WMDEDGT – Januar 21

Heute gibt es ein (Quasi-)Novum. Ich wollte so gerne bei Frau Brüllens WMDEDGT am 05. jeden Monats mitmachen.

And here we go:

9:20 Uhr Ich wache zwischen Bett 1 und Bett 2 verknotet auf. Signorino erzählt – natürlich mit seinem Kopf auf meinem Kissen. Als er merkt, dass ich die Augen aufgeschlagen habe, dreht er sich um und will am Kopfteil hochklettern. Ich stütze ihn, damit wir den ersten Unfall des Tages vermeiden können. Indessen frage ich mich, wo der Römer hin ist. Heute arbeitet er doch erst um 10:40 Uhr. Ich höre Fragmente von Gesängen (ein Ritus? ein Iktus?) und Wasser in der Dusche spritzen. Er ist also wach.

9:40 Uhr Ich bereite Signorinos Frühstück vor. Der Römer kümmert sich derweil um Signorino und mosert, dass er lieber ohne uns frühstückt, wenn er zur Arbeit muss. Wir halten „sein System“ auf. Nachdem alles fertig ist, meckert Signorino rum, weil er lieber unseren Schokokuchen anstatt des schnöden Haferbreis haben will. Der Römer isst in der Küche, damit Signorino den Schokokuchen nicht sieht und sich doch noch mit seiner Haferpampe abfindet. Es klappt. Ich trinke derweil nur Espresso.

10:20 Uhr Jetzt aber schnell! Der Römer gelt noch eine letzte Strähne in die richtige Richtung, setzt seine Mütze so vorsichtig auf wie meine Oma damals ihre Dauerwellen-Regenhaube und verschwindet. Wir sind allein. Das heißt: Die Spülmaschine bekommt nun besondere Zuwendung. Ausräumen, einräumen, Küche aufräumen, währenddessen übt sich Signorino an der Sportart „Parkour“. Er hangelt sich an den Küchenschränken entlang, dann an mir (und zwickt wie verrückt!), dann am Wäschekorb, dann Richtung Waschmaschine… Immer wieder stoppt er um Sachen aus den Regalen zu räumen. Ich stehe verrenkt zwischen Signorino und den Aufgaben in der Küche da und es erinnert mich stark an das Spiel Twister: „Rechte Hand auf Signorinos Kopf, linker Fuß vor Waschmaschine, rechtes Bein hält Küchenschrank zu…“

10:40 Uhr – Ultimo Ratio: Kinderlieder. 1:30min Aramsamsam für Signorino, damit ich die Küche in eben dieser Zeit zumindest etwas ordentlicher verlassen kann.

11:20 Uhr Wir lesen bzw. wir machen das, was wir lesen nennen. Signorino räumt alle Bücher aus seinem Fach, schlägt eins auf, ich lese zwei Seiten vor und er zieht ein neues Buch hervor. So geht das 30 Minuten lang. Dann holt er seine Stofftierraupe hervor und guckt sie begeistert an.

12:00 Uhr Signorino isst Milchreis und erzählt währenddessen. Von „Mmmh“ und „Mama” gekrönt, scheint es ihm zu schmecken. Wir unterhalten uns auf „dada-risch“. Er scheint aufgebracht und schreit durch die Wohnung. Am Milchreis kann es nicht liegen, ich hab ihn probiert.

13:00 Uhr Der Römer kommt nach Hause. Er hatte tatsächlich nur zwei Patienten. Gestern dachte er noch, dass wäre ein Fehler im System, doch es bestätigte sich. Wir haben keine Lust zu kochen und einigen uns auf Thailändisch. Matsaman Curry möchte er nicht mehr, obwohl er das immer nimmt. „Die Kartoffeln schmecken da zu sauer.“ Er schwenkt auf gebratenen Reis um. Die Ente dazu kann ich ihm ausreden, da er sonst, mit fehlender Galle, wie ein Schluck Wasser in der Kurve hängt. Er nimmt Rind. Und ich Hühnchen.

13:10 Uhr Ich bringe Signorino ins Bett bzw. ich trage ihn minutenlang ins Bett. Eine einfachere und effektivere Methode haben wir bis heute nicht gefunden.

13:15 Uhr Signorino hat die Augen geschlossen; ich halte ihn noch im Arm. Es klingelt. Der Römer macht auf: Hallo! – Hallo! – Paket für Sie! *biep* Danke! Tschüss! Tschüss! Es war der Postbote mit den Blinklichtern für den Kinderwagen, damit wir spätnachmittags nicht immer halb zusammen gefahren werden unten am Main. Signorino ist dementsprechend wieder wach. Nächste Runde!

13:30 Uhr Signorino schläft endlich. Ich lasse den Römer leise aus der Wohnungstür, damit er beim Thailänder vorbeigeht und die Beute beiden Gerichte abholt.

13:45 Uhr Der Römer war erfolgreich. Wir essen. Die Qualität ist immer tippitoppi beim Thai um die Ecke.

14:30 Uhr Der Eine und ich schreiben. Wir wollen uns zum Spazieren gehen verabreden – mit Maske, an der frischen Luft, mit Abstand,… Sie kennen das Spiel. Wir verabreden uns für 15:30 Uhr. Er kommt hierher.

15:30 Uhr Ich sehe vom Wohnzimmerfenster aus, dass der Eine telefonierend vorbeischleicht. Schuhe, Mantel und die Leichtdaune ziehe ich fix über. Signorino, mittlerweile wach, guckt mich vorwurfsvoll an. Ich verabschiede mich. Kuss für alle Farnientes und ab!

15:30-18:00 Uhr Wir machen einen wirklich langen Spaziergang. Am Main entlang in die Innen-Innenstadt, zum Römer (das Gebäude heisst wirklich so), am Standesamt vorbei, Richtung Willy-Brandt-Platz, dort zu Café Nummer 1*. Leider verstehen wir nicht, ob nun geöffnet ist für eine Mitnahme eines Espressos oder nicht. Also nebenan zuCafé 2. Weiter zum Goetheplatz, zur alten Oper, den Grüngürtel ein Stück entlang zum Eschenheimer Tor, zur Konsti, zum Zoo und schon liefert mich der Eine wieder daheim ab. Es war sehr kalt, wir sind 9 Kilometer gegangen, aber auch sehr schön.

18:00 Uhr Der Römer erwartet mich bereits. Signorino ist beleidigt und möchte mich erstmal nicht begrüßen. Nach 5 Minuten taut Signorino auf und findet mich doch ganz okay. So okay, dass er mich nicht mehr loslassen will. Auf‘s Toilettchen kann ich auch nicht mehr allein. Ja, gut. Kann man nix machen.

19:00 Uhr Wir raffen uns auf und gehen mit Signorino nochmal spazieren. Es schnieselt (halb Schnee, halb Niesel 😉) und ist dementsprechend kalt. Kleine Mainrunde, die neuen Lichter am Kinderwagen leuchten in fröhlichem Grün. Der Römer hat seine Handschuhe vergessen, also schiebe ich meistens Signorino. Er schläft ein (oh no!), aber letztendlich nur für 20 Minuten. Hoffentlich ist er trotzdem um 21 Uhr willig ins Bett zu gehen!

19:45 Uhr Wir sind daheim. Der Römer will unbedingt kochen (kinderfreie Zeit und so…). Es gibt Kartoffelsuppe für alle. Keine Würstchen da – aber wir werden es überleben.

