Blickwinkel im InterCityExpress**

Mein Zug hatte letzten Samstag Verspätung. Aus München kommend tauchte scheinbar aus dem Nichts eine Baustelle auf und so sollten wir Frankfurt 40 Minuten später erreichen.

Jetzt können Sie sich sagen: „Ach Mensch, seit 40 Minuten wäre ich schon daheim. Jetzt verpasse ich meine Anschluss S-Bahn und wer weiß, wann ich letztendlich zu Hause ankomme?“

Oder aber, Sie sehen es positiv und sagen: „Ach klasse! Ich habe nur 52€ für drei Stunden Zugfahrt in der ersten Klasse gezahlt und jetzt bekomme ich 40 Minuten kostenlos dazu. Was für ein Glück!“*

Und dann war ich auch noch Lieblingsgast. Wenn das kein Glückstag ist, dann weiß ich auch nicht.

Sie sehen, der Blickwinkel macht den entscheidenden Unterschied.

*Ich reiste alleine. Fragen Sie mich mal, wie ich 40 Extraminuten mit Kleinkind im Zug gefunden hätte!

**Werbung, unbezahlt und unbeauftragt

Codice rosso

Jetzt ist es dann auch mal wieder gut!„, möchte ich dem Verantwortlichen, der für die Lebensprüfungen zuständig ist, entgegen schmettern. Nachdem Signorino sich einigermaßen erholt hatte, fing es bei mir an. Einen Tag später juckte die Nase. Als langjährige Stammleser*innen wissen Sie sicher, dass ich dann oft und gerne zu Samahan Tee* in rauen Mengen greife. So auch dieses Mal. Dieses ayurvedische Gebräu half mir schon das ein oder andere Mal dabei, eine fiese Erkältung gar nicht erst aufkommen zu lassen. Nun ist es leider so, dass der Tee sehr gut hilft, wenn sich einfach so eine Erkältung einschleichen will. Leider hilft der Tee gar nicht, wenn der Körper gestresst ist und Ihnen „Halt! Stop! So geht es nicht weiter. Ruhe bitte – und zwar sofort.“ entgegen(t)rotzt.** Und so kam es: Am Sonntag entwickelte sich ein stechender Schmerz zwischen rechtem Ohr und Hals, die Nase ging zu, sämtliche Laute nahm ich nur noch dumpf war und das Virus sammelte all seine Kraft, mich vollends flach zu legen. Das wusste ich aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht. Vielmehr ging ich davon aus, dass ich am Montag arbeiten könne. Business as usual, wenn Sie so wollen.

Zudem beschloss die Heizung und die Warmwasserversorgung Sonntagmittag ihren Dienst vollends einzustellen. Ich wunderte mich noch, warum das Wasser nur noch etwas mehr als lauwarm aus der Leitung rauschte, als ich mich mittags duschte. Selbst auf der heißesten Stufe des Wasserhahns blieb dieser stoisch der Meinung, dass „lauwarm“ das äußerste der Gefühle an diesem Tag war. Ich dachte nicht weiter darüber nach und wir rissen vor dem Spaziergang bei bestem Wetter die Fenster auf. Ziemlich dumm, wenn die Heizung ausgefallen ist. Aber das stellten wir erst nach dem Spaziergang fest.

Daheim angekommen, gingen wir davon aus, dass heute großer Familienbadetag ist. Von klein bis groß – alle werden heute gewaschen. Leider verriet uns das mittlerweile eiskalte Wasser sehr genau, dass heute alles möglich ist, aber kein Familienbadetag. Die Heizung war auf höchste Stufe aufgedreht, doch nichts gluckerte, nichts rauschte. Nur das kalte Metall suggerierte uns, dass der Ofen sprichwörtlich aus war.

Der Römer machte sich große Sorgen. Nicht etwa primär um uns, die wir krank waren. Vielmehr war er verzweifelt, da er am morgigen Montag arbeiten musste. „Non posso andare così. Puzzo come un’animale. [Ich kann so nicht gehen. Ich rieche wie ein Tier.]“ Und, gelinde gesagt, hatte er damit recht. Eine beißende Schweißwolke zog an mir vorbei, während er mich später umarmte und küsste. „Entschuldige, so lieb das gemeint ist, aber bitte nimm deine Arme herunter.„, war ein Satz, den ich ihm so noch nie sagen musste.

Also stiefelte er in die Küche, bediente sich der großen Plastikbox vom Möbelschweden, die erstaunlich dicht und erstaunlich temperaturbeständig ist und kochte Wasserkocher um Wasserkocher Heißwasser auf. Als die Box zu drei Vierteln gefüllt war, trug er sie ins Bad, holte sich einen Messbecher aus der Küche und mischte und panschte Heiß- mit Kaltwasser bis es die richtige Temperatur hatte, um sich ordentlich zu waschen. Signorino und ich schielten durch die Badezimmertür. Da saß unser Warmwasser-Alchemist in der leeren Badewanne. Auf dem Badezimmer Boden die enteignete Spielbox von Signorino und wusch sich mit einem hellblauen Baby-Waschlappen. Als er uns bemerkte, motzte er: „Dai, ragazzi. Un po‘ di privacy. [Kommt schon, Leute. Ein bisschen Privatsphäre.]“. Wir ließen sie ihm, diese Privatsphäre. Und was war ich froh, dass ich an diesem Tag bereits geduscht hatte. Signorino brauchte noch keine Dusche, denn er war erstaunlich geruchsneutral. Nur sein blondes Haar war etwas strähnig. Ich kämmte ihm diese zu einem flotten Seitenscheitel und er sah aus als würde er nur darauf warten, auf einem sehr ordentlichen Familienfoto des englischen Adels abgebildet zu werden.

Nachts beschlossen wir, dass bei diesen Temperaturen keiner alleine schlafen kann und sollte. Also quetschten wir uns alle in das 160 Zentimeter kleine Ehebett. Wir kuschelten uns unter die große Decke, die wir uns damals im römischen Viertel Testaccio gekauft hatten***. Der Kleine schlief super. Nur ein einziges Mal wachte er auf, stellte sich auf und holte sich die Wasserflasche selbstständig vom Kopfteil des Bettes. Dann lehnte er die Flasche an mich und schlief wieder ein. Ich hingegen schlief gar nicht. Trotz des Schmerzmittels pochten die Hals- und Ohrenschmerzen ohne Unterlass durch meinen Schädel. Wenn der Kleine die selbe Krankheit hatte wie ich jetzt, sind sechs Stunden Schreien am Stück relativ knapp bemessen. Ich ging nochmals ins Bad, nahm wieder Schmerzmittel, legte mich hin, schlief doch nicht ein, denn meine Nase war komplett dicht. Die Schmerzen blieben von dem Schmerzmittel komplett unbeeindruckt.

Am nächsten Morgen bat ich den Römer, Signorino in der Kita krank zu melden, bevor er zur Arbeit gehe. Vermutlich hätte Signorino an diesem Tag gehen können, denn er war fieberfrei und hustete nur noch ein wenig. Aber ich sah mich außer Stande ihn um 14:30 Uhr abzuholen, da ich mich unglaublich schwach fühlte. Einen Fußweg von 200 Metern hätte ich vielleicht noch hinbekommen, aber auf die andere Seite der Stadt mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, machte mein Körper definitiv nicht mit. Jede Zelle krisch vor Schmerzen und Abgeschlagenheit. Ein Glück schlief das Kind extra lang und auch ich konnte noch etwas Schlaf nachholen.

