sinnlos ist, denn das Kind verwüstet alles hinter meinem Rücken. Es ist wie ein mir ständig folgender Tornardo. Na gut. Ich frage ihn, ob er mir einen Kaffee machen kann. Er läuft in sein Kinderzimmer, macht mir einen Kaffee an seinem roten Kaffeevollautomat und mir bleibt genug Zeit, richtigen Kaffee an meiner Kaffeemaschine zu machen.

16:00 Uhr Der nette Herr vom Autohaus ruft an. Man müsse meine Reifen für die Fünf-Meter-Kutsche bestellen. 14 Tage dauert das ungefähr. Ob wir auch gleich die Sensoren austauschen sollen. Er erklärt mir die Pros und Kontras. Da ich gerne ein stressfreies Leben habe, entscheide ich mich dafür. Er will sich erkundigen, wie viel die Sensoren kosten. Ob wir den Service-Termin dann auf den Reifenmontiertermin verschieben sollen, frage ich. Als er hört, dass ich seit 60(!) Tagen ohne Service durch Frankfurt schlittere, bittet er mich, den Termin nicht zu verschieben.

19:00 Uhr Der Römer schreibt, dass er früher heimkommt. Die Freude ist groß – auf allen Seiten. Und nur fünf Minuten später steht er vor der Tür. Er verzieht sich nach einer Begrüßungsküsschenrunde zum Kochen. Signorino und ich bespielen die Rutsche. Die Lieblingsversion des Kindes ist, dass ich ihm helfe, die Rutschfläche von unten nach oben hochzulaufen, dann dreht er sich am höchsten Punkt um 180 Grad und ich mache eine Version von Engelchen-Flieg, in dem ich ihn an den Armen packe und nach unten segeln lasse. Wir spielen dieses Spiel unzählige Male bis Mutter Beimers Rücken klagt. Dann ist das Geheule groß und ich bin froh, dass der Römer die Pasta auf den Tisch stellt. Das Kind hat bereits gegessen und es ist „crazy time“. Das bedeutet, dass ihm nur noch affige Ideen mit hohem Gefahrenpotenzial in den Sinn kommen. Je müder das Kind, desto absurder die Ideen. Es ist ein ständiges Diskutieren, Heulen, Schreien und ich bin froh, wenn die Zeit des „Ab ins Bett!!“ naht.

21:10 Uhr Und da ist sie auch schon: Die Ab-ins-Bett-Zeit. Der Römer erbarmt sich, während ich mich durch Anträge und Flugticketbuchungen kämpfe. Um 21:50 Uhr fallen mir beinahe die Augen zu, aber ich will noch eine Stunde des Einführungsseminars meines aktuellsten Arbeitgebers mitbekommen.

Gute Nacht und Cheerio!

WMDEDGT – September 21

Es ist der 5. und Frau Brüllen fragt: “Was machst du eigentlich den ganzen Tag?” oder, etwas kürzer: WMDEDGT.

Alle anderen Mitblogger finden Sie übrigens hier.

Die Frage ist heute schnell beantwortet. Das Kind und ich liegen flach, gleichzeitig haben wir drei Farnientes einen Umzug zu meistern. Dabei sind die beiden Wörter “flach liegen” vollkommen irreführend. Keiner liegt und schon gar nicht flach. Das Kind weint viel, verweigert jegliche Medikamente und ist auch ansonsten recht instabil, läuft aber viel durch die Wohnung und still stehen stellt keinerlei Option da. Ich weine etwas weniger, nehme meine Medikamente, aber die Erkältungsviren haben in meinem Erwachsenenkörper viel mehr Spielfläche, um sich so richtig auszuleben. Gerne würde ich flach liegen, doch es gibt keine Möglichkeit dazu.

Die Nacht war miserabel. Der Morgen dramatisch. Mittags schlief das Kind und wachte mehrmals schreiend und vollkommen empört auf, weil es von seinem eigenen Hustenanfall geweckt wurde. Der Umzug wächst uns über den Kopf. Anstatt auf Kita und vier fleißige Hände zu vertrauen, ist die bittere Wahrheit, dass nur der Römer fit ist, das Kind so unmöglich in eine Betreuungseinrichtung gebracht werden kann und ich mich wie ein frisch geborenes Fohlen durch die Wohnung bewege. Wie sich die Situation letztendlich löst, erkläre ich Ihnen in den nächsten Tagen. Denn bis jetzt weiß ich es selber nicht wie wir diese Tage überstehen sollen.

