WMDEDGT – August 22

Der Monatsfünfte und Frau Brüllen fragt mal wieder, mit was man seine Zeit verbringt. WMDEDGT nennt sie das und hier sieht das so aus:

03:00 Uhr „Oh Gott, meine neue Leinenbluse!“, schrecke ich aus meinem Halbschlaf aus Fresskoma und Erschöpfung hoch. Es stürmt in Frankfurt und in Gedanken sehe ich meine neue Oberbekleidung schon zusammengekrümmt als nasses, trauriges Etwas in irgendeiner Straßenecke liegen. Ich tapse im Dunkeln durch den Gang, durchquere das Wohnzimmer und finde sie am Balkonstuhl hängend. Rasch pflücke ich sie vom Stuhl, lege sie auf die Couch und trinke ein Glas Wasser, um dann wieder ins Bett zu huschen. Der Römer fragt im Dunkeln, was los sei. „Ich habe gerade meine Bluse…“, doch da schnarcht er schon wieder.

07:30 Uhr Ich stehe auf und bin vom gestrigen Geburtstagsessen noch so voll gefressen, dass ich nur Tee und Kaffee trinke. Dann dusche ich mich fix ab, wecke das Kind, bügle meine heute Nacht vom Balkon gepflückte Leinenbluse, wecke das Kind wieder, befülle die Wasserflasche mit frischem Wasser, tische das Frühstück auf und wecke das Kind nochmal. Irgendwann steht er auf. Er isst und trinkt sehr müde, ich mache mich fertig. Danach ziehe ich Signorino an. Er will nicht in die Kita. Ich schlage ihm vor, dass er das rote Zoo-Auto mitnehmen dsrf. Der Vorschlag kommt an! Leider finde ich das Auto nicht. So brüllt das Kind und ich suche panisch und wenig konstruktiv, während die Zeit uns gleichzeitig hämisch im Nacken sitzt. Irgendwann finde ich es – in der Mitte des Wohnzimmers auf dem Teppich. Wir können los. Auf dem Weg zum Auto umgehen wir viele Pfützen bis Signorino doch noch einen Moment findet, in dem er reinspringen kann. Ich habe eine blütenweiße Hose an und versuche diese mit Feuchttüchern im Auto zu reinigen. Für mehr ist keine Zeit. Es tröpfelt. Wir fahren los. Kaum aus der Ausfahrt raus, schüttet es in Strömen. Fußgänger:innen und Rad:fahrer halten sich schützend Jacken, Zeitschriften und Ordner über den Kopf. An einen Regenschirm denkt in diesem saharaheißen Sommer offensichtlich niemand.

09:15 Uhr Angekommen an der Kita, ruft das Kind herzzerreißend und Rotz und Wasser heulend „Mama! Mama!“. Es will auf meinen Arm. Seine Erzieherin steht auf und wir lösen ihn von meinem Bein. Ich fühle mich (mal wieder) wie die schlechteste Mutter der Welt. Im Auto angekommen, atme ich zwei, drei Mal durch und fahre nach Hause.

10:50 Uhr Ich gehe zur S-Bahn. Irgendetwas Oberleitungsmäßiges müsse zwar repariert werden, verrät mir die App, aber ich versuche mein Glück. Es beginnt zu tröpfeln. Folgerichtig habe ich natürlich keinen Schirm mitgenommen. Anscheinend bin ich ein Typus Mensch, der aus vorher getätigten Beobachtungen zwar urteilt („Jetzt haben die alle keinen Schirm dabei, obwohl die Wetter-App doch sagte, dass es regnen wird!“) , aber keine logischen Schlüsse für sich daraus zieht („Heute sollte ich auf alle Fälle einen Schirm mitnehmen.“). Nun denn, wie gut, dass ich eine weiße Hose anhabe. Das macht die Geschichte gleich doppelt spannend. Vielleicht verzichtet der Hausarzt, zu dem ich gleich will, darauf, dass ich mich ausziehen muss. Durch die durchsichtig gewordene Hose sieht er eh gleich alles.

11:50 Uhr Wenn Sie mit einem dringenden Anliegen zum Hautarzt wollen, müssen Sie früh aufstehen. Vor 9 Uhr werden die unangemeldeten Fälle abgearbeitet. Auch wenn Sie „ja eigentlich gar net komme wollde“ und dann doch noch um 11:50 Uhr auftauchen. Man schiebt Sie „ausnahmsweise“ ein, aber auch nur, weil bald Wochenende ist. Sie sehen, im halb offenen Wartebereich erfährt man so einiges Nützliches.