Gegen 11 Uhr standen wir auf und es war noch immer bitter kalt. Bereits am gestrigen Sonntag schrieb ich der Hausverwaltung eine E-Mail, dass die Heizung und das Warmwasser ausgefallen waren. Draußen hatte es vier Grad. Drinnen hatte es, mit viel Glück, noch eine Temperatur im zweistelligen Bereich. Ich zog uns an, als würden wir zum Skifahren aufbrechen wollen. Mit dicken Jacken und, in Signorinos Fall mit Schneehose, saßen wir am Frühstückstisch. Mir war bitterkalt, was vermutlich auch an meiner Erkältung lag. Egal wie warm ich mich einmummelte, mein innerster Kern heizte nicht mehr richtig. Anscheinend fiel auch hier die Heizung aus.

Signorino war fit und guter Laune. Fröhlich sprang er durch die Wohnung und war das mir bereits bekannte Energiebündel. Ich saß auf der Couch, konnte nichts essen und trinken, da mein Magen rebellierte und wurde stündlich schwächer. Um 13 Uhr schrieb ich dem Römer: „Amore, mir geht es sehr schlecht. Wenn du irgendeine Möglichkeit hast, vor 20 Uhr heimzukommen, so nutze sie.“ Der Römer schrieb um 13:30 Uhr: „Ich rufe dich gleich an.“. Doch dieses „gleich“, dass ich als „maximal in einer halben Stunde“ interpretierte, war ein italienisches „gleich“, dass bedeutet „wenn ich Zeit und Muße habe“. Signorino machte immer mehr Quatsch, ich konnte mich aber kaum mehr bewegen. Er kletterte auf Stühle, stellte sich auf diese und wackelte an der Lehne. „Signorino, nein! Du fällst runter! Geh sofort runter da!!“, versuchte ich ihn anzuweisen, doch Signorino wollte in diesem Augenblick kein Deutsch verstehen. Er lachte mich nur an (oder aus). Ich quälte mich hoch, hob ihn runter, nur, dass er Minuten später wieder auf dem selben Stuhl stand.

Während ich ihn vom Stuhl hob, schien mir, als würde die Heizung, die dahinterlag, lauwarm sein. Ich fasste sie an. Tatsächlich! Sie funktionierte wieder. Was für ein Glück! Ich zog Signorino die Daunenjacke und Schneehose aus. Im Nacken war er bereits etwas verschwitzt und seine Haare kringelten sich voller Elan. Ich hingegen fror. Sehr. Trotz steigender Temperaturen fühlte sich alles eiskalt an. Ich ließ alles an und holte mir noch eine Decke. Brrr!

Nochmals schrieb ich dem Römer, dass ich echt am Ende bin. Er solle bitte sofort heimkommen, da ich für die Sicherheit des Kindes nicht mehr garantieren könne. Doch das Telefon blieb stumm. So schrieb ich meiner Schwester Turtle. Und hier nahm die Geschichte Fahrt auf. Sofort erklärte sie sich bereit dazu, vorbeizukommen. Sie kaufte ein, mixte einen frischen Saft für mich und stand in wenigen Augenblicken vor der Tür, bepackt mit einem Lazarett an Dingen, die mir helfen sollten, wieder fit zu werden. Mir war immer noch schlecht und ich konnte nichts in meinen Magen befördern. Sie befahl mir, zumindest den Saft zu trinken. Zwei Gläser schaffte ich dank ihrer Anweisung. Während ich wie überfahren auf der Couch lag, spielte sie mit Signorino bis dieser müde wurde. Um 16:45 Uhr brachte ich ihn ins Bett und schlief fast selbst dabei ein. Ich raffte mich schließlich auf, ging ins Wohnzimmer und fragte Turtle, ob es für sie okay wäre, wenn ich mich auch hinlegen würde. Sie müsse natürlich nicht hier warten. Sie stimmte zu, packte ihre Turtle-Versorgungsstation ein und ich legte mich hin. Alle 20 Minuten hustete das Kind übers Babyphone und ich war wieder wach. Noch einmal schrieb ich dem Römer, dass er bitte dringend heimkommen solle, denn ich war am Ende. Nichts tat sich.

Gegen 18 Uhr stand ich auf. Der Römer rief an. Ich schilderte ihm meine missliche Lage, doch er nahm mich nicht ernst. Zwischen zwei Patiententerminen eingeschoben, schwafelte er etwas von „Dai! Forza! [Komm schon! Vorwärts!] Es sind nur noch zwei Stunden, dann bin ich daheim.„, sprachs und legte auf. Hätte ich die Kraft gehabt, mir in diesem Moment eine/n Fachanwält*in für Familienrecht zu suchen, glauben Sie mir, ich hätte es getan.

Letzter Exit für die Ehe?

