Der Freitagsrapport | KW 25

Ein Dusel

Nein, kein Dussel. Ein Dusel [Betonung auf dem U] sagt man im Bayerischen, wenn jemand sehr viel Glück (im Unglück) hatte. Wer so ein Dusel gehabt haben könnte? Natürlich mein römischer Gemahl. Wer sonst?!

Um was es ging? Um seinen Impftermin.

Vor etwa zwei Monaten wurden seine Impftermine bestätigt. Leider passten die Zeiten so gar nicht in seinen Arbeitsplan und so buchten wir den Ersttermin um, so dass er sich in seine Work-Life-Balance, wie man so schön sagt, einfügt. „Sollen wir den zweiten Termin auch gleich umbuchen?“, wollte ich vom Römer wissen. Er winkte ab. „No, no, das machen wir dann.“ Wie ein so kleines, unscheinbares Wort wie „dann“ in einem, einzigen großen Chaos endet, war mir damals nicht bewusst, sonst hätte ich darauf bestanden, dass aus dem „dann“ ein „sofort“ wird.

Der Römer trat in der beeindruckenden Frankfurter Messehalle zur Erstimpfung an, die Wochen vergingen und ihm fiel ein, dass er den Zweittermin unter der Woche, um 10:30 Uhr vormittags, nicht wahrnehmen könne. So bat er seine persönliche Assistentin, mich, um Hilfe. Sogleich machte ich mich daran, den Termin umzubuchen. Doch es klappte nicht. „Momentan können wir Ihnen keine Alternative anbieten. Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal.“, stand da. Ich bestand darauf, dass der Römer die Impfhotline anrufen solle. „Si, si, lo faccio subito. [Ja, ja, das mache ich sofort.]“, sprach der Gatte und machte – nichts. So verging Tag um Tag. Immer wieder hakte er bei mir nach, ob ich es noch einmal online versucht hatte, seinen Termin zu verschieben. „Nein, ich habe es nicht noch einmal versucht.“, log ich, da ich wollte, dass er den Termin bei der Hotline umbuchte. Natürlich hatte ich es seit Tagen im Stundentakt versucht, aber es war absolut nicht möglich, einen anderen Termin zu bekommen. „Ah…allora…[Ah…also…] dann frage ich meinen Vorgesetzten.“, gab der Römer seinen Plan preis. „Du kannst auch einfach bei der dämlichen Impfhotline anrufen.“, schob ich nach. „Nein, nein, mein Arbeitgeber muss mich freistellen. Schließlich geht es um meine Zweitimpfung.“, bestand der Römer auf seinen Plan. Nun denn. Er informierte seinen Vorgesetzten und dieser, der zufällig italienische Wurzeln hatte, hatte vollstes Verständnis. „Aber sicher doch! Unsere Sekretärin muss dir die Stunden freischaufeln. Ich habe auch versucht, meinen Termin umzubuchen, aber das war unmöglich.“, zeigte sich sein Chef empathisch.

Na, wenn auch er das römische Modell angewandt hatte, was mir als Landsmann nicht unwahrscheinlich schien, dann konnte ich mir sehr gut vorstellen, dass es nicht geklappt hatte. Die Sekretärin seufzte kurz, rief dann alle Patienten zwischen 10:00 – 13:00 Uhr an und suchte händeringend mit ihnen nach einem neuen Termin. Am Donnerstag Abend kontrollierten wir, auf meinen Wunsch hin, die Impfunterlagen. Mein Blick fiel auf die Uhrzeit des Zweittermins. 14:30 Uhr. Moment mal?! 14:30 Uhr?! Behauptete der Römer nicht seit Wochen steif und fest, dass dieser Termin um 10:30 Uhr stattfinden würde? Postwendend konfrontierte ich den Römer mit seiner Impfuhrzeit. „Das muss ein Fehler sein.“, antwortete er gelassen. „Aber hier steht 14:30 Uhr! Moment, ich schau mal in deinen Online-Unterlagen nach.“ Der Römer war immer noch tiefenentspannt. Es würde sich vermutlich nur um eine alte Bestätigung handeln, ein Tippfehler, ein Systemfehler, was auch immer. Ich loggte mich rasch ein. „Ach, du meine Güte. Der Termin ist wirklich um 14:30 Uhr.“, erschrak ich abermals. Der Römer wurde leicht nervös. „Eh allora? [Und nun?] Hm….“, sprach er leise. Sofort klickte ich hektisch in der Online-Plattform der Impfterminvergabe umher. Alles probierte ich aus. Erfolglos. Bis ich über die Kategorie „Ersttermin verschieben“ stolperte. Was hatte ich schon zu verlieren? In meiner Verzweiflung verschob ich also den Ersttermin, den der Römer bereits Anfang Mai hatte. Das System gab mir einen neuen Erst- und Zweittermin. Freitag, 16:30 Uhr war der neue Ersttermin und „Irgendwann Ende Juli.“ der Zweittermin. Ein Versuch war es wert.

„Ich versuche das mal. Wenn’s klappt, ist’s gut. Wenn’s nicht klappt: pazienza! [Geduld!]“, fasste der Römer seine missliche Lage zusammen. Einmal so gelassen wie dieser Mann zu sein, und das ganz ohne stundenlange Meditation, das wäre mein Lebenstraum. Nach der Arbeit tuckerte er zur Festhalle/Messe, wo sich Frankfurts Impfmaschinerie befand. Er erklärte charmant seine missliche Lage und wie er versuchte, das Problem selbst zu lösen. „Kein Problem! Uns ist nur wichtig, dass wir die Impfdosen hier haben und sie einen Termin gebucht haben. Wir sehen in unseren Computern, dass Sie bereits erst geimpft worden sind. Bitte mit den Unterlagen hier entlang. Tschüüühüüüss!“, flötete die Dame an der Impfrezeption. Nach einer Stunde kam der Römer gut gelaunt nach Hause. „Hat alles geklappt. Es war überhaupt kein Problem.“, erklärte er stolz. Dieser Mann! Römisch gelassen und dabei immer das Glück auf seiner Seite.

Römer müsste man sein! Das Bild zeigt den Parco degli Acquedotti. Im Hintergrund ein imposantes Aquädukt, rechts Pinienbäume, eine große, grüne Wiese, darauf ein umgekippter Baumstamm und eine Person, die darauf rastet. Der Himmel ist blau.

