WMDEDGT – Juni 22

WMDEDGT – Juni 22

Der Monatsfünfte und Frau Brüllen fragt mal wieder, mit was man seine Zeit verbringt. WMDEDGT nennt sie das und hier sieht das so aus:

09:00 Uhr Ich werde von den Kirchenglocken geweckt und drehe mich nochmal um. Keine Ahnung wie viel Uhr es ist. Das rekonstruiere ich erst um…

…09:20 Uhr als ich höre wie sich die Türe zum Wohnzimmer öffnet. Signorino ist auf den Beinen. Ich wecke den Mann, er soll mal gucken gehen. Im Wohnzimmer steht ein ziemlich müder Signorino und dreht sich mit halb geschlossenen Augen umher. Der Römer nimmt ihn und trägt ihn in unser Bett. Man muss es ja nicht gleich übertreiben und aus den Betten springen. Wir kuscheln ausgiebig. Irgendwann steht der Mann auf und macht uns Frühstück.

10:00 Uhr Es sieht bei uns aus wie der Frankfurter Ostpark nach einem langen Grill-Wochenende, also räumen wir auf, schmeißen die Waschmaschine an, die Spülmaschine ebenso, dann saugen wir Staub, aber der Staubsauger macht schlapp und möchte erst geladen werden. Der Römer nimmt dies zum Anlass, seinen Körper zu stählen (die Strandsaison steht vor der Tür!) und macht Liegestützen. Signorino wirft sich auf seinen Rücken, was den Trainingseffekt mindestens verdreifacht.

12:00 Uhr Heute ist Pinsatag. Wir bestellen bei unserer liebsten Pinseria und ich entscheide mich für Lachs, Spinat und Käse. Mario Monti nennt der Römer diese Pinsa und lacht über seinen eigenen Witz laut und schallend. Eigentlich heißt die Pinsa Mare e Monti, Meer und Berge und nicht wie ein italienischer Politiker. Der Römer bestellt eine Pizza mit viel Gemüse (die Strandsaison!) und Signorino bekommt eine Margherita. Wir warten auf den Lieferdienst. Er kommt früher als geplant. Essen, Espresso und für mich ab in die Dusche, da ich immer noch im Hausanzug bin.

14:00 Uhr In den Wald oder nicht? Das Kind ist müde und quengelig. Wir entscheiden uns dagegen, da er auf der Rückfahrt sicher einschlafen würde und wir auf einen frühen Feierabend hoffen. Der Römer wegen seines Doktorat-Projekts und ich, weil ich am Mittwoch zur Prüfung antreten will. Wir gehen Richtung Stammspielplatz, biegen aber kurz vorher ab, da der kleine Spielplatz komplett leer gefegt ist. Viel Rutschen, Wippen, Feuerwehrauto fahren und Tauben jagen steht auf dem Programm.

Signorino fährt das Feuerwehrauto wie ein Profi.

15:00 Uhr Ich entdecke den Römer auf dem Südbalkon. Er guckt sich meine Pflanzen an, die er meist als „belle ma inutili“, schön aber unnütz, bezeichnet. Dazu tröpfelt ein leichter Sommerregen vom grauen Himmel herunter. Es ist eine wahre Freude hier draußen zu sein. Ich setze mich neben ihn. Kurz mal durchatmen und ins Grüne gucken.

7 Tomaten und eine Chilli stehen auf dieser Seite des Balkons. Gurken, der Feigenbaum und der Granatapfelbaum stehen auf der anderen Seite.

17:00 Uhr Eine kleine Eispause. Ich verabschiede mich zum Lernen und bleibe doch bei WordPress hängen. Nur kurz lesen, nur kurz liken, alleine beim Kommentieren – Sie merken es selber – hinke ich hinterher. Die Privatspielplätze hinter unserem Haus sind gut besucht. Ich hole mir die Kopfhörer aus dem Wohnzimmer und stelle „White Noise – 3 hours“ ein. Dann quäle ich mich durch die 64 Karteikarten, die ich auswendig lernen muss und die bis Mittwoch sitzen müssen.

19:00 Uhr Es gibt heute sehr früh Essen. Der Römer hat genauso gekocht wie dieser Tag war: Völlig schnörkellos, aber sehr angenehm. Es gibt grünen Spargel, Spiegelei und eine Scheibe Brot. Das Kind will nur Butter(brot), was sich darin zeigt, dass es die Butter ableckt und wenig Brot ist. Danach isst er einen Joghurt. Alle satt, alle glücklich und für einen Bewohner heißt es: Schlafanzug an. Der Römer telefoniert derweil nach Albanien. Wir dürfen auch in die Kamera winken.

21:00 Uhr Das Kind ist im Bett, der Pflaumenkuchen im Backofen, ich widme mich meinen Karteikarten und dann heißt es: Let’s call it a day! Heute war seit langem ein sehr, sehr entspannter Tag.

WMDEDGT – Mai 2022

Der Monatsfünfte und Frau Brüllen vergisst erstmal fragt mal wieder, mit was man seine Zeit verbringt. WMDEDGT nennt sie das und hier sieht das so aus:

07:20 Uhr Ich darf heute meinen gestrigen, verpassten Arbeitstag nachholen. Da die Kita wie jede Woche (in der kein Feiertag ist) gestreikt hat, freue ich mich darauf, in Präsenz zu arbeiten, da zwei Kolleginnen meine Anwesenheit vor Ort benötigen. Es regnet, ich muss einen 2jährigen zur S-Bahn schleppen, Sie können sich meine Stimmung vorstellen.

07:40 Uhr Kurzer Knatsch zwischen dem Römer und mir, da er sein Vorfahrtsrecht im Bad als gottgegeben betrachtet. Da ich gerade dabei bin Tabula rasa zu machen, sage ich ihm auch gleich, dass er mir donnerstags nie hilft, das Kind kitafein zu machen.

08;00 Uhr Mein Vortrag hat sofort gewirkt. Er weckt das Kind. Das dauert ein bisschen. Mit Blick auf die Uhr übernehme ich schlussendlich. Er fängt vor mir an zu arbeiten. Das Kind steht auf, geht in die Küche, ruft “Kissen! Kissen!”, geht aus der Küche und legt sich schnurstracks wieder zurück ins Bett – auf sein Kissen. So ein Tag ist das also. Ich persönlich finde die Idee genial und würde auch gerne “Kissen! Kissen!” machen, aber irgendjemand muss die verlorenen Stunden durch den Kita-Streik wieder reinarbeiten. Letztendlich schlage ich vor, dass er Peppa Wutz gucken kann, während er frühstückt. Es scheint zu wirken. Da das Kind beschäftigt wirkt, lege ich mein Büro-Make-Up auf. Diesmal sogar mir rotem Lippenstift. Wir haben heute Kundenbesuch und ich möchte nicht, dass sie immer meine Turnschuhe mustern. Deswegen lenke ich den Blick geschickt auf meine tiefroten Lippen. Für diese und weitere geniale Beauty-Tipps zögern Sie nicht, mir zu folgen. 😉

08:40 Uhr Das Kind ist frisch bezogen. Obwohl, so ganz wahr ist das nicht. Es hat noch sein Pyjama-Oberteil an, dass ich raffiniert mit einer Zip-Jacke kombiniert habe. Wir können los. Freude!

09:25 Uhr Die Erzieherinnen von Signorinos Gruppe sind nicht da. D.h. er hat irgendeine Vertretung. Fröhlich geht er ins Gruppenzimmer, nur um zu merken, dass seine Bezugspersonen fehlen. Tränen! Mit schlechtem Gewissen muss ich ihn dennoch dort lassen, da ich arbeiten muss. Das ewige Zermürbnis von Eltern eben. Ich hetze zur Arbeit.

09:40 -14:20 Uhr Ich bin in der Arbeit. Vorbereitung Kundentermin. Mehrere Anrufe. Organsieren, koordinieren, an den Chef delegieren, das Übliche eben. Dazwischen eine zehnminütige Mittagspause mit den Kolleg*innen.

14:20 Uhr Der Laptop ist in meinem Rucksack. Ich wünsche dem Kollegen ein schönes Wochenende. Er guckt irritiert. Ich hetze durchs Treppenhaus nach unten. Im zweiten Stock steht ein Konsulatsmitarbeiter (oder der Konsul himself?!) und übergibt etwas Kleines an einem Herrn im Trainingsanzug. Der Konsul guckt irritiert als er mich sieht. Ich auch, aber nur weil der Herr im Trainingsanzug dem Konsul des Konsulats einen Liter Sonnenblumenöl mitgebracht hat. Anscheinend wird das Öl nun offiziell als Währung in verschiedenen Ländern akzeptiert. Und wir Volltrottel horten nur Olivenöl im großen Stil…. So ist das eben, wenn man auf das falsche Öl setzt. Nach dieser irritierenden Szene geht’s zur Kita und ich sammle das Kind ein. “Heute hat er nicht geschlafen.”, flötet die Erzieherin. Ich grinse unter der Maske, denn das heißt früher Feierabend als Eltern. Am Dienstag hat er zwei Stunden geschlafen und das bedeutete: Um 23 Uhr schlief er endlich ein. Wir gehen zur Straßenbahn.

