Bloß keine Kosenamen

Wir feiern Abschied und dabei dachte ich naiverweiße, ich hätte noch ein bisschen Zeit.

Heute Nachmittag, Signorino spielte mit Legosteinen, fragte ich den Nachwuchs beim Gang in die Küche:

„Nüdelchen? Möchtest du einen Apfelschnitz essen?“

Irgendwann habe ich angefangen, ihn Nüdelchen zu nennen. Ich fand es ganz treffend. Meine Eltern nannten mich damals ab und an „freche Nudel“ und so ist das Kind der „frechen Nudel“ eben ein „Nüdelchen“. Bis dato war dieser Kosename kein Störfaktor für das Kind.

„Mama, ich heiße nicht Nüdelchen. Ich heiße Signorino.“, wies mich Signorino auf seinen Vornamen hin und konstruierte weiter an seiner Lego-Baustelle.

Ich musste ein bisschen schlucken.

„Oh ok. Und darf ich dich noch Entchen nennen?“, hakte ich bei meinem 4-jährigen nach. Er lief mir bis vor kurzem bei jedem Raumwechsel innerhalb der Wohnung nach wie ein Entenküken.

„Nein. Ich bin Signorino!“, sprach der Nachwuchs und baute weiter an seinem Kranlaster.

„Und geht vielleicht eine Abkürzung wie Rino?“, versuchte ich es nochmals hoffnungsvoll.

„Nein, ich heiße nur Signorino. Kein Nüdelchen, kein Entchen, kein Rino. Nur Signorino!“, antwortet Signorino mit der Sachlichkeit eines 4 Jahre alten Kindes.

„Okay, Signorino. Ab jetzt nenne ich dich nur noch bei deinem Namen.“, gebe ich zurück.

Aber wie verflixt schwer das ist, ihn nicht bei seinen Kosenamen zu nennen, sagt einem auch keiner. Jedesmal verbessere ich mich, wenn ich ihn doch wieder „Entchen“ nenne. Jedesmal betont das Kind, dass es nur und ausschließlich Signorino heißt.

Aber ich werde mich schon noch daran gewöhnen. Irgendwann.

Das Bild ist auch schon 2,5 Jahre her. Damals mochte Signorino noch sehr gerne seinen Kosenamen.

16 Kommentare

  1. Signorino wird groß. Schwer für die Mama, was den Kosenamen angeht. Aber vielleicht kommt er wieder. Meine Nichte hat mir den ihren kurz vor der Pupertät verboten und mit Anfang zwanzig wieder eingefordert. Er blieb dann (wenn wir alleine waren).

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