Geheult wie ein Schlosshund

… habe ich diesen Mittwoch. Der knapp 2jährige Nicola Tanturli wurde am Fuße einer Böschung, irgendwo im Mugello, (einer Landschaft, die sich in etwa nördlich von Florenz und südlich von Bologna befindet) wieder gefunden. Außer ein paar Kratzern hatte er nichts.

Was war passiert? Am Dienstag publizierten die italienischen Medien, dass der kleine Nicola von seinen Eltern vermisst gemeldet wurde. Er verschwand in der Nacht von Montag auf Dienstag aus seinem Elternhaus in Palazzuolo sul Senio, einem Ort in der Provinz Florenz. Dienstagmorgen haben die Eltern die Polizei informiert, da sie ihren Sohn nicht mehr in seinem Bettchen vorfanden. Man ging davon aus, dass der kleine Mann eigenständig aus seinem Bett aufgestanden ist und das Haus verlassen hat. Hierzulande würde das Haus wohl als Einsiedlerhaus bezeichnet werden. Dadurch war Nicola es gewohnt, dass er das Haus autonom verlassen und draußen spielen konnte.

Den ganzen Tag und die ganze Nacht suchte man nach dem kleinen Nicola. Ohne Ergebnis. Man untersuchte einen nahegelegenen See. Wärmebildkameras wurden eingesetzt. Spürhunde. Helikopter. Doch alles verlief im Sand.

Am Mittwoch dann die erlösende Nachricht: Der Carabinieri-Chef Danilo Ciccarelli aus Scarperia hat den Kleinen auf Hinweis eines Journalisten am Fuße einer Böschung entdeckt. Es schien ihm ein Tier, das so schrie. Der Eindruck wurde auch dadurch bekräftigt, dass das scheinbare Tier jedes Mal verstummte, sobald Ciccarelli Nicolas Namen rief. Als Ciccarelli Nicola entdeckte, rief dieser nur „Mama!“ und warf sich dem Carabinieri um den Hals. „Ich habe kontrolliert, ob es ihm gut ging. Er hatte nur ein paar Kratzer.“, sagte Ciccarelli sichtlich bewegt im Interview mit der Presse. Als ich dann noch das Video sah wie seine Mama ihren vermissten Sohn nach diesen aufregenden Tagen in die Arme schloss, weinte ich wie ein Schlosshund.

Ende gut, alles gut? Ja.

Und nein. Welch enthemmende Wirkung digital vermittelte Massenkommunikation hat, brauche ich Ihnen nicht zu erklären. Aber, dass ein Großteil der kommentierenden Personen davon ausging, dass die Eltern sicher einen Mord an ihrem eigenen Kind vertuschen wollten, empfand ich dann doch als sehr schockierend. Ein 2jähriger könne doch keine Türklinke öffnen und das Haus verlassen, war hier das Schlüsselargument. Dazu kann ich sagen: Was ein 1,5jähriger Signorino kann, und zwar die Türklinke der Wohnungstür ohne Probleme herunterzuziehen, kann auch ein 2jähriger Nicola. Ich hoffe, die ätzenden Waschweiber der sozialen Netzwerke schämen sich in Grund und Boden für ihre widerwertigen Kommentare und ihnen rutscht beim Händewaschen jedes, einzelne Mal der Ärmel runter und wird pitschnass.

Jetzt aber fix!

Aber wirklich. In einer Woche schreibe ich meine erste Klausur (ich werde noch ausführlich berichten) und irgendwie dachte ich, als ich mich zur Prüfung anmeldete, ich wäre schon „weiter“. Ich war ebenso überrascht wie mein Studienskript, dass ich noch etwas hinterherhinke. Deswegen wird es hier vermutlich etwas stiller. Dennoch hoffe ich, den nächsten Freitagrapport nicht ausfallen zu lassen. Doch wenn, seien Sie mir nicht böse! Es dient einem höheren Zweck. 😉

Das damalige, römische Deutschskript wäre um ein vielfaches leichter. Das Bild zeigt einen Leitfaden zum Bestehen der Deutschprüfung.

Danke!

Herzlichen Dank für all Ihre wunderbaren Tipps, wo die Farniente’schen Ferien verbracht werden könnten. Sobald meine erste Klausur geschrieben ist, werde ich mir ein paar, freie Tage gönnen, in denen ich müßig auf dem Sofa liege und mich genau mit Ihren Tipps beschäftige.

Das Bild zeigt ein türkisfarbenes Meer, ein Bötchen, das darauf schaukelt. Alles wurde durch den weitmaschigen Strandkorb fotografiert. Ein Meer aus pastellblauen Farben.

Das Lied der Woche

Ohne Frage, Italien ist zauberhaft. Die Landschaft, die Bauwerke, die Kultur, die Leute und das Essen. Aber, dass die Italiener uns mindestens genau so toll finden, zeigt Francesca Michielin (ja, die schon wieder) in ihrem Videoclip zum 2017 erschienenen Lied „Vulcano„. Gedreht wurde das Musikvideo in Berlin. Nun bin ich wahrlich kein Berlin-Kenner wie Valentin und Julian, aber ich finde, das Video ist gelungen und die Kulisse ist passender denn je.

Jetzt bleibt mir nur zu hoffen, dass Sie sanft ins Wochenende schweben und sich keinen Sonnenbrand (oder nasse Füße, je nach Region) holen.

Der Freitagsrapport | KW24

Löffelchenstellung

Wie isst Signorino daheim?“, fragte die Erzieherin mich diese Woche. „Mit den Händen… und flüssige Sachen füttern wir ihm.“, antwortete ich wahrheitsgemäß. Sie runzelte die Stirn. „Also wir hier in der Kita sagen, dass Kinder mit 1,5 Jahren mit dem Löffel essen sollten. Das ist unser Standard hier.“ Ich nickte und versprach, mich darum zu kümmern. Das tat ich auch. Zwei Nachmittage versuchte ich, dass das Kind alleine einen Joghurt isst. Nachdem 2g Joghurt im Magen des Kindes landeten und 98g überall anders, von der Wand über den Schrank bis zum Tischchen, gab ich auf. Dann malte Signorino noch ein bisschen mit der Joghurt Pampe auf dem eh schon verhunzten Tischchen. So konnten wir immerhin einen künstlerischen Erfolg verzeichnen. Dennoch: Dinge mit dem Löffel zu essen und das mit 18 Monaten klappt bei uns nicht. Der Versuch ist (vorerst) für beendet erklärt!

