Darf ich Sie was fragen?

Ich habe meinem Vater eine meiner Geschichten geschickt. Erstens, weil ich es schön fände, dass er weiß (bevor er irgendwann nichts mehr weiß…), dass ich gerne über mein Leben schreibe. Zweitens, weil ich seine Meinung sehr schätze.

Er war so lieb und hat sich die Zeit genommen, mir ein ausführliches Feedback zu schreiben, wofür bin ich ihm sehr dankbar.

Seine Quintessenz war folgende:

Ihn irritierten die Namen. Mit „Der Römer“ konnte er nichts anfangen. Er wollte den richtigen Namen seines Schwiegersohnes lesen. Oder zumindest einen existierenden Namen und kein Synonym. Ich hingegen bin so an die Namen wie „Der Römer“, „Signorino“, „Turtle“ gewöhnt, dass mir dieser Punkt gar nicht in den Sinn gekommen wäre.

Was mir aber in den Sinn kam, war, dass ich Sie fragen könnte. Denn ich bin mir sicher, dass Sie eine Antwort auf die Frage wissen:

Wie halten Sie’s mit den Namen? Bevorzugen Sie lieber Namen wie „Gianluca“ oder finden Sie es angenehmer z.B. den Römer unter dem Namen „Der Römer“ zu kennen?

Meinungsäußerung verboten

Als ich noch nicht schwanger war, hätte ich es nicht für möglich gehalten.

Die Schwangerschaft wird zum öffentlichen Event.

Jeder – und zwar wirklich jeder – hat eine Meinung zu meiner Schwangerschaft. Das würde mich auch wenig stören, wenn mein Gegenüber es für sich behalten könnte.

Da fragt die Verkäuferin im hiesigen Supermarkt wie „weit ich bin“. „Im 6. Monat.“ antworte ich freudig. „Aaaaaach! Da stimmt aber was nicht?! Ihr Bauch ist ja viiiiiiel zu klein. Haben Sie das mal mit dem Frauenarzt besprochen?“ antwortet sie belehrend.

Nein, gute Frau, habe ich nicht. Denn, wenn etwas nicht in Ordnung wäre, bin ich mir sicher, dass mein Frauenarzt mir das in den letzten, monatlichen Untersuchungen ganz sicher mitgeteilt hätte.

Eine Kollegin des Römers begrüßt mich letztens fröhlich in der Arbeit. Ihr Blick wandert automatisch auf meinen Bauch. An diesem Tag trage ich ein weites, langes Sommerkleid. Darin fühle ich mich wohl und nichts klebt an meinem Körper. „Ooooch Menno!“ sagt sie. „Jedesmal trägst du weite Sachen! Man kann überhaupt keinen richtigen Blick auf deinen Bauch erhaschen. Das finde ich echt doof.“ Ich starre sie an und hebe eine Augenbraue. Das hält sie anscheinend nicht davon ab weiterzumachen. „Ich finde das so toll, wenn Schwangere enge T-Shirts tragen. Seine Kugel kann man doch mit stolz zeigen. Du brauchst dich nicht schämen.“

Oh wow. Da ist es wieder. Jemand, der mein weites Sommerkleid bei 38 Grad interpretiert. Ich beschließe mich nicht zu rechtfertigen (warum auch?) und lächle nur müde.

„Das wird sicher ein Junge. Das sehe ich an der Bauchform. Deine Schwester ist sich auch sicher, dass es ein Junge wird. Es kann nichts anderes sein.“ äußert meine Mutter bei ihrem Besuch letzte Woche. „Aha.“ antworte ich, denn ich bin zu müde um diese Theorien zu diskutieren. „Frauen, die mit einem Mädchen schwanger sind, werden zu einer Tonne. Die kriegen einen richtigen Schwimmreifen. Aber bei dir wächst alles nach vorne und du hast einen ganz kleinen Bauch.“ fährt sie fort. „Na ja, Mama, das liegt vielleicht 1. an der Genetik und 2. daran, dass ich generell nicht besonders viel auf die Waage bringe.“ rechtfertige ich mich dann doch. „Ne, ne. Das ist 100% ein Junge. Ich habe vier Kinder und bei allen konnte ich es an der Bauchform sehen.“ entgegnet sie mir. Na dann, wenn das 100% so ist, kann ich mir ja die Ultraschall-Untersuchungen sparen, wenn jeder schon alles weiß.

