WMDEDGT – Mai 21

Frau Brüllen ruft auch im Mai zum WMDEDGT [Was machst du eigentlich den ganzen Tag] auf. Genau vor einem Monat sind wir aus Albanien zurückgekommen und seitdem schreibe ich an den Albanienchroniken, was sich als zeitintensiver herausstellte, als ich anfangs dachte.

Nun aber los, in diesen Mittwoch, den 05.05.2021:

00:30 Uhr Der Römer isst noch einmal, bevor er sich schlafen legt und somit bis zum Fastenbrechen gegen 20:50 Uhr nichts mehr essen darf. Dünn ist er geworden, aber erstaunlicherweise nicht dünnhäutig. Ich bereite mich derweil im Bad auf die anstehende Nachtruhe vor. Als ich aus dem Badezimmer komme, fällt dem Römer ein, dass er noch seine Arbeitskluft für morgen bügeln müsste. Ich biete ihm an, sie zu bügeln, während er sich im Bad pflegt und hegt. Das schenkt ihm zehn Minuten mehr Schlaf und so muss er um 6 Uhr (statt 5:50 Uhr) aufstehen. Danach tigern wir ins Bett.

10:00 Uhr Signorino und ich rollen aus dem Bett. Nicht ganz freiwillig. Viel mehr werden wir aus dem Bett gefegt, da unser fleißiger Hausmeister direkt unter unserem Schlafzimmerfenster schwungvoll mit dem Besen kehrt. Da soll noch mal einer sagen, jeder soll vor seiner eigenen Tür kehren. Bei uns macht das Herr Balkanovic. Als wir ins Wohnzimmer stolpern, begrüßt uns ein strahlend blauer Himmel. Das kommt mir sehr gelegen, da ich heute den Anderen zum Kaffee treffen wollte. Wenig später frühstücken Signorino und ich. Der Himmel verdunkelt sich bedrohlich, so dass ich das Licht in unserer Wohnung anknipsen muss. Dann stürmt es. Ich rufe den Anderen an und frage nach Plan B. Es gibt keinen. Sein langjähriger Mitbewohner ist daheim. Meine beiden (der Römer und Signorino ;-)) ebenso. Für einen koffeinhaltigen pas de deux eignet sich diese Atmosphäre nicht. Wir einigen uns darauf, abzuwarten. Vielleicht reißt die Wetterfront wieder auf?

12:00 Uhr Ich war nur einen Moment in eine Überweisung vertieft. Als ich aufblicke, finde ich mich in einem Meer aus Plastik-Pfandflaschen wieder. Mangels römischer Abwesenheit vermute ich den kleinen Farniente dahinter. Darauf angesprochen grinst er schelmisch. Das gesamte Ausmaß erkenne ich erst, als ich am Bad und am Schlafzimmer, Richtung Küche, vorbeitrabe. Überall liegen blaue, grüne u. durchsichtige Flaschen jeglicher Größe. Das Kind freut sich. Immerhin erkennt er den Wert hinter seiner Kunstinstallation „Die Rückeroberung der Pfandflaschen“. Seine ignorante Mutter schimpft leise über das Chaos, verstaut die Pfandflaschen in der großen Tüte, aus der sie kamen und platziert sie auf dem Kühlschrank. Der Künstler brüllt mich an. Er ist in Rage und will nicht akzeptieren, dass ich ein so mühsam gefertigtes Kunstwerk einfach auf dem Kühlschrank verstaue. Ich rede ihm gut zu. Als das nicht hilft, widme ich mich der Pflege der römischen Kaschmiruniform. Während ich die Cardigans und Pullis in ein kaltes Wasserbad einlege, frage ich mich, wie oft ich sie dieses Jahr eigentlich noch von Hand baden muss, bis sich der Frühling bemerkbar macht? Sommerliche Leinenhemden sind deutlich genügsamer als ihre sensiblen, divenhaften Kaschmirbrüder, die selbst beim Handwaschprogramm der Waschmaschine mit der Nase rümpfen und sich beleidigt zusammenziehen.

13:00 Uhr Ich bereite das Mittagessen zu. Der übrig gebliebene, persische Reis wird kurzerhand zu einem gebratenen Eierreis umfunktioniert. Signorino quittiert das Ergebnis mit einem mehrmaligen „Mmh!“.