“Wer rettet die Welt?” – Ich sicher nicht. Nicht heute.

Haben Sie’s fein, bleiben Sie gesund und Cheerio, Miss Sophie!

WMDEDGT – August 21

Es ist mal wieder soweit: Wie jeden 5. des Monats will Frau Brüllen wissen: „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“ oder, etwas knapper, WMDEDGT?

09:05 Uhr – Nach einer grausamen Nacht, in der halbstündlich Signorino entweder seinen Schnuller verlor, kuscheln wollte, dann doch wieder nicht, dann Durst hatte, daraufhin Papa erst zu weit weg war und dann zu nah dran, klingelt mein Wecker. Der Kleine schläft selig. Der Große ist schon weg. Kaffee, Tee und Cantuccini für mich – und das in Ruhe.

10:20 Uhr – Meine Frühstückscantuccini sind versteckt, um mir das erste morgendliche Drama (Warum isst Mama Kekse und ich darf nicht?) zu ersparen. Jetzt kann ich das Kind wecken. Natürlich schläft er jetzt wie ein Stein. Das war schon so, als er noch in seiner Fruchtblase schwamm. Nachts war Party – und ab 8 Uhr hat er dann bis nachmittags geschlafen. Trotzdem bestehe ich darauf, dass er aufsteht. Wir haben schließlich um 11:45 Uhr einen wichtigen Termin. Schnelles Frühstück für Signorino. Noch schnelleres Anziehen und dann los!

11:17 Uhr Das wird eng. Wir marschieren los über die Flößerbrücke nach Dribbdebach (Sachsenhausen). Erst auf der anderen Seite fällt mir ein, dass die Überquerung der Ignatz-Bubis-Brücke einen Hauch schlauer gewesen wäre. Egal – dann laufe ich halt am anderen Ufer entlang bis zum Bürgeramt Sachsenhausen. Und laufen ist das richtige Stichwort, denn genau das ist meine Geschwindigkeit. Schließlich komme ich um 11:40 Uhr an – fünf Minuten vor Termin. Der Herr an der Rezeption des Bürgeramtes, der mir meinen Online-Termin freischaltet, weißt mich sogleich darauf hin, dass es heute etwas dauert. „15 bis 20 Minuten müssen Sie schon rechnen.“ Ich nicke. Am Ende werden es 35 Minuten Wartezeit. Ein Klacks mit einem aktiven Kleinkind. 30 Minuten verbrachten wir damit, pausenlos aus dem Bürgeramt rauszulaufen, die minimale Anhöhe herunter, um sie sogleich wieder hochzulaufen, nur um dann wieder in den Wartebereich des Bürgeramtes einzulaufen, die Arme hochzureißen, vorbei am Fotoautomat, hinein, zurück (weil Mutti schimpft) und wieder raus aus dem Wartebereich. Wir waren eine Attraktion, auf die ich gut und gerne hätte verzichten können. Schlussendlich erscheint unsere Wartenummer auf dem Display und wir rollen zu Tisch Nummer Vier. Alles wird umgeschrieben, überklebt und abgestempelt. Das ist mein viertes Stadtviertel in Frankfurt – in sechs Jahren. Ich beschließe, dass ich es damit bewenden lassen kann. Jedoch habe ich/haben wir noch nie in Dribbdebach, sondern immer nur in Hibbdebach gewohnt. Falls Ihnen das alles zu viel hibbde (hüben) und dribbde (drüben) ist und Sie am Ende nur Bahnhof verstehen: Hier wird das sehr schön erklärt.

12:40 Uhr Holdrio! Es ist vollbracht. Wir kehren, diesmal deutlich gemächlicher, nach Hause zurück und ich mache ein paar Fotos.