Vater-Kind-Brunch

Der Römer bezeichnet mich morgens gerne als „lunatica“ [launenhaft]. Dabei hat er (leider) recht. Morgens komme ich wirklich schwer in die Gänge. Alles ist mir zu laut, zu viel, zu wuselig und zu dicht. Unter der Woche ist es hingegen erträglich, da Mann und Kind zur Arbeit und Kita gehen. Den ganzen Vormittag verbringe ich dann damit, mich gemächlich in den Tag hineinzufühlen (das hört sich dekadenter an als es ist). Aber am Wochenende prasselt alles ungefiltert auf mich ein, was dann durchaus gerne zu Konflikten führen kann. Auch dadurch, dass der Römer wie eine Sprungfeder am Wochenende aus dem Bett springt und sofort da anfängt, wo er abends aufgehört hat. Am liebsten würde er mir all seine nächtlichen Erkenntnisse bei einem Frühstück in einem Café irgendwo in Frankfurt erzählen. Doch vor 12 Uhr das Haus zu verlassen, ist mir, am Wochenende, eine unendliche Qual.

Wie gut, dass wir vor einem guten Jahr Nachwuchs produziert haben. Der neue, samstägliche Frühstückskumpel des Römers ist nun Signorino – und Mutti hat frei. Die beiden Herren nutzten die Öffnung der Frankfurter Gastronomie und düsten mit der U-Bahn ins italienische Lieblingscafé des Römers. Dort gönnte sich der Große ein Cornetto und einen Cappuccino, der Kleine bekam eine aufgeschäumte Milch und ein Stück Ciambella [ein ringförmiger Frühstückskuchen]. Beide hatten ihren Spaß und ich eine angenehme Mußestunde, in der ich lunatica [ich übersetze es gerne als mondfühlig] sein konnte wie es mir behagte.

Ich hoffe, aus diesem Vater-Kind-Brunch wird eine samstägliche Tradition. Es wäre sowohl der ruhebedürftigen Partei, als auch der italienisch-quirligen Frühstückspartei zu gönnen. Drücken Sie mir die Daumen!

Nachwort: Das Beste daran habe ich Ihnen noch gar nicht mitgeteilt. Man bringt der Daheimgebliebenen, also mir, auch noch etwas mit. Drei süße Törtchen bekam ich, die wir zwischen uns aufteilten! Da verflüchtigte sich sogleich jeglicher Rest meiner Morgenmuffelichkeit.

Sie möchten wissen wie die Törtchen aussahen? Ich zeige Sie Ihnen im Bild der Woche.

Das Bild der Woche

Man möchte meinen, im Hause Farniente gibt es nur Törtchen und Kuchen. Ganz verneinen kann ich die Annahme nicht!

Der Lacher der Woche

Den Lacher der Woche lieferte Signorino – und zwar im Schlaf. Laut kichernd und dabei tief und fest schlafend weckte er uns. Nachdem der Römer und ich zu uns gekommen waren, mussten auch wir schmunzeln. So ging das zehn bis fünfzehn Minuten lang. Dann drehte sich das Kind zur Seite und das Kichern wandelte sich zu tiefen, ruhigen Atemzügen.

Hilfe! Urlaub!

In etwa so fühlt es sich dieses Jahr an. Im September soll es so weit sein: 14 Tage Urlaub hat der Römer eingereicht und bestätigt bekommen. Nur leider wissen wir nicht wohin. Wir wissen nur, was wir wollen (und was wir nicht wollen), nicht aber, wo dieser Ort sein soll. Vielleicht haben Sie zufällig die Nadel im Urlaubsdestinations-Haufen und können uns einen Tipp geben?

So entspannt möchte ich im Urlaub aussehen. Nur die Kulisse sollte eine andere sein.

Was wir uns vorstellen:

  • Ein Urlaubsort am Mittelmeer mit einem adretten Strand, der nicht allzu weit entfernt ist.
  • Ferienwohnung – da wir Individualtouristen sind.
  • Mein persönliche Wunsch wäre ein Ort, an dem ich mindestens einmal in 14 Tagen einen Tintenfisch vom Grill (polpo arrostito) genießen kann.
  • Es sollte im gleichen Ort (oder in Fahrweite) einen Supermarkt, (mind.) ein Café und eventuell ein Restaurant geben.
  • Maximal zwei bis drei Stunden Flugzeit

Und ja, wir dachten auch schon an Apulien und wären nicht abgeneigt. 😉

Es muss nicht gleich Ipanema sein.

Was wir nicht wollen:

  • Einen All-Inclusive Hotelbunker
  • Einen Club-Urlaub
  • Einen wilden Partyort mit unzähligen Diskotheken, die alle bis September wieder in Betrieb sind.

Sie wissen ganz genau, wo dieser Ort sein könnte? Dann schreiben Sie es gerne ins Kommentarfeld oder per Email an info@zwischentiberundtaunus.com

In diesem Sinne:

Gleiten Sie sanft und sicher ins Wochenende. Und lassen Sie sich nicht vom Freizeitstress verrückt machen. 😉

Der Freitagsrapport | KW19

Jedem neuen Anfang wohnt ein Zauber inne

Gezuar fiter bajramin!“ hörte und las ich am Mittwochabend sehr oft. Was das wohl bedeuten mag, werden Sie sich fragen? Es bedeutet, dass der Fastenmonat Ramadan ein Ende gefunden hatte und dies war der dazugehörige, albanische Glückwunsch. Und wie das oft so ist mit einem Ende: In ihm wohnt ein neuer Anfangszauber inne. Dazu war die Magie dieses Anfangs eine ganz besonders köstliche: Zweierlei Canapés, Dorade in Salzkruste mit persischem Reis und natürlich das Dessert in Form von Brownie Cheesecake (selbstgemacht), Baklava, Kadayif (von Turtle selbst gekauft) und Erdbeeren.

Besonders schön fand ich, dass sich Turtle an unser letztes Zuckerfest erinnert hat und sich bereits am Anfang des Fastenmonats für das diesjährige Zuckerfest angemeldet hatte. Da das heurige Fastenbrechen um Punkt 21 Uhr stattfand, waren wir besorgt, ob wir ein ganzes Abendessen bis zur Ausgangssperre um 22 Uhr unterbringen würden. Turtle wäre kein Spaziergänger gewesen, denen es erlaubt war bis Mitternacht das Haus zu verlassen. In jedem Fall hätte sie, um nach Hause zu kommen, öffentliche Verkehrsmittel benutzen müssen. Aber noch rechtzeitig erreichten uns die gesetzlichen Neuerungen für bereits Geimpfte und Genesene: Diese sind nicht von der Sperre betroffen und so konnte Turtle, die vor einigen Wochen positiv auf Corona getestet wurde, dieses wirklich sehr schöne Fest bei uns verbringen und mit ihrem ausgedruckten, positiven Testergebnis von Ende März beschwingt und pappsatt mit der U-Bahn nach Hause düsen. Kontrolliert hat sie natürlich keiner.