Danach sende ich eine Sprachnachricht an den Anderen bezüglich unserem Nachmittagsprogramm. Er ist gerade im Fitnessstudio, als es hier abermals anfängt zu sturmen und zu winden. Ich sage kurzerhand, wetterbedingt, ab. Er nimmt es mir nicht übel und wir behalten die nächsten Tage im Blick, um uns auf einen Coffee-to-go und ein Stück Kuchen von Condit Couture [Werbung aus Überzeugung] zu treffen.

15:00 Uhr Das Kind ruht und ich sitze an den Albanienchroniken. Die Bearbeitung meiner Albanienaufzeichnungen ziehen sich etwas. Auch heute ist das Zeitfenster dementsprechend klein, weil der Römer gleich von der Arbeit kommen wird und Signorino sicherlich bald aufwacht. Ich schaffe es bis zu der Stelle mit dem aufgewirbelten, saharafarbenen Staub.

16:30 Uhr Der Mann kommt heim und verkündet, dass er zusätzlich zu seiner 42 Stunden Woche, noch bei seinem guten Freund in der Pizzeria aushelfen will. Ich bin mehr als angesäuert, denn das bedeutet, dass er nur noch zum Schlafen heimkommen wird. Dieses, in der Freundschaft vollkommen ergebene Verhalten des Römers geht mir wirklich auf den Keks. Man muss auch mal Nein sagen können. Dann bleibt die Pizzeria halt geschlossen. Ein Freundschaftsdienst beinhaltet nicht vier Abende die Woche zusätzlich zu seiner Vollzeit-Stelle zu arbeiten. Und von einer Arbeit direkt zur nächsten zu fahren, dann 4 Stunden zu schlafen, um dann für den Frühdienst parat zu stehen, halte ich für absolut dämlich. § 3 Arbeitszeitgesetz (ArbZG) gibt mir übrigens Recht: Sollten Sie in Ihrem Hauptjob bereits 8 Stunden gearbeitet haben, dürfen Sie in Ihrem Nebenjob nur noch 2 Stunden arbeiten, da die Höchstarbeitszeit von 10 Stunden am Tag nicht überschritten werden darf. Aber was interessieren den Römer und seinen italienischen Freund schon Gesetze?

16:45 Uhr Wie zwei alte Wasserkocher heizen wir uns gegenseitig bei unserem andauernden Disput auf. Es riecht schon nach einem Seng- und Schmorschaden, als der Römer beleidigt abzieht. Jeder kühlt erst einmal für sich aus.

17:30 Uhr Der Römer schnappt sich Signorino und die beiden gehen spazieren. Nicht ganz freiwillig. Aber ich habe mich wütend abgemeldet. Das “Nein”-sagen Thema ist ein sehr beliebtes Streitthema bei uns. Der Römer gibt nämlich gerne nicht nur den kleinen Finger, sondern gleich den ganzen, römischen Körper von Kopf bis Fuß, was sein italienischer Gastro-Kumpel gerne und oft (aus-)nutzt.

19:00 Uhr Für Signorino gibt es Rührei mit Tomaten und Parmesan. Dazu Brot. Da der Haussegen heute eh schon schief hängt, diskutieren wir, wer mit dem Einkauf dran ist. Jeder hat eine Liste voller Argumente, die er nacheinander abfeuert. Die Fronten sind immer noch freundlich-verhärtet.

21:00 Uhr Die Zeit verstreicht. Das Kind muss ins Bett. Grund genug, dass der Römer letztendlich loszieht um einzukaufen. Ich rufe ihn noch fix an und instruiere ihn, Toastbrot und Würstel mitzunehmen. „Ja, ja, hab‘ ich schon in der Hand.“ , spricht der Römer und legt recht schnell auf. Als er heimkommt, verstaut er die Einkäufe leise, weil ich das Kind bereits ins Bett „la le lu“-e.

22:00 Uhr Ein Nudelauflauf (oder pasta al forno) steckt im Ofen. Das Kind schläft mittlerweile. Der Römer ist auf der Couch eingenickt. Mir soll’s recht sein. So schreibe ich etwas weiter am letzten Teil der Albanienchroniken.

[Gleich geht’s weiter]

3 Kommentare zu „WMDEDGT – Mai 21

    1. Da sagst du was! Im Streit vergisst man immer die Lebenszeit, die man vergeudet (oder versilbert 😉 ). Und hinterher kommt die große Entschuldigungsrunde.
      Heute fielen einige Blätter, aber der Baum steht zumindest noch. 😉 Muss auch mal sein!

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