Freitagsrapport | KW20

Falsch verdächtig

…wurde der Römer über Wochen und Monate von mir. Zugegeben, er machte es mir leicht, dass der Verdacht auf ihn fiel: Der Römer ist äußerst kälteempfindlich und so lag es nahe, dass ausgerechnet er die Heizung stets auf die höchste Stufe 5 drehte. Unter teils lautem Gezeter, teils resigniertem Geseufze, kommentierte ich die Wahl seiner Heizungsstufe. Immer wieder wies er jegliche Schuld von sich. Er sei das nicht gewesen! Und ich antwortete jedes Mal: „Na, wer soll‘s denn sonst gewesen sein?!“ Nun leben wir nicht in trauter Zweisamkeit, wie Sie wissen, sondern mit einem neugierigen Kleinkind. Und dieses beobachtete ich am Montag dabei, wie es in einer einzigen, flinken Bewegung den Heizungsregler auf die höchste Stufe drehte und davon flitzte, als wäre nichts gewesen. Dann widmete es sich anderen, mußevolleren Dingen. Zu meiner Verteidigung saß stets der Römer neben der Heizung, wenn ich mal wieder entdeckte, dass sich besagtes Heizgerät auf Stufe 5 abmühte, um den Raum karibisch-warm zu heizen. Unser Kleinkind hielt sich dabei immer weit entfernt von diesem Szenario auf. Selbstredend entschuldigte ich mich beim römischen Gatten. Da die Beschuldigung mindestens seit Februar im Raum stand, hielt ich es für angemessen, meinen Worten auch Taten folgen zu lassen. Eine große Packung voll türkischem Süßgebäck ließen den Römer die Anschuldigungen vielleicht nicht vergessen, aber zumindest verzeihen.

Zum ersten Mal getan

Signorino in die Kita gebracht. Am ersten und zweiten Tag wich er nicht von meinem Schoß. Am dritten Tag bewegte er sich in einer Umlaufbahn von anderthalb Metern um mich herum. Obwohl ich wusste, dass das vollkommen okay ist, befragte ich dennoch, leicht verunsichert, eine Suchmaschine. Dort fand ich als erstes einen Bericht einer querulanten Mutter, bei dem aus jeder Zeile Trotz, Wut und Frustration tropfte. Schnell weiter! Der zweite Artikel, den ich fand, war ein Interview mit einem Kinder- und Jugendpsychiater. Als ich ihn las, entspannte ich mich sofort und alle Zweifel waren wie weggeblasen. Die Trennung an Tag vier klappte sehr gut, berichtete man mir später, als man mich nach 30 Minuten aus dem Eltern-Warteraum holte. Gemächlich erobert er sich seinen Platz im Kitagefüge. Ein wenig schmerzt das Mutterherz natürlich, wenn man nach der ersten, kurzen Trennung ins Zimmer gerufen wird und seinen kleinen Sohn schüchtern, verloren und leicht verängstigt im Spielraum stehen sieht.

Aussicht aus dem Eltern-Warteraum. Heute hatte ich eine (!) Stunde Zeit ein Buch zu lesen.

Die Erzieherinnen sind übrigens klasse. Sehr nett, ruhig, erfahren, freundlich, höflich, unterstützend und beruhigend.

Das Fundstück der Woche

ist demnach dieses Interview des niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung mit Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Karl-Heinz Brisch. Es geht um Bindungsmuster, das nötige Feingefühl und den Einfluss der Eltern bei der Eingewöhnung. Mir half es weiter. Vielleicht zeigt es auch bei der ein oder anderen Mutter, die zum ersten Mal ihr Kind zur Kita Eingewöhnung bringt, einen beruhigenden Effekt. Wer weiß? Interessant ist es allemal!

Zum Interview bitte hier entlang!

Mein Lieblingslied der Woche

Ein luftig leichtes Lied von Francesca Michielin und Giorgio Poi, das von einem italienischen Sommer(-urlaub) träumen lässt, von einer leichten Sommerbrise, die über die nach Salzwasser riechenden Haare und über die sonnengebräunten Schultern streicht.

Mein Rezept der Woche

Heute ist es vielmehr eine Beilage, als eine komplette Hauptmahlzeit. Am Anfang des Ramadans entdeckte ich dieses Rezept und da ich in diesen Fastenwochen mehrheitlich die Hoheit über die Küche hatte, probierte ich es sofort aus. Besser hat Reis im Hause Farniente nie geschmeckt! (Der Römer widerspricht diesem letzten Satz jedoch und beruft sich auf seine gerne gegessenen Risotto-Varianten. Somit würde der römisch korrigierte Satz lauten: Besser hat Reis als BEILAGE im Hause Farniente nie geschmeckt! 😉)

Zutaten

300g Basmatireis

2 EL Butter (oder Margarine)

Salz

Zubereitung

Reis abwiegen und in einem Sieb sehr gut waschen. Solange, bis das Wasser, mit dem Sie den Reis waschen, klar wird. (ca. 2-5 Minuten)

Reis in reichlich gut gesalzenem Wasser bissfest kochen. Das dauert 8 Minuten. Eine Espressotasse voll Reiswasser abschöpfen und zur Seite stellen. Den Reis in ein Sieb abgießen, dabei den Topf richtig leerkratzen. Die Herdplatte auf niedrige Hitze (Stufe 2-3 bei 9 Stufen) herunterschalten.