Am nächsten Tag sind wir in der italienischen Tagesbar von Giovanni. Auf der Karte stehen Ravioli mit Meeresfrüchten gefüllt. Wir kennen Giovanni seit Jahren und er ist ein guter Freund vom Römer und mir geworden. Nicht zum ersten Mal bestelle ich die Ravioli mit Meeresfrüchten. Ich blicke in das entsetzte Gesicht meiner Mutter. „Bist du dir sicher, dass du Meeresfrüchte essen darfst?“ sagt sie schockiert und ihre Stimme überschlägt sich fast. „Äh… ja. Es ist ja alles gekocht. Die Meeresfrüchte kommen aus dem Tiefkühler und nicht aus einem Tümpel. Ich sehe da kein Problem.“ antworte ich – bemüht ruhig zu bleiben. „Na, wenn du da so viel Gottvertrauen hast….“ erwidert sie. „Ja, habe ich.“ gebe ich kurz zurück. Innerlich verdrehe ich die Augen. 🙄

Gestern im Supermarkt, ich vor dem Käseregal flanierend und nach Feta und Mozzarella Ausschau haltend, finde die beiden Sachen schlussendlich. Neben mir eine Frau um die 50 Jahre. Wir haben uns – da bin ich mir sicher – noch nie gesehen. Ich greife beherzt zwei Packungen Feta und drei Packungen Mozzarella. Sie guckt erst mich, dann meine „Teufelsware“ und dann meinen Bauch an. Und dann wieder mich. Und meinen Bauch. „Sie wissen schon, was Sie da gerade in der Hand haben?“ bennent sie das Unmögliche. „Äääh… Moment – ach, hier stets: Feta und Mozzarella.“ antworte ich, gefasst auf eine dämliche Antwort. „ABER SIE SIND DOCH SCHWANGER!!!“ stößt sie aufgeregt und entgeistert hervor. „Wissen Sie denn nicht, dass Sie das gar nicht essen dürfen? Das ist eine riesen Gefahr für Ihr Kind!!“ Ich überlege kurz. Bevor ich ihr erkläre, dass diese Käsesorten pasteurisiert sind und keinerlei Gefahr davon ausgeht, beschließe ich einen anderen Weg einzuschlagen. „Ich bin nicht schwanger – ich bin nur dick geworden. Und jetzt entschuldigen Sie mich!“ antworte ich knapp – in mich hineinlachend. „Oh…oh….“ stammelt sie. „Ääähm.. also, es sah aber aus als wären Sie schwanger.“ Sie läuft hochrot an. „Danke, Ihnen auch einen schönen Tag!“ gebe ich ihr entgegen – mit gespielter Tragik. Ich gehe und verstecke mich bei den Haushaltswaren – wo ich erstmal beherzt lache.

Tja, 1:0 für mich!

Du machst deins und ich mach meins

„Ich möchte keine Latte-Macchiato-Mutter werden.“ ist mein Leitsatz. Immer noch. Und ausgeprägter denn je.

Ich sehne nicht den Moment herbei, ein viel zu enges Streifenshirt anzuziehen, nur damit mich Bekannte oder gar Fremde darauf ansprechen, ob ich wohl schwanger sei. Ich trage gerne luftige Sachen. Und so können es die meisten nicht erahnen und wenn, dann sieht es jetzt im fünften Monat eher nach Blähbauch als nach Schwangerschaftsbauch aus.

Auch beim Schwangerschafts-Yoga wird man mich nicht finden. Ich werde keine von den gertenschlanken Hafermilch-Decaff-Latte Muttis sein, die sich seelig über das viel zu enge Yogaoberteil streicheln und seit dem Ersttrimester Screening und der DNA Analyse wissen, dass es eine Lina Sophie anstatt eines Ben Collin wird. Zumal wir kein Ersttrimester-Screening wollten. Wir nehmen unser Kind genauso wie es uns gegeben wird. Und wenn es an Trisomie 21 erkrankt ist, so ist es immer noch unser Kind. Egal wie es geboren wird.

