[Dezember 2024]
Smalltalk ist keine Stärke meiner Frauenärztin. Das muss es auch nicht, aber sie versucht sich doch ständig wieder daran.
Als selbst gekürte Smalltalk-Expertin würde ich ihr gerne einen Kurs geben: Wer den Ball aufnimmt, der muss ihn auch wieder zurückspielen. Ähnlich wie beim Tischtennis.
Ping-Pong-Ping-Pong und dann die Kür: Eine elegante Überleitung zum eigentlichen Thema. So funktioniert das.
Meine Gynäkologin spielt in etwa so: Ping von ihr – Pong von mir – Schweigen von ihr. Man kann fast den Tischtennisball wegdribbeln hören. Klonk-klonk-klonk-klonk.
Zum Glück hatte sie beim heutigen Kontrolltermin keine Lust auf Smalltalk, was mir am liebsten ist.
Generell komme ich mir bei den Kontrollterminen immer vor wie ein Laborratte: Urin abgeben – ab ins Labor – Gewicht, Blutdruck – alles fein – ab zur Ärztin – Muttermund befühlen – Ultraschall – dann zum CTG – alles schick, durchgecheckt, abgecheckt, wir sehen uns in 14 Tagen. Tschüüühüüüss!
Nur eine Sache lässt mich regelmäßig schmunzeln: Die Gynäkologin wird nicht müde, zu erwähnen, was ich für ein RIESEN Kind erwarten werde. Riesig groß! Man möchte meinen, ich gebäre ein Walbaby. Es fehlt nur noch, dass sie sagt, wir brauchen 15 Mann, um das Kind rauszubekommen und einen Flugzeughangar als Kreisssaal, um das Kind zumindest nicht an der frischen Luft bekommen zu müssen.
Am Ende kommt dann meistens der beschwichtigende Hinweis, dass ich mir aber üüüüberhaupt keine Sorgen machen brauche. Die Zweitgeborenen sind immer größer und schwerer (betont sie nochmals extra) als die Erstgeborenen.
Ja, es wird ein Riesenkind. Groß wie ein Baby-Orca. Aber hey, entspannen Sie sich!
Zum Glück ist es mein zweites Rodeo. Signorino wurde damals permanent zu klein und zu zart eingeschätzt. “Der wird keine drei Kilo und keine 50 Zentimeter haben.”, prophezeite man mir noch im Wehenzimmer neben dem Kreisssaal. Am Ende war er bei 3300g und 53 Zentimeter.
Nun hoffen wir, dass ich nicht im Flugzeug-Hangar entbinden muss, so groß wie das Baby sein wird. 😉

Deine Ärztin hat wohl ein Händchen dafür Dich in allen Situationen zu ermutigen. Immerhin hat sie sich das mit dem Erstgeborenen gemerkt.
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Stimmt! Kleine Schritte führen zum Erfolg. 😄
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Vielleicht sollte deine Gynäkologin eher über das Wetter sprechen ;). Oje….sehr lustig zu lesen, aber du musst schon viel mit Humor nehmen ;).
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Das sollte ich ihr mal mit auf den Weg geben. Zum Glück gibt es bald die Abschlussuntersuchung, sechs Wochen nach Geburt. Diesen Tipp werde ich ihr noch zuflüstern. 😉
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Na ja, dass das alles kein Zuckerschlecken ist (obwohl für die Zähne traditionell ähnlich schädlich), das wissen wir. Alle. Denn alle wurden schon mal geboren, alle haben eine Mutter, alle können sich das zumindest ein bißchen vorstellen. Und die es schon in der gebärenden Rolle durchmachen durften ganz gewiß. Eigentlich wundere ich mich jedes Mal, wieso frau das nochmal durchzumachen bereit ist. Doch, tue ich (wir habe, wie bereits erwähnt, Zwillinge. Also im Ganzen drei. Soviel dazu…)
Es wäre durchaus die Aufgabe einer Frauenärztin, eine in etwa realistische Einordnung abzugeben. Also ein klein wenig unter Orca (ca. 200 kg bei der Geburt), aber auch Elefant (ca. 90 kg), Nilpferd (ca. 40 kg), sicher aber deutlich größer als ein Bären-, Hunde-, Katzenjunges. Das würde doch schon mal helfen. Allerdings kann es gefühlt durchaus ein kleiner Wal sein. Da hilft alles Wissen nichts.
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Gute Frage! Ich würde so weit gehen, zu behaupten, dass man der ersten Schwangerschaft sicher noch neugierig-aufgeregt gegenüber steht. Würde aber jemand anbieten, alle weiteren Schwangerschaften zu übernehmen, würden die meisten freudig “Ja” sagen.
