Das 22. Türchen im germanoitalbanischen Adventskalender

Fakt 22

Wir schreiben das Jahr 2016. Ich war gefangen auf einer 5-Tages-Tour durch Europa. Gefangen deswegen, weil die Crew ganz besonders schrecklich war. Kapitänin Silke war die gute, alte Freundin von Kabinenchef Rainer. Die blonde Pummelfee Anna-Maria war die Gespielin des Co-Piloten Sebastian.

Ach, und ich. Ich war auch noch da. Dadurch, dass ich vorne keinen Schwippschwager hatte, durfte ich weit ab von der Crew hinten arbeiten.

Aufenthalt in London: Allein. Aufenthalt in Nizza: Allein.

Ich hielt es nicht mehr aus und klagte dem Römer mein Leid. Er versuchte mich zu trösten. „Kannst du nicht einfach nach Paris kommen?“ fragte ich ihn, an meinen kommenden Paris Aufenthalt denkend. „Ich hab auch bis zum frühen Abend dort frei. Bitte!“ Es war Wochenende. Wahrscheinlich bereitete er sich gerade auf eine Prüfung vor, wie ich ihn kannte. „Hm…okay. Kann ich machen.“ Wir guckten nach Flugverbindungen und buchten ihn nach Paris Orly. Er kam einige Stunden vor mir an. Somit fragte ich das Hotel, ob er bereits meine Zimmerkarte haben könne. Sie willigten ein.

Im Crew-Bus guckte ich auf mein Telefon und wollte wissen, ob alles geklappt hat. „Du glaubst es nicht! Hier ist überall Presse, alles abgesperrt, der Mannschaftsbus der französischen Fußballmannschaft steht vor der Tür!“

Ich wusste, dass gerade EM in Frankreich war, ging aber nicht davon aus, dass die Mannschaft in unserem Hotel untergebracht war.

Wir merkten es bereits einige hundert Meter vor dem Hotel. Straßensperren, unzählige Kontrollen, Polizisten überall. Es war in etwa so wie es der Römer geschildert hatte.

Wir checkten ein. Man sagte mir, dass mein männlicher Begleiter bereits auf meinem Zimmer warten würde. Vier Köpfe schnellten zu mir rüber, Fragezeichen in den Augen. „Merci!“ hauchte ich dem Rezeptionisten entgegen, „Bis morgen dann“ flötete ich der Crew entgegen und marschierte erhobenen Hauptes davon. Die Blicke der Crew spürte ich noch nachhallen.

Ich fand meinen männlichen Besuch im Bett – mit dem Großteil der Minibar vor ihm ausgebreitet. „Avevo fame!“ [Ich hatte Hunger] antwortete er einen Schokoriegel mampfend. Der Abend wurde glücklicherweise kulinarisch noch von einem netten Essen im Restaurant unweit unseres Hotels getoppt.

Am nächsten Morgen wollten wir den Aufzug nehmen um nach unten zum Frühstück zu fahren. Auf unserer Etage hielt er an, zwei Jungs waren bereits im Aufzug. Schmächtig, vielleicht 1,75 m groß. Ich stieg ein. Der Römer blieb wie angewurzelt vor dem Aufzug stehen und starrte die Jungs an. „Kommst du?“ fragte ich. Er schlich ehrfürchtig in den Lift. Der Aufzug hielt nach 7 weiteren Etagen wieder an. Die Jungs stiegen aus. Sie verabschiedeten sich sehr freundlich. Ich auch. Der normalerweise so höfliche Römer schwieg seltsamerweise. Die Tür schloss sich wieder.

