Freitagsrapport | KW50

Freitagsrapport | KW50

Auffallend anders

Sie als Leser*innen sind auf zack. Das bemerke ich immer wieder. Man kann Ihnen nichts vormachen. Auch nicht, dass der Freitagsrapport heute und auch letzte Woche nicht an einem Freitag, sondern an einem anderen Wochenendtag erschien. Ich glaube, allein diese Tatsache erklärt mein momentanes Arbeitspensum schon recht präzise. Ansonsten sehen Sie es vermutlich auch daran, dass ich momentan kaum Artikel lesen, liken oder kommentieren kann. Immerhin – der Freitagsrapport erscheint (bis jetzt) noch in der korrekten Kalenderwoche. 😉 Dennoch, wie ich Sie kennenlernen durfte, sind sie überaus tolerante und weltoffene Leser*innen, die sich von dieser Lappalie nicht beirren lassen. Deswegen bleibt mir nur zu sagen: Hier ist er – der Freitagsrapport der KW50.

Noi a Milano [Wir in Mailand…]

Wie es ist, einen weiblichen Teenager daheim zu haben, durfte ich dieses Wochenende erfahren. Hallelujah! Elda, die römische Nichte, die in Mailand studiert, war zu Besuch. Faktisch gehört sie mit ihren 24 Jahren vermutlich nicht mehr zu der Gruppe der Teenager. Doch Ihr Verhalten ließ ab und an anderes vermuten.

Sie wollte uns für ein Wochenende in Frankfurt besuchen, was wir sehr schön fanden. Die Theorie dazu war: Sie kam Freitagabend und flog Sonntagfrüh. Die Praxis war… nun ja. Schauen Sie selbst:

Am Freitagabend hatte ihr Flug zwei Stunden Verspätung. Was ich nicht wusste: Das war ein großes Glück, sonst hätte sie diesen verpasst. Woran das lag, lernte ich im Verlauf des Samstagvormittags. Wir frühstückten, ich fragte, was sie gerne essen möchte und sie gab nur „Espresso, bitte.“ an. Ob sie denn gar nichts essen wolle, wollte ich als besorgte Mutter und engagierte Tante wissen. „Nein, nein. Guarda… noi a Milano non facciamo colazione. [Schau…. wir in Mailand frühstücken nicht.].“ Ach ja, ich vergaß, dass sie seit etwa zwei Jahren in Mailand wohnte und sich gerne als geborene Mailänderin sieht. „So gar nicht?“, wollte ich wissen. „Guarda, zia…. [Schau, Tante….]“, fing sie wieder etwas belehrend an, „Ich schaffe es meistens nicht so früh aus den Federn. Und sobald ich wach bin, brauche ich 45 Minuten im Bad, um ausgehtauglich zu sein. Dann bleibt meist nur Zeit für einen Espresso und ich muss schon zur Trambahn rennen.“ Ich nickte. 45 Minuten im Bad habe ich das letzte Mal 2019 gebraucht. Ich schminkte mich überseetauglich, auf dass das Makeup einen langen Nachtflug (und in meinem Fall auch eine Notwasserung im Atlantik) überstehen könnte. Dann presste ich mich in meine Flugbegleiterinnnen-Uniform, wobei in den 45 Minuten noch das Bügeln und Falten von vier Arbeitsblusen inkludiert war. Aber gut, in Mailand wird das wohl anders sein.

Samstagvormittag ging sie, nach besagten 45 Minuten im Bad, mit ihrem Onkel, dem Römer, etwas durch die Stadt, um instagramtaugliche* Bilder für ihren Account zu schießen. Als ich an ihrem Zimmer alias dem Kinderzimmer vorbeischwänzelte (zu diesem Zeitpunkt war sie schon mehr als eine Stunde außer Haus), bemerkte ich, dass Licht brannte. Seufzend schaltete ich die Lampe aus.

