Es gibt einen seltsamen Status im Gesundheitszustand des Kindes: Zu krank für den Kindergarten und gleichzeitig zu fit, um nur daheim zu sein.
Dieser Status-Quo bringt mich regelmäßig an meine Grenzen. Ein krankes, schlappes Kind kann ich handeln. Kein Problem! Ein gesundes Kindergartenkind kriege ich ebenfalls hin, denn wir gehen raus oder machen etwas daheim.
Aber der Status “halb-und-halb” macht mich fertig. Das Kind langweilt sich, ist aber gleichzeitig schlapp. Ja, zu aktiv ist der Fünfjährige für eine Runde ausruhen und zu schlapp, um sich sinnvoll mit etwas zu beschäftigen. Und so wird nonstop geschnattert, gemeckert, genölt und gemotzt. Alles ist doof. Am blödesten sind die Eltern. Nasenspray ist ein Produkt aus der Hölle. Es ist zu heiß, zu kalt, das Buch zu langweilig, das Spiel zu fad. Und überhaupt hat Signorino zu wenig Spielzeuge, seiner Meinung nach. Bei diesem Punkt muss ich kurz lachen.
Denn er brachte diesen Punkt an, während ich mir an diesem Tag zum 40. Mal jaulend Legosteinchen in die Fußsohle trat, über Ben10 Aliens stolperte oder in den entlegensten Orten (Gefrierschrank – unterm Kopfkissen – Schuhschrank) Spielzeug auf- und einsammelte.

Heute haben wir das Kind also gezwungen, vor die Tür zu gehen. Nach drei (!) Tagen im Haus bekam ich Lagerkoller. Natürlich wollte Signorino nicht. Natürlich musste er.
Aber klar: Mama und Papa sind Blödmänner. Draußen war’s dann okay und frischer Sauerstoff beflügelte das Kind gleich ganz anders. Ab dem Zeitpunkt war das Kind nur noch am Babbeln.
Manchmal verfluche ich den Wortschatz des Kindes, der nie enden will. So viele Wörter in so wenig Zeit rasseln aus seinem Mund. Alle sind mathematisch-naturwissenschaftlich motiviert und behandeln entweder Dinosaurier oder Zahlen. Wenn ich nicht gerade über den Deinonychus (auf Deutsch und Englisch) aufgeklärt werde, dann wird mir vorgerechnet. Das Kind kann nur addieren, aber Zahlen bis in den Millionenraum. Die meisten Additionen sind richtig. Sein fünfjähriger Kopf braucht Futter, ist aber gleichzeitig müde und schlapp. Ein Teufelskreis!
Am Mittagstisch erzählte das Kind (O-Ton) dann, dass es seinen Beruf heute nicht ausüben könne. Es war darüber sehr traurig. Was denn sein Beruf wäre, fragte ich. „Spielen! Hauptsächlich spielen – im Kindergarten.“, antwortete Signorino. Doch er sei krank und müsse heute daheim bleiben. Manchmal denke ich, ich diskutiere mit einem 70jährigen Professor im Ruhestand.
Aber wenn er seinen Beruf wieder ausüben könne (wirklich, er sagte “Beruf ausüben”), dann solle ihn Tante Turtle bitte vom Kindergarten abholen. Er klang sehr ernst. Man merkte, dass ihm das ein dringendes Bedürfnis war.
Wir versprachen, dass Tante Turtle ihn abholen werde und ich schrieb sie an, um zu fragen, ob das auch gehe. Zum Glück ja. Ein Drama weniger.
Sicherheitshalber lassen wir das Kind morgen noch daheim. Mit dem Status „halb krank-halb gesund“ sollte niemand seinen Beruf ausüben müssen. 😉
Aber ja, mein Nervenkostüm ist seidenpapierfein. Ich hoffe, dass Signorino bald wieder ganz fit ist.
Zum Glück habe ich morgen Mittag eine Routineuntersuchung beim Arzt. Das ist auch eher selten, dass man sich auf einen Arzttermin freut. Ich hoffe, sie lassen mich schön lang im Wartezimmer warten und ich kann mal durchatmen. 😉


ist halt viel italienisches Temperament ?
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Oder die Absenz von Spielkameraden? Mama und Papa können anscheinend nicht so viel Unterhaltung bieten. 😉
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Oh man, ich kann so gut mit dir mitfühlen, denn im Moment habe ICH diese halb krank, halb gesunden Kinder in der Schule. Und sie sind mindestens genauso anstrengend und nervenaufreibend, weil auch sie nur zanken, nöhlen, zetern und zwischendrin husten, schniefen und niesen.
