Kleine Verwechslung

Meine Mama ist eine patente Frau, ganz ohne Zweifel. Wissbegierig zählt auch zu ihren guten Eigenschaften. So arbeitete sie sich damals recht schnell in die Materie PC ein – während mein Vater sicher war, dass dieses „Internet“ und alles, was damit zu tun hat, sich nicht durchsetzen werde.

Nun gut, er sollte unrecht behalten.

Als die Ära der Smartphones aufkam, war meine Mutter eine der ersten Damen in ihrem Freundeskreis, die stolz das neueste Smartphone präsentierte. Selbstverständlich brachte sie sich alles selbst bei.

Mit der Zeit wurden ihre Kenntnisse immer ausgefeilter, Messenger-Dienste kamen hinzu und sie schrieb nur noch Whatsapp Nachrichten statt SMS.

Ihre große Leidenschaft waren die Emojis. Mit spritzigen Zeichen garniert sie ihre Texte. Doch leider war dieser Tränen lachende Smiley “😂” für sie nicht selbsterklärend. Doch sehen sie selbst:

So traurig der Tod von Marias Mann, Richard, ist, ich hab vor Lachen die Suppe über den Tisch gespuckt.

Und ja, ich habe die Bildschirmkopie an Turtle weitergeleitet und nein, wir werden ihr nicht sagen, dass der Smiley nicht für “Trauer” steht. Das wird sie schon noch früh genug herausfinden. 😄 (Maria hat kein Smartphone – sie kann sich also hier nicht in die Nesseln setzen)

Warnung!

Kennen Sie das? Sie lesen ein Buch und in ihrem Kopf fügen Sie automatisch Bilder dazu ein. Die Hauptdarstellerin sieht für Sie vielleicht aus wie Grace Kelly und der widerwärtige Nebendarsteller wie ihr unsympathischer Cousin Markus mit den derben Sprüchen?

Doch dann passiert es: Einige Monate danach sehen Sie (zufällig) die verfilmte Version des Buches. Doch die Schauspieler scheinen so gar nichts gemein zu haben mit den Personen, die Sie in Ihrem Kopf in liebevoller Kleinstarbeit zusammengesetzt haben.

Sollte Ihnen das so – oder so ähnlich – schon einmal passiert sein, dann klicken Sie nun auf das kleine [X] oben rechts. Schließen Sie den Beitrag und genießen Sie den restlichen Tag.

Wenn Sie dennoch weiterlesen, dann nur auf eigene Gefahr:

Ich – in meiner damaligen, letzten Schwangerschaftswoche, gebe Ihnen nun die Möglichkeit diesen Beitrag zu schließen

Nun gut, Sie wollten es so:

Ich habe mein Personenregister (Haupt- und Nebendarsteller) überarbeitet. Schon lange war es mir ein Dorn im Auge, denn es war ein einziger Haufen hastig hingeworfener Darstellernamen. Ordnung musste endlich her!

Gesagt – getan. Und wo ich gerade dabei war, dachte ich, dass ich auch gleich das ein oder andere Bildmaterial einfüge. So kam es also, dass ich, Eva Farniente, nun gar nicht mehr so anonym durch’s Internet rausche. Auch den Römer, den Einen und den Anderen kann man erahnen.

Dennoch: Signorino, Turtle und Ova bleiben ein Phänomen. Der Erstgenannte, weil er noch so klein ist und mit 18 Jahren ganz allein entscheiden darf, welche Bilder von ihm ins Internet katapultiert werden und die beiden Letzteren, weil ich weiß, dass sie sehr verschwiegene Personen sind.

Nun denn, viel Spaß! Und kommen Sie mir hinterher nicht mit: Ich hätte Sie nicht eindringlich gewarnt!

P.S.: Da ich aber keine Influencer-Mutti bin, ist und bleibt das Fotomaterial bis auf weiteres das einzige. Es gibt keine liebevollen Insta-Stories, wo ich Ihnen Tee, Haarspülungen und Gesichtscremes aufschwatzen will (mit Rabattcode 40% günstiger!!) und es wird keine 10 Min HIT Workouts (das würde ich auch nicht durchhalten!) geben. Ich hoffe, Sie verkraften das und begnügen sich weiterhin mit den Geschichten auf meinem Blog!

Umbauarbeiten

Wundern Sie sich nicht: Sie sind immer noch auf der richtigen Seite!

Aus La Deutsche Farniente wird zwischen Tiber und Taunus oder um es mit anderen Worten zu sagen: Ich brauchte schlichtweg einen Tapetenwechsel.

