Egal! Nicht so schlimm.

Was soll man machen?

Wir sind auf dem eingezäunten Spielplatz mit Signorino. Ein paar Jungs (ca. 8/9 Jahre alt) spielen auf der gepflasterten Fläche daneben Fußball. Immer wieder fliegt der Ball über den Spielplatzzaun und landet in unserer Nähe. Der Römer kickt ihn laufend über den Zaun zurück. Die Jungs bedanken sich höflich unter „Ich küsse deine Hände/Füße/Augen.“-Rufen.

Da es immer kälter wird, beschließen wir, langsam nach Hause zu gehen. Wir packen Signorino in den Buggy und ein letztes Mal fliegt der Ball der Jungs über das dunkelgrüne Metallgatter. Der Römer will ihn wieder über die Begrenzung kicken, versagt diesmal aber kläglich und braucht drei weitere Versuche bis es ihm endlich gelingt.

Ein 8-jähriger ruft aufmunternd zurück: „Egal! Nicht so schlimm. Ich hab‘ am Anfang auch ein bisschen gebraucht, bis ich gecheckt hab‘ wie man das macht.

Der Satz bringt mich so zum Lachen, dass mir Tränen in die Augen schießen. Der Römer, der in Sachen Sport von sich behauptet, dass ihm jede Sportart leicht fällt, ist tief getroffen. Er versteckt seine Gefühle tapfer hinter seinem schiefen Lächeln.

Als mir sein unermüdlicher Kampfgeist und seine Disziplin in den Sinn kommen, muss ich unweigerlich an die HulaHoop Aktion denken und sehe ihn bereits vor meinem geistigen Auge, wie er sich heimlich im Dunkeln mit einem Fußball unter seinem Arm aus dem Haus schleicht, um auf dem Bolzplatz zu üben. Tröstend lege ich ihm meine Hand auf die Schulter und sage: „Ist doch klar, dass es nicht geklappt hat. Du befindest dich am Anfang des Ramadans und das Fastenbrechen ist erst in zwei Stunden.“ Zustimmend nickt er. Dann spricht er leidend: „Ja… in zwei Stunden! Ich fühle mich am Ende eines Fastentages komplett kraftlos. Selbst das Schuhe binden fiel mir vorhin schwer. Wie soll ich da erst einen Fußball über den Zaun kicken?“ Mitfühlend drücke ich seine Hand und bin mir gleichzeitig sicher: Bis zum Ende des Ramadans am 12. Mai wird er sich garantiert nicht im Schutz der Nacht aus dem Haus stehlen, um sein Fußballtalent auszubauen.

Für den Zeitraum danach lege ich meine Hand allerdings nicht ins Feuer. 😉

P.S.: Wie Sie sicherlich festgestellt haben, hinke ich mit den Albanienchroniken hinterher. Das liegt primär daran, dass der Römer Resturlaub hat und erst morgen wieder in ein taufrisches und vielversprechendes Arbeitsverhältnis (aber nicht bei Gelli!) schlüpft. Für mich bedeutet das, endlich wieder Zeit zum Schreiben zu finden, denn Signorinos Mittagsschläfchen wird wieder eine Oase der Ruhe sein. 😉

10 Kommentare zu „Egal! Nicht so schlimm.

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