Was soll ich sagen: Hoffen wir auf bessere Zeiten! 🙂
Und zu deinem Text etwas grundsätzliches: Ich liebe deine Art zu schreiben, denn sie lässt mich mitlachen, mitfiebern, mitverstehen! Danke für diesen wieder einmal wirklich tollen Beitrag, auch wenn es dir sicher gerade nicht so nach Lachen ist! 🙂
Ich schicke dir ein paar stärkende Gedanken zum beruflich.., ähm spielenden Aushalten der Notlage. 🙂
Viele Grüße Bea
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Och ne, du Arme! Du hast also das Gleiche in grün, nur dass deine Möglichkeiten in der Schule noch limitierter sind als daheim (ausruhen ist vermutlich eher schwierig…) + es ist nicht nur ein Kind, sondern viele. Ich fühle mit dir! Bald ist der Winter vorbei. 😃
Herzlichen Dank, liebe Bea. Das freut mich unglaublich und das Kompliment kann ich nur zurückgeben. 😃💚
Die schicke ich dir auch! Chaka! Wie schaffen das. 🤞🏻 Liebe Grüße und auf ein baldiges Wochenende, Eva
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Auf baldige Gesundheit und Seelenfrieden, heb ich da meine Kaffeetasse.
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Herzlichen Dank, liebe Sonja und wie schön, wieder von dir zu lesen. 😃
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Das Phänomen ist bekannt (und bei alledem muß man sich auch an die eigene Nase fassen. Wie ist man denn so, kränkelnd?). Immerhin waren es bei uns drei Kinder, die nie gleichzeitig krank, hungrig, müde oder sonst was waren. Und ja, zu wenig Spielzeug hatten sie auch (das stimmt. Das können sie sogar beweisen! Ich verweigerte doch glatt einen Gameboy! – Worauf sie sich im Keller ein Stück Kantholz suchten, es bearbeiteten und mit Alufolie beklebten, bemalten und darauf spielten. Ich bin heute noch stolz auf meine Verweigerungshaltung!), um welches dann auch manch heißer Streit entbrannte. Z.B. zwei Bobbycars für die Zwillinge, beide rot – na? Natürlich war der andere der Bessere! Nein, dieser andere! Der, den der andere nicht hergeben will! –
Dinosauriermemory wurde bei uns übrigens so gespielt, dass selbstverständlich der Name des Tieres dazu zu nennen war. Sonst gilt der Fund nicht! Auch das führte zu einigen lustigen Ereignissen (es waren ja nicht nur Dinos, auch nach wie vor in lebendiger Form existierende Tiere wurden genauer Betrachtung unterzogen). Ich bin nach wie vor der Meinung, dass man derlei gar nicht früh genug einüben kann. Die Tiere eignen sich auch für Rechenaufgaben und anderen per se langweiligen Schulstoff: „Wenn drei Velociraptoren einen Protoceratops angreifen und der…“ Ach, geradezu unbegrenzte Möglichkeiten!
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Das stimmt allerdings. Man ist natürlich auch kein energiegeladener Sonnenschein, wenn man krank ist.
Das mit dem Gameboy ist genial. Eine gute Entscheidung, die die Fantasie der Kinder schulte. 😃
Irgendwie vergehen die Tage schon. Die Möglichkeiten sind ja schier unendlich. Und solange es Kaffee gibt, vergehen auch die durchhusteten und -schnupften Nächte irgendwie.
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Ich genieße gerade, durchaus mit Mitgefühl versehen, die Nöte der jungen, stillenden Mütter (und der zugehörigen Väter), da wir ja seit letztem Jahr zwei Enkel haben. Da steigen all die Erinnerungen wieder auf, die schönen und die anderen…
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Das ist sicher spannend, es aus der zweiten Reihe zu beobachten. 😃
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Man ist, auch von seinen eigenen Erinnerungen gesteuert (getriggert sagt man da wohl heute), versucht, noch viel mehr dreinzureden und sagt dann nur: „Bei dir war das so…“
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Eine herausforderne Kombination. Bestimmt auch der Wortschatz – wobei der von außen betrachtet auch großartig ist. Den Beruf nicht ausüben können gefällt mir sehr. Und irgendwo hat er ja recht, der Signorino 🙂 Gute Besseserung und dir gute Nerven.
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Ein exzellentes Beamtendeutsch, würde ich sagen. 😄 Danke dir, liebe Mitzi!
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Braucht man, wenn man seinen Beruf als Kind krankheitsbedingt nicht ausüben kann, eigentlich eine Krankschreibung zur Vorlage bei den Eltern?
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Gute Frage! Ich werde das morgen Früh ansprechen bei Signorino, denn eine Lohnfortzahlung von uns Eltern kann er ohne Attest eigentlich nicht erwarten. 😉
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