Ich war dermaßen kraftlos, dass ich drei Versuche brauchte, um aus dem Bett aufzustehen, nur dass dein mein Kreislauf „Adieu! Bis später!“ jauchzte und dermaßen absackte, dass ich in den Sessel daneben plumpste. Signorino wachte zeitgleich auf. Krabbelnd (der Kreislauf!) bewegte ich mich ins Kinderzimmer. Ein fröhlicher, beinahe Zweijähriger guckte mich strahlend an. Fast schien es als würde er sagen „Und? Was machen wir jetzt?„. Natürlich wollte das Kind ins Wohnzimmer getragen werden. Ich versuchte ihm verständlich zu machen, dass ich so sehr schwankte wie eine Optimisten-Jolle auf hoher See. Er fing an zu weinen. Wir schwankten also ins Wohnzimmer zusammen. Er auf meinem Arm, lächelnd. Mein rechter Oberschenkel nahm auf schmerzhafte Art und Weise den Türrahmen mit. Mir war kotzübel und ich ließ mich mit Signorino auf das Sofa sinken. Sofort erwachten alle Lebensgeister in ihm. Er lief zum Tisch mit den Fressalien, die Turtle uns vorhin mitgebracht hatte. Er knabberte die Lebkuchen-Pappschachtel an, riss sie auseinander, versuchte sie zu öffnen und ließ sie letztendlich in der Ecke liegen. Dann sah er die Domino-Steine, probierte einen, mochte aber das Gelee und den Marzipan darin nicht und ließ zwei oder drei Steine auf dem Boden liegen. Die offene Tüte mit Taralli gefiel ihm besonders. Taralli um Taralli ließ er von der Kinderrutsche gleiten. Er hatte vermutlich den Spaß seines Lebens. Immer wieder, wann immer ein My an Kraft zurückkam, flüsterte ich mit schwacher Stimme „Signorino! Nein!„, doch es war ihm egal. Ich versuchte mich daran zu erinnern, wann es mir jemals so schlecht ging, aber mein Gehirn war komplett im Eimer. Ein sausendes Geräusch belustigte in der Zwischenzeit meine Ohren. Ich schielte mit halb offenen Augen zu Signorino. Er räumte mit großer Freude den Bücherschrank aus. Buch um Buch legte er auf den Boden. Eines seines Urgroßvaters studierte er ein wenig und legte es geöffnet ab, so als wolle er sich die Stelle für später merken. Dann erinnerte er sich noch einmal daran, dass „auf den Stuhl klettern“ vorhin ein riesen Spaß war. Er kletterte also wieder hoch. Wäre er gefallen, dann hätte er sich den Kopf an der geriffelten 70er Jahre Heizung aufgeschlagen. Wild wippte er auf dem Sitzmöbel hoch und runter. Meine letzte Mutti-Kraftreserve aktivierte sich, hob mich hoch, ließ mich den kleinen Knirps greifen und absetzen, die Stühle wurden auf den Boden gelegt und ich sank wieder aufs Sofa. Das Ohrensausen wurde noch lauter, ich sah nur noch schwarze Punkte, alles drehte sich. Noch eine Stunde bis der Römer heimkam und ich wusste nicht, wie wir diese überstehen würden. Reden war kaum möglich, weil mein Mund sich trocken anfühlte und jegliche Muskeln im Tiefschlaf schienen. Meine Augen füllten sich mit Tränen der Verzweiflung und Wut. Signorino guckte mich besorgt an. Ich konnte dem Kind noch nicht einmal was zu essen machen, aber für sein Catering sorgte er schon selber. Er sah die offene Packung Schokoladenlebkuchen, griff hinein und biss fröhlich in das handtellergroße Süßgebäck. Schokoladenverschmiert grinste er mich an. Ich dachte nur daran, dass wir das irgendwie überleben müssen. Egal wie. Und wenn das bedeutet, dass er Schokolebkuchen isst bis ihm schlecht wird, ist das ein verhältnismäßig geringer Preis. Besser als einen Schädelbruch an der Heizung. Der kleine Kerl kam zu mir herüber und wollte mich mit einem Stück Lebkuchen füttern. Allein der Gedanke ließ meinen Magen rebellieren, was mitunter daran lag, dass ich morgens nur eine Spatzenportion Kekse aß. Ich presste meine Lippen aufeinander. Er drückte mir den Lebkuchen gegen die Lippen und Zähne. Ich schüttelte angewidert den Kopf. Er insistierte. So muss es sich für Signorino also anfühlen, wenn man ihm Hustensaft geben will, dachte ich. Langsam begann ich ihn zu verstehen. Ich guckte auf mein Handy. Der Römer hatte geschrieben: „Ich komme sofort nach Hause, amore mio (mein Schatz). Come state? [Wie geht’s euch?]“, traute er sich doch tatsächlich zu fragen. In meinem Kopf rasten alle erdenklichen Gemeinheiten, die ich ihm an den Kopf werfen wollte, wie auf einer Autobahn entlang. Dieser Kerl erdreißtet sich doch tatsächlich mich zu fragen, wie es uns geht? Lies doch einfach meine 445 Nachrichten davor, dann wüsstest du wie’s uns geht! Ich schrieb nichts, aber blockierte ihn trotzig. Warum ich das machte, erschloss sich mir im Nachhinein nicht. Wir wohnen zusammen, haben ein Kind zusammen, ein gemeinsames Konto und sind verheiratet. Was sollte es mir bringen, ihn bei einem Messenger-Dienst zu blockieren? Aber in meinem Zustand handelte ich nicht mehr logisch. Eine kleine Welle der Genugtuung schwappte durch meinen kranken Körper. „Nimm das, du blöder Römer. Ich habe dich blockiert!“

20 Minuten später klingelte es an der Wohnungstüre. Der Schlüssel steckte von innen, das heißt, er konnte nicht gleichzeitig aufsperren, sondern ihm musste geöffnet werden. Ich reagierte nicht, konnte nicht reagieren. Signorino guckte mich aufgeregt an. Er liebt Besuch. Es klingelte wieder an der Wohnungstüre. Gebeugt vor Schmerzen oberhalb des Steißbeines setzte ich vorsichtig Schritt um Schritt und stützte mich an der Wand ab. Signorino lief aufgeregt zur Türe, um mich herum und wieder zum Eingang. Ich öffnete, lehnte mich an die Wand, sah den Römer, hob abwertend eine Braue und quälte mich zurück auf die Couch. Er trat ein. Seine dunkelbraunen Lederschuhe klackerten auf dem Parkett. „Come state? [Wie geht’s euch?]“, wollte er nochmals wissen. Ich kochte innerlich, es brodelte richtig. So schlecht es mir ging, aber meine Wut bahnte sich ihren Weg, erbarmungslos wie glühend heiße Lava. Anscheinend hält der menschliche Körper noch eine extra Kraftreserve für im Stich gelassene Parteien in einer Beziehung bereit. Ich warf ihm, heiser, aber deutlich, alles an den Kopf, was sich in meinem Matschkopf noch finden ließ. Dann weinte ich vor Erschöpfung.

Betroffen guckte mich der Römer an und sprach schuldbewusst: „Ich wusste nicht, dass es so schlimm ist. Natürlich wäre ich sofort nach Hause gekommen, hätte ich das gewusst.“

Verständnislos starrte ich ihn an. Was hätte ich denn tun sollen, außer stündlich bzw. halbstündlich von meiner kraftlosen Lage zu berichten? Soll ich einen Zeppelin anheuern, der vor seiner Arbeit auf und ab schwebt und auf dessen Außenhaut steht: „Deiner Frau geht’s miserabel. Komm nach Hause! Und zwar sofort!“? Vielleicht sollte ich nächstes Mal einen Festumzug aus indischen Elefanten und bengalischen Tigern organisieren, die ihm die Botschaft persönlich überbringen würden?

Ich antwortete nicht darauf, denn meine Kraft ließ nach. Stattdessen schloss ich die Augen. Ich hörte wie der Römer irgendetwas in einem Glas verrührte. Als ich die Augen aufschlug, stand er vor mir und gab mir das Gebräu. „Hier, bitteschön. Das musst du jetzt bitte trinken.“, wies er mich höflich an. Ich schüttelte den Kopf und verwies auf meine Übelkeit. „Komm schon, nur so wird es dir besser gehen.„, erklärte er mir. Schlückchenweise, aber trotzig, trank ich das Gebräu. Mein Magen rebellierte anfangs, riss sich aber dann zusammen. Schon stand der Römer wieder neben mir, nahm mir das Glas ab und maß Fieber. Das Fieberthermometer piepste lange und laut. Ohne daraufzuschauen, wusste ich, dass es uns mitteilen wollte, dass ich Fieber hatte. Und genau so war es. „Stai vermamente male. Non pensavo. [Dir geht’s wirklich schlecht. Das hätte ich nicht gedacht.]“, kommentierte der Römer die Anzeige des Fieberthermometers. Derweil hoffte ich, dass meine Kraft baldmöglichst zurückkam, um ihn an die Wand zu klatschen. Er begleitete mich ins Bett. Als mein Kopf das Kissen berührte, blinzelte ich noch zwei Mal und war dann weg. Im Land der Träume oder ohnmächtig. So genau lässt sich das nicht mehr rekonstruieren (😉). Eine Stunde später hörte ich Signorino, der an der Schlafzimmertüre kratzte und nölte. Immer wieder erklang ein glockenhelles „Mama!Mama!“ durch den Flur. Der Römer erklärte unserem Sohn, dass Mama schlafen muss, um bald wieder fit zu sein. Signorino war das egal. Er wollte nur zu Mama. Er weinte und quengelte solange bis der Römer ihn eintreten ließ. Sofort nahm der Kleine meine Hand und drückte sie gegen seine Wange. „Signorino! Pscht! La mamma sta male. [Signorino! Pscht! Der Mama geht es schlecht.]“ Ich blinzelte dem Sohn entgegen. Etwas benommen war ich noch, aber ich hatte keine Schmerzen mehr im unteren Rücken. Mein Ohr rauschte zwar noch leide wie sanfte Meerwellen, aber ich fühlte mich nicht mehr kurz vor der Ohnmacht. Krank fühlte ich mich, ja. Aber nicht so wie davor. Langsam setzte ich mich auf, atmete zwei, drei Mal tief durch und streichelte Signorino über den Kopf. „Come stai? [Wie geht’s dir?]“, fragte der Römer wieder. „Viel besser.“, antwortete ich. „Möchtest du aufstehen?“, wollte der Römer von mir wissen. Ich nickte. Er half mir hoch, doch ich benötigte nur noch wenig Hilfe, um ins Wohnzimmer zu gelangen. „Du musst etwas essen und, noch wichtiger, etwas trinken.„, wies der Römer mich an. Ich teilte ihm mit, dass ich keinen Hunger habe. Er insistierte. Also aß ich eine halbe Banane und trank zwei Gläser Wasser. Die Übelkeit war verflogen. Ein Glück!

