[November 2024]
Ein weiterer Kontrolltermin bei der Gynäkologin. Diesmal war ich beim dritten, großen Ultraschall. Was daran groß gewesen sein soll, frage ich mich bis heute.
Wie an jedem der vorangegangenen Termine ist meine Frauenärztin heute abermals verwundert, dass ich schon ein Kind habe. Um meine Aussage zu verifizieren, blättert sie in meinem Mutterpass. „Ah ja. Ein Junge.“, erzählt sie mir, der Mutter des Jungen.
Auch diesmal fragt sie mich nach der Klinik, in der ich gedenke, zu entbinden. Auch diesmal weißt sie darauf hin, dass meine Wunschklinik für Geburten ab der 36. Schwangerschaftswoche ausgelegt ist. Und auch diesmal sprechen wir über Frühgeburten, die in der Uni-Klinik oder im Bürgerkrankenhaus zu erfolgen haben. Ich nicke eifrig.
Ja, täglich grüßt das Murmeltier!
Dann wird kontrolliert: Alles super, alles top! Sie murmelt beim Ultraschall etwas von „einer Woche“ und misst vier Mal das Köpfchen des Babys aus. Da ich mich diesmal nicht mit diesem Informationsschnipsel grämen will, frage ich nach, was sie mit „einer Woche“ meint.
Das Kind wäre eine Woche größer als ausgerechnet. Ich sage, dass das Sinn mache, schließlich hatte ich einen sehr frühen Eisprung. Sie wischt meine Aussage weg. Das tue nichts zur Sache. Gerechnet werde immer ab der letzten Periode.
Ja, aber selbst da gibt es doch einen rechnerischen Eisprung, der vermutlich und statistisch irgendwo bei Tag 17 und nicht bei Tag 7 liegt. Aber ich schweige. Sie hat Medizin studiert, nicht ich.
Von meinem Bauchbewohner sehe ich nur den Kopf aus der Vogelperspektive und die Unterschenkelknochen. Das Herz guckt sie so schnell an, dass mir schwindelig wird.
Dritter, großer Ultraschall.
Nun ja, sie hat ihren Job gemacht und ausgemessen, was sie ausmessen sollte. Als emotional-neugieriges Wesen hätte ich dennoch gerne mal kurz den Nachwuchs gesehen, aber dafür ist keine Zeit als Kassenpatientin.
Kurz vor Abschluss der Untersuchung eröffne ich meiner Ärztin, dass ich die nächsten beiden Kontrolltermine bei meiner Hebamme Susanne machen wolle und werde. Ihre Augenbrauen schnellen hoch.
„Ja, das müssen Sie wissen!“, ringt sie um Fassung. Sie sagt es in etwa so als würde ich gerade angegeben haben, dass meine Schwangerschaftskontrolltermine von einer peruanischen Schamanin in den Anden stattfinden solle.
Dann sammelt sie sich und knurrt: „Den nächsten Termin können Sie bei Ihrer Hebamme machen. Aber sechs Wochen bis zum nächsten, frauenärztlichen Termin sind zu lang! In vier Wochen sollten Sie hier wieder erscheinen!“ Dabei betont sie das ärztlichen in frauenärztlichen stark.
Das kann ich verstehen. Wenn ich so viele Jahre Medizin studiert hätte und mir jemand eröffnet, er möchte lieber bei seiner Hebamme kontrolliert werden, wäre ich vielleicht auch etwas angefressen.
Dabei habe eine stinknormale, ja, eine absolut langweilige Schwangerschaft. Weder habe ich Diabetes, Übergewicht, Untergewicht, Wehen, noch bin ich im Risikoalter, hatte einen Kaiserschnitt, oder was weiß ich. Ich bin die Langeweile in Person.
Und ich bin alt genug, entscheiden zu können, wo ich meine Kontrolltermine mache. Dabei warnte mich meine Hebamme bereits vor, dass Frauenärzt:innen tendenziell pikiert bei dem Thema „Kontrolltermin bei der Hebamme“ reagieren.
Außer der Ultraschalluntersuchung macht meine Hebamme* genau das Gleiche wie die Frauenärztin UND sie weiß sogar, dass ich bereits ein Kind habe (schließlich hat sie uns nach der Geburt betreut), nimmt sich mehr als fünf Minuten Zeit und ist mindestens genauso kompetent wie meine Frauenärztin, die immer wieder die gleichen Fragen stellt und auf die gleichen Themen hinweist.
Aber nun ja.
P.S.: Für die, die es betreffen möge – meine Hebamme hat sogar einen Podcast* gestartet, bei dem es Spaß macht, zuzuhören.
*Werbung, unbezahlt und unbeauftragt

Puh. Das schwingt etwas Neid mit. Nicht auf die huschig – hastige Überfahrt des Ultraschalls. Nein, auf die Normalverläufe. Ich könnte jetzt was von Frühchen erzählen… Nur so viel: Der Kleinere war damals in der Uniklinik (das örtliche KH war so gut, ich muß das wirklich hoch anrechnen, zu erklären, dass das jetzt nichts für sie wäre – und schon kam der Hubschrauber) das kleinste Kind. Ach was, Kind, halbes Hähnchen!
Es war übrigens auch so ein Frauenarzttermin. Schwanger? Alles klar. Aber diesmal verweilte er ungewöhnlich lange über den schlecht aufgelösten, an frühe Fernsehstörungen erinnernden Bildern. (ich darf erinnern, dass damals nicht mehr die Zeit der Schwarzweiß – Fernseher war, aber anscheinend die Medizintechnologie etwa auf dem Stand war, daran, dass das schon ein paar Jahre her ist, die Zwillinge jetzt selbst Kinder haben!). Und meinte, selbst wohl so überrascht, dass er keine größeren Überlegungen wegen der Formulierung anstellen konnte, ob es schlimm sei, wenn es zwei würden.