Dazu muss ich Sie auf einen kleinen Exkurs mitnehmen: Es kostete mich 3 (!) Jahre, dem Römer beizubringen, dass das Licht ausgeschaltet werden kann soll, sobald man den Raum verlässt. Ein Glück haben wir Elektrizität, so dass uns dies die Chance gibt, einfach und mühelos den Lichtschalter zu betätigen. Die Zeit der Petroleumlampen sei vorüber, betonte ich dann meist am Ende meines Monologes, und legte demonstrativ den Lichtschalter ein paar Mal um, damit man sieht wie unkompliziert die Bedienung ist.

Wenig später, Signorino und ich waren komplett angezogen und ausgehbereit, rief ich den Römer an und fragte, ob wir uns alle zusammen im Stadtzentrum treffen wollen. Aber ja, das wollten sie. Wir fuhren mit der S-Bahn zur Hauptwache und trafen den etwas genervt wirkenden Onkel und seine auf dem Handy tippende Instagram*-Nichte. Sie blickte kurz auf und begrüßte uns. Dann tippte sie weiter. Als sie fertig getippt hatte, schlenderten wir die Einkaufsmeile „Zeil“ entlang, wobei schlendern das falsche Wort an einem Samstag kurz vor Weihnachten ist.

Wir Damen plauderten etwas, während der Römer sich aufopfernd um seinen Sohn kümmerte. „Und was machst du meistens so am Wochenende?“, fragte mich Elda. Ich verstand die Frage nicht. Vermutlich lag das daran, dass es das Wochenende im klassischen Sinne nicht mehr für mich gab. „Ich kümmere mich um Signorino.“, antwortete ich wahrheitsgemäß. Sie fixierte mich etwas irritiert, so als ob ich die Frage nicht richtig verstanden hätte. „Ja, ja, aber hast du irgendwelche Hobbies?“, wollte sie wissen. Ich lachte in mich hinein. Welche Hobbies hat man schon mit einem aktiven 2-jährigen? Und wie sollte ich Signorino verkaufen, dass Mama jetzt ihrem Hobby nachgeht? „Signorino, Mama geht jetzt mal zwei Stunden malen. Wenn was ist, klopf einfach an.“ Die Vorstellung ließ mich innerlich zerbersten vor lachen. „Ähm… ich habe nicht so wirklich Zeit dafür. Und du?“, spielte ich ihr den Ball zurück. „Allora, noi a Milano [Also, wir in Mailand…] lieben es, uns am Wochenende auf einen Aperitif zu treffen. Ich kenne mittlerweile alle guten Bars (würde man das bei Instagram als #Leberzirrhose verbuchen?) und brauche üüüberhaupt keinen Stadtplan mehr. Dann war ich letztens in der Pinakothek im Viertel Brera. Fantastisch! Freunde einer Freundin studieren Kunst und wir verbrachten 5 Stunden in diesem Museum. Klar, wenn dir Kunststudenten die Werke erklären, entdeckst du plötzlich Details, die dir als Laie überhaupt nicht auffallen. Außerdem lieben wir Mailänder es, am Wochenende wegzufahren. Ein Wochenende in Rom, vielleicht auch in Paris. Mit den Lowcost Airlines können wir Mailänder uns das einfach super leisten.