Das siebte Türchen des germanoitalbanischen Adventskalender

[Die Auflösung von Tag 6 gibt es wie immer ganz unten]

Fakt Nummer 7

Sizilien, 2014. Meine Chefin schickte mich auf eine Inforeise. Das sind Reisen, konzipiert von Hotels, Fluggesellschaften, Fremdenverkehrsämtern und touristischen Leistungsträgern, die den Verkauf eben dieser Leistungen ankurbeln wollen und dazu ihre Kunden (Reisebüros und Reiseveranstalter) einladen. Eine feucht fröhliche Verkaufsreise, wenn Sie so möchten.

Wir landeten in Catania und sollten auf die liparischen Inseln gebracht werden. Da der Wellengang Ende Oktober viel zu hoch war, fuhr tagelang keine Fähre. Wir mussten auf Plan B zurückgreifen und besichtigten Taormina, Giardini-Naxos und Agrigent.

In unserer illustren Runde fand ich schnell Anschluss: Laila und Anton waren in meinen Alter und kamen auch aus München. Wir verstanden uns super. Am vorletzten Tag beim Abendessen becherten wir ein Glas Wein nach dem anderen. (Ich trank damals noch Alkohol)

Nach dem Dessert zog die Reisegruppe weiter an die Hotelbar. Das klang für uns nach einem vorzüglichen Plan. Die Stunden vergingen, die mitreisenden Touristiker verabschiedeten sich nach und nach ins Bett, doch wir drei blieben.

Irgendwann schloß die Bar. Es war nun weit nach Mitternacht. Das Programm des nächsten Tages sollte um 9 Uhr morgens beginnen. Deswegen sollten wir schleunigst ins Bett gehen. Aber wenn es gerade so feucht fröhlich ist, wer denkt da schon an später?

Wir fragten den Nachtportier, wo wir noch eine schöne Flasche Wein herbekommen könnten. Er nuschelte etwas unverständliches in breiter, sizilianischer Mundart. Dass es hier nichts mehr gibt, nur im 20 Kilometer entfernten Städtchen, konnte ich dennoch heraushören.

„Mist!“ sagte Anton. Laila und ich nickten zustimmend. „Nicht mal eine Minibar gibt es auf den Zimmern!“ jammerte ich. Laila seufzte.

„Irgendwo muss es doch noch Alkohol in diesem Bunker geben?!“ nuschelte Laila. Wir gingen zum Lift. „Wir suchen jetzt einfach das Hotel ab!“ erklärte Anton. Da wir schon ziemlich betrunken waren, fanden wir, dass das eine geniale Idee sei.

Am Lift angekommen guckten wir, was auf welcher Etage lag. „Konferenzsaal – Stockwerk 6“ hörte sich zumindest besser an als all die Gästezimmer. Wir fuhren ganz nach oben. Die Lifttür öffnete sich und es war stockdunkel. Vor uns breitete sich ein riesiger, verwinkelter Saal aus. Wir fanden keinen Lichtschalter, also machte uns Anton Licht mit seiner Handy-Taschenlampe. Als wir ums Eck Bogen, war ein Altar mit goldenem Kreuz darauf zu erkennen . Ringsherum viele, weiße Stühle.

„Pfff… Gottesdienst oder was?“ lallte Laila. „Aber na klar doch!“ schrie Anton auf und ging zielstrebig zum Altar. „Wo Gottesdienste sind, ist auch das Blut Christi! Der Messwein, Freunde! Das ist unsere Rettung.“

„Als ob die so blöd sind und den Messwein schon am Vortag hinstellen! Schnapsidee, du Trunkenbold!“ flüsterte ich sehr laut. „Hab ihn!“ schrie Laila aus dem Off und hob siegessicher eine Flasche Rotwein hoch.

„Mooooment! Leute, wir können doch keinen Messwein klauen. Der ist heilig… oder so.“ wollte Anton einwenden, doch wir Mädels kicherten nur.

„Ja! Heilig! Auf geht‘s. Wir gehen in dein heiliges Zimmer. Eva, du hast die größte Handtasche. Du transportierst das Zeug.“ befahl uns Laila halbernst. Wir schlichen uns davon und kicherten so laut, dass ich mir sicher war, irgendjemand ertappt uns jetzt. Den Messwein in Sizilien klauen? Eine Todsünde! Scheiterhaufen und Einreiseverbot nach Italien für die ganze Familie. Mindestens.

„Boa, ihr Angsthasen!“ zog uns Laila auf. „Gleich sind wir in Antons Zimmer.“

Dort angekommen entkorkten wir die Flasche. Anton ging immer wieder auf den Balkon zum Rauchen. Nach 40 Minuten war die Flasche leer. Ich streckte mich und gähnte laut: „Ihr Hasen, ich geh ins Bett.“ Meine Handtasche hatte ich bereits in der Hand. „Und die Flasche?!“ fragte Anton schockiert. „Mülleimer?!“ gab Laila kurz zurück. „Bist du wahnsinnig? Ne, die bringen mich hier um, wenn die ihren Messwein im Mülleimer finden.“

„Okay, wer wohnt neben deinem Zimmer, Anton?“ hakte ich bei ihm nach. „Die Gisela mit den gut gelaunten Blümchenoberteilen. Die schwäbische Reisebürotante, die so quiekend redet und alles immer mit „Wenn mei Willi jetzt hier wär, der fänd‘ des so klasse.“ kommentiert.“ Wir mussten lachen.