Man findet mich auch nicht vor Glück seufzend in Babygeschäften, wo ich Strampler für 30 Euro kaufe und mir vorstelle wie Lina Sophie oder Ben Collin darin aussehen. Stattdessen kaufe ich Bekleidungspakete für Neugeborene bei einem bekannten deutschen Online Aktionshaus. Die gebrauchten Strampler haben mehrere Vorteile: 1. Sie sind meistens Topware, die kaum getragen worden sind, weil Babies nun mal schnell wachsen. 2. Frei von Chemiespuren, die sich nach dem Kauf meistens noch in der Kleidung befinden. Durch das häufige waschen, verschwinden sie aber komplett. 3. Sie schonen den Geldbeutel und 4. Man kann sie danach noch weiterverkaufen.

Gegen die Vorstellung eines Geburtsvorbereitungskurses wehrte ich mich auch. „Seit Millionen von Jahren gebären Frauen Kinder. Warum sollte ich mich denn mit einem 10-stündigen Kurs darauf vorbereiten?“ erwiderte ich, wenn mich jemand danach fragte. Der Andere guckte schockiert und sagte, dass das wohl das mindeste ist, wenn ich mich schon dem Schwangerschafts-Yoga und einer Babyshower-Party verweigere.

Also suchte ich heute danach und was soll ich sagen? So wie ich denken wohl sehr wenige. Im Oktober sind alle Kurse ausgebucht (außer der englischsprachige) und im November ist’s schon zu spät für mich. Ich werde nochmals recherchieren müssen, ob sich nicht doch einer auftut. Oder aber ich gehe in den englischsprachigen. Das wäre auch ok, finde ich!

Ich bin und werde keine schlechte Mutter, nur weil ich mich verweigere in großen Müttertrauben zu fünft, sechst oder siebt, Kinderwagen am Fluss entlang schiebend, meinen Latte Macchiatto zu schlürfen und über den Stuhlgang der Babies zu diskutieren. Meine Schwangerschaft ist kein Event.

In neun Monaten entsteht ein wunderbarer, kleiner Mensch, den wir fest in unsere Arme schließen und nie wieder hergeben. Aber wir müssen kein mehrtägiges Fest daraus veranstalten. Alles, was für mich zählt, ist unsere kleine Familie. Das muss ich auch nicht bei den gängigen sozialen Medien publizieren – mit Ultraschallbildern und Herzchen-Smileys.

Auch unser kleiner Bambino hat ein Recht auf Privatsphäre. Allein deswegen wird es keine Bilder bei Messenger-Diensten und sozialen Netzwerken geben. Auch nicht von hinten und auch keine Hand oder ein Fuß. Wir sind zum Schutz und zum Wohlergehen unseres Kindes da und nicht zur Selbstvermarktung.

Wer sich dafür oder dagegen entscheidet, hat meine vollste Unterstützung. Oder wie meine Oma zu sagen pflegte: „Du machst deins und ich mach meins. So mach ma’s dann, gell?“

Die Gastronomie ist nicht für jedermann

Was würde man wohl eher bevorzugen, wenn man keine andere Wahl hätte? Ein Café mit schlechtem Service, aber guten Produkten oder ein Café mit gutem Service, aber schlechten Produkten?

Es gibt ein Café in unserer Stadt, das tolle, qualitativ hochwertige Produkte hat. Ich lernte es vor drei Jahren kennen und lieben. Der Service war flott, freundlich und charmant. Jede Woche ging ich gerne hin und freute mich auf „mein Café“. Denn irgendwann wird aus einem Café das eigene Wohnzimmer, in dem man sich wohl und – soweit würde ich gehen – geborgen fühlt.

Doch irgendwann verschlechterte sich der Service. Nicht nur ein bisschen, sondern eklatant. Ständig gab es neue Servicekräfte und ständig schien einer lustloser als der andere. Es schien als würden sie einem einen Gefallen tun, wenn sie einen halbherzig bedienten.

