WMDEDGT – Oktober 21

Es ist der 5. und Frau Brüllen fragt: “Was machst du eigentlich den ganzen Tag?” oder, etwas kürzer: WMDEDGT.

07:00 Uhr Der Wecker klingelt. Ich krieche aus dem Bett. Es war mal wieder eine bescheidene Nacht. Seit zwei Wochen wacht Signorino im 20 Minuten Takt auf. Zähne, Schub oder Was-auch-immer… Irgendwann ist es einem auch recht egal, was genau einem den dringend benötigten Schlaf raubt. Ein müder Römer kommt aus dem Kinderzimmer, dass kein Kinderzimmer, sondern viel mehr ein Römerzimmer ist. Das Kind will eh nicht allein schlafen und schläft im Elternzimmer, das ein Mutter-Kind-Zimmer ist. Wir frühstücken schnell. Ich eile ins Bad. Mit etwas Farbe im Gesicht sehe ich beinahe aus wie Gottes Geschenk an die Menschheit. Aber auch nur beinahe. 😉

08:10 Uhr Das Kind wird geweckt. Es hustet immer noch viel und ist verschnupft. Wir wissen nicht, ob er für den geplanten Rom-Aufenthalt in zwei Tagen fit ist. Hauptsächlich wegen des Fluges bin ich besorgt. Mit Erkältung zu fliegen ist kein Spaß. Das kann ich Ihnen aus eigener, leidvoller Erfahrung sagen.

Ob wir dieses Bild bald in live sehen?

08:40 Uhr Wir verlassen das Haus. Diesmal ist die Müllabfuhr früh dran und wir stottern nicht die ganze Allee hinter den fleißigen Jungs her. Ich fahre uns auf die andere Seite der Stadt. Wir parken, klappen den Buggy auf und eilen zur Kita. Wir geben Signorino ab, ich übergebe der Erzieherin ein paar Sachets Erkältungstee zum Probieren. Dann machen der Römer und ich uns auf den Weg zur Arbeit. An der Ampel trennen sich unsere Wege. Ein paar Meter durch den Grüngürtel, dann bin ich schon im Büro. Vier Stockwerke und ich bin so außer Atem, dass ich ein Sauerstoffzelt bräuchte. Mittlerweile ist es

09:40 Uhr Ich fahre den PC hoch, fröne meiner Arbeit zwischen Botengängen und Geburtstagskalendern (Ergebnis: Ich bin alt! Man könnte ich sagen, ich bin die Mutter Beimer des Büros) und dann ist es auch schon

14:10 Uhr und ich eile zur Kita. Signorino ist komplett angezogen und wartet an der Tür auf mich. Wir schlendern zum Parkplatz vor der alten Wohnung und düsen heim.

15:00 Uhr Daheim angekommen kämpfe ich mich durch den Haushalt, was sinnlos ist, denn das Kind verwüstet alles hinter meinem Rücken. Es ist wie ein mir ständig folgender Tornardo. Na gut. Ich frage ihn, ob er mir einen Kaffee machen kann. Er läuft in sein Kinderzimmer, macht mir einen Kaffee an seinem roten Kaffeevollautomat und mir bleibt genug Zeit, richtigen Kaffee an meiner Kaffeemaschine zu machen.

16:00 Uhr Der nette Herr vom Autohaus ruft an. Man müsse meine Reifen für die Fünf-Meter-Kutsche bestellen. 14 Tage dauert das ungefähr. Ob wir auch gleich die Sensoren austauschen sollen. Er erklärt mir die Pros und Kontras. Da ich gerne ein stressfreies Leben habe, entscheide ich mich dafür. Er will sich erkundigen, wie viel die Sensoren kosten. Ob wir den Service-Termin dann auf den Reifenmontiertermin verschieben sollen, frage ich. Als er hört, dass ich seit 60(!) Tagen ohne Service durch Frankfurt schlittere, bittet er mich, den Termin nicht zu verschieben.

19:00 Uhr Der Römer schreibt, dass er früher heimkommt. Die Freude ist groß – auf allen Seiten. Und nur fünf Minuten später steht er vor der Tür. Er verzieht sich nach einer Begrüßungsküsschenrunde zum Kochen. Signorino und ich bespielen die Rutsche. Die Lieblingsversion des Kindes ist, dass ich ihm helfe, die Rutschfläche von unten nach oben hochzulaufen, dann dreht er sich am höchsten Punkt um 180 Grad und ich mache eine Version von Engelchen-Flieg, in dem ich ihn an den Armen packe und nach unten segeln lasse. Wir spielen dieses Spiel unzählige Male bis Mutter Beimers Rücken klagt. Dann ist das Geheule groß und ich bin froh, dass der Römer die Pasta auf den Tisch stellt. Das Kind hat bereits gegessen und es ist „crazy time“. Das bedeutet, dass ihm nur noch affige Ideen mit hohem Gefahrenpotenzial in den Sinn kommen. Je müder das Kind, desto absurder die Ideen. Es ist ein ständiges Diskutieren, Heulen, Schreien und ich bin froh, wenn die Zeit des „Ab ins Bett!!“ naht.

