Das 19. Türchen im germanoitalbanischen Adventskalender

[Die Auflösung von Tag 18, Sie ahnen es, finden Sie wie immer ganz unten]

Fakt 19

Bei der Geschichte mit dem Serben war nicht nur der ruppige Heiratsantrag geflunkert, sondern auch die Tatsache, dass ich dem Co-Piloten sagte: „Ja, mein Mann aus zweiter Ehe.“ Denn genau genommen wäre es mein Mann aus dritter Ehe gewesen.

Mit 21 Jahren war ich bereits schon einmal verheiratet. Ein sehr netter Kerl, aber leider waren wir überhaupt nicht füreinander bestimmt. Wir kannten uns seit kurzem und fanden, dass wir bereit wären für eine Ehe. Doch wir sollten uns sehr schnell täuschen. Unsere Lebensstile waren zu unterschiedlich. Er, der trockene Wirtschaftsinformatik-Student. Ich, mit all den Ideen und Impulsen, die mich durch mein Leben führen und mich ständig die Richtung wechseln lassen wie ein gejagter Hase auf dem Feld.

Wir merkten recht bald, dass diese Ehe nicht für die Ewigkeit gemacht war. Nach einem gemeinsamen Urlaub auf Island entschieden wir uns für getrennte Wege. Die Scheidung reichten wir unverzüglich, in beidseitigem Einverständnis, ein und nach einem Jahr waren wir geschieden. Zum Geburtstag gratulieren wir uns immer noch. Auch zu unseren neuen Ehepartnern gratulierten wir uns herzlich und überschwänglich.

Und? Habe ich Sie auf’s Glatteis geführt? Oder ist der Römer zwar die Nummer 1 in meinem Leben, aber dennoch die Nummer 2 der Ehemänner?

Reise 19

Und weiter geht’s. Wer sich Teil 1 nochmal durchlesen möchte, bitte hier entlang!

Doch das nächste Abenteuer drohte bereits. Der Eine hatte eine „Überraschung“. Wir schlafen heute nicht im Hotel. Wir schlafen woanders, hab ich mir überlegt. Er grinste diabolisch.

„Bitte nicht!“ brummte ich leise vor mich hin. „Doch, doch! Los geht’s!“

Ich stieg widerwillig ins Auto. Der Eine fuhr los und der Kleinwagen schuckelte wieder über die Matschpiste wie ein geduldiges Kamel.

Als wir endlich die befestigte Straße erreichten, fuhren wir durch kleine Dörfer, Palmenhaine und nach einer Weile am Meer entlang, bevor wir wieder ins Inland abbogen.

„Ich hasse Überraschungen. Kannst du bitte einfach sagen, wo’s hingeht?“ Der Eine grinste, deutete auf eine Tasche auf der Rücksitzbank und sprach: „Du wirst es gleich sehen – aber keine Sorge: Alles, was wir brauchen, haben wir dabei!“

Wir bogen – mal wieder – auf eine Schotterpiste ein. Es schaukelte und ruckelte, während wir langsam und gemächlich bergauf bergab durch den Urwald zuckelten. Auf einem unscheinbaren Parkplatz mitten im Nichts hielt der Eine an. „Okay, bitte alle aussteigen! Die Fahrt endet hier.“ Ich hingegen blieb sitzen, guckte nach links, guckte nach rechts und wieder nach links. „Ähm….?“ war der einzige Laut, den ich herausbrachte. Wir waren weit ab von der Zivilisation.

„Nimm einfach die Tasche von der Rücksitzbank. Der Eingang müsste hier drüben sein.“ wies mich der Eine an. Ich tat wie mir geheißen (welche Wahl hätte ich auch gehabt?), schulterte die Tasche und stapfte dem Einen hinterher. „Dominican Tree House Village*?! las ich auf einem Holzschild, das direkt vor mir stand. „Jup.“ gab der Eine mir Recht und ging unbeirrt vor mir her.