In den Topf das abgeschöpfte Reiswasser von vorhin und 2 EL Butter schmelzen lassen. Dann den Reis zurück in den Topf geben und mit einem Löffel pyramidenförmig aufschichten. Dabei die untere Schicht mit der Butter nicht mit dem Rest vermengen. Mit dem Ende eines hölzernen Kochlöffels wahllos Löcher in die Reispyramide stechen. Den Topf mit einem Küchentuch abdecken und dann den Deckel auflegen. Darauf achten, dass der Topf wirklich fest geschlossen ist.

Ca. 40 Minuten auf relativ niedriger Hitze (Stufe 2-3) ziehen lassen. Wichtig: Deckel in dieser Zeit nicht abheben. Nach 40 Minuten den Herd ausstellen. Lassen Sie den Topf mit leicht geöffnetem Deckel etwas abkühlen. Das dauert ca. 20 Minuten. Nach dieser Wartezeit löst sich der Reis und besonders die Reiskruste von ganz alleine. Alternativ können Sie den Topf von außen auch mit kaltem Wasser abschrecken. Jedoch löst die Wartezeit die knusprige Reiskruste verlässlicher vom Topfboden als das Abschrecken mit kaltem Wasser.

Heben Sie nun den Deckel des Topfes ab. Legen Sie einen großen Teller auf den Topf. Drehen Sie nun das Ganze um, und hoffen, dass der ganze Reis schön herausfällt. Es sollte sich eine schöne, goldbraune Reiskruste gebildet haben, die es sich jetzt auf dem locker körnigen und duftenden Reis gemütlich macht. Die Kruste schmeckt äußerst lecker! Je größer der Topf, auch bei geringer Reismenge, desto mehr Kruste gibt es.

Natürlich können Sie auch weniger Reis nehmen. Das Prozedere bleibt das gleiche.

Sollte Reis übrig bleiben, ist das die perfekte Grundlage für einen gebratenen Eierreis. Einfach Gemüse nach Wahl in Sesamöl anbraten. Reis nach und nach dazugeben, Eier nach Geschmack. Schnell verquirlen. Einen Schuss Sojasauce et voilà!

Guten Appetit!

Quelle: chefkoch [Mein Rezept ist leicht abgewandelt bzw. ergänzt]

Jetzt aber schnell ab ins (hoffentlich auch bei Ihnen) verlängerte Wochenende!

9 Kommentare zu „Freitagsrapport | KW20

  1. Das Reisrezept klingt fein. Das werde ich mal probieren. Es klingt schrecklich abgedroschen, aber wie die Zeit rennt, merkt man wenn in einem Blog die Kinder, die eben erst geschlüpft sind, schon in die Kita kommen und an den Regler der Heizung rankommen. 😂

    Gefällt 2 Personen

    1. Es ist sehr zu empfehlen. Viel Freude beim zubereiten. 😃
      😂 Gut, dass ich nicht allein mit diesem Eindruck da stehe. Die Zeit rennt, aber man merkt es erst, wenn man das Kind eben noch von der Geburtsstation heimgeschleppt hat und jetzt antwortet es frech „Nein!!“, während es den Heizungsregler verdreht.

      Gefällt 1 Person

  2. Der Reis sieht lecker aus, seine Zubereitung scheint mir jedoch eine Kunst. Mir würde der anbrennen!🤦‍♀️😂
    Welch aufregende Zeit, die ihr da gerade durchmacht. Aber wenn der Sprössling beginnt, als verdeckter Hausmeister aktiv zu werden, ist es höchste Zeit für die Krippe!😉
    Ich würde dir gern sonnige Grüße aus Italien senden, aber ich werde mich selbst mit deinem sommerlichen Song trösten müssen, der Himmel ist dunkel und wir frieren. Und das Ende Mai.😪
    Habt ein schönes Pfingsten!

    Gefällt 3 Personen

    1. Es ist eines der seltenen Rezepte, die ich zubereiten kann. Wir sitzen kochtechnisch in einem Boot, keine Sorge. Es klingt schwierig, ist aber geling sicher und perfekt machbar, auch als Contornista. 😉 Du kannst nur gewinnen bei diesem Rezept! 😃

      Das hast du super in Worte gefasst. Er ist sowas von reif für die Krippe! 😄

      Oh nein! Auf nichts mehr ist Verlass. Nicht einmal auf die Schönwetter-Garantie, sobald man in Italien ist. Ich hoffe, ihr macht’s euch gemütlich und dreht die Heizung auf tropisch warme Temperaturen, damit zumindest etwas Sommer in Italien einzieht. 🌴 👙 🌊

      Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s