Der Freitagsrapport | KW22

Basilikum ist nicht gleich Basilikum

Der Römer bereitete ein pesto alla genovese [Basilikumpesto] zu, das von allen Familienmitgliedern, besonders aber vom anspruchsvollen Signorino gerne gegessen wird. Dazu sollte es Gnocchi geben. Die Portion für Signorino war als erstes fertig und er bekam sofort zu essen. Während ich Signorino gemächlich fütterte, hörte ich ein entrüstetes „Ma che cos’è? [Aber was ist das denn?]“ aus der Küche, gefolgt von einem „Che schifo! [Wie eklig!]“. Ein aufgebrachter Römer kam ins Wohnzimmer stolziert. In der Hand einen Teelöffel. „Amoooore!“ setzte er an, während ich Signorino einen weiteren Löffel Gnocchi in den Mund schob. „Kannst du das mal bitte probieren? Irgendetwas ist da vollkommen schief gelaufen.“, sprach er und verzog den Mund angewidert. Warum ich etwas probieren sollte, von dem der Chefkoch bereits überzeugt war, dass es ungenießbar sei, weiß ich nicht. Aber anscheinend schmecken zwei Gaumen mehr als einer. Ich kostete und tat es dem Römer nach: Auch mein Mund geriet aus den Fugen. Damit schmeckte ich offensichtlich genau das, was der Römer auch schmeckte. Das Pesto war wirklich ungenießbar.

Aber was war passiert? Konnte sich ein Profikoch wie der Römer so täuschen?

Nein, das konnte er nicht. Aber die Einkäuferin, in Gestalt von mir, hatte sich bitterböse getäuscht. So schnappte ich mir beim Einkauf zwei Päckchen Thai Basilikum, Parmesan, Pinienkerne und Gnocchi und steuerte auf die Kasse zu. Zack! Bezahlt. Und schnell wieder heim. Dort wartete der Römer mit dem hungrigen Signorino bereits auf meinen Einkauf. „Die Blätter des Basilikums sehen heute ein bisschen klein aus.“ , kommentierte der Römer meinen Einkauf. Ich nuschelte ein „Entschuldige, aber es gab keinen anderen.“, was vermutlich nicht stimmte, aber ich griff mir eben die erstbesten Packungen. Daraufhin bereitete der Römer sein Pesto zu. Ohne es vorher abzuschmecken, bekam der hungrige Signorino die erste, beinahe salzlose Portion. Dann würzte der Römer das Pesto, daddelte auf seinem Handy herum und schmeckte die Soße schlussendlich für den Erwachsenengaumen ab. Und der Rest ist Geschichte.

Wir bestellten nach diesem Fauxpas Pizza. Thaibasilikumpesto klingt zwar aufregend, schmeckt aber ganz bescheiden. Obwohl, einen Geschmack traf dieses besondere Pesto schon: Signorino aß mit Freude alle Gnocchi mit Thaibasilikumsoße auf. Als die Pizzas da waren, verschlang er zusätzlich noch ein Stück Pizza. Geschmäcker sind eben verschieden. Und wer weiß, vielleicht wird das der nächste, große Trend?

Das Fundstück der Woche

Ein ZDF Video zeigt den Lehramtsanwärter Mohamed. Ein geflüchteter Lehrer aus Syrien, der aufgrund der politischen Lage mit seiner Familie das Land verlassen musste. Mit einem Stopp in der Türkei, ist er schlussendlich nach Deutschland gekommen. Und dort hat er in nur sechs (!) Jahren Deutsch gelernt und Lehramt studiert. Wer jemals in einer Fremdsprache studiert hat, der weiß, was das für eine wahnsinnige Anstrengung bedeutet.

Hier geht’s zum ZDF-Video!

Die Kommentare (in einem sozialen Netzwerk) unter diesem Film ließen mich jedoch erschaudern. Ich hoffe inständig, dass sie nicht repräsentativ für unsere Bevölkerung sind, aber es war schlichtweg gruselig:

1. Es wurde an der Notwendigkeit gezweifelt, dass Mohamed sein Heimatland mitsamt seiner Familie wirklich verlassen musste. Ich bin mir sicher, dass jemand, der alles in seinem Heimatland aufgibt, um mit seiner Familie ins Ungewisse zu flüchten, sicher unzählige, schlaflose Nächste darüber gegrübelt, ob es nicht doch noch irgendwie in der Heimat weitergeht. Man möge sich das einmal für sich selber vorstellen. Wer würde schon, mit oder ohne Familie, ins völlig Ungewisse flüchten?

