Ich esse gerne Äpfel

Normalerweise suche ich eher nach den Kuriositäten am Kleinanzeigen Freitag. Aber diesmal fiel mir eine Kleinanzeige in die Hände, die ich so charmant wie schlau fand.

Wer schon einmal einen Obstbaum hatte, weiß, dass eine durchschnittliche Familie nie so viele Früchte essen kann wie so mancher Baum nach einem milden Sommer trägt. So fängt man also an (je nach Obstbaum) Kuchen, Marmelade, Süßspeisen, Mus,.. usw. zu produzieren. Trotzdem scheint dieser verrückte Baum ständig neue Früchte zu produzieren. Und so fragt man die Familie, die Nachbarn, die Freunde, die Freundes Freunde und wer sonst noch so vorbeikommt.

Und hier kommt Andrei ins Spiel: Andrei, unser Apfelfreund isst gerne Äpfel, freut sich über jeden hauseigenen Apfel und bringt einen Eimer mit um diese zu ernte. Halten Sie mich für verrückt, aber Andrei würde ich, hätte ich einen Garten, liebevoll meine Äpfel anvertrauen. Einfach, weil ich diese Anzeige so ehrlich und sympathisch finde.

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Ihr Lieben,

ich verabschiede mich. Nicht für immer, keine Sorge. Es geht für ein paar Wochen ans Meer. Man möchte meinen Italien, aber nein, in die andere Heimat des Römers: Nach Albanien. Nicht, weil es schick, en vogue oder gerade im Trend ist, sondern weil sämtliche Familienmitglieder des Römers ihren Sommerurlaub dort verbringen. Und die stolzen Großeltern meine Babykugel betrachten wollen. Keine Sorge – auch hier wird es Tipps geben, die mir der Römer aber nicht übersetzt. So sind wir verblieben. Also lächle und winke ich drei Wochen lang und freue mich auf die Nichten und Neffen des Römers, die ich schon ewig nicht mehr gesehen habe. Ich freue mich auf die albanische Herzlichkeit, auf’s Meer, auf die „kriegen-wir-schon-irgendwie-hin“-Mentalität (S’ka problem – kein Problem – ist der meist benutzte Satz, wenn es um Anliegen der Gäste geht), auf laue Nächte und all das viel zu süße Lokum, dass einem von der Gastgeberin gereicht wird, wann immer man ein Haus betritt und jemanden besucht.

Bis dahin, macht’s euch nett und bis bald

Ein inoffizieller Brotsalat

Sowohl la nonna italiana als auch la mamma würden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. „Una panzanella non si può fare così!“ [Einen Brotsalat kann man nicht so machen] würden sie sagen und die Hände in die Schürzentasche stecken – zu Fäusten geballt. „Dai, ti faccio vedere io.“ [Komm, ich zeig dir wie man das macht] würden sie mich anherrschen und mich liebevoll, aber bestimmt zur Seite schubsen. Das Brot würden sie mit solch stoischer Gelassenheit und kulinarischer Entschlossenheit schneiden, dass ich entmutigt in der Ecke stehen würde. Die Klinge des Messers würden sie kraftvoll durch die Tomaten gleiten lassen und ich würde vor Ehrfurcht erzittern. Die Zwiebeln würden sie so fein und filigran zurechtschnitzen, dass mir nicht nur von den Zwiebeln die Tränen kommen würden. All das würden sie tun, würden wir in Italien wohnen, da bin ich mir sicher.

Aber da wir hier in Deutschland Narrenfreiheit haben (und die Verwandschaft nicht so schnell über den Brenner kommt) und es „il figlio“ [dem Sohn] alias „dem Römer“ wunderbar schmeckt, veröffentliche ich mal mein Rezept. Aber bitte nicht der nonna sagen! Sonst stehen sie in 12 Stunden vor meiner Tür – mit dem Kofferraum voller Filone, Tomaten, olio d’oliva, biscotti und was sie sonst noch auf dem Weg über den Brenner gefunden haben.

Panzanella à la Deutsche Far Niente

Zutaten:

1 Stange Brot (z.B. Ciabatta, Baguette, Filone)

400 g Minitomaten (Cocktailtomaten)

2 Knoblauchzehen

1 rote Zwiebel (die ist etwas milder)

Parmesan am Stück nach Geschmack (ungefähr 50-70 g)

eine gute Handvoll Rucola nach Geschmack

1/2 Zitrone

Olivenöl

Salz

Pfeffer

Zubereitung:

Sollte das Brot vom Vortag (oder besser vom Vor-Vortag) sein, so kann man es direkt verarbeiten. Ich bevorzuge es vom Vortag, schneide es in kleine Würfel (etwas größer als Croutons) und gebe es sicherheitshalber auf ein Backblech. Bei 200-220 Grad bleibt es für ca. 10 Min. im Ofen bis es goldbraun ist.

In der Zwischenzeit wasche ich die Tomaten und schneide sie in kleine Stücke. Die Zwiebel wird entweder in filigrane Streifen oder ebenfalls in kleine Würfel geschnitten. Den Parmesan schneide ich in mundgerechte Stücke oder zerbrösel ihn, so dass er gut essbar ist. Ich wasche auch schon den Rucola und schneide ihn klein. Den Knoblauch schälen und in 2-3 grobe Stücke schneiden.

Wenn das Brot fertig ist, lasse ich es etwas auskühlen bis es ungefähr lauwarm ist. Alle zuvor vorbereiteten Zutaten gut vermengen, den Saft einer halben Zitrone auf den Salat geben und Olivenöl dazugeben, so dass das Brot die Chance hat sich etwas vollzusaugen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und voilà: man hat ein Sommergericht, das auch noch satt macht UND das alte Brot ist verwertet.

Hübsch sieht er nicht aus, aber ich machte das Foto noch schnell bevor der Römer die vierte Portion vertilgte

Achtung: Den Knoblauch fischen wir immer raus – er dient nur zur Geschmacksgabe.