Einmal im Leben

„…einen guten Päckchen-Fahrer zu haben, das wär’s.“, denken wohl viele Mitbürger und Mitbürgerinnen. So auch mein geschätzter Blogger-Kollege Tom. In unregelmäßigen Abständen, meist, wenn er ein Produkt testet, garniert er seine Artikel mit der Odyssee wie er überhaupt an dieses Paket gekommen ist. Die abenteuerlichsten Varianten las ich schon bei ihm. Dabei bangte und hoffte ich jedes Mal bis zum letzten Satz, dass er doch noch unkompliziert und schnell an seine Versandbox kommen würde. In einem seiner neuesten Produkttests erzählte er uns Leser*innen wieder einmal davon, mit welch enormen Aufwand es verbunden war, an diese Kaffeemaschine zu gelangen. Darunter häuften sich Kommentare von ebenso unzufriedenen DHL*-Kund*innen, die Tom ihr Leid klagten.

Nur mein Kommentar stach heraus, denn ich hatte nach langer Durststrecke eine unglaubliche Erfolgsgeschichte mit DHL* zu berichten. Diese Episode meines Lebens war nur von kurzer Dauer und meine Theorie, dass es genau eine Woche im Leben eines Menschen gibt, in der einem der Paketbote hold ist, begann in dieser Woche langsam Formen anzunehmen.

Von meiner holden DHL*-Woche möchte ich Ihnen heute gerne erzählen:

Alles fing damit an, dass wir uns dazu durchrangen, die teuren, aber unverschämt bequemen Stühle beim Möbelhaus zu bestellen. Nachdem wir vor Ort Probe gesessen hatten (hier nachzulesen), verglich ich rasch im Internet, ob es noch einen günstigeren Anbieter gab. Und siehe da: Das gleiche Möbelhaus unterbot seinen eigenen Preis online um 20,- Euro pro Stuhl. Ich schlug sofort zu! Vier formschöne Stühle sollten geliefert werden. Selbstverständlich ging ich von einer Speditionslieferung aus, sollte es sich doch nicht um einfache Klappstühle handeln. Doch weit gefehlt! Das Möbelhaus war so (wahn-)witzig und beharrte darauf, sie mit den gelb-roten Paketfreunden zu verschicken.

Dazu ein kleiner Rückblick, wie es bisher mit dem DHL*Fahrer in der neuen Wohnung lief, denn wir machten bereits Bekanntschaft mit seinen Fähigkeiten. Beziehungsweise, um den Satz korrekt zu formulieren, machten wir Nicht-Bekanntschaft mit ihm. Ein wichtiges Paket sollte ankommen. Doch der Paketbote bevorzugte es, das gute Stück an die Absenderin zurückzuschicken mit dem Vermerk, dass der Empfänger (=wir) an dieser Adresse nicht wohnen würde. Das taten wir aber und zwar offiziell seit mehr als einem Monat. Unser Klingelschild, sowie das Briefkastenschild mit unserem Namen untermalte das Ganze, doch dem Paketboten war das egal. „Was der Paketbote nicht kennt, beliefert er nicht.“, war vermutlich sein Credo, das er mit eisernem Willen befolgte.

Dementsprechend grauste mir bereits vor der Lieferung der Stühle. Doch es war bereits zu spät, diese zu stornieren.

Die Tage vergingen. Die Versand-E-Mails des Möbelhauses wurden in mein Postfach gespült. Jeder der vier Stühle hatten eine eigene Versandnummer. Na, das kann ja was werden! Ersichtlich war, dass zwei Stühle an Tag 1 ankommen sollten und zwei weitere an Tag 2 oder 3. An Tag 1 kutschierte ich das Kind morgens in die Kita und fuhr postwendend zurück. Ich wollte den Paket-Boten bloß nicht verpassen. Minütlich aktualisierte ich die Sendungsverfolgung, doch sie zeigte nichts weiter an, als dass mein Paket in das Zustellfahrzeug geladen wurde. Gegen 14 Uhr fuhr ich zurück zur Kita. Dabei hoffte und bangte ich, dass der DHL*-Fahrer nicht diesen Moment abgepasst hat, um in meiner Abwesenheit ein flottes „Wir konnten Sie nicht antreffen“-Zettelchen in unseren Briefkasten zu versenken. Blitzschnell raste ich in die Kita. Die Erzieherin wollte mir noch ausführlich von Signorinos Tag berichten, doch ich würgte sie höflich, aber bestimmt mit einem „Entschuldigung, wir haben gleich einen wichtigen Termin und sind schon spät dran.“ ab. Schnell wurde das Kind in den Kindersitz gepackt und ich düste nach Hause. Auf der anderen Straßenseite sah ich bereits den DHL*-Fahrer. Da wir in einem Art Rondell wohnen, hatte er noch einige Häuser abzuklappern bis er bei uns klingeln würde. Falls er klingeln würde, denn auch das ist nicht selbstverständlich, wie ich aus der Vergangenheit lernte.