20:50 Uhr Der Römer künstelt immer noch an der Kartoffelsuppe rum als wär‘s ein Mehrgang-Menü. Ein Glück hab ich schon „gesnackt“ während das Kind zu Abend aß. Langsam bin ich äußerst genervt, da Signorino schon „drüber“ ist und mein Blutzuckerspiegel weit unten. Ich drücke dem Römer das aufgedrehte Kind in die Hände und flüchte ins Bad. Drei Minuten durchatmen. Von draußen höre ich den überforderten Römer, der nun nicht mehr an seiner Kartoffelsuppe rumdoktern kann, weil Signorino den Deckel vom Dampfsterilisator durch die Gegend wirft und dabei laut lacht. Ich steige wieder in den Ring und gehe zurück.

21:00 Uhr Der Römer wird von mir verpflichtet den hyperaktiven Ableger ins Bett zu bringen. Wer eine Stunde lang Suppe kocht (die kocht sich nach dem Schälvorgang schließlich von alleine!), der darf auch Signorino ins Bett bringen. Bitte. Danke! Ich räume das Wohnzimmer auf, das aussieht als hätte ein Troll Bauklötzchen-, Bücher- und Spielzeugdurchfall gehabt. Die römische Suppe wartet auf ihren Einsatz – und kühlt langsam aus.

21:20 Uhr Alles aufgeräumt. Ich höre den Römer. Wenig später sehe ich ihn auch – mit Signorino auf dem Arm. “Non dorme, questo animaletto.” [Dieses Tierchen schläft nicht.] Nun denn. Das ungeplante Schläfchen rächt sich nun. Mal gucken, wie lange der Spaß heute mit ihm geht. Wir essen Suppe. Sie ist komplett ungewürzt. Was hat der Mann in der Küche gemacht?! Ich spare mir den Kommentar. Der Römer bringt ungefragt Salz und Pfeffer. Immerhin!

21:40 Uhr “Vuoi una deca?” [Willst du einen entkoffeinierten Espresso?]. Ich dachte schon, der Römer fragt nie. Signorino spielt indessen wieder. Die Bauklötze habe ich weggepackt. Die räume ich heute nicht nochmal weg.

22:30 Uhr Glauben Sie’s oder glauben Sie’s nicht, aber unser südeuropäisches Partymodel (alias Signorino) ist JETZT müde. 1,5 Stunden nach seiner regulären Zeit. Once again: Schlafsack – Kuss – Kuss. Nachti Nacht! Ich räume zum wiederholten Male die Bücher und die Spielzeugkiste auf bzw. ein. Hoffentlich kommt er heute nicht mehr zurück zu einer weiteren Spielerunde (auch das hatten wir schon….).

23:00 Uhr Der Römer und ich gucken unsere Serie und essen heimlich Eis, was man als gut eingespieltes Elternpaar eben so macht, wenn das Kind endlich schläft. Gleich wird Signorino noch einmal wach (wie immer nach einer Stunde), verlangt Wasser und noch einmal Einschlafbegleitung, aber nur die Sparversion (2 Minuten).

[The End]

Tocca a te [Du bist dran!]

Ach, lassen Sie die Späße! Sie hören Sich an wie der Römer, der schelmisch grinsend vor dem Fernseher sitzt, während ich meine Runden drehe.

Ich stehe im Ring und meine Hüfte hangelt sich mutig und kampfbereit an meinem Hula Hoop Reifen entlang. Doch dieses Mistding, das sich farblich zwischen überfahrener Frosch und zu viele Algen im Teich bewegt, fällt immer wieder zu Boden. Unter Ächzen und „Mein Rücken!“-Rufen hebe ich ihn schwerfällig auf.

Währenddessen bewundere ich die Gesichtsmuskelspannung des Römers, die sich keinen Millimeter von ihrer vorherigen Position bewegt hat. Seit Minuten strahlen seine Mundwinkel, festgetackert an den Ohren, eine grenzenlose Freude und einen unbändigen Spaß aus. Grund ist seine Frau, die sich hoffnungslos abmüht.

„Mi fai ridere.“ [Du bringst mich zum Lachen.] untermalt er seinen unerhört dämlichen Gesichtsausdruck. „Mein Freund Altin sagte schon damals im Studium der Sportwissenschaften: Die Unsportlichen dieser Welt erkennst du an einem Tag im Jahr: Dem 01.01.! Da scheint der Startschuss zu fallen für ihre tage- und in Ausnahmefällen auch wochenlang andauernde Sportlichkeit, die bei der kleinsten Niederlage in völliger Kapitulation endet. Je eher, desto besser für den schwachen Körper.

Der Römer lacht laut über seine Erklärung und setzt sich auf den Boden. Dort türmt er mit seinem überheblichen Grinsen Bauklötzchen auf, die Signorino mit einer riesen Freude umwirft. Dann ergänzt er seinen Monolog mit einer persönlichen Weisheit: „Ich sag‘ immer: Leistungssportler werden nicht am 01.01. geboren.“ Dazu zwinkert er und lacht wieder.

„Okay, Confucio. [Konfuzius] Wenn du fertig bist mit deinen Tipps, würde ich gerne weitermachen.“ Ich setze den Ring wieder an, drehe ihn nach links und versuche währenddessen meine Hüfte kreisen zu lassen. Er dreht zwei Mal, vermutlich aus Mitleid, und fällt wieder zu Boden. Nun steht der Römer hinter mir, legt mir eine Hand auf die Schulter und säuselt: „Vuoi che lo provo io, amore mio? [Willst du, dass ich es mal versuche, mein Schatz?]“

„Bloß nicht!“ ätze ich zurück und hebe den Ring diesmal schnell und ohne lautes Jammern auf. „Ma perché? Ti vorrei aiutare! [Aber warum? Ich will dir helfen!]“ insistiert der Römer und hält mich nun sanft mit beiden Händen an den Schultern fest. „Weil du immer alles sofort kannst! Der Ring wird dir nicht ein einziges Mal herunterfallen. Ganz im Gegenteil. Du wirst ihn zwei Minuten galant auf deinen Hüften kreisen. Dann wirst du ihn mit den Händen anhalten und mir erklären, dass es gar nicht so schwer ist und total viel Spaß macht. Spätestens dann wird das kleine, bockige Mädchen in mir den Hula Hoop Reifen in die Ecke knallen und ihn nie wieder anfassen. Deswegen bitte ich dich inbrünstig: Mach mir meine neue, tolle Sportart nicht kaputt. Du kannst es gerne einmal versuchen und bitte darauf achten, dass dir der Ring nach maximal zweimal Hüfte kreisen herunterfällt, aber mehr Hilfestellung möchte und kann ich nicht akzeptieren.“ erkläre ich ihm in einem stakkatoartigen Redeschwall.

Er nimmt den Ring in die Hand. Kurz bevor er losdrehen will, hält er inne. Es brennt ihm noch etwas auf der Seele. Deswegen kommentiert er meinen Monolog umgehend: „Es tut mir Leid, aber ich kann nicht so tun als wäre ich unsportlich. Ich bin Leistungssportler. Natürlich haben wir mehr Fähigkeiten als andere…“ Dann lässt er den Ring abheben. Er macht einen Halbkreis – und fällt zu Boden. Ein minimales Lächeln huscht über mein Gesicht, doch ich will mich nicht zu früh freuen.

