Das elfte Türchen im germanoitalbanischen Adventskalender

[Die Auflösung von Tag 10 finden Sie ganz unten]

Fakt Nummer 11

Ich arbeitete in München und war todunglücklich. Der Job war okay, Freundschaften hatte ich irgendwie auch, aber sie waren sehr austauschbar und ich fühlte mich unglaublich allein. Nachdem mich ein Münchner, den ich ganz toll fand, geghostet hatte, beschloss ich, dass es nun mit mir und dieser Stadt vorbei sein würde. Ich rief den Einen an, erklärte ihm, was ich vor hatte und schloss meinen Monolog mit: „Ich zieh zu dir nach Frankfurt!“ ab. Er lachte und sagte: „Ja, gut. Das ist auch eine Möglichkeit.“ Damit war die Geschichte für mich klar.

Am nächsten Tag gab ich meine Kündigung in der Arbeit ab. Ich hatte einen vagen Plan, der vorsah, Germanistik und Linguistik zu studieren um keine überhöhten Krankenkassenkosten zu zahlen. Das war’s.

„Warum fliegst du denn nicht einfach bei meinem Arbeitgeber?“ fragte der Eine. „Och, ich weiß nicht. So klein schätze ich die Gefahr nicht ein, plötzlich abzustürzen. Ich würde es jetzt nicht „totale Flugangst“ nennen, aber ich habe schon sehr, SEHR großen Respekt.“ antwortete ich. „Versuch’s doch trotzdem. Besser als ein Studium von Fächern, die dich eh nicht interessieren. Bei uns siehst du wenigstens was von der Welt und verdienst auch noch dabei.“

Was hatte ich schon zu verlieren? Ich bewarb mich! Es war mir eh egal, was genau ich in Frankfurt machen würde. Hauptsache, ich konnte bei meinem besten Freund wohnen. Prompt bekam ich einen „assessment center“-Termin angeboten. Ich sagte zu. Am Tag des Vorstellungsgesprächs hübschte mich Der Eine auf, steckte mich ins Kostümchen und in die Pumps und wir fuhren zum Flughafen. Alle Kandidaten waren furchtbar aufgeregt. Ich war die Ausnahme: Tiefenentspannt saß ich im Warteraum und las ein Buch.

Kurz darauf wurde unsere Gruppe aufgerufen: Wir gingen erst zum Englischtest. Einerseits hatte ich mit den multiple choice Fragen keine Schwierigkeiten, andererseits hing mein Leben nicht davon ab. Ich klickte mich munter durch, ging danach aufrechten Ganges zum mündlichen Teil und bestand mit 98%.

Schlussendlich kam der letzte Teil: das Gespräch mit der Psychologin. Eine sehr nette Dame! Wir machten zwei Rollenspiele, die ich albern fand, aber ich wollte den Einen nicht enttäuschen, der daheim auf mich wartete. Also verkniff ich mir meinen Kichern und machte professionell mit. „Danke. Wir sagen Ihnen dann Bescheid.“ verabschiedete mich die nette Dame.

Daheim angekommen hatte ich die Lehrgangszusage im Email Postfach. „Oh, das habe ich jetzt nicht erwartet. Soll ich das machen? Mir wird doch immer so mulmig beim Fliegen?“ hakte ich beim Einen nach. „Ja, ja, versuch das mal.“ war seine Antwort.

Tja, und so versuchte ich das mal. Was soll ich Ihnen sagen? Mulmig wird mir nicht mehr beim Fliegen, aber mein Traum war es sicher nicht Flugbegleiterin zu werden.

Reise Nummer 11 (Part 3 – Teil 1 und 2 finden Sie hier)

Tirana

Kommen wir direkt zum wichtigsten Punkt: Wo schlafen?

Hotel: Wer ein kleines Boutiquehotel bevorzugt, ist im „Padam Boutique Hotel“ genau richtig. Zentraler könnte es nicht liegen. Von hier kann man bequem alles zu Fuß erreichen. Das Frühstück gibt es im Wintergarten(-Restaurant). Es wird a la carte angereicht – nicht nur zu Corona Zeiten.

Einziger Nachteil des Hotels: Wer Probleme hat Treppen zu steigen, der ist schlecht beraten hierher zu kommen, da das Hotel über keinen Aufzug verfügt.