Ich legte mich auf das Sofa. Der Römer setzte sich neben mich. „Okay, Frage!„, fing ich an. „Was zum Henker hätte ich denn sagen sollen, dass du deine Arbeit unterbrichst und heimkommst? Ich habe dich auf jede erdenkliche Art und Weise gebeten, angefleht, heimzukommen.„, erklärte ich ihm. „Aber in der Arbeit habe ich überhaupt keine Zeit, all deine Nachrichten zu lesen. Ich habe sie nur ab und an überflogen.“, erörterte er mir. Am liebsten hätte ich mir mit der flachen Hand gegen die Stirn geschlagen, aber das war zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine gute Idee. „Okay, was soll ich nächstes Mal in so einer Situation tun, damit du heimkommst?“, wollte ich nun von ihm wissen. „Schreib doch einfach ‚codice rosso‘ [Alarmstufe Rot] und ich weiß Bescheid! Wenn wir dieses Codewort ausmachen, dann komme ich sofort nach Hause.„, schlug der Römer vor.

Ob dieses Bild einer leuchtend roten Anzeige mit Glühbirne darauf genügen würde, dass der Römer heimkommt?

Aha. So einfach wäre es gewesen. Wir hätten auch mal früher darüber reden können. Aber wem kommt das schon in den Sinn?

Gut, dass du mich hast. Dank mir geht’s dir wieder besser. Alleine könntest du vermutlich überhaupt nicht für dich sorgen.“, witzelte der Römer etwas unbeholfen. „Alleine hätte ich geschlafen und mich auskuriert. Das Problem war nicht ich, sondern unser aktiver Zweijähriger Sohn mit den vielen, kreativen Ideen. Ich kann leider nicht zu Signorino sagen: ‚Schatz, heute kuriert sich Mutti im Bett aus. Wenn du etwas brauchst, sag Bescheid.‘ Stattdessen probierte Signorino alles aus. Alles! Es war einfach unglaublich gefährlich. Für ihn und für mich.„, klärte ich den Römer auf. Er guckte betreten auf den Boden. „Gut, dass wir jetzt das Codewort haben. Codice rosso! Non ti dimenticare! [Alarmstufe Rot! Vergiss es nicht!]“.

Nachwort: Signorino, den ich bereits in den letzten Zügen seiner Erkältung sah, erkrankte daraufhin nochmals. Also stellten wir uns wieder beim Kinderarzt vor, der uns einen detaillierten Plan mit auf den Weg gab, was zu tun sei. Ich erholte mich langsam, mit kleinen Rückschlägen, aber vielen Fortschritten. Der Kinderarzt wies uns an, Corona Schnelltests zu machen. Immerhin waren diese allesamt negativ. Dennoch war dieses Virus echt gemein! Nachdem Signorino und ich in den letzten Zügen dieser Krankheit waren, fing der Römer an. Samstag lag er wie eine platte Flunder im Bett und hatte die selben Schmerzen wie ich sie hatte. Folgerichtig hätte ich mir alleine in der Stadt einen schönen Tag machen sollen, während er minütlich geschrieben hätte wie schlecht es ihm ging. Aber ich bin kein Unmensch. Stattdessen hegte und pflegte ich meinen Ehemann mit Sanftpfoten. Nur kurz war ich vormittags unterwegs, um das Auto in Offenbach abzuholen. Nach 3 Wochen ohne unser Vehikel ist dieses Kapitel nun endlich auch abgeschlossen! 😃

*Werbung, unbezahlt und unbeauftragt

** dies ist nicht bestätigt, sondern nur eine Theorie meinerseits.

*** Der Römer zog all sein Hab und Gut im Flugzeug um, als er damals nach Deutschland übersiedelte. Das heißt, jedes Wochenende flog er nach Frankfurt mit zwei großen Koffern. Meist waren Bücher oder Kleidung darin. Da die Wohnungen in Rom gerne möbliert vermietet werden, konnte er all das, was er nicht mehr brauchte, einfach in der Wohnung lassen. Die Ehedecke transportierte ich allerdings selbst, auch wenn sie den Großteil eines Koffers einnahm.

Geschlossen

Den „Exit“, der auf diesem Foto abgebildet ist, suchen wir gerade schniefend und schnäuzend.

Geschlossen wegen Krankheit. Wir liegen alle flach (nicht wortwörtlich, würden wir Großen aber gerne).

Montags ging es bei mir richtig rund. Seit gestern beim Römer. Der Kleine, der geheilt schien, ist seit Dienstag wieder krank.

Bleiben Sie gesund! 🤒🤧

Status-Update 21.10.2021

Das Kind hat (mal wieder) Temperatur. Zwei Wochen war er durch Urlaub und fehlendes Auto daheim, zwei Tage war er in der Kita und schon hat er wieder erhöhte Temperatur. Dazu ist er sehr weinerlich. Auch im Schlaf. Vorhin ging er alleine in sein Kinderzimmer und legte sich ins Bett. Nachdem ich ihn mit einer leichten Decke zudeckte, war er innerhalb von 2 Minuten im Land der Träume. Ein warmes, kleines Bündel Mensch, dem es nicht gut geht. Mutterherz, ich seh‘ dich bluten!

Beim morgendlichen Anziehen entschied ich mich für eine Jogginghose und einen Sportpulli. Nicht, weil ich versucht war, mich sportlich betätigen zu wollen. Vielmehr, weil ich so niemals vor die Tür gehen würde*. Es stürmt draußen. Wie sehr es heute Nacht stürmte, merkte ich erst als ein großer Ast mitten in der Allee lag. Ich hatte heute Nacht das Glück im Kinderzimmer zu schlafen, während der Römer Nachtschicht im Elternzimmer (oder “Ein-Elter-und-Kind”-Zimmer) hatte. Meinen Sie, ich hätte diesen herabrauschenden Ast gehört? Aber mitnichten! Ich hatte zwei Nächte in Folge “Signorino-Nachtdienst” und schlief in dieser Nacht den Schlaf der Gerechten. Kein Geräusch, nicht einmal ein Geräuschchen, drang an mein Ohr.

Mittlerweile hat der überaus fleißige Herr vom Grünflächenamt FFM den Ast zersägt und abtransportiert.

Ein Glück habe ich diese Woche schon gearbeitet. Ich rechne mir dennoch aus, wie viele Tage ich bis zum nächsten Arbeitstag habe (5 ist die Antwort) und hoffe, dass Signorino bis dahin fit ist.