„Das war, weil ich gerade nicht konzentriert war. Guarda come si fa! [frei übersetzt: Schau zu und lerne!]“ Wieder lässt er den Hula Hoop Reifen kreisen und wieder fällt der Ring sofort zu Boden. Ich grinse. Ist es wirklich möglich, dass ich die einzige Sportart entdeckt habe, in der der Römer kein Naturtalent ist? Hoffnung keimt in mir auf.

Er versucht es wieder und wieder. Doch sein Engagement wird kontinuierlich von Misserfolg gekrönt. „Ma che m€rda è? [Was für ein Sch€iß ist das denn?]“ stöhnt er, bevor er den Ring aufhebt und es auf ein Neues versucht. Er wirkt gequält, doch er gibt nicht auf. „Scusa, ma questo cerchio non funziona. C’è qualcosa che non va!“ [Entschuldige, aber dieser Reifen funktioniert nicht. Irgendwas klappt hier nicht.] setzt er an. Ich winke ab. „Hm….sicher.“ gebe ich auf seine Ausrede zurück. Dann bereiten Signorino und ich das Abendessen vor.

Vom Wohnzimmer hört man immer und immer wieder das Geräusch des eben zu Boden gefallenen Reifens und lautes Fluchen.

Als das Abendessen auf dem Tisch steht, muss ich den Römer mehrmals dazu auffordern sich zu uns zu setzen. „Si, vengo subito! [Ja, ich komm sofort!]“ Sein Essen ist bereits kalt als er sich schlussendlich zu uns bequemt. An seiner Rückenlehne lehnt sein neuer, runder Freund. Nach drei Bissen und einem Schluck Wasser steht mein Leistungssportler wieder auf und übt weiter.

Ich muss lachen. Wenig später tippe ich ihn an, während der Reifen mal wieder auf dem Boden liegt. „Schatz, gib’s auf. Probier’s doch einfach morgen nochmal.“ Doch er hört gar nicht richtig zu. Schwitzend, mit hochrotem Kopf, macht er weiter.

Der Abend verstreicht, der Römer quält sich weiter. Gegen Mitternacht gehe ich ins Bett. Im Sessel ein sehr müder, sehr geschaffter Römer. Sein grüner Freund liegt nun, scheinbar ebenso resigniert, auf dem Boden. „Ich geh ins Bett. Kommst du?“ frage ich ihn. „Si, si, subito.“ [Ja, ja, sofort], spricht er leise während er im Internet nach Hula Hoop Tipps sucht, „Ma non mi aspettare! [Aber warte nicht auf mich!]“

Ich gehe ins Schlafzimmer, lege mich ins Bett und döse ein. Irgendwann, viele Stunden später, kommt der Römer ins Schlafzimmer. Ich blinzle kurz, drehe mich Richtung Fenster und sehe, dass es draußen bereits dämmert.

„Amore! Amoooore!“ flüstert er leise, aber aufgeregt. „Hm….“ antworte ich ihm. „Sono riuscito! Durava fino ad adesso, però sono riuscito. [Ich hab’s geschafft! Es dauerte bis jetzt, aber ich habe es geschafft.] Er kichert in mein Ohr. „Von was redest du?“ hake ich verschlafen nach. „Ich spreche vom Hula Hoop Reifen. Ich kann ihn oben halten – ganz ohne Probleme.“ erklärt er aufgeregt und sein Flüstern hat bereits die normale Lautstärke erreicht. „Super, Schatz.“ murmle ich und drehe mich um. „Ti faccio vedere domani. O vuoi vederlo adesso? [Ich zeig’s dir morgen. Oder willst du es jetzt sehen?] sprudelt es fröhlich aus dem Römer heraus. „No, no….“ ist meine kurze Antwort.

Am späten Mittag steht ein sehr verschlafener Römer vor mir. Er reibt sich die Augen, die Haare sind wild verstrubelt. „Morgen!“ strahle ich ihn süffisant an. „Buongiorno! [Guten Morgen!]“ brummt er verschlafen.

Nach einem Espresso, einem Glas Orangensaft und ein paar Keksen, kommt er direkt zur Sache. „Allora, adesso telo faccio vedere.“ [Also, jetzt zeige ich es dir.] Er schnappt sich den Ring, steigt in selbigen, hebt ihn an und lässt die Hüften kreisen. Immer wieder. So geht es minutenlang, in denen ich seinen Auftritt mit lautem „Ahs“ und „Ohs“ würdige.

„Vedi?! [Siehst du?!] Es geht – ganz ohne Probleme.“ zeigt er mir auf. „Ich bin sehr stolz auf dich.“ lobe ich ihn überschwänglich. „Nein, darum geht es doch gar nicht. Es geht vielmehr darum: Wenn du etwas wirklich willst, dann kämpfst du dafür. Du musst dich 180 Prozent reinhängen und üben. Aufgeben ist keine Option.“ will er mich motivieren. Doch er hört sich an als würde er mir ein Fitness Programm in einem sozialen Netzwerk verkaufen wollen, das mich irgendwie „krasser“ machen soll. Als er seine Rede beendet hat, werfe ich ein: „Ich bin ganz deiner Meinung, mein Schatz. Aber dein Freund Altin sagte doch bereits, dass am 01.01. der Tag der Unsportlichen ist. Deswegen hat es gestern sicher nicht geklappt. Es war schlichtweg nicht dein Tag. ;-)“ Auf so eine Erklärung war er nicht vorbereitet. Er prustet los und lacht Tränen. Ich stimme mit ein und selbst Signorino, an seinem missmutigen Zahnungstag, findet es unglaublich lustig.

„Ach, amore mio….“ sagt er sehr zufrieden. Er gibt mir den grünen Ring in die Hand, klopft mir auf die Schulter und flüstert mir drei Wörter ins Ohr: „Tocca a te!“ [Du bist dran!]

Dann verabschiedet er sich wieder ins Bett. Ich stelle den Ring in die Ecke und spiele mit Signorino. Man soll es am 2. Tag des neuen Jahres ja nicht gleich übertreiben.

2020 [closed]

Wie immer beginne ich den letzten Tag des Jahres mit meinem Lieblingszitat für die Jahreswende:

For last year’s words belong to last year’s language. And next year’s words await another voice. And to make an end is to make a beginning. [T.S. Eliot]

Und hier kommt das Resümee des Jahres 2020

1. Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr? Es war eine stark schwankende 6.


2. Zugenommen oder abgenommen? 15 Kilo abgenommen. Das lag aber an Signorinos „Auszug“. 😉

3. Haare länger oder kürzer? Kürzer. Nach dem der kleine Herr Farniente wahnsinnig gerne mit meinen Haaren spielte, daran zog und sich tierisch amüsierte, beschloss ich, mir einen mommy bob zuzulegen. Da meine Haare eh meist hochgesteckt sind, macht das keinen großen Unterschied.

4. Kurzsichtiger oder weitsichtiger? gleichbleibend


5. Mehr Kohle oder weniger? weniger  

6. Besseren Job oder schlechteren? Sagen wir: Mehr Arbeitsstunden mit Signorino, weniger Ruhezeit, deutlich weniger Gehalt, viel weniger Freiheiten, aber ich bin schlussendlich viel zufriedener.