Hätten wir nur auf das richtige Öl gesetzt.

14:40 Uhr Die Straßenbahn hat eine neue Route. Bumsfallera, wir bekommen die ganz große Frankfurt-Tour über Sachsenhausen. Ein Rentner-Ehepaar steigt ein. Sie foppen sich gegenseitig. Immerhin haben sie sich noch etwas zu sagen. Nach 25 Minuten zahle ich den Preis für Signorinos ausgefallenes Mittagsschläfchen. Er schläft in der Tram ein. Ich trage das schlaffe Kind nach Hause. Mir fällt dabei beinahe der Arm ab. Einige Frankfurter Fußball-Fans kommen mir entgegen. Anscheinend geht es heute um etwas. Ich muss mal den Mann fragen. Der wird das wissen.

18:00 Uhr Der Römer kommt heim, snackt Signorinos Schüssel mit Blaubeeren weg und gibt dann an, Hunger zu haben. Bevor er sich seine kleine Wohlfühl-Platte aus lauwarmen Brot, Tomaten und einer feinen Auswahl an verschiedenen Käsesorten zubereitet, teile ich ihm mit, dass wir nachher “aber schon noch” (O-Ton) essen und dieses Nachher hoffentlich bald ist. Am Ende isst er ein Stück Brot mit einer kleinen Käseauswahl. Signorino schreit aus dem Kinderzimmer nach uns. Ich bleibe wie festgetackert sitzen, da ich heute genau 10 Minuten Mittagspause hatte und nur gerannt bin. Der Mann scrollt seelenruhig durch sein Handy. Ich räuspere mich. Signorino fordert Hilfe beim Lego-Aufzug ein. Der Mann, immer noch tiefentspannt, ignoriert uns. “Maaaaamaaaa! Aufzug!!!”, wird nun eindeutig aus dem Kinderzimmer gebrüllt. “Signorino meint dich.”, säusle ich. Der Mann guckt auf, seufzt, geht ins Kinderzimmer. Bei aller Liebe, aber ab und an darf sich der Gatte auch erheben.

20:00 Uhr Das Kind liegt im Bett. Hallelujah! Wie immer durfte ich ihn bringen, weil er mit mir in wenigen Minuten einschläft. Mit seinem Vater will er lieber „T(r)eppen“ aus Lego bauen. Der Mann ist so fertig vom „Nicht-ins-Bett-bringen“, dass er erstmal ein Eis braucht. Ich setze mich hin und fange an, meine Karteikarten fürs Studium zu lernen.

Let‘s call it a day!

WMDEDGT – März 2022

Es ist der 5. und die arme Frau Brüllen, die einen Skiunfall hatte (Gute Besserung!!), fragt wie immer: “Was machst du eigentlich den ganzen Tag?” oder, etwas kürzer:WMDEDGT.

gegen 02 Uhr: Signorino schreit. Ich höre ihn und stelle mich tot. Der Römer wacht wenige Augenblicke nach mir auf und sprintet zu Signorino. Wie eine schnurrige Katze strecke ich mich in unserem Bett aus und döse wieder ein.

08:30 Uhr Der Römer kam nicht wieder. Signorino ist wach und kommt in mein (höhö! so fühlte es sich an) Schlafzimmer. Wir kuscheln, dann will er „Schokoku(chen)“. Leider haben wir keinen. Dafür Schnecken (Huhu! Valentin! 😄 Da musste ich an dich denken). Signorino hüpft aus dem Bett. Er isst wenig Apfel-Schnecke, will dann Joghurt, dann lieber doch nicht, dann will er Brot mit Marmelade. Dann doch nicht mehr. Dadurch, dass das Kind aber momentan so wenig isst, sind wir froh, wenn er irgendetwas isst. Am Ende verspeist er das Franzbrötchen des Römers und der Römer isst den Rest vom Joghurt, den Rest der Schnecke und den Rest des Marmeladenbrötchens. Ich esse nur Schnecke.

09:30 Uhr Wir ziehen uns an. Der Römer beschwert sich, dass ich immer seine Pullis anziehe. Meine sind alle in der Wäsche, außerdem hat er mir seinen grauen Pulli geschenkt. Ich erinnere ihn daran, dass ich sogar eine Katze darauf genäht habe, weil er so unansehnlich war. Ruhig erkläre ich, dass er de facto oftmals meinen Pulli trägt und nicht andersherum. Er gibt auf.

Fröhlicher Katzenaufnäher auf dem Pulli.

10:30 Uhr Endlich ist alles für den Waldspaziergang gepackt. Man möchte meinen, wir fahren in den Urlaub. Heute fühle ich mich danach, etwas neues auszuprobieren. Also fahren wir zur Oberschweinstiege. Dort liegen Baumstämme herum, die das Kind beklettern will. Der Römer hilft. Aber sehen Sie selbst in der Galerie! Das Kind geht heute sehr viel und will partout nicht getragen werden (Juhu!). Am Ende helfen noch zwei Bestechungsquetschies um am Auto anzukommen. Der Römer ist etwas genervt, weil das Kind am Ende im großen Stil ausflippt und er gleichzeitig hungrig ist, was der Gatte aber nicht einsehen möchte. Ich biete dem römischen Ehemann einen Schokoriegel aus meinem Süßigkeitenfach in der Mittelkonsole an und fahre uns nach Hause. Mit zunehmendem Blutzuckerspiegel hört der Gatte auf zu schmollen.

13:30 Uhr Wir sind daheim. Ich beschließe, dass heute Sandwich-Tag ist und grille Auberginen und Paprika im Ofen. Dann vermische ich diese Kreation mit Schafskäse und toaste Bauernbrot. Tada! Essen ist fertig. Das Kind will nur „Bot mit Butti“, Brot mit Butter. Danach vertilgt er eine Banane. Wir beschließen, dass das Kind heute auch ohne Mittagsschlaf durchhalten kann. Nach einer Stunde legt sich der Römer geschafft in Signorinos Bett. Es kann wohl nicht jedes Familienmitglied ohne Mittagsschlaf durchhalten. 😉

15:30 Uhr Wir reden über unseren Urlaub Ende März. Der Römer möchte nach Albanien. Ich gebe ehrlich zu, dass ich momentan so ausgebrannt bin, dass ich mir das nur ungern antun würde. Erholung ist das keineswegs. Ganz im Gegenteil! Wir haben schon eine Beschwerdeliste von Verwandten, die das Kind IMMER NOCH NICHT gesehen haben. Und er ist schließlich schon 2 Jahre alt!!! Dass dazwischen Corona war und wir nicht vier Mal im Jahr nach Albanien reisen konnten, fehlt anscheinend in der Erinnerung der Verwandtschaft. Ich schlage dem Römer vor, dass ich ihm ein Formular ausstelle und beglaubigen lasse, dass er alleine mit Signorino ins EU-Ausland reisen darf. Er winkt ab. So dringend sei es nicht, dass er nach Albanien müsse. Außerdem sei es abends ganz furchtbar kalt. Nicht, dass das Kind sich erkältet. 😄 Ob wir denn stattdessen nach Dubai könnten? „Klar!“, sage ich und frage nach dem Reisebudget. Der Römer überlegt kurz. „800 Euro.“, gibt er schließlich sein Budget preis. „Vielleicht eher Dietzenbach statt Dubai? Aber auch nur, wenn wir daheim schlafen?“, ziehe ich ihn auf. Er versucht‘s mit Südspanien. Wir gucken mal, ob und wenn ja, wohin wir fahren.

17:00 Uhr Nachdem der Römer seit Wochen erwähnt, dass er heute aber ganz unbedingt das Auto innen putzen will, erinnere ich ihn daran, dass er auch heute ganz unbedingt das Auto innen putzen wollte. Er murmelt unverständliches. Ich bringe ihm den Staubsauger. Wir gehen in den Keller, um den neuen Kindersitz zu holen. Dort finden wir auch ein Laufrad, leider unaufgepumpt. Die Ballpumpe hilft auch nicht weiter. Wir nehmen den Auto-Aufzug und ich bekommen nur ein ganz klein bisschen Panik als er laut kracht. Dennoch: Wir kommen oben heil an. Dann putzen wir das Auto, während Signorino auf dem Parkplatz hin- und herläuft. Das Auto ist in einem desaströsen Zustand. 30 Minuten später, Signorinos neuer Kindersitz wurde gerade installiert, ist das Auto sauber. Das Kind, das zu Testzwecken in den neuen Kindersitz gesetzt wurde, weigert sich vehement auszusteigen. Also bringt der Römer den Kindersitz in den Keller und ich warte mit Signorino im Auto. Der Gatte kommt zurück, wir fahren los. Bei den Spritpreisen ist eine Spritztour in der Stadt ziemlich dämlich. Wir düsen ins Westend, dann wieder zurück. Ein Transporter steht in unserer Einfahrt, also fahren wir noch eine kleine Runde. Unglücklicherweise schläft das Kind ein. Nach 15 Minuten sind wir wieder daheim. Das Kind betrachtet es als Affront, ihn aus dem Schlaf gerissen zu haben. Die Laune ist katastrophal, aber noch katastrophaler wäre es, das Kind nicht zu wecken und bis weit nach Mitternacht zu bespaßen. So ist er hoffentlich nur bis 22 Uhr wach.

