[Februar 2025 – nach einer Woche Grippe, gesundete ich und ging über den errechneten Termin]
“Wenn die Frauenärztin mich heute nicht ins Krankenhaus überweist, dann weiß ich auch nicht!”, erkläre ich dem Römer im Taxi zur Frauenärztin.
Schmerzen, Übelkeit und das Warten auf die Geburt
Seit heute Früh habe ich menstruationsartige Schmerzen, Übelkeit, Abgeschlagenheit, Magen-Darm-Probleme. Mein zweites Zuhause ist das WC, wie es scheint.
Außerdem ist heute der errechnete Geburtstermin um vier Tage überschritten und ehrlicherweise habe ich überhaupt keine Lust mehr. Ich will nicht mehr schwanger sein. Ja, ich bin bereit für eine Geburt, auch wenn mich die erste traumatisiert hat.
Der Muttermund bleibt verschlossen – Hoffnung auf den Krankenhaus-Termin
Bei der Frauenärztin angekommen dann die Enttäuschung: Der Muttermund ist unverändert verschlossen. Keine Wehen. Nichts, was auf eine Geburt hindeutet. “Sonntags gehen Sie dann zur Untersuchung ins Krankenhaus und dienstags sehen wir uns wieder hier, wenn sich der junge Mann nicht auf den Weg machen will.”, instruiert mich die Ärztin. “Aber rufen Sie vorher im Krankenhaus an, dass Sie am Sonntag zur Kontrolle vorbeikommen! Nicht einfach dort im laufenden Betrieb auftauchen!”, fügt sie an.
Anscheinend wirke ich wie jemand, der einfach im Krankenhaus zur Kontrolle vorbei schneit – ohne vorher anzurufen.
Ja nun.
Ich beschließe, dass mein Anruf im Krankenhaus auch am nächsten Tag reichen müsse. Vielleicht tut sich ja heute noch etwas, auch wenn es nicht danach aussieht.
Wir steigen nochmal in ein Taxi und fahren ins Café Roselie in der Innenstadt. Ehrlicherweise mache ich das mehr für den Römer als für mich, denn auch dort fühle ich mich mies. Ich habe keinen Hunger, mir ist blümerant und dazu diese menstruationsartigen Schmerzen. Mühsam zwinge ich mich, einen vegetarischen Wrap zu essen. Dann fahren wir mit der Bahn heim.
Signorino wird an diesem Freitag, wie an jedem Freitag, von Tante Turtle abgeholt. Wir haben also noch eine Verschnaufpause daheim bis die beiden kommen. Ich erinnere mich, dass “der Mann mit den goldenen Händen” (=Römer), wie ihn ein Orthopäde unlängst nannte, mal davon gesprochen hat, dass es in der Osteopathie einen Kniff gibt, um die Geburt einzuleiten.
Osteopathie löst die Geburt aus – der Moment, als die Fruchtblase platzte
Und was habe ich schon zu verlieren?
So bitte ich meinen Mann, jetzt zur Tat zu schreiten, denn ich bin durch mit dieser Schwangerschaft.
Mühsam begebe ich mich auf die Couch. Mein Mann macht irgendwelche Kniffe an meiner Halswirbelsäule und an meinem Kopf. Nach einer Minute beginne ich hysterisch zu lachen. Nicht, weil mir danach ist. Nein, es kommt tief aus dem Bauch heraus. Wie eine Bekloppte lache ich – aus vollem Bauch (im wahrsten Sinne des Wortes). Gleichzeitig, und unter Lachtränen beschwöre ich, dass ich meinen behandelnden Osteopathen-Gatten nicht auslache.
Aber: Ich lache und lache und lache.
“Non ti preoccupare! [Keine Sorge!] Das ist der Parasympathikus, der stimuliert wird. Dann wirkt’s!”, zwinkert mir der Römer zu.
Nachdem ich fünf Minuten später aus-gelacht habe, bin ich unendlich müde. Ich muss mich hinlegen. Jetzt sofort.
Es ist mehr ein Dösen, aber besser als nichts. Als Tante Turtle und Signorino heimkommen, stehe ich auf. Ich bahne mir den Weg zur Toilette und bemerke, dass meine Unterhose ungewöhnlich nass ist. Achtung, jetzt wird’s plakativ: Es scheint als hätte ich in die Hose gepinkelt. Zudem ist mein Urin hellrosa?! Öhm?!
Das wird doch jetzt nicht meine Fruchtblase sein, oder? Ich tue das, was jeder mit unklaren Symptomen tut: Ich google erstmal ausgiebig eine Runde “hellrosa Urin schwanger”. Das Internet ist sich einig; Ja. Das ist die geplatzte Fruchtblase.