7. Mehr ausgegeben oder weniger? Weniger

8. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was? Da der Römer keine Elternzeit nehmen konnte, haben wir in der „Kurzarbeiter-Lotterie“ drei Monate Kurzarbeit für den Römer gewonnen. Besser hätte es nicht laufen können. Und: 2 Euro als ich einmalig Lotto spielte, weil ich meinte, meinem Glück auf die Sprünge helfen zu müssen. Klappte!


9. Mehr bewegt oder weniger? Deutlich mehr. Mit mobilem Baby ist man, selbst in einer kleinen Wohnung, ständig unterwegs.


10. Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr? Keine einzige.

11. Davon war für Dich die Schlimmste? Nichts.


12. Der hirnrissigste Plan? Definitiv der Adventskalender, den ich mal eben schnell am 1.12. ins Leben gerufen habe. Da ich aber nicht aufgeben wollte, las ich zu Signorinos Mittagsschläfchen Zeit Korrektur und sobald Signorino im Bett war, schrieb ich und suchte Fotos heraus. Nächstes Jahr plane ich etwas weiter im Voraus. 😉

13. Die gefährlichste Unternehmung? Vielleicht bei 36 Grad Außentemperatur mit Säugling und Mann im Mietwagen zu meinen Eltern zu fahren, während dort die Hütte brannte, nur um dann bei Würzburg zurückgepfiffen zu werden.

14. Die teuerste Anschaffung? Das eigene Auto und des Römers Sprachzertifikat.


15. Das leckerste Essen? Vom Römer selbst gekocht. Aber auch Ova kann da locker mithalten. Oh, und der eine halbe Abend, wo der Römer und ich als Paar alleine essen waren und wir dann schnell nach Hause mussten, weil Signorino seine Tante Turtle in Grund und Boden brüllte. Da war die Vorspeise und der halbe Hauptgang auch klasse!

16. Das beeindruckendste Buch? „Mittagsstunde“* von Dörte Hansen mochte ich sehr gerne und „Ein ganzes Leben“* von Robert Seethaler.

17. Der ergreifendste Film? Keinen. Signorino ging so spät ins Bett, dass für Filme keine Zeit blieb.

18. Der beste Song? „To Good at Goodbyes“, „Diamonds“ von Sam Smith. Und „Intro della ragione“ von Marco Mengoni.


19. Das schönste Konzert? Okay, den Punkt sparen wir uns – aus Respekt vor dem Jahr 2020.

20. Die meiste Zeit verbracht mit? Signorino, dem Römer, Turtle.


21. Die schönste Zeit verbracht mit? Signorino, dem Römer, meinem Papa und Turtle.

22. Zum ersten Mal getan? Mit Baby verreist. Zwei Wochen als kleine Familie mit meinem Papa verbracht. Ihn in sein neues Leben gefahren.

23. Nach langer Zeit wieder getan? Ein Auto angemeldet.

24. Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen? Das Drama meiner Eltern. COVID-19.


25. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte? Glaube an dich und irgendwann hast du das Deutsch Zertifikat in der Tasche.

26. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe? Wahrscheinlich Zeit mit meinem Vater verbracht und ihm einen Brief geschrieben, wie viel er mir bedeutet, weil zu viel ungesagt bleibt und eine herzerwärmende Grabrede ihm nichts bringt.

27. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat? Der Römer, der mir ein zweites Steinchen in den Ehering (als Zeichen für Signorino) machen hat lassen.

28. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat? Kein Satz, aber ein Wort: „Ma-ma!“


29. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe? Keine Ahnung, da müsste man wohl die anderen Personen fragen.


30. Dein Wort des Jahres? Römische Elternzeit.

31. Dein Unwort des Jahres? Corona Virus.

Bleiben Sie gesund, liebe Leser. Rutschen Sie entspannt ins neue Jahr und drücken Sie Ihre Lieben.

*Werbung

The Outstanding Blogger Award

Tom nominierte mich bereits vor Wochen für den The Outstanding Blogger Award. Da ich meinen Adventskalender sehr ernst nahm (bitte fangen Sie nicht vom letzten Türchen an…), hatte ich keine Zeit dem Award gerecht zu werden. Bis heute!

Vielen Dank, lieber Tom, für die Nominierung. Ich fühle mich sehr geehrt!

Dann wollen wir mal anfangen:

The rules:

* Provide the link to the creator’s original award post, (very important: see why in last step)
* Answer the questions provided
* Create 7 unique questions
* Nominate 10 bloggers. Ensure that they are aware of their nomination. Neither the award’s creator, nor the blogger that nominated you can be nominated
* At the end of 2020, every blog that ping-backs the creator’s original post will be entered to win the 2020 Outstanding Blogger Award!..
This award was created by Colton Beckwith originally…

Toms Fragen waren wie folgt:

1. Wann und warum hast Du mit dem Bloggen begonnen?

Ich hatte bereits zwei Blog-Babys vor diesem Blog. Doch erst beim dritten „Baby“ fühlte ich mich richtig angekommen. Einerseits war meine Intention, dass ich für mich über die Schwangerschaft und Babyjahre Signorinos schreiben wollte. Andererseits wollte ich von unserer trinationalen Ehe berichten. Es macht mir wahnsinnig viel Spaß die Erlebnisse in Worte zu verpacken um sie danach liebevoll zu dekorieren. Schleifchen rum – fertig!

2. Hast Du jemals daran gedacht damit wieder aufzuhören? Und was hat Dich zum Weitermachen ermuntert?

Mit diesem Blog seltsamerweise noch nicht. Klar hat man mal mehr, mal weniger Zeit zu bloggen. Doch generell ist der Blog mein größtes Hobby. Andere nähen gerne, kochen, backen oder üben sich an modernem Nageldesign, ich hingegen schreibe einfach gerne bis die Tasten glühen.

3. Wenn Du einen zweiten (einen dritten?) Blog anfangen würdest, über welches Thema würdest Du schreiben?

Zwei Projekte habe ich in meinem Kopf. Wenn ich viel Zeit habe, dann verwirkliche ich sie. Deswegen kann ich noch nicht darüber schreiben.

4. Welcher Deiner Artikel gefällt Dir am besten?

Das ist ziemlich schwierig. Der emotionalste Artikel war wohl: Meine Schwester Turtle. Der lustigste, (kurze) Artikel war wohl: Sind Eier im Eierlikör während der Schwangerschaft unbedenklich?

5. Welcher Deiner Artikel bekam die meisten Likes?

Da bin ich überfragt. Ich habe keine Ahnung, wo ich Technik-Ass das nachgucken könnte.

6. Beschreibe Deinen Blog in einem Satz!

Eine trinationale Ehe zwischen Tiber und Taunus.

7. Womit motivierst Du Dich um mit dem nächsten Artikel anzufangen?

Die Ideen kommen einfach so. Je stupider die Arbeit (Zähneputzen, Wäsche aufhängen, Geschirr abspülen), desto mehr Einfälle habe ich. Wenn ich es dann noch mit nassen Händen schaffe, die Ideen aufzunehmen oder einzutippen, ist die Hälfte des Artikels schon geschrieben.

Nominieren sollte ich auch noch, aber da der Award nur noch im Jahr 2020 gilt, benutze ich die End-of-the-year-Klausel und wünsche Ihnen einfach alles Gute! Bleiben Sie gesund.

Von italienischen Schnulzen auf der Autobahn

Herzlich Willkommen zurück! Geht es Ihnen gut? Setzen Sie sich ruhig schon einmal hin. Ich will nur eben den Tee zubereiten.