21:10 Uhr Und da ist sie auch schon: Die Ab-ins-Bett-Zeit. Der Römer erbarmt sich, während ich mich durch Anträge und Flugticketbuchungen kämpfe. Um 21:50 Uhr fallen mir beinahe die Augen zu, aber ich will noch eine Stunde des Einführungsseminars meines aktuellsten Arbeitgebers mitbekommen.

Gute Nacht und Cheerio!

WMDEDGT – September 21

Es ist der 5. und Frau Brüllen fragt: “Was machst du eigentlich den ganzen Tag?” oder, etwas kürzer: WMDEDGT.

Alle anderen Mitblogger finden Sie übrigens hier.

Die Frage ist heute schnell beantwortet. Das Kind und ich liegen flach, gleichzeitig haben wir drei Farnientes einen Umzug zu meistern. Dabei sind die beiden Wörter “flach liegen” vollkommen irreführend. Keiner liegt und schon gar nicht flach. Das Kind weint viel, verweigert jegliche Medikamente und ist auch ansonsten recht instabil, läuft aber viel durch die Wohnung und still stehen stellt keinerlei Option da. Ich weine etwas weniger, nehme meine Medikamente, aber die Erkältungsviren haben in meinem Erwachsenenkörper viel mehr Spielfläche, um sich so richtig auszuleben. Gerne würde ich flach liegen, doch es gibt keine Möglichkeit dazu.

Die Nacht war miserabel. Der Morgen dramatisch. Mittags schlief das Kind und wachte mehrmals schreiend und vollkommen empört auf, weil es von seinem eigenen Hustenanfall geweckt wurde. Der Umzug wächst uns über den Kopf. Anstatt auf Kita und vier fleißige Hände zu vertrauen, ist die bittere Wahrheit, dass nur der Römer fit ist, das Kind so unmöglich in eine Betreuungseinrichtung gebracht werden kann und ich mich wie ein frisch geborenes Fohlen durch die Wohnung bewege. Wie sich die Situation letztendlich löst, erkläre ich Ihnen in den nächsten Tagen. Denn bis jetzt weiß ich es selber nicht wie wir diese Tage überstehen sollen.

“Wer rettet die Welt?” – Ich sicher nicht. Nicht heute.

Haben Sie’s fein, bleiben Sie gesund und Cheerio, Miss Sophie!

WMDEDGT – März 21

Es ist März. Es ist der Fünfte. Sie ahnen es: Frau Brüllen ruft zum Was machst du eigentlich den ganzen Tag (kurz: WMDEDGT) auf.

Also auf mit Gebrüll (höhö!) in diesen Freitag!

00:00 Uhr Ich klappe mein Buch zu und freue mich, dass ich es fertig gelesen habe. Obwohl, verschlungen trifft es eher. Nicht, weil es so spannend war (unspannend war es aber auch nicht!), sondern weil ich mit Signorino die wenige Zeit, die ich habe, so effizient wie möglich nutzen muss.

00:30 Uhr Ich frage den Römer, der über einem kompliziert aussehenden Buch über Fußsohlen hängt, ob er auch ins Bett gehen will. Wir einigen uns darauf, dass ich den Anfang im Bad mache und er noch etwas über Fußsohlen liest. Am Bad laufe ich dann wie durch Zauberhand vorbei und lande in der Küche. Zufrieden mümmel ich zwei Käsestangen weg, eh mich mein Weg doch noch ins Bad führt. Der Römer zieht wenig später nach, spart sich aber den Umweg über die Küche.

1:00 Uhr Wir betten das Kind um. Der Römer hat heute den Hauptpreis in der Schlaflos-Lotterie gewonnen und darf neben seinem Sprössling schlafen. Ich verziehe mich ins Einzelbett.

7:00 Uhr Der Römer weckt mich zum Bettentausch, weil er zur Arbeit muss. Ich ziehe in das vorgewärmte Doppelbett neben der kleinen Raupe im Schlafsack-Kokon um. Ich höre noch wie der Römer in die Dusche steigt, dann bin ich auch schon weggeschlummert…..

