WMDEDGT – Januar 21

Heute gibt es ein (Quasi-)Novum. Ich wollte so gerne bei Frau Brüllens WMDEDGT am 05. jeden Monats mitmachen.

And here we go:

9:20 Uhr Ich wache zwischen Bett 1 und Bett 2 verknotet auf. Signorino erzählt – natürlich mit seinem Kopf auf meinem Kissen. Als er merkt, dass ich die Augen aufgeschlagen habe, dreht er sich um und will am Kopfteil hochklettern. Ich stütze ihn, damit wir den ersten Unfall des Tages vermeiden können. Indessen frage ich mich, wo der Römer hin ist. Heute arbeitet er doch erst um 10:40 Uhr. Ich höre Fragmente von Gesängen (ein Ritus? ein Iktus?) und Wasser in der Dusche spritzen. Er ist also wach.

9:40 Uhr Ich bereite Signorinos Frühstück vor. Der Römer kümmert sich derweil um Signorino und mosert, dass er lieber ohne uns frühstückt, wenn er zur Arbeit muss. Wir halten „sein System“ auf. Nachdem alles fertig ist, meckert Signorino rum, weil er lieber unseren Schokokuchen anstatt des schnöden Haferbreis haben will. Der Römer isst in der Küche, damit Signorino den Schokokuchen nicht sieht und sich doch noch mit seiner Haferpampe abfindet. Es klappt. Ich trinke derweil nur Espresso.

10:20 Uhr Jetzt aber schnell! Der Römer gelt noch eine letzte Strähne in die richtige Richtung, setzt seine Mütze so vorsichtig auf wie meine Oma damals ihre Dauerwellen-Regenhaube und verschwindet. Wir sind allein. Das heißt: Die Spülmaschine bekommt nun besondere Zuwendung. Ausräumen, einräumen, Küche aufräumen, währenddessen übt sich Signorino an der Sportart „Parkour“. Er hangelt sich an den Küchenschränken entlang, dann an mir (und zwickt wie verrückt!), dann am Wäschekorb, dann Richtung Waschmaschine… Immer wieder stoppt er um Sachen aus den Regalen zu räumen. Ich stehe verrenkt zwischen Signorino und den Aufgaben in der Küche da und es erinnert mich stark an das Spiel Twister: „Rechte Hand auf Signorinos Kopf, linker Fuß vor Waschmaschine, rechtes Bein hält Küchenschrank zu…“

10:40 Uhr – Ultimo Ratio: Kinderlieder. 1:30min Aramsamsam für Signorino, damit ich die Küche in eben dieser Zeit zumindest etwas ordentlicher verlassen kann.

11:20 Uhr Wir lesen bzw. wir machen das, was wir lesen nennen. Signorino räumt alle Bücher aus seinem Fach, schlägt eins auf, ich lese zwei Seiten vor und er zieht ein neues Buch hervor. So geht das 30 Minuten lang. Dann holt er seine Stofftierraupe hervor und guckt sie begeistert an.

12:00 Uhr Signorino isst Milchreis und erzählt währenddessen. Von „Mmmh“ und „Mama” gekrönt, scheint es ihm zu schmecken. Wir unterhalten uns auf „dada-risch“. Er scheint aufgebracht und schreit durch die Wohnung. Am Milchreis kann es nicht liegen, ich hab ihn probiert.

13:00 Uhr Der Römer kommt nach Hause. Er hatte tatsächlich nur zwei Patienten. Gestern dachte er noch, dass wäre ein Fehler im System, doch es bestätigte sich. Wir haben keine Lust zu kochen und einigen uns auf Thailändisch. Matsaman Curry möchte er nicht mehr, obwohl er das immer nimmt. „Die Kartoffeln schmecken da zu sauer.“ Er schwenkt auf gebratenen Reis um. Die Ente dazu kann ich ihm ausreden, da er sonst, mit fehlender Galle, wie ein Schluck Wasser in der Kurve hängt. Er nimmt Rind. Und ich Hühnchen.

13:10 Uhr Ich bringe Signorino ins Bett bzw. ich trage ihn minutenlang ins Bett. Eine einfachere und effektivere Methode haben wir bis heute nicht gefunden.

13:15 Uhr Signorino hat die Augen geschlossen; ich halte ihn noch im Arm. Es klingelt. Der Römer macht auf: Hallo! – Hallo! – Paket für Sie! *biep* Danke! Tschüss! Tschüss! Es war der Postbote mit den Blinklichtern für den Kinderwagen, damit wir spätnachmittags nicht immer halb zusammen gefahren werden unten am Main. Signorino ist dementsprechend wieder wach. Nächste Runde!

13:30 Uhr Signorino schläft endlich. Ich lasse den Römer leise aus der Wohnungstür, damit er beim Thailänder vorbeigeht und die Beute beiden Gerichte abholt.

13:45 Uhr Der Römer war erfolgreich. Wir essen. Die Qualität ist immer tippitoppi beim Thai um die Ecke.

14:30 Uhr Der Eine und ich schreiben. Wir wollen uns zum Spazieren gehen verabreden – mit Maske, an der frischen Luft, mit Abstand,… Sie kennen das Spiel. Wir verabreden uns für 15:30 Uhr. Er kommt hierher.