Der Römer hat heute Team-Essen. Irgendetwas mit Steak, irgendwo in der Nähe der Arbeit. Er weiß auch nicht genau. Irgendwie kommt er trotzdem durchs Leben und im direkten Vergleich zu mir lebt er deutlich sorgloser und entspannter. Ich bin im Gegensatz zum Römer der Typ Mensch, der sich diverse Male vorab die Online-Speisekarte anguckt, um schon einmal die besten Gerichte für mich zu eruieren. Sie sehen, hier haben sich zwei Extreme gefunden: Mr. Sorglos und Mrs. Präzise-Vorabplanung.

Bei einem bekannten Online-Auktionshaus stolpere ich über eine tolle Kaffeemaschine. Ich bin ein großer B-Ware Fan. Die Geräte werden generalüberholt und wieder verkauft. Ob da nun ein Kratzer an der Alu-Verkleidung ist oder nicht, ist mir recht egal geworden, denn zu diesem Kratzer gesellen sich vermutlich im Laufe der Monate und Jahre noch andere Kratzer. Mit Kleinkind wird man sehr entspannt, was Kratzer, Dellen und Risse angeht. Dennoch, trotz des sehr guten Preises, muss die Kaffeemaschine erst einmal warten**. Vielleicht nächstes Jahr? Vielleicht nie?

Dennoch bestelle ich etwas: Eine Matschhose in Größe 92/98. Ohne Hosenträger. Ich wollte mal ausprobieren, ob das ohne Hosenträger klappt oder ob das Kind im Nu mit heruntergelassener Matschhose auf dem Spielplatz steht. Die Dinge, die ich nicht im Fachhandel kaufen kann, lasse ich entweder zur Packstation oder in die Filiale von Herrn Al Bagashi liefern. Herr Al Bagashi nimmt alle Versanddienstleister an außer DHL~, was mir sehr recht ist. Außerdem ist er nett und lustig. Gestern meldete er sich, da ich ein Autoschild*** abholte, bereits für eine Probefahrt an.

Signorino und ich kuscheln heute viel auf der Couch. Immerhin trinkt er genug. Nicht einmal sein geliebtes Eis will er. Dafür kann man ihn immer begeistern. Aber heute nicht. Von gesund bis ungesund – ich habe ihm alles angeboten. Aber wenn ich so vor mich hinkränkel, können Sie mich auch mit nichts begeistern. Pizza? Bäh. Quiche? Bitte nicht. Indian Butter Chicken? Bitte bleiben Sie mir fern. Cannolo? Njaaa… ich kann’s mal probieren. 😄

Signorino fühlt sich übrigens morgens am bescheidensten. Da kommt das ganze, akkumulierte Leid in der ersten Stunde nach dem Aufstehen zum Vorschein. Meist ist der Verlauf des Tages nicht halb so schlimm wie die erste Stunde nach dem Aufstehen.

*So ganz stimmt das nicht. Ich bin tatsächlich schon einmal in der Jogginghose vor die Tür gegangen und zwar gab es eine Woche im Dezember 2019, wo ich hochschwanger und über Termin jeden Tag zur Kontrolle ins Krankenhaus musste. Da ich in keine andere Hose mehr passte, wohnte ich in der zu langen, aber nicht zu weiten Trainingshose des Römers. Dazu muss ich sagen: Wenn Sie für sich entscheiden, dass Sie gerne in der Jogginghose ausgehen wollen, dann stört mich das überhaupt nicht. Warum sollte es das auch? Es ist Ihre Entscheidung. Aber ich, für mich und durch meine Erziehung geprägt, bin es gewohnt, mindestens eine Jeans anzuziehen, wenn ich den Gang nach draußen wage.

** Warum ich überhaupt auf eine neue Kaffeemaschine geiere? Vor Jahren kauften wir eine Kaffee-Kapselmaschine. Aber mittlerweile bin ich so klug, um einzusehen, dass das ein nicht zu kleines Vergehen an der Umwelt ist. Natürlich ist mein Kapselverbrauch nichts im Vergleich zu den Umweltverschmutzungen, die sie in vielen, vielen Ländern finden. Aber ich kann immerhin meinen Teil dazu beitragen, dass wir nicht in Plastik- und Aluabfällen ersticken.

*** Da das Auto seit 2 Wochen in der Werkstatt ist und tatsächlich diverse Schlauberger ab und an auf meinem Parkplatz parken, befolgte ich den Tipp von Parkwächter Krause und bestellte ein Parkschild für die Fünf-Meter-Kutsch.

~Werbung, unbezahlt und unbeauftragt

Montagslied

Der Römer hat eine neue Ballade für unsere musikalischen Signorino gefunden, die er gerne und oft hören will und dabei – das ist ein durchaus wichtiger Punkt – mit der Musikauswahl zufrieden ist.

Vielleicht haben Sie auch einen Seelenverwandten, an den Sie bei diesem Lied denken? 😃

Einmal im Leben

„…einen guten Päckchen-Fahrer zu haben, das wär’s.“, denken wohl viele Mitbürger und Mitbürgerinnen. So auch mein geschätzter Blogger-Kollege Tom. In unregelmäßigen Abständen, meist, wenn er ein Produkt testet, garniert er seine Artikel mit der Odyssee wie er überhaupt an dieses Paket gekommen ist. Die abenteuerlichsten Varianten las ich schon bei ihm. Dabei bangte und hoffte ich jedes Mal bis zum letzten Satz, dass er doch noch unkompliziert und schnell an seine Versandbox kommen würde. In einem seiner neuesten Produkttests erzählte er uns Leser*innen wieder einmal davon, mit welch enormen Aufwand es verbunden war, an diese Kaffeemaschine zu gelangen. Darunter häuften sich Kommentare von ebenso unzufriedenen DHL*-Kund*innen, die Tom ihr Leid klagten.

Nur mein Kommentar stach heraus, denn ich hatte nach langer Durststrecke eine unglaubliche Erfolgsgeschichte mit DHL* zu berichten. Diese Episode meines Lebens war nur von kurzer Dauer und meine Theorie, dass es genau eine Woche im Leben eines Menschen gibt, in der einem der Paketbote hold ist, begann in dieser Woche langsam Formen anzunehmen.

Von meiner holden DHL*-Woche möchte ich Ihnen heute gerne erzählen:

Alles fing damit an, dass wir uns dazu durchrangen, die teuren, aber unverschämt bequemen Stühle beim Möbelhaus zu bestellen. Nachdem wir vor Ort Probe gesessen hatten (hier nachzulesen), verglich ich rasch im Internet, ob es noch einen günstigeren Anbieter gab. Und siehe da: Das gleiche Möbelhaus unterbot seinen eigenen Preis online um 20,- Euro pro Stuhl. Ich schlug sofort zu! Vier formschöne Stühle sollten geliefert werden. Selbstverständlich ging ich von einer Speditionslieferung aus, sollte es sich doch nicht um einfache Klappstühle handeln. Doch weit gefehlt! Das Möbelhaus war so (wahn-)witzig und beharrte darauf, sie mit den gelb-roten Paketfreunden zu verschicken.