Wer es hochmodern will, der ist gut beraten im Maritim Plaza zu nächtigen. Die Zimmer sind äußerst modern, das ganze Hotel ist luxuriös und bietet eine schöne Aussicht über Tirana. Das Frühstück ist absolut in Ordnung. Für den Preis bekommen Sie „vor der Tür“ aber ein deutlich individuelleres und leckereres Frühstück.

Sehr ans Herz legen kann ich Ihnen auch das Hotel Xheko Imperial (sprich: Scheko). Die Zimmer sind bestens ausgestattet, ruhig und verfügen über äußerst bequeme Betten. Das Frühstücksbuffet wird auf der großen Dachterrasse eingenommen und lässt keine Wünsche übrig. Abends verwandelt sich die Dachterrasse in eine Bar (am Wochenende auch mit gut erträglicher Livemusik).

Nach dem Frühstück in meiner Lieblings-Kaffeehauskette „Sophie Caffe“, drei Schritte vom Hotel Padam entfernt, schlendern wir vorbei an der berühmten Betonpyramide, die seit Jahren umgebaut werden sollte, Richtung Rinia Park. Wir werfen einen Blick auf die Kunstinsallation „Reja – The Cloud“ und erreichen schließlich, in der Nähe des Nationaltheaters, das Museum Bunk’Art 2.

Dazu muss man wissen, dass der Premierminister nicht nur ein berüchtigter Basketballspieler war, sondern auch ein belesener Künstler. Deswegen gefallen ihm besonders all die Kunstprojekte und Museen für die er sich stark macht.

Das Museum ist tatsächlich ein ehemaliger Bunker. Der damalige Staatschef Enver Hoxha hatte den Plan, für je 4 Albaner einen Bunker zu errichten, insgesamt also 750.000 Bunker. Soweit kam es nicht, aber den Bau von ca. 300.000 hat er realisiert. Wenn Sie durch’s Land fahren, werden Sie merken, dass die Betonkuppeln überall sind. In jeder noch so unscheinbaren Ecke stehen diese Betonklötze. So auch in Tirana im Zentrum.

Das Museum dient zur Aufarbeitung der Vergangenheit. Es wird über die Abhörmethoden, die Arbeitslager und die vielen Opfer berichtet. Der Klang der eigenen Schritte auf dem dumpfen Metallboden tun ihr übriges um eine bedrückende Stimmung zu erzeugen. Der Bunker ist Nichts für Leute mit Platzangst! 😉

Als wir wieder Tageslicht erblicken, wird es Zeit Richtung Hauptplatz, dem Skanderbeg Platz, zu gehen. Er ist ähnlich eines Hügels gebaut worden, damit kein „potenzieller Führer“ dieses Landes mehr eine Rede vor dem Volk halten kann. Die Hälfte des Publikums würde ihn nämlich nicht aufgrund der künstlichen Anhöhe sehen. Ganz in der Nähe steht auch die „Et’hem-Bey-Moschee“ – die historische Moschee Tiranas. Normalerweise kann man sie besichtigen, aber sie wird gerade restauriert. (Stand: 12/2020)

Direkt daneben ist der Uhrenturm, der auch eine berühmte Sehenswürdigkeit Tiranas ist.

Langsam wird es Zeit für ein köstliches Mittagessen. Wenn wir schon in Albanien sind, sollten wir zum exzellenten, italienischen Restaurant „Panevino“ gehen. Der Chefkoch ist Italiener, der Service ist flott und aufmerksam und die einzelnen Gerichte sind herausragend. Man kann sowohl draußen, als auch drinnen sitzen. Die Preise sind europäisch.

Einen caffè trinken wir unterwegs. Hier, in Albanien, darf er sich wirklich überall so bezeichnen. Die italienischen Einflüsse sind immer noch präsent – und das schmeckt man. Vollmundige Aromen und – ich lehne mich jetzt gewaltig aus dem Fenster – selbst mein liebster Kaffee-Experte, Mr Coffee himself alias Tom, würde hier auf seine Kosten kommen.

Danach schauen wir uns die neu erbaute, große Moschee (Namazgjah-Moschee) von Tirana an. Sie wird die größte Moschee des Balkans sein. Laut Römer ist sie aber noch nicht eröffnet worden.

