Manchmal frage ich mich, ob der Altersabstand von fünf Jahren bei den Kindern schlau oder duselig ist. Und ich kann Ihnen keine rechte Antwort darauf geben.
Fakt ist: Wir haben uns das nicht ausgesucht. Bianco ist ein sehr gewünschtes, aber ebenso ungeplantes Kind. Denn nach Signorino war klar: Das mache ich nicht noch mal mit.

Nun denn, ich sollte mich täuschen. Ich mache es noch einmal mit. Etwas klüger als beim ersten Filius, denn der Römer ist nicht nur Zaungast als Elternteil, sondern durchaus sehr involviert. Und das verbesserte nicht nur das Verständnis für die ausgelaugte Mutter. Nein, es verbesserte die ganze Beziehung.
Mütter sind nicht faul. Sie sind Überperformer. Und es gibt Tage, da könnte man seine Seele dafür verkaufen wollen: Die Spülmaschine kann man trotzdem nicht ausräumen.
Das durfte der Römer recht schnell lernen. Seit den Wintermonaten stecken wir in einer durchaus herausfordernden Phase. Momentan schreit Bianco gerne schrill und laut, sobald ihm etwas gegen den Strich geht. Und ihm geht vieles gegen den Strich. Eigentlich nahezu alles.
„Schaffen Sie eine Ja-Umgebung!“, steht in meinem sehr geschätzten Erziehungsratgeber. Bianco würde selbst in einer Gummizelle den Gummi von der Zellwand knabbern, so dass auch hier die Ja-Umgebung obsolet wäre. Und ehrlich? Man lebt auch selbst in dieser Ja-Umgebung.
Wo soll ich den Wlan-Router denn hinklipsen? Und soll ich die Couch und das Bett sicherheitshalber zum Sperrmüll bringen, damit das Kind nicht darauf herumklettert und -läuft?
Außerdem gibt es noch Signorino, dem ich hundert Mal sagen kann, er soll seine zig Kinderbastelscheren auf gar keinen Fall herumliegen lassen.
Ein kreativer Kopf schafft und schöpft eben Kreativität, wo es ihm gerade passt.

Egal, ob er dadurch aus Versehen aus einer Ja-Umgebung eine Nein-Umgebung macht. Wo gehobelt wird, fallen eben Späne.
Aber Signorino ist pragmatisch. Wahrscheinlich ist das auch so ein Künstler-Ding von ihm: Stört der kleine Bruder, trägt er ihn kurzerhand weg. Ab in den Wohnungsflur. Türe zu. Problem gelöst.
Das Schreien und Klopfen des jüngeren Geschwisterchens scheint ihn dabei nicht zu stören. Soll er doch schreien. Schließlich darf sich der kleine Bruder eben genau so ausdrücken wie er das gerne möchte. Wir sind ein liberaler Haushalt.
Hauptsache, er stört den Künstler nicht bei der Arbeit. Signorino schafft sich eben kurzerhand selbst die Ja-Umgebung.
Und was würde ich darum geben, auch so eine Ja-Umgebung zu schaffen: Nur fünf Minuten einen noch heißen Espresso zu trinken. Vielleicht eine Praline dazu. Den Jüngsten mal eben in den Flur abstellen.
Und ja, so ähnlich mache ich das manchmal. Natürlich mit offener Tür zum Wohn- und Essbereich.
Soll er doch den Schuhschrank ausräumen. Nur raus mit den Sandalen und Zehentretern. Im hohen Bogen klatschen sie gegen den Spiegel. Klonk-klonk macht das.
Und dann rein mit den Stofftieren in die Kippschubladen. Quetsch-quetsch.
Wie viele da wohl reingehen? Mindestens fünf! Und der überdimensionierte Stoff-T-Rex des großen Bruders? Mit Gewalt passt auch er. Natürlich schaut der Kopf heraus. Die Luft wird knapp beim urzeitlichen Stofftier, aber wen stört das schon?
Mich nicht, denn ich trinke meinen Espresso warm und gucke mir das Schauspiel an. Was sind schon zehn Minuten Aufräumen, wenn man sein Getränk in Ruhe genießen kann?

So geht das tagein, tagaus. An guten Tagen wird der Schuhschrank umgebaut. An schlechten der Espresso jauchzend umgeworfen. Guck mal, wie schön sich die braune Flüssigkeit auf dem weißen Tisch verteilt.
“Mama! Darf ich was mit dem Espresso auf den Tisch malen?”, fragt dann der Künstlernachwuchs. Ich seufze.
“Aber nur ganz kurz! Dann müssen wir es aufputzen.”, resigniere ich. Choose your battles. Man kann nicht jeden Kampf kämpfen. Nicht mit drei Stunden Schlaf.
“Aber ich räum’ das nicht auf. Bianco hat den Espresso umgeworfen! Und dann mache ich das schon gleich gar nicht. Gaaaar nicht! Ich kann nur auf dem Tisch malen. Aber ich wische nichts auf.”, gibt der Große seine AGBs durch.
Ich seufze wieder. Irgendwann sind sie groß. Irgendwann schütte ich den Espresso in ihrer Wohnung um und sage: “Ich wische das nicht auf. Ich will nur etwas malen!”
Irgendwann.

Gibt seine AGB durch – herrlich 😂
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Signorino wie er leibt und lebt. 😄😄
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O, ich genieße deine Mama-Szenen! Leider gibts hier schon lange niemanden mehr, der mit Kaffeesatz malen will. Doch ich erinnere mich mit warmem Gefühl daran, als ich, aus meinem Rückzugszimmerchen, wo ich an meiner Doktorarbeit tippte, auftauchend, die ganze Wohnung verschnürt vorfand.
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