Kindermund #23

Der Römer und ich befinden uns nicht im selben Zimmer. Dennoch wollen wir uns unterhalten und so schreie ich ins Wohnzimmer und er schreit ins Schlafzimmer, wo der Wickeltisch steht.

Signorino denkt bei dem Geräuschpegel, dass wir streiten und protestiert lautstark: “He, hört sofort auf zu streiten, ihr Blödmänner!”

Wir versuchen ihn davon zu überzeugen, dass wir nicht gestritten haben. Er will uns nicht glauben.

Ich setze mich zu ihm, versuche nochmal, ihn davon zu überzeugen, dass das kein Streit war und äußere, dass ihm das sicher Angst mache. Meine Eltern haben früher oft gestritten und ich fand’s immer richtig doof, füge ich an.

Signorino: “Eltern? Du hast Eltern?”

Ich: “Klar. Jeder hat Eltern!”

Signorino (schockiert): “Ich dachte, du hast gar keine Eltern.”

Ich: “Doch, Oma ist meine Mama und Opa, der Mann auf dem Bild da (zeigt auf ein Bild von Opa) ist mein Opa, aber er ist gestorben.”

Signorino: “Oh, ist er ausgestorben?”

Ich muss lachen, weil Opa ja nun kein Dinosaurier war, der aussterben kann. 😄

14 Kommentare

  1. Du hättest ihm gleich noch erklären können, dass er, Signorino, ja ein Nachfahre vom Opa ist, seine Art also nicht ausstirbt. Aber das wäre viell.doch zu kompliziert gewesen? Erst mal verdaut er jetzt, dass Mama auch Eltern hat. Schon komisch. 😆

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    • Das kann ich nächstes Mal probieren, liebe Anke! Vielleicht kommt dann wieder eine Antwort, die ich auf meinem Blog verschriftlichen darf. 😄 Dass Eltern Eltern haben, war nachhaltig schockierend. Und dass Oma meine Mama ist noch mehr. 😄

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  2. Menschen werden über ihre Rollen definiert. Wir lernen das so und es beginnt mit unseren Eltern. Dass sie eventuell mal in anderer Rolle aufgetreten sind verstört uns zumeist. Nicht nur als Kind. „Was bist du“ heißt ja für gewöhnlich noch nicht, dass man die Zugehörigkeit zur Art Jetztmensch beim Gegenüber in Frage stellt, nein, man will seinen Beruf und über diesen seine gesellschaftliche Stellung, eben seine Rolle herausfinden. Das kann man jetzt weniger gut finden oder auch ganz geschickt gemacht, aber es schränkt einen doch sehr ein!

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    • Dass Mama und Papa vielleicht auch mal Teenager waren, auch mal Flausen im Kopf hatten, übermütig waren, durchfeierte Nächte hatten: Unvorstellbar!
      Gestern fragte ich den Römer genau das: Wer bist DU – abgesehen von Familienvater, Ehemann, Sohn, Bruder, Arbeitnehmer? Ja, wer bist du? Es war unendlich schwierig zu beantworten, sind wir doch aktuell und hauptsächlich Eltern – 24/6.

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      • Ja, das füllt alles aus, verdrängt alte Erinnerungen – war es jemals anders? Wird es jemals anders sein? Kleine, falsche Beruhigung: Ja, es wird anders sein. Aber Eltern bleibt man für immer, das heißt, auch wenn die Gründe andere sein mögen, man kann auch noch wach liegen, wenn der juvenile Sprößling spät nachts immer noch nicht nach Hause gefunden hat!

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