9:30 Uhr Signorino weckt mich, in dem er sich hin- und herdreht und mir „vorsummt“ wie seine Nacht war. Dazu zupft er mir an den Haaren und legt sich mit seinem Oberkörper auf mein Gesicht.

10 Uhr Wir kuscheln noch eine Runde, dann stehen wir auf. Ich mache uns Frühstück. Drei Löffel Haferschleim (wie mein Opa das neumodische Porridge bezeichnete) isst er, dann besteht er auf Kekse. Kluges Kind, kommt genau nach uns. Ich mache uns spanische und französische Jazz-Chansons an, die langsam plätschernd unser Frühstück untermalen.

10:30 Uhr Es klingelt. Erst nur ein Mal. Ich reagiere natürlich nicht. Dann klingelt es wieder. Ich bin genervt, beschließe aber von meiner Taktik nicht abzuweichen. Ein drittes Mal wird geklingelt. Ich überlege kurz zu öffnen, dann gucke ich an mir herunter: Schlabbershirt ohne BH, kurze Shorts, unrasierte Beine,…. meine vorherige Entscheidung manifestiert sich. Ein viertes Mal wird geklingelt. Ich springe entnervt auf. Meine innere Frau Keifflinger ruft durch die Wohnung „Wir sind doch hier nicht im Laufhaus!“. Dann fällt mein Blick auf das monströse Bekleidungspaket, das ich gestern für die Nachbarin angenommen habe. Ich öffne die Tür einen Spalt breit, weil ich quasi nackt bin. Niemand da. Ich knalle die Tür entnervt zu. Meine innere Frau Keifflinger denkt an den heutigen Artikel von Tom und schiebt ein entnervtes „Die kann froh sein, ihr Paket nicht in der Arnulfstraße abholen zu müssen.“ hinterher. Das würde ich ihr nach ihrer unerhörten Klingeltirade gönnen, 400 Kilometer nach München zu fahren um ihr dämliches Paket abzuholen. Dann erinnere ich mich daran, wie ich diesen Monat schon einmal auf der anderen Seite der Tür stand und mein Paket wollte. Die nächsten 10 Minuten fühle ich mich doof deswegen. Aber dann verfliegt das Gefühl wieder.

11:00 Uhr Heute ist der richtige Tag, das letzte Weihnachtsgeschenk an Signorino auszuhändigen. Er bekommt ein Legoset von seiner Oma. Da er zwischen Nikolaus und Weihnachten Geburtstag hat, ist der Dezember knallvoll mit Geschenken. Um das zu entzerren, teile ich sie auf die darauffolgenden Monate auf. Er freut sich sehr über die willkommene Abwechslung und wirft einen Legoanhänger durch die Gegend.

11:20 Uhr Ich räume die Spülmaschine aus und ein, wische galant über die Arbeitsplatte und beschließe heute im Wohnzimmer ordentlich aufzuräumen. Ich sauge, wische, räume um und auf, bis ich über die Ecke des Schreckens stolpere. Auf der Kommode stapelt sich zu kleine Kinderkleidung, die dringend verpackt werden muss und dann in den Keller soll. Ich beschließe, dass heute der richtige Tag dafür ist. Mitten im Tatendrang fällt mir Signorinos Kommode ein, die ebenso dringend ein Update bräuchte. Ich sortiere auch hier aus und verpacke alles in Tüten, die ich ordnungsgemäß beschrifte.

13:00 Uhr Schnelles Mittagessen: mini farfalle in bianco. Signorino verschmäht sein Essen wie er es seit Tagen mit allem macht. Dafür isst er 1,5 Bananen. Ich hingegen esse brav auf.

13:40 Uhr Signorino wird von mir ins Bett gebracht. Die Klingel ist ausgestellt. Das Handy ist lautlos. Ich beschließe mir einen caffè zu gönnen. Dann schreibe ich mit Turtle, mit der ich eigentlich morgen einen schwesterlichen Roadtrip nach München begehen sollte. Leider machte mir Signorino einen Strich durch die Rechnung, weil er momentan nicht einmal eine mütterliche Pinkelpause lang bei seinem Vater sein kann. Ich wünsche ihr eine gute Fahrt.

15:30 Uhr Signorino meldet sich, dass er wach ist und gerne aus dem Schlafzimmer abgeholt werden will. Ich lasse meinen Artikel über eine Schriftstellerin links liegen, schalte die Klingel wieder ein und bringe den kleinen Farniente ins Wohnzimmer. Von allem Angebotenen will er nur eine halbe Banane, einen Joghurt und ein Stück Brot mit Butter.