Da ich das Café nicht aufgeben will, weil ich wirklich, wirklich überzeugt war, gehe ich alle 4-5 Monate hin und versuche auf’s Neue mein Glück.

Was soll ich sagen? Es war wie immer. Schlechter, lustloser Service. Gute Produkte. Der Andere, der mich begleitete, raunte mir zu: „Ich ahne schon wieder wo das hinführt.“ als wir nicht zurück gegrüßt worden sind beim Reinkommen. Wir wurden ignoriert. Frei übersetzt heißt das: „Sie sind nicht willkommen hier.“

Vielleicht schulde ich euch/Ihnen eine kurze Erklärung. Der Andere und ich lernten uns in der Luftfahrtbranche kennen, in der wir immer noch tätig sind. Der Andere, ein Service Genie, ging bald darauf auf eigenen Wunsch in die erste Klasse und lieferte einen tollen Service ab. Er war flink, charmant, las jeden Wunsch von den Augen ab und lies jeden Gast spüren, dass er mehr als willkommen ist. Das selbe tat er sowohl in der Geschäftsklasse als auch in der Touristenklasse. Man sah eindeutig auf welcher Seite des Flugzeuges er arbeitete und auf welcher die mürrische Kollegin arbeitete.

Ich bin keine geborene Servicekraft, wandte aber die Regeln an, die ich selber in einem Restaurant für richtig und wichtig erachte. Dazu gehört: Ich möchte mich willkommen fühlen und zwar von Anfang bis Ende. Meine Fragen sollten höflich und kompetent aufgenommen und beantwortet werden. Leere Teller, vor denen ich mehr als fünf Minuten sitzen muss, machen mich nicht glücklich. Ich möchte kein leeres Glas haben: Entweder es wird abgeräumt, weil ich keinen Durst mehr habe oder es wird mir aufgefüllt. Es ist gar kein Problem, wenn etwas nicht vorrätig ist oder daneben geht. Darüber kann man hinweg sehen, wenn man charmant und freundlich bedient wurde und wird.

Es ist auch nicht jeder für den Service geboren. Ich würde durchaus behaupten, dass es eine Kunst ist. Das merkt man auch, wenn man in der Schweiz ist. Das kleine Nachbarland ist uns Lichtjahre voraus, wenn es um exzellenten Service geht. Nie war ein Service charmanter, diskreter, weder aufdringlich, noch nachlässig. Man kannte seine Produkte, man begleitete das Essen mit allergrößtem Engagement und Motivation. Man fühlte sich willkommen – vom ersten Moment der Erscheinens bis zum letzten Moment des Verabschiedens. Man war in erster Linie Gast und in zweiter Linie zahlender Kunde.

Selbst wenn das Produkt an einem Tag nicht optimal ist, kann man darüber hinwegsehen. Man merkt es an, es wird höflich entgegen genommen und versucht, das Problem zu beheben und dem Gast einen schönen Abend zu bereiten. Denn der Gast wird sich an das Beschwerdemanagement weitaus besser erinnern als an die versalzene Suppe. Und so gewinnt man Stammkunden. Warum sollte ich an einem Ort mein Geld lassen, an dem ich nicht willkommen bin?

Ein herzlicher (und nicht halbherziger) Service zeichnet wahre Gastfreundschaft aus. Und darum geht’s doch bei jedem Job: Mit Herzblut dabei zu sein. Auch bei einem Studentenjob. Denn es gibt sicher noch unzählige, andere Ideen wie man Geld verdienen kann. Es muss nicht immer der Job im Café oder im Restaurant sein.

Ramen Nudelsuppe in Nagano, Japan. Der Service war – wie in Japan üblich – erstklassig.

Mahmood, der ESC und die Lega Nord

Italien ist nicht nur Sonnenschein und dolce vita. Italien ist auch ein Land, in dem Rassismus herrscht, genau wie in jedem anderen Land. Xenophobie, die Angst vor dem Fremden, ist das, was wahrscheinlich die meisten antreibt, wenn es um rassistische Sprüche oder Taten geht.

