Du machst deins und ich mach meins

„Ich möchte keine Latte-Macchiato-Mutter werden.“ ist mein Leitsatz. Immer noch. Und ausgeprägter denn je.

Ich sehne nicht den Moment herbei, ein viel zu enges Streifenshirt anzuziehen, nur damit mich Bekannte oder gar Fremde darauf ansprechen, ob ich wohl schwanger sei. Ich trage gerne luftige Sachen. Und so können es die meisten nicht erahnen und wenn, dann sieht es jetzt im fünften Monat eher nach Blähbauch als nach Schwangerschaftsbauch aus.

Auch beim Schwangerschafts-Yoga wird man mich nicht finden. Ich werde keine von den gertenschlanken Hafermilch-Decaff-Latte Muttis sein, die sich seelig über das viel zu enge Yogaoberteil streicheln und seit dem Ersttrimester Screening und der DNA Analyse wissen, dass es eine Lina Sophie anstatt eines Ben Collin wird. Zumal wir kein Ersttrimester-Screening wollten. Wir nehmen unser Kind genauso wie es uns gegeben wird. Und wenn es an Trisomie 21 erkrankt ist, so ist es immer noch unser Kind. Egal wie es geboren wird.

Man findet mich auch nicht vor Glück seufzend in Babygeschäften, wo ich Strampler für 30 Euro kaufe und mir vorstelle wie Lina Sophie oder Ben Collin darin aussehen. Stattdessen kaufe ich Bekleidungspakete für Neugeborene bei einem bekannten deutschen Online Aktionshaus. Die gebrauchten Strampler haben mehrere Vorteile: 1. Sie sind meistens Topware, die kaum getragen worden sind, weil Babies nun mal schnell wachsen. 2. Frei von Chemiespuren, die sich nach dem Kauf meistens noch in der Kleidung befinden. Durch das häufige waschen, verschwinden sie aber komplett. 3. Sie schonen den Geldbeutel und 4. Man kann sie danach noch weiterverkaufen.

Gegen die Vorstellung eines Geburtsvorbereitungskurses wehrte ich mich auch. „Seit Millionen von Jahren gebären Frauen Kinder. Warum sollte ich mich denn mit einem 10-stündigen Kurs darauf vorbereiten?“ erwiderte ich, wenn mich jemand danach fragte. Der Andere guckte schockiert und sagte, dass das wohl das mindeste ist, wenn ich mich schon dem Schwangerschafts-Yoga und einer Babyshower-Party verweigere.

Also suchte ich heute danach und was soll ich sagen? So wie ich denken wohl sehr wenige. Im Oktober sind alle Kurse ausgebucht (außer der englischsprachige) und im November ist’s schon zu spät für mich. Ich werde nochmals recherchieren müssen, ob sich nicht doch einer auftut. Oder aber ich gehe in den englischsprachigen. Das wäre auch ok, finde ich!

Ich bin und werde keine schlechte Mutter, nur weil ich mich verweigere in großen Müttertrauben zu fünft, sechst oder siebt, Kinderwagen am Fluss entlang schiebend, meinen Latte Macchiatto zu schlürfen und über den Stuhlgang der Babies zu diskutieren. Meine Schwangerschaft ist kein Event.

In neun Monaten entsteht ein wunderbarer, kleiner Mensch, den wir fest in unsere Arme schließen und nie wieder hergeben. Aber wir müssen kein mehrtägiges Fest daraus veranstalten. Alles, was für mich zählt, ist unsere kleine Familie. Das muss ich auch nicht bei den gängigen sozialen Medien publizieren – mit Ultraschallbildern und Herzchen-Smileys.

Auch unser kleiner Bambino hat ein Recht auf Privatsphäre. Allein deswegen wird es keine Bilder bei Messenger-Diensten und sozialen Netzwerken geben. Auch nicht von hinten und auch keine Hand oder ein Fuß. Wir sind zum Schutz und zum Wohlergehen unseres Kindes da und nicht zur Selbstvermarktung.

Wer sich dafür oder dagegen entscheidet, hat meine vollste Unterstützung. Oder wie meine Oma zu sagen pflegte: „Du machst deins und ich mach meins. So mach ma’s dann, gell?“

16 Gedanken zu “Du machst deins und ich mach meins

  1. Ich habe drei Kinder, zwei davon per Hausgeburt, gekommen. Hat alles geklappt, ohne Millionen von Baby, Schwangerschaft, Geburt und Still- Büchern.
    Ohne Kurse, ob Vorbereitung, yoga oder aquaschwimm für schwangere.
    Hat alles wunderbar geklappt. Ich habe mich nur geärgert, dass ich den Kinderwagen damals neu gekauft habe. Den hätte ich auch gebraucht bekommen können.
    PS: Eine von diesen hässlichen Wickeltaschen hatte ich auch, aber ich hab sie nie benutzt. Eine hübsche Handtasche reicht völlig.
    Viele Grüße

