Der Freitagsrapport | KW 27 + 28

Alles auf „hold“

Heute ist der erste „freie“ Tag seit zwei Wochen. Wobei frei bedeutet, dass der Tag frei von Vormittags-Terminen ist. Zwei Jahre passiert nichts und dann passiert alles in einem Monat. Und wie das dann oft so ist: Rumort es im Hier und Jetzt, ebbt der virtuelle Austausch ab. Das wiederum finde ich überaus schade, las und lese ich doch Ihre Blogs unglaublich gerne. Aber irgendwann wird hier wieder mehr Ruhe einkehren und ich kann mich meinem liebsten Hobby widmen: dem Bloggen!

Eine Reise, die ist lustig. Eine Reise, die ist schön.

Der Aufenthalt im Münchner Umland (per se) war das auch. Die Autofahrt war hingegen eine vollkommene Katastrophe. Völlig übermüdet sind wir um 17:30 Uhr in Frankfurt losgefahren. Ich wollte die Reise deutlich früher antreten, aber der Römer, der um 16 Uhr von der Arbeit heimkehrte, fand meinen Vorschlag, ihm unterwegs etwas zu essen zu kaufen, skandalös. Nein, so könne er niemals in Ruhe essen als Beifahrer. Ich verdrehte die Augen und beschloss, nichts dazu zu sagen, auch wenn ich ihm am liebsten seinen spuntino [Imbiss] um die Ohren gehauen hätte. Prompt standen wir dann natürlich bis hinter Aschaffenburg im Stau. Der Gatte bestand darauf, dass er vorne mitfahren wolle und vorerst nicht bei Signorino sitzen würde. Sie ahnen es: ein 1,5jähriger fand diesen Vorschlag zum Brüllen. Wortwörtlich.

Kilometer um Kilometer quälten wir uns voran. Hinter Würzburg war meine Blase bis auf den letzten Millimeter gefüllt und ich fuhr raus. Das Kind schlief (endlich) seit fünf Minuten und wachte dann auf, als ich den Motor abstellte. Schnell huschte ich zum Rasthof und durfte feststellen, dass in Bayern FFP2 Maskenpflicht herrscht. Ich tippelte also wieder zurück, nahm mit verkniffenen Blick die gewünschte Maske in Empfang und schwebte vorsichtig wieder zu den Sanitäranlagen in der Raststätte – mit FFP2 Maske. Deutlich erleichtert fuhren wir weiter.

Gegen 23 Uhr waren wir im Münchner Osten und hatten Hunger. Der Römer, der weder fahren darf, noch kann, ist zudem auch noch ein miserabler Landkarten-App-Deuter. Er leitete mich zur Münchner Messe, anstatt mir zu beschreiben, wo der Kirchheimer Fastfood Riese war. Hungrig, müde und gereizt von der Fahrt, wurde ich sehr ausfallend, als ich mir nach drei Hinweisen meinerseits, dass mir dieser Streckenabschnitt seltsam vorkommt, schlussendlich sicher war, dass das nicht Kirchheim, sondern das weitläufige Messegelände München Riem war. Das italienische Navi sprach währenddessen ständig von einer rotonda, einem Kreisverkehr, den es dort vermutlich gab, als dieser Stadtteil noch einen Flughafen sein Eigen nannte. Ich war so sauer, dass ich dem Römer sagte, ich wisse schon selber, wie ich nach Kirchheim kommen würde. Das wusste ich dann auch und parkte vor dem goldenen M. Ich sprang rein, bestellte uns etwas zu essen und huschte vollbepackt wieder raus.

Um 23:30 Uhr waren wir schlussendlich mit einem völlig übermüdeten und schreienden Kleinkind am Zielort. Nie wieder!

Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Die Rückfahrt sollte sich nicht nur weitaus länger ziehen (sieben Stunden von München nach Frankfurt), sondern auch noch um einiges anstrengender werden. Anscheinend hatte ich auch nichts aus der Hinfahrt gelernt, denn der Römer war wieder der Navigator und führte uns nach Stuttgart. Bei Pforzheim hatte sich das bis dahin sehr brave Kind eingebrüllt. Der Römer wurde hektisch, wie er es immer wird, wenn das Kind brüllt und ich schrie nach hinten, dass er bitte irgendetwas machen solle, damit Signorino sich beruhigen würde. „Du fahr einfach!“, war seine trotzige Antwort darauf. Ich sah rot und fuhr an der nächsten Raststätte raus. Dort stellte ich das Auto ab und motzte ein „Fahr doch du, wenn es so einfach ist.“ in die hintere Fahrgastzelle. Signorino hatte mittlerweile aufgehört zu schreien. Ich schnappte mir meinen Geldbeutel und stiefelte in die Raststätte. Dort gönnte ich mir alleine einen Kaffee und 15 Minuten Ruhe auf der Außenterrasse. Als ich zurück zum Auto ging, war es leer. Der Gatte war mit Signorino auf dem angrenzenden Spielplatz. „Tutto bene?“ [Alles gut?], fragte der römische Gatte mitfühlend. Ich nickte knapp. Dann hielt er mir ein gepflücktes Gänseblümchen unter die Nase. „Für dich!“, grinste er. „Das ist ja wohl das Mindeste!“, näselte ich. Nach weiteren 20 Minuten auf dem Spielplatz gaben wir Signorino zu verstehen, dass es Zeit wäre für ein Mittagessen. Dreißig Minuten später saßen wir wieder im Auto (respektive Stau). Nur noch einmal brüllte das Kind und das war kurz vor Frankfurt. Man konnte bereits den Messeturm sehen, doch das wusste das Kind nicht. Wir fuhren raus, ich trug das Kind zwanzig Minuten lang über den Rastplatz, es beruhigte sich, wollte nicht mehr in den Kindersitz, schimpfte sehr, ließ es sich dann aber doch gefallen und die beiden Herren im Fond bespaßten sich gegenseitig.

Daheim schrieb ich nach München: „Wir kommen gerne wieder. Aber nicht mehr mit dem Auto!“

Gewitter?

Oh ja. Die ersten Tage im Süden Deutschlands waren geprägt von Regen und Gewittern. Hier ein paar Impressionen.

Im botanischen Garten – München Ost

Die Münchner und München-Kenner werden die Stirn runzeln bei dieser Überschrift. Aber es gibt doch überhaupt keinen botanischen Garten im Münchner Osten? Da haben Sie absolut recht.

Jedoch kann man den Garten meiner Eltern durchaus als botanischen Garten bezeichnen, so viel gibt es zu entdecken. Ein Glück bin ich nur Besucher und nicht der Gärtner, aber auch das soll, laut meiner Mutter, sehr bereichernd sein. Übrigens: Der Eintritt war kostenlos. 😉

Ein weiterer Pluspunkt war, dass Signorino mit Gießkannen, Eimern und Wäschekörben voller Wasser nach Herzenslust planschen konnte, was vermutlich in nur wenigen botanischen Garten weltweit erlaubt wäre.

In diesem Sinne: Ich wünsche Ihnen ein staufreies und angenehmes Wochenende!

8 Kommentare zu „Der Freitagsrapport | KW 27 + 28

    1. Das freut mich sehr, liebe Gerda. 🤩 Mittlerweile habe ich meinen Humor wiedergefunden und kann darüber lachen.

      Dein Gartenkompliment habe ich sofort an die Gärtnerin weitergegeben. Sie freute sich sehr darüber! 😃🌷

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  1. Oh, den Kreisverkehr gibt es, beziehungsweise sogar zwei, nämlich in Dornach auf der anderen Seite der Autobahn. Do kommt man dann auch Richtung Kirchheim und zum Restaurant mit der goldenen Möwe (neben der Tankstelle).

    Apropos Tankstelle: während einer Sylvester-Nachtschicht wollte ein Fahrgast auf dem Weg von Poing nach Heimstetten genau in dieser Tanke was kaufen. Beziehungsweise, er bat mich doch bitte einzukaufen. Auf Nachfrage erklärte er, er selber könne dort nicht einkaufen, denn er hätte diese Tankstelle einmal überfallen. Offenbar kam ihm nicht in den Sinn, dass das vielleicht keine Reklame für die Idee ist, ihn alleine in meinem Taxi zu lassen. Ging aber alles gut. Ein römisches Navi hätte wahrscheinlich gerufen „Pericolo! Pericolo!“

    Gefällt 2 Personen

    1. Du wärst mein “Telefon-Joker” gewesen. Nur via WordPress. 😄 Da hatte also das penetrante, italienische Navi mit seiner rotonda-Ansage recht. Na gut! 😅

      Die Geschichte ist herrlich! 😄 Immerhin stand das Taxi noch an Ort und Stelle und war nicht schon im McDrive eingegliedert worden von deinem Fahrgast, der sich danach eine Spritztour gegönnt hätte. 😄 Ich hätte sehr gelacht, wenn das Navi “Pericolo!” gerufen hätte.

      Gefällt 2 Personen

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