Nun also: http://www.zwischentiberundtaunus.com

Machen Sie’s sich gemütlich, schauen Sie sich um und ärgern Sie sich bitte nicht über meine Umbauarbeiten! Auch der schönste Umbau findet ein Ende und danach haben wir es ganz muggelig. Versprochen!

Wünsche ohne Barrieren

Da prangt sie also an unserem Kühlschrank – die 5-Zimmer Wohnung in der Via Dandolo in Rom. Wer sich durch die engen Gassen Trasteveres als Tourist durchgeschlagen hat, kommt selten in diese Ecke des Viertels. Große, mediterran eingefärbte Hausfassaden hinter hohen Mauern, keine touristische Attraktion weit und breit und doch: Für den Römer und mich ist es eine der schönsten Straßen Roms.

Sie werden sich fragen, was die Annonce dieser Wohnung an unserem Kühlschrank zu suchen hat.

Das möchte ich Ihnen gerne erklären: Die liebe Jeanette (ein großes Danke an dieser Stelle!) hat mich auf den -für mich- richtigen Podcast gestoßen, der mich inspiriert und meine Gedanken in klareren Bahnen fließen lässt.

Ganz am Anfang des Podcasts, in einer der ersten Folgen, geht es unter anderem um die Frage: „Wo siehst du dich in 3 Jahren, wenn es keine gedanklichen Barrieren gibt?“ Meine Antwort war schnell gefunden: „Die ganze Familie Farniente wohnt in Rom – und ich schreibe über die ewige Stadt und ihre Bewohner.“ Das wäre mein Wunsch – aus tiefstem Herzen.

Später an diesem Tag fragte ich den Römer eben diese Frage, die ich mir selbst gestellt habe: „Wo siehst du dich in 3 Jahren ohne gedankliche Barrieren? Das Unmögliche bleibt außen vor!“

Er stammelte etwas herum, wand sich und wollte sich in seinen „Unmöglichkeiten“ verfangen wie ein zappelnder Fisch am Hafen von Anzio. „Keine Barrieren!“ betonte ich noch einmal. Er atmete tief durch, schloss die Augen, hielt einen Moment inne und sagte: „Va bene! Telo dico?“ [Gut! Soll ich’s dir sagen?] Ungeduldig wie ich bin, erwiderte ich nur ein „sarebbe ora“. [Es wäre an der Zeit!]

„Oooookay…“ begann der Römer erneut. „Allora….“

Ich platzte fast vor Ungeduld und spielte nervös an meinem Ehering herum, bereit ihn in den tiefen der Espressotasse zu entsorgen, wenn er nicht bald seine Version des perfekten Lebens vor mir ausbreitete.

„Ich…also wir…wohnen in Rom. Testaccio, Trastevere, Centro Storico, das wäre mir egal. Riguardo al lavoro [Hinsichtlich der Arbeit]….hm…telo dico veramente?“ [Soll ich’s dir wirklich sagen?]

Dieser Mann treibt mich noch in den Wahnsinn! Jede buddhistische Weisheit ist hinfällig mit ihm und seinem Spannungsaufbau! Ich versuchte mich an das „Ertragen des Leidens“ zu erinnern und ertrug dieses Leid mit tiefen, fast schon Wehen veratmenden Atemzügen voller Ungeduld. Einatmen….3…4…5…Ausatmen…6…7…8. Spätestens in diesem Augenblick beglückwünschte ich mich zu dem damaligen Geburtsvorbereitungskurs.

„Bitte, ja.“ antwortete ich – ganz konzentriert auf meine Atmung.

„Okaaaaay… allora…“ [Okaaaaay…also….] fing er wieder an.

„NUN SPUCK’S ENDLICH AUS!“ schoss es aus mir heraus. „Huch! Woher kam das denn?“ fragte ich mich in Gedanken und lächelte den Römer entschuldigend an. Gleichzeitig machte sich ein Gefühl der Befreiung in mir breit. Dennoch: Ich habe wohl noch einen sehr langen, buddhistischen Weg vor mir.

„Scusa, allora, io vorrei lavorare come professore a una delle università di Roma. [Entschuldige, also, ich würde gerne als Professor an einer der römischen Universitäten arbeiten.]“ fing er an. „Teilzeit wäre super. Gleichzeitig habe ich meine eigene Praxis in Rom. Aber es ist unwahrscheinlich, dass ich jemals in Rom als Professor arbeiten kann. Ich bin kein richtiger Italiener und ich….“ versuchte er sich schon wieder zu limitieren. „Na, na, na! Es geht nur darum zu definieren, wo du hin willst. Der Rest kommt dann nach und nach.“ unterbrach ich ihn.