Plötzlich öffnete sich ein Ventil, wie es schien, und der Römer sprudelte ohne Punkt und Komma heraus: WEISST DU WER DAS WAR – DAS WAREN DIE BEIDEN FRANZÖSISCHEN NATIONALSPIELER IM STURM – IM STURM – WAHNSINN WAHNSINN – DAS GLAUBT MIR KEINER – OH NEIN ICH HAB KEIN FOTO GEMACHT ICH DEPP – MACHT NIX – DAS WERD ICH NIE WIEDER VERGESSEN – DAS WAR DER WAHNSINN -SOLLEN WIR NOCHMALS LIFT FAHREN UND GUCKEN WER DANN EINSTEIGT

Er holte Luft. Und nun durfte ich antworten: „Lass uns doch erst einmal frühstücken, dann kannst du immer noch zwei Stunden mit dem Lift auf und abfahren, während ich mir irgendeine schöne Ecke von Paris anschaue.“

Für den Römer war es Bairam (Fest des Fastenbrechens) und Kurban Bairami (Opferfest) an einem Tag.

Was meinen Sie? Ist die Geschichte wahr oder war es doch nur eine lustige Idee, die mir heute beim Abwasch in den Sinn kam?

Reise Tag 22

Na? Wo würden Sie gerne hin? Ich ahne es, in eine Stadt, so sonnig wie Rio, so lebhaft wie New York, so entspannt wie Las Galeras.

Dann wollen wir mal los: nach Kiew!

Flugzeit (ab Frankfurt): 2 Stunden 25 Minuten

Taxikosten vom Flughafen in die Innenstadt. 550 UAH (ca. 16 Euro)

Ich bin ein großer Fan dieser Stadt am Fluss Dnepr.

Wir fangen, wie immer, mit dem Frühstück an: Wer eine gigantische Auswahl und unzählige Frühstücksoptionen haben möchte, ist im Intercontinental Kiew* richtig. Sushi zum Frühstück? Kein Problem! Champagner? Aber klar doch! American Pancakes? Sehr gerne. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt.

Sicher gibt es deutlich günstigere Frühstücksoptionen, aber soviel Auswahl findet man selten an einem Frühstücksbuffet.

Da wir nur wenige Schritte entfernt sind, schauen wir uns das St. Michaelskloster, die Kirche der drei Heiligen und die anderen Kirchen (St. Demetrius) und Kapellen (St. Michael) an.

Danach gehen wir die Anhöhe runter zum Unabhängigkeitsplatz.

Wenn nicht gerade Eurovision Songcontest ist und Sie sich mit einem Yeti fotografieren, dann kann man den Platz auch wunderbar in Ruhe genießen. Wenige Meter weiter sehen Sie bereits das Denkmal des Gründers von Kiew.

Weiter geht es Richtung Chreschtschatyj-Park. Keuchend stolpern wir den Hügel hoch, machen eine kurze Rast am Kiewer Puppentheater* und am Museum des Wassers*. Von hier oben hat man einen schönen Blick auf den Dnjepr.

Auch der Mariinsky Park, in den der Chreschtschatyj-Park übergeht, ist sehr schön. Auf der Holzbrücke sind lauter Liebesbeweise eingraviert.

Wir steigen wieder ab und gehen zu Art Eclair* (Kostolna St, 6, Kyiv, Ukraine, 02000). Eines der süßen Teilchen verschlinge ich in zwei Bissen sofort. Das andere nehme ich mit und freue mich schon auf ein baldiges Wiedersehen in diesem Geschäft.

Weiter geht es zum goldenen Tor von Kiew. Es ist ein rekonstruiertes Stadttor aus dem Mittelalter.

Danach – vom vielen Auf- und Absteigen – brauchen wir erst einmal eine Pause.

Abends gehen wir in die Buddha Bar*, wo auch das ein oder andere Länderteam 2017 zum Eurovision Songcontest speiste. 😉

Schön eingerichtet, tolle Livemusik, sehr ansprechendes Essen und eine sehr schöne Bar!

Auflösung Tag 21

Mal wieder waren Sie sich sicher: Quax, der Bruchpilot, war ich. Sollte ich mich angesichts ihres Urteils persönlich angegriffen fühlen? Beleidigt? Tief verletzt?

Wahrscheinlich schon, hätte ich den Unfall nie gebaut. 😉 Shit happens… und seitdem bin ich ein sehr vorsichtiger, defensiver Fahrer. Sie hatten also Recht!