Momentan ist Mahmood der italienische Anwärter auf den ESC Titel. Mahmood, geboren 1992 als Alessandro Mahmoud, ist der Sohn einer sardischen Mutter und eines ägyptischen Vaters. In seinem ESC Song singt er herzergreifend über das Verhältnis mit seinem Vater. Ein wunderbares, abwechslungsreiches Lied – wie ich finde.

Als er das diesjährige San Remo Festival gewann und sich damit für den Eurovision Song Contest qualifizierte, twitterte der bekannte „Lega Nord Leader“ Matteo Salvini folgendes: „#Mahmood…………… mah………… La canzone italiana più bella?!? Io avrei scelto #Ultimo, voi che dite?? #Sanremo2019“ – Wörtlich übersetzt wäre die Bedeutung: „#Mahmood……….. nun…… Das schönste italienische Lied?!? Ich hätte ihn auf den letzten Platz gewählt, was denkt ihr?? #Sanremo2019.“

Vielleicht hätte man weniger in diese Zeilen interpretiert, wäre Salvini und seine Lega Nord nicht dafür bekannt, dass sie extrem rassistisch sind. Mahmood reagierte gelassen: „Es ist halt nicht sein Musikgeschmack.“ Ja, so hätte man das auch verstehen können. Klar, es ist nur eine Meinung und mit Meinungsfreiheit müsste sich der ehemalige Journalist Salvini eigentlich gut auskennen.

Ständig twittert er hetzerische Videos und die dazugehörigen, schneidigen Untertitel, die ein wahres Feuerwerk des rechten Denkens abbilden. Vielleicht hätte er sein Geschichtsstudium damals in Mailand nicht abbrechen sollen, wenn er doch anscheinend so wenig über die Immigrationsgeschichte Italiens weiß. Vielleicht hätte er sich mal fragen sollen, warum Marsala (Marsa Ali = Der Hafen Alis) in Sizilien so heißt – und zwar bis heute. Oder vielleicht sollte er sich lieber Gedanken machen wie man eine hilfreiche und humane Lösung für alle Beteiligten findet, denn ich bin mir sicher: Kein Mensch verlässt sein Land, seine Familie, sein gewohntes Umfeld um auf einer Reise quer durch die Sahara sein Leben auf’s Spiel zu setzen. Nur um dann auf einer undichten Nussschale über das Mittelmeer zu segeln.

Salvini ist für mich nichts weiter als ein Clown. Das erklärt auch, warum er ständig die Kopfbedeckungen der Carabinieri, Feuerwehrmänner oder Polizisten trägt. Vielleicht wäre ein Job im Kindergarten geeigneter für ihn. Aber dazu bräuchte man ja soziales Feingefühl.

Aber zurück zu Mahmood. Ich finde ihn ganz wunderbar. Ein aufgeweckter, junger Mann, der aus einer binationalen Ehe entstammt. Ist es nicht das, was Italien endlich braucht? Ein modernes Märchen, dass Mahmood den ESC gewinnt? Ich würde es ihm wünschen. Ihm und all den jungen Italienern, die ehrlich interessiert an der Herkunft des Gegenübers sind, dies aber nicht als Waffe benutzen. Ist es nicht die Vielfalt, egal ob religiös, kulturell oder ethnisch, die uns beim Austausch untereinander hilft?

Ich finde es ganz wunderbar, wenn ich zum Abendessen am Ende des Ramadans eingeladen werde um mit meinen Freunden und Nachbarn an großen Tafeln zu feiern. Und sie finden es wunderbar, wenn sie Weihnachten bei uns unterm Christbaum sitzen. Sollten wir nicht einfach voneinander lernen als gegeneinander zu kämpfen? Wie froh bin ich hier zu wohnen, wo ich jeden Tag auf’s Neue andersartige Geschmäcker, Gewürze und Gerichte kennen lernen darf. Wie froh bin ich, dass hier jedes zweite Kind einen Migrationshintergrund hat, denn genau das erweitert doch unseren Horizont. Wie froh bin ich, dass unser Kind genau das erleben darf. Diversifikation ist doch das, was uns neugierig macht um uns schließlich weiterzuentwickeln.