Ziehen Sie gerne Ihre Straßenschuhe aus. Die Filz-Pantoffeln habe ich Ihnen bereits am Kachelofen vorgewärmt.

Ich weiß, Sie sind den Weihnachtsleckereien langsam überdrüssig, aber es werden wahrscheinlich die letzten Vanillekipferl in diesem verrückten Jahr sein. Also greifen Sie ruhig zu. Nur Mut! Die beißen nicht. Honig zum Tee? Oder doch lieber Kandis mit der kleinen Zange?

Hach, schön, dass Sie da sind. Sie haben mir gefehlt. Ein ordentliches, 24. Türchen schulde ich Ihnen immer noch. Das ist vollkommen korrekt. Und Toms Award-Nominierung ist auch noch in Bearbeitung. Langweilig wird es hier sicher nicht.

Erzählen Sie, wie waren Ihre Festtage? Lag bei Ihnen Schnee?

Bei uns mitunter ja. Auf dem Weg nach Prien schneite es kräftig am 1. Weihnachtsfeiertag. So sehr, dass der Römer jauchzte und Signorino sich erschrak. Daraufhin wollte der römische Schneehase auf der Rücksitzbank ein Video vom Schneegestöber machen. Dazu streckte er seinen Arm mit der gezückten Handykamera so aus, dass er wenige Zentimeter neben meinem Sichtfeld war, was mich als Fahrer bei starkem Schneefall und glatten Straßen wahnsinnig irritierte. Als er dann noch sang: „Neeeeve insegnami tu come caaaadere…“ [Schneeeheeee, lehre mich du wiehiiiiiie man fääääällt…“ [Giorgia, Marco Mengoni – Come neve -Wie Schnee], zuckte mein rechtes Auge nervös. Doch Signorino übernahm für mich und schrie laut und spitz.

Zurück in Rosenheim, meinen Vater im Gepäck, war der Römer sehr enttäuscht. Keine einzige Flocke verirrte sich hierher. Mit gesenktem Kopf schlich er ins Haus. Mein Vater klopfte ihm tröstend auf die Schulter.

Zurück im Haus roch es wunderbar nach selbst gebackenen Brezen (in Bayern gibt es keine Brezeln). Es war bereits aufgedeckt, dekoriert, die Kinder wurden bespaßt während Ova kochte.

Und da wären wir schon am Punkt: Wenn Sie bei meiner Schwester Ova sind, wird es Ihnen an nichts fehlen. Jedes Sterne beladene Hotel ist eine billige Absteige gegen den Service und die Kochkunst, die man bei Ova erwarten darf. Der Römer schwärmt seit Tagen von ihrer Lachs-Kürbis-Lasagne. Und das, obwohl der Römer, wenn es um seine liebste Landesküche geht, sehr konservativ (oder: engstirnig) eingestellt ist.

Verwechselt wurden der Römer und ich auch. Der erwachsene Sohn der Nachbarn hielt uns doch tatsächlich für Ova und ihren Mann. Zugegeben, ich sehe meiner Schwester zum Verwechseln ähnlich. Etwas kleiner bin ich. Aber ansonsten sehen wir aus wie Zwillinge. Der Römer geht zwar nicht ganz durch als Ovas Mann, jedoch kann man von einer gewissen Entfernung durchaus denken, dass er es sein könnte. „Servus Bojan!“ rief der freundliche Nachbar. Wir grüßten nett zurück. Als er den Römer etwas besser sah, guckte er erst mich irritiert an, dann wieder den Römer, dann wieder mich. Er dachte wohl, Ova hat einen neuen Partner.

Zurückgefahren bin ich übrigens mit zwei angeschlagenen Personen. Der Römer und sein Sohn vertrugen die raue Luft im Voralpenland nicht. Nun sind sie seitdem am Schniefen und Schnupfen.* „Das ist eine Kälte, die zieht in deine Knochen und packt dich ganz fest. Sie nagt förmlich an dir bis sie dich schlussendlich auffrisst.“ erklärte mir der Römer fachmännisch. Wir Alpenländler sind jedoch mit dieser bösartigen Kälte aufgewachsen. Während der Römer in dicker Daunenjacke, Mütze und Schal zitternd herumlief, reichte uns der Norweger Pulli und eine Regenjacke. „Nur in Weingebieten kann ich leben. Das stellt sicher, dass das Klima so mild ist, dass ich mich wohl fühle.“ erklärte mir der Römer weiter. Er könne erst wieder im Frühjahr in den Voralpenraum kommen, denn ein so zartes Gewächs wie der Römer ist leider nicht winterhart.

Nebenbei bemerkt habe ich noch eine Anekdote zur Fahrt: Schön war sie. Das lag vor allem daran, dass Signorino lautstark forderte, dass jemand bei ihm auf der Rücksitzbank sitzen muss. Dieser jemand war der römische Beifahrer-Profi. Schade, schade! Ich habe mich so auf seine Fahr-Expertise gefreut. Leider verstand ich ihn da hinten so unheimlich schlecht.

Aber zügig sind wir dennoch ans jeweilige Ziel gekommen. Nach Bayern brauchten wir nur vier, sehr schrille Schreianfälle von Signorinos Seite. Zurück ging es etwas schneller: Wir schafften es in zwei Schreianfällen. Pausen waren eher schwierig machbar: Es regnete und war windig. Demnach fiel der romantische Spaziergang irgendwo bei Erlangen aus.

Raststätten verkauften zwar allerhand Essbares, man durfte aber durch die aktuelle Corona Lage nicht dort essen. Also taten wir das im Auto. Bis Rosenheim roch es in unserem adretten Familienauto nach Schnellimbiss. Kurz vor’m Ziel war mein persönliches Highlight der Moment, in dem der Römer die Cola inhalierte – sprichwörtlich – und postwendend die Gummifußmatte des Autos vollspuckte, weil er auf die schnelle keine andere Ausweichmöglichkeit gefunden hat.

Irgendeiner spuckt wohl immer auf diesen Fahrten. Und wenn das Kind nicht will, dann eben der Römer.

In diesem Sinne: Ich hoffe, Sie hatten ein ebenso schönes Weihnachtsfest. Egal, ob mit Familie oder ohne.

(Wir sind nun erst wieder einmal in selbst auferlegter Quarantäne, genau wie vor der Reise. Man möchte schließlich nichts riskieren.)

*Corona ist es jedoch nicht. Das haben wir bereits getestet.

Das 23. Türchen im germanoitalbanischen Adventskalender

Gestern habe ich den ganzen Tag gepackt. Signorino fand es irre lustig und packte mit großer Freude alles wieder aus.

Wir sind nun mit 5 Taschen, zwei Koffern und einem Buggy, diversen Quetschies, Riegeln (für die Erwachsenen) und Wasser ausgestattet. Denn heute ist es Zeit in die bayerische Walachei zu fahren.

Lange haben wir überlegt, zwischenzeitlich abgesagt, dann einen Anruf von Ova bekommen: „Wir sind alle gesund, in Selbstauferlegter Quarantäne seit 2 Wochen und haben keine Angst vor Ansteckungen. Bitte kommt! Papa redet seit Wochen nur noch von eurem Besuch. Und, unter uns, es wird sein letztes Weihnachten sein, wo er noch auf eigenen Beinen stehen kann.“

Da wir seit Anfang November keinen physischen Kontakt mehr zu Freunden hatten, der Römer zwar arbeiten geht, dies aber mit Maske, Handschuhen und unzähligen vorgeschriebenen Sicherheitsvorkehrungen, war die Entscheidung getroffen: Wir fahren!