Natürlich allen Musliminnen und Muslimen von ganzem Herzen: Gezuar fiter bajramin! Eid Mubarak! Ich bewundere Sie uneingeschränkt, dass Sie den Ramadan durchgehalten haben.

Stress! Stress! Stress!

So in etwa fühlt es sich momentan an. Die Kita-Eingewöhnung startet am kommenden Montag. Durch die vielen Aufgaben, die alle gleichzeitig auf mich Einprasseln, wäre ich gerne eine Krake mit acht Armen und zwei Tentakeln. Leider bin ich nur ein Mensch mit zwei Armen, wobei auf einem meist das zur Zeit sehr anhängliche Kind sitzt. Alle Artikel (und besonders mein zweites Baby, die Albanienchroniken) sind momentan aufgeschoben, nicht aber aufgehoben.

Erschwerend kommt hinzu, dass mein Kopf einfach weitertextet. Ständig fallen mir schöne Redewendungen, lustige Sätze und Szenen aus der Vergangenheit ein, die gerne verwurstet werden wollen. Doch ich habe keine Zeit! Aber anscheinend hat der bloggende Teil meines Gehirns diese Information nicht mitbekommen. Beim Badezimmerschrubben erzählt er munter weiter: „Weißt du, über was du mal schreiben könntest? Davon, dass dich Wochenenden und Feiertage so nerven, weil du ein Morgenmuffel bist, während der Römer eine südländische Discoparty am Frühstückstisch veranstaltet… Ich würde zum Beispiel schreiben, dass…“ Ja, so geht das den lieben, langen Tag. Aber, um Paulchen Panther*² zu zitieren: „Heute ist nicht aller Tage, ich komme wieder, keine Frage!“

*²Wenn Sie Paulchen Panther nicht kennen, sind die einzigen Falten, die Sie tragen, vermutlich ihre Pofalten.

Mein persönliches Fundstück der Woche

Mein persönliches Fundstück der Woche fängt mit einer Beschwerde an. Nun war die Beschwerde nicht nur römischer Natur. Nein, auch der germanoitalbanische Sohnemann beschwerte sich über die stottrigen, deutschen Leseversuche seines Vaters. Wenn zwei Drittel der Familie mit der rein deutschen Kinderbuchauswahl unzufrieden sind, dann heißt es für das verbleibende Drittel (also mich) in Aktion zu treten und etwas zu ändern. Beim größten, bekannten Onlinekaufhaus A. guckten wir nach italienischen Kinderbüchern. Auf der deutschen Seite wurden wir zwar fündig, aber überzeugt waren wir von der dortigen, mageren Auswahl nicht. Auf der italienischen Homepage des Unternehmens waren wir zwar überzeugt von der Fülle des Bücherangebotes, leider verschickten sie die von uns ausgewählten Kinderbücher nicht nach Deutschland. Der Römer schlug vor, sich doch beim italienischen Bücherladen laFeltrinelli* zu informieren, ob dieser italienische (Kinder-)Bücher nach Deutschland verschicken würden. Und siehe da! Das taten sie. So wanderte ein bunter Strauß an italienischen Kinderbüchern in unseren Warenkorb. Zwei Tage nach Bestellung erhielten wir die Versandbestätigung. Und am nächsten Tag kam unser Paket per DHL Express* an.

Am Ende war Signorino glücklich, weil sein Vater endlich flüssig und korrekt lesen konnte und der Römer war glücklich, weil er sich weitaus weniger beim Vorlesen anstrengen musste.

Sollten Sie ein großes, italienische Bücherangebot vermissen oder in unseren Breitengraden nicht fündig werden und Ihre nächste Italienreise liegt in weiter Ferne, so kann ich Ihnen eine Bestellung bei laFeltrinelli* sehr ans Herz legen. Der Versand kostet auch nur eine halbe Niere und keine ganze, wie von mir anfangs vermutet. (Wen es interessiert: 11,38 Euro kostete der Versand für diese Bücher; der Preis richtet sich nach der Anzahl der Bücher)

Im Hintergrund zu erkennen: Ein Wäschekorb, damit auch Mutti auf ihre Kosten kommt.

[*wie immer: Werbung, unbezahlt]

Das Foto der Woche

Ich wollte ein Stück Schokoladenkuchen fotografisch in Szene setzen, was bei der dunklen Farbe des Gebäckstücks gar nicht so einfach war. Doch eh ich abdrücken konnte, war schon eine kleine Hand am Schokokuchen, die ihn blitzschnell vom Teller zog.

Der Lacher der Woche

Heute müssen Sie mir versprechen, wirklich, aber auch wirklich, ganz genau zu lesen.

Und bevor Sie einen Kommentar wie „Das sollte wohl jedem selbst überlassen sein!!“ tippen, lesen Sie noch einmal das lila Feld – ganz in Ruhe. Ich bin mir sicher, dass Sie mir uneingeschränkt zustimmen.

Dazu passend die Frage: Wohin werden Sie als erstes in den Urlaub fahren (wenn Sie dazu gezwungen werden 😉)?

Mein Rezept der Woche

Der Schokokuchen überzeugte mich nicht wirklich. Der Brownie-Cheesecake war nicht das, was ich mir davon versprochen hatte. Kurz: Es war eine herausfordernde, kulinarische Woche.

Deswegen müssen Sie heute mit einem indischen Gericht vorliebnehmen. Sie wissen bereits, dass ich, im Gegensatz zum Römer, keine Koryphäe in der Küche bin. Das mag zu einem großen Teil daran liegen, dass es bei mir schnell, und wenn das nicht möglich ist, zumindest unkompliziert gehen soll. So wurde mir von einer Kollegin dieses vorzügliche Indian Butter Chicken Rezept empfohlen. Es kommt, bis auf das Gewürz Garam Masala, das sie in jedem gut sortierten Supermarkt finden, ganz ohne Schnickschnack aus. Dazu bereitet sich das Hähnchen beinahe von ganz allein zu. Die meiste Zeit verbringt es eh in einem Bad aus Joghurt und Gewürzen. Und das schönste ist: Selbst der Römer, der exotischeren Küchen sehr skeptisch gegenüber steht, isst es gerne.

Hier finden Sie das wirklich sehr einfache Rezept!