Nach einer kurzen Pause, setzte ich wieder an. „Wie schön, dass wir zur gleichen Destination wollen.“ Ich grinste. „Und noch schöner, dass wir darüber offen reden konnten.“

„Wie meinst du das?“ fragte der Römer irritiert. „Na ja, du willst nach Rom, ich will nach Rom. Das kann kein Zufall sein.“ begründete ich meine Aussage.

Wenig später fand man uns vor dem Computer, nach Traumhäusern suchen. Spontan verliebten wir uns beide in das Anwesen in der Via Dandolo. Ich druckte es aus, strich den utopischen Preis mit einem dicken Filzstift durch und hing es an den Kühlschrank. Dem überraschten Römer erklärte ich: „Man muss seine Ziele fest im Blick haben. So auch unser Haus. Vielleicht klappt es nicht in drei Jahren, vielleicht auch nicht in fünf, aber früher oder später wird alles so, wie wir es uns ausgemalt haben. Energie fließt in die Richtung, in die deine Gedanken gehen.“ kommentierte ich meine Idee. „Inshallah.“ antwortet er und grinst. „Genau, inshallah!“ antwortete ich und umarmte ihn.

Reisen – damals und heute

Während ich das Kokosöl in meinem Mund hin- und herschiebe (probieren Sie Ölziehen einmal aus – das ist klasse!), denke ich nach.

„Schlafsack, zwei Schlafanzüge, Nestchen.“ kritzel ich auf meinen Zettel. Wann wurde Reisen eigentlich so kompliziert? Früher – genau vor einem Jahr – reichte mir ein Handgepäckskoffer zum Verreisen. Drei Tage – arbeitend – und es war nicht mehr als ein Rock, zwei Blusen, zwei Strumpfhosen, ein Halstuch (als Wechselklamotten der Uniform), eine klein zusammenfaltbare Daunenjacke, ein Schal, eine Hose, ein Rollkragenpulli, Unterwäsche, Kosmetiktasche, Schuhe, Mütze, Handschuhe, Socken. Fertig!

„7 Hosen, 3 Lätzchen, 7 Oberteile – wenn die Milch wieder rückwärts fließt.“ schreibe ich weiter. Wie schön war es damals, morgens ganz allein im Hotelzimmer zu sitzen und den ersten Kaffee zu genießen. Ganz in Ruhe im Kingsize Bett – nur ich und das Surren der Klimaanlage. Kein Geschrei, kein „Amoooooore, wo ist nochmal…?“. Das Bad war nie besetzt, denn es war mein Bad – wenn auch nur für eine Nacht.

„Windeln, Feuchttücher, Rescue Tropfen, Fläschchen, Milchpulver.“ krakle ich weiter auf meine Packliste. Hach, die erste Nachricht des Anderen, ob ich auch schon wach sei und wir gleich frühstücken wollen. Ich las sie während im Hintergrund eine amerikanische Morningshow über den Bildschirm flimmerte. Auf meinem großen und fluffig weichen Bett thronte ich wie die Königin New Yorks, würde es denn eine geben. „7 Uhr? Ich trinke noch meinen ersten Plörri (so schmeckt für uns amerikanischer Filterkaffee – wie Plörre!) Kaffee zu Ende. Dann fix duschen und ab zu Le Pain Quotidien?“ fragte ich. „Passt! Unten in der Lobby?“ kam kurz zurück. Ich schickte das „Daumen-hoch“ Zeichen und begab mich in die Dusche.

„Overall, Sonnenhut, Mütze, Nasentropfen,…“ führe ich weiter auf meiner Liste auf. Unten in der Lobby angekommen gab es eine riesige Umarmung für den Anderen. „Die Broadway Show war gestern genial. Ich hab den ganzen Morgen lang – also ab 5 Uhr – die Playlist auf und ab gehört.“ There’s a lot of favors // I’m prepared to do // You do one for Mama // She’ll do one for you.“ stimmte ich an. Die Zeilen hingen immer noch in meinem Kopf fest. Ich hakte mich bei ihm unter und wir schritten ins kalte New York hinaus.