19:00 Uhr Der Mann macht Pesto. Da das Kind momentan ein schwieriger Esser ist, hoffen wir, damit punkten zu können. Es klappt. Gnocchi mit Pesto werden vom kleinsten Farniente verschlungen. Ich habe heute den festen Plan, dass das Kind vom Mann ins Bett gebracht wird, nachdem ich das seit Wochen und Monaten mache. „Volentieri. [Gerne.]“, sagt der Mann und wir wissen beide, dass das auch heute wieder nichts wird.

21:30 Uhr Das Kind scheint ausreichend müde zu sein. Ich verstecke mich im Bad. Der Mann putzt mit dem Nachwuchs Zähne. Dann legen sie sich ins Bett. Und natürlich flippt der Kleine komplett aus. Komplett. Ich wiederhole im Geiste, dass er auch ohne mich auskommt, zumindest ein „Ins-Bett-bringen“ in drei Monaten. Er lässt sich nicht beruhigen. Ich gehe genervt in sein Zimmer und bringe ihn ins Bett.

Let‘s call it a day!

WMDEDGT – Februar 2022

Es ist der 5. und Frau Brüllen fragt wie immer: “Was machst du eigentlich den ganzen Tag?” oder, etwas kürzer:WMDEDGT.

Gegen 04:00 Uhr: Ich höre den Römer ins Kinderzimmer eilen. Das Kind ruft. Wie schon seit seinem 2. Geburtstag ist mein müder Körper auf beiden Ohren taub. Das ist nicht vorsätzlich, sondern tatsächlich erwache ich, einmal eingeschlafen, erst, wenn der Römer schon zum Kind unterwegs ist. Ich strecke mich im großen Bett aus und erwarte die Rückkehr des Römers nicht vor dem Morgengrauen.

07:00 Uhr Der Römer packt eifrig die letzten Dinge in seinen Rucksack. Ich schlafe gleich wieder ein.

08:00 Uhr Der Römer verabschiedet sich. Heute geht es nach Albanien. Eigentlich wollte er schon gestern fliegen, aber der Winterflugplan machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Deswegen fliegt er heute und kommt morgen Nachmittag wieder. Er wünscht mir eine schöne Zeit. Ich lächle schlaftrunken. Jaja, wird toll! Ciao Kakao und Arrivederci!

08:30 Uhr Das Kind schreit, weil der Römer seine Kinderzimmertüre zugemacht hat und der kleine Kerl sie schlaftrunken nicht so schnell wie gewohnt aufbekommt. Ich erwache, springe auf und befreie ihn und wir frühstücken. Er will „Sneke“, eine Hefeschnecke also. Nach 36 Stunden ohne Erbrechen beschließe ich, dass Sneke schon klar geht. Das Kind muss ja wieder zu Kräften kommen. Er vertilgt Sneke, ich esse das was von der Schnecke übrig bleibt und trinke Espresso und Schwarztee dazu.

10:00 Uhr Das Kind ist angezogen. Da die meisten Oberteile vollgespuckt waren, leiden wir momentan an einem akuten Mangel an Kleidung. Mutti kommt mit dem Waschen gar nicht mehr hinterher. Er trägt heute eben ein Pyjama Oberteil, dass als ein Normales durchaus durchgehen könnte. Ich beschließe zu duschen, kommuniziere das dem Kind und lasse die Badezimmertür offen. Meine Duschzeit, das sollte ich wohlwollend erwähnen, ist auf alle Fälle länger geworden im Vergleich zu damals als Signorino ein Baby war und man sich unter der Dusche zum Hampelmann machen musste. Signorino kommt mit einem gelben Plastikbecher an und will Wasser. Ich, immer noch duschend, lasse ihm etwas Wasser aus dem Duschschlauch in die Tasse. Er schüttet das Wasser zurück in die Badewanne, in der ich stehend dusche. „No ´mal!“, also nochmal, will er Wasser. Immer wieder. Ich wasche währenddessen die Haare, gieße Wasser nach, spüle meine Haare aus, gieße Wasser nach. Und so weiter und so weiter. Irgendwann ist es dann auch mal genug mit Duschen und ich steige aus der Badewanne aus.

10:30 Uhr Die Stimmung kippt. Signorino will jetzt „Ein Eis!“. Ich sage Nein. Er heult, brüllt und zwickt. Letzteres ist neu. Die Stimmung kriegt sich nicht mehr so richtig ein, er quengelt, motzt, schreit, beschwert sich. Ich beneide den Mann, der seelenruhig in einem Flugzeug sitzt und vermutlich die Aussicht auf Sitzplatz 5A genießt. Dann beschließe ich, dass wir versuchen, ob aus den Granatapfel- und Mandarinenkernen ein Baum entwächst. Ich hole einen Eierkarton, wir geben Erde hinein, setzen die Samen ein, gießen und ich habe die grandiose Idee, auf die Kartonseite zu schreiben, was darin hoffentlich bald wächst und gedeiht. Zusätzlich werfe ich noch ein paar Chillis in die zwei übrig gebliebene Eierkartonboxen. Dank der Heidelberger Verwandtschaft verfügen wir über so viele Chili-Samen, dass wir eine Chili-Farm aufmachen könnten.

Chilli habe ich auch dazu geworfen. Danke an die Heidelberger*innen für diese wunderbaren Samen!

11:30 Uhr Die Haare sind geföhnt, das Kind in 1001 Schichten gegen die Kälte gepackt, das Retourenpaket ist zugeklebt, wir können los. Signorino will den Buggy nehmen, aber auf diesen Trick falle ich nicht mehr herein. In der Vergangenheit sah das so aus: Er sitzt 30 Sekunden im Buggy, dann beschwert er sich und will getragen werden. Also schleppt man das Kind durch die Gegend, während man den Buggy mit einer Hand schiebt. Ne, ne. Da kann ich ihn auch gleich tragen. Er geht 20 Meter, dann, Sie ahnen es bereits, will er getragen werden. Ich schleppe Paket und Kind bis es mir gelingt, ihm den Mittelstreifen der Allee schmackhaft zu machen. Er sammelt Stöcke, ruft Gagai (Staubsauger auf Signorinisch) und wir staubsaugen die Allee bis zur Packstation. Immer, wenn ich aufhöre, Staubsauger-Geräusche zu machen, erinnert mich Signorino streng an meine Pflichten als Mutter, die auch darin bestehen, die richtigen Geräusche zur richtigen Zeit zu machen. An der Packstation angekommen, geben wir das Paket auf. Dann nehmen wir die Rolltreppe zum Bahnsteig, saugen den Bahnsteig mit dem Stock ab, und nehmen die Rolltreppe wieder nach unten. Ein Stück an der großen Straße, dann möchte Signorino gerne getragen werden. Ich schleppe das 13 Kilo Kind Richtung Grundschule. Dort möchte er von meinem Arm, weil er traurig am Zaun stehen und wissen will, wo die “Babys” sind. Die Babys, die in der Realität Schulkinder sind, haben Wochenende. So wie wir. Ich mache das “Ciao Ciao!”-Spiel und tue so, als würde ich schon mal gehen. Signorino lacht und läuft mir hinterher. Dann bleibt er abrupt stehen und will, dass ich wieder vier Schritte vorausgehe und “Ciao Ciao” sage. Irgendwann sind wir dann daheim. Das Kind will “Waffen”. Hört sich gefährlich an, sind aber nur Waffeln. Er kann das L noch nicht aussprechen. Klar würde ich ihm lieber Brokkoli-Quinoa Taler geben, aber machen wir uns nichts vor: Die verschmäht er eh. Da wir nach dem vielen Erbrechen in der Aufpäppel-Phase sind und er eh so dürr ist, kann er ruhig Waffeln essen. Ich hole die Zutaten aus dem Kühlschrank. Er gähnt. Wieder und wieder. Na, dann geht es eben rasch ins Bett. Gute Nacht, Signorino.

13:30 Uhr Der Mann ist gut angekommen. Das verrät mir nicht etwa eine liebevolle Nachricht. Ne, meine Kreditkarte hat’s mir gesagt. “Sie haben 5500 Lek am Flughafen Tirana abgehoben.” informiert sie mich. Ja, dann wird das wohl so sein. Wer den Umrechnungskurs nicht kennt, wird vermutlich denken, dass der Mann sich ins Ausland mit meiner Kreditkarte absetzt. Aber es sind nur 45€. Weit kommt er damit nicht.