16:20 Uhr Ich beschließe nach einer sinnlosen Runde Trockenshampoo mir lieber gleich die Haare zu waschen. Ich streame die Lieblingslieder des Kindes auf dem Fernseher und wähne mich in Sicherheit beim Haare waschen. Eine Vorahnung bleibt und ich lasse die Badtür lieber offen. Zwei Minuten später läuft das Kind fröhlich grinsend mit einem Tesaroller an der Badezimmertür vorbei (wie kam der da überhaupt ran?). Ich sprinte hinterher, sehe ich doch vor meinem geistigen Auge bereits, dass er die Tesaklinge in den Mund nehmen will. Das Kind ist pissig, ich schweißgebadet und mein linkes Auge brennt, weil bei meinem Sprint halbausgespültes Shampoo vom Kopf ins Auge getropft ist. Ich spüle die Haare eilig aus und binde sie in einen Turban.

17:00 Uhr Die Nachbarin von heute Vormittag klingelt nochmals. Ich eile mit Handtuch-Turban zur Tür. Das Kind wittert seine Chance und eilt hinterher um sich den Hausflur genauer anzuschauen. Ich halte ihn fest, mein Turban rutscht. Ich reiche ihr das Paket und lächle entschuldigend. Sie bedankt sich artig. Darauf entscheide ich, dass ich zumindest den Haaransatz trocknen muss. Den Rest werde ich erledigen, wenn der Römer von der Arbeit heimkommt.

18:00 Uhr Der Römer kommt hungrig heim. Er berichtet von seinem Tag, einem beruflichen Angebot und vielem mehr. Dann gehen wir spazieren. Währenddessen schreibt seine Kollegin, ob er das Fenster am Empfang zugemacht hat, da er als letztes in den Feierabend ist. Er erinnert sich nicht und beschließt zurück zur Arbeit zu fahren. Er geht los – und ruft 5 Minuten später an. Er habe seinen Arbeitsschlüssel vergessen. Er kehrt kichernd zurück. Ich frage ihn augenzwinkernd, ob er getrunken hat. Religionsbedingt fällt die Antwort ernüchternd (hihi) aus.

19:30 Uhr Ich koche einen schnellen Milchreis für Signorino. Wir Erwachsenen wollen später irgendetwas kochen. Der Römer ist mittlerweile zurück von seinem Betriebsausflug. Dann diskutieren wir über das Jobangebot bis er zum römischen k.o. Argument „Aber in Italien sind die Gesetze so und so…“ kommt. Ich erkläre ihm, dass wir auf seinen Wunsch hin, in Deutschland sind und es kein Deutschland mit italienischen Gesetzen gäbe. Unsere imaginären Streitgeweihe haben sich mittlerweile ineinander verhakt. Das heißt „Timeout“ für uns! Der Römer schaufelt den Rest von Signorinos Milchreis rein. Ich kümmere mich um die Küche. Signorino kümmert sich um die Küchenhandtücher und den Papiermüll, in dem er alles irgendwo in der Wohnung verteilt.

21:30 Uhr Der Römer versteckt sich, Signorino muss ihn suchen. Der Römer hat dabei weitaus mehr Spaß als unser Ableger (und der kichert sich schon einen weg, wenn er seinen Papa hinter dem Buggy sitzend findet). Lautes Gelächter auf allen Seiten. Der Ableger wirkt noch nicht müde. Deswegen darf er noch etwas wachbleiben.

21:45 Uhr Jetzt aber fix ins Bett. Der Römer hat heute das Vergnügen, den Ableger ins Bett zu bringen.

23:20 Uhr Wir haben das Abendessen ausgelassen. Nun meldet sich der kleine Hunger. Ein Mitternachtssnack aus Käse, Oliven, Bresaola, Brot, später getrockneten Feigen und Süßkram muss her.

WMDEDGT – Februar 21

Schon ist es wieder soweit: Ein Monat ist um und wir sind angelangt beim zweiten Beitrag zu WMDEDGT (Was machst du eigentlich den ganzen Tag). Ich muss sagen, ohne mich selbst loben zu wollen, der Vorsatz an jedem 5. daran teilzunehmen, läuft optimal. Gut, es ist erst das zweite Mal – aber soweit bin ich bei manchen Sportvorhaben nicht einmal ansatzweise gekommen.

[Wie immer kann man alle Tage von allen Teilnehmern bei Frau Brüllen nach lesen]

In diesem Sinne – los geht’s:

1 Uhr – Der Römer und ich taumeln ins Bett nachdem wir zwei Folgen unserer Serie angeguckt haben. Hoffentlich wird es eine ruhige Nacht. Signorinos Rumgezappel lässt dies aber nicht vermuten.

