Das 21. Türchen im germanoitalbanischen Adventskalender

[Sie kennen das Spiel: Die Auflösung von Tag 20 finden Sie ganz unten]

Fakt Nummer 21

Diese Geschichte spielt zwei Tage nach meinem 18. Geburtstag. Ich durfte nun offiziell die Straßen unsicher machen. Was war ich froh in der bayerischen Walachei nicht mehr den Bus nehmen zu müssen, der nur fünf Mal am Tag an der Kirche neben dem alten Gasthof hielt. Jetzt war ich erwachsen (dachte ich!), jetzt war ich eine mündige Person (dachte ich!), jetzt gehörte die Welt mir (dachte ich!).

Meine Eltern waren am Abend bei meiner Schwester Ova und ihrem Mann in Ingolstadt eingeladen. Ein tolles, neues Tapasrestaurant sollte ausprobiert werden.

Mir, als nun volljähriger Tochter, vertraute man die schlumpfblaue Familienkutsche an. Ungewohnt war es schon, plötzlich nicht mehr meinen Vater als dringend notwendiges Utensil des begleitenden Fahrens neben mir zu haben. Zugegeben: Auf dem rechten Ohr war ich jedes Mal nach einer Ausfahrt taub, wenn er neben mir saß und laut: „KUUUUUURVE!!!! Zefix! Des is a Kurve!!“ schrie. Aber nun ging er mir mit seinem lauten, drohenden Organ ab.

Um den Schmerz ein bisschen zu lindern, schlug ich meinem damaligen Freund vor, er möge mitkommen. ICH würde fahren. Er, drei Jahre älter, grinste.

Wir tuckerten los über Landstraßen, gesäumt von großen, hügeligen Wiesen, Wäldern und Bauernhöfen. Stopschilder beachtete ich diesmal, auch ohne dass man mir in die Wahrnehmung schrie. Alles lief wie am Schnürchen. Ich wurde selbstbewusster und redete mir ein, eine wirklich gute Fahrerin zu sein.

Unser Ziel war ein Einkaufszentrum. Ein Paar (oder paar?) neue Schuhe sollten es werden. Galant parkte ich in der engen Parklücke mit dem riesen Van ein. Wir stiegen aus. Ich schloss stolz das Auto ab.

Nach einer kleinen Shoppingtour, ein paar (!) Schuhen später, gingen wir Richtung Auto. Es war Freitag Abend. Der Parkplatz war bis auf den letzten Platz voll.

Als guter Fahrer stieg ich selbstsicher ins Auto, schnallte mich an und parkte aus. Halbherzig guckte ich in die Spiegel, fuhr nach hinten, kurzer Blick nach hinten, Spiegel, Spiegel, KRACH!

Mein Exfreund drehte sich um. Er guckte mich schockiert an. „Häng ich jetzt in einem Auto drin? Oder hörte sich das nur so an?“ fragte ich ihn aufgeregt. Er stieg aus. Ich stieg aus.

„Jup.“ sagte er. Ich bin dem anderen Auto komplett aufgefahren. Ich zitterte. Ein 50jähriger Mann kam angerannt. „Mensch Mädel! Bist du narrisch!!“ schimpfte er mich. Meine Augen füllten sich mit Tränen.

„Du kannst doch net mei Auto kaputt fahren!“ motzte er mich an, sah dann meine Tränen, mein Schluchzen und beruhigte sich etwas. Mein Exfreund redete mit ihm – gelassen. Ich kramte mein Telefon aus der Tasche, rief meine Eltern an. Natürlich hörte keiner der beiden ihren mobilen Begleiter. Ich rief Ova an. „Der Teilnehmer ist momentan nicht erreichbar. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.“ Letzte Chance: Ich rief Ovas Mann an. Er ging hin. Ich schluchzte wieder, aufgebracht, mit zittriger Stimme. „Ich gebe dir mal deinen Papa.“ Mein Vater meldete sich mit „Ja bitte!“. Ich heulte wieder los, erklärte, meine Stimme überschlug sich oder versagte ganz. Er sagte mir, was zu tun sei. Wir tauschten die Daten aus, Telefonnummer, Adresse, Versicherungsgesellschaft. Beide Autos waren fahrtüchtig. Es handelte sich nur um etwas zerkratztes, bisweilen verbogenes, Blech. Aber dieses Blech war der Beweis dafür, dass ich der miserabelste Fahrer auf der ganzen Welt bin. Zumindest in diesem Moment war das meine Überzeugung.