14:00 Uhr Wir haben seit Wochen (oder Monaten) einen geringfügigen Wasserschaden in der Küche. D.h. in unregelmäßigen Abständen füllt sich eine Fuge mit Wasser und verteilt 100ml klare Flüssigkeit in der Küche. Da es aber so wenig Wasser ist, welches auch nicht regelmäßig austritt, wischen wir es auf, suchten zwei Mal nach dem Problem (und fanden es nicht) und gingen dann dazu über, damit zu leben. Denn, wenn eines hier fehlt, dann ist es Zeit. Heute aber, der Mann ausgeflogen (immerhin nicht abgeschoben), das Kind schlafend, fragte ich mich, was seit Wochen Fehler “OE” auf dem Display der Waschmaschine bedeutet. In der Vergangenheit deutete ich es mit “Wird schon passen. Dann mache ich die Waschmaschine aus und räume sie aus.”. Jetzt stellte sich nach einer kurzen Suchaktion im Interner aber heraus: Es bedeutet “Knick im Abflussschlauch” (unmöglich, haben wir schon überprüft) oder “Säubern Sie das Flusensieb”. Huch! Das habe ich wahrlich noch nie gemacht. “Lassen Sie dazu das Wasser über den Schlauch neben dem Flusensieb ab.”. Haha! Ich ließ also zehn große 0,75 Liter Flaschen Wasser ab. Das sagt dir auch keiner vorher. Gut, die Bedienungsanleitung hätte das getan, aber wer hat Zeit die Bedienungsanleitung zu lesen? Ich zog also das Sieb heraus. Es hakte etwas, was daran lag, dass sich eine riesige, haarige, dunkelblaue Fluse darin verhedderte. Ich säuberte und entfernte alles Flusige und tada: Jetzt sollte es wieder laufen. Danach reinigte ich die Trommel mit dem Waschprogramm, dass den fantasievollen Namen “Trommelreinigung” trägt und hoffe nun, dass der Wasserschaden damit auch behoben ist. Übrigens, hier ein Service Tipp: Beim Auffangen des Wassers wird empfohlen ein Handtuch unter die flache Schüssel (oder eine Flasche) zu positionieren, keine Kinderhose, die in der Nähe liegt und eh zu waschen ist. Und ja, da hat sich jemand was dabei gedacht. 🙈

16:00 Uhr Der Mann ruft an, leider höre ich den Anruf nicht. Ich rufe zurück und werde mit einem “Senti, non ti volevo chiamare. [Hör mal, ich wollte dich gar nicht anrufen.]” Hach, wie charmant. Soll er sich doch mit seinen 5500 Lek in Albanien absetzen. Er sei im Auto des Bruders eines Freundes, schildert er mir. Er rufe nachher zurück, wenn er bei seiner Familie sei.Na dann. Signorino und ich essen Waffeln. Richtig viel Hunger hat der Kleine nicht. Ich biete ihm Banane an. Die will er auch nicht.

17:30 Uhr Albanien ruft an. Ganz witzig, die Szene mit Mann im Telefon zu sehen. Ich fühle mich nicht Videotelefonie tauglich und zeige das Kind. Übrigens ist das ein grandioser Vorteil, wenn man ein Kind hat. Man muss sich der Verwandtschaft nicht stellen. Alle albanischen Familienmitglieder rasten aus vor Freude und kramen ihr verstaubtes Italienisch raus, um mit Signorino zu kommunizieren. Ein Raunen geht durch die Menge als er „Ciao Ciao“ sagt und winkt. Jede*r will Signorinos Aufmerksamkeit. Ihm ist das egal. Er will am liebsten mit seinen Legos spielen. Ich lasse Grüße an alle ausrichten. Wir verabschieden uns! Mirupafshim!

19:00 Uhr Das Kind hat etwas gegessen. Nicht viel, aber immerhin etwas. Ich lese meinen heutigen Text, also diesen, den Sie gerade lesen, und schäme mich. Eine bunte Mischung aus Flüchtigkeitsfehlern und Autokorrektur macht aus meinem Text einen tollen Übungstext für Schüler. Das Motto wäre „Markiere die Fehler und schreibe die falsch geschrieben Worte korrekt“. You‘re welcome. Vielleicht haben Sie noch nicht genug Übungsblätter für den Nachwuchs. Und Ja, das war ein Scherz. 😄 Ich gehe mich dann mal um meine Ofenpommes kümmern. Wenn der Mann außer Haus ist, kann ich auch mal Nicht-Italienisch essen, ohne vorher einen 30 minütigen Vortrag lauschen zu müssen, warum die italienische Küche die beste der Welt ist.

20:55 Uhr Die italienische Hymne ertönt. Es ist der letzte Abend von Sanremo. Man darf gespannt sein.

WMDEDGT- Januar 2022

Es ist der 5. und Frau Brüllen fragt wie immer: “Was machst du eigentlich den ganzen Tag?” oder, etwas kürzer:WMDEDGT.

07:00 Uhr – Aufstehen. Der Römer hat sich schon unbemerkt aus dem Haus geschlichen. Ich esse zwei Kekse, trinke einen Espresso und vier Schluck Tee und begebe mich in die Maske. Für mehr als UV-Creme, Tagescreme und aufgepinselten Lidschatten, den ich als Kajal missbrauche, reicht es trotzdem nicht. Stichwort: Es reicht für die Videokonferenzen, aber live braucht mich auch keiner treffen. Da Homeoffice Pflicht ist, gehe ich davon aus, niemanden im Büro anzutreffen, so wie an den letzten beiden Tagen.

08:00 Uhr – Ich wecke Signorino. Er schläft tief und fest. Die Idee in die Kita zu gehen, findet er zwar nicht berauschend, aber immerhin brüllt er nicht. Er frühstückt extrem langsam. Nach 20 Minuten ziehe ich ihn an während er an seinem Haferkeks nuckelt. Ich biete ihm, damit er überhaupt etwas im Magen hat, Marmeladen gefüllte Schokoherzen an. “Signorino, willst du sowas?”, sage ich und er wiederholt “Sowas.”.Er nimmt das Herz in Empfang, probiert, macht “JamJamJam” (Wirklich!) und schreit dann begeistert “Sowas”. Ich kläre ihn auf, dass “Sowas” nicht der Name der Schokoherzen ist und nenne die korrekte Bezeichnung, doch der Zug ist abgefahren. Nach “Sette” gibt es nun eben “Sowas”.

08:30 Uhr – Es hat 3 Grad Außentemperatur, aber zum Glück nicht Innentemperatur. Blöderweise müssen wir hinaus und können nicht drinnen bleiben. Wir gehen zur S-Bahn, Signorino fragt, ob wir Zug fahren und ich bestätige. Dann geht er erstaunlich lang selbst, bevor er getragen werden will. Ich liefere ihn in der Kita ab, er weint kurz, ich tröste, dann rennt er zum Spielen. Mein Tschüss bekommt er schon gar nicht mehr mit.

09:15 Uhr – Ich nehme meine obligatorische Arbeitssprachnachricht für den Anderen auf. Immer im Grüngürtel beginnend und im Grüngürtel endend, erzähle ich ihm von meinem bevorstehenden Tag und wünsche ihm einen guten Morgen, wenn er um 12 Uhr aufsteht. Er war gerade in L.A., das Jetlag ist noch recht frisch.

09:25 Uhr – Das Licht brennt im Büro, die Tür ist unverschlossen. Ich treffe auf zwei Kollegen und mir wird eine dritte Kollegin angekündigt. Full-House, Wahnsinn! Hätte ich mal lieber heute Morgen das Gala-Makeup aufgetragen. Naja! Chance vertan. Wir treffen uns in der Kaffeeküche wie in alten Zeiten, nur dass ich diesmal ganz beiläufig anfrage, ob sie sich brav getestet haben, denn das müsse ich in meiner Liste vermerken. Mit einem Test in der linken und dem Espresso in der rechten Hand verziehe ich mich in meinen Raum, trinke den Espresso und mache danach den Test. Immerhin hätte ich bei einem positiven Ergebnis einen guten Espresso vorher gehabt. Doch ich bin negativ und darf mich der Entrümpelung der Kammer des Schreckens widmen. Nomen est omen. Es ist schrecklich. Ich versuche alles bei Kleinanzeigen zu verschachern, aber es ist sehr mühselig. Dazwischen bestelle ich Getränke, kümmere mich um Blickschutzbildschirmfolien und kommuniziere das den Kollegen auf Englisch. Falls Sie sich, wie ich heute Vormittag, fragen, was Blickschutzbildschirmfolie auf Englisch heißt: Privacy screen protector. You’re welcome!

10:00 Uhr – Ich telefoniere über die Bundeslandgrenze nach Bayern in die Zentrale. Und siehe da: Die haben morgen schon wieder Feiertag! Heilig Drei König. Ständig gibt es was zu feiern in Bayern. Ich beschwere mich etwas bei meiner Kollegin. Sie zeigt Verständnis und bestellt als Wiedergutmachung vier Bildschirme für das Frankfurter Büro. Immerhin hat jemand Mitleid mit den armen Hessen.

12:15 Uhr – Die Kollegen gehen zum Mittagessen. Ich dürfte natürlich auch mit, aber leider komme ich sonst nicht auf meine Stunden. Also bestelle ich mir eine Bowl, wie man auf hessisch sagt. Leider ohne Reis, stattdessen mit Salat. Das sehe ich aber erst als ich auf den Salat starre. Ja gut! Dann halt “low carb”. Zum Ausgleich gönne ich mir drei Schokoriegel und einen Espresso, damit mein Körper nicht in Aufruhr gerät und streikt. Man weiß ja nie.