“, erklärte sie mir die Welt. „Diese Mailänder müssen ein echt aufregendes Leben haben.“, resümierte ich gedanklich für mich. Doch meine Gedanken wurden jäh von einer Frage Eldas unterbrochen: „Und? Wo fahrt ihr am Wochenende hin, wenn ihr einen Weekend-Trip organisiert?“. Der Römer guckte mich an. Ein aufflammendes Lachen zuckte über sein Gesicht. Ich wusste in diesem Moment, dass sich der gleiche Film in unserem Kopf abspielte: Ein Wochenendtrip mit Signorino? Mittwochs unzählige Taschen voller Kinderkram packen (mit Packliste), donnerstags Proviant in rauen Mengen und unterschiedlichen Konsistenzen (Quetschie, Riegel, Brezeln,… der falsche Proviant lässt Krokodilstränen freien Lauf) einkaufen, freitags gestresst und abgehetzt an der Sicherheitskontrolle mit Kind stehen. Die Windel ist zum Zerbersten gefüllt. Das Kind ist nölig. Übermüdet in der Unterkunft ankommen. Samstags irgendwie den Tag bestreiten. Kulturprogramm? Klar, wenn man will, dass das Kind wie irre durch die Uffizien rennt und Sachen umwirft. Ganz zu schweigen von der Kunst, die man eh nicht mitbekommt. Samstagabend wieder alles einpacken. Sonntag gestresst zum Flughafen hetzen. Flug mit aktivem Kleinkind, dass nicht ruhig sitzen will. Stinkewindel im Flieger wechseln (eine Erfahrung für sich – auf 10000 Metern Höhe). Einreise. Kind heult in der S-Bahn, weil müde. Endlich alle daheim – wir bräuchten dann mal eine Woche Urlaub. Der Römer sagte nur: „Momentan ist keiner geplant…“ und wollte das Thema wechseln. Doch Elda ließ sich nicht abschütteln. „Paris.“, antwortete der Römer schließlich knapp auf eine mögliche Destination. Einer 24jährigen, kinderlosen Studentin zu erklären, dass ein Wochenendtrip unmöglich ist, würde den Rahmen und vermutlich auch ihre Vorstellungskraft sprengen. „Ah, schön! Wir in Mailand finden Paris ganz wunderbar. Natürlich ist die Stadt nicht so reich an Kultur wie beispielsweise Rom oder Mailand, aber faszinierend ist die Stadt allemal.“, erläuterte uns unsere welterfahrene Nichte Elda. „Was macht ihr dann an einem Wochenendtrip typischerweise?“, hakte sie nach. „Schlafen.“, antwortete der Römer. Elda war verwirrt. „Ähm…aber schaut ihr euch dann nicht die Stadt an, geht in Museen, vielleicht sogar ins Kino?“, wollte sie von uns wissen. „Nein.“, antwortete der Römer. „Wir sind Eltern. Wir wollen nur schlafen.“ So ganz schien uns Elda diese Story nicht abzunehmen, aber sie hakte auch nicht mehr nach. Dem Onkel widerspricht man nicht. Den Abend verbrachten wir mit Pizza und einem Film, bei dem sich Signorino lautstark langweilte, auf dem Sofa. Gegen 22 Uhr brachten wir das müde Kind ins Bett.

