Schludrigkeit zahlt sich aus

Schon damals, als Schülerin, attestierte man mir, dass ich die Aufgaben der Extemporalen und Schulaufgaben gut lösen würde, würde ich sie nur ordentlich lesen.

Ab und an fällt mir dieser Satz noch auf die Füße. Eine Bank schrieb mir, dass Sie bitte noch einen Nachweis aufgrund meiner Namensänderung benötigen würden. Meine Hochzeit war vor etwas weniger als 10 Jahre und Sie werden sich fragen, warum die Bank erst jetzt nachfragt.

Die einfache Antwort ist: Aufgrund meiner Schludrigkeit.

Irgendwie habe ich es verpasst, der Bank Bescheid zu geben, dass ich umgezogen war. Mehrmals verpasste ich das sogar, so dass ich zwischenzeitlich temporär das Land verlassen hatte, wieder zurückkam und kurz danach das Bundesland wechselte.

Dann habe ich es verpasst, der Bank Bescheid zu geben, dass ich das Souvenir meiner temporären Auswanderung geheiratet habe.

Souvenir einer temporären Auswanderung, sowie Signorino, Produkt einer Aus- und Wiedereinwanderung.

Aber die gute Nachricht ist: Die Bankenwelt sucht einen mit Hilfe einer Agentur, die auf Hallodris wie mich spezialisiert ist – und das tut sie auch, wenn Sie Guthaben und keine Schulden bei der Bank haben. Das war mir neu, spielte mir aber wunderbar in die Karten.

Die genauen Umstände zu erläutern, wie und warum man ein Depot einfach vergessen kann, kann ich Ihnen an dieser Stelle nicht erläutern. Die Geschichte wäre zu lang. Sagen wir einfach: Ich hatte wenig finanzielles Fachwissen und so zahlte ich zwar fleißig Vermögenswirksame Leistungen von meinem Azubi-Gehalt ein, aber mehr wusste ich dann auch nicht darüber.

Doch die Zeiten und mein finanzielles Fachwissen änderten sich drastisch: Die Bank fand mich – und so fand mich auch mein Depot, das in 15 Jahren beachtlich gewachsen war. Und das Ganze trotz immenser Fonds-Gebühren. Wie sagte der große Kostolany damals (frei übersetzt von mir): “Investieren Sie und dann nehmen Sie Schlaftabletten. Schauen Sie das Depot (die Aktien) nicht mehr an.”

Und siehe da – es hat wunderbar geklappt.

Doch zurück zum Thema: Die Bank fand mich also. Doch mittlerweile hatte ich meinen Mädchennamen abgelegt. Ich hieß ja nun Farniente. Also wollten Sie einen Nachweis sehen, damit auch alles seinen korrekten Weg ging. Wortwörtlich schrieb die Bank: Bitte schicken Sie uns eine Ausweiskopie (Vorder- und Rückseite) oder schicken Sie uns das beglaubigte Unterschriftenblatt, welches Sie im Anhang finden.

Ich las aber kein ‘oder’, sondern ein ‘und’. Und so schob ich auch diesen Bürgeramtstermin zur amtlichen Beglaubigung des Unterschriftenblatts auf die lange Bank (Achtung: Wortwitz!).

Das Geld wartete bereits 15 Jahre auf mich. Da würden ein paar Wochen mehr auch keinen Unterschied mehr machen.

Am Freitag hätte ich den Termin beim Bürgeramt gehabt. Ich schreibe bewusst ‘hätte’, denn ich habe nochmal den Brief durchgelesen, bevor ich zum Bürgeramt stiefelte. Und siehe da – vielleicht war es meiner morgendlichen Wachsamkeit und Konzentration geschuldet – aber ich konnte plötzlich genau lesen.

So stornierte ich den Termin beim Bürgeramt und schickte meine Ausweiskopie an die Fondsbank.

Was ich mir – damals wie heute – wieder aktiver ins Gedächtnis rufen werde, ist, genau zu lesen. So schwer kann das ja nicht sein.

“Schreib den ersten Satz so, dass der Leser unbedingt auch den zweiten lesen.” Vielleicht ein Tipp für angehende Bankenbrief-Autoren?

9 Kommentare

  1. Ach, die Rente… es kommt drauf an. Was man eingezahlt hat. Aber es ist sicherlich ein erhebliches Weniger, das war immer wichtig. Denn man sollte ja nicht sehnsüchtig darauf warten, sondern solange arbeiten, wie es geht. Oder etwas länger.

    Die Rente für nur teilzeit, teilweise oder eben unversichert Berufstätige freilich, und was dies nach wie vor auch gerade für geschlechtsspezifische Auswirkungen hat, das ist ein anderes Thema.

    Aber jetzt sind wir oder zumindest die nach uns ja alle reich, da man sich auf den Aktienmarkt verläßt. Oh, das ist kein Witz, ich würde mich doch nicht über die Ideen einer Partei, die sich selbst das Wirtschaftsfachwissen attestiert, lustig machen wollen! Zukünftig werden wir alle, das doofe Klima soll uns den Buckel runterrutschen, zu den Sylter Hochzeiten fahren oder fliegen, wie’s beliebt. Ein Börsencrash ist doch nicht zu erwarten, da sitzen lauter schlaue Leute und Computerprogramme dran und ein black Friday ist ein Einkaufstag.

    Aber das war nicht das Thema, genauer lesen war verlangt! Nicht mehr auf das angelegte Geld schauen (bis es, wählt man die falsche Anlageform bzw. den falschen Berater, weg ist?). Und so lange fröhlich weitermachen.

    Wer lesen kann, ist im Vorteil. So heißt es oft. Freilich muß man diese Kulturtechnik auch noch anwenden. Manchmal – Gebrauchsanweisung auf halbjapanisches Englisch z.B. ! – höchst lästig. Oder anwenden können, wenn man sich etwa ausführlichen Formularen in einer dieser speziellen Fremdsprachen gegenübersieht. Oder die Lesebrille abwesend ist oder… Es gibt viele Einschränkungen. Bleibt also: Glück muß man haben. Dann kommt diese Sterntalermädchen – Stimmung auf!

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    • Ich persönlich fahre gut mit der Idee, mich nicht auf die staatliche Rente zu verlassen und gar nicht damit zu rechnen. ‘Spare in der Zeit, dann hast du in der Not’ ist mein Motto, wenn es um die Rente geht.

      Auf die Sylter Hochzeit des Herrn Dingens der FDP kann ich verzichten. Ihm bleibt zu wünschen, dass es bei dieser Hochzeit bleibt und er dieses Hochzeits-Invest nicht in ein paar Jahren wiederholen muss, mit einer anderen Dame.

      Genaues Lesen hat auch seine Tücken. Wobei auch bei Möbellieferungen, ganz ohne Buchstaben, nur mit Piktogrammen, der Hase im Pfeffer vergraben liegt. Egal wie lange ich darauf starre, wie genau oder ungenau, es mag ab und an nicht so recht passen, wenn ich Möbel zusammenschraube.

      Genau so ist das: Ohne Glück bringt einem das größte Können nichts. Egal ob in der Rente, in der Ehe oder beim Möbelaufbau.

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