Anstatt eines Fakts und einer Reise, gibt es heute nur die Reise.

Ich versuchte Sie mitzunehmen am 23.12. auf der Reise von Hessens heimlicher Hauptstadt in die Stadt zwischen Zacking und Pang. 😄

Also sein Sie auf viele verzweifelte Updates gefasst!

7:10 Uhr: Der Wecker klingelt. Ich hab Kopfweh. Das kommt von meiner Nackenverspannung, die ich bereits vor zwei Tagen mit Schmerzmitteln betäubt hatte. Klappte super – bis jetzt. Ich würde Weihnachten gerne absagen und für immer unter dieser kuscheligen Decke liegen.

8:20 Uhr Der Römer und ich haben fertig gefrühstückt. Signorino schläft noch. Den letzten Keks kauend, verkündet mir der Römer, dass er nicht davon ausgeht, dass wir vor 12 Uhr loskommen. Meine deutsche Mentalität krampft sich zusammen: Um aller-ALLER-spätestens 9 Uhr wollte ich losfahren. Realistischerweise wird das wohl nix. Ich verschiebe meine innere Uhr auf 9:30 Uhr. „12 Uhr… der hat den Schuss doch nicht gehört.“ mosere ich und erinnere mich an den straffen Zeitplan meiner Eltern für Reisen um 4 Uhr morgens nach Südtirol.

8:30 Uhr Der Römer geht duschen. Immer wieder wiederholt er sein Mantra „Con calma“ gebetsmühlenartig. Er lebt das Motto richtig. Ich husche im Haus hin u her, erledige, packe, verstaue. Wenn ich noch einmal „con calma“ höre, setze ich ihn hinter Würzburg aus.

8:40 Uhr Der Römer braucht bei so viel Stress einen zweiten caffé. Meine Nacken- und Kopfschmerzen sind weg – ganz ohne Schmerzmittel. Ich habe auch gar keine Zeit für Schmerzen. Ich bin im Stress!

9:00 Uhr Der Römer weckt Signorino. Er ist „not amused“. Wäre ich auch nicht, wenn jemand die Jalousien hochzieht und mich dann mit einem italienischen Redeschwall begrüßt. Er isst halbwegs, ist aber nicht wirklich interessiert.

9:50 Uhr Das Auto ist bepackt. Aus einer schnellen „5 Minuten Aktion“ laut dem Römer wurde eine 40-Minuten-Aktion. Tetris spielen. Jetzt ist alles verstaut. Wir sind durchgeschwitzt. Signorino gähnt vielversprechend.

10:15 Uhr Der Römer ist sauer, möchte aber vorne sitzen. Mein Hinweis, dass Signorino nach spätestens 10 Minuten alleine hinten schreit, diskutiert er weh. Ich gebe klein bei und fahre los. Automatisch mutiert der Mann ohne Führerschein zu einem Fahrlehrer erster Güte.

10:50 Uhr Signorino schreit knapp hinter der Landesgrenze zu Bayern. Der Römer ist erst verwundert, dann genervt. Ich versuche mein „Ich hab‘s dir doch gesagt.“ wegzuatmen. Es rutscht mir dennoch am nächstgelegenen Parkplatz raus. Der Römer wechselt auf den Rücksitz.

12:00 Uhr Raststätte Würzburg. Ich muss mal. Zu psychodelischen Indianerklängen pinkel ich um mein Leben. Draußen wartet Signorino und der Römer. Nun wickle ich Signorino und der Römer erleichtert sich. Wir wollen einen Kaffee kaufen, doch die Schlange ist zu lang. Corona und so. Wir fahren weiter. Der Römer versucht noch einmal sich nach vorne auf den Beifahrersitz zu diskutieren. Allerdings bin ich der eiserne Vorhang aller Fahrer, die irgendwann ankommen wollen. Er bleibt hinten.

12:30 Uhr Signorino ist hundemüde. Er schreit sich ein. Quetschi doof, Banane doof, Wasser doof, Schnuller doof. Alles doof. Nach weiteren 10 Minuten Gekreische schläft er ein. Die Autobahn ist leer. Ich drücke auf‘s Gas. Der Römer nickt weg.

14:30 Uhr Nächste Pause kurz vor‘m Ziel. Signorino ist wach. Wir fahren raus. Der Römer kann allerdings nicht beim König der Burger essen. Wir fahren weiter. Die goldene Möwe muss es sein. „Wenn ich etwas essen will, dann muss es richtig widerlich sein – wie bei der goldenen Möwe.“ Na dann.

14:50 Uhr Wir essen im Auto. Signorino bekommt Pasta mit Parmesan. Er scheint zufrieden zu sein.

15:10 Uhr Wir fahren weiter. Die Autobahn ist frei. Der Wind wird rauer bzw. die Münchner SUVs fahren in einem Affenzahn an uns vorbei. Ich bin müde und tuckere mit 120 ganz rechts.

16:00 Uhr Wir sind endlich da und werden erwartet. Alles etwas chaotisch, eiskalt hier an den Alpen, Signorino ist weinerlich und findet seinen Cousin und seine Cousine erstmal beängstigend.

16:30 Uhr Wir trinken Tee und essen Plätzchen. Dazu unterhalten wir uns angeregt. Signorino wird von seinem Cousin unter dem Esstisch gejagt.

17:00 Uhr Ovas Mann geht mit den Kleinen spazieren. Danach packen wir aus.

18:00 Uhr Ich rufe bei meinem Papa an und sage, dass wir gut angekommen sind. Er freut sich. Bis morgen!

18:30 Uhr Ova kocht vorzügliches Curry. Der Römer spielt mit den Kindern. Ich unterhalte Ova. Es geht viel um meine Mutter.

19:15 Uhr Wir essen. Signorino mag kein Curry und isst Joghurt. Cousine V. mag kein Brötchen und isst Joghurt. Nur Cousin B. mag sein Müsli. Immerhin.

21 Uhr Die Kinder sind müde. Wir bringen sie ins Bett. Ich mache mir Tee, Samahan*, zur Vorbeugung.

21:30 Uhr Der Römer und ich sitzen im Gästewohnzimmer und gucken, schreiben, scrollen und klicken

Was für ein Tag! Gute Nacht!

Auflösung Tag 22:

Ja, die Geschichte klang spanisch, ist aber wahr. Franzosen und Italiener? Pfff! Oh nein, da ist keinerlei Liebe im Spiel. Da der Römer aber albanische Wurzeln hat, die Albaner große Sympathisanten und Bewunderer Frankreichs sind, erkannte der Römer tatsächlich Kingsley Coman und Antoine Griezmann.

Kurzer Lagebericht

Wenn Sie sich momentan fragen, warum man nichts von mir hört, dann kann ich Ihnen nur ernüchternd antworten: Das frage ich mich auch! Und die Antwort ist: Ich weiß es nicht.

Ich wünschte, ich könnte Ihnen erzählen, dass ich im Weihnachtsstress versinke. Plätzchen backen, dekorieren, Geschenke kaufen, alkoholfreien Glühpunsch brauen,… you name it. Doch nichts dergleichen ist wahr.