14:05 Uhr – Ich packe den Laptop ein, briefe die Kollegen, dass sie dem Kleinanzeigen Kunden bitte aufmachen mögrn und verschwinde in das Grau in Grau Frankfurts. Ein Stück den Grüngürtel entlang, der im Winter auch problemlos Braungürtel heißen könnte, und schon bin ich an der Kita. Kurzes Briefing der Erzieherin, Signorino will nochmal Brot und wir gehen zur S-Bahn.

15:05 Uhr – Wir sind daheim und essen Joghurt und Banane. Dann kuscheln wir uns auf die Couch und gucken Bobo Siebenschläfer*. Jedesmal, wenn Bobo mit Mama Siebenschläfer im Garten ist, und Mama “So, Bobo, jetzt graben wir ein Loch.” sagt, bricht das Kind vor lauter Gelächter vollkommen zusammen.

16:05 Uhr – Der römische Gatte ist daheim. Heute ist Mittwoch und Einkaufstag. Überraschung: Er fühlt sich wie jeden Mittwoch miserabel. Als ich ihm ankündige, dass ich nochmal 2 Stunden arbeiten müsse und wir nicht einkaufen gehen, fühlt er sich immer noch nicht besser. Ich arbeite, Signorino ist sauer auf mich, weil ich keine Zeit für ihn habe, der Römer liegt mit seinem Handy auf der Couch. Ich erinnere den Mann daran, dass Homeoffice nicht bedeutet, dass ich trotzdem für alle ansprechbar bin, während ich auf der Tastatur herumklimpere. “Ma che devo fare?” [Aber was soll ich denn tun?] fragt der Gatte.

18:00 Uhr – Ich habe fertig, wie mancher sagen würde (Wenn Sie den Satz nicht kennen, sind Sie vermutlich noch recht jung. Herzlichen Glückwunsch!). Dann verziehe ich mich in die Badewanne. Manchmal braucht Mutti auch eine Pause. Das Kind brüllt. Ich schreie aus der Badewanne: “Er hat Hunger!!!” Der Römer bestreitet das, denn es sei doch erst 18:30 Uhr. Ich schreie wieder: “Er hat Hunger!!!” Nach dem vierten Mal gibt der Römer entnervt auf und siehe da – Signorino hatte Hunger.

20:00 Uhr – Der Gatte sagt, es gefriert heute Nacht nicht. Ich traue ihm nicht und muss wohl in die Kälte, um die Folie auf die Frontscheibe zu schnallen. Ich gräme mich noch etwas, schließlich ist es kalt und ich bereits im Schlafanzug.

Notfalls fahren wir Zug wie hier in Japan.

21:30 Uhr – Das Kind schläft endlich. Der Mann ist sich sicher, dass es nachts nicht gefriert und deswegen gehe ich heute nicht mehr aus dem Haus und decke das Auto ab. Soll es doch gefrieren! Dann kratze ich die Scheibe halt ab, während Signorino ums Auto herumläuft. 🤷🏻‍♀️

21:45 Uhr – Der sonst so beratungsresistente Mann fragt ausgerechnet mich nach Ratschlägen zu Zitationsstilen und Uni-Kram. Entweder er kennt niemand anderen oder er vertraut tatsächlich meiner Expertise? 🧐 Ich erkläre ihm etwas und er hört aufmerksam zu. Wenn Sie wüssten, wie das damals bei unseren internen Deutschunterricht ablief, wo er jedes Satzteil meinerseits anzweifelte, dann würden Sie sich jetzt ebenso wundern wie ich.

Ich beschließe zu lesen und dann ins Bett zu gehen. Let’s call it a day!

WMDEDGT – Dezember 21

Es ist der 5. und Frau Brüllen fragt wie immer: “Was machst du eigentlich den ganzen Tag?” oder, etwas kürzer: WMDEDGT.

09:00 Uhr Das Kind tappst in das Kinderzimmer, wo ich alleine schlief und immer noch schlafen möchte. Wir einigen uns auf kuscheln. Der Mann tappst hinterher, gibt mir einen Kuss und hört sich immer noch angeschlagen an. Dennoch fühlt er sich im Stande, Croissants in den Ofen zu legen und für das Kind Haferbrei zuzubereiten. Schlussendlich lässt er noch zwei Espressi aus der Maschine und setzt das Teewasser auf. Ich lese die Signorino’schen Kinderbuchklassiker, die der Nachwuchs mittlerweile (zum Teil) mitsprechen kann. Es geht in etwa so:

Ich: Lea stößt sich ihren Zeh. Das tut richtig, richtig…

Kind: WEH!!!

Ich: Tröstet sie der Schnuller?

Kind: NEIN!!!

Ich: Oma muss jetzt bei ihr sein.

10:00 Uhr Die Wohnung muss geputzt werden. Wir sortieren, räumen auf, saugen und wischen. Das Kind ist mehr oder weniger hilfreich. Am Ende putze ich das Bad, während Signorino seine Spielküche im großen Stil unter Wasser setzt. Selbst die Kinderzimmerwand ist nass. Zweisprachiges Schimpfen prasselt auf Signorino nieder. Der kleine Kerl lacht und will weiter Quatsch machen. Wir machen ihm deutlich, dass das großer, großer Sche*ß (O-Ton) ist. Er läuft durch die Wohnung und schreit „Sch*iß“. Heute sind wir wirklich wieder ganz tolle Eltern. Am Ende saugt er mit dem Staubsauger den Esstisch ab und fegt fast alles vom Tisch. Da ich wieder ins Bad zurückgegangen bin, um den Spiegel zu putzen, gibt es viel Geschrei zwischen dem Römer und Signorino. Am Ende kommt das heulende Kind ins Bad und will mir verständlich machen, dass Papa ihm den Staubsauger weggenommen hat. Ich tröste und beteuere, dass Papa das schon ganz richtig gemacht hat und Staubsauger nichts für Kinder sind – besonders, wenn er damit die Obstschale vom Tisch schleudern will.

12:00 Uhr Wir gehen an die frische Luft. Die große Tour de Paket wartet auf uns. Erst zur gelben Packstation, denn zwei Pakete müssen auf den Weg gebracht werden. Blöderweise, oder in Signorinos Fall, praktischerweise liegt diese in einer Bahnstation. Und Bahnstation bedeutet, Rolltreppen und Rolltreppen bedeuten grenzenloser Spaß. Wir geben die Pakete ab und nehmen den Weg von einer Seite des Bahnhofes auf die andere – hoch oben, immer dem Bahnsteig entlang. Davor und danach kann Signorino Rolltreppe fahren, was dazu führt, dass er nicht im großen Stil ausrastet. Win-Win sozusagen. Auf der anderen Seite des Bahnhofes liegt die schwarze Packstation. Ich hole ein Paket ab. Der Römer will wissen, was darin ist. Als ich mit „Silikon-Plätzchenunterlage“ antworte, lacht der sehr charmante Mann: „Die wird eh nur bei uns daheim herumliegen. Tu uns einen Gefallen und schick sie gleich zurück.“ Pff! Wird er schon sehen wie oft ich sie benutzen werde. Notfalls bekommt er sie nächstes Jahr zu Weihnachten. 😉 Wir schlendern heim. Dort angekommen mutiert Signorino zu einer unkontrollierbaren Katze. Er klettert auf den Stuhl und reißt die Orchidee vom Fensterbrett. Das macht er natürlich heimlich während wir uns die Jacken ausziehen. Als ich das römische „Ma che ca**o stai facendo?“, höre, weiß ich Bescheid. Hier ist mindestens eine mittelgroße Katastrophe in Gange. Signorino wird in sein Zimmer geschickt. Wir räumen alles auf und saugen nochmals durch. Immerhin sehe ich, dass der Topf viel, viel zu klein für die Orchidee ist. Deswegen werde ich nächste Woche wohl zum Baumarkt fahren müssen und ihr einen neuen Topf spendieren.

13:30 Uhr Wir haben zu Mittag gegessen. Das Kind gehört ins Bett. Ich übertrage dem Römer diese Aufgabe und mache mich daran, die Nikolaus-Aufmerksamkeiten einzupacken. Dieses Jahr bringt er eine Kleinigkeit für Turtle und Signorino. Wir sind leider leer ausgegangen. Vielleicht sind wir nächstes Jahr artiger. 🙂 Wenn es dämmert, wird es auf dem Balkon versteckt.

15:00 Uhr Als ich Turtle zum verfrühten Nikolaus-Fest eingeladen habe, habe ich nicht bedacht, dass wir weder Kuchen noch Plätzchen daheim haben. Der Römer schlägt Apple Crumble vor. Guter Mann! Geht schnell – und noch wichtiger: Wir haben alle Zutaten daheim. Selbst Vanilleeis hätten wir daheim. Und wer kennt ihn nicht, den typischen Nikolaus-Crumble. Eine alte, bayerische Tradition… oder ist es doch eine römische? 😉

15:40 Uhr Das Kind wird von uns geweckt. Der Römer düst ins Bad ab. Seinen Bart müsste er stutzen, gibt er an. Er hat vermutlich nur keine Lust, ein gewecktes und nöliges Kind zu bespaßen. Wenig später klingelt es. Ich vermute, es ist Turtle. Sie wäre aber 40 Minuten zu früh. Das ist normalerweise nicht ihr Stil. Letztendlich ist es der Nachbar mit dem ähnlichen, aber arabischen Nachnamen, der immer unsere Post bekommt (und umgekehrt). Schön ein Gesicht zum Namen zu haben.*

16:40 Uhr Tante Turtle kommt vorbei. Der Apple Crumble wird serviert und wir essen. Der Kleine findet erst Apple Crumble blöd, dann doch gut, dann findet er am besten Turtles Apple Crumble auf Turtles Teller. Als alle gegessen haben, was für eine Überraschung, entdecke ich doch tatsächlich zwei gefüllte Stiefel auf dem Balkon. Der Kleine findet Bausteine klasse, aber dass das ein Pizzeria Set ist, ist ihm total egal. Hauptsache Legosteine. Turtle freut sich, dass der Nikolaus an sich gedacht hat. Wir lesen Ausschnitte aus ihrem Buch. Etwas später bestellen wir Pizza.

