Papa oder Opa?

Nach langem Überreden, erklärt sich Signorino endlich dazu bereit, dem Spielplatz den Rücken zu kehren. Wir gehen durch die Parkanlage Richtung Wohnung. Auf einer Bank sitzt ein Mann. Er ist in seine Zeitung vertieft. Sein hellblaues, kurzärmliges Poloshirt sitzt locker. Aus seinen beigen Bermudashorts ragen bereits sonnengebräunte Beine. Der Mann hat etwas längere Haare, die ihm bis zu den Ohren reichen. Er ist rasiert und wirkt sehr gepflegt. Neben ihm parkt sein rotes Rennrad. Müsste ich ihm einen Stempel geben, ich würde ihn als “junggebliebenen Mitfünfziger in Führungsposition” beschreiben.

Signorino tapst an dem Mann vorbei. Seinen neuen Sandkasten-Bagger trägt er stolz vor seiner Brust. Er bleibt vor dem Herren stehen, mustert ihn neugierig und fragt, vermutlich mehr sich selbst, als uns:

“Papa oder Opa?”

Der etwa 50jährige Mann blickt von seiner Zeitung auf, lächelt unseren Ableger an und vertieft sich wieder in seine Zeitung.

“OPAAA!!!”, ist sich Signorino sicher und äußert seinen Gedanken überaus lautstark. Dann pflückt er mit der rechten Hand eine Puste(blume) und düst mit seinem Bagger und der Pusteblume davon. Ich lächle entschuldigend, gucke in ein verdutztes, sonnengebräuntes Gesicht eines Mitfünfzigers und laufe dankbar dem schnell flüchtenden Kind hinterher.

Ein innerliches Highfive hat sich Signorino sicher für seinen flotten Kommentar gegeben.

11 Kommentare zu „Papa oder Opa?

  1. Signorino hatte zwar in beiden Fällen unrecht in seinen Überlegungen, doch ist dies unwichtig. Papa oder Opa ist man von seiner Natur her oder aus Überzeugung – letzteres kann auch vorübergehend sein. Papas strahlen üblicherweise mehr Aktivität aus, als ein ruhiger Zeitungsleser, daher: logischer Schluß Signorinos 😉 …
    Doch gibt es eine 3. Kategorie Mann, welche bereits ist oder [(beides) noch] nicht: den emanzipierten Mann, der sich selbst in keine Rolle zwängt … 😉 – die Verdutzung über die Zuweisung des ’schlimmeren‘ der angedachten Attribute könnte darauf hindeuten, daß Sie in der Einschätzung jener Person, welche Signorinos Beurteilungssequenz ansprach, grundsätzlich richtig lagen (und diese obendrein vllt erst vor kurzem Vater geworden war ;-)…).

    Wie auch immer: Signorino hat erneut bewiesen, welches Kaliber freier, ungebrochener Mensch hier heranwächst – was nicht ganz ohne Zutun der Eltern möglich ist.
    Die Geschichte wäre (mir) grundsätzlich wieder einen 7-Euro-Bon für Kaffee+Eis wert (7 € sind 100 altösterreichische Schilling – eine gute Marke, finde ich), doch mußte ich mein PP-Konto kündigen, weil die Software offenbar nur mehr für WegWischHendis appliziert wird und auf meinen PCs (weder unter win noch linux) nicht zufriedenstellend läuft… und klicke ich auf ein anderes der Bezahlsymbole, öffnet sich dennoch bloß ein PP-Fenster…

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    1. Signorino ist wahrlich ein aufgewecktes Kerlchen. Doch manchmal, soviel sei gesagt, muss ich zugeben, dass seine Kommentare einen in die Enge treiben. So nannte er erst letztens seine Tante, ein nicht gerade schlankes Kaliberchen von 100 Kilo verteilt auf 1,65m, „Tante Wutz“, angelehnt an die Schweine-Zeichentrick-Serie „Peppa Wutz“. Nun denn, Glück im Unglück, die Tante war albanischer Natur und lächelte ihren Neffen herzlich an.

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