Das 23. Türchen im germanoitalbanischen Adventskalender

Gestern habe ich den ganzen Tag gepackt. Signorino fand es irre lustig und packte mit großer Freude alles wieder aus.

Wir sind nun mit 5 Taschen, zwei Koffern und einem Buggy, diversen Quetschies, Riegeln (für die Erwachsenen) und Wasser ausgestattet. Denn heute ist es Zeit in die bayerische Walachei zu fahren.

Lange haben wir überlegt, zwischenzeitlich abgesagt, dann einen Anruf von Ova bekommen: „Wir sind alle gesund, in Selbstauferlegter Quarantäne seit 2 Wochen und haben keine Angst vor Ansteckungen. Bitte kommt! Papa redet seit Wochen nur noch von eurem Besuch. Und, unter uns, es wird sein letztes Weihnachten sein, wo er noch auf eigenen Beinen stehen kann.“

Da wir seit Anfang November keinen physischen Kontakt mehr zu Freunden hatten, der Römer zwar arbeiten geht, dies aber mit Maske, Handschuhen und unzähligen vorgeschriebenen Sicherheitsvorkehrungen, war die Entscheidung getroffen: Wir fahren!

Anstatt eines Fakts und einer Reise, gibt es heute nur die Reise.

Ich versuchte Sie mitzunehmen am 23.12. auf der Reise von Hessens heimlicher Hauptstadt in die Stadt zwischen Zacking und Pang. 😄

Also sein Sie auf viele verzweifelte Updates gefasst!

7:10 Uhr: Der Wecker klingelt. Ich hab Kopfweh. Das kommt von meiner Nackenverspannung, die ich bereits vor zwei Tagen mit Schmerzmitteln betäubt hatte. Klappte super – bis jetzt. Ich würde Weihnachten gerne absagen und für immer unter dieser kuscheligen Decke liegen.

8:20 Uhr Der Römer und ich haben fertig gefrühstückt. Signorino schläft noch. Den letzten Keks kauend, verkündet mir der Römer, dass er nicht davon ausgeht, dass wir vor 12 Uhr loskommen. Meine deutsche Mentalität krampft sich zusammen: Um aller-ALLER-spätestens 9 Uhr wollte ich losfahren. Realistischerweise wird das wohl nix. Ich verschiebe meine innere Uhr auf 9:30 Uhr. „12 Uhr… der hat den Schuss doch nicht gehört.“ mosere ich und erinnere mich an den straffen Zeitplan meiner Eltern für Reisen um 4 Uhr morgens nach Südtirol.

8:30 Uhr Der Römer geht duschen. Immer wieder wiederholt er sein Mantra „Con calma“ gebetsmühlenartig. Er lebt das Motto richtig. Ich husche im Haus hin u her, erledige, packe, verstaue. Wenn ich noch einmal „con calma“ höre, setze ich ihn hinter Würzburg aus.

8:40 Uhr Der Römer braucht bei so viel Stress einen zweiten caffé. Meine Nacken- und Kopfschmerzen sind weg – ganz ohne Schmerzmittel. Ich habe auch gar keine Zeit für Schmerzen. Ich bin im Stress!

9:00 Uhr Der Römer weckt Signorino. Er ist „not amused“. Wäre ich auch nicht, wenn jemand die Jalousien hochzieht und mich dann mit einem italienischen Redeschwall begrüßt. Er isst halbwegs, ist aber nicht wirklich interessiert.

9:50 Uhr Das Auto ist bepackt. Aus einer schnellen „5 Minuten Aktion“ laut dem Römer wurde eine 40-Minuten-Aktion. Tetris spielen. Jetzt ist alles verstaut. Wir sind durchgeschwitzt. Signorino gähnt vielversprechend.

10:15 Uhr Der Römer ist sauer, möchte aber vorne sitzen. Mein Hinweis, dass Signorino nach spätestens 10 Minuten alleine hinten schreit, diskutiert er weh. Ich gebe klein bei und fahre los. Automatisch mutiert der Mann ohne Führerschein zu einem Fahrlehrer erster Güte.