Vielleicht ein Zeichen der Moderne, wie es hier steht?

Am nächsten Morgen, der Abflug Eldas sollte planmäßig um 10:50 Uhr starten, unterrichtete sie den Römer zwei Stunden vor besagtem Abflug, dass sie vermutlich einen PCR- oder Antigen-Test brauche um in Italien einreisen zu dürfen. Dem Römer, der damit kalkulierte, dass es vollkommen reichen würde, 60 Minuten vor Abflug am Flughafen zu sein, fiel alles aus dem Gesicht. „Wie? Einen Test? Jetzt? Es ist 08:45 Uhr. Du fliegst in zwei Stunden ab.“, hinterfragte er aufgebracht ihre Angaben. „So ganz genau verstehe ich die Webseite nicht. Ich glaube, ich kann auch einfach in Quarantäne oder so? Dann sag‘ ich halt bei meinem Praktikum Bescheid, dass ich in Quarantäne musste.“, versuchte sie sich herauszuwinden. „Du kannst doch nicht dein Praktikum in Gefahr bringen? Was ist denn das für eine Arbeitsmoral? Zeig mir mal die Webseite!“, forderte sie der Römer auf. „Du kannst nur in Quarantäne, wenn du nicht geimpft oder genesen bist. Aber einen Test brauchst du trotzdem. Elda, der Flug ist in zwei Stunden!!!“, herrschte er sie an. „Ja… schaffen wir schon.“, murmelte sie. Der Römer zog sich in flott an, stülpte eine Mütze über seine verwuschelten Haare und drängte zum Aufbruch. „Aber ich war noch gar nicht fertig im Bad. Nur die linke Seite meiner Haare ist gelockt. Wie sieht das denn aus? So kann ich nicht fliegen!“, wollte Elda insistieren. „Sag mal?!“, motzte der Römer. Er wechselte ins Albanische und sein Blick verfinsterte sich. Elda zog sich missmutig die stylischen Winterstiefeln in weinrot an, warf sich ihren Mantel über und klemmte sich die türkisfarbene Marken-Luxustasche unter den Arm. „Ciao zia! [Tschüss, Tante!]“, sprach sie und umarmte mich zum Abschied. „Ci vediamo… [Wir sehen uns] Vielleicht für ein Wochenende in Mailand?“ Ich nickte. Ja, vielleicht. 😉 Der Römer drängte zum Aufbruch. Ein Taxi wollte er nicht nehmen, denn er gab an, dass die S-Bahn genauso schnell wäre. Ich aktivierte meine flugbegleitenden Freunde. Der Andere stand mir mit Rat und Tat zur Seite. Er informierte mich über die Teststation am Fernbahnhof in Frankfurt, sagte, ich solle unbedingt einen Termin vorab buchen, recherchierte nach Alternativflügen am selben Tag und zu Orten, die in der Nähe von Mailand liegen würden. Zu dritt (Der Andere, der Römer und ich) schafften wir es, dass Elda rechtzeitig einen Antigentest in der Hand hatte und pünktlich durch die Sicherheitskontrolle schritt. Am Ende schrieb sie ihrem Onkel vom Gate aus: „Grazie, zio. [Danke, Onkel] Normalerweise verpasse ich immer 80% meiner gebuchten Flüge, aber heute hat es nochmal geklappt. P.S.: Ich habe nochmals nachgelesen. Ich hätte gar keinen Test gebraucht, da meine Abwesenheit weniger als 48 Stunden betrug. Aber sicher ist sicher.“ Der Römer rief mich aufgebracht an. Die Nerven lagen blank – schließlich war er ungeduscht, ungestylt und ohne Espresso aus dem Haus. Ich hörte mir geduldig seinen Emotionsausbruch an. Als er daheim war, ließ ich einen Espresso aus der Maschine, die ofenfrischen Croissants lagen bereits auf dem Tisch und Signorino schmiss nur die Hälfte seines Schokokuchens auf den Boden. Die Welt hing wieder voller Geigen. So schön der Besuch war, ich bin froh, wieder in trauter Dreisamkeit daheim zu sein. Wir in Frankfurt sind eben für so viel Action nicht gemacht. Mag sein, dass das in Mailand anders ist. 😉

Il 7 [Der Siebte]

Es ist nicht einfach, zweisprachig aufzuwachsen. Und so kam es, dass Signorino nun denkt, dass die kleinen Schokolädchen aus dem Adventskalender „sette“ [sieben] heißen. Woran das lag? Am siebten Dezember ging der Römer am Adventskalender vorbei und seufzte wollig „Ah, è il sette. [Ah, es ist der siebte.]“ um dann das Türchen Nummer sieben zu öffnen und ein Minischokoladen-Ei herauszuziehen. Signorino, der hinter ihm stand, wollte nun auch ein „sette“ und wiederholte aufgeregt das Wort. Erst als er einen kleinen Schokostern bekam, verstummte er zufrieden. Seitdem müssen wir jeden Tag gemeinsam „sette“ öffnen. Auch der Hinweis, dass der Kalender Adventskalender heißt, schien ihn nicht davon abzubringen, ihn weiterhin „sette“ zu nennen.

*Werbung, unbezahlt und unbeauftragt

In diesem Sinne: Haben Sie ein entspanntes Restwochenende, ganz viel Schokolade aus „sette“ und bis zum nächsten Mal!