Wer bereits wieder Hunger hat, der holt sich ein Stück Börek in meiner Lieblingsbäckerei, Buka e arte „QATO“ in der Rruga e Elbassanit. Die Verkäuferin ist seit Jahren die selbe, sehr freundlich und sehr bemüht. Gleich daneben ist übrigens die Apotheke, wo man Pflaster einzeln kaufen kann.

Und da wir schon einmal in der Straße sind: Köstliche Kuchen und Baklava bringen wir der Familie immer aus der Patisserie „Mon Amour“ mit.

Wer nun genug von all dem Stadtverkehr, dem Hupen und Knattern der Roller hat, der geht in den nahegelegenen „Großen Park von Tirana“ (Parku i Madh i Liqenit Tiranë). Hier kann man in Ruhe Spazieren gehen, sich den See angucken oder eine Runde durch’s Grün joggen.

Wem das zu wenig ist, der fährt hoch auf den Dajti Berg, der Hausberg Tiranas. Mithilfe des Dajti Ekspres gelangt man in kürzester Zeit ans Ziel. Hoch oben kann man wandern, Bunker beobachten, Pony reiten und essen natürlich. Es gibt ein ganz wunderbares Panorama Restaurant dort oben mit einer traumhaften Aussicht.

Wer zwar eine Auszeit von dem hektischen Treiben in Tirana will, aber kein Bergfreund ist, der sollte sich ein Taxi nach Durres (Durrazzo) nehmen. [Die Stadt war sehr mitgenommen vom Erdbeben, das im November 2019 stattfand. Die Aufbauarbeiten sind in vollem Gang.] Die Fahrt dauert ca. 40 Minuten (je nach Verkehr) und kostet ca. 17 Euro im Taxi.

Sehr zu empfehlen ist das Restaurant Charli Max Durres mit dem kleinen Strandabschnitt unterhalb. Die Lage ist traumhaft und man hat einen schönen Blick auf’s Meer. Um einen herum schleichen einige, junge Babykätzchen. Wenn man ihnen ein Stück vom Fisch abgibt, geben sie schnell Ruhe und sind glücklich. 😉 Exzellenten Kaffee und Kuchen gibt es bei Cialda oder Pasticeri Pelikan.

Wer abends in Tirana nur eine Pizza will, ist bei Piceri Era goldrichtig. Wenn es aber wirklich ein fantastisches Abendessen sein soll mit gehobener Küche, der kommt um das Restaurant Padam nicht umhin. Der Chefkoch, Fundim Gjepali, gewann in der Vergangenheit bereits viele Preise und ist Juror einer berühmten, albanischen Kochsendung. Wenn er an den Tisch kommt um zu fragen wie es schmeckt, kann das bei der überraschten, albanischen Verwandtschaft zu Schnappatmung und Schweißausbrüchen führen.

Auflösung von Tag 10

Die Mehrheit war dafür: Klar hat Frau Farniente sich den Fuß auf diese Weise gebrochen.

Was soll ich sagen? Sie kennen mich wohl sehr gut!

Eine Woche nach meinem Fußbruch kam der Römer vorbei und nahm mich für vier Wochen nach Rom mit. Alleine fliegen hätte nicht funktioniert.

Er überzeugte mich mit seinem Argument: „Wer könnte dich besser betreuen als ich?“ Nun ja, die Aussage hatte einen wahren Kern.

10 Gedanken zu “Das elfte Türchen im germanoitalbanischen Adventskalender

  1. Nein, ich glaube du fühlst dich mit einem Plan etwas wohler.

    In Skopje steht eine Moschee, die Tabak genannt wird. Einem starken Raucher wurde mal gesagt, dass er mit dem Geld das er verqualmt eine ganze Moschee würde bauen können. Er hörte auf zu rauchen und sparte. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. 😂

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  2. Hattest du nicht das Abi geschmissen? Dann wirst du kein Studium auf dem Plan gehabt haben. 🤔 So ein „Ich kanns mir ja anhören und mach da mal zum Spaß so eine Aufnahmeprüfung mit“, funktioniert manchmal besser als wenn man sich auf eine Sache versteift hatte. Ich sage also: Ja, so kam das mit dem Fliegen!😃

    Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Das zwölfte Türchen im germanoitalbanischen Adventskalender | Zwischen Tiber und Taunus

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