WMDEDGT – Juli 22

Der Monatsfünfte und Frau Brüllen fragt mal wieder, mit was man seine Zeit (oder Ferien) verbringt. WMDEDGT nennt sie das und hier sieht das so aus:

Ein absolut ereignisloser Tag – und los geht’s um…

07:30 Uhr Jetzt aber wirklich! Ich stehe auf. Heute ist mein Homeoffice-Tag, also brauche ich mich nicht übermäßig beeilen. Der Arbeitsweg fällt ja weg. Die erste Besprechung ist um 10 Uhr.

08:10 Uhr Der Römer weckt das Kind. Ich verstecke* mich, wie immer, im Schlafzimmer und fange an zu arbeiten. Mein Postfach ist semi-voll, eine wichtige Broschüre wurde mir zugeschickt, jedoch finde ich die Antwort meiner Frage nicht darin. Tja, nun.

*Wenn ich mich nicht verstecke, gibt es so lange Drama bis ich das Kind höchstpersönlich in die Kita bringen darf, weil das Kind Papa nicht mehr als Kita-Bring-Person akzeptieren möchte. Dann brauche ich aber kein Homeoffice machen, weil ich dann schon in der Innenstadt bin…

08:50 Uhr „Ciiiiao! Noi andiamo! [Tschühüüss! Wir gehen!]“, ruft der Römer Richtung Schlafzimmer. Dann gehen sie tatsächlich. Seltsamerweise fragt sich das Kind nie, warum Papa sich bei der Schlafzimmer-Tür verabschiedet, wenn er geht. Vermutlich verbucht Signorino diese Angewohnheit seines Papas unter „Jeder hat so seinen Tick. Lass den Alten sich mal bei der Türe verabschieden, wenn ihn das glücklich macht.“.

Bis 14:00 Uhr Verschiedene Meetings, Jour Fixe, dazwischen Recherche, Tabellen ausfüllen, englische Info-Texte fabrizieren, für was man eben so bezahlt wird. Dazwischen zwei Onigiris (danke an unseren heimlichen Foodblogger Valentin fürs Lust darauf machen in den letzten Wochen).

14:10 Uhr Ich starte den Motor und düse zur Kita. Es ist so wenig in der Stadt los, dass ich mich beim Auto fahren gar nicht aufregen muss. Ob schon alle im Urlaub sind? Selbst Radfahrer:innen mit klobigen Fahrradanhängern sind kaum vertreten. Es sind doch noch gar keine Ferien in Hessen?

14:45 Uhr Ich hole Signorino ab. Er isst einen Honigmelonenschnitz. Seine Erzieherin erzählt mir, dass er einen tollen Tag hatte. Klar, heute standen Wasserspiele auf dem Kita-Plan. Das ist Signorinos liebstes Element.

15:30 Uhr Der Römer ruft an. Das Kind will lieber Zeichentrick-Serie gucken und begrüßt Papa mit einem halbherzigen „Hallo Papa!“. Ich unterhalte mich mit dem Römer und find’s schön, ihn zu sehen. Dann muss der Römer weiterarbeiten. „Ciao Papa!“, wünscht das Kind und ist froh, dass er wieder in Ruhe seine Serie gucken kann.

16:00 Uhr Wir bauen Pizza aus Legosteinen. Ich weiß nicht, wie dieses Spiel aufkam, aber wir bauen seit gestern Lego-Pizza am laufenden Band. Fließband-Arbeit sozusagen. Ich finde die generelle Idee einer Pizza so inspirierend, dass wie just zwei Pizzen vorbestellen. Ich nehme „il solito“, also wie immer. Der Römer äußert sich nicht welche er wünscht, also nimmt er auch „il solito“. Turtle ruft mit einer interessanten Frage an: „Wie sagt man nochmal ‚einfach‘ auf Bayerisch?“ Wir reden so selten bayerisch, da ist das eine durchaus berichtigte Frage. Ich schreibe unserer Mutter, ob man tatsächlich „oafach“ für „einfach“ sagt. Es hört sich sehr falsch an… Wenn Sie die Lösung wissen, gerne auf ober- oder niederbayerisch, zögern Sie nicht und teilen Sie diese gerne mit uns.

18:40 Uhr Die Pizza verspätet sich. Dann gehe ich eben nochmal auf den Balkon. Signorino kommt mit. Er erklärt mir, welche Pflanzen wir auf dem Balkon haben. Laut Signorino haben wir sieben Erdbeer-Pflanzen, die aber in der Realität Tomaten sind. Dazu kommt noch die Gurke, die in Wahrheit ein Feigenbaum ist, und die andere Gurke, die ein Granatapfel-Gewächs ist. Und dann sind da noch die echten Gurken, die für Signorino aber „Blumen“ sind. Thymian und Rosmarin laufen unter dem Namen „Grün“ und damit ist der Balkon-Anbau auch vollständig erklärt. Das Gießen mit Kind ist wie immer ein Disaster: Die Pflanzen haben wenig Wasser abbekommen, aber das Kind ist nun gut gegossen und sehr fröhlich.

Viele Erdbeeren, Gurken und Grün.