Dazu ein kleiner Rückblick, wie es bisher mit dem DHL*Fahrer in der neuen Wohnung lief, denn wir machten bereits Bekanntschaft mit seinen Fähigkeiten. Beziehungsweise, um den Satz korrekt zu formulieren, machten wir Nicht-Bekanntschaft mit ihm. Ein wichtiges Paket sollte ankommen. Doch der Paketbote bevorzugte es, das gute Stück an die Absenderin zurückzuschicken mit dem Vermerk, dass der Empfänger (=wir) an dieser Adresse nicht wohnen würde. Das taten wir aber und zwar offiziell seit mehr als einem Monat. Unser Klingelschild, sowie das Briefkastenschild mit unserem Namen untermalte das Ganze, doch dem Paketboten war das egal. „Was der Paketbote nicht kennt, beliefert er nicht.“, war vermutlich sein Credo, das er mit eisernem Willen befolgte.

Dementsprechend grauste mir bereits vor der Lieferung der Stühle. Doch es war bereits zu spät, diese zu stornieren.

Die Tage vergingen. Die Versand-E-Mails des Möbelhauses wurden in mein Postfach gespült. Jeder der vier Stühle hatten eine eigene Versandnummer. Na, das kann ja was werden! Ersichtlich war, dass zwei Stühle an Tag 1 ankommen sollten und zwei weitere an Tag 2 oder 3. An Tag 1 kutschierte ich das Kind morgens in die Kita und fuhr postwendend zurück. Ich wollte den Paket-Boten bloß nicht verpassen. Minütlich aktualisierte ich die Sendungsverfolgung, doch sie zeigte nichts weiter an, als dass mein Paket in das Zustellfahrzeug geladen wurde. Gegen 14 Uhr fuhr ich zurück zur Kita. Dabei hoffte und bangte ich, dass der DHL*-Fahrer nicht diesen Moment abgepasst hat, um in meiner Abwesenheit ein flottes „Wir konnten Sie nicht antreffen“-Zettelchen in unseren Briefkasten zu versenken. Blitzschnell raste ich in die Kita. Die Erzieherin wollte mir noch ausführlich von Signorinos Tag berichten, doch ich würgte sie höflich, aber bestimmt mit einem „Entschuldigung, wir haben gleich einen wichtigen Termin und sind schon spät dran.“ ab. Schnell wurde das Kind in den Kindersitz gepackt und ich düste nach Hause. Auf der anderen Straßenseite sah ich bereits den DHL*-Fahrer. Da wir in einem Art Rondell wohnen, hatte er noch einige Häuser abzuklappern bis er bei uns klingeln würde. Falls er klingeln würde, denn auch das ist nicht selbstverständlich, wie ich aus der Vergangenheit lernte.

Und dann geschah das Unglaubliche: Als ich das Auto in seine Parklücke rollen ließ, muss sich irgendetwas in meinem Gehirn verklemmt haben. Anders kann ich mir meinen Gedankengang nicht erklären. Ich hievte das Kind aus dem Auto und dachte doch tatsächlich daran, schnell zum Supermarkt zu eilen. Natürlich teilte ich dies meinem Gegenüber mit. Da es sich bei meinem Gesprächspartner aber um einen knapp 2-Jährigen handelte, wies er seine bescheuerte Mutter nicht daraufhin, dass dies in Anbetracht der Umstände keine, und zwar gar keine gute Idee war. Auch als ich ihn in den Kinderwagen setzte, erwähnte er mit keiner Silbe, dass das doch fernab jeder Logik war. Er schwieg und grinste mich an. Wir wackelten also zum hiesigen Supermarkt und kauften ein. Als wir zurückkamen, Sie ahnen es, fand ich im Briefkasten einen gelben Zettel. „Leider haben wir Sie nicht angetroffen… bitte holen Sie am nächsten Werktag Ihre Pakete in der Filiale (Dingensstraße 138a) ab.

Dumm, dumm, dumm!“, fluchte ich und meinte dabei nicht den pflichtbewussten Päckchen-Fahrer, sondern meine eigene Dummheit. „Wie groß werden die Stühle schon sein?“, versuchte ich mir daraufhin einzureden, um mich zu beruhigen. Sicherlich sind die Pakete so verpackt worden, dass sie locker ins Auto passen würden. Später sollte sich jedoch herausstellen, dass gar keines dieser monströsen Pakete ins Auto gepasst hätte, da sie so hoch wie breit waren und wir leider keinen Sprinter fuhren.

So groß waren die Pakete. Der angemalte Zwerg ist Signorino mit seinen 90 Zentimetern, der sich ins Bild schmuggelte.

Ich berichtete dem Römer am Telefon von meiner misslichen Lage, während das Kind einen eben erworbenen Joghurt verschlang. Daraufhin spielten wir und während wir in ein wildes Rutschen-Spiel vertieft waren, klingelte es. Ich wollte nicht öffnen, denn schließlich erwarteten wir nichts und niemanden mehr an diesem Tag. Der DHL-Zug war sprichwörtlich abgefahren. Dann klingelte es wieder. Ich eilte genervt zur Tür und sprach ein „Hallo?! Hallo!“ durch die Gegensprechanlage. Keiner meldete sich. Daraufhin klingelte es ein drittes Mal. Ich schnappte mir das Kind und schlappte genervt mit meinen Hausschuhen ins Erdgeschoss. Bereit, dem Klingelstreich-Initiator gehörig die Meinung zu geigen sah ich… den DHL-Fahrer.

Ich öffnete die Tür und guckte ihn verwundert an. „Familie Farniente?“, fragte er und begutachtete mich mit hoffnungsvollen Blick. „Ähm…ja.„, antwortete ich und war von seiner Präsenz immer noch sehr verwirrt. „Hach, ein Glück, dass Sie jetzt zu Hause sind. Haben Sie meinen Zettel im Briefkasten gefunden?„, wollte der Paket-Fahrer von mir wissen. „Ähm..ja.“, gab ich wieder zurück, „Ich soll die Pakete irgendwo in der Dingensstraße abholen?“ Der Fahrer schüttelte den Kopf. „Nein…also ja….aber nein.„, lachte er. Ich verstand nur Bahnhof. „Ich habe bei Ihren Nachbarn geklingelt, aber niemand wollte so große Pakete annehmen. Deswegen wollte ich sie in der Filiale abgeben. Aber, als ich all die anderen Pakete ausgeladen hatte und nur noch Ihre beiden im Auto waren, taten Sie mir so Leid. Wer hat denn schon so ein großes Auto, um diese Pakete zu transportieren? Deswegen dachte ich, ich fahre nochmal bei Ihnen vorbei und versuche mein Glück. Vielleicht sind Sie ja daheim? Und siehe da, Sie sind tatsächlich daheim.“, führte er aus. Ich war sprachlos. Der DHL*-Fahrer kam extra für mich zurück, weil er Angst hatte, dass ich die Pakete nicht transportieren könnte? Wow! Wie groß mochten diese Pakete wohl sein? Der Paketbote hatte sie nicht neben sich stehen. „Ich hole die zwei Trümmer gleich mal.„, sprach’s und verschwand für fünf Minuten. Zurück kam er hinter einer Paketwand, die auf einer Sackkarre befestigt war. Nur seine gelb-rote Kappe sah man noch. „Wo darf ich sie hinbringen?„, fragte mich der DHL*-Mitarbeiter. „Ähm… in den 1. Stock, aber ich kann sie auch selber in den Aufzug zerren.“, bot ich an. „Aber nein! Die sind viel zu schwer und Sie haben ein Kind auf dem Arm.“, beruhigte mich der nette Fahrer.