Freitagsrapport | KW49

Topus, Topoi und König Markus

Ich bin ein entscheidendes Stück weiter mit meiner wissenschaftlichen Arbeit. Ich analysiere momentan die Argumentationstopoi politischer Reden nach dem Sprachwissenschaftler Josef Klein (Klein 2019., S. 338). Tja, sehen Sie mal, an was ich mich alles versuche, nur um nicht das Thema wechseln – und damit verbunden, nochmals eine komplette Einleitung schreibe zu müssen. Not und Faulheit macht den angehenden Journalisten auch mal zum Linguisten. Und wenn Sie sich jetzt fragen, was komplexe Topoi sind, dann ist das eine gute und berechtigte Frage. Ob ich allerdings in der Lage bin, Ihnen Topoi so schmackhaft zu machen, dass Sie sich fortan bei jeder politischen Rede denken „Hach, das waren jetzt aber viele Konsequenzen-Topoi in König Markus‘ Regierungserklärung.„, mag ich zu bezweifeln. Aber ich versuche es dennoch:

Kurz gesagt sind diese Argumentationstopoi rhetorische Muster, die Sie in jeder politischen Rede finden. Da eine politische Rede, je nach Typus, auf Konsens der Bevölkerung treffen sollte, versuchen uns Politiker*innen mit rhetorischen Strategien von ihrer Idee zu überzeugen. Es gibt diverse Topoi, wobei ich an dieser Stelle den Konsequenzentopus und Daten- und Valutationstopus anführen möchte.

Ein Konsequenzentopus würde beispielsweise so aussehen: „Wenn sich nicht mehr Menschen impfen lassen, braucht Deutschland eine Impfpflicht.“ Diese „wenn…dann“-Sätze sind typische Konsequenzentopoi. Ein Datentopus wäre z.B. gegeben, wenn Politiker*innen aktuelle Robert-Koch-Institutszahlen von Erkrankten mit in die Rede einbauen. Da nicht jeder Mensch gleich ist, reagieren manche eben mehr auf den Konsequenzentopus, andere mehr auf den Datentopus und wieder andere auf ganz andere Topoi. Natürlich gibt es auch Bevölkerungsgruppen, die gar nicht auf Topoi reagieren. Sie gelten dann entweder als Topoi-genesen oder dauerhaft immun gegen Topoi. Ob dies dann Fluch oder Segen ist, entscheiden ganz alleine Sie und Ihre Weltanschauung.

König Markus vielleicht? 😉

Apropos Weltanschauung

Die liebe Jeanette hat einen ganz wunderbaren Artikel über Brücken geschrieben. Uneingeschränkt kann ich Ihnen diesen empfehlen.

Eine Zugfahrt, die ist lustig

Dieses Wochenende steht wieder eine Reise für mich an. Mit der Bahn ins Alpenvorland, dort beherbergen mich netterweise Ova und ihre Familie, damit ich am nächsten Tag ein Mietauto übernehmen, einen engen Familienangehörigen einsammeln und mit ihm nach Frankfurt düsen kann. Dort feiern wir Signorinos zweiten Geburtstag. Durch meine Transferleistung habe ich keine Zeit, für das Kita-Geburtstagsfest zu backen. Ein Glück spielen mir die Corona-Restriktionen in die Hände: Man darf nur noch abgepacktes oder vom Bäcker gebackenes mitbringen. Hosanna! Und während der junge Mann in der Kita ist (ich nenne es liebevoll Arbeit, weil irgendwie ist es das ja auch), backe ich den Geburtstagskuchen für nachmittags. Natürlich könnte man diesen auch kaufen, aber ein selbstgebackener Kuchen ist mir ein dringendes Mutti-Bedürfnis. Am Dienstag bringt Turtle, die sich für die Autofahrt extra Kontaktlinsen anfertigen hat lassen, unseren Gast wieder nach Hause ins Voralpenland und verweilt noch ein paar Tage. Danach brauche ich etwas Erholung, um dann meine albanische Nichte in Frankfurt begrüßen zu dürfen. Sie kommt aus Mailand angereist und will ihren Cousin (1. Grades!) kennenlernen. Und danach habe ich zwei Wochen frei (die ich vermutlich auch brauche).