„Mulltücher, Windelcreme, Mandelöl, Babyspüli…“ notiere ich weiter. Mir gefroren die Gesichtszüge. Der kalte New Yorker Wind blies mir ins Gesicht und ich wickelte den Schal noch ein weiteres Mal um meinen Hals. „Diesmal esse ich aber auf alle Fälle noch ein Schneeball-Gebäck – mit Sahne! Dann lieber keinen Cappuccino als dass ich nochmal diesem Gebäck nachtrauern muss.“ sagte ich zum Anderen und er lachte laut. Kältewölkchen kamen aus seinem Mund. „Ich nehme was für die schlanke Linie! Irgendein Chiasamen Gedöns.“ antwortete er mir und strich über seinen Bauch. „Als ob! Das sagst du JEDES MAL.“ gab ich sichtlich belustigt zurück.

„Söckchen – mindestens 7 Paar – er pinkelt sie ja öftermal an – Schnuller!! – Schnullerketter – Stoffdrache“ vermerke ich. Angekommen im Café warteten wir artig bei dem hübschen Schild „Please wait to be seated.“ Wir sind die einzigen Gäste. „Setzen Sie sich ruhig irgendwohin. Es ist noch nichts los. Ich bin gleich bei Ihnen.“ flötete die Kellnerin mit einem hübschen New Yorker Akzent. Wir lächelten und setzten uns. Als sie bei uns war, bestellten wir. Chiasamen Müsli wurde dabei mit keiner Silbe erwähnt. Stattdessen wurde es Avocado Toast mit Lachs und Ei.

„Beißring, Wechselklamotten, Kuscheltuch, Fieberzäpfchen…“ schreibe ich weiter. Wir aßen und unterhielten uns über Gott und die Welt. „Gehen wir gleich noch über die Brooklyn Bridge?“ fragte der Andere. „Aber klar doch! Bei 0 Grad und Eiswind mach‘ ich das am liebsten.“ gab ich zurück. Wir bezahlten, packten unsere Sachen und gingen tatsächlich über die Brooklyn Bridge. Es war eiskalt und ich spürte meine Oberschenkel zeitweise nicht mehr. „Wann ist eigentlich Pickup? (Abholzeit)“ hakte ich beim Anderen nach. „In drei Stunden.“ gähnte er. „Ich leg mich aber vorher nochmal hin. Sonst schaff ich die Nacht nicht.“ ergänzt er noch schnell. „Ich fürchte du hast keine Wahl. Wie viele Gäste habt ihr in der First Class?“ erkundigte ich mich bei ihm. „Voll!! Acht Leute!“ stöhnte der Andere. „Wow! Ganze acht!“ ärgerte ich ihn. Er knuffte mich in die Seite. „Davon kannst du in der Economy ja nur träumen.“ konterte er geschickt. „Ich bin eben eine Eco Stuse. Was soll ich machen?“ zwinkerte ich ihm zu.

„Wickeltasche, warmes Wasser, Thermoskanne, Schnulleretui.“ komplettiere ich meine Liste. „Hast du den Co Piloten gesehen? Der hat ja mal 100% was mit der Ollen aus der Business!“ lästerte der Andere. „Echt? Ich dachte, der wäre mit der Kollegin aus der First zusammen.“ ging ich darauf ein. „Ja! Auch!!!“ lachte der Andere. Wir gingen ein Stück schweigend nebenher und genoßen die letzten Meter bis zum Hotel. „Sagst du mir Bescheid, wenn du gleich runter in die Lobby fährst? Ich mag nicht mit den anderen warten. Die Kabinenchefin labert mir immer ein Ohr ab – Indien hier, Ayurveda da, Yoga dort. Ich hab doch nur einmal gesagt, dass ich einen Yoga Anfängerkurs mache. Meeeein Gott!“ bat ich den Anderen. „Aber klar doch! Schreib mir einfach kurz vorher.“ antwortete er. „Du bist der Beste!“ gab ich zurück. „Ich weiß!“ konterte der Andere zwinkernd.

Es ist anders zu verreisen – und sei es nur nach München. An tausend Dinge muss man denken. Signorino ist zu bespaßen und – bei dem morgendlichen Flug – auch der Römer, damit die Laune nicht ins Unermessliche sinkt. Ich vermisse meine Auszeiten vom Alltag (alias Arbeit), aber gleichzeitig genieße ich es, jede Nacht neben dem Römer und Signorino einzuschlafen. Ich genieße unsere Frühstückszeiten zusammen, unseren Tagesrhythmus, unsere kleinen Rituale. Doch irgendwann wird sich Mutti wieder in die Lüfte schwingen. Bis dahin bleibt mir die Erinnerung( und die Hoffnung, dass ich das bald wieder tun darf)!