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  2. Ohhhh wie schön. Das freut mich sehr zu lesen ❤️ auch hier alles Gute für euch. Du machst das schon wie du denkst. Ich bin vor fünf Wochen nochmal Mama geworden, hab ja eine fast 16 jährige Tochter. Damals mit 23 bin ich leider mehr dem gefolgt, was in den Ratgebern stand, was mich dann oft irritiert hat. Jetzt mit 39 lebe ich seit Jahren achtsam, genieße die Augenblicke, die sich mir bieten und sehe vieles anders. Seit Jahren handle ich nur nach meiner Intuition, eben auch bei allem, was die kleine Maus betrifft. Von seitens meines algerischen Mannes und seiner Familie stoße ich auf Unverständnis, doch ich bin die Mutter, weiß besser, was gut fürs Kind ist und muss nur meine Erwartungen und die des Babys erfüllen. Es fängt schon an, dass ich sie viel herumtrage, das gilt bei meinem Mann als verwöhnen. Babys brauchen aber Liebe, Geborgenheit und Sicherheit. Also trage ich sie weiterhin herum. Ich mache eh fast alles alleine. Also braucht er sich nicht zu beschweren. Hab auch nicht viel besorgt, nur eine Babywiege und einen Kinderwagen. Sowie einen Minivorrat an Kleidung. Nach der plötzlichen Geburt, die dreieinhalb Wochen zu früh war, haben wir nach und nach die fehlenden kleinen Dinge besorgt wie Flaschen, Sauger usw. Ja auch eine Wickeltasche habe ich. Die hat meine Große besorgt, als ich in der Klinik war. Sonst habe ich viel geschenkt oder geliehen bekommen. Einen Geburtsvorbereitungskurs habe ich nicht gemacht, weil ich dieselben Gedanken hatte wie du. Ich wusste aber auch vorher, dass es aufgrund körperlicher früherer Komplikationen ein Kaiserschnitt werden sollte. Eine Nachsorgehebamme hatte ich auch nicht und es ging mir auch so gut. Schwangerschaftsyoga habe ich gemacht, da ich Yoga allgemein toll finde und das tatsächlich etwas von meinen elendigen Rückenschmerzen gelindert hat. Aber ich habe mit meinem Baby viel meditiert, jetzt habe ich ein so chilliges Meditationsbaby, was selten aus der Ruhe kommt hhhh. Nochmal alles Gute für euch ❤️

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    • Erst einmal herzlichen Glückwunsch zur kleinen Maus! ❤️ Ich glaube, das zahlt sich 1000% aus auf seine Intuition zu hören und nicht auf das, was einem gerne Verwandte vorbeten. Und du beweist es ja wunderbar. Wenn Mama zufrieden ist, strahlt das doch auch auf die kleine Maus ab.
      Meine Mama hat mich auch viel rumgetragen u. gekuschelt u. noch heute fühle ich mich unglaublich geborgen – auch wenn sie mich nur am Flughafen umarmt. 😄
      Das beruhigt mich, dass ihr auch alles nach und nach gekauft habt und nicht alles komplett fertig. Und man weiss ja nicht, was man noch alles geliehen und geschenkt bekommt. Am Ende hat man viel zu viele unnötige Sachen, aus denen schnell rausgewachsen wird.
      Ach so habe ich das Schwangerschafts Yoga noch nicht gesehen. 🧘🏼‍♀️ Ich habe nämlich auch ziemliche Rückenschmerzen. Das wäre dann tatsächlich mal eine Überlegung wert.
      Ich wünsche dir u. deiner kleinen Maus alles Gute und ganz viel Ruhe und Gelassenheit! ❤️ 👶🏻 Toll, dass du dich nicht irritieren lasst!

      Liken

  3. Du merkst ja … ich hole nach 😂 ach alles geldmacherei diese Kurse …habe ich auch nicht gemacht . Liebe, Zuneigung und Zeit sind die magischen Worte von Baby bis Teenager mit 10000 Flausen im Kopf , das Gefühl, dein Kind zu verstehen lernst du so schnell . Schließlich seid ihr unzertrennbar erstmal. Genießen, beobachten, lächeln und kleine Händchen halten, kleine Nase stupsen gibt auch sehr viel 💕💕💕Babies und ihre Welt sind so toll und aufregend.

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    • 😂😂 Ich find’s ganz toll, dass du nachholst! Genauso seh ich’s auch. Ein Baby erinnert sich doch gar nicht, ob man beim Babyyoga, beim Babyschwimmen, beim Baby-was-auch-immer war. Man erinnert sich doch an die Liebe u Zuneigung, die man bekam. An den Duft nach frisch gebackenen Keksen, die man ausstechen durfte. An das gemeinsame Kuscheln und Vorlesen… an all das!
      Ich kann’s kaum erwarten 💕

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