Schimpfwörter & Brotdosen-Diebstahl: Der ganz normale Elternwahnsinn

Kindermund tut Wahrheit kund – oder fluch einfach drauf los

Signorino hat jetzt neben “Kacka” noch ein neues Wort im Repartoire eines Fünfjährigen: Seiße.

Zum Glück hat er noch Probleme, das Sch- auszusprechen und so ist eben manches “Seiße”, was wir als Eltern machen. Generell ist es höchst interessant, wie das Kind sprachlich seine Wut äußert. Wenn er richtig sauer ist, dann sagt er “Du!! Egal!!” oder manchmal auch “Mama, du bist egal!”, je nachdem, ob seine Wut ihm erlaubt, ganze Sätze auszuformulieren.

Wenn man so darüber nachdenkt, ist das eigentlich eine ganz schöne Affirmation: “Du und dein blödes Verhalten – ihr seid mir jetzt egal. Ihr zählt gar nicht! Ja, davon lasse ich mir jetzt nicht den Tag vermiesen.”

Neu im Schimpfwort-Fundus ist auch “Blödmann” oder “Dummkopf”. An sich sind das noch relativ harmlose Wörter. Schön nicht, aber noch einigermaßen aushaltbar. Denn eigentlich hätte ich in Signorinos Alter fest mit dem A….loch-Wort gerechnet, aber es kam bis jetzt nicht. Hat den niemand im Kindergarten größere Geschwister, die einem sowas beibringen können?

Selbst meine Schwester Turtle brüllte 1990 das A…loch-Wort im Kindergartenalter über unseren Innenhof und die Nachbarn guckten. Aber sie hat(te) natürlich zwei größere Geschwister.

Wenn ich mich in Signorinos Kindergarten-Gruppe umgucke, sind die meisten Kinder Einzelkinder. Also gibt es niemanden, der einem so ein Wort beibringen könnte. Dazu sprechen die meisten Eltern vermutlich wenig Deutsch zu Hause.

Bei uns ist es ja nicht anders. Wir reden auch ein Potpourri aus Deutsch und Italienisch und der Römer unternimmt manchmal einen kläglichen Versuch mit den Kindern Albanisch zu reden. 

Signorino kennt das schon, hebt die Augenbraue und antwortet genervt: “Papa! Rede doch bitte normal!” 

Spielplatz-Scham und Brotdosen-Klau – wenn‘s peinlich wird

Doch ich schweife ab: Ein paar Zwei-Kind-Familien gibt es dann doch in Signorinos Kindergartengruppe und dementsprechend potenzielle, ältere Geschwister, die einem Schimpfwörter beibringen können. Aber anscheinend tun sie das nicht. 

Besser so, denn mittlerweile benutzt Signorino die Wörter “Dummkopf” und “Blödmann” inflationär. So inflationär, dass ich am Spielplatz in Grund und Boden versinken möchte. Alles und jeder ist ein Dummkopf. Natürlich schimpfe ich das Kind, wenn ich es mitbekomme, aber genau daran hapert es am Spielplatz. Ich kriege es schlichtweg nicht mit. Dazu die Geräuschkulisse aus kreischenden, tobenden Kindern, die einem die Ohren klingeln lassen. Und ehrlicherweise folge ich einem Fünfjährigen auch nicht mehr auf Schritt und Tritt über Sand- und Mulchboden, wenn er auf dem Spielplatz ist.

So Helikopter-Mutter-mäßig bin ich dann doch nicht. 

Heute beschwerten sich also zwei Kinder über Signorinos „Dummkopf“-Beleidigungen bei mir. Eigentlich drei, wobei das dritte Kind ein Hortkind war. Und dieses beschwerte sich nicht über die Schimpfwörter meines Erstgeborenen. Es beschwerte sich, weil Signorino samt seinem besten Kindergartenfreund die Brotzeitbox des Hortkindes heimlich plünderten. Er hatte Salzbrezeln, diese knusprigen Knabberdinger, dabei und die snackten die beiden Kindergartenkinder heimlich und unbeobachtet. Zurück brachten sie nur die leere Brotdose* [Werbung].

Ich bat Signorino sogleich, sich bei dem Hortkind zu entschuldigen. Das machte er auch brav. Aber was macht man dann? Kauft man dem armen Hortkind eine Brezel beim Bäcker? Berichtet man den Erzieher:innen darüber? Drückt man dem Kind zwei Euro in die Hand als Schadensersatz?

Wie geht man mit so einem Fall um? 

Wo bleibt der Knigge für Kindergarteneltern?

Und warum gibt es keine Leitlinien für Eltern? Ein Eltern-Nachschlagewerk, bei dem ich unter „B wie Brotdose“ nachgucken kann, wie man mit leer gefressenen Brotdosen umgehen kann. Was schlägt die Leitlinie als Schadensbegrenzung vor? Was ist adäquat und was macht man besser nicht?

Außerdem würde ich unter “S wie Schimpfwörter” nachgucken, was die Leitlinie ist, wenn das Kind permanent Schimpfwörter an egal wen abfeuert. Greift man ein? Ignoriert man es? Guckt man verschämt in den Boden und wünscht sich in eine einsame Cabana an irgendeinem Karibikstrand? Oder zerrt man das Kind als Ultimo Ratio vom Spielplatz nach Hause? Tut man sich damit selber einen Gefallen oder fällt einem dann daheim die Decke auf den Kopf? 

All diese Fragen sollten doch mal in einem Duden, ach, einem Knigge für Eltern, beantwortet werden. Ein Leitfaden, wie man mit diesen dämlichen Situationen umgeht, wäre doch wirklich fein!

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10 Kommentare

  1. Ja, da kommt noch mehr… und der Bianco wird die Worte alle aus dem Effeff kennen und können! Versprochen! Wenn ich jetzt erzählen würde, was unsere alles…
    Nur so viel: die jüngste saß ganz lieb und brav bei ihren Puppen und Stofftieren und sang ihnen vor: Arschloch darf man nicht sagen! – Tja, wofür hat man ältere Geschwister.

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    • 😄😄😄 Na, immerhin hat sie sich‘s gemerkt, dass man es nicht sagen darf! Aber klar, Bianco hat einen Schimpfwörter Vorsprung. Er braucht mit 4 oder 5 Jahren vermutlich nicht lange nachdenken, wie das A… Wort denn nun ging. 😉

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  2. Hm …eines meiner ersten Worte war Scheiße konnte ich perfekt.
    Dafur hat man eine 12 Jahre ältere Schwester die es inflationär sagte.
    Dafür konnte ich ihren Namen nicht aussprechen.😂
    Eira hieß Eia…was für ein blödsinniges R aber auch.
    Heute ist die große Schwester Deutschlehrerin.😉

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  3. Nicht noch ein Knigge, bitte! Die bisschen noch vorhandene Erziehungsfantasie sollten wir schützen wie eine im Aussterben befindliche Art. Übrigens finden die Kinder untereinander meist die richtigen Lösungen – ohne dass die Eltern intervenieren.

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    • Mein Problem mit der Erziehungsfantasie ist, dass du das Ergebnis erst 18 Jahre später bekommst. Hätte ich einen Leitfaden, ein „Wenn du A machst, kommt genau A raus“, wäre es mir lieber. 😄
      Du hast recht! Ich interveniere auch ungern. Vielleicht sage ich nächstes Mal einfach: Bitte klärt das unter euch!
      Recht hast du!

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