5 Glücksmomente des Tages

Heute habe auch ich einen Artikel über das aktuellste Thema geschrieben. Aber dieser braucht eine Bühne. Und die hätte er in diesen Tagen nicht. Ich publiziere ihn dennoch zeitnah, versprochen.

Kennen Sie Tage, an denen Sie resigniert die Nachrichten-Apps schließen? Soziale Netzwerke ignorieren Sie und Sie hadern vielleicht an der Entscheidung, jemals ein Kind in diese Welt gesetzt zu haben?

Heute ist so ein Tag. All die Nachrichten, der Hass zwischen den Ethnien, die Politik, die sich die Schuld hin- und herschiebt, die Gewalt, die Brutalität. Heute halte ich Sie nicht aus. Nicht weil ich die Augen davor verschließen möchte, sondern weil es mich betroffen macht, dass wir so mit uns umgehen, aufgrund der Pigmentierung der Haut. Würde ein Hund mit einem rötlichen Fell jemals einen Hund mit einem braunen Fell so behandeln? Ein blödes Beispiel, entschuldigen Sie. Aber ich denke an die Tierwelt. Würde eine Gruppe grüner Meeresschildkröten eine Suppenschildkröte benachteiligen? Ach, Sie sehen, heute bringe ich nichts zustande.

Deswegen möchte ich heute über ein lapidares Thema reden. Über meine fünf Glücksmomente des Tages:

  1. Ich bin heute neben meinem Sohn aufgewacht, der zur frühen Stunde schon sehr viel zu erzahlen hatte. Also brabbelte er und seine kleine Hand versuchte mich zu wecken. Mein Gesicht neben seinem wurde eifrig (und gewaltsam) betastet. Er entdeckte Ohr- und Nasenlöcher und wollte diese um 5 Uhr morgens testen. Ich bevorzugte ihm eine Milch zu machen und er war von meinem Angebot begeistert. So begeistert, dass er beim anschließenden Windelnwechseln gleich wieder einschlief. Bis 9:30 Uhr.
  2. Der Römer brachte heute Früchte vom Lieblingsfruchthändler mit. Die süßesten Erdbeeren, die knackigsten Bergpfirsiche, die prallsten Kirschen. Der Sommer bringt die tollsten Früchte hervor.
  3. Wir spazierten heute Abend am Main entlang, wie fast jeden Abend. Signorino in der Trage, der immer einen Arm raushängen lassen muss beim Fahren Getragen werden. Der Römer noch leicht hinkend, weil er doch keine 20 mehr ist und sich einen Muskelfaserriss zugezogen hat. So bummelten wir am Main entlang, die Sonne stand schon tief und es war sehr angenehm warm. Der Sommer ist fantastisch.
  4. Heute Morgen ist des Römers Neffenkind (also das Kind seines Neffen) geboren. Ein wunderschöner Bub, der der neue Spielgefährte von Signorino wird. Wir sind sehr glücklich, dass es Mama und Baby gut geht und das ein kleiner, neuer Erdenbürger diese Welt bevölkert. Sobald man reisen kann, sind wir nach Albanien unterwegs. Denn niemand dort kennt Signorino. Oma und Opa können es kaum noch erwarten und heulen via Videotelefonie meist Rotz und Wasser, dass ihr „zemra“ (Herz) so weit wegwohnt.
  5. Das mag jetzt etwas ungewöhnlich klingen, aber ich bin dankbar, dass Frau Dr. Merkel, eine Wissenschaftlerin, unsere Bundeskanzlerin ist. Gerade im Vergleich zu anderen Ländern beruhigt es mich ungemein, dass sie keine Testosteron gesteuerte Person mit einem mühsam erworbenen Bachelor in Wirtschaft ist.

Nachtgewand

Haben Sie einen Schlafanzug? Also einen richtig zusammenpassenden Schlafanzug – wie er oft in der Werbung gezeigt wird? Vielleicht ein flotter Einteiler in gedeckten Farben? Oder gar ein luftig leichtes Nachtkleid aus purer Seide mit feinsten Trägern, in dem Sie verträumt am Frühstückstisch sitzen und ihren Cappuccino schlürfen?

Wenn Sie diese Fragen mit einem entschiedenen „Ja“ beantworten können, dann beneide ich Sie.