Guten Appetit & starten Sie mit ordentlich Karacho in dieses Wochenende, wenn sie das nicht bereits am Mittwoch getan haben!

Endlich (oder auch nicht)

Ich bin Ihnen etwas schuldig. Und zwar eine Erklärung!

„Ach, Eva (oder, wenn Sie die förmliche Anrede bevorzugen: Ach, Sig.ra Farniente), Sie sind mir doch nichts schuldig.“ werden Sie lächelnd abwinken.

Doch, doch, darauf bestehe ich.

Letzte Woche, es war ein Montag oder Dienstag, Signorino schlief gerade, lagen der Römer und ich auf der Couch. Er links, ich rechts und wir starrten an die Decke. „Urlaub wäre schön.“ sprach ich in die Stille und der Römer seufzte. „Si, si. Ma abbiamo solo una settimana a settembre. E dobbiamo andare a vedere i miei.“ [Ja, ja. Aber wir haben nur eine Woche im September. Und wir müssen zu meinen Eltern fahren.] antwortete er müde.

Wir seufzten gleichzeitig.

„Wie viel Zeit brauchst du eigentlich für dein neues Ph.D. Projekt?“ fragte ich nun um das Thema zu wechseln. „Tre, quattro mesi.“ [3, 4 Monate] antwortete er und versuchte die Verzweiflung wegzugrinsen.* „Aber ich habe nur 6 Wochen bis Abgabeschluss. Es wird sehr knapp mit dem Projekt.“

Draußen prasselten Regentropfen gegen die Scheibe. Es war trist, es war grau und es war stürmisch.

„Unbezahlter Urlaub wäre schön.“ seufzte ich wieder. „Hm….“ stimmte der Römer in die Monotonie ein.

Plötzlich kam Bewegung in die Szenerie. Der Römer setzte sich ruckartig auf. „Ma perché no?“ [Aber warum nicht?] fragte er nun voller Energie. Ich runzelte die Stirn. „Ist es jetzt nicht viel zu spät um für August nach unbezahltem Urlaub zu fragen?“ erwiderte ich etwas überrannt. „Ma era idea tua! [Aber das war deine Idee!] Und, das muss ich diesmal ausnahmsweise sagen, es war eine fantastische Idee.“ strahlte er.

Ich dachte nach. „Aber es ist alles so kompliziert… und sicher werden sie dir keinen Urlaub geben UND….“ ich wollte gerade noch andere Gründe finden, warum es nicht klappen kann, da unterbrach mich der Römer: „Das Neun hast du doch eh schon, wenn du nicht fragst. Aber es kann ein Ja werden, wenn du den Mut hast zu fragen.“ versuchte er mich zu bekehren. „Den Satz hast du von mir!“ wandte ich ein. „Io lo provo! [Ich versuch’s!] Und wenn sie nein sagen, dann ist’s auch okay.“ verkündete er während er auf seine Armbanduhr guckte. „Oh, mi devo sbrigare. [Oh, ich muss mich beeilen.] Gleich fängt der Spätdienst an.“ sprach’s und packte hastig seine Tasche.

Als er von der Arbeit zurückkehrte, wirkte er sehr niedergeschlagen. Die Antwort auf die Frage nach unbezahltem Urlaub beantworteten seine hängenden Mundwinkel. Ein klares Nein für unseren Urlaub, der einen Monat dauern sollte. „Na ja, wir haben’s versucht.“

Gedanklich legten wir das Thema ad acta.

Bis heute.

„Christel [des Römers Chefin] bat mich nach der Arbeit auf sie zu warten. Sie müsse mir etwas zu meinem Urlaub sagen.“ schrieb der Römer um 13 Uhr.

Ich verdrehte die Augen, denn ich hatte Hunger und wollte noch länger auf ihn (und das gemeinsame Mittagessen) warten. „Welcher Urlaub? Den Vorschlag wegen des unbezahlten Urlaubs hat sie bereits abgeschmettert. Da bleibt nur die Woche im September. Sag mir bitte nicht, dass sie dir die Woche auch noch nehmen will?“ tippte ich genervt. Mein Hunger wirkte wie ein zusätzlicher Katalysator meiner – eh schon angespannten – Gefühle.

Doch der Römer antwortete nicht mehr. Frustriert biss ich in einen Schokoriegel und kaute ärgerlich darauf herum.

Nach 45 Minuten sah ich einen beschwingten Römer die Straße entlang spazieren. Fröhlich schwang er seine Milchkaffee braune Arbeitstasche hin und her. Ich wunderte mich.

„Okay! Tutto confermato.“ [Okay! Alles bestätigt.] jauchzte der Römer vor Glück und wirbelte den eben noch auf dem Boden spielenden Signorino im Kreis umher, der dann auch anfing vor Freude zu jauchzen. „Dein Urlaub im September war doch schon bestätigt?!“ hakte ich bei dem unorganisierten Römer nach. „Ja!! 5 Wochen!“ gab er freudestrahlend zurück. Ich war verwirrt. „Ne, ne. Eine Woche war das doch?“ vergewisserte ich mich irritiert. „Ma no! Allora, si! Ma no!“ [Aber nein! Also, ja! Aber nein!] strahlte mich der Römer an.

Ich hob beide Augenbrauen und verstand nichts. Doch diesmal war es definitiv kein sprachliches Missverständnis, das hier vorlag.

Der Römer bemerkte meine verhaltene Reaktion und rollte die Geschichte freundlicherweise noch einmal von vorne aus: „Wir wollten doch unbezahlten Urlaub?“ fing er an. „Dieser wurde uns aber nicht gewährt, weil meine Bitte so kurzfristig kam. Aber weißt du, was Christel heute gesagt hat: „Alles klar,“ sagte sie, „Römer, viel Spaß! Du hast 5 Wochen Urlaub – ab Mitte August! Ich hab nochmal mit Walter [dem anderen Chef] geredet und Walter ist d’accordo. Wir wollen, dass du dein Ph.D. Projekt ordentlich vorbereitest. Also: Ciao Kakao! Viel Spaß im Urlaub.“

Mir stand der Mund offen. „Wirklich?“ fragte ich irritiert. „Maaaa si! Cinque settimane per noi – e il progetto del Ph.D..“ [Aber ja! Fünf Wochen für uns – und das Ph.D. Projekt]

