Alltag bei Farnientes #1

Die Nacht war holprig, denn die Nachbarn von oben kehrten wieder zurück. Klein-Juda rumpelte und stampfte durch die Wohnung bis 01:30 Uhr und der Vater spielte immer wildere und aufregendere Spiele mit ihm, natürlich mit viel Geschrei.

Morgens quälte ich mich aus dem Bett, bereitete Signorinos Brotzeit vor und Schnitt mir beim Apfelschälen prompt in den Zeigefinger. Ich stoppte die Blutung (Beruhigende Erkenntnis: Gerinnung funktioniert 1a bei mir), desinfizierte und verband meinen Finger. Das Kind fragte derweil, ob es noch einen zweiten Muffin haben könne. Frisch verbunden bekam es diesen auch.

Dann klamüserten wir aus, ob Signorino denn nun in den Kindergarten gehen würde oder nicht. Sein Plan war, nach einer anstrengenden und ungewohnt langen Woche im Kindergarten, dass er Zuhause bleiben und entspannt ferngucken würde. Das Wetter war perfekt dafür, gab er an. In dem Moment ergoß sich theatralisch ein Regenschauer, so dass ich die Fenster schließen musste.

Er könne schon daheim bleiben, sagte ich, aber es wird nicht den ganzen Tag ferngeschaut und ich will nicht nach zwei Stunden hören, dass er seine Kindergartenfreunde vermisse. Nein, also wenn er schon daheim bleibe, dann wäre es das Mindeste, vor dem Fernseher zu versumpfen. Ich seufzte und brachte ihm Schuhe. Er konnte meine Konditionen nicht akzeptieren und ich seine nicht, also war der Kindergarten die beste Lösung.

Wir waren extrem spät dran, aber es regnete nicht mehr. “Mama, ich weiß gar nicht, ob der Roller durchs Wasser fahren kann.”, äußerte das Kind seine Zweifel, während ich ihn durch eine Pfütze schob. “Doch, doch, kein Problem.”, sprach ich und das besorgte Kind hegte den Verdacht, dass dann seine Schuhe nass werden würden. “Es ist ja kein See, sondern eine Pfütze. Deine Mama kann ganz gut Pfützentiefe und Reifenhöhe einschätzen.”, beruhigte ich ihn. “Na gut!”, antwortete er und runzelte weiterhin die Stirn. Dann gab er an, dass er und Tante Turtle nach der Kita einen Ausflug zum Spielzeugladen machen würden. Hier hegte ich meine Zweifel, schließlich war ich mir sicher, dass Tante Turtle nichts von ihren Glück wusste. “Kein Problem, Mama. Ich sag Tante Turtle Bescheid.”, beruhigte mich der Nachwuchs.

Na, dann. Daheim angekommen ließ ich den Staubsaugerroboter arbeiten. Mittlerweile traue ich mich auch an die Wischfunktion.

Während der Roboter den Wohn- und Essbereich durchsaugte und wischte, begann ich für die nächste Klausur zu lernen. Medienpsychologie it is. Nachdem ich das Thema vor mich herschob, ist es jetzt fällig. Ich habe mir in den Kopf gesetzt, die Prüfung noch vor den Kindergartenferien zu schreiben.

Der Römer kam heim. Wir bekamen uns ein bisschen in die Haare, weil ich fünf Mal etwas erklärte und er nickte, nur, dass er am Ende genau das Gegenteil machte. “Aber ich hab’s doch gesagt! Fünf Mal!”, beschwerte ich mich. “Ma non ti ho capito. Ich hab dich nicht verstanden.”, antwortete er. “Aber warum sagst du dann ‘Ja’, mehrmals?”, hakte ich nach. “Na, weil ich dachte, es wäre nicht wichtig!!”, motzte er.

Wir aßen dann getrennt zu mittag und bekamen uns irgendwann wieder ein.

Wenig später kam Signorino mit Turtle heim. Nachdem er eine Stunde das Regal mit Spielzeugen studierte, entschied er sich für Lego. Ein Klassiker! Tante-Turtle-Tage sind Signorinos Wochen-Highlight und ich weiß auch warum.

Gemeinsam bauten wir den Lego-Roboter auf und unterhielten uns über dies und das. Der Römer packte seinen Koffer, denn er fliegt heute Abend nach Tirana. Also vielleicht. Der Flug ist vollkommen überbucht.

Nach und nach umarmte Signorino die, die das Haus verließen. Erst Turtle, dann den Römer. “Aber ich darf sie doch vermissen!”, protestierte das Kind, so als ob ich ihm das verboten hätte. Zum Trost gab’s eine Runde Serien, während ich pasta e fagioli kochte. Es ist fast Herbst (fast 😉) und so stimmte ich mich schon mal ein.

Signorino erinnerte mich nochmal an den Plan für morgen: “Aber morgen müssen wie wieder Eis kaufen!!”

Und so war unser Freitag.

17 Kommentare

  1. Ein Tag in der Familie Farniente – es war spannend, dabei gewesen zu sein, liebe Eva. 🥳
    Möge die kommende Nacht weniger holprig und der folgende Tag kuschelig sein. Du und der Filius, macht’s euch gemütlich …
    🛋🖥🥯
    …das Wetter soll ja nicht so berauschend werden.
    Viele liebe Grüße Bea

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    • Danke dir, liebe Bea. 😃 Das freut mich! Die Nacht war zum Glück ruhig. Das ist doch schon die halbe Miete. 😄
      Hab ein feines Wochenende und nächste Woche einen super Hochsommer! ☀️ Ganz liebe Grüße, Eva

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