7:30 Uhr Das Kind arbeitet sich seit zwei Stunden durchs Bett. Es steht auf, sitzt, trinkt ab und an einen Schluck Wasser, krabbelt, dann steht es wieder auf, klammert sich am Kopfteil des Bettes fest, hangelt sich daran entlang…. Zeitgleich hört man die Kaffeemaschine in der Küche hören. Der Römer ist wach. Auch ich beschließe aufzustehen. Meine Laune ist aufgrund der turbulenten Nacht deutlich angeschlagen. Die männlichen Bewohner unserer Wohnung sind jedoch beide gut drauf. Na dann!

8:40 Uhr Das Kind will Haferbrei – dann doch nicht mehr – dann wieder – dann verlangt es nach Nana (Banane) – schließlich doch wieder Haferbrei – und eine halbe Banane. Mir scheint als würde das heute ein sehr, sehr langer Marathon-Tag werden – in den winterlichen Weiten Kamtschatkas und nur mit einem leichten, atmungsaktiven T-Shirt und einer Short bekleidet. Ja, genau so fühlt es sich zum jetzigen Zeitpunkt an.

9:10 Uhr Mutti ist müde, Mutti will ihren Kaffee in Ruhe trinken. Also kuscheln wir uns in den großen Sessel und gucken Kinderlieder-Videos an. Da ich die Deutschen mit der überdrehten Blondine nicht mehr hören kann, schwenke ich auf die Italienischen um.

Stefano zaubert mir bei der dritten Wiederholung ein kleines Lächeln auf die Lippen. Signorino gefällt es auch, glaube ich. 😉

Ich fühle mich nun stabil genug dem Tag zu begegnen.

9:50 Uhr Ich habe die Küche aufgeräumt. Währenddessen hat sich Signorino dem Wohnzimmer angenommen.

10-12 Uhr Wäsche ab- und aufgehängt(aber nicht die selbe – so müde bin ich dann doch nicht!). Kind bespaßt. Spülmaschine aus- und eingeräumt.

12 Uhr Schnelles Mittagessen für Signorino. Noch schnelleres Mittagessen für mich. Als ich die Pizza im Kühlschrank entdeckt habe, hätte ich den Römer knutschen können. Gestern hat er nicht zwei, sondern drei mitgenommen, weil er wusste, dass freitags die Zeit zum Kochen fehlt. Was würde ich nur ohne den Römer machen? (Vermutlich Tütensuppe essen…)

13 Uhr Krisensitzung mit meiner Mutter. Die Bank bietet kein mobiles Tan-Verfahren mehr an. Die Optionen, die sie hat, findet sie doof. Wir telefonieren, sie meckert über die Bank. Wir drehen uns im Kreis – dann klingelt bei ihr der Postbote und das Thema ist vorerst beendet.

13:30 Uhr Ich lese in einem sozialen Netzwerk einen Beitrag in einer rein weiblichen Gruppe, die über Finanzen spricht. Eine Alleinerziehende beschwert sich, warum in Deutschland so wenig Teilzeitstellen ausgeschrieben sind. Auch Vollzeit würde sie in Betracht ziehen, aber die Betreuungsangebote fehlen und sind deswegen schwer mit einem Vollzeit-Job zu vereinbaren. Unzählige, unsinnige Kommentare von (kinderlosen) Frauen, die Sätze im Konjunktiv 2 ausspucken (Hättest du dir nicht vorher überlegen können wie Job und Familie vereinbart werden können?! Dann mach doch kein Kind!). Ich rolle mit den Augen und erinnere mich an den Grundsatz meiner Erziehung: „Wenn man nichts konstruktives dazu beitragen kann, tut man gut daran zu schweigen.“ Ich ziehe vor allen Alleinerziehenden den Hut. Unweigerlich muss ich bei den bissigen Kommentaren der knallharten Karrierefrauen an den gestrigen Beitrag von Lore denken [hier nachzulesen].

14:00 Uhr Signorino schläft nun endlich. Er war schon weit drüber. Schlussendlich nickte er innerhalb von drei Minuten ein. Ich lege mich dazu und frage mich, warum Nachbarn so laut sein müssen und wie Signorino es hinkriegt bei dem ständigen Gehämmer, Auto Geräuschen, Türen schlagen, vom Tag erzählen und was nicht alles, seelenruhig zu schlafen.

15:45 Uhr Wir machen merenda [Nachmittagsbrotzeit]. Mangojoghurt, gepuffte Mais-Löwen und Banane für Signorino. Für mich einen Schokoriegel, der mir geneidet wird. Daraufhin will Signorino nichts mehr essen, es sei denn es wäre ein Schokoriegel. Ich gebe ihm ein perlengroßes Stück ab. Warum esse ich es denn auch vor Signorino und nicht wie sonst, heimlich in der Küche? 🙄 Manchmal wundere ich mich schon sehr über meine Ideen.