19:30 Uhr Der Römer ist da, kurz danach kommt die Pizza an. Signorino freut sich und läuft „Pizza! Pizza!“ schreiend durchs Wohnzimmer. Dann verdrückt er zwei Stück Pizza, steht auf und baut sich mal wieder eine Lego-Pizza nach seinen Wünschen zusammen. Der Römer erzählt mir so dies und das. Unter anderem wie viel ein Patient für den Urlaub ausgibt und dass seine Kolleg*innen nicht wissen, was ein Goniometer ist. Ich habe auch keine Ahnung, bin aber auch nicht in dem Beruf tätig. Immerhin erweitere ich mein Wissen und weiß nun, dass das Gerät irgendwelche Winkel messen kann. Was es nicht alles gibt!

23:10 Uhr Das Kind schläft seit 10(!) Minuten und das nach einem Marathon des Zubettgehens. Etwas lustiges ist noch passiert. Nachdem das Kind nur Quatsch im Bett machte und den Römer und mich unterhielt, psch-te ich ihn an und sagte “SCHLAF JETZT, SIGNORINO!!!”. Er drehte sich darauf zum Römer und sprach “SCHLAF JETZT, PAPA!”. Und das tun wir jetzt auch. Let’s call it a day.

16 Kommentare zu „WMDEDGT – Juli 22

  1. Euer Balkon sieht schön und gemütlich aus. Ob nun Erdbeeren oder Tomaten… Hauptsache etwas zu naschen. Dein bayrisches oafach sieht geschrieben lustig aus, würde ich aber genauso sagen und schreiben. Also ich hier in München. Liebe Grüße

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  2. Nicht auf Mizzi hören wenn es um echtes Bayrischwissen geht, die ist bloß Münchnerin und spricht vermutlich besser Italienisch als ihre Muttersprache in echtem Dialekt ;-): meine Erinnerungen an ein Engagement in GAP lassen mich ein „oafoch“ hören. Das „oa…“der ersten Silbe ist langgezogen zu sprechen und eher weich, das „…foch“ der zweiten kurz und prägnant, punktiert also – sozusagen: es ist kaum Widerspruch erlaubt. Anders gesagt: „oafach“ tut meinem Sprachgefühl weh, wenn ich an meine Zeit unter den Lederhosenträgern denke … lassen Sie sich richtig richtiges Bayrisch daher besser von einem Wiener erklären, dessen Rayonsdialekt dem (Ur)Bayrischen recht nahekommt *kicher* … ich würde übrigens gerne hören, wie der Römer ‚oafoch‘ ausspricht … 😉
    Sonst: gelungener Tag ohne grobe Verwerfungen, nicht wahr ;-? Auch mal wieder schön…

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    1. Tatsächlich deckt sich Mitzis Aussage mit der meiner Mutter, die ein Leben lang nur Bayrisch sprach und immer noch spricht. 😄 Nun kann man meiner Mutter vorwerfen, dass sie nur 50km weg von München entfernt wohnt, aber sie spricht ein sehr solides Bayerisch, würde ich behaupten. Wienerisch gehört zu den ostmittelbairischen Dialekten, deswegen traue ich Ihrem Urteil sehr. Oa’fach guad! 😄

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      1. Ihre Antwort bzw die Meinung Ihrer werten Frau Mutter konterkarieren natürlich meine Meinung, wie phonetisch richtig gesprochenes Bayrisch geschrieben wird; ich lasse diese Ihre Meinungen nun im Raum stehen…
        Anschließend treffe ich mich nicht ganz zufällig mit einer waschechten Münchnerin zum Nachmittagskaffee und werde diese dabei um eine Expertise bitten. Es läge durchaus in der Possibilität, daß jene schonmal die umliegenden Berge von Garmisch-Partenkirchen besuchte und ebenda Kontakte zu Lederbehosten aufbaute – ich werde berichten ;-!

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      2. Mitnichten war die Quelle kompliziert bzw die Einordnung der Frage nicht einfach: „Oa’foch“ kam die Antwort ohne Zögern aus dem cafegenießerisch verwöhnten Mund, der zu diesem Zeitpunkt noch dazu bereits den größeren Teil des getunkten Butterkipferls verschwinden hatte lassen. Auf die zur Sicherheit gestellte Nachfrage, wie man dieses einfache Wort denn schriebe, kam die ebenso eindeutige Antwort „mit einem ‚o‘ natürlich“ an der inkriminierten Stelle – alles in allem: ein gelungener Nachmittag 😉 …
        Was ich heimlich vermute, seit die Frage aufkam: die Diskrepanz in der schriftlichen Form hat ihre Ursache vielleicht in der Phonetik: des verbale ‚a‘ der Bairischen Sprache wird häufig geschlossener gesprochen als jenes, das aus Göttingen kommt; in vielen Fällen könnte man das ‚a‘ wahrscheinlich mit dem nordischen ‚å‘ schreiben, um dem tatsächlichen Klangbild gerechter zu werden… was zum Glück nicht der Fall ist … 😉

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      3. Da braucht die Münchner Kaffee-und-Butterkipferl-Genießerin nicht lange nachdenken. Mit einem “o” natürlich. Sie haben natürlich völlig recht. Es ist kein offenes O wie Ohnmacht – sondern ein fast schon französisches O wie in “un (deux trois)”, das direkt zum offenen A gleitet. Aber das “å” ist eine ebenso gute Erklärung. Alles in allem: Vielen Dank für Ihr aufopferndes Kaffee-Treffen, um mein Wissen zu bereichern und meinen verkümmerten, bayerischen Wurzeln auf die Sprünge zu helfen.

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