Mein Baby ist weicher als deins

Ob das wirklich so war, kann ich zwar nicht beweisen, aber Signorino war ein extrem weiches Baby. Woran das lag? An dem genialen Tipp der Hebamme, doch ein paar Tropfen Mandelöl ins Badewasser zu geben. Was soll ich sagen? Es war kein Eincremen nach dem Baden notwendig. Warum ich Ihnen das überhaupt erzähle? Weil ich mir diesen Trick zu Nutze gemacht habe im Winter. Seit diesem Jahr leide ich unter extrem trockener Winterhaut. Mangels Bodylotion versuchte ich es mit dem Hebammentrick und siehe da – kein Kratzen, kein Jucken, kein Schuppen. Ich habe babyweiche Haut. Auch wer lieber duscht, kann sich mit diesem Trick behelfen: Einfach nach dem Duschen, aber vorm Abtrocknen ein paar Tropfen Mandelöl verreiben und siehe da – trockene Haut hat keine Chance. Und keine Sorge: Das Handtuch trieft nicht vor Öl – Sie benutzen nur ein paar Tropfen, die schnell einziehen.

Mandelöl, bevor Sie lange suchen ( so wie ich), finden Sie in der Baby-Abteilung Ihres Drogeriemarktes bei den Cremes und Badesachen.

In diesem Sinne: Kopf hoch – auch wenn der Hals dreckig ist! Starten Sie gut ins Wochenende und denken Sie immer an die Worte von Nina Ruge: „Alles wird gut.“

Literaturquelle: Klein, J. (2019): Redegattungen/Textsorten der politischen Rhetorik und ihre Charakteristika. Ein Überblick. In: Burkhardt, A. (Hrsg.): Handbuch Politische Rhetorik. De Gruyter, Berlin/Boston, S. 338.

Freitagsrapport | KW 48

Kalt(-wasser)

Wir sind krank. Bis jetzt ist es nicht so schlimm wie die letzten Male – nur Schnupfen, Kopf, ein bisschen Hals. Außerdem sind die Heizung und das Warmwasser gestern Abend ausgefallen. Anscheinend muss das so sein und geht Hand in Hand mit unserem Krankenstand. Wenn Sie sich an die letzten Male erinnern.

Zu unserer großen Überraschung verkündete der Römer bereits am heutigen Morgen um 08:00 Uhr, dass die Heizung wieder gehen würde. Natürlich kontrollierte ich nochmals nach. Nicht, dass der Gatte am Ende Fieber hatte und bereits halluzinierte. Doch es war wahr. Nur ein kleiner Ausfall der Zentralheizung, was mir die Fahrt zum Baumarkt ersparte. Schließlich hätte mich die Aussicht auf eine eiskalte Wohnung zu dieser Fahrt gezwungen. Draußen hat es zwischen 0 und 4 Grad. Angenehm ist das wahrlich nicht. Immerhin Mann und Kind hätten sich in Arbeit und Kita aufwärmen können, aber da ich diese Woche bereits gearbeitet habe, hätte ich mich nur ins nahegelegenen Café begeben können. Und das macht erst um 10 Uhr auf. Glück im Unglück!

Aber wenn der Winter so weiter geht, werde ich den Blog von “Zwischen Tiber und Taunus” in “Zwischen Jammern und krank sein” umbenennen müssen, denn etwas anderes, so scheint mir, bekommt man momentan nicht von uns mit.

Sie sehen, die Heizung zeigt Stufe 5 ein. Was Sie nicht wissen: Die Heizung ist eiskalt.

Studium

Bis Ende November wollte ich eine komplett fertige, wissenschaftliche Arbeit abgeben. Da die Themenfindung sich anspruchsvoller als gedacht herausstellt und ich immer dann im „Flow“ bin, wenn das Kind wieder von der Kita abgeholt werden möchte, gestaltet sich die Fertigstellung schwierig. Meine ehemalige Deadline war für Ende November gesetzt. Ein Blick auf den Kalender hat es Ihnen sicher verraten: Ich konnte sie nicht einhalten. Meine neue Deadline lautet auf den 23.12.2021. Ich hoffe, das klappt. Momentan bewege ich mich in Zeitlupe vor, nehme zwei Schritte nach vorne und drei zurück. Es ist zum Mäusemelken!