Vielleicht sagte ihr Ultraschallgerät tatsächlich “Orca” und ein kleiner Wal wurde – für mich unsichtbar – eingeblendet? 😄
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Mir war eh meist schleierhaft, was (Damals, aber auch heute bedorf es anfangs einer gewissen Interpretationsfreudigkeit) auf diesen Bildschirmen zu sehen sein soll…. bis auf das zweite Herz. Das hab ich vor dem Doc gesehen! Und dachte: Also, das kann er nicht meinen. Das ist ja doppelt da! – Was er dann sagte, nachdem er lang auf dieser Stelle verweilte, ist bereits bekannt. Nicht der klügste Spruch, aber immer sagte er nicht: „Oh, es wird ein Monster, es hat mehrere Herzen!“
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😄😄😄 Das wäre mal ein Spruch gewesen! Aber so sensibel war der Doc dann doch. 😉
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Je weniger Kinder geboren werden, desto größer der medizinische Aufwand, scheint mir. So haben die Frauenärzte Arbeit. „Zu meiner Zeit“ wusste ich faktisch nichts über das Kind, das in mir heranwuchs, und das blieb auch so bis zur Entbindung. Ich hatte überhaupt keinen Frauenarzt, sondern nur unseren Hausarzt „für alle Fälle“. Ich will nicht behaupten, dass das besser war, aber die heutige Dauerkontrolle finde ich ziemlich stressig, zumal wenn die Informationen, die du bekamst, auch noch wenig unterstützend waren.
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Mittlerweile habe ich den Eindruck, dass auch die Schwangeren eine hundertprozentige Sicherheit wollen. Und die Medizin kommt dem gerne nach, denn man kann ja Geld damit verdienen.
Bei beiden Schwangerschaften sagte ich beispielsweise nein zum Ersttrimester-Screening. Statistisch und für 300€ wird berechnet, wie hoch die Gefahr eines Gendefekts ist. Leider kommt es hier immer wieder zu Fehlkalkulationen, besonders bei Frauen U30. Ich wollte die Info nie haben und wurde jedesmal in eine Diskussion mit meiner Frauenärztin verwickelt, warum nicht. Für mich war es der richtige Weg, bei Biancos Schwangerschaft meiner Hebamme zu vertrauen. Die Termine waren entspannter und alles außer Ultraschall konnte sie bestens herauslesen. Bei Signorino war ich jedoch auch eine unentspannte Schwangere, die die hundertprozentige Sicherheit wollte.
Und du hast vollkommen recht: Die Dauerkontrolle ist absolut stressig.
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Dass du die Überprüfung möglicher Gendefekte nicht wolltest, freut mich sehr. Leider ist es wohl so, dass die Schwangeren sich gar nicht mehr trauen, die vorgeschlagenen Tests und Untersuchungen nicht zu machen. Wenn dann später eine genetisch bedingte Fehlbildung festgestellt wird, wird der Frau gesagt: Siehste, hättest du…. Ja, hättest du was? Abgetrieben? Weil ein „behindertes Kind“ nicht mehr geboren werden MUSS, SOLL es auch nicht mehr geboren werden? Ich las mal eine herzanrührende Geschichte von einem zwergwüchsigen Menschen, der in der Gemeinschaft anderer ebenso kleiner Menschen sehr glücklich war und trauerte, weil „es uns bald nicht mehr geben wird“. Eine aussterbende Art. ImGrunde handelt es sich um eine Abart der „Euthanasie“ (Vernichtung nicht lebenswerten Lebens).
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Ich sehe es wie du: Wir hätten jedes Kind genommen. Besonders mit welchem Recht suche ich mir das Kind aus? Wo fängt es an? Wo hört es auf? Trisomie 21 – und das Kind darf nicht leben? Schrecklich!
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Klingt ziemlich genervt, die Schulmedizinerin …
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Oh ja! Ich war jedesmal froh, wenn ich die Vorsorgetermine bei meiner Hebamme hatte. 🫤
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😂😂😂 Eva, diese Art gibt es in allen Fakultäten
– Wichtig- unentbehrlich – Selbstüberschätzung – Degradieren
Das ist keine Vorsorge ! Das ist für mich sehr an der Grenze
Vielleicht wäre da ein männlicher Fachspezialist die bessere Wahl gewesen
Meine eigenen Erfahrungen bestätigen das in vollem Umfang
Sorry
😉
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Da schreibst du was! Bloß nicht Wissen in Frage stellen, sonst wird’s ungemütlich.
Vermutlich wäre es besser gewesen. Bei Signorinos Schwangerschaft war ich bei der “älteren” Frauenärztin (60 Jahre ca.) und das war sehr entspannt. Bei Bianco jetzt war ich bei der jüngeren (Ende 30) und das war sehr unentspannt. Vermutlich kommt mit dem Alter auch die Gelassenheit bei den Göttern in Weiß?
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