Frischhalteboxen = Nicht für Römer

Meist kauft sich der Römer in der Mittagspause etwas zu essen. Mangels Abwechslung – es gibt nur einen überteuerten Italiener und einen soliden Marokkaner in unmittelbarer Nähe zu seiner Arbeit – kam er auf die Idee, sein Mittagessen von daheim mitzunehmen.

Die Idee gefiel mir sehr gut, da es einiges an Geld sparen würde. Gesünder wäre es noch dazu und so waren das zwei schlagkräftige Argumente, um ihn dabei zu unterstützen.

Da ich schon länger mein Mittagessen vorkochte und nur noch in der Arbeit erwärmen musste, hatte ich eine ganz ordentliche Sammlung an Glasbehältern mit Plastikdeckeln, natürlich in verschiedenen Größen und Formen. Und so bediente sich mein Mann munter an meinem unserem Frischhaltedosen-Schrank.

Dabei konnte er Übriggebliebenes vom Vortag nicht mit zur Arbeit nehmen, da er “nicht zwei Mal nacheinander das gleiche Essen könne”. Innerlich verdrehte ich etwas die Augen. Als ob ich mich morgen erinnern könne, was ich heute gegessen habe!

Aber sein kulinarisches Gedächtnis konnte das wohl und so bereitete er sich abends gesondert etwas zu. Über den riesigen Mehraufwand brauchen wir hier nicht zu sprechen. Ich hakte es unter ‘Jedem Tierchen sein Pläsierchen’ ab.

Nach ein paar Wochen – ich war vermehrt im Homeoffice oder aber fliegen – griff ich in unsere Frischhalteboxen-Schublade und war doch sehr verwundert: Diese Formen und Deckel hatte ich noch nie in meinem Leben gesehen.

Abends fragte ich meinen Gatten, ob er neue Behälter gekauft hätte. Nein, nein, sagte dieser. Das wären genau die, die er von daheim mitgenommen hatte.

Frischhalteboxen sind wie Tauben: Die sehen doch alle gleich aus!

Bei dieser Aussage schnellte meine linke Augenbraue an meinen Stirnansatz. “Ich bin mir ziemlich sicher, dass das hier komplett andere Behälter sind als die, die wir normalerweise haben!”, widersprach ich ihm vehement. “Und das weiß ich so genau, weil ICH sie vor Jahren mühsam zusammengekauft habe.”

“Ma che! Aber was!”, motzte der Mann. Das wären genau meine.

Ich überlegte hin und her. Um ganz ehrlich zu sein, fuchste es mich, dass ich plötzlich komplett andere Formen in meinem Frischhaltedosen-Schrank hatte.

Bei der damaligen Auswahl kaufte ich nicht blindlings irgendwelche Formen, sondern recherchierte und fand die für mich passenden Behälter. Mir war zum Beispiel wichtig, dass der Behälter aus Glas war. Der Deckel hingegen konnte gerne aus Plastik sein. Meine “neuen” Frischhalteboxen waren allesamt aus Plastik, welche sich durch Tomatensauce oder ähnliche Produkten rot gefärbt hatten.

Doch anscheinend war ich nicht alleine mit meinem Groll, denn bei einem Teammeeting in der römischen Arbeit gab es einen interessanten Tagesordnungspunkt. Natürlich, und ohne besonders stereotypisch denken zu wollen, von einer Kollegin.

Der Punkt hieß: Frischhalteboxen.

Die Stimmung der Kollegin bildlich dargestellt.

Es war der letzte Punkt auf der Agenda und die Kollegin kochte innerlich als sie ihn vortrug. Ständig kommen ihre Aufbewahrungsbehälter weg und sie müsse andere nehmen, die nicht ihre wären. Irgendeiner der Kollegen würde ihre Boxen mit nach Hause nehmen! Da meldete sich eine andere Kollegin. Ja, ihr wäre das auch schon aufgefallen. Aus der Not heraus – ihr Aufbewahrungsboxen-Fundus sei nicht unendlich – hat sie dann ebenfalls irgendeine Box mit nach Hause genommen. Alles wäre durcheinander gewürfelt. Ja, ein einziges Chaos wäre es. Man fordere den Übeltäter jetzt und auf der Stelle auf, sich zu stellen!

Später sollte mir der Römer daheim erzählen, dass er immer kleiner wurde in seinem Stuhl bis er sich schließlich kleinlaut meldete.

Seiner Frau wäre das auch schon aufgefallen, dass nicht mehr die richtigen Boxen nach Hause kämen. Er habe schlichtweg keinen Unterschied gesehen, gab er zerknirscht zu. Die Kolleginnen musterten meinen Gatten kritisch. Alleine der Südländer-Bonus, denen sie stereotypischerweise eine gewisse Schludrigkeit nachsagten, bewahrte ihn vorm Fegefeuer.

