„Polizei Bautzen, Frau Pankauke* hier. Ich rufe an wegen Herrn Graf*. Sein verlorenes Kennzeichen wurde nun gefunden. Es kann bei der Polizeidienststelle in Schönau abgeholt werden. Herzlichen Dank und auf Wiederhören!“
Verwirrt gucke ich auf das Display meines Handys. Polizei Bautzen? Herr Graf? Kennzeichen? Und wie um Himmels Willen landet dieser Nachricht auf MEINER Handy-Mailbox? Es mag durchaus ein Versäumnis sein, aber ich war noch nie in Bautzen und mit Schönau habe ich auch nichts zu tun. Wo ist das überhaupt?
Ich nehme mir die Landkarten-App vor. Mein investigatives Interesse lässt mich recherchieren wie weit Bautzen von Schönau entfernt ist. Da höre ich schon aus dem Off: „Mama!!! Saurier! Da gibt es Dinosaurier.“ Signorino guckt über meine Schulter und bewundert die Bilder, die von der Suchmaschine zu Bautzen angezeigt werden. Die Stadt sieht wirklich sehr schön aus – und sie haben allen Anschein nach einen Dinosaurierpark.
Ob wir in unserem Mai-Urlaub einen Abstecher nach Dresden und einen Besuch im Saurierpark in Bautzen planen sollten? Ich will gerade anfangen zu recherchieren wie man von Dresden am schnellsten nach Bautzen kommt oder ob nicht Leipzig geeigneter wäre, da fällt mir wieder meine eigentliche Fragestellung ein: Wie weit ist Bautzen von Schönau entfernt?
Die Antwort ist gar nicht so einfach zu beantworten, weil Frau Pankauke nicht dazusagte, welches Schönau sie denn meint: Schönau-Berzdorf auf dem Eigen oder doch Schönau Ralbitz-Rosenthal? Für Bautzner ist es vermutlich selbsterklärend, welches Schönau hier gemeint ist. Für Frankfurter ist es gar nicht mal so einfach.
Ich bedaure Herrn Graf etwas und hoffe, er kommt von dort. Alleine der Gedanke, dass er „nur“ sein Kennzeichen verloren hat und nicht gleich das ganze Auto, beruhigt mich. Denn sollte er widererwartend doch nicht aus der Region kommen, dann wird er sicher autofahrend abklappern können, ob das Schönau bei Görlitz oder das andere Schönau gemeint ist. Und wer weiß? So eine Überlandfahrt durch den sächsischen Landkreis stelle ich mir durchaus attraktiv vor. Gerade jetzt, wo der Frühling langsam die Natur erweckt.
Nach dieser illustren Recherche zu Bautzen bleibt jedoch eine Frage offen: Soll ich zurückrufen und Frau Pankauke Bescheid geben, dass ich weder einen Herrn Graf kenne, noch in Sachsen wohne und schon gleich gar kein Kennzeichen verloren habe?
Es täte mir Leid für Herrn Graf, der vermutlich schon sehnsüchtig auf das Auffinden seines verlorenen Kennzeichens wartet. Derweil wurde es längst gefunden.
Nur die Info kam bei mir raus – und nicht bei Herrn Graf.
Also atme ich tief durch und rufe die Polizeidienststelle Bautzen an. „Polizeidienststelle Bautzen, Frau Pankauke hier!“, meldet sich Frau Pankauke. Perfekt, ich hatte gleich die richtige Person am Apparat! Das erspart mir eine Erklärung der Geschichte, denn sie weiß bereits, um welchen Fall es geht.
„Frau Pankauke! Eva Farniente hier! Sie hatten mir gerade so sympathisch auf die Mailbox geredet wegen Herrn Graf, dem sein Kennzeichen abhanden gekommen ist. Nur leider, und deswegen rufe ich an, kenne ich gar keinen Herrn Graf.“, erkläre ich Frau Pankauke.

„Ach, wie wunderbar, dass Sie zurückrufen.“, spricht sie und ihr sächsischer Lokalkolorit macht sie gleich noch sympathischer. „Ich hatte mich schon gewundert, dass sich eine weibliche Stimme bei der Mailbox-Ansage gemeldet hat. Aber ich dachte, Sie sind vielleicht die Frau von Herrn Graf.“
„Leider nicht. Wissen Sie, ich wohne in Frankfurt… Main. Also in Frankfurt am Main. Nicht das an der Oder. Und ich habe kein Auto mehr seit letztem Sommer. Mir wäre es nur so arg, wenn Herr Graf nichts von seinem gefundenen Kennzeichen wüsste. Deswegen habe ich zurückgerufen, damit Sie Bescheid wissen, dass ich es nun weiß, aber Herr Graf vermutlich noch immer im Dunkeln tappt.“, antworte ich Frau Pankauke.