Ich schüttelte nun völlig fassungslos den Kopf. Als ich die Information langsam verstand, fuhr mein Kopf Achterbahn. Soviel war noch zu organisieren! „Ach du liebe Zeit. Wir brauchen einen neuen Kindersitz, eine Hülle, Flüge, Unterkünfte, vielleicht sogar einen Mietwagen?“ plapperte ich hektisch darauf los. „Senti, una volta nella tua vita…lo possiamo fare a modo mio?“ [Hör mal, einmal in deinem Leben… können wir das auf meine Art machen?] fragte er zögerlich an. Doch ich war schon ins Schlafzimmer gerannt und durchforstete Signorinos Kommode. „UV Anzug!“ delegierte ich. „Schreib auch gleich Sonnenschutz 50+ auf – der ist in Albanien** so teuer!“ leitete ich ihn an. „Ma chi dice che andiamo in Albania?***“ [Aber wer sagt, dass wir nach Albanien reisen?] fragte der Römer erheitert. „Wohin denn sonst? Im August sind wir immer in Albanien. Außerdem haben deine Eltern Signorino noch gar nicht kennengelernt. Danach können wir gerne woanders hin. Aber der erste Stop ist Albanien. Dein Ph.D. Projekt lässt sich doch viel erfolgreicher dort vorbereiten.“ quasselte ich fröhlich darauf los. Signorino quieckte erheitert. „Na, wenn selbst Signorino der Meinung ist. Aber sei bitte nicht genervt, wenn wir dort sind.“ bat der Römer.

„Aber natürlich bin ich genervt, wenn wir dort sind. Einfach weil nichts funktioniert, es laut und stickig ist. Dazu ist Pünktlichkeit ein Fremdwort. Absolut nichts läuft in geregelten Bahnen. Doch gleichzeitig bin ich gerne mit deiner verrückten Verwandschaft unterwegs. Ich lasse mich gerne von deiner Mama auf albanisch bequasseln, minütlich umarmen und mich mit „zemra ime“ anschmachten. Mir fehlen die losen Abmachungen, die Zeit und Ort betreffen. Das überrascht wirkende „Es war komischerweise Stau während der Hauptverkehrszeit, deswegen sind wir 40 Minuten zu spät.“ deiner Brüder geht mir ebenso ab, wie das völlig gelassene „s’ka problem“ [kein Problem] bei jedem vollwertigen Weltuntergang. Dazu der Kaffee, die holprigen, nicht geteerten Straßen Kamez‘, die Granatapfelbäume, die gemächlich im Wind wiegen. All das fehlt mir.“ erklärte ich ausschweifend.

„Allora, va bene.“ nickte der Römer zufrieden und hing mit einem Ohr bereits am Telefon um seiner Verwandschaft Bescheid zu geben, dass der lang ersehnte Enkel Signorino im August das gelobte Land betritt. „Endlich.“ werden sie jauchzen und sich seufzend in den Armen liegen.

„Endlich.“ murmelte ich zufrieden und strich beschwingt über meinen vereinsamten Handgepäckskoffer.

*Der Römer arbeitete seit 8 Monaten an seinem Projekt. Leider hat die Universität nach 10 Jahren beschlossen, die ausgeschriebenen Messgeräte durch andere zu ersetzen. Das wiederum stürzt den Römer in eine mittelschwere Krise, da er nun ein neues Thema braucht – und der Bewerbungsschluss Ende August ist.

**So einfach wie gedacht gestaltet sich eine Reise in ein Drittland wie Albanien leider nicht. Die aktuellen Gesetze besagen, dass man nach der Rückkehr aus einem Drittland 14 Tage in Quarantäne muss. Es gibt jedoch eine Ausnahme: ein nachweisbarer, negativer PCR Test, der bei Einreise nicht älter als 48h ist und aus einem anerkannten Land (Liste: klick) kommt. Alternativ kann der Test nach Einreise am Ort des Grenzübertritts (z.B. das Centogene Testcenter am Frankfurter Flughafen) oder am Ort der Unterbringung erfolgen. Das Testergebnis muss – unabhängig davon, ob die Testung vor oder nach Einreise erfolgte – für mindestens 14 Tage nach Einreise aufbewahrt werde. Es muss dem Gesundheitsamt auf Verlangen vorgelegt werden. (Quelle: Auswärtiges Amt)

***Da wir nicht aus touristischen Zwecken reisen, werden wir die Lage selbstverständlich (auch aufgrund der steigenden Covid-19 Zahlen) beobachten und nicht unbedacht nach Albanien reisen. Wir befinden uns bis zum Reisezeitpunkt in der Feinabstimmung mit der Familie, die darauf besteht, dass wir nicht reisen, sollten die Zahlen sich noch weiter erhöhen.

Eine Hand voll Muscheln und Sand

Bei diesem schmuddelig-kalten Wetter ist mir ein Blogbeitrag in die Hände gefallen, den ich im Urlaub am Strand geschrieben habe. Hoffentlich wärmt er genau so wie eine warme Kürbissuppe, die auf dem Herd vor sich hinköchelt oder die Kuscheldecke auf dem Sofa.

Eine Hand voll Muscheln und Sand bedeuten doch überall Glück, oder? Egal in welche Sprache. Egal mit welcher Währung gezahlt wird. Egal in welchem Land und an welchem Strand.

Eine Hand voll Muscheln und Sand bedeutet Freiheit, salzige Meerluft. Es bedeutet einen Moment sorglos zu sein. Tief durchzuatmen während die Meeresbrise sanft die sonnengebräunte Haut streichelt. Es bedeutet Familien mit Kühlboxen voller Köstlichkeiten, die liebe- und mühevoll zusammengestellt wurden. Es bedeutet Eis, dass viel zu schnell schmilzt und Geschmackssorten, die oft so künstlich sind, dass man sie nur im Sommer am Strand essen kann. Es bedeutet Fußabdrücke im warmen, hellen Sand. Es bedeutet Wellen, die dich umspielen um dich langsam ins Meer zu ziehen. Lauwarmes, salziges Meerwasser, Luftmatratzen in grellen Farben, windschiefe Sandburgen, morsche, ausgeblichene Holzplanken, über die man bis zum Strand balanciert.

Es bedeutet, Urlaubsbekanntschaften an der immer selben Strandbar zur immer selben Zeit zu treffen. Nur die Haut- und Haarfarbe verändert sich. Während die Haare ausbleichen, das dunkelblonde Kleinkind nun fast hellblond ist, wird die Haut dunkler. Bei manchen erst rot – und das in allen Schattierungen, bei anderen ein hübsches braun, dass so wunderbar zum weiten, weißen Leinenkleid passt. Es bedeutet Kaffeeduft und eine große Flasche Wasser, an der die Wassertropfen abperlen und sich ihren Weg bahnen um eine hübsche, kleine Pfütze auf dem Holztisch zu bilden.