Und dann geschah das Unglaubliche: Als ich das Auto in seine Parklücke rollen ließ, muss sich irgendetwas in meinem Gehirn verklemmt haben. Anders kann ich mir meinen Gedankengang nicht erklären. Ich hievte das Kind aus dem Auto und dachte doch tatsächlich daran, schnell zum Supermarkt zu eilen. Natürlich teilte ich dies meinem Gegenüber mit. Da es sich bei meinem Gesprächspartner aber um einen knapp 2-Jährigen handelte, wies er seine bescheuerte Mutter nicht daraufhin, dass dies in Anbetracht der Umstände keine, und zwar gar keine gute Idee war. Auch als ich ihn in den Kinderwagen setzte, erwähnte er mit keiner Silbe, dass das doch fernab jeder Logik war. Er schwieg und grinste mich an. Wir wackelten also zum hiesigen Supermarkt und kauften ein. Als wir zurückkamen, Sie ahnen es, fand ich im Briefkasten einen gelben Zettel. „Leider haben wir Sie nicht angetroffen… bitte holen Sie am nächsten Werktag Ihre Pakete in der Filiale (Dingensstraße 138a) ab.

Dumm, dumm, dumm!“, fluchte ich und meinte dabei nicht den pflichtbewussten Päckchen-Fahrer, sondern meine eigene Dummheit. „Wie groß werden die Stühle schon sein?“, versuchte ich mir daraufhin einzureden, um mich zu beruhigen. Sicherlich sind die Pakete so verpackt worden, dass sie locker ins Auto passen würden. Später sollte sich jedoch herausstellen, dass gar keines dieser monströsen Pakete ins Auto gepasst hätte, da sie so hoch wie breit waren und wir leider keinen Sprinter fuhren.

So groß waren die Pakete. Der angemalte Zwerg ist Signorino mit seinen 90 Zentimetern, der sich ins Bild schmuggelte.

Ich berichtete dem Römer am Telefon von meiner misslichen Lage, während das Kind einen eben erworbenen Joghurt verschlang. Daraufhin spielten wir und während wir in ein wildes Rutschen-Spiel vertieft waren, klingelte es. Ich wollte nicht öffnen, denn schließlich erwarteten wir nichts und niemanden mehr an diesem Tag. Der DHL-Zug war sprichwörtlich abgefahren. Dann klingelte es wieder. Ich eilte genervt zur Tür und sprach ein „Hallo?! Hallo!“ durch die Gegensprechanlage. Keiner meldete sich. Daraufhin klingelte es ein drittes Mal. Ich schnappte mir das Kind und schlappte genervt mit meinen Hausschuhen ins Erdgeschoss. Bereit, dem Klingelstreich-Initiator gehörig die Meinung zu geigen sah ich… den DHL-Fahrer.

Ich öffnete die Tür und guckte ihn verwundert an. „Familie Farniente?“, fragte er und begutachtete mich mit hoffnungsvollen Blick. „Ähm…ja.„, antwortete ich und war von seiner Präsenz immer noch sehr verwirrt. „Hach, ein Glück, dass Sie jetzt zu Hause sind. Haben Sie meinen Zettel im Briefkasten gefunden?„, wollte der Paket-Fahrer von mir wissen. „Ähm..ja.“, gab ich wieder zurück, „Ich soll die Pakete irgendwo in der Dingensstraße abholen?“ Der Fahrer schüttelte den Kopf. „Nein…also ja….aber nein.„, lachte er. Ich verstand nur Bahnhof. „Ich habe bei Ihren Nachbarn geklingelt, aber niemand wollte so große Pakete annehmen. Deswegen wollte ich sie in der Filiale abgeben. Aber, als ich all die anderen Pakete ausgeladen hatte und nur noch Ihre beiden im Auto waren, taten Sie mir so Leid. Wer hat denn schon so ein großes Auto, um diese Pakete zu transportieren? Deswegen dachte ich, ich fahre nochmal bei Ihnen vorbei und versuche mein Glück. Vielleicht sind Sie ja daheim? Und siehe da, Sie sind tatsächlich daheim.“, führte er aus. Ich war sprachlos. Der DHL*-Fahrer kam extra für mich zurück, weil er Angst hatte, dass ich die Pakete nicht transportieren könnte? Wow! Wie groß mochten diese Pakete wohl sein? Der Paketbote hatte sie nicht neben sich stehen. „Ich hole die zwei Trümmer gleich mal.„, sprach’s und verschwand für fünf Minuten. Zurück kam er hinter einer Paketwand, die auf einer Sackkarre befestigt war. Nur seine gelb-rote Kappe sah man noch. „Wo darf ich sie hinbringen?„, fragte mich der DHL*-Mitarbeiter. „Ähm… in den 1. Stock, aber ich kann sie auch selber in den Aufzug zerren.“, bot ich an. „Aber nein! Die sind viel zu schwer und Sie haben ein Kind auf dem Arm.“, beruhigte mich der nette Fahrer.