Ich zeterte, erklärte, dass ich sicher nicht im Dschungel schlafe, dass mich nachts Schlangen anfallen würden, dass ich ihn eventuell vom Baumhaus schubse und es wie einen Unfall aussehen lasse. Er nickte nur müde. Nach 200 Metern bemerkte er trocken: „Es gibt einen Pool!“ Ich drehte mich nach rechts. Sah ganz hübsch aus. Gar nicht nach Campingplatz, sondern eher nach Glampingplatz.

Wir gingen weiter, folgten dem Schild „Reception“, stiegen Treppen hoch und standen in einem riesen Baumhaus.

Wow! Das sah wirklich cool aus. Ich hätte es nie gebucht, aber ich war tatsächlich froh, jetzt in dieser Lodge zu stehen.

Wir checkten ein und ein netter Mitarbeiter erklärte uns alles, während er uns zu unserem Baumhaus führte.

Hübsch sah es aus! Mit den zwei Hängesesseln, dem Bett mit dem dunklen Mosquitonetz und den roten Vorhängen. Ich war begeistert!

Abends gab es ein Buffet in der großen Lodge, man kam schnell mit anderen Gästen ins Gespräch und es wurde ein sehr netter Abend.

Nachts hatte ich, zugegeben, etwas Schwierigkeiten einzuschlafen. Ständig schreckte ich hoch, weil die Dschungelgeräusche deutlich anders waren als die gemächlichen Waldgeräusche meiner Kindheit.

Da ich nicht alleine wach sein wollte, knuffte ich den dösenden Einen immer mal wieder in die Seite, der sich mit einem „Hm.“ und „Schlaf jetzt, Ingrid!“ bemerkbar machte.

Ich muss Ihnen nicht sagen, dass ich kaum ein Auge zugekriegt habe, weil ich eher Typ „Hotelzimmer“ als Typ „Baumhaus im Dschungel“ bin. Dennoch war ich morgens – für meine Verhältnisse – gut gelaunt.

Wir frühstückten, trafen die nette Truppe von gestern Abend wieder und packten unsere Sachen. „Und weiter geht’s!“ rief der Eine freudig als wir im Auto saßen. „Wohin diesmal?“ fragte ich und gähnte herzhaft. „Zum Wasserfall El Limon. Schuhe hab ich dir eingepackt.“ eröffnete mir der Eine freudig.

Ich nickte resignierend. Was hätte ich auch anderes tun sollen?

Wir fuhren 45 Minuten zum Besucherparkplatz des Wasserfalls. Dort begrüßte uns eine Matschpiste.

Dagegen war die Matschstraße zur Playa Rincon ein staubtrockenes Sträßchen.

Wir schlitterten über nasse Felsen nach unten, dann wieder nach oben und gingen schließlich die letzten Stufen zum Wasserfall hoch.

Wow! Wir hatten ihn ganz für uns allein. Schön sah es aus wie sich das Wasser todesmutig über den Abgrund warf – und idyllisch war es auch. Der Eine hatte wie immer Recht. Aber freiwillig und wissend hätte er mich nie hierhin bekommen.

Nach unserem zwei-Tages-Ausflug fuhren wir wieder zurück nach Las Galeras. Nichts konnte mich mehr überzeugen als eine warme Dusche und ein frisch bezogenes, trockenes (und nicht urwaldfeuchtes) Bett.

Auflösung Tag 18

Hat sie? Oder hat sie nicht? Zutrauen würden Sie es mir schon, aber ganz sicher waren Sie sich dann doch nicht. Aber ja, mit schamvoll rotem Gesicht, muss ich gestehen. Sie hat!

13 Gedanken zu “Das 19. Türchen im germanoitalbanischen Adventskalender

  1. Pingback: Das 20. Türchen im germanoitalbanischen Adventskalender | Zwischen Tiber und Taunus

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