Arbeit

Mein Arbeitgeber, also der zweite, denn beim ersten bin ich bis Dezember 2022 in Elternzeit, fragte an, ob ich mehr arbeiten möchte. Nach kurzer Überlegung und Absprache mit dem Römer, entschied ich mich für „Ja, ich will.“. Man verhandelt nur noch das Monetäre. Das zieht sich etwas, denn ich bin preiswert und somit meinen Preis wert. 😉 Wenn alles unter Dach und Fach ist, arbeite ich doppelt so viel wie vorher. Das muss ich nur noch meinem ersten Arbeitgeber mitteilen, aber ich vermute, er hat nichts dagegen, denn während der Elternzeit kann er mir aufgrund der schlechten, wirtschaftlichen Lage keine Beschäftigung anbieten.

Quasselstrippe

Das Kind redet. Keine Sätze, aber Worte. Er benennt Sachen korrekt und kann in Büchern den fehlenden Text ergänzen. Außerdem liebt er es, neue Wörter zu wiederholen und lacht sich dabei scheckig. „Dreckig“ ist momentan eines seiner liebsten Worte. „Nass“ ist er auch, wenn er wieder mit Wasser spielt. Außerdem liebt er „sa-sa-su“, also sali su, was „steig hinauf“ bedeutet. Ab und an antwortet er mir mit „Si, si.“ und erinnert mich dabei stark an seinen Vater. Auch wenn die Primärsprache des Kindes Deutsch ist, so ist es umso lustiger wie er Italienisch spricht. Da wir italienische Literatur haben, die oft von Papa, als auch von Mama (mit starkem, deutschen Akzent) vorgelesen werden muss, werden auch Wörter wie tigre [Tiger], ciao ciao [Tschüss!], mami [ital. mani; dt. Hände] und plato [= ital. prato; dt. Wiese] gerne und oft gesagt. Signorino ist ein witziger, aufgeweckter Kerl, der uns viel Freude macht und manchmal in den Wahnsinn treibt. Gestern waren wir das erste Mal bei der Zahnärztin mit ihm, und sehr zu meinem Erstaunen dachte ich mir, dass wir schon viel früher herkommen hätten sollen. Alle meine Bedenken wurden aus dem Weg geräumt und meine Fragen detailliert beantwortet. Eine absolut empfehlenswerte Zahnarztpraxis mit einem tollen Team. Sollten Sie also eine Kinderzahnärztin in Frankfurt suchen, gebe ich Ihnen gerne die Adresse weiter. 😉

Italienische Bücher: Tigre ist im Italienischen übrigens weiblich und heißt „La tigre – die Tiger“.

In diesem Sinne: Starten Sie gut ins Wochenende, futtern oder backen Sie Plätzchen und denken Sie immer daran: Letztendlich haben wir’s echt gut. Wir sind nur an unseren Wohlstand und die Sozialleistungen gewohnt, da wir es nicht anders kennen. Aber was wir als selbstverständlich betrachten, ist der Traum eines anderen.

Freitagsrapport | KW34

Eine Pause

… möchte ich ungerne ausrufen, weil Sie vermutlich wissen wie das ist: Just in dem Moment, wo man mit ergreifender Musik und dramatischen Lichteffekten die Blog-Pause ankündigt, ist die Freizeit wieder im Übermaß verfügbar.

Damit Sie wissen, mit was ich mich momentan befasse: Umzug – Arbeit – Familie – Studium. Genau in dieser Reihenfolge.

Selbst zum Weltretten habe ich momentan keine Zeit.

Starten Sie gut ins Wochenende und, falls es bei Ihnen (dauer-)regnet, dann denken Sie immer an den Spruch einer Münchner Radiomoderatorin: „Das ist nur flüssiger Sonnenschein.“

Der Freitagsrapport | KW31

Schockierend

Haben Sie jemals von der Tuskegee-Studie gehört? Ich muss zugeben, ich las diese Woche das erste Mal davon. Am Abend fragte ich den Römer, den ich als durchaus gebildet und informiert bezeichnen würde, ob er jemals davon gehört hatte und als er verneinte, erklärte ich ihm, um was es dabei genau ging. Auch er war äußerst schockiert, dass diese vor Rassismus triefende Studie an einer bestimmten PoC-Bevölkerungsgruppe von höchster, amerikanischer Stelle bis 1972 durchgeführt wurde.