Er schleppte die Stühle bis vor unsere Wohnungstür. Beiläufig erwähnte ich, dass morgen oder übermorgen nochmals zwei Pakete dieser Größenordnung ankommen sollten. „Ah…kein Problem. Wenn ich das weiß, stelle ich Sie einfach vor Ihre Wohnungstür. Sie sehen ja, dass eine Abholung bei der Postfiliale keine gute Idee ist.“ Er lachte. „1000 Dank! Das ist wirklich unglaublich nett von Ihnen.“, bedankte ich mich überschwänglich bei ihm. „Aber das ist doch klar!„, gab er wie selbstverständlich zurück. Anscheinend hatte er noch keine Gelegenheit, seine Kolleg*innen kennenzulernen…

Zwei Tage später stand er wieder mit zwei Stühlen vor meiner Tür. Diesmal plauderten wir ein wenig. Er erzählte, dass sein Chef ihn bat, aufgrund des hohen Krankenstandes in Frankfurt, auszuhelfen. Eigentlich würde er nur in Hanau ausliefern. Aber in Frankfurt sei es sehr stressig. Ich nickte verständnisvoll und konnte mir gut vorstellen, dass ein so engagierter DHL*-Fahrer in Frankfurt ordentlich ins Schwitzen kommt. Als er sich gerade verabschieden wollte, rannte ich noch schnell in die Küche, griff in unser randvolles „Olivenöl und Pasta“-Regal und zog eine Flasche feinstes Olio Extravergine di Oliva und eine Packung Pasta unseres Pasta-Herstellers des Vertrauens hervor. „Vielen, herzlichen Dank! Sie haben mich wirklich gerettet. So engagiert sind die wenigsten.“, gab ich ihm mit auf den Weg. Er wurde ein bisschen rot. „Danke, dass Sie meine Arbeit schätzen.„, sprach er aufrichtig. Dann verabschiedeten wir uns. Signorino und ich winkten ihm noch bis er aus dem Hausflur verschwunden war.

Der DHL-Bote freute sich über herrliches Olivenöl Selbstverständlich bekam er eine volle Flasche. 😄

Es gibt sie also doch, die guten und engagierten Paket-Fahrer. Aber anscheinend nur in Hanau. Vielleicht sollte ich dort über eine Zweitadresse nachdenken? 😉

*Werbung, unbezahlt und unbeauftragt

15 Kommentare zu „Einmal im Leben

  1. Danke für den authentischen Beitrag. Ich glaube jeder kann da eine DHL-Geschichte zum Besten geben. Das Übel ist allerdings, dass diese Zustelldienste mittlerweile die Welt erobert haben ! Wir sind stets bemüht, von derartigen Lieferungen Abstand zu nehmen. Diese Woche wollte ich einen neuen Drucker schnell im allseits bekannten Technikladen kaufen.
    Freundlich sagte man mir, nach einer ausgezeichneten Kaufberatung. „Bestellen Sie ihn online, dann kostet er nur 99,– EURO, statt 139,- EURO.
    Wir haben nicht bestellt! Ein anderer Anbieter hatte den gleichen Drucker mitnahmebereit auf Lager.
    Es ist im übrigen heute bei den bestehenden Kommunikationsmöglichkeiten kein Problem den Lieferzeitpunkt konkret abzustimmen! Haben da bestimmte Firmen die Macht schon erhalten, den Verbraucher abhängig zu machen….? Schönes WE , genießt die Sonne und das Leben
    Meggie

    Gefällt 1 Person

    1. Das ist eine sehr interessante Ansicht. Damit habe ich mich noch nie beschäftigt. Gerade der Fakt, dass du förmlich gezwungen wirst, im Internet zu bestellen, regt zum Nachdenken an. 🤨 Ich werde jetzt ein bisschen genauer auf die Sachen schauen, denn Recht hast du. Wenn man es gleich im Laden mitnehmen kann, warum dann im Internet bestellen? 😳
      Danke dir, das wünsche ich dir auch! ☀️
      Viele Grüße, Eva

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s