13:00 Uhr Ich beschließe, dass Kochen für mich jetzt gerade keine Option darstellt, also bemühe ich den hiesigen Supermarkt-Lieferdienst, der neuerdings Bowls anbietet. Einen 10 Euro Gutschein finde ich auch noch im Internet und so landen zusätzlich noch eine Packung Joghurt, Milch, zwei Franzbrötchen und eine Käsestange im Warenkorb. 14 Minuten später steht ein sehr freundlicher Jungspund vor meiner Tür und überreicht mir die Einkäufe. Ich überreiche ihm das Trinkgeld. Alle sind glücklich. Signorino isst etwas Käsestange und beginnt dann, sie zu zerfleddern, was zunächst unbemerkt bleibt, da ich meine Bowl genieße. Sie ist tatsächlich sehr lecker, was mich wiederum sehr freut.

14:45 Uhr Das Kind schläft endlich – nach einer Stunde voller Bemühungen. Der Römer ruft an und will wissen, wie es beim Bürgeramt lief. Lange haben wir nicht Zeit zu plaudern, denn seine Arbeit ruft, sowie mein Studium. Wenigstens das zweite Kapitel des wissenschaftlichen Arbeitens will ich fertig machen, bevor es mich fertig macht.

16:30 Uhr Ob ich im neuen Stadtviertel auch so viele Gelegenheiten haben werde, mein Hessisch zu perfektionieren, wie im hiesigen Quartier? Gerade stritten sich zwei Baudekorateure vor meinem Fenster und das im feinsten Hessisch. Es war eine sprachliche Fundgrube für mich. Für einen Moment musste ich mein Studienskript zur Seite legen und ein paar, besonders schöne Wörter (Hinnäääzimmä = Hinterzimmer) nachsprechen. Dann kam noch der nüchterne Sohn* von Frau Becker, der 89jährigen Dame in unserem Haus, angefahren und schrie bereits von der Straße hoch zu ihrem Balkon: „Muddäääär?! Muuuuddääär?! Ich bin’s, Mudääär!“

*Frau Becker hat auch noch einen, dem Alkohol etwas mehr zugewandten Sohn mit einem aufgeregt kläffenden Hund.

18:00 Uhr Der Römer kommt nach Hause. In der Hand trägt er Post von meinem Primärarbeitgeber. Mal schauen, ob mein Teilzeit-Gesuch anerkannt wurde. Aber ich meine gelesen zu haben, dass dieses Jahr alle Teilzeit-Erstwünsche akzeptiert wurden. Klar, in der Krise wäre ich um jeden froh, der Teilzeit arbeiten will. Das Kind verweigert seine Nudeln. Der Römer isst diese gerne und bereitwillig. Dafür bekommt Signorino Brot mit Butter (Zwieback ist aus).

19:00 Uhr Große Überraschung: Ich habe meinen Teilzeitwunsch bekommen. Leider ist es nicht der, von dem ich ausging. Wir überlegen wie wir das organisiert bekommen. Wird schon, irgendwie. Muss ja. Aber ein wenig Panik steigt in mir hoch, wenn ich daran denke. Danach Spielplatz. Hauptsächlich nutzen wir die Schaukel, dann den Sandkasten. Am Ende regnet es dicke Tropfen. Wir eilen nach Hause und das Gewitter stoppt (vorerst).

20:35 Uhr Das Kind verspeiste sein zweites Abendessen anstandslos. Der Römer ist einkaufen gegangen. Nun regnet es in Strömen. Kam das Gewitter also doch noch und hat gewartet bis es den Römer für sich alleine hat. Hm… abholen wäre mit Kind logistisch zu schwierig. Er muss vermutlich warten bis es aufhört oder aber er rennt durch den Regen.

21:15 Uhr Der Römer schreit nach Albanien. Die Damen des Hauses (Schwägerinnen, Nichte, Mutter) stehen Schlange, um Signorino zu sehen. Wirklich, das ist kein Witz. Sie stehen in einer Schlange. 😄 Ich koche, Signorino huscht zu mir. Es ist wohl zu viel weibliche Verwandtschaft. Immerhin weiß ich, dass es allen “mire” (gut) geht und uns geht es anscheinend auch “mire”. Alles mire also. Man freut sich sehr auf den Römer, der morgen (alleine – wir, Signorino und ich, wurden ausgeladen von ihm) kommt. Es sei sehr heiß. Im Süden brennt’s. Morgen kommen Helikopter aus den Niederlanden, um beim Löschen zu helfen. Danach essen wir.

23:30 Uhr Das Kind ist außer Rand und Band. Somit denkt es partout nicht ans Schlafen. Let’s call it a day, auch wenn Signorino anderer Meinung ist.