„Anton, jeder hat ein dunkles Geheimnis. So auch Gisela, die nachts heimlich den Messwein trinkt.“ gackerte Laila. Wir schoben im Kollektiv die Flasche auf Giselas Balkon. Danach gingen wir schlafen.

Doch die Strafe folgte am nächsten Tag: Wir drei verschliefen nicht nur, nein, wir hatten auch noch fiese Kopfschmerzen und Übelkeit. Von der ruckeligen Busfahrt und den belustigten Blicken der anderen am nächsten Morgen möchte ich Ihnen lieber nicht erzählen…

Was meinen Sie? Haben wir den Messwein auf dieser Reise geklaut? Oder war die komplette Reise nur erdacht?

Reise Nummer 7

Fast ein Jahr habe ich dort gewohnt als AuPair: Bergamo. Die Stadt, in der gefühlt jeder einen Schweizer Pass hat. Hier einige Tipps und Impressionen rund um die Stadt auf zwei Etagen.

Flugzeit ab Frankfurt: 1:10h

Taxikosten ab dem Flughafen Orio al Serio nach Bergamo Stadt: ca. 10-15 Euro. Man kann aber auch den Bus (Linie 1) vom Flughafen ins Zentrum nehmen.

Am besten fangen wir oben an. Fast ganz oben. In der città alta – der Hochstadt. Manch ein AuPair würde es auch, äußerst praktisch denkend, als Altstadt übersetzen (*räusper*). Wir nehmen hierzu die funicolare (Standseilbahn), die uns direkt in der Hochstadt ausspuckt. Natürlich kann man auch den Bus nehmen oder zu Fuß gehen. Aber die Seilbahn hat mehr Charme.

Oben angekommen gehen wir zur Befestigungsanlage Rocca di Bergamo. Etwas versteckt liegt sie schon, aber sie gewährt einen wunderbaren Blick auf die Stadt. Man sagt, all die Kamine, die man von hier oben sehen kann, waren Zimmer von unzähligen, leichten Mädchen. Wer sich genau umblickt, wird merken, dass die Stadt voll davon war.

Nachdem wir den Palazzo della Raggione, den Campanone und die Basilica Santa Maria Maggiore ausgiebig betrachtet haben, wird es schon wieder Zeit für einen Snack. Lassen Sie sich nicht von Il Fornaio (definitiv keine Werbung!) und den großen Auslagen voller Pizza ablenken. Zu empfehlen ist diese nämlich absolut nicht! Besser ist es, wenn Sie dorthin gehen, wo die Studenten der nahegelegenen Uni hingehen: Panificio Tresoldi*. Dort habe ich all meine Mittagspausen nach dem Sprachunterricht an der Uni verbracht. Danach ging ich noch die paar Meter weiter zu La Marianna*. Hier wurde das Stracciatella Eis erfunden und darauf ist man sichtlich stolz. Und das wiederum schmeckt man!

Und da wir nun schon einmal an der zweiten Seilbahnstation sind, der funicolare San Vigilio, nutzen wir die Gunst der Stunde und lassen uns nach ganz oben bringen. Im Parco del Castello di San Virgilio* werden wir von einer traumhaften Aussicht dafür belohnt.

Wir laufen die Strecke nach unten über große Pflastersteine, lassen uns noch einmal durch die Hochstadt treiben und gehen/fahren in die città bassa.

Dort befindet sich mein Lieblingscafé: Sweet Irene*. Besonders hervorzuheben ist, dass es ein vegetarisches/veganes Café ist. Wer den Cheesecake mit Beeren nicht probiert hat, der hat wirklich etwas verpasst. Denn, mit Verlaub, das war der beste Cheesecake meines Lebens.

Abends geht es ins Vasinikò* (Achtung: Bis Mitte März 2021 geschlossen). Die Pizza ist zwar nicht typisch norditalienisch, sondern echt neapolitanisch, dafür aber wunderbar knusprig und lecker.

Und wenn Vasinikò geschlossen hat, dann gehen wir eben zu „Bella Napoli“*. Auch hier wird man nie enttäuscht. Versprochen!

Auflösung von Tag 6

Sie schwächeln, wenn Sie so still und heimlich vor sich hin raten. Wirklich! Unsere Wettkönigin ist Anke, aber Sie könnten ihr noch den Platz streitig machen.

Hier nun also die Auflösung: Der Römer nahm tatsächlich bei der olympischen Vorauswahl im Taekwando teil. Sein Traum war es, bei den olympischen Spielen in Peking einzulaufen. Er verpasste die Spiele knapp. Da er sich am Ende seiner Taekwando Karriere befand, akzeptierte er es und widmete sich dem Studium. Sprechen Sie ihn trotzdem nicht auf die olympischen Spiele an! Es ist sein wunder Punkt.

Wer noch einmal die letzte Woche nachlesen will, bitte hier entlang:

  1. Türchen: Die Schulabbrecherin und Tallinn im Winter
  2. Türchen: Der römische Barkeeper und Vancouver
  3. Türchen: Die russische, zweite Heimat und Rio de Janeiro
  4. Türchen: Prostitution in Saudi Arabien und Münchner Gschichtn
  5. Türchen: Schweinefuß für alle und die Schneeaffen in Japan
  6. Türchen: Olympische Spiele ohne den Römer und das Frankfurter Westend

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8 Kommentare zu „Das siebte Türchen des germanoitalbanischen Adventskalender

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