Er schleppte die Stühle bis vor unsere Wohnungstür. Beiläufig erwähnte ich, dass morgen oder übermorgen nochmals zwei Pakete dieser Größenordnung ankommen sollten. „Ah…kein Problem. Wenn ich das weiß, stelle ich Sie einfach vor Ihre Wohnungstür. Sie sehen ja, dass eine Abholung bei der Postfiliale keine gute Idee ist.“ Er lachte. „1000 Dank! Das ist wirklich unglaublich nett von Ihnen.“, bedankte ich mich überschwänglich bei ihm. „Aber das ist doch klar!„, gab er wie selbstverständlich zurück. Anscheinend hatte er noch keine Gelegenheit, seine Kolleg*innen kennenzulernen…

Zwei Tage später stand er wieder mit zwei Stühlen vor meiner Tür. Diesmal plauderten wir ein wenig. Er erzählte, dass sein Chef ihn bat, aufgrund des hohen Krankenstandes in Frankfurt, auszuhelfen. Eigentlich würde er nur in Hanau ausliefern. Aber in Frankfurt sei es sehr stressig. Ich nickte verständnisvoll und konnte mir gut vorstellen, dass ein so engagierter DHL*-Fahrer in Frankfurt ordentlich ins Schwitzen kommt. Als er sich gerade verabschieden wollte, rannte ich noch schnell in die Küche, griff in unser randvolles „Olivenöl und Pasta“-Regal und zog eine Flasche feinstes Olio Extravergine di Oliva und eine Packung Pasta unseres Pasta-Herstellers des Vertrauens hervor. „Vielen, herzlichen Dank! Sie haben mich wirklich gerettet. So engagiert sind die wenigsten.“, gab ich ihm mit auf den Weg. Er wurde ein bisschen rot. „Danke, dass Sie meine Arbeit schätzen.„, sprach er aufrichtig. Dann verabschiedeten wir uns. Signorino und ich winkten ihm noch bis er aus dem Hausflur verschwunden war.

Der DHL-Bote freute sich über herrliches Olivenöl Selbstverständlich bekam er eine volle Flasche. 😄

Es gibt sie also doch, die guten und engagierten Paket-Fahrer. Aber anscheinend nur in Hanau. Vielleicht sollte ich dort über eine Zweitadresse nachdenken? 😉

*Werbung, unbezahlt und unbeauftragt

Montagsupdate

Auch dieses Wochenende war ein Schuss in den Ofen. Während wir am Freitagabend von einem Ende der Stadt ans andere fuhren, immer am Main entlang, sahen wir bei schönsten, abendlichen Sonnenschein die Menschen am Fluss entlang flanieren. Uns winkte ein Wochenende voller Wohnungsrenovierungsspaß. Es ist zwar nicht unser erstes Rodeo, wie die US-Bürger gerne sagen, aber dennoch ist es mit Kleinkind eine andere Geschichte.

Bereits den Donnerstag verbrachte ich damit, während das Kind die Zeit in der Kita bei Spiel und Spaß genoss, abzuschrauben, zu spachteln und die Malerarbeiten vorzubereiten. Am Freitag malerte ich die Küche und den Wohnungsflur. Dabei kam mir eine Erkenntnis in den Sinn: Je kleiner und verwinkelter, vielleicht noch mit einer Fliesenreihe durchsetzt, desto langwieriger dauert das Malern letztendlich. Vermutlich wird meine Erkenntnis kein Leben (zum Guten) verändern, aber ich wollte es einmal gesagt haben. Nach getaner Arbeit sammelte ich das Kind ein und hätte gerne eine Stunde Pause gehabt und ein Nickerchen gemacht. Tja, leider, leider war das nur eine Fantasie, die in den nächsten Jahren wohl eher nicht zur Realität wird.

Am Samstag tobte sich der Römer aus. Von 9 bis 16 Uhr malerte er, was die Farbeimer hergaben. Weiß gefleckt kam er müde und geschafft nach Hause. Unser Tagesziel war erreicht. Der Römer müde, ich müde – das Kind wach und lustig unterwegs.

Am Sonntag durfte ich mich so richtig austoben: Der Römer und ich waren beim Malern zwar fleißig, dabei aber arg nachlässig. Den Boden deckten wir so la la mit Malervlies ab. Keine gute Idee! Wissen Sie, wie lange es dauert, all diese weißen Punkte, Pünktchen und Farbspuren zu entfernen? Ich kann es Ihnen sagen: Von 12:30 – 17 Uhr. Die Wohnung sah vermutlich nie so gut aus. Wenn ich an unsere Wohnungsübergabe denke, die 2018 stattfand, ist das wahrlich kein Vergleich. Die sichtbarsten Flecken wurden vom Vormieter rasch übermalert. Und das war’s. Da wir so froh über die Wohnung waren und hofften, beim Auszug das gleiche Privileg zu haben, beschwerte ich mich nicht bei der Wohnungsübergabe. Tja, das Teufel ist ein Eichhörnchen und die Hausverwaltung wurde durch eine andere ersetzt. Noch dazu stehe ich mit der (in meinen Augen absolut unfähigen) Hausverwaltung im Klinsch. Immerhin habe ich daraus gelernt, jede noch so kleine Auffälligkeit im Übergabeprotokoll zu vermerken und Fotos (!) zu machen.

So zerrann das Wochenende also. Das Kind tut mir dabei am meisten Leid. Seit Wochen hat es entweder nur Mama oder nur Papa an den Wochenenden, die dermaßen angespannt, übermüdet und nervlich nicht belastbar sind, dass der kleine Kerl vermutlich wenig Spaß hat.

Am Mittwoch ist die Wohnungsübergabe. Dann fällt vermutlich eine großer Stein von uns ab. Oder aber ich ärgere mich über den Kerl von der Hausverwaltung, der Mängel findet, wo keine sind. Wir werden sehen!

Starten Sie gut in den Montag!

Die hämmern wie verrückt!

Sie erinnern sich an Parkwächter Krause? Heute folgt Episode 2 meines neuen Lieblingsnachbarn, die sich am Anfang dieser Woche zutrug.

Rasch fahre ich in den Innenhof und lasse das Auto gemütlich auf den letzten Metern in die Parklücke rollen. Signorino sitzt, ein Stück Brezel kauend, auf der Rücksitzbank in seinem Kindersitz. Seine dunkelblaue Mütze liegt auf seinem Schoß. Er muss sie wohl während der wilden Heimfahrt von der Kita ausgezogen haben. Gleich wollen wir einkaufen gehen. Davor winkt eine richtige Brotzeit und nicht nur eine schnelle Brezel im Fond des Autos.

Ich stelle den Motor ab. Mein Blick streift die Mülltonnen linkerhand. Etwas schwarz-weißes steht dort. Ich gucke noch einmal genauer hin: Ja, kein Zweifel – es ist Parkwächter Krause in seinem Ringelshirt. Ich trinke noch einen Schluck Wasser, nehme meine Handtasche vom Beifahrersitz und öffne die Tür. Flott steige ich aus, blicke zu ihm, doch er starrt verwundert und kopfschüttelnd auf den geteerten Boden des Mülltonnen-Eckes im Innenhof. Ich murmle ein leicht zu überhörendes „Hallo“. Dann gehe ich zum Kofferraum, um den Kinderwagen herauszuheben. Plötzlich ertönt seine Stimme aus dem nichts.