17:30 Uhr Der Römer kommt gut gelaunt von der Arbeit heim. Ich erzähle ihm, was tagsüber passiert ist (nicht viel). Er isst die Reste des Signorino‘schen Mittagessens. Signorino hat nun auch wieder Hunger und will auch Reste essen. Sie teilen.

18:15 Uhr Wir gehen zum Drogeriemarkt, weil wir noch eine Kleinigkeit brauchen. Aus einer Kleinigkeit wird eine große Tasche. Alles wie immer also! Dann setzen wir die Runde fort und schlendern an der Zentralbank vorbei Richtung Main. Der Fluss hat immer noch gut Wasser. Der Römer erzählt mir von seinem Arbeitstag. Wir kommen am Burgerladen vorbei und sofort kommt die Lust nach einem Cheeseburger auf. Doch wir entschließen uns schließlich dazu, daheim zu kochen. Auch deswegen, weil unser wöchentliches, selbst auferlegtes Kontingent an Bestellungen auswärts gestern aufgebraucht wurde.

19:30 Uhr Der Römer ist so lieb und kocht. Nudeln mit Tomatensoße und Mozzarella. Ich stelle noch eine schnelle Waschmaschine an. Der Ableger beginnt aufzudrehen und abzudrehen. Abendstunde eben. Er isst zwei Nudeln, findet sie dann doof. Daraufhin isst er ein Stück Banane. Auch doof. Am Ende begnügt er sich mit Joghurt. Hauptsache er wacht nachts nicht hungrig auf.

20:30 Uhr Wir warten darauf, dass die Waschmaschine fertig ist. Signorino übt derweil mit einer Fernbedienung zu gehen. Er lässt sie partout nicht los und stolpert vor uns auf und ab. Der Römer lehnt sich an mich und nickt etwas weg. Nach wenigen Minuten wird er unsanft mit einer apportierten Fernbedienung und einem Signorino, der unbedingt über seine Beine klettern muss, geweckt. Er nimmt’s gelassen.

21:00 Uhr Der Römer übertrifft sich heute selbst und bringt den Ableger ins Bett. Ich räume das Wohnzimmer auf und hänge die fertig geschleuderte Wäsche auf. Vom Nebenzimmer höre ich Signorinos Unwilligkeit schlafen zu gehen.

21:20 Uhr Der Römer kehrt erfolgreich zurück. Das Kind schläft (und wacht hoffentlich erst morgen um 9 Uhr auf – man wird ja noch träumen dürfen). Wir gucken uns an, welche Wohnung Freunde von uns kaufen wollen und finden 800.000 Euro für eine 75qm Dreizimmer Wohnung verrückt. (Die Münchner unter ihnen lachen bei diesem Schnäppchen wahrscheinlich laut auf!)

22:20 Uhr Der Erfolg hält nur kurz. Signorino meldet sich übers Babyphone. Als ich ins Zimmer komme, steht er freudig hüpfend im Babybett, so als ob er gerade eben einen doppelten Espresso hatte.

23:55 Uhr Wir versuchen ihn seit seinem Erwachen wieder ins Bett zu katapultieren. Es ist erfolglos. Schuckeln, Tragen, Trinken – alles hilft nichts. Wir stellen uns auf eine lange Nacht ein.

WMDEDGT – Januar 21

Heute gibt es ein (Quasi-)Novum. Ich wollte so gerne bei Frau Brüllens WMDEDGT am 05. jeden Monats mitmachen.

And here we go:

9:20 Uhr Ich wache zwischen Bett 1 und Bett 2 verknotet auf. Signorino erzählt – natürlich mit seinem Kopf auf meinem Kissen. Als er merkt, dass ich die Augen aufgeschlagen habe, dreht er sich um und will am Kopfteil hochklettern. Ich stütze ihn, damit wir den ersten Unfall des Tages vermeiden können. Indessen frage ich mich, wo der Römer hin ist. Heute arbeitet er doch erst um 10:40 Uhr. Ich höre Fragmente von Gesängen (ein Ritus? ein Iktus?) und Wasser in der Dusche spritzen. Er ist also wach.

9:40 Uhr Ich bereite Signorinos Frühstück vor. Der Römer kümmert sich derweil um Signorino und mosert, dass er lieber ohne uns frühstückt, wenn er zur Arbeit muss. Wir halten „sein System“ auf. Nachdem alles fertig ist, meckert Signorino rum, weil er lieber unseren Schokokuchen anstatt des schnöden Haferbreis haben will. Der Römer isst in der Küche, damit Signorino den Schokokuchen nicht sieht und sich doch noch mit seiner Haferpampe abfindet. Es klappt. Ich trinke derweil nur Espresso.