18:30 Uhr Die Pizza kommt an. Sie ist okay. Der Römer findet sie schrecklich, obwohl wir schon das dritte Mal dort bestellt haben. Mein Lieblingsladen war das eh nie.

20:00 Uhr Turtle bricht auf. Der Römer bringt sie zur Bahn. Jetzt geht’s für den Mini gleich in die Badewanne. Das wird wieder der Brüller – im wahrsten Sinne des Wortes. Baden führt hier immer zu großem Geschrei.

22:00 Uhr Das Kind ist im Bett! Hallelujah! Let’s call it a day.

Gleich geht’s weiter….

*Da kommt meine innere Frau Keifflinger raus.

WMDEDGT – November 21

WMDEDGT – November 21

Es ist der 5., Turtles Geburtstag und Frau Brüllen fragt: “Was machst du eigentlich den ganzen Tag?” oder, etwas kürzer: WMDEDGT.

7:10 Uhr – Der Wecker klingelt. Fünf Minuten mehr gönne ich mir noch, dann stehe ich auf. Ein schnelles Frühstück, ein noch schnelleres Zurechtmachen und dann wecke ich Signorino. Was sonst eine Farce ist, gestaltet sich erstaunlich einfach. Er war wohl schon davor halb wach. Kaum begrüße ich ihn mit den Worten: „Guten Morgen, Signorino! Dein Potschi (Porridge, Haferbrei) wartet.“, schon steht er auf und läuft in meine Arme. Signorino frühstückt reichlich und gut. Ich ziehe ihn an, kleine Diskussion, ob er wirklich bei 7 Grad Außentemperatur eine Jacke braucht (Antwort: Ja!) und schon sitzen wir im Auto.

09:05 Uhr – Angekommen an der Kita finde ich heute einen Parkplatz an der Straße und nicht im Innenhof. Gestern beschwerte sich eine ansässige Verwaltungsfachangestellte in ihrem dunklen Audi* darüber, dass ich sie nicht einparken dürfe. Meine knappe Antwort darauf lautete: „Ja.“. Was hätte ich auch sagen sollen? Ich kann das Auto schlecht in die Hosentasche stecken und mit hoch zu den Gruppenräumen der Kita nehmen. Außerdem wäre ich in zügig innerhalb weniger Minuten aus der Kita herausgelaufen, wäre die Windel des Kindes beim Mittagsschläfchen nicht ausgelaufen. So durfte ich ihn im Kita-Badezimmer komplett aus- und um-ziehen, um sein neues Outfit durch eine dicke Schicht Herbst-/Winterklamotten zu ergänzen. Das dauert. Es war höhere Gewalt und deswegen ist mein Einparken, bei absolutem Parkplatzmangel, zu 100% gerechtfertigt.

09:15 Uhr – Doch zurück zum heutigen Tag: Als ich wieder im Auto saß, verriet mir die Tankanzeige, dass es nun an der Zeit wäre, zu tanken. Und Halleluja! Ich lese durchaus ab und an die Zeitung(en). Der Grundtenor war, dass das Tanken teurer geworden ist. Aber puh! Vor einem Jahr zahlte ich für einen ganzen Tank 47 Euro. Heute zahle ich, bei gleichem Auto und gleichen Temperaturen, 87 Euro. Ich zahle zähneknirschend und tuckere mit meiner Tankfüllung aus flüssigem Gold wieder heim. Daheim angekommen höre ich bei Turtle nach wie der Status Quo ihrer Erkältung ist. „Nein, nein, ich stecke euch an. Wir können aber spazieren gehen.“, antwortet sie auf die Frage, ob sie auf einen nachmittäglichen Geburtstagskaffee vorbeikommt. Kurz überlege ich, ob ich ihre Geburtstagsüberraschung enthülle, doch mir bleibt keine andere Wahl: Vor zwei Wochen bestellte ich eine Original Sacher Torte* aus Wien, die diesen Mittwoch verschickt wurde und mir donnerstags bereits per Expresszustellung überreicht wurde. Natürlich hält sich die Torte bis zu 14 Tagen, aber man will nichts riskieren. So legte ich die Karten auf den Tisch, erzählte Turtle von meiner Überraschung und bat sie, bitte doch zum Geburtstagskaffee zu kommen. Schließlich hat Turtle nur ein Mal im Jahr Geburtstag! Und dieser Tag war heute. Und siehe da! Sie ließ sich überzeugen und versprach mir, nachmittags bei uns vorbeizuschneien.

10:30 Uhr – Jetzt aber schnell: Ich hatte keine Geburtstagsdekoration, keine Sahne für den Kuchen, keine Salatherzen (dazu später mehr) und keine Kerzen. Ich hechtete zur Drogerie, bekam bis auf die Sahne und die Salatherzen alles, was ich brauchte und hetzte weiter zum Supermarkt, wo ich den Rest bekam. Voll beladen trat ich durch die Wohnungstür und sah das ganze Chaos mit völlig neuen Augen. Mit Gastgeber Augen, wenn Sie so wollen. Es half nichts! So konnte ich keine Gäste empfangen. Unzählige Bauklötzchen, Kaufmannsladen Artikel und haste-nicht-gesehen sammelte ich, verteilte es neu auf die entsprechenden Räume und saugte und wischte alles, was bei drei nicht auf den Bäumen war. Zu meinem großen Erstaunen verbarg sich nach einigem Putzen und Schrubben unter dem Schlachtfeld in Raum 1 eine Küche. Über was diese neue Wohnung nicht alles verfügte. 😉

Und schon war es wieder 13:50 Uhr. Signorino wollte von der Kita abgeholt werden und ich wollte heute die S-Bahn anstatt des Autos benutzen, denn der Freitagnachmittag Verkehr in Frankfurt ist mir zu langwierig. Um 14:09 Uhr nahm ich die S-Bahn und kam zwei Minuten vor Signorinos Abholzeit an der Kindertagesstätte an. Nächstes Mal weiß ich, dass ich früher losfahren muss. Signorino wusste nicht, ob er sich freuen oder doch lieber weiteressen sollte. Er entschied sich dazu, sein Stück Gurke freudestrahlend anzugrinsen, was ich für einen guten Kompromiss hielt. Sehr verwundert war der kleine Kerl, dass keine Familienkutsche vor der Tür stand. Seine Mutter hatte doch tatsächlich die Idee mit der Bahn nach Hause zu fahren. Das fand er sehr spannend.

Die Skyline von der Bahn aus.
Bahnhofsromantik.

15:20 Uhr – Wieder daheim machte er sich über zwei Becher Joghurt (Joki, wie er sagt) her. Ich deckte den Geburtstagstisch für Geburtstagsturtle auf, denn schon in wenigen Minuten sollte sie vor der Tür stehen. Und das tat sie auch! Ein Jahr älter, aber immer noch genauso bezaubernd, wünschte ich ihr alles Gute zum Geburtstag. Da der Römer noch nicht daheim war, fragte ich, ob es für sie in Ordnung wäre, auf den römischen Schwager zu warten. Das war es natürlich.

15:40 Uhr In der Zwischenzeit wies ich sie an, ihr Geschenk zu öffnen. Während ich vor Tagen nach „Schildkröten Deko“ gesucht habe, fand die Suchmaschine zwar keine passende Deko, aber ein Buch, das „Die Schildkröte hat Geburtstag*“ hieß. Ohne lange darüber nachzudenken, bestellte ich es. Kurz zusammengefasst geht es um eine Schildkröte, die sich nur einen Salatkopf wünscht, doch leider, leider, bringen ihr ihre Freunde alles mit – nur keinen Salatkopf. Sie bedankt sich höflich und freut sich über all ihre Geschenke, ist aber am Ende traurig, dass sie ihr Wunschgeschenk nicht bekommt. Dennoch gibt es ein Happy End. Passend zum Thema steckte ich Geburtstagskerzen in Salatherzen und servierte sie. Das war die Idee des Römers und ich fand sie genial.

Salatherzen mit Geburtstagskerzen. Ungewöhnlich, aber nicht unmöglich.

