Familie, römisch-albanisch, sucht!

Und? Wann haben Sie zuletzt eine Wohnung gesucht? Oder gar ein Haus?

Können Sie sich noch an den Moment erinnern?

Ich kann. Und jedesmal war es auf’s Neue dramatisch und traumatisch. Das Gerangel und Gebettel um eine abgewohnte 60er Jahre Großstadt-Wohnung, die seit dem Bau auch keinerlei Renovierung erfahren hat. Die Mi(e)t-Interessenten Kerstin und Markus, die die wahren Cash-Cows sind, ständig das Wort an sich reißen und den alten PVC Boden loben als wäre er aus purem Gold und nicht aus dem letzten Jahrhundert. Die schlecht überstrichene Tapete, die von der Erdanziehungskraft getrieben, oftmals schon halb eben dieser folgt. Die vergilbten Türen, die Balkontür, durch die ich im geschlossenen Zustand meine Hand durchschieben kann… all das bekommt man inklusive, wenn man monatlich 1300 Euro auf den Tisch legt. Heizkosten nicht inkludiert.

Es ist mal wieder soweit. Eben noch gebrütet, wollen wir nun mit Signorino unser Nest vergrößern. Wir haben uns einen Monat Zeit gegeben etwas Neues zu finden. Wenn wir nichts in diesem einen Monat finden, dann vertagen wir unsere Suche auf nächstes oder übernächstes Jahr.

Denn im Grunde genommen sind wir zufrieden hier. Die Verkehrsanbindung ist sehr gut, der Main ist nah, die schlecht renovierte 60er Jahre Wohnung haben wir uns ganz nett gemacht, aber zwei Zimmer auf Dauer sind nun wirklich nicht unser Traum. Es geht gar nicht um Signorinos Zimmer – er ist noch so klein, dass er eh am liebsten zwischen uns schläft. Primär geht es uns um ein Zimmer, in dem man in Ruhe lernen und studieren kann. Der Römer beginnt im Herbst seinen PhD und ich würde gerne studieren, zu unsicher ist mir mein Job in letzter Zeit geworden. Und ich genüge mir nicht mehr mit der Ausbildung, die ich genossen habe. Da bietet es sich an ein Fernstudium anzufangen. Mit Kind und Kegel.

So kommt es also, dass wir etwas bezahlbares mit guter Verkehrsanbindung suchen, das möglichst nicht außerhalb der Stadt liegt. Ein Garten wäre nett, eine Badewanne ist ein Muss, Balkon optional, 70qm sollten es schon sein und ein Aufzug wäre toll, wenn die Wohnung nicht gerade im EG liegt.

Aber finden Sie das mal! Mit 800 anderen Bewerbern, die alle bei der Deutschen Börse arbeiten oder Marketingreferenten für Quatschologie sind. Nettoeinkommen: Mind. 40.000 Eur im Monat. Keine Kinder. Ständig am Arbeiten. Beschweren sich nie.

Na ja und dann wären wir da noch als Bewerber: Ein Kind, ich in Elternzeit, der Mann in irgendwie sowas wie Teilzeit. Ausländischer Nachname (albanisch!!! Die Schleppen doch ihre ganze Familie mit!!!). Ja ja, Bürgschaft der Eltern, aber Kerstin und Markus brauchen das alles nicht. Also nimmt man im Zweifel Merstin oder Karkus (wie sie liebevoll von ihren Freunden genannt werden).

Und wir sind raus. Tja, nun. Dann ist es wohl so.

Wir warten ab, denn man weiß nie, was das Leben im Sinn hat. Vielleicht kommt die perfekte Wohnung ums Eck, vielleicht kommt aber was ganz anderes.

Und bitte, liebe Frankfurt affinen Mitmenschen, kommen Sie mir nicht mit Offenbach. Wissen Sie, man entscheidet sich einmal im Leben: Frankfurt oder Offenbach? Und bei uns viel die Wahl auf Frankfurt. Das kann man nicht mehr revidieren.

5 Gedanken zu “Familie, römisch-albanisch, sucht!

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