Am nächsten Tag brachte er das Sammelsurium an Boxen zu seiner Arbeitsstelle. Ich bekam endlich meine mir wohlbekannten Glasboxen zurück und die Kolleginnen die ihren. Zur Entschuldigung gab es eine Box Pasticcini – süße, italienische Teilchen – natürlich von Paolo – und zum Glück in Einweg-Pappboxen. Nicht, dass man es sich auch noch mit Paolo verscherzen würde.

Pasticcini in der Einwegverpackung

Die Kolleginnen beruhigten sich wieder. Seitdem achtet mein Mann penibel darauf, nicht die falsche Form mit nach Hause zu schleppen.

Und dafür hat er seine ganz eigene Maßnahme: Er holt sich jetzt wieder Essen in der Mittagspause – vom Italiener oder Marokkaner. Sicher ist sicher!

19 Kommentare

    • Das stimmt natürlich! 😃

      Ich fürchte allerdings, dass die Kolleginnen so vehement vorgegangen sind, dass er gar keine Wahl hatte als sich zu offenbaren. Sonst hätten sie vermutlich noch Einzelverhöre gemacht. 😄

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  1. Jetzt wieder zur Ausgangsposition zurückzukehren ist auch typisch Mann. Ja oder, Eba? Dabei hätte er die Dosen doch sogar ganz einfach markieren können, um sie besser auseinanderhalten zu können. :-/
    In Wirklichkeit ist das sicher nur der Einfachheit geschuldet, endlich wieder die Arbeit des Vorbereitens los zu sein 🙂
    Schön, dass du deine Glasdosen zurück hast. Viele Grüße Bea

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  2. So n Schachtelkram kenne ich auch, besser noch die Steigerung davon – Tingo 🙂 Seitdem kommt für das große Kind alles in so Keksbehälter, die lebensmittelecht sind. Davon hat es endlos viele hier. Kann er behalten.

    Selbst esse ich, was da ist, wenn lecker, auch gerne 2-3 Mal hintereinander. So n Mäkelkopp wäre genau richtig für mich 🙂 Aber Größe hat er – den Kolleginnen gegenüber.

    Liebe Grüße, Reiner

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    • Tingo!!! Genial, lieber Reiner! 😄
      Früher hab ich Sachen nur in ausrangierten Eisbehältern und – wie bei euch – Keksbehältern mitbekommen. Jetzt dämmert mir langsam warum. 😄

      Frag mal! Das ist doch das Praktischste überhaupt: 1x Kochen, 2x Schlemmen!

      Das stimmt – ich vermute aber, dass die Kolleginnen sonst knallharte Einzelinterviews geführt hätten bis sie den Schuldigen identifiziert haben. 😉

      Hab einen feinen Sonntag, lieber Reiner und liebe Grüße, Eva

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  3. Wieder eine urkomische Geschichte von dir, mitten aus eurem Eheleben.
    Vielen Dank dafür.

    Bei uns behält übrigens jeder seine „Befördrungsmittel“ nach dem Genuß des Inhaltes am eigenen Schreibtisch. Da kann nichts verwechselt werden.
    Allenfalls vorher, wenn sie sich im Abteilungskühlschrank stapeln.

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    • Das freut mich sehr, liebe Trude! 😃

      Das ist bei uns in der Arbeit auch so und ist absolut sinnvoll!

      Nur bei der römischen Arbeit packt jeder seine Frischhaltebox in die Spülmaschine und bis abends ist das Ding dann sauber und trocken. Man fischt sich (im besten Fall!) dann eben seine Form aus der Maschine.
      Hab’s fein, liebe Trude, und liebe Grüße, Eva

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  4. Herrliche Geschichte und so bildhaft niedergeschrieben, so wird es in Eurer Ehe sicherlich nie langweilig und es bleibt „bunt“, auch was die Behältnisse angeht, welcher Deckel passt zu welcher Glasform und wo und wie gehen diese auf Reisen ohne Rückkehr? Fehlt nur nur eine Thermoskannengeschichte, auch da gibt es viele lustige Möglichkeiten der Verwechslung….ich kann mir gut vorstellen, warum Männer da schnell aufgeben, ich kenne so eine Geschichte zur Anzucht von Dahlien, Frau hat die Idee, weiß wie es geht, Mann findet es „easy“ und nach einem Probelauf in „Eigenregie Mann“ braucht man keine Dahlien mehr….

    Es ist immer eine Freude, Deine Geschichten zu lesen, liebe Eva Farniente!

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