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Sehr direkt formuliert: Ob es schlimm sei, wenn es zwei werden. 😄 Man hat keine Wahl, aber das richtige Wording wäre wohl: Herzlichen Glückwunsch zu zwei wunderbaren Kindern! 😄
Da fällt mir eine Geschichte vom Römer ein. Die Schwester seiner Schwägerin war schwanger – Drillinge. Seine Schwägerin berichtete meinem Mann davon und sagte, dass ihre Schwester ein bisschen Bammel habe: Drei Kinder!
Und der Römer, halb in Gedanken, antwortete: Na ja, selbst schuld, wenn man drei Kinder macht.
Die Schwägerin musste sehr lachen und erwähnte nochmal, dass man bei Mehrlingen bzw. einem Einling schlecht planen könne, wie viele die Natur einem letztendlich schenkt. Am Ende kam heraus: Der Römer hatte es falsch verstanden. 😄
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In der Tat wurde auch hier dem Vater von ihm ähnlichen Menschenwesen erläutert, dass er da aber sparsam gewesen sei. Mit so einem Unterton, ob es ihm keinen Spaß mache. Die andere Seite wurde von diesen Kommentatoren erwartungsgemäß übersehen.
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Besser eine langweilige Schwangerschaft und eigenwillige Ärzt*innen, über die du hier schreiben kannst, als medizinische Probleme und zwangsläufig interessierteres und engagierteres Klinikpersonal.
Diese Fixierung auf den Standardzyklus habe ich hier in Italien auch erlebt. Alle Ärzte hatten so eine Drehschablone, mit der wurde der Geburtstermin errechnet. Ich habe nur genickt und die Tage dazugerechnet, die mein Zyklus länger war. Und recht behalten. Das war auch beim zweiten Kind, also schon als erfahrene, entspannte Schwangere, wie du es warst liebe Eva.
Danke für deine lebensnahen, kritischen und gleichzeitig immer amüsanten Geschichten.
Liebe Grüße aus dem verregneten Süden. Anke
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Besser kann man es nicht zusammenfassen, liebe Anke. Genau so ist’s. 😃
Ach wie witzig, dass du dir damals schon deine eigene Rechnung gemacht hast und sie richtig war. Ein gesunder Menschenverstand ist dann doch besser als die Statistik. 😃 Liebe Grüße & ich schicke euch die Sonne aus Frankfurt!
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Immerhin kennst Du jetzt das Geschlecht Deines Kindes. Nicht des gerade entstehenden, sondern des Kindes, das bereits in den Kindergarten geht!
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😄😄 Das stimmt! Ein Glücksfall. Ich fragte mich lange, was Signorino ist. 😄
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Siehst Du?
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Du hattest schon einen Jungen? Na so was.
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Hätte ich ihr mal den Link zu meinem Blog geschickt, dann hätte sie uns nochmal von einer anderen Seite kennenlernen können. 😄 Das war jetzt mein Versagen!
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Gut, dass Du es einsiehst „strengguck“. Weiss nicht, wie das mit den 2 Kindern jetzt gehen soll – Jungs, gell 😉😂
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😄😄😄 Ich müsste nochmal im Mutterpass nachblättern, wie viele Kinder es nun sind und welches Geschlecht sie haben. 😉
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😂😂😂
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Ich kenne mich nicht mehr aus. Eine Erzählung aus der Vergangenheit? Ich dachte Eure Tochter wäre schon geboren? Bin ich schon alt und verwirrt? LGLore
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Genau, Bianco (ein Junge) ist am 14.02. geboren. Das hier sind nur die Nacherzählungen wie die Schwangerschaft mit ihm war. Notizen, die ich mir über die Monate gemacht habe und jetzt veröffentliche. Und keine Sorge: Du bist weder alt, noch verwirrt. 😄 So weit kommt’s noch!
LG, Eva
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🥳
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Deinem Lob der Hebammen (und einem hm hm bei Frauenärzten) kann ich aus eigener Erfahrung zustimmen. Die Konkurrenz reicht bis ins Mittelalter zurück. Damals haben sie die Hebammen leicht als Hexen verdächtigt und entsprechend eliminiert, damit sie den neumodischen „wissenschaftlichen“ männlichen Ärzten Platz machen.
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Daher rührt das wohl… Oh je! Meine Hebamme nahm’s gelassen. Sie kannte das schon bzw. warnte mich vor, dass mit Sicherheit ein dummer Spruch kommen wird. Ich wollte es nicht glauben, denn meine Gynäkologin ist Jahrgang 1981… sie wird doch wohl moderne Ansichten haben? Hebamme und Ärztin, die sich ergänzen, nicht konkurrieren! Aber nein… auch Jahrgang 1981 denkt noch genau so wie alle anderen vor ihr. Wundern musste ich mich dennoch… meine Schwiegermutter hat all ihre sechs Kinder daheim und nur mit Hebammenhilfe bekommen. Ärzte gabs nur in der gr. Stadt.
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Ja, so wars in vielen Ländern. Albanien hatte sogar eine ziemlich große Ärztedichte, dank kommunistischer Diktatur, die die Ausbildung hochhielt und das Ausreisen verhinderte. Ärzte und andere Fachkräfte verließen das Land dann scharenweise, als die Grenze öffnete. Unsere „Putzfrau“ war eigentlich Apothekerin, ihr Mann Chirurg, aber die Zeugnisse wurden hier nicht anerkannt…. und in Albanien fehlten sie dann.
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