Halt! Moment! Ein Punkt stimmt. Dekorieren. Der Römer schmückte meinen HulaHoop Reifen, der im Wohnzimmer vor sich hin staubte mit einer Lichterkette. „Ja, auch wir Moslems haben ein Herz für euer Weihnachtsfest.“ schmunzelte er und wickelte das fröhliche Lichtermeer um meinen längst vergessenen, runden Sportfreund. Es sieht ein wenig seltsam aus, dieser leuchtende Ring neben dem Bügelbrett, ganz hinten im Eck des Wohnzimmers. Doch schon an Tag drei wollte ich ihn nicht mehr missen.

Gerne würde ich auch Signorino als Ausrede benutzen. Sein erster Geburtstag steht bald an. Ausschweifend würde ich Ihnen erzählen wie wir ein Cake Smash Shooting planen, ich Luftballon Girlanden orderte, Horden an Geschenken und Süßigkeiten, doch auch das wäre geflunkert. Einem Baby dabei zuzusehen wie es einen Kuchen kaputt macht und fröhlich auf die Kamera zu drücken ist nicht unser Stil. Meine Erziehung verbietet es mir auch. Dazu kommt die Angst, dass meine Mutter plötzlich hinter mir steht (400km Distanz würde sie in einem Hauch einer Sekunde überwinden, würde sie nur einen triftigen Grund dafür haben) und mich im feinsten Bayerisch anpflaumt, ob ich denn verrückt sei. „Die Kinder in Afrika haben nix zu essen und mein dekadenter Enkel ist knietief in der Torte! Na Servus!“. Auch die Geschenkehorden und Luftballon Girlanden sind nicht existent. Er bekommt ein Flitzeauto mit Flüsterreifen, weil das Wort „flüstern“ für mich ein tolles Kaufargument war. Ihnen kann ich es ja sagen: Ich würde gerne ab und zu in einem Stummfilm leben. Allenfalls, wenn das nicht möglich ist, wäre ein beruhigendes Summen denkbar. Aber mit dem südeuropäischen Temperament in dieser Wohnung ist ein Stummfilm undenkbar und absolut unwahrscheinlich.

Dazu wächst der Haushalt und seine Tätigkeiten, die zu erledigen wären, exponentiell. Was für die Wirtschaft gut ist, ist für meinen Privathaushalt eher suboptimal. Wäscheberge stapeln sich, Termine vermehren sich wie Kaninchen (wenn Sie einmal mit Arztterminen anfangen… Sie ahnen es), der Abwasch türmt sich, gesaugt und gewischt wurde hier auch. Mal. Letzte Woche oder so. Der Staub umklammert fest das Bügelbrett. Wie ein sehr leidenschaftlich liebendes Paar sehen sie aus. Also möchte ich das junge Glück nicht trennen. So herzlos bin ich nicht.

Dennoch, um Sie zu beruhigen, für meine Wellnessmomente ist gesorgt. Der Römer brachte letztens vom hiesigen Drogeriemarkt das Spülmittel „Lavendel Rosmarin“ mit. Ein Badesalz wäre mir lieber gewesen, aber ich übe mich gerade darin weniger zu meckern.

Während ich also den Abwasch mache, die gelb-pinken Gummihandschuhe bis zum Ellbogen gezogen, den Spülschwamm in der geballten Faust, lasse ich mich einlullen in den Traum aus Entspannung und Urlaub in der Provence. Meist schließe ich dabei die Augen, summe ein Lied und atme tief durch. Das wiederum hat den großen Vorteil, dass ich die Geschirrstapel nicht sehe, was sehr zu meiner inneren Windstille der rasenden Gedanken beiträgt.

Sie sehen also: Für mich wird und ist gesorgt. Kommen Sie gut durch den Advent – und gönnen Sie sich auch öfter einmal eine Auszeit. Auch ein neues Spülmittel kann schon etwas frischen Wind ins monotone Leben bringen. Fragen Sie den Römer.

Heute beginnt die Zukunft

„Die spinnen, die Römer.“ müssen die TIRs von oben gestern gedacht haben.

Der Römer und ich schrien so laut und euphorisch, dass man sich im Kalender vergewissern musste, ob heute auch wirklich kein WM-Endrundenspiel stattfand. Dieses Jahr barg schon so viele Überraschungen – unmöglich wäre es nicht gewesen.

Signorino derweilen war so geschockt von unserem Aufschrei, dass er bitterlich anfing zu weinen. Der Römer durfte ihn fortan für den Rest des Abends nicht mehr berühren. Das mag daran liegen, dass er noch lauter und exzessiver schrie als ich. Zwanzig Minuten lang versicherte ich dem verängstigten Signorino schuckelnd, dass das ein Ruf der puren Freude war und er keine Angst haben müsse. Er traute dem Frieden nicht so ganz und ging vorsichtshalber erst nach Mitternacht zu Bett.

Sie werden sich fragen, was denn im Hause Farniente passiert ist, dass man es mit einem Urschrei derartigen Ausmaßes quittieren muss. Ich erzähle es Ihnen gerne.

Dazu muss ich etwas ausholen: Der Römer studierte in Italien, wie sie sicherlich wissen. Zwei Studiengänge schloss er dort mit Bravour ab. Nun dachten wir, als er hierher zog, dass alle Studiengänge im europäischen Wirtschaftsraum ohne Probleme anerkannt werden.

Leider sollten wir uns täuschen. Recht schnell lernten wir, dass er ein gewisses Sprachniveau vorweisen muss um eine Zulassung in Deutschland zu bekommen. Des weiteren muss die zuständige, deutsche Behörde seinen Studiengang auf Herz und Nieren prüfen, obgleich die italienischen Studiengänge fachlich und didaktisch deutlich höherwertiger sind als das deutsche Pendant.

Recht schnell besorgten wir alle notwendigen Unterlagen von der römischen Universität, die beweisen sollten, dass seine Studiengänge mindestens gleichwertig zu den deutschen Äquivalenten waren. Es klappte und sie wurden in Deutschland anerkannt. Nun fehlte lediglich das Sprachzertifikat. Und das erwies sich als Ritt durch die Hölle.

Er, der bestens ausgebildete Römer, musste plötzlich in einer Pizzeria bis weit nach Mitternacht schuften, nur um dann morgens um 6:00 Uhr aufzustehen um zum Sprachunterricht zu gehen. Aber er bewies sich in der Pizzeria: Er war erst Pizzabäcker, dann Kellner, am Schluss war er der engste Freund des Besitzers, der ihm immer wieder die Stelle als Manager seines neuen Restaurants im Zentrum schmackhaft machen wollte. Doch der Römer lehnte dankend ab, denn zu sehr liebt er seinen eigentlichen Beruf.

Die Bezahlung in der Pizzeria war nicht besonders linear. Es gab keine monatliche Zahlung auf das Gehaltskonto. Stattdessen wurde er bar bezahlt. Tröpfchenweise trudelte sein Lohn bei uns ein. Zur gleichen Zeit wurden unseren Fixkosten leider nicht tröpfchenweise abgebucht, so dass es mitunter sehr unangenehme Jahre waren, in denen wir oftmals am Ende des Monats die vielversprechende Auswahl zwischen pasta in bianco (Nudeln mit Parmesan und Öl) oder Kartoffeln mit Quark hatten.

