WMDEDGT – August 21

Es ist mal wieder soweit: Wie jeden 5. des Monats will Frau Brüllen wissen: „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“ oder, etwas knapper, WMDEDGT?

09:05 Uhr – Nach einer grausamen Nacht, in der halbstündlich Signorino entweder seinen Schnuller verlor, kuscheln wollte, dann doch wieder nicht, dann Durst hatte, daraufhin Papa erst zu weit weg war und dann zu nah dran, klingelt mein Wecker. Der Kleine schläft selig. Der Große ist schon weg. Kaffee, Tee und Cantuccini für mich – und das in Ruhe.

10:20 Uhr – Meine Frühstückscantuccini sind versteckt, um mir das erste morgendliche Drama (Warum isst Mama Kekse und ich darf nicht?) zu ersparen. Jetzt kann ich das Kind wecken. Natürlich schläft er jetzt wie ein Stein. Das war schon so, als er noch in seiner Fruchtblase schwamm. Nachts war Party – und ab 8 Uhr hat er dann bis nachmittags geschlafen. Trotzdem bestehe ich darauf, dass er aufsteht. Wir haben schließlich um 11:45 Uhr einen wichtigen Termin. Schnelles Frühstück für Signorino. Noch schnelleres Anziehen und dann los!

11:17 Uhr Das wird eng. Wir marschieren los über die Flößerbrücke nach Dribbdebach (Sachsenhausen). Erst auf der anderen Seite fällt mir ein, dass die Überquerung der Ignatz-Bubis-Brücke einen Hauch schlauer gewesen wäre. Egal – dann laufe ich halt am anderen Ufer entlang bis zum Bürgeramt Sachsenhausen. Und laufen ist das richtige Stichwort, denn genau das ist meine Geschwindigkeit. Schließlich komme ich um 11:40 Uhr an – fünf Minuten vor Termin. Der Herr an der Rezeption des Bürgeramtes, der mir meinen Online-Termin freischaltet, weißt mich sogleich darauf hin, dass es heute etwas dauert. „15 bis 20 Minuten müssen Sie schon rechnen.“ Ich nicke. Am Ende werden es 35 Minuten Wartezeit. Ein Klacks mit einem aktiven Kleinkind. 30 Minuten verbrachten wir damit, pausenlos aus dem Bürgeramt rauszulaufen, die minimale Anhöhe herunter, um sie sogleich wieder hochzulaufen, nur um dann wieder in den Wartebereich des Bürgeramtes einzulaufen, die Arme hochzureißen, vorbei am Fotoautomat, hinein, zurück (weil Mutti schimpft) und wieder raus aus dem Wartebereich. Wir waren eine Attraktion, auf die ich gut und gerne hätte verzichten können. Schlussendlich erscheint unsere Wartenummer auf dem Display und wir rollen zu Tisch Nummer Vier. Alles wird umgeschrieben, überklebt und abgestempelt. Das ist mein viertes Stadtviertel in Frankfurt – in sechs Jahren. Ich beschließe, dass ich es damit bewenden lassen kann. Jedoch habe ich/haben wir noch nie in Dribbdebach, sondern immer nur in Hibbdebach gewohnt. Falls Ihnen das alles zu viel hibbde (hüben) und dribbde (drüben) ist und Sie am Ende nur Bahnhof verstehen: Hier wird das sehr schön erklärt.

12:40 Uhr Holdrio! Es ist vollbracht. Wir kehren, diesmal deutlich gemächlicher, nach Hause zurück und ich mache ein paar Fotos.

13:00 Uhr Ich beschließe, dass Kochen für mich jetzt gerade keine Option darstellt, also bemühe ich den hiesigen Supermarkt-Lieferdienst, der neuerdings Bowls anbietet. Einen 10 Euro Gutschein finde ich auch noch im Internet und so landen zusätzlich noch eine Packung Joghurt, Milch, zwei Franzbrötchen und eine Käsestange im Warenkorb. 14 Minuten später steht ein sehr freundlicher Jungspund vor meiner Tür und überreicht mir die Einkäufe. Ich überreiche ihm das Trinkgeld. Alle sind glücklich. Signorino isst etwas Käsestange und beginnt dann, sie zu zerfleddern, was zunächst unbemerkt bleibt, da ich meine Bowl genieße. Sie ist tatsächlich sehr lecker, was mich wiederum sehr freut.