Um 16 Uhr kam der Römer von der Arbeit, sah sehr müde und geschafft aus, freute sich aber über die Sacher Torte. Signorino bekam das erste Stück, dass er zufrieden mampfte. Dann machten wir uns über den Kuchen her. Alle waren seeehr zufrieden. Abends gab es Pizza. Leider nicht von unserer Stammpizzeria, weil ich zu faul und (mittlerweile) nachtblind** bin, um auf die andere Seite der Stadt mit dem Auto zu fahren. Jedoch war die neapolitanische Pizza auch sehr lecker.

Die richtige Torte für Turtle.

Um 20 Uhr brachte ich Turtle zur Bahn, die ausdrücklich nicht gefahren werden wollte. Trotz meiner imaginären Nachtblindheit hätte ich den Weg ins Nachbarviertel ganz sicher gefunden. Sie verließ sich lieber auf die Bahn. 😉

Um 20:30 Uhr ging der Mini mit dem Römer ins Bett. Ich tippte den Tag ab und falle auch gleich ins Bett. Let’s call it a day!

*Werbung, unbezahlt und unbeauftragt

** Dringend muss ich zum Augenarzt deswegen, da ich den Eindruck habe, nachts nicht mehr zu 100% zu sehen.

WMDEDGT – Oktober 21

Es ist der 5. und Frau Brüllen fragt: “Was machst du eigentlich den ganzen Tag?” oder, etwas kürzer: WMDEDGT.

07:00 Uhr Der Wecker klingelt. Ich krieche aus dem Bett. Es war mal wieder eine bescheidene Nacht. Seit zwei Wochen wacht Signorino im 20 Minuten Takt auf. Zähne, Schub oder Was-auch-immer… Irgendwann ist es einem auch recht egal, was genau einem den dringend benötigten Schlaf raubt. Ein müder Römer kommt aus dem Kinderzimmer, dass kein Kinderzimmer, sondern viel mehr ein Römerzimmer ist. Das Kind will eh nicht allein schlafen und schläft im Elternzimmer, das ein Mutter-Kind-Zimmer ist. Wir frühstücken schnell. Ich eile ins Bad. Mit etwas Farbe im Gesicht sehe ich beinahe aus wie Gottes Geschenk an die Menschheit. Aber auch nur beinahe. 😉

08:10 Uhr Das Kind wird geweckt. Es hustet immer noch viel und ist verschnupft. Wir wissen nicht, ob er für den geplanten Rom-Aufenthalt in zwei Tagen fit ist. Hauptsächlich wegen des Fluges bin ich besorgt. Mit Erkältung zu fliegen ist kein Spaß. Das kann ich Ihnen aus eigener, leidvoller Erfahrung sagen.

Ob wir dieses Bild bald in live sehen?

08:40 Uhr Wir verlassen das Haus. Diesmal ist die Müllabfuhr früh dran und wir stottern nicht die ganze Allee hinter den fleißigen Jungs her. Ich fahre uns auf die andere Seite der Stadt. Wir parken, klappen den Buggy auf und eilen zur Kita. Wir geben Signorino ab, ich übergebe der Erzieherin ein paar Sachets Erkältungstee zum Probieren. Dann machen der Römer und ich uns auf den Weg zur Arbeit. An der Ampel trennen sich unsere Wege. Ein paar Meter durch den Grüngürtel, dann bin ich schon im Büro. Vier Stockwerke und ich bin so außer Atem, dass ich ein Sauerstoffzelt bräuchte. Mittlerweile ist es

09:40 Uhr Ich fahre den PC hoch, fröne meiner Arbeit zwischen Botengängen und Geburtstagskalendern (Ergebnis: Ich bin alt! Man könnte ich sagen, ich bin die Mutter Beimer des Büros) und dann ist es auch schon

14:10 Uhr und ich eile zur Kita. Signorino ist komplett angezogen und wartet an der Tür auf mich. Wir schlendern zum Parkplatz vor der alten Wohnung und düsen heim.

15:00 Uhr Daheim angekommen kämpfe ich mich durch den Haushalt, was sinnlos ist, denn das Kind verwüstet alles hinter meinem Rücken. Es ist wie ein mir ständig folgender Tornardo. Na gut. Ich frage ihn, ob er mir einen Kaffee machen kann. Er läuft in sein Kinderzimmer, macht mir einen Kaffee an seinem roten Kaffeevollautomat und mir bleibt genug Zeit, richtigen Kaffee an meiner Kaffeemaschine zu machen.

16:00 Uhr Der nette Herr vom Autohaus ruft an. Man müsse meine Reifen für die Fünf-Meter-Kutsche bestellen. 14 Tage dauert das ungefähr. Ob wir auch gleich die Sensoren austauschen sollen. Er erklärt mir die Pros und Kontras. Da ich gerne ein stressfreies Leben habe, entscheide ich mich dafür. Er will sich erkundigen, wie viel die Sensoren kosten. Ob wir den Service-Termin dann auf den Reifenmontiertermin verschieben sollen, frage ich. Als er hört, dass ich seit 60(!) Tagen ohne Service durch Frankfurt schlittere, bittet er mich, den Termin nicht zu verschieben.

19:00 Uhr Der Römer schreibt, dass er früher heimkommt. Die Freude ist groß – auf allen Seiten. Und nur fünf Minuten später steht er vor der Tür. Er verzieht sich nach einer Begrüßungsküsschenrunde zum Kochen. Signorino und ich bespielen die Rutsche. Die Lieblingsversion des Kindes ist, dass ich ihm helfe, die Rutschfläche von unten nach oben hochzulaufen, dann dreht er sich am höchsten Punkt um 180 Grad und ich mache eine Version von Engelchen-Flieg, in dem ich ihn an den Armen packe und nach unten segeln lasse. Wir spielen dieses Spiel unzählige Male bis Mutter Beimers Rücken klagt. Dann ist das Geheule groß und ich bin froh, dass der Römer die Pasta auf den Tisch stellt. Das Kind hat bereits gegessen und es ist „crazy time“. Das bedeutet, dass ihm nur noch affige Ideen mit hohem Gefahrenpotenzial in den Sinn kommen. Je müder das Kind, desto absurder die Ideen. Es ist ein ständiges Diskutieren, Heulen, Schreien und ich bin froh, wenn die Zeit des „Ab ins Bett!!“ naht.

21:10 Uhr Und da ist sie auch schon: Die Ab-ins-Bett-Zeit. Der Römer erbarmt sich, während ich mich durch Anträge und Flugticketbuchungen kämpfe. Um 21:50 Uhr fallen mir beinahe die Augen zu, aber ich will noch eine Stunde des Einführungsseminars meines aktuellsten Arbeitgebers mitbekommen.

Gute Nacht und Cheerio!

WMDEDGT – September 21

Es ist der 5. und Frau Brüllen fragt: “Was machst du eigentlich den ganzen Tag?” oder, etwas kürzer: WMDEDGT.

Alle anderen Mitblogger finden Sie übrigens hier.

Die Frage ist heute schnell beantwortet. Das Kind und ich liegen flach, gleichzeitig haben wir drei Farnientes einen Umzug zu meistern. Dabei sind die beiden Wörter “flach liegen” vollkommen irreführend. Keiner liegt und schon gar nicht flach. Das Kind weint viel, verweigert jegliche Medikamente und ist auch ansonsten recht instabil, läuft aber viel durch die Wohnung und still stehen stellt keinerlei Option da. Ich weine etwas weniger, nehme meine Medikamente, aber die Erkältungsviren haben in meinem Erwachsenenkörper viel mehr Spielfläche, um sich so richtig auszuleben. Gerne würde ich flach liegen, doch es gibt keine Möglichkeit dazu.

Die Nacht war miserabel. Der Morgen dramatisch. Mittags schlief das Kind und wachte mehrmals schreiend und vollkommen empört auf, weil es von seinem eigenen Hustenanfall geweckt wurde. Der Umzug wächst uns über den Kopf. Anstatt auf Kita und vier fleißige Hände zu vertrauen, ist die bittere Wahrheit, dass nur der Römer fit ist, das Kind so unmöglich in eine Betreuungseinrichtung gebracht werden kann und ich mich wie ein frisch geborenes Fohlen durch die Wohnung bewege. Wie sich die Situation letztendlich löst, erkläre ich Ihnen in den nächsten Tagen. Denn bis jetzt weiß ich es selber nicht wie wir diese Tage überstehen sollen.

“Wer rettet die Welt?” – Ich sicher nicht. Nicht heute.

Haben Sie’s fein, bleiben Sie gesund und Cheerio, Miss Sophie!

WMDEDGT – März 21

Es ist März. Es ist der Fünfte. Sie ahnen es: Frau Brüllen ruft zum Was machst du eigentlich den ganzen Tag (kurz: WMDEDGT) auf.

Also auf mit Gebrüll (höhö!) in diesen Freitag!

00:00 Uhr Ich klappe mein Buch zu und freue mich, dass ich es fertig gelesen habe. Obwohl, verschlungen trifft es eher. Nicht, weil es so spannend war (unspannend war es aber auch nicht!), sondern weil ich mit Signorino die wenige Zeit, die ich habe, so effizient wie möglich nutzen muss.