10:20 Uhr Jetzt aber schnell! Der Römer gelt noch eine letzte Strähne in die richtige Richtung, setzt seine Mütze so vorsichtig auf wie meine Oma damals ihre Dauerwellen-Regenhaube und verschwindet. Wir sind allein. Das heißt: Die Spülmaschine bekommt nun besondere Zuwendung. Ausräumen, einräumen, Küche aufräumen, währenddessen übt sich Signorino an der Sportart „Parkour“. Er hangelt sich an den Küchenschränken entlang, dann an mir (und zwickt wie verrückt!), dann am Wäschekorb, dann Richtung Waschmaschine… Immer wieder stoppt er um Sachen aus den Regalen zu räumen. Ich stehe verrenkt zwischen Signorino und den Aufgaben in der Küche da und es erinnert mich stark an das Spiel Twister: „Rechte Hand auf Signorinos Kopf, linker Fuß vor Waschmaschine, rechtes Bein hält Küchenschrank zu…“

10:40 Uhr – Ultimo Ratio: Kinderlieder. 1:30min Aramsamsam für Signorino, damit ich die Küche in eben dieser Zeit zumindest etwas ordentlicher verlassen kann.

11:20 Uhr Wir lesen bzw. wir machen das, was wir lesen nennen. Signorino räumt alle Bücher aus seinem Fach, schlägt eins auf, ich lese zwei Seiten vor und er zieht ein neues Buch hervor. So geht das 30 Minuten lang. Dann holt er seine Stofftierraupe hervor und guckt sie begeistert an.

12:00 Uhr Signorino isst Milchreis und erzählt währenddessen. Von „Mmmh“ und „Mama” gekrönt, scheint es ihm zu schmecken. Wir unterhalten uns auf „dada-risch“. Er scheint aufgebracht und schreit durch die Wohnung. Am Milchreis kann es nicht liegen, ich hab ihn probiert.

13:00 Uhr Der Römer kommt nach Hause. Er hatte tatsächlich nur zwei Patienten. Gestern dachte er noch, dass wäre ein Fehler im System, doch es bestätigte sich. Wir haben keine Lust zu kochen und einigen uns auf Thailändisch. Matsaman Curry möchte er nicht mehr, obwohl er das immer nimmt. „Die Kartoffeln schmecken da zu sauer.“ Er schwenkt auf gebratenen Reis um. Die Ente dazu kann ich ihm ausreden, da er sonst, mit fehlender Galle, wie ein Schluck Wasser in der Kurve hängt. Er nimmt Rind. Und ich Hühnchen.

13:10 Uhr Ich bringe Signorino ins Bett bzw. ich trage ihn minutenlang ins Bett. Eine einfachere und effektivere Methode haben wir bis heute nicht gefunden.

13:15 Uhr Signorino hat die Augen geschlossen; ich halte ihn noch im Arm. Es klingelt. Der Römer macht auf: Hallo! – Hallo! – Paket für Sie! *biep* Danke! Tschüss! Tschüss! Es war der Postbote mit den Blinklichtern für den Kinderwagen, damit wir spätnachmittags nicht immer halb zusammen gefahren werden unten am Main. Signorino ist dementsprechend wieder wach. Nächste Runde!

13:30 Uhr Signorino schläft endlich. Ich lasse den Römer leise aus der Wohnungstür, damit er beim Thailänder vorbeigeht und die Beute beiden Gerichte abholt.

13:45 Uhr Der Römer war erfolgreich. Wir essen. Die Qualität ist immer tippitoppi beim Thai um die Ecke.

14:30 Uhr Der Eine und ich schreiben. Wir wollen uns zum Spazieren gehen verabreden – mit Maske, an der frischen Luft, mit Abstand,… Sie kennen das Spiel. Wir verabreden uns für 15:30 Uhr. Er kommt hierher.

15:30 Uhr Ich sehe vom Wohnzimmerfenster aus, dass der Eine telefonierend vorbeischleicht. Schuhe, Mantel und die Leichtdaune ziehe ich fix über. Signorino, mittlerweile wach, guckt mich vorwurfsvoll an. Ich verabschiede mich. Kuss für alle Farnientes und ab!