Der Mann tätschelte mir kurz die Schulter, verabschiedete sich. Ich zitterte und konnte nicht mehr fahren. Heim fuhr mich mein Exfreund. Wir schwiegen, ich schniefte, schämte mich. Daheim angekommen warteten wir auf meine Eltern. Ihr Abend war ruiniert. Nach meinem Anruf schaufelten sie den Hauptgang in rasender Geschwindigkeit in sich hinein, zahlten, setzten sich ins Auto und mein Vater heizte 100 Kilometer nach Hause.

Sie fanden mich, den Trauerkloß, am Esszimmertisch. „Keine Sorge! Kriegen wir hin.“ munterte mich mein Vater auf. Meinen Spitznamen hatte ich die nächsten Tage weg: „Quax, der Bruchpilot.“

Mein Vater rief am Montag den netten Herren an, regelte den Unfall ohne Versicherung und ließ die Kratzer der Familienkutsche ausbessern.

Das Auto bekam ich trotzdem ab und an. Doch seitdem ist mein Fahrerselbstbewusstsein nicht mehr so selbstsicher wie es einmal war.

Und nun sind Sie gefragt: Ist die Geschichte wahr? Oder gab es diesen Blechschaden nie?

Reise Nummer 21

Heute geht es nach Johannesburg. Für mich war die Safari (neben den Schneeaffen) eine der schönsten Reisen.

Flugzeit (ab Frankfurt): 10,5 Stunden

Gebucht haben wir bei Shane* von Hiking Africa Tours*. Er ist äußerst liebenswert, erzählt spannend und interessant und man merkt, dass er es mit viel Herzblut macht. Er holt einen im geräumigen Van ab und bringt einen nach Pilanesburg. Dort geht man auf Safari.

Wir haben vorab noch einen Abstecher zum Elephant Sanctuary gemacht. Dort leben drei weibliche Elefanten: Three, die Mutter, ihre leibliche Tochter Hannah und ihre Adoptivtochter Marty. Das außergewöhnliche an diesem Gespann ist, dass Elefanten normalerweise nicht adoptieren. Da Marty aber schon ziemlich schwach war, schien das der letzte Ausweg zu sein. Und siehe da, Three adoptierte sie.

Glücklich, aber ich traue dem Frieden noch nicht ganz.
Kuckuck! Wer ist da?
Die Elefantenmama hat Hunger.
Ganz geheuer war es mir nicht, aber Three ist eine sehr liebe, ruhige Elefantendame.

Weiter ging es in den Pilanesberg Safari Park vor den Toren Johannesburgs. Hier lasse ich am liebsten Bilder sprechen:

Unser Safariauto
Löwendame am See.

Wer, wie ich, alles in einem Tag machen möchte: Nur Mut! Das klappt schon.

Tapsiger, neugieriger Babyelefant.

Wer aber den Luxus hat, sich Zeit nehmen zu können: Tun Sie das. Übernachten Sie in einer Lodge und genießen Sie eine Safari mit Ruhe und Muße. Es zahlt sich aus!

Eine spannende Frage bleibt noch: Was sollte man auf eine Safari mitnehmen?

Dicke Jacken, Decken, Schal und Mütze. Es ist wirklich frisch morgens und abends – da sind Sie froh, wenn Sie ein warmes Kleidungsstück dabei haben.

Ein Fernglas! Nehmen Sie unbedingt eins mit. So verpassen Sie keinen Moment und müssen nicht ständig um das Fernglas mit Ihren Mitreisenden rangeln.

Eine gute Kamera mit noch besserem Zoom Objektiv. Die Fotos erfreuen Sie noch Jahre später.

Auflösung Tag 20

Dieser kleine, blonde Knopf mit der großen Brille und dem Topfschnitt soll die Nachbarschaft schlimmer beschimpft haben als es ein Erwachsener vermag? Sie glaubten nicht daran. Das würde auch nicht zu einer harmlosen Schildkröte passen.

Doch sehr zum Leidwesen und zur Scham meiner Eltern, die es auch kinderpsychologisch abklären ließen, war es tatsächlich ihre Tochter Turtle, die schlimmer fluchte als ein altbayerischer Bierkutscher.

Mittlerweile ist sie eine sehr friedliebende Person, die jeden Konflikt und jede Beschimpfung meidet.

*Werbung, leider selbst bezahlt

11 Gedanken zu “Das 21. Türchen im germanoitalbanischen Adventskalender

  1. Pingback: Das 22. Türchen im germanoitalbanischen Adventskalender | Zwischen Tiber und Taunus

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