SauerEI

Und ich sage noch zum römischen Gatten im heimischen Supermarkt: „Du, lass uns lieber zehn Eier (statt sechs) nehmen, die halten länger.“ Das war der erste Fehler einer langen Anreihung an falsch getroffenen Entscheidungen.

Den zweiten Fehler beging ich an der Kasse, als ich dem Römer mit folgendem Satz entlasten wollte: „Amore, gib‘ mir mal lieber die schweren und sperrigen Sachen. Ich lege sie in den Unterkorb des Kinderwagens. Das macht keinen Sinn, dass du alles schleppst.“

Den dritten Fehler machten wir, der Römer und ich, zusammen. Wir waren der Meinung erst die große Einkaufstasche zu entleeren. Danach würden wir in aller Ruhe den Unterkorb ausräumen. Doch Signorino kümmerte sich schon von ganz alleine um den Unterkorb. Erst zog er den 4er Pack Joghurt hervor. Sogleich knüpften wir ihm den Joghurt ab, dachten aber im angeregten Gespräch nicht weiter als bis zum Joghurt-Quartett. Dass im Kinderwagenkörbchen noch andere Artikel auf Signorinos großen Auftritt warteten, kam uns nicht in den Sinn. Daraufhin zog er den Toast hervor und hüpfte damit fröhlich ins Wohnzimmer. Ja, gut. Den würden wir gleich nachher einsammeln, denn bis jetzt weiß er nicht, wie sich der Klippverschluss öffnet.

Somit wären wir bei Fehler Nr. 4 angelangt. Wir vergaßen einerseits, dass im Unterkorb noch Eier lagerten. Andererseits unterhielten wir uns so leidenschaftlich, dass wir – nach Joghurt und Toast – nicht weiter verifizierten, was sich tatsächlich noch im Korb des Kinderwagens befand.

Irgendwann hörte man ein sich in äußerst kurzen Abständen wiederholendes „FLATSCH!“-Geräusch. Ich nahm es nur als Randgeräusch zur Kenntnis, während ich den italienischen Hartkäse einräumte. Der Römer nahm es deutlich bewusster wahr, drehte sich um und schrie: „AAAAH! Figlio mio! Figlio mio! [Mein Sohn! Mein Sohn!]“ Figlio nostro [Unser Sohn] hatte 10 Eier aus ihrem Kartonagen-Zuhause ins Freie katapultiert. Eines überlebte. 9 breiteten sich im Wohnungsflur aus. Der Römer transportierte den jungen Mann, laut schimpfend, ab. Ich wischte derweil die Eierpampe auf. Dazu braucht man übrigens, falls Sie sich die Frage stellen, eine 3/4 Küchenpapierrolle für 9 Eier.

Am Ende war ich dennoch heilfroh, dass der Flurteppich bereits ins neue Heim transportiert wurde. Signorino guckte noch sehr lange sehr betreten. Erst eine Banane lockte ihn wieder aus der Reserve. Schließlich fühlte er sich nach einem halben Vanillepudding später wieder bereit, im Reich der Rabauken zu schalten und walten.

25 Kommentare zu „SauerEI

    1. Daran habe ich noch gar nicht gedacht, liebe Gerda. 😄 Wir arbeiten daran und organisieren eine Ausbildungsreise zum Bundestag. Wie sagt man so schön, das war nur ein „dry run“. 😄 Hab einen angenehmen Sonntag und viele Grüße aus deiner alten Heimat Frankfurt!

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  1. Herzlichen Glückwunsch! Ihr habt einen experimentierfreudigen, aktiven, intelligenten Sohn!
    Das Projekt Ei und seine Möglichkeiten hat er perfekt umgesetzt.
    Sein Werk wußtet ihr offentsichtlich nicht zu würdigen.
    Hätte man nicht noch Rühreier oder einen Kuchen daraus machen können, um ihm weitere Einsatzmöglichkeiten des „platsch-gelb-flüssig-Erlegnis“ zu gönnen.
    Das sind die kleinen Geschichten des Lebens, die so erheiternd sind und gleichzeitig erhalten bleiben.
    Was ist das gegen eine Küchenrolle!
    Genießt die Zeit mit ihm ! Schönen Restsonntag
    LG Meggie

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    1. Dankeschön, liebe Meggie! 🌷Mit der Weiterverarbeitung der Eier habe ich mir auch meine Gedanken gemacht, aber da wir momentan wie die Nomaden hausen, immer zwischen zwei Wohnungen, alt und neu, und weder für die eine richtig Zeit haben, noch für die andere, habe ich das aus Hygienegründen sein gelassen. Obwohl: Dreck härtet ab, oder? 😄
      Danke, das wünsche ich dir auch! Liebe Grüße, Eva

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    1. 😄😄 Zumal dann, rein mathematisch betrachtet, nur 0,6 Eier heil geblieben wären.
      Da wir die italienische Frühstückskeks-Fraktion sind, weilt das Ei noch im Kühlschrank und wartet darauf von Signorino heute Abend als Rührei verspeist zu werden. 😄 Hab einen angenehmen Sonntag und viele Grüße aus Frankfurt am M-EI-n 😄

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  2. Genie
    Ich denke, er wird ein fantastischer Physiker, beherrscht Signorino bereits jetzt die Gesetze der Schwerkraft und der kinetischen Energie und führt schon in diesem zarten Alter zu Forschungszwecken Serienversuche durch. Genial!

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