Wen es interessiert wie ein Teil der armen, afroamerikanischen Landarbeiter „im Dienste der Wissenschaft“ hinters Licht geführt wurde und schlussendlich – im guten Glauben an eine Heilung – starb, der findet die Geschichte beispielsweise in diesem Artikel des Spiegels*. In diesem Bericht der Süddeutschen Zeitung* aus dem Jahr 2010 werden die weitreichenden Folgen, die auch im Hier und Jetzt spürbar sind, beschrieben.

*Werbung, unbezahlt und unbeauftragt

ZweiPunktNull

Diese Woche erreichte mich eine Email der Universität, die besagte, dass meine Note für die erste Klausur eingetragen wurde. Vermutlich ahnen Sie, dass ich bis zum Erhalt dieser Email jeden Tag ungeduldig in das Notensystem meiner Universität blickte, um mich zu vergewissern, dass der Bearbeitungsstatus immer noch „in Bearbeitung“ anzeigte. Nach der Email, loggte ich mich aufgeregt in das universitätsinterne System ein und klickte auf die Notenübersicht. Ich war mir zwar sicher, dass ich bestanden hatte. Vermutlich aber nur mit Ach und Krach. „Oh.“, sagte ich als ich das Ergebnis erblickte. „Wie ist das denn passiert?„, fragte ich den Römer zweifelnd und zeigte auf die Note. „2.0 non è male, vero? [2,0 ist nicht schlecht, oder?]“, wollte der Römer von mir wissen, da er mit dem deutschen Notensystem immer noch nichts anfangen kann. „Das ist gut. Fantastisch. Wow! Und das habe ich in vier Wochen trotz Kind und Kegel geschafft? 85,55% von 100%. Cool!„, antwortete ich dem Römer, der sich mit mir freute. Ja, ohne den Römer und seine tatkräftige Vater-Sohn-Brunch-Unterstützung hätte ich das nicht geschafft. Und das Ergebnis ist genau die Motivation, die ich brauche, um nächste Woche im neuen Modul richtig durchzustarten.

Gut, das bin ich nicht ich, sondern der Römer beim damaligen Deutsch lernen. Aber irgendwie fand ich das Bild passend.

Dann flieg‘ halt nach Tirana

Nein, das habe ich natürlich nicht gesagt. Aber dennoch fliegt der Römer heute Abend ins gelobte Land. Alleine, versteht sich. Einerseits, weil er mir lang und breit erklärte, dass er mit uns (gemeint sind Signorino und ich) überhaupt keine qualitativ hochwertigen Gespräche mit seinen Eltern führen könne. Wenn Sie sich an den einen oder anderen Teil der Albanienchroniken erinnern, werden Sie vermutlich die Stirn runzeln, aber Wahrnehmung ist eben variabel und hängt vom Betrachter ab. Außerdem sei ihm die Verweildauer der einzelnen Familienbesuche deutlich zu kurz. Ständig wollen wir weiter. Deswegen sei die einzig sinnvolle Variante, dass er alleine fliegt. Aber unter uns, liebe Leser: Unzufrieden bin ich mit der Situation definitiv nicht. Am Freitagabend mit einem völlig überbuchten Flug mit Kleinkind irgendwann kurz vor Mitternacht im sommerlich heißen Tirana zu landen, von Ibrahim abgeholt zu werden, den Samstag mit lauter Familienbesuche zu überstehen und am Sonntag Mittag wieder heimzufliegen… Ich kann mir schöneres vorstellen. Beispielsweise mit Signorino im angenehm temperierten Frankfurt zu sitzen und auf Spielplätze zu gehen.

Neue Email-Adresse

Nicht wundern, es gibt eine neue Email-Adresse zu diesem Blog. Diese lautet: zwischentiberundtaunus@gmail.com. Ich dachte, ich schreibe es mal darnieder, dass auch Sie Bescheid wissen.

In diesem Sinne: Starten Sie gut ins Wochenende, genießen Sie dieses erste Augustwochenende und halten Sie die Ohren steif!