00:30 Uhr Ich frage den Römer, der über einem kompliziert aussehenden Buch über Fußsohlen hängt, ob er auch ins Bett gehen will. Wir einigen uns darauf, dass ich den Anfang im Bad mache und er noch etwas über Fußsohlen liest. Am Bad laufe ich dann wie durch Zauberhand vorbei und lande in der Küche. Zufrieden mümmel ich zwei Käsestangen weg, eh mich mein Weg doch noch ins Bad führt. Der Römer zieht wenig später nach, spart sich aber den Umweg über die Küche.

1:00 Uhr Wir betten das Kind um. Der Römer hat heute den Hauptpreis in der Schlaflos-Lotterie gewonnen und darf neben seinem Sprössling schlafen. Ich verziehe mich ins Einzelbett.

7:00 Uhr Der Römer weckt mich zum Bettentausch, weil er zur Arbeit muss. Ich ziehe in das vorgewärmte Doppelbett neben der kleinen Raupe im Schlafsack-Kokon um. Ich höre noch wie der Römer in die Dusche steigt, dann bin ich auch schon weggeschlummert…..

9:30 Uhr Signorino weckt mich, in dem er sich hin- und herdreht und mir „vorsummt“ wie seine Nacht war. Dazu zupft er mir an den Haaren und legt sich mit seinem Oberkörper auf mein Gesicht.

10 Uhr Wir kuscheln noch eine Runde, dann stehen wir auf. Ich mache uns Frühstück. Drei Löffel Haferschleim (wie mein Opa das neumodische Porridge bezeichnete) isst er, dann besteht er auf Kekse. Kluges Kind, kommt genau nach uns. Ich mache uns spanische und französische Jazz-Chansons an, die langsam plätschernd unser Frühstück untermalen.

10:30 Uhr Es klingelt. Erst nur ein Mal. Ich reagiere natürlich nicht. Dann klingelt es wieder. Ich bin genervt, beschließe aber von meiner Taktik nicht abzuweichen. Ein drittes Mal wird geklingelt. Ich überlege kurz zu öffnen, dann gucke ich an mir herunter: Schlabbershirt ohne BH, kurze Shorts, unrasierte Beine,…. meine vorherige Entscheidung manifestiert sich. Ein viertes Mal wird geklingelt. Ich springe entnervt auf. Meine innere Frau Keifflinger ruft durch die Wohnung „Wir sind doch hier nicht im Laufhaus!“. Dann fällt mein Blick auf das monströse Bekleidungspaket, das ich gestern für die Nachbarin angenommen habe. Ich öffne die Tür einen Spalt breit, weil ich quasi nackt bin. Niemand da. Ich knalle die Tür entnervt zu. Meine innere Frau Keifflinger denkt an den heutigen Artikel von Tom und schiebt ein entnervtes „Die kann froh sein, ihr Paket nicht in der Arnulfstraße abholen zu müssen.“ hinterher. Das würde ich ihr nach ihrer unerhörten Klingeltirade gönnen, 400 Kilometer nach München zu fahren um ihr dämliches Paket abzuholen. Dann erinnere ich mich daran, wie ich diesen Monat schon einmal auf der anderen Seite der Tür stand und mein Paket wollte. Die nächsten 10 Minuten fühle ich mich doof deswegen. Aber dann verfliegt das Gefühl wieder.

11:00 Uhr Heute ist der richtige Tag, das letzte Weihnachtsgeschenk an Signorino auszuhändigen. Er bekommt ein Legoset von seiner Oma. Da er zwischen Nikolaus und Weihnachten Geburtstag hat, ist der Dezember knallvoll mit Geschenken. Um das zu entzerren, teile ich sie auf die darauffolgenden Monate auf. Er freut sich sehr über die willkommene Abwechslung und wirft einen Legoanhänger durch die Gegend.

11:20 Uhr Ich räume die Spülmaschine aus und ein, wische galant über die Arbeitsplatte und beschließe heute im Wohnzimmer ordentlich aufzuräumen. Ich sauge, wische, räume um und auf, bis ich über die Ecke des Schreckens stolpere. Auf der Kommode stapelt sich zu kleine Kinderkleidung, die dringend verpackt werden muss und dann in den Keller soll. Ich beschließe, dass heute der richtige Tag dafür ist. Mitten im Tatendrang fällt mir Signorinos Kommode ein, die ebenso dringend ein Update bräuchte. Ich sortiere auch hier aus und verpacke alles in Tüten, die ich ordnungsgemäß beschrifte.

13:00 Uhr Schnelles Mittagessen: mini farfalle in bianco. Signorino verschmäht sein Essen wie er es seit Tagen mit allem macht. Dafür isst er 1,5 Bananen. Ich hingegen esse brav auf.

13:40 Uhr Signorino wird von mir ins Bett gebracht. Die Klingel ist ausgestellt. Das Handy ist lautlos. Ich beschließe mir einen caffè zu gönnen. Dann schreibe ich mit Turtle, mit der ich eigentlich morgen einen schwesterlichen Roadtrip nach München begehen sollte. Leider machte mir Signorino einen Strich durch die Rechnung, weil er momentan nicht einmal eine mütterliche Pinkelpause lang bei seinem Vater sein kann. Ich wünsche ihr eine gute Fahrt.

15:30 Uhr Signorino meldet sich, dass er wach ist und gerne aus dem Schlafzimmer abgeholt werden will. Ich lasse meinen Artikel über eine Schriftstellerin links liegen, schalte die Klingel wieder ein und bringe den kleinen Farniente ins Wohnzimmer. Von allem Angebotenen will er nur eine halbe Banane, einen Joghurt und ein Stück Brot mit Butter.

16:20 Uhr Ich beschließe nach einer sinnlosen Runde Trockenshampoo mir lieber gleich die Haare zu waschen. Ich streame die Lieblingslieder des Kindes auf dem Fernseher und wähne mich in Sicherheit beim Haare waschen. Eine Vorahnung bleibt und ich lasse die Badtür lieber offen. Zwei Minuten später läuft das Kind fröhlich grinsend mit einem Tesaroller an der Badezimmertür vorbei (wie kam der da überhaupt ran?). Ich sprinte hinterher, sehe ich doch vor meinem geistigen Auge bereits, dass er die Tesaklinge in den Mund nehmen will. Das Kind ist pissig, ich schweißgebadet und mein linkes Auge brennt, weil bei meinem Sprint halbausgespültes Shampoo vom Kopf ins Auge getropft ist. Ich spüle die Haare eilig aus und binde sie in einen Turban.

17:00 Uhr Die Nachbarin von heute Vormittag klingelt nochmals. Ich eile mit Handtuch-Turban zur Tür. Das Kind wittert seine Chance und eilt hinterher um sich den Hausflur genauer anzuschauen. Ich halte ihn fest, mein Turban rutscht. Ich reiche ihr das Paket und lächle entschuldigend. Sie bedankt sich artig. Darauf entscheide ich, dass ich zumindest den Haaransatz trocknen muss. Den Rest werde ich erledigen, wenn der Römer von der Arbeit heimkommt.

18:00 Uhr Der Römer kommt hungrig heim. Er berichtet von seinem Tag, einem beruflichen Angebot und vielem mehr. Dann gehen wir spazieren. Währenddessen schreibt seine Kollegin, ob er das Fenster am Empfang zugemacht hat, da er als letztes in den Feierabend ist. Er erinnert sich nicht und beschließt zurück zur Arbeit zu fahren. Er geht los – und ruft 5 Minuten später an. Er habe seinen Arbeitsschlüssel vergessen. Er kehrt kichernd zurück. Ich frage ihn augenzwinkernd, ob er getrunken hat. Religionsbedingt fällt die Antwort ernüchternd (hihi) aus.

19:30 Uhr Ich koche einen schnellen Milchreis für Signorino. Wir Erwachsenen wollen später irgendetwas kochen. Der Römer ist mittlerweile zurück von seinem Betriebsausflug. Dann diskutieren wir über das Jobangebot bis er zum römischen k.o. Argument „Aber in Italien sind die Gesetze so und so…“ kommt. Ich erkläre ihm, dass wir auf seinen Wunsch hin, in Deutschland sind und es kein Deutschland mit italienischen Gesetzen gäbe. Unsere imaginären Streitgeweihe haben sich mittlerweile ineinander verhakt. Das heißt „Timeout“ für uns! Der Römer schaufelt den Rest von Signorinos Milchreis rein. Ich kümmere mich um die Küche. Signorino kümmert sich um die Küchenhandtücher und den Papiermüll, in dem er alles irgendwo in der Wohnung verteilt.

21:30 Uhr Der Römer versteckt sich, Signorino muss ihn suchen. Der Römer hat dabei weitaus mehr Spaß als unser Ableger (und der kichert sich schon einen weg, wenn er seinen Papa hinter dem Buggy sitzend findet). Lautes Gelächter auf allen Seiten. Der Ableger wirkt noch nicht müde. Deswegen darf er noch etwas wachbleiben.

21:45 Uhr Jetzt aber fix ins Bett. Der Römer hat heute das Vergnügen, den Ableger ins Bett zu bringen.

23:20 Uhr Wir haben das Abendessen ausgelassen. Nun meldet sich der kleine Hunger. Ein Mitternachtssnack aus Käse, Oliven, Bresaola, Brot, später getrockneten Feigen und Süßkram muss her.