„Wirklich toll! Vielen, lieben Dank. Ich habe die Handynummer, die er uns gegeben hat, mittlerweile vier Mal abgeglichen, aber er hat mir Ihre Nummer gegeben. Nun denn, so kann ich beruhigt in den Feierabend gehen. So ganz hat mir der Fall keine Ruhe gelassen. Jetzt notiere ich für die Kollegen ‚Telefonnummer falsch‘ und ich habe die Akte vom Tisch.“, gibt sie zurück. Beamtenbürokratie kann manchmal so einfach sein.
„Das ist doch wunderbar. Na, dann, Frau Pankauke, einen angehmene und hoffentlich baldigen Feierabend! Tschühüüs!“, flöte ich ins Telefon. Mein Gott, ist die Frau nett!
„Dankeschön und alles Gute für Sie. Auf Wiederhören!“, gibt Frau Pankauke zurück.
Ja, bei Frau Pankauke hoffe ich tatsächlich, dass wir uns mal wieder hören. Wenn ich jemals in Bautzen polizeiliche Hilfe brauche (z. B. wenn ich ein Kennzeichen verliere), weiß ich, an wen ich mich wenden würde. Meine Handynummer haben sie dort ja schon.
Nur, welches Schönau jetzt genau gemeint ist, müsste mir Frau Pankauke nochmals erklären.
*Name geändert.

Das war wirklich super nett:
Nicht nur von der Polizistin. Sondern auch von dir, sie zurück zu rufen.
Dresden ist übrigens wirklich eine sehr schöne Stadt. Den Dinosaurierpark kenne ich allerdings nicht 🤔
😘😎
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Danke dir, liebe Trude. Auch, dass du sagst, Dresden ist charmant. Ich habe es ganz groß auf unsere Mai-Urlaubsliste geschrieben. 😃
Hab einen entspannten Samstag und viele Grüße, Eva
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Liebe Eva, die Auffassung der Menschen, was angenehm und dadurch sympathisch ist, ist schon sehr unterschiedlich. „Sympathisch auf die Mailbox geredet“ – in Kombination mit sächsischem Dialekt zum Beispiel. :-D)))
Danke fürs Teilen dieser kuriosen Telefongeschichte und
viele Grüße Bea
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Vollkommen richtig, liebe Bea: Die Auffassung ist bei jedem etwas oder vollständig anders und gründet sicher auf Erfahrungen und Sozialisation. Ich
für meinen Teil muss eine Lanze für die Sachsen brechen: Sobald ich sächsisch höre, bin ich ganz selig. Das liegt daran, dass das die nettesten Fluggäste sind, die ich befördern darf. Die Bodenmitarbeiter
am Flughafen Dresden sind auch Zucker pur und deswegen schlägt man Herz ein bisschen höher, wenn ich sächsisch höre. 😄 Ich kann aber durchaus verstehen, dass man den einen Dialekt lieber mag als einen anderen. Berlinerisch schreckt mich zum
Beispiel ab und an ab. 😄 Ich kann dir nicht mal erklären, woher das kommt und es wird den Berlinern sicher nicht gerecht. 😄
Hab’s fein, liebe Bea, und starte gut in die Woche! Liebe Grüße, Eva
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Woran es bei mir liegt, ist sicher weder persönliche Erfahrung, noch Sozialisation. Es klingt einfach schrecklich in meinen Ohren…
Aber das ist lediglich MEIN Empfinden und es hat nichts mit den Sachsen als solchen zu tun, oh no! 🙂 Denn ich kenne gar keine Sachsen! 😀
Dennoch dreht sich mir der Magen, wenn ich diesen Dialekt höre…
Aber wie du schon selber sagst:
Das eine wirkt halt so, das andere so…
Anyway.
🙂
Danke für deine lieben Wünsche, die ich gerne zurück gebe – lass es dir gut gehen!
Solong, Bea
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😄😄😄 Auch das kommt vor, liebe Bea. 😄
Danke dir! Viele, liebe (dialektfreie) Grüße, Eva
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Hieß das wirklich „Polizei Bautzen, Frau Pankauke* hier.“? und nicht etwa „Bolizei Bautzen, Frau Bangauge* hier.“? Ich frage für einen Freund!
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😄😄😄 Du Fuchs! Dein Freund hat natürlich recht und es war eher deine Version. 😄 Liebe Grüße, Eva
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Dachte ich’s mir doch!
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