Albanien: S’ka problem

„Albanien? Jaja, irgendwo im Balkan. Die sprechen wie alle anderen da unten.“ Die Meinung hoert man gerne und oft. Klar, woher sollte man auch wissen, dass die Sprache so gar nichts mit den anderen slawischen Sprachnachbarn zu tun hat?

Es ist viel mehr eine eigene Sprache, die im Laufe der Zeit aus altgriechisch, lateinischen, türkischen, später italienischen und französischen Einflüssen ergänzt wurde. Die Albaner sind sehr stolz auf ihre Sprache, erwarten aber nicht, dass sie irgendwer außer ihnen lernen müsste. Vielmehr sind sie überglücklich, wenn man dann doch 1-2 Wörter kann, zeigt es doch, dass man sich interessiert.

Dennoch: Das wichtigste Wort ist nicht etwa Po (und hierbei ist nicht das Hinterteil eines Lebewesens gemeint, sondern es bedeutet schlichtweg Ja), sondern mirë (gut). Alles ist hier mirë. Es geht einem mirë. Einverständnis zeigt man mit mirë. Telefongespräche beendet man mit mirë. Gerne auch in der Kombination mit mirë, mirë, hajt. Auch wenn das Leben nicht immer mirë zu sein scheint, so ist die Grundeinstellung doch, dass sich die Angelegenheiten doch früher oder später zum Wohlwollen ändern. So könnte man sagen: Alles wird mirë am Ende.

Den zweithäufigsten Ausdruck bilden die beiden Wörter „s’ka problem“ (Kein Problem). Es gibt eigentlich nichts, was ein wirkliches Problem darstellen würde. Man findet für jede Aufgabenstellung eine Lösung. Und wenn man sie nicht alleine findet, dann kennt man jemanden, der wiederum jemanden kennt, der eine Lösung findet. Ein Land voller Probleme, in dem man dennoch den Ausdruck „s’ka problem“ wie eine weiße Flagge hervorhebt um zu symbolisieren, dass es irgendwie doch weiter geht – trotz Korruption, trotz mieser Politik, trotz Armut. „S’ka problem“ – wir kriegen das hin. Hier gibt es keinen Platz um zu verzweifeln. Wie in den letzten Jahrhunderten auch kommen die Albaner irgendwie durch. Ein Volk, das ständig von allen möglichen anderen Volksgruppen bedrängt wurde, aber trotzdem seine Sprache und seinen Dickkopf behält.