Als der Deutschlehrer des Römers ihm im Frühjahr 2019 mitteilte, dass er nun bereit wäre für die Prüfung, freuten wir uns sehr. Zeitgleich wurde ich schwanger. Nun sollten all unsere Probleme überstanden sein – dachten wir. Und wir sollten uns abermals täuschen.

Der Römer machte den ersten Versuch – und scheiterte haushoch. „Kann ja mal passieren. Nächstes Mal klappt es bestimmt.“ beruhigten wir uns. „Einmal ist kein Mal.“ heiterten wir uns auf. Wir wussten nicht, dass es finanziell deutlich härter und emotional noch viel anstrengender werden würde.

Er scheiterte wieder. Und wieder.

Ich erinnere mich an unseren letzten Urlaub zu zweit. Eine charmante Babykugel zierte bereits meinen Bauch. Wir verbrachten unsere komplette Urlaubszeit lernend am Strand, auf dem Balkon und in der Küche. Der Römer kniete sich rein, doch am Ende bestand er wieder nicht.

Nach diesem Urlaub begann er seine neue Stelle. Ein Praktikum in einer beliebten Praxis. Das hatte zumindest einen Vorteil: Am Ende des Monats ging Geld auf unserem Konto ein. Nicht tröpfchenweise, sondern auf einen Schlag. Für ein Praktikum war die Stelle gut bezahlt. Für jemanden, der deutlich mehr Studiengänge abgeschlossen hat, als die festangestellten Arbeitnehmer der Praxis war es ein Witz.

Schnell war er sehr geschätzt bei seinen Chefs und seinen Patienten. Wer einmal bei ihm war, der wechselte nicht mehr zu einem anderen Kollegen. Er konnte seine Arbeitsstunden aufstocken, was mich hinsichtlich der anstehenden Geburt Signorinos und der Gehaltseinbußen aufgrund des Elterngeldes etwas beruhigte. Die wenigen Urlaubstage, die er 2019 hatte, legte er auf die Tage rund um den errechneten Geburtstermin Signorinos. Signorino kam später – und der Römer musste wieder arbeiten als wir vom Krankenhaus heimkamen. Er hatte, dank Probezeit und vorhergehenden Jobs, keine Chance auf Elternzeit. Meine Geburtsverletzungen waren äußerst ausgeprägt, so dass ich nicht länger als 30 Sekunden stehen konnte. Doch ich hatte keine Wahl. Also biss ich mich durch dieses Wochenbett – weitestgehend allein. Der Römer fühlte sich meist schuldig, da er mich seiner Meinung nach im Stich ließ. Auch mein Hinweis, dass er nichts dafür könne und es definitiv nicht seine Schuld sei, beruhigte ihn nicht. Zeitgleich fühlte mich meist überfordert und allein gelassen mit dem neugeborenen Signorino, der stundenlang schrie. Die Hebamme goss Öl ins Feuer, in dem sie jeden einzelnen Tag, an dem sie ihre Visite machte, fragte, ob es nicht doch jemand gäbe, der mich unterstützen könne. Nein, den gab es nicht.

Der Römer versuchte sich nun wieder an einem zertifizierten Sprachtest. Und scheiterte abermals.

Je öfter er es versuchte, desto mehr litt sein Selbstvertrauen. Er traute sich nichts mehr zu. Er, der bei allem mit Disziplin, Verbissenheit und absolutem Willen gewann, verlor nun – Mal um Mal.

Dazu kamen die Kommentare von Bekannten und Verwandten, wann immer sie erfuhren, dass er wieder einen Prüfungstermin hatte. „Ihr müsst halt mal daheim Deutsch reden.“ sagten sie, die rein deutschen Pärchen, die sich nicht vorstellen konnten, dass man Sprachen nicht einfach so austauschen kann. „Er muss sich halt noch mehr reinknien.“ gab uns jemand als Tipp. „Vielleicht sollte er mehr Fernsehen gucken auf Deutsch.“ Ja, wenn er dazu nur die Zeit hätte. Ab dem vierten Versuch diese Prüfung zu bestehen, behielten wir die Termine für uns. Wann immer jemand danach fragte, antworteten wir, dass der Römer momentan pausierte.

Natürlich belastete die Situation wiederum unsere Partnerschaft. Wir waren nun Eltern, waren darauf angewiesen, dass er endlich diese unsinnige Prüfung bestand, da wir finanziell mit dem Rücken zur Wand standen – noch dazu mit einem Säugling.

Noch niederschmetternder war es für den Römer, wenn er Gleichgesinnten begegnete, die angaben, das Sprachzertifikat beim ersten Versuch bestanden zu haben. Meist waren es Italiener. Ihr Akzent, wenn sie Deutsch sprachen, war gleichzeitig so stark, dass ich kein Wort verstand. Auch die grammatikalische Struktur machte wenig bis keinen Sinn. Wir konnten uns nicht erklären wie ausgerechnet sie diese Prüfung bestanden hatten.

Am schlimmsten war es, wenn der Brief des Prüfungsamts ankam: „Nicht bestanden.“ stand da und der Römer las jedes Mal laut „incapace“ [unfähig] vor. Die darauffolgenden Tage waren bestimmt von einer schrecklich gedrückten Stimmung. Ich spendete Trost, aber was soll man noch sagen, wenn jemand das siebte Mal nicht bestanden hat?

Gestern kam wieder ein Brief des Prüfungszentrums an. Diesmal war der Umschlag anders – was mir Grund zur Hoffnung gab. Der Römer kam erst spät von der Arbeit. Die Stunden bis zu seiner Ankunft zu Hause zogen sich wie Kaugummi. Als der Römer heimkam, wollte ich ihn nicht gleich überfallen, sondern ihn erst einmal in Ruhe ankommen lassen. Ich schaffte es genau bis zu dem Moment, wo er die Hände wusch und etwas über seinen Arbeitstag erzählen wollte. „Cornelia sta in malattia. [Cornelia ist krank] Das ist wohl die ganze Woche so. Io spero che [Ich hoffe, dass]….“ Ich unterbrach ihn. „Es ist ein Brief für dich angekommen. Vom Prüfungszentrum. Aber diesmal ist er anders. Ich wollte dich erst daheim ankommen lassen, aber ich halt’s nicht mehr aus.“ sprudelte es stakkatoartig aus mir heraus. Auf der Stirn des Römers zeigte sich seine Sorgenfalte. „Dove?“ [Wo] fragte er nur und ich zeigte wortlos auf den Esstisch.

Er riss den Umschlag auf. Signorino war auf meinem Arm und brabbelte. „Mamamamama….babababababa…wawawawa.“ Der Römer las das Anschreiben, guckte mich an und zeigte auf Seite 2.

„Bestanden.“ stand dort.

Wir schrien so laut, dass die Wände bebten. All die Freude, die Fassungslosigkeit, die Anstrengung der letzten Jahre, die unzähligen Rückschlage, alles, alles, kam auf einmal aus uns heraus.

Für uns ist der gestrige Tag ein Tag voller Freude, voller Hoffnung, voller Zukunft, denn wir wissen, dass das Bangen ein Ende hat. All die Einbußen, die unzähligen Kurs- und Prüfungskosten, der ständige, panische Blick auf’s Konto und die damit verbundene Angst, dass unsere finanziellen Reserven zum Leben nicht mehr ausreichen würden, hören heute auf. Heute feiern wir und schreien vor Freude so laut, dass Signorino weint.

Denn heute beginnt für uns die Zukunft.