Erstaunliche Szenen aus dem Zoo

Wir waren gestern im Zoo und haben gelernt, dass wir es erst wieder in einem halben Jahr mit Signorino im Zoo versuchen werden. Die Tiere haben ihn überhaupt nicht interessiert. Nicht ein My! Nur mit seinem Holzhammer wollte er auf dem Sandpistenweg hämmern. Danach hämmerte er noch am Gehege der Ziegen. Dabei war das Holz des Zauns deutlich interessanter als die Ziegen, die neugierig ihren Kopf durch die dunklen Holzlatten streckten. Selbst der struppige Paarhufer verstand nicht, warum Signorino nicht auf ihn abfuhr, so wie er es von den restlichen Kinder gewohnt war. Aus lauter Mitleid tätschelte der Römer den Ziegenkopf. Dankbar streckte die Ziege ihm ihre komplette Flanke entgegen, damit sie noch mehr gestreichelt werden konnte.

Dann lief Signorino davon und eine wirklich schöne Szene spielte sich daraufhin ab. Dazu muss ich Ihnen vorab mitteilen, dass ich diese Eigenart habe, Signorino diverse, immer wechselnde Spitznamen zu geben. Es ist wohl ein väterlicherseits vererbter Tick, denn von eben diesem habe ich diese seltsam anmutende Marotte. Sein gestriger Spitzname war Mörpls. Fragen Sie mich bitte nicht nach dem versteckten Sinn oder gar der Bedeutung, denn auf diese Fragen kann ich Ihnen beim besten Willen nicht antworten.

So brüllte ich also dem flüchtenden Signorino seinen tagesaktuellen Namen hinterher.

MÖÖÖÖRPLS! MÖÖÖÖRPLS! MÖÖÖRPLS!! SIGNORINO!! Kannst du bitte mal einen Moment stehen bleiben?!“ schallte meine Stimme vorbei am Ziegengelände.

Ein älteres Ehepaar, vermutlich begleitende Großeltern, standen unweit von mir entfernt. Er im hellblauen Karohemd, hellbeige Weste, beige Stoffhose. Sie trug eine Capri-Jeans und eine lachsfarbene Leinenbluse. Darüber einen über die Schulter gelegten und vor der Brust verknoteten, cremefarbenen Pullover. Beide guckten sich irritiert an, als sie den vermeintlichen Namen des Kindes von mir laut rufend hörten.

Er beugte sich zu seiner Frau und bemerkte viel zu laut, während ich vorbeihaste: „Mörpls-Signorino? Ingrid, hast du das gehört? Die Kinder von heute bekommen auch immer idiotischere Namen.“ Ingrid drehte sich zu Signorino und mir um, denn mittlerweile hatte ich den kleinen Kerl eingeholt. Wir standen immer noch in Hörweite, aber das schien Ingrid nicht zu bemerken.„Mörpls-Signorino!“, spuckte sie entrüstet aus und musterte mich dabei ganz genau. „Und wir dachten, der Name Alea-Estelle wäre schon eigenwillig. Walter, da sind wir richtig gut weggekommen mit unserem Enkelkind. Denk mal an die armen Großeltern von Mörpls!“

Ich zog den protestierenden Signorino am Arm Richtung Kinderwagen. „Komm, Mörpls-Signorino, wir gehen zu deinem Vater!“, sprach ich ernst und kicherte erst, als ich aus Ingrids und Walters Sichtfeld verschwunden war.

20 Kommentare zu „Erstaunliche Szenen aus dem Zoo

  1. Mörpls, wie spricht man das aus? Dass du dir da nicht die Zunge verknotest. 😂
    Ein Glück, dass der Spitzname des Tages gerade kein Tiername war, wie Hase, Bär, kleiner Tiger. Sonst wäre dir der halbe Zoo nachgerannt.😉

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    1. Ich empfehle eine ausgiebige Runde Wein vor der Aussprache. Das lockert die Zunge. 😉
      😄 Das ist ein guter Einwand! Die Okapis hätten mir allerdings gerne nachrennen dürfen. Die sahen beeindruckend friedvoll aus. 😎

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  2. Ich finde Mörpls-Signorino jetzt nicht so ungewöhnlich. Habe gerade nach Vornamen 2019/2020 gegoogelt, die tatsächlich vergeben wurden. Darunter Matt-Eagle, Störenfried, Emilia-Extra, Siebenstern (besser weggekommen, als ihre große Schwester, die vermutlich Sechsstern heißt), Popo, Despot und Satan. Kleiner Tipp noch: Kinder hören besser auf Rufe, wenn man die Namen nicht täglich wechselt! Überlege gerade, ob ich mich nicht in Zukunft nicht Tom-Mörpls nennen soll…

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    1. 😂 Stimmt, bei deiner Recherche würde Mörpls-Signorino noch unter die Kategorie “Klassiker” fallen. Wer sein Kind Lucifer nennen will, muss übrigens einen Doppelnamen wählen, las ich kürzlich. Sowas wie Lucifer-Mörpls eben, damit das Geschlecht ersichtlich ist.
      Dein Tipp ist gut. Den werde ich ausprobieren, lieber Tom-Mörpls! 😄😉

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    1. Nicht zu dekadent, aber dennoch die Richtung weisend. Kunstvoll, aber nicht aufdringlich. Ein Statement setzend, aber nicht überheblich wirkend. Ich verstehe, eure Durchlaucht! 😄
      P.S.: Nur der Zusatz “Prinz zu Korfu” würde noch fehlen! 😉

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  3. Ja, der erste Zoobesuch. Das war was. Der Weg dorthin war lang und es war sehr warm. Pünktlich bei Ankunft viel mein Erstgeborener in einen tiefen Schlaf. Erst beim Bauernhof, kurz vor dem Ausgang, wachte er wieder auf und war hellauf begeistert. Nein, nicht von den echten Tieren. In einer Ecke stand eine kleine Hundehütte aus der ein Plastikhinterteil eines Hundes ragte und kontinuierlich mit dem Plastikschwanz wedelte. Mein Sohn hockte sich davor und war nicht mehr wegzukriegen. Das war das einzige, das ihn an diesem Tag interessierte und dafür hatten wir ein Schweinegeld für die Tickets ausgegeben.
    I feel you 😂

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  4. Wenn die Anreise nicht zu weit ist, lohnt sich mit Kleinkindern übrigens eine Familien-Jahreskarte schnell. Vor allem, wenn die Voranmeldung wegen Corona mal nicht mehr nötig ist. Dann kann man nämlich auch mal nur für ein Stündchen auf den Spielplatz gehen oder nur die Affen besuchen oder einfach wieder gehen, ohne sich zu ärgern, dass es ja so teuer war und man die Löwen noch nicht gesehen hat. Ist wesentlich entspannter als so ein Einmal-Zoobesuch!

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    1. Das ist ein feiner Tipp! Wir hatten vor Signorino (und vor Corona) eine Palmengarten-Jahreskarte, die wir oft und gerne genutzt haben. Hier war natürlich der Clou, dass man nach den Öffnungszeiten noch aufs Gelände durfte und so gut wie allein war.
      Die Zoo-Jahreskarte lasse ich mir auf alle Fälle durch den Kopf gehen! Danke & Liebe Grüße 💛☀️

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