10:50 Uhr Signorino schreit knapp hinter der Landesgrenze zu Bayern. Der Römer ist erst verwundert, dann genervt. Ich versuche mein „Ich hab‘s dir doch gesagt.“ wegzuatmen. Es rutscht mir dennoch am nächstgelegenen Parkplatz raus. Der Römer wechselt auf den Rücksitz.

12:00 Uhr Raststätte Würzburg. Ich muss mal. Zu psychodelischen Indianerklängen pinkel ich um mein Leben. Draußen wartet Signorino und der Römer. Nun wickle ich Signorino und der Römer erleichtert sich. Wir wollen einen Kaffee kaufen, doch die Schlange ist zu lang. Corona und so. Wir fahren weiter. Der Römer versucht noch einmal sich nach vorne auf den Beifahrersitz zu diskutieren. Allerdings bin ich der eiserne Vorhang aller Fahrer, die irgendwann ankommen wollen. Er bleibt hinten.

12:30 Uhr Signorino ist hundemüde. Er schreit sich ein. Quetschi doof, Banane doof, Wasser doof, Schnuller doof. Alles doof. Nach weiteren 10 Minuten Gekreische schläft er ein. Die Autobahn ist leer. Ich drücke auf‘s Gas. Der Römer nickt weg.

14:30 Uhr Nächste Pause kurz vor‘m Ziel. Signorino ist wach. Wir fahren raus. Der Römer kann allerdings nicht beim König der Burger essen. Wir fahren weiter. Die goldene Möwe muss es sein. „Wenn ich etwas essen will, dann muss es richtig widerlich sein – wie bei der goldenen Möwe.“ Na dann.

14:50 Uhr Wir essen im Auto. Signorino bekommt Pasta mit Parmesan. Er scheint zufrieden zu sein.

15:10 Uhr Wir fahren weiter. Die Autobahn ist frei. Der Wind wird rauer bzw. die Münchner SUVs fahren in einem Affenzahn an uns vorbei. Ich bin müde und tuckere mit 120 ganz rechts.

16:00 Uhr Wir sind endlich da und werden erwartet. Alles etwas chaotisch, eiskalt hier an den Alpen, Signorino ist weinerlich und findet seinen Cousin und seine Cousine erstmal beängstigend.

16:30 Uhr Wir trinken Tee und essen Plätzchen. Dazu unterhalten wir uns angeregt. Signorino wird von seinem Cousin unter dem Esstisch gejagt.

17:00 Uhr Ovas Mann geht mit den Kleinen spazieren. Danach packen wir aus.

18:00 Uhr Ich rufe bei meinem Papa an und sage, dass wir gut angekommen sind. Er freut sich. Bis morgen!

18:30 Uhr Ova kocht vorzügliches Curry. Der Römer spielt mit den Kindern. Ich unterhalte Ova.

19:15 Uhr Wir essen. Signorino mag kein Curry und isst Joghurt. Cousine V. mag kein Brötchen und isst Joghurt. Nur Cousin B. mag sein Müsli. Immerhin.

21 Uhr Die Kinder sind müde. Wir bringen sie ins Bett. Ich mache mir Tee, Samahan*, zur Vorbeugung.

21:30 Uhr Der Römer und ich sitzen im Gästewohnzimmer und gucken, schreiben, scrollen und klicken

Was für ein Tag! Gute Nacht!

Auflösung Tag 22:

Ja, die Geschichte klang spanisch, ist aber wahr. Franzosen und Italiener? Pfff! Oh nein, da ist keinerlei Liebe im Spiel. Da der Römer aber albanische Wurzeln hat, die Albaner große Sympathisanten und Bewunderer Frankreichs sind, erkannte der Römer tatsächlich Kingsley Coman und Antoine Griezmann.

2 Kommentare zu „Das 23. Türchen im germanoitalbanischen Adventskalender

  1. SamahanTee, wozu soll das gut sein? Also wenn schon versteckte Werbung, dann bitte richtig. (Ich stelle mir vor, gegen Kopfweh und Nackenschmerzen und so? Das tät mich interessieren.)
    Jetzt aber erst mal gute Nacht und gutes, schmerzfreies Erwachen morgen früh! Deine Fahrt war eine Heldenreise! Da glaub ich gern, dass auch die „psychodelischen Indianerklänge“ im Klo dich nicht entspannt haben.😉

    Gefällt 1 Person

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