Wissen Sie, meine Nachtgarderobe besteht aus einigen Männershirts der Größen L-XXL, auf denen in leuchtendem Gelb „Primavera Rugby – Roma“ prangt oder aber ein verwaschenes T-Shirt, das vor Jahren rosa war und nun eher „washed rosé“ wäre, wenn man es marketingträchtig benennen möchte.

Dazu kombiniere ich sehr weite, sehr bequeme, kurze Hosen. Ich habe sie damals in der Joggingabteilung eines amerikanischen Kaufhauses gekauft. Sie sind mir sicher mehr als zwei Nummern zu groß. Das macht aber nichts, da sie über ein geschicktes Schnürsystem um den Hüftbereich verfügen. Lassen Sie es mich so ausdrücken: Sie passen vor der Schwangerschaft, in der Schwangerschaft bis Woche 41 und auch danach passen sie ganz wunderbar. Des weiteren bedecken sie gerade so mein Hinterteil und ich würde alles tun, aber nie würde ich mich damit in der Öffentlichkeit zeigen.

Als ich mit Signorino schwanger war, dachte ich mit Unbehagen an die Krankenhauszeit: „Mit meiner modernen Interpretation des Schlafanzuges im Krankenhaus? Was sollen nur die Mitgefangenen Mitbewohner des Zimmers denken?“ Kummerfalten setzten sich in meinem Gesicht ab. Ich orderte kurzerhand zwei Stil(l)-Schlafanzüge. Sehr schick waren sie – und sehr teuer! Denn, Sie müssen wissen, mit Babys und Stillkleidung ist es so wie mit Hochzeiten. Sie brauchen das Wort nur zu erwähnen und alles ist 40% teurer.

Wie dem auch sei, zurück zum Thema: Seit dem Tag des Kaufs liegt dieses perfekte Set (bestehend aus zwei Schlafanzügen) in meinem Kleiderschrank, denn im Krankenhaus, nachdem ich ein Kamel durch ein Nadelöhr gepresst habe, lief ich meist in einer Jogginghose, einem bequemen T-Shirt und einer etwas längeren Strickjacke rum. Man hat nun wirklich andere Sorgen dort. Auch im Wochenbett war diese bequeme Variante mein „Outfit of the day“ – wie man so schön in sozialen Netzwerken sagt.

Doch irgendwie ließ mich das Thema mit dem lieben Nachtgewand nicht mehr los. Wie Sie sehen (oder lesen), schreibe ich sogar darüber. Es scheint mir folglich ein Bedürfnis zu sein mit Ihnen darüber zu philosophieren.

Die Fragen, die mich dabei am meisten beschäftigen, sind: Was würde passieren, wenn ich einmal ganz schnell aus dem Haus muss? Ein Brand vielleicht? Eine unerwartete Hausräumung? (aber wie unerwartet können die schon sein?) Und ich stehe da – im äußerst legerem Nachtgewand.

Doch was tun? Lange grübelte ich darüber nach. Denn ein anderes, großes Problem war: Ich konnte Igor (dem Postboten) morgens nie aufmachen, da ich mich so in meiner eigenwilligen Kreation schämte, dass ich lieber so tat als wäre ich gar nicht erst daheim.

Nach einer längeren Findungsphase kam ich zu einer Lösung: Wer achtet schon auf das „unten drunter“, wenn das „oben drüber“ doch so hübsch aussieht?

Sie ahnen es – ein Bademantel musste her. Ich durchforstete die Online Shops und stieß auf ein sehr schickes, sehr kleidsames Modell, dass mich auch bei einem Hausbrand so aussehen lassen würde als hätte ich mein Leben im Griff und würde nicht manchmal morgens um 4:30 Uhr kalte Pizza vom Vorabend essen während Signorino sein Fläschchen trinkt.

Ich bestellte diesen Traum aus dunkelblauem Stoff und hübschen, goldenen Ornamenten (die Vorliebe für osmanische Muster kommt wohl vom Römer).

Und was soll ich sagen? Ich bin seit gestern gewappnet: Es kann klingeln wer will (vor 10 Uhr morgens), ich sehe aus wie die verschlafene grand dame Frankreichsfurts mit einem schiefen Schlafdutt, Einhorn Pantoffeln UND diesem Traum aus 100% Baumwolle. Der Bademantel scheint keck zu sagen: Was für eine Frage! Natürlich habe ich mein Leben im Griff! Und Sie?

Das Darunter interessiert dann auch niemanden mehr, denn das bleibt ganz allein zwischen Ihnen und mir.