Eine Hand voller Muscheln und Sand bedeutet auch Wassermelonenkerne-Weitspucken. Die riesigen, süßen Wassermelonen des Südens mit ihren Rabenschwarzen Kernen. Es bedeutet Schwimmsachen, die im Wind in wenigen Minuten wie von Zauberhand trocknen. Es bedeutet Gummikrokodile, die mit voller Lebenslust von jungen Abenteurern gekapert werden, nur dass sie sie dann wieder ins Meer plumsen lassen, wenn sie nicht aufpassen. Es bedeutet pappsüße Granita, abends, auf warmen Steinstufen zu schlürfen oder zu löffeln.

Es bedeutet fangfrischer Fisch, der wunderbar nach Salz und Meer riecht, gebraten mit ein wenig Olivenöl und Rosmarin auf dem Grill. Beträufelt mit frischer, sonnengelber Zitrone aus Nachbars Garten. Es bedeutet Gemüse aus dem Garten. Gurken, so aromatisch, dass man sich schwört, nie nie nie wieder ihre traurigen Artgenossen in Plastikfolie eingeschweißt im Supermarkt zu kaufen. Es bedeutet warme Nächte, die nur durch den Ventilator und das dünne Betttuch erträglich werden.

Und am Ende des Urlaubs bedeutet es, immer nochmal ein paar Sandkörner im schon ausgepackten Koffer zu finden. Vielleicht auch eine kleine Muschel, die sich keck reingeschmuggelt hat.

Eine Hand voll Muscheln und Sand sind vielleicht die Währung des wahren Glücks auf dieser Erde.

Gjiri i lalzit – verursacht einen Knoten in der Zunge beim Aussprechen, ist dafür aber tausendmal schöner als die Aussprache. Versprochen.

Autofahren in Albanien

Autofahren in Albanien

Vorab die gute Nachricht: Sollten Sie, liebe Leser, das Fahren eines Kraftfahrzeugs nicht so gut beherrschen wie sie es gerne würden, dann machen Sie sich keine Sorgen. Man wird es Ihnen nicht übel nehmen. Sollte die letzte Fahrt schon etwas länger her sein: Keine Panik! Sie befinden sich in bester Gesellschaft.

Im Buch „Lügen auf Albanisch“ von Francine Prose (muss ich das jetzt mit *Werbung kennzeichnen?! 😄) beschreibt die Protagonistin Lula wie und warum ihre Landsmänner so Auto fahren wie sie es eben tun: Unter Enver Hoxha gab es keine Privatautos, nur „Parteibonzen“ sei es erlaubt gewesen, Auto zu fahren. Nachdem das Land geöffnet wurde, stürzten sich alle gierigst darauf, auch ein Auto zu besitzen. „Erst einmal besitzen – das Fahren kommt von allein.“ so dachte und denkt man – bis heute. Das Problem ist: alle fahren als hätten sie den Führerschein erst seit fünf Minuten.

Ich lasse Sie gerne an einigen Beispielen teilhaben:

Der Blinker wird grundsätzlich nicht benutzt. Das ist etwas für Ausländer. Man wird schon am Bremsverhalten merken, dass das Auto vor einem einscheren möchte. Ausgleichend dafür wird gerne die Warnblinkanlage benutzt. Leidenschaftlich und oft – meist ohne ersichtlichen Grund. Man fährt einfach gerne mit dieser Disko ähnlichen Lichtinstallation durch die Dörfer. Dazu kommt: Das Fernlicht ist meistens an. Komme was da wolle. Man möchte auch was sehen.

Einzige Ausnahme: Wenn man die Lichthupe benutzen muss. Dann setzt man das Fernlicht für ein paar Bruchteile von Sekunden aus. Man verdeutlicht gerne, dass man als größeres Auto das Vorrecht auf der linken Spur hat und ein Kleinwagen da nun wirklich nichts zu suchen hat.

Hindernisse gibt es auch unzählige: Die reichen vom betrunkenen Großvater auf dem Rad (mit einem sehr großen und fantasievollen Wendekreis) über streunende Hunde, die das Prinzip Auto noch nicht verstanden haben und keinen Zentimeter von der Straße weichen, bis hin zu Schlaglöchern, so groß wie bayerische Seenlandschaften, die aus dem nichts auftauchen. Rechnen Sie immer mit allem.

Dazu gibt es noch die Bonusversion, die aus albanischen Hochzeiten (meistens Donnerstags oder Sonntags), waghalsigen Überholmanövern, plötzlich bremsenden und anhaltenden Autos auf der rechten Spur der Autobahn, Obst, das von den Obstständen in die Straße kullert, Esel- und Pferdekarren (ja, ich dachte auch, es ist ein Klischee – aber fahren Sie mal auf ruraleren Straßen), Müttchen, die in Trauben auf der Autobahn spazierengehen,… usw. besteht.

Es gibt keinen – und zwar wirklich keinen Spezialeffekt – den es nicht gibt. Seien Sie auf alles gefasst. Wirklich auf alles! Aus dem nichts.

Vielleicht können Sie nicht wirklich gut Auto fahren. Das sollte, wie eingangs erwähnt, kein großes Problem sein. Aber Sie sollten eine schnelle und ungetrübte Reaktionsfähigkeit haben. Seien Sie auf alles vorbereitet und schonen Sie Ihre Stimme. Sie werden die Fahrweise der Albaner nicht ändern. Die Albaner werden aber wiederum Ihre Fahrweise ändern. Man wird nachlässiger, mutiger, man wendet, wo es gerade passt oder man zieht in letzter Sekunde raus, weil ein Auto auf der rechten Spur plötzlich auf der Autobahn parken muss (ohne Warnblinkanlage – das wäre ja pure Übertreibung). Letzteres empfehle ich Ihnen nicht, wenn Sie den Kleinwagen haben und das Auto, das hinter Ihnen bremsen muss ein teurer SUV ist. Aber es ging ja nochmal gut. Stichwort: Reaktionsfähigkeit.