2. Seine Frau trug in der Doku ein Kopftuch. Es wurde daraufhin geschlossen, dass Mohamed ein islamischer Fundamentalist sei, der den Schülern nur versucht, seinen Glauben aufzudrängen. Hierzu empfehle ich, die Weiten des Internets zu nutzen und sich mit dem Thema Frauen und Islam auseinanderzusetzen. [An dieser Stelle habe ich immer gerne Sonjas Blog verlinkt, aber sie hat ihn leider geschlossen. Außerdem steht er auf privat.]

3. Besorgte Mütter gaben an, dass sie nicht möchten, dass Mohamed, der nach 6 Jahren immer noch (!!) mit Akzent sprach, ihre Kinder unterrichtet, da er, in ihren Augen, kein korrektes Deutsch sprach. Dass er Mathelehrer und kein Deutschlehrer ist, interessierte die missmutige Mütter-Meute nicht.

Generell wurde mir bei diesen Kommentaren ganz blümerant. Jemand lernt in kürzester Zeit Deutsch UND studiert an einer deutschen Universität. Dazu ist er nicht Anfang 20, sondern 40 Jahre alt, hat bereits Lehramt studiert und war in Syrien seit langem Mathematiklehrer. Jemand, der sich für das Studium, für das Mohamed zugelassen wurde, an einer deutschen Universität einschreiben will, muss Sprachkenntnisse auf einem B2 Niveau nachweisen (Quelle: LMU München). Da wir hier von der deutschen Sprache reden, ist das wahrlich eine Herausforderung. Deswegen ziehe ich vor Mohameds Leistung meinen imaginären Hut! Und, verzeihen Sie mir den bitteren Kommentar am Ende: Wer eine gehässige Bemerkung unter dieses Video in einem sozialen Netzwerk schrieb, dem würde ich ans Herz legen, in Syrien ansässig zu werden und dort Mathematik zu unterrichten. Natürlich mit vorherigem Studium auf Arabisch.

Der Lacher der Woche

An den genauen Grund, warum der Römer mir zwei typische, deutsche Männernamen nennen sollte, kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber an seine Antwort erinnere ich mich dafür umso besser.

Er antwortete mit den Klassikern unter den deutschen Vornamen: „Hellbert“ und „Thost“.

Vielleicht wird in Ihrer Familie gerade Nachwuchs erwartet? Schlagen Sie doch einmal den traditionsbewussten, norddeutsch anmutenden Vornamen „Thost“ vor.

Das Lied der Woche

Unser Nachwuchs ist sehr engstirnig, wenn es um die Musikauswahl im Hause Farniente geht. Einzig Balladen ist er gewillt zu akzeptieren. Die leisen Töne eben, die zum Nachdenken anregen. Bei jeder flotteren Nummer beschwert er sich lautstark, so dass gar kein Musikgenuss mehr möglich ist. Und so hörten wir letzte Woche sehr, SEHR oft dieses Lied von Ermal Meta und Elisa. Dabei musste ich an Anke denken, deren Tochter dieses Lied vermutlich auch schon trällernd zum Besten gab. 😉

Egal, ob mit Brückentag oder ohne: Starten Sie gut in dieses Wochenende, legen Sie nicht jedes Wort auf die Goldwaage und gönnen Sie sich auch mal eine Auszeit mit einem guten Buch und einem Kaltgetränk!

17 Kommentare zu „Der Freitagsrapport | KW22

  1. Thaibasilikumpesto klingt tatsächlich interessant, gut dass du uns gewarnt hast. Beim Lesen hoffte ich, Signorino würde vor euch seine Portion „in Bianco“ essen. Na, es scheint ja, dass die exotische Variante von Papas Spezialität ihm gut bekommen ist.
    Wenn mein Mann nach dem typischen deutschen Männernamen gefragt wird, dann ist es „Günther“, oder, wie er sagt „Guunta“. Er fürchtet, unsere Töchter würden sich mal einen Guunta angeln, wenn er nicht aufpasst.😉
    Meine kleine Sängerin sucht noch den Partner für Duette wie dieses.
    Habt ein sonniges WE! 🌞😀

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    1. Er schien das asiatische Tagesgericht, oder vielmehr piatto del giorno, seines Papa genossen zu haben. Eine Wiederholung wird es hoffentlich nicht geben! 😉
      Da blutet natürlich das italienische Papa-Herz, wenn er eine seiner principesse an einen Guunta verliert. Vielleicht wird es ein Marco – der feurige Halb-Italiener, aufgewachsen in Deutschland. So wie bei euch – nur andersherum. Das wäre interessant!