14:45 Uhr Das Kind schläft endlich – nach einer Stunde voller Bemühungen. Der Römer ruft an und will wissen, wie es beim Bürgeramt lief. Lange haben wir nicht Zeit zu plaudern, denn seine Arbeit ruft, sowie mein Studium. Wenigstens das zweite Kapitel des wissenschaftlichen Arbeitens will ich fertig machen, bevor es mich fertig macht.

16:30 Uhr Ob ich im neuen Stadtviertel auch so viele Gelegenheiten haben werde, mein Hessisch zu perfektionieren, wie im hiesigen Quartier? Gerade stritten sich zwei Baudekorateure vor meinem Fenster und das im feinsten Hessisch. Es war eine sprachliche Fundgrube für mich. Für einen Moment musste ich mein Studienskript zur Seite legen und ein paar, besonders schöne Wörter (Hinnäääzimmä = Hinterzimmer) nachsprechen. Dann kam noch der nüchterne Sohn* von Frau Becker, der 89jährigen Dame in unserem Haus, angefahren und schrie bereits von der Straße hoch zu ihrem Balkon: „Muddäääär?! Muuuuddääär?! Ich bin’s, Mudääär!“

*Frau Becker hat auch noch einen, dem Alkohol etwas mehr zugewandten Sohn mit einem aufgeregt kläffenden Hund.

18:00 Uhr Der Römer kommt nach Hause. In der Hand trägt er Post von meinem Primärarbeitgeber. Mal schauen, ob mein Teilzeit-Gesuch anerkannt wurde. Aber ich meine gelesen zu haben, dass dieses Jahr alle Teilzeit-Erstwünsche akzeptiert wurden. Klar, in der Krise wäre ich um jeden froh, der Teilzeit arbeiten will. Das Kind verweigert seine Nudeln. Der Römer isst diese gerne und bereitwillig. Dafür bekommt Signorino Brot mit Butter (Zwieback ist aus).

19:00 Uhr Große Überraschung: Ich habe meinen Teilzeitwunsch bekommen. Leider ist es nicht der, von dem ich ausging. Wir überlegen wie wir das organisiert bekommen. Wird schon, irgendwie. Muss ja. Aber ein wenig Panik steigt in mir hoch, wenn ich daran denke. Danach Spielplatz. Hauptsächlich nutzen wir die Schaukel, dann den Sandkasten. Am Ende regnet es dicke Tropfen. Wir eilen nach Hause und das Gewitter stoppt (vorerst).

20:35 Uhr Das Kind verspeiste sein zweites Abendessen anstandslos. Der Römer ist einkaufen gegangen. Nun regnet es in Strömen. Kam das Gewitter also doch noch und hat gewartet bis es den Römer für sich alleine hat. Hm… abholen wäre mit Kind logistisch zu schwierig. Er muss vermutlich warten bis es aufhört oder aber er rennt durch den Regen.

21:15 Uhr Der Römer schreit nach Albanien. Die Damen des Hauses (Schwägerinnen, Nichte, Mutter) stehen Schlange, um Signorino zu sehen. Wirklich, das ist kein Witz. Sie stehen in einer Schlange. 😄 Ich koche, Signorino huscht zu mir. Es ist wohl zu viel weibliche Verwandtschaft. Immerhin weiß ich, dass es allen “mire” (gut) geht und uns geht es anscheinend auch “mire”. Alles mire also. Man freut sich sehr auf den Römer, der morgen (alleine – wir, Signorino und ich, wurden ausgeladen von ihm) kommt. Es sei sehr heiß. Im Süden brennt’s. Morgen kommen Helikopter aus den Niederlanden, um beim Löschen zu helfen. Danach essen wir.

23:30 Uhr Das Kind ist außer Rand und Band. Somit denkt es partout nicht ans Schlafen. Let’s call it a day, auch wenn Signorino anderer Meinung ist.

10 Kommentare zu „WMDEDGT – August 21

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