Noch ein Tipp: Die besten Restaurants finden Sie in den entlegensten Gegenden. Wundern Sie sich nicht, wenn plötzlich die Straße aufhört und nur noch eine bergige Schotterstraße den kläglichen Weg weißt. Sie werden belohnt – hier zum Beispiel:

(Verzeihen Sie mir meine kläglichen Fotokünste – ich war mit Essen und Genießen beschäftigt)

Das Restaurant ist – wie sollte es auch anders sein – auf Fisch spezialisiert. Etwas unterhalb gibt es eine kleine Badebucht mit Liegen. Ach, und wenn Sie genervt sind von den zwei kleinen Kätzchen, die auf der Terrasse rumschleichen und um ein Stück Fisch miauen: Geben Sie nach! Danach beruhigen Sie sich. Glauben Sie mir, eine andere Möglichkeit haben Sie nicht. Auch nicht beim Autofahren.

In die Knie gezwungen

Da schaukelt man nichts ahnend vom Supermarkt zurück, eine kleine Einkaufstüte in der Hand, schon wird man in die Knie gezwungen.

Zack, da war ich – eben noch aufrecht stehend – schon auf meinen Knien. Erst dotzte das linke Knie unsanft auf, dann das rechte, etwas sanfter. Außer ein paar Kiesel, die sich durch den Stoff gebohrt haben, ist nichts festzustellen.

Ganz panische Mutter, die ich bin (😉), machte ich mir natürlich Sorgen um den kleinen Bambino in seiner Fruchtblase. Der Römer half mir auf, besorgt, und wir stiegen die 3 Stockwerke hoch ins Feriendomizil am Meer. Schummrig war mir nicht.

Sogleich wurde ich von meinem ganz persönlichen medizinischen Fachpersonal (alias der Römer) auf die Couch verfrachtet und er fing an, mich an den Knien mit Desinfektionsmittel abzutupfen. „Hast du Schmerzen?“ fragte er immer wieder. „Nein, nein, ich bin egal. Aber meinst du dem Baby geht’s gut?“ fragte ich immer wieder. „Non ti preoccupare [Keine Sorge]. Dem Baby ist nichts passiert. Du bist in Zeitlupe auf die Knie. Das schüttelte das kleine Wesen in dir vielleicht etwas durch, mehr aber auch nicht.“

Ich tat das, was man nicht tun sollte: Ich googelte. Plazentaablösung! Fehlgeburt! Sofort ins Krankenhaus! waren die ersten Schlagwörter, die da auftauchten. Der Römer versuchte mich zu beruhigen. Während ich auf der Couch nach weiteren, schrecklichen Forumsbeiträgen suchte, ging bei Bambino die Post ab. Er zappelte und drehte sich, boxte und knuffte. „Alles gut, er bewegt sich!“ teilte ich dem Römer mit. „Solange du keine Schmerzen hast, keine Flüssigkeit oder Blut verlierst, dir nicht schwindelig, schlecht oder sonst irgendwas wird, ist alles in Ordnung. Wirklich!“ versuchte es der Römer weiter.

„Na gut, ich glaube dir.“ sagte ich schließlich. „Sei einfach ein bisschen vorsichtiger. Sonst müssen wir dich in Luftpolsterfolie einschweißen.“ sagte der Römer lachend. „Na gut… ich versuch’s.“

Und ich dachte, die Autofahrt ans Meer ist das gefährlichste in diesem Land. Ne, ne, meine Tollpatschigkeit ist das Risiko hier.

Na dann, auf fröhliche 10 Tage am Meer.

Pflaster für 8 Cent

Pflaster für 8 Cent

Ich kann’s ja doch nicht lassen und tippe meine Erfahrungen schnell ab, bevor ich sie vergesse.

Albanien macht mir Spaß. Albanien ist anders. Herrlich anders.

Gestern haben wir ein Pflaster für mich gebraucht (die neuen Schuhe…). Da wir alles mitgenommen haben, außer Pflaster, mussten wir diese natürlich fix in der Apotheke kaufen. „Wie sagt man nochmal Pflaster auf Albanisch?“ fragte der Römer, der ab und an eine seiner Muttersprache im Sprachengewirr verliert. Ich guckte ihn mit großen Augen an, bin ich doch froh „Guten Morgen“ halbwegs fehlerfrei auszusprechen.

„Okay, ich krieg’s schon hin!“ sagte er um sich selbst Mut zu machen. Wir traten in die Apotheke ein. Er beschrieb, was wir benötigten. Es ging etwas hin und her wegen der Größe der Pflaster. Es wurden uns diverse Modelle vorgeführt (Wasserfest, rund, länglich) und diverse Packungen geöffnet und wieder verschlossen. Es glich in diesem Moment mehr einem indischen Stoffgeschäft als einer Apotheke. Als wir uns auf Größe und Funktion der Pflaster geeinigt hatten, fragte der Römer: „Und? Wie viele brauchen wir?“ Ich guckte ihn verdutzt an. „Muss man nicht die ganze Packung kaufen?“ entgegnete ich.

„No, no! Pflaster sind sehr kostspielig in Albanien. Du kannst sie auch einzeln kaufen. Wir nehmen vier Stück. Das hört sich doch gut an!“ antwortete er mir.

„40 Lek, bitte.“ sagte die Dame. Ich rechnete im Kopf um. 32 Cent war mein Ergebnis. Also 8 Cent für ein Pflaster. Da kann man nicht meckern.

Als wir aus der Apotheke traten und wieder ins hektische Tirana gespült wurden, fragte ich: „Aber KANN man eine ganze Packung kaufen?“

„Klar, aber wer braucht denn schon eine ganze Packung?“ gab der Römer zurück.

Na gut, wo er Recht hat. 😄😄

Abgemeldet

Ihr Lieben,

ich verabschiede mich. Nicht für immer, keine Sorge. Es geht für ein paar Wochen ans Meer. Man möchte meinen Italien, aber nein, in die andere Heimat des Römers: Nach Albanien. Nicht, weil es schick, en vogue oder gerade im Trend ist, sondern weil sämtliche Familienmitglieder des Römers ihren Sommerurlaub dort verbringen. Und die stolzen Großeltern meine Babykugel betrachten wollen. Keine Sorge – auch hier wird es Tipps geben, die mir der Römer aber nicht übersetzt. So sind wir verblieben. Also lächle und winke ich drei Wochen lang und freue mich auf die Nichten und Neffen des Römers, die ich schon ewig nicht mehr gesehen habe. Ich freue mich auf die albanische Herzlichkeit, auf’s Meer, auf die „kriegen-wir-schon-irgendwie-hin“-Mentalität (S’ka problem – kein Problem – ist der meist benutzte Satz, wenn es um Anliegen der Gäste geht), auf laue Nächte und all das viel zu süße Lokum, dass einem von der Gastgeberin gereicht wird, wann immer man ein Haus betritt und jemanden besucht.

Bis dahin, macht’s euch nett und bis bald