Eine dicke Einlage später trete ich aus dem Badezimmer und passe den Römer ab. Schließlich hat er mir das ganze Schlamassel eingebrockt. “Du, meine Fruchtblase ist geplatzt.”, sage ich. Der Mann guckt mich mit seinen großen, blauen Augen an und versteinert. Er sagt nichts, kann nichts sagen. Ja, er ist völlig überfahren und kann keinen klaren Gedanken mehr fassen.
Ich lasse ihm ein paar Minuten und gehe ins Wohnzimmer zu Signorino und Turtle. “Hi! Meine Fruchtblase ist geplatzt. Also, es kommt so hellrosa raus. Wird wohl ein Mädchen.”, witzel ich etwas unbeholfen. Turtle reagiert total cool auf das Ereignis und den blöden Spruch: “Das ist jetzt vermutlich etwas zu spät, dass es noch ein Mädchen wird”, antwortet sie.
“Bleibst du dann gleich da? Brauchst du was für die Nacht? Wie machen wir das jetzt?”, frage ich meine Schwester, die gleichzeitig unsere Betreuungsperson für Signorino ist. “Ne, ne, fahrt ruhig ins Krankenhaus. Ich komme zurecht.”, gibt Turtle zurück.
Also rufen wir ein Taxi. Ein letztes Mal knutsche ich mein Einzelkind Signorino, bevor es keines mehr ist. Dabei werde ich etwas sentimental. “Tschühüss Mama!”, spricht mein Erstgeborener. “Tschüss mein Schatz!”, sage ich und verdrücke heimlich eine Träne.
“Willst du nicht vorher beim Kreisssaal anrufen?”, will der Römer wissen. “Ne, ne, ne! Die sagen dann, ich soll noch daheim warten. Signorinos Geburt war aber außerordentlich schnell, deswegen fahren wir lieber jetzt, wo ich keine Wehen hab. Mit einer geplatzten Fruchtblase schicken sie mich nicht mehr heim.”, gebe ich zurück.
Immerhin will ich mir die Taxifahrt unter Wehen, bei der man jede Unebenheit spürt, ersparen.
Und schon biegt der Taxifahrer in unsere Straße ein. Er sieht mich und den dicken Bauch und wirkt zunehmend gestresst. Ja, fast panisch.

Ich kenne solche Fahrten. Als Taxifahrer ist man da maximal überspannt. Schließlich will man ja die Mami in Spe nicht unbedingt als erstes nach ihrer Haftpflichtversicherung fragen. Bei einem Kollegen war die Fahrt zu lang und er musste danach die komplette Rückbank austauschen lassen.
Frauen werden allerdings auf der Fahrt Richtung Kreißsaal mitunter sehr cool. Ich erinnere mich an eine Fahrt mit einer werdenden Mutter mit einem total überspannten werdenden Vater. Er bat mich sie so schnell wie möglich zur Universitäts-Frauenklinik, im Taxifahrer-Jargon „Erste Frau“, zu fahren. Wir mussten aber noch auf die Frau warten, die auf einmal alle Zeit der Welt zu haben schien.
Auf halber Strecke bemerkte sie, dass sie vergessen hätte irgendeinen Ball mitzunehmen. Die Beteuerungen ihres Gatten, er würde diesen schnellstmöglich nachliefern, stießen auf taube Ohren. Wir mussten also wieder umdrehen, haben es aber noch rechtzeitig in die Klinik geschafft.
Ich komme zwar gerne in die Zeitung, aber bitte nicht als Geburtshelfer!
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Das ist ein spannender Einblick, den du uns gibst, lieber Tom. Vielen Dank!
Genau so muss es dem netten Herrn ergangen sein.
Ich war super ruhig – klar, ich hatte keine Wehen – und er hatte vermutlich Angst, dass das die letzte Fahrt für heute in diesem Taxi war. Morgen schildere ich genauer die wilde Fahrt! Aber sagen wir so: So schnell kam ich noch nie – im Berufsverkehr – von A nach B. 😄
Das mir dem Ball könnte der Römer so unterschreiben. Man wird in der heißen Phase zunehmend irrational. Ich habe zwar kein Taxi umdrehen lassen, aber mein ständiger Begleiter im Krankenhaus war ein Geburtskamm (du hättest den Blick der Hebamme sehen sollen!) und ein Strohhalm. 😄 Dafür hätte ich auch das Taxi umdrehen lassen. 😄
Ich drücke dir die Daumen, dass du nur für deine exzellenten Artikel in die Zeitung kommst und nie als Geburtshelfer auf der Landsberger Strasse oder auf dem mittleren Ring!
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