15:30-18:00 Uhr Wir machen einen wirklich langen Spaziergang. Am Main entlang in die Innen-Innenstadt, zum Römer (das Gebäude heisst wirklich so), am Standesamt vorbei, Richtung Willy-Brandt-Platz, dort zu Café Nummer 1*. Leider verstehen wir nicht, ob nun geöffnet ist für eine Mitnahme eines Espressos oder nicht. Also nebenan zuCafé 2. Weiter zum Goetheplatz, zur alten Oper, den Grüngürtel ein Stück entlang zum Eschenheimer Tor, zur Konsti, zum Zoo und schon liefert mich der Eine wieder daheim ab. Es war sehr kalt, wir sind 9 Kilometer gegangen, aber auch sehr schön.

18:00 Uhr Der Römer erwartet mich bereits. Signorino ist beleidigt und möchte mich erstmal nicht begrüßen. Nach 5 Minuten taut Signorino auf und findet mich doch ganz okay. So okay, dass er mich nicht mehr loslassen will. Auf‘s Toilettchen kann ich auch nicht mehr allein. Ja, gut. Kann man nix machen.

19:00 Uhr Wir raffen uns auf und gehen mit Signorino nochmal spazieren. Es schnieselt (halb Schnee, halb Niesel 😉) und ist dementsprechend kalt. Kleine Mainrunde, die neuen Lichter am Kinderwagen leuchten in fröhlichem Grün. Der Römer hat seine Handschuhe vergessen, also schiebe ich meistens Signorino. Er schläft ein (oh no!), aber letztendlich nur für 20 Minuten. Hoffentlich ist er trotzdem um 21 Uhr willig ins Bett zu gehen!

19:45 Uhr Wir sind daheim. Der Römer will unbedingt kochen (kinderfreie Zeit und so…). Es gibt Kartoffelsuppe für alle. Keine Würstchen da – aber wir werden es überleben.

20:50 Uhr Der Römer künstelt immer noch an der Kartoffelsuppe rum als wär‘s ein Mehrgang-Menü. Ein Glück hab ich schon „gesnackt“ während das Kind zu Abend aß. Langsam bin ich äußerst genervt, da Signorino schon „drüber“ ist und mein Blutzuckerspiegel weit unten. Ich drücke dem Römer das aufgedrehte Kind in die Hände und flüchte ins Bad. Drei Minuten durchatmen. Von draußen höre ich den überforderten Römer, der nun nicht mehr an seiner Kartoffelsuppe rumdoktern kann, weil Signorino den Deckel vom Dampfsterilisator durch die Gegend wirft und dabei laut lacht. Ich steige wieder in den Ring und gehe zurück.

21:00 Uhr Der Römer wird von mir verpflichtet den hyperaktiven Ableger ins Bett zu bringen. Wer eine Stunde lang Suppe kocht (die kocht sich nach dem Schälvorgang schließlich von alleine!), der darf auch Signorino ins Bett bringen. Bitte. Danke! Ich räume das Wohnzimmer auf, das aussieht als hätte ein Troll Bauklötzchen-, Bücher- und Spielzeugdurchfall gehabt. Die römische Suppe wartet auf ihren Einsatz – und kühlt langsam aus.

21:20 Uhr Alles aufgeräumt. Ich höre den Römer. Wenig später sehe ich ihn auch – mit Signorino auf dem Arm. “Non dorme, questo animaletto.” [Dieses Tierchen schläft nicht.] Nun denn. Das ungeplante Schläfchen rächt sich nun. Mal gucken, wie lange der Spaß heute mit ihm geht. Wir essen Suppe. Sie ist komplett ungewürzt. Was hat der Mann in der Küche gemacht?! Ich spare mir den Kommentar. Der Römer bringt ungefragt Salz und Pfeffer. Immerhin!

21:40 Uhr “Vuoi una deca?” [Willst du einen entkoffeinierten Espresso?]. Ich dachte schon, der Römer fragt nie. Signorino spielt indessen wieder. Die Bauklötze habe ich weggepackt. Die räume ich heute nicht nochmal weg.

22:30 Uhr Glauben Sie’s oder glauben Sie’s nicht, aber unser südeuropäisches Partymodel (alias Signorino) ist JETZT müde. 1,5 Stunden nach seiner regulären Zeit. Once again: Schlafsack – Kuss – Kuss. Nachti Nacht! Ich räume zum wiederholten Male die Bücher und die Spielzeugkiste auf bzw. ein. Hoffentlich kommt er heute nicht mehr zurück zu einer weiteren Spielerunde (auch das hatten wir schon….).

23:00 Uhr Der Römer und ich gucken unsere Serie und essen heimlich Eis, was man als gut eingespieltes Elternpaar eben so macht, wenn das Kind endlich schläft. Gleich wird Signorino noch einmal wach (wie immer nach einer Stunde), verlangt Wasser und noch einmal Einschlafbegleitung, aber nur die Sparversion (2 Minuten).

[The End]