[Lesehinweis: Diesmal habe ich es etwas hessischer geschrieben, denn so babbelt (=redet) Parkwächter Krause nunmal. Da mein Hessisch wahrlich kein Juwel ist, sehen Sie es mir nach, wenn ich es falsch wiedergegeben habe.]

Parkwächter Krause [PK]: „Entschuldigen Sie, wisse Sie, wer hier nasse Kaiserbrötche im Innehof verteilt hat?“

Ich: „Äh…nein. Das ist ja seltsam. Wer macht denn sowas?“

PK: „Des weiß ich ebbe net. Deswegen frag‘ ich Sie, weil viellecht wisse Sie des.“

Ich: „Nein, tut mir Leid. Da muss ich passen. Seltsam!“

PK: „Seltsam… und gfährlich! Wisse Sie, was passiert, wenn hier nasse Brötche verteilt werde?“

Ich: „Ähm… das ruft sicher allerhand Getier auf den Plan!“

PK [hält, mir recht gebend, die geöffneten Handfläche nach oben, parallel zum Boden]: „Ebe! Getier und besonders Ratten. Wisse Sie, was passiert, wenn Sie so a gwöhnliche Stadttaube in Frankfurt füttern? Ham’Sie des amal gmacht?“

Ich: „Nein…auch hier muss ich passen. Eine gewöhnliche Stadttaube habe ich in Frankfurt noch nie gefüttert.“

PK: „Besser so! Denn jetzt sag ich Ihne, was da passiert, wenn Sie des mache. 800 EURO! 800 Euro zahle Sie, wenn Sie a Stadttaube in Frankfurt füttern und des Ordnungsamt Sie erwischt.“

Ich: „Puh… aber das macht man ja nicht, eine gewöhnliche Stadttaube zu füttern. Leute gibt‘s…“

PK: „Des sage Sie jetzt. Wir sin ja alle vernünftige Leud! Aber es gibt Leud, des könne Sie sich gar net vorstelle.“

Ich nicke ernst und klappe den Kinderwagen vollständig auf. Signorino scheint noch guter Laune zu sein, während er wartet, dass ich das Gespräch mit unserem Parkwächter Krause beende.

PK: „Wisse Sie, was passiert, wenn hier Ratte sin?“

Ich: „Ähm…die kriegen wir vermutlich nur schwer los?“

PK: „Richtich! Nie wieder kriege Sie die los! Und jetzt sag ich Ihne was, aber entschuldige Se vorab. Ich sag des jetzt ganz direkt auf Altdeutsch. Ganz direkt auf Altdeutsch sag ich Ihne des jetzt. Sie sin‘ ja a Dame – aber ich sag’s einfach frei raus: DIE RATTE HÄMMERN WIE VERRÜCKT!! Heute ham Sie 10 – morge 100 von de Biester.“

Ich (unterdrücke ein Lachen, da das Thema durchaus ernst ist): „Ja…die kriegen Sie nie wieder los. Ich bin auf dem Land aufgewachsen… wir hatten mal Ratten. Das sind schlaue Tiere. Mit allen Tricks arbeiten die. Mit allen!“

PK (nickt zustimmend und zufrieden): „Als kleiner Stift bin ich in da Rhön aufgwachse. Auffä Bauernhof. Wir vom Land verstehe des. Aber sage Se des amal de Frankfurter Stadtfutzis. Is ja lieb gmeint mit de nasse Brötche – aber danach habe wir ehrliche Leut die Arbeit. Sie verstehe mich da. [Ich nicke] Aber eines sage ich Ihne: Wir komme de Brötchen-Fütterer scho auffä Schlich!“

Ich (sehr ernst): „Ja, ich werde definitiv ein Auge darauf haben.“

PK: „Sehr gud! Jetzt will ich Sie nimma länger aufhalte. Sie haben ja Ihren Stift [Signorino] noch in Ihrer Kutsch. Bis dahin – isch mach weidda!“

„Was soll man machen?“ steht auf dieser Wand am Mainufer. Gute Frage! m

Gute Aussichten

Wissen Sie, welches Bild sich mir bietet, wenn ich aus dem Fenster blicke, während ich auf dem Sofa liege wie eine französische Muse, die nur darauf wartet von einem aufstrebenden Künstler gemalt zu werden?

Ahornbäume und viel Himmel. Ist das nicht bezaubernd? Davor starrten wir auf Betonklötze und parkende Autos. Und nun das!

Wenn Sie genau hinsehen, erspähen Sie auf dem Fensterbrett auch die Wasserwaage und die zusammengeknüllten Vorhänge, die nur darauf warten, an der Wand zu wirken. Doch einen Augenblick müssen sie sich noch gedulden, schließlich brauchen auch wir eine kleine Pause.

Haben Sie einen feinen Samstag! Und wenn Sie in den Baumarkt fahren: Lassen Sie mir bitte etwas Wandfarbe übrig. Schließlich muss die „alte“ Wohnung renoviert werden und da der Römer ab Montag wieder Vollzeit ackert und ich mehr Zeit zu haben scheine, bin ich wohl an der Reihe, die Wohnung zu tünchen.

Ein kurzes Hallo aus der neuen Wohnung

Wir stehen morgens auf und fallen nach Mitternacht ins Bett. Eine traumlose, unruhige Nacht später wachen wir wieder auf und alles beginnt von vorne.

Doch die Kirsche auf dem Sahnehäubchen ist: Seit gestern Abend haben wir kein Warmwasser mehr.

Heute früh versuchte ich kalt zu duschen. Wirklich! Ich versuchte es mit ganzem Einsatz, aber ich kam nur bis zum Knie. Mehr schaffte ich nicht. Also wusch ich mich mit einem Waschlappen und benutzte Trockenshampoo. Wenn das Wasser morgen immer noch nicht warm wird, dann fahren wir in die alte Wohnung und duschen im Dunkeln, denn die Lampe ist bereits abgeschraubt im Bad.

Heute waren wir im Möbelhaus mit Signorino. Das war gut – bis er im 2. Möbelhaus wie irre durch die Gänge gelaufen ist. Wenn nur ein Elter gucken kann und der andere dem Nachwuchs hinterher jagt, ist die Exkursion etwas witzlos. Stühle fanden wir dennoch. Wir konnten getrennt voneinander Probe sitzen. Einer saß, schrie dem anderen bei der Signorino-Übergabe die für gut befundenen Stühle zu und der andere testete, während Elter Nummer 1 mit dem Kind in die Badabteilung rannte und mehrmals verbot, Schranktüren aufzureißen und Klobürsten zu klauen.

Vermutlich fiel deswegen das Mittagsschläfchen bei den beiden männlichen Farnientes sehr lange aus. Indessen nutzte ich die Zeit und meldete den Sohn in hiesigen Kitas. Ich war vor unserem Umzug fest davon überzeugt, dass ich ihn in der jetzigen Kita lassen möchte, doch da ahnte ich noch nicht, dass ich jeden Tag zwei Stunden im Auto sitze, um das Kind von einem Ende der Stadt ins andere Ende zu kutschieren.

Immerhin ein Lichtblick: Morgen kommt unsere Waschmaschine an. Das heißt, ich muss doch nicht auf das Ballkleid zurückgreifen, weil ich sonst nichts mehr zum Anziehen habe. Hoffen wir, dass das alles so klappt.

Manche stellen Kaffee, Wasser oder Softdrinks in den Getränkehalter. Wir transportieren so das Olivenöl.