15:30 Uhr Ich sehe vom Wohnzimmerfenster aus, dass der Eine telefonierend vorbeischleicht. Schuhe, Mantel und die Leichtdaune ziehe ich fix über. Signorino, mittlerweile wach, guckt mich vorwurfsvoll an. Ich verabschiede mich. Kuss für alle Farnientes und ab!

15:30-18:00 Uhr Wir machen einen wirklich langen Spaziergang. Am Main entlang in die Innen-Innenstadt, zum Römer (das Gebäude heisst wirklich so), am Standesamt vorbei, Richtung Willy-Brandt-Platz, dort zu Café Nummer 1*. Leider verstehen wir nicht, ob nun geöffnet ist für eine Mitnahme eines Espressos oder nicht. Also nebenan zuCafé 2. Weiter zum Goetheplatz, zur alten Oper, den Grüngürtel ein Stück entlang zum Eschenheimer Tor, zur Konsti, zum Zoo und schon liefert mich der Eine wieder daheim ab. Es war sehr kalt, wir sind 9 Kilometer gegangen, aber auch sehr schön.

18:00 Uhr Der Römer erwartet mich bereits. Signorino ist beleidigt und möchte mich erstmal nicht begrüßen. Nach 5 Minuten taut Signorino auf und findet mich doch ganz okay. So okay, dass er mich nicht mehr loslassen will. Auf‘s Toilettchen kann ich auch nicht mehr allein. Ja, gut. Kann man nix machen.

19:00 Uhr Wir raffen uns auf und gehen mit Signorino nochmal spazieren. Es schnieselt (halb Schnee, halb Niesel 😉) und ist dementsprechend kalt. Kleine Mainrunde, die neuen Lichter am Kinderwagen leuchten in fröhlichem Grün. Der Römer hat seine Handschuhe vergessen, also schiebe ich meistens Signorino. Er schläft ein (oh no!), aber letztendlich nur für 20 Minuten. Hoffentlich ist er trotzdem um 21 Uhr willig ins Bett zu gehen!

19:45 Uhr Wir sind daheim. Der Römer will unbedingt kochen (kinderfreie Zeit und so…). Es gibt Kartoffelsuppe für alle. Keine Würstchen da – aber wir werden es überleben.

20:50 Uhr Der Römer künstelt immer noch an der Kartoffelsuppe rum als wär‘s ein Mehrgang-Menü. Ein Glück hab ich schon „gesnackt“ während das Kind zu Abend aß. Langsam bin ich äußerst genervt, da Signorino schon „drüber“ ist und mein Blutzuckerspiegel weit unten. Ich drücke dem Römer das aufgedrehte Kind in die Hände und flüchte ins Bad. Drei Minuten durchatmen. Von draußen höre ich den überforderten Römer, der nun nicht mehr an seiner Kartoffelsuppe rumdoktern kann, weil Signorino den Deckel vom Dampfsterilisator durch die Gegend wirft und dabei laut lacht. Ich steige wieder in den Ring und gehe zurück.

21:00 Uhr Der Römer wird von mir verpflichtet den hyperaktiven Ableger ins Bett zu bringen. Wer eine Stunde lang Suppe kocht (die kocht sich nach dem Schälvorgang schließlich von alleine!), der darf auch Signorino ins Bett bringen. Bitte. Danke! Ich räume das Wohnzimmer auf, das aussieht als hätte ein Troll Bauklötzchen-, Bücher- und Spielzeugdurchfall gehabt. Die römische Suppe wartet auf ihren Einsatz – und kühlt langsam aus.

21:20 Uhr Alles aufgeräumt. Ich höre den Römer. Wenig später sehe ich ihn auch – mit Signorino auf dem Arm. “Non dorme, questo animaletto.” [Dieses Tierchen schläft nicht.] Nun denn. Das ungeplante Schläfchen rächt sich nun. Mal gucken, wie lange der Spaß heute mit ihm geht. Wir essen Suppe. Sie ist komplett ungewürzt. Was hat der Mann in der Küche gemacht?! Ich spare mir den Kommentar. Der Römer bringt ungefragt Salz und Pfeffer. Immerhin!

21:40 Uhr “Vuoi una deca?” [Willst du einen entkoffeinierten Espresso?]. Ich dachte schon, der Römer fragt nie. Signorino spielt indessen wieder. Die Bauklötze habe ich weggepackt. Die räume ich heute nicht nochmal weg.

22:30 Uhr Glauben Sie’s oder glauben Sie’s nicht, aber unser südeuropäisches Partymodel (alias Signorino) ist JETZT müde. 1,5 Stunden nach seiner regulären Zeit. Once again: Schlafsack – Kuss – Kuss. Nachti Nacht! Ich räume zum wiederholten Male die Bücher und die Spielzeugkiste auf bzw. ein. Hoffentlich kommt er heute nicht mehr zurück zu einer weiteren Spielerunde (auch das hatten wir schon….).

23:00 Uhr Der Römer und ich gucken unsere Serie und essen heimlich Eis, was man als gut eingespieltes Elternpaar eben so macht, wenn das Kind endlich schläft. Gleich wird Signorino noch einmal wach (wie immer nach einer Stunde), verlangt Wasser und noch einmal Einschlafbegleitung, aber nur die Sparversion (2 Minuten).

[The End]