      Eine junge Version von dem (wie ich finde) bildschönen Marco Mengoni als Duett Partner sehe ich schon neben deiner Tochter bei San Remo 2030 stehen. 😉
      Danke, das wünsche ich euch auch! Genießt die Sonne. 🙂

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  2. In 2018 bewarb sich eine syrische Jugendliche, 2015 nach Deutschland geflüchtet, mit nahezu perfekten Deutschkenntnissen und kur vor dem Realschulabschluss stehend, um einen Ausbildungsplatz in unserer Firma Man stelle sich das vor: nur gut drei Jahre, um fast perfekt Deutsch zu lernen und einen Schulabschluss zu machen. Sie hat den Ausbildungsplatz übrigens bekommen und macht sich dem Vernehmen nach sehr gut. Und sie war nicht die einzige, in den darauffolgenden Jahren kamen noch mehr syrische und afghanische Auszubildende.

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    1. Das ist wirklich eine unvorstellbare Leistung. Ganz klasse! Und nur mit eisernem Willen zu machen. Ich freue mich sehr über solche Geschichten und noch mehr, wenn diese beeindruckende Leistung von Unternehmen geschätzt werden. Ich hoffe, sie und alle anderen fleißigen Azubis haben eine ganz wundervolle Zukunft hier in Deutschland (oder wo immer es sie dann hinverschlagen mag).

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  3. Na das nenne ich mal Fusions Küche. 😂

    Im Internet sind diese Leute auf jeden Fall lauter und haben meistens einfach keine Ahnung. Ich habe mal einem fanatischen Islamhasser (über sieben Jahre Internet Mobbing und Hetze) Bildungstechnisch auf den Busch geklopft. Ergebnis gleich Null. Nicht mal einfachste Grundkenntnisse über den Islam waren vorhanden. Ich glaube das viele da einfach ihren Frust abladen.

    Keine Bange, auf meinen neuen Blog werde ich auch über den Islam Bloggen.

    Unsere kleine Bella singt auch langsam mit und brabbelt immer mehr. Die kleinen Racker sind so süß wie sie anstrengend sind. 😂

    Liebe Grüße 🌹

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    1. Aber woher kommt das? Sehen sie das Internet als einen so rechtsfreien, anonymen Raum, wo sie ihre vollkommen idiotische und absolut uninformierte Meinung rausposaunen können? Ja, ich gebe dir absolut recht. Die meisten laden ihren Frust über ihr eigenes, tristes Leben ab.

      Das freut mich umso mehr. Nirgends habe ich so viel über den Islam gelernt, als auf deinem Blog. 🙂

      Da sagst du was! Bald kann sie mit Signorino im Duett singen. Vielleicht ein albanischer Klassiker im traditionellen Kostüm? 😉

      Liebe Grüße und hab ein schönes Wochenende ❤

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      1. Anonym würde ich nicht sagen. Viele Schreiben unter ihrem Klarnamen und verlinken auch ihre Blogs mit Fotos und Anschrift. Sie sehen die Äußerungen als rechtsfrei. Da Muslime nicht als Rasse gelten, ist das hetzten gegen solche ja auch kein Rassismus und Hetze ist es natürlich auch nie, sondern nur sachliche Kritik. 😉

        Das sind jedenfalls die Argumente, die ich in 17 Jahren am meisten gehört/gelesen habe.

        Es gab auf WordPress viel bessere Blogs als meinen, aber die sind alle nach und nach verschwunden.

        Ja, ein Duett ist schon fest eingeplant und Adem Ramadani ist als Opening Act gebucht. 😂

        Liebe trällernde Grüße 🌹

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    1. Ich denke mir immer: Man kann‘s ja gerne nachmachen, wenn alles so einfach ist. Nur Mut! 😄
      Mir scheint es auch so. Jeder darf im Internet alles ausspucken, was ihm auf der dunklen Seele brennt. Aber beim Bäcker wird nett gegrüßt! 🤪

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