12:40 Uhr Beim Arzt war alles in Ordnung. Ich buche gleich noch den Termin für‘s Hautkrebsscreening (im Februar dann…) und gehe in den japanischen Laden nebenan. Signorino und ich schmissen jeweils einen Creme-Pumpspender herunter und nun verweigern die Spender ihre Pumpleistung. Also habe ich zwei neue, leere Pumpspender gekauft und pumpe nun um.

13:00-14:40 Uhr Wieder daheim. Ich gönne mir Zeit für mich und lese Blogs. Dann rufe ich den Einen an und wir quatschen über den gestrigen, zusammen verbrachten Abend. Zeitgleich ruft der Römer an. Er würde mich gerne an der Kita treffen. Ich willige ein. Erst im Auto frage ich mich, warum er das Kind nicht alleine abholen kann. Aber nun sitze ich schon im Gefährt. Der Römer winkt mir zu, wir gehen in die Kita und holen das verwirrte Kind ab: „Mamaaa! Papaaaa! Maaapa!“

15:00 Uhr Wieder zu Hause. Der Mann hat eingekauft. Bucatini („Conosci bucatini?“ Kennst du Bucatini?), italienische Kekse, Bresaola (ähnlich Bündnerfleisch), noch mehr italienische Kekse, irgendwelche italienischen Cracker. Ich habe den leisen Eindruck, ihm fehlt Italien? 🤔

16:00 Uhr Die Gallensteine des Mannes sind zurückgekehrt. Er jammert so vor sich hin, will aber nicht zum Arzt, dann doch, dann ist er zu müde für einen zweiten Bluttest, heute ist’s wieder extra schlimm. Ins Krankenhaus will er dann doch nicht und am besten soll das Problem sich in Luft auflösen. Aber wie damals bei der Gallenblase, löst sie sich leider nicht auf, sondern musste heraus operiert werden. Er baut erstmal Zug mit dem Kind und jammert, und fühlt sich schlapp und hat Krämpfe…. Wie kann man nur so stur sein? Die einzige Lösung liegt doch auf der Hand 🏥? Lieber jetzt als im Urlaub, fernab der Zivilisation und damit fernab von Krankenhäusern .

17 Uhr Nächster Halt: Drogeriemarkt. Der Mann deckt sich mit Gallenstein-Hausmitteln ein: Apfelessig, Kurkuma, Löwenzahntee, usw.. Das Kind macht gut mit beim Einkaufen. Daheim kriegt er dennoch einen Anfall, dass er zum Spielplatz wollte und will. Also gehen wir zum Spielplatz. Ich bestelle noch rasch Pizza vor, denn unsere Lieblingspizzeria machte eine dreiwöchige (!) Pause und heute ist sie wieder da.

Sieht nach (zugegeben sehr dreckigem) Strand aus. Ist aber ein Spielplatz. Aber meine weiße Hose ist noch weiß. Das ist doch auch etwas.

18:40 Uhr Vom Spielplatz zurück warten wir auf die Pizza. Das Kind kann nicht mehr warten und isst ein Marmeladenbrötchen als Vorspeise.

19:30 Uhr Die Nachbarn von oben bohren. Das Kind hat neuerdings Angst vor Bohrgeräuschen und so hängt ein ängstliches Kind auf mir wie ein Koala an einem Ast. Ich frage mich, wann deren Bohrprojekt beendet ist. Seit Tagen geht das schon so. Aber vielleicht bauen sie ab… und nicht auf. Das wäre mir sehr lieb.

20:45 Uhr Meine Schwiegermutter wünscht mit ihrem Enkelkind zu reden. Da weder Enkelkind, noch Schwiegermutter über ein Handy verfügen, ruft der Römer seinen Bruder an, der das Videotelefonat an seine Mutter weiterreicht. Nur Signorino guckt lieber „Tan“. Dann bequemt sich das Kind, drei Sekunden ins Telefon zu starren, nur um dann wieder „Tan“ zu gucken.

23:00 Uhr Das Kind schläft endlich. Let‘s call it a day!

Gleich geht’s weiter

9 Kommentare zu „WMDEDGT – August 22

    1. Sehr kreativ ist Mapa. 😂
      Anscheinend geht das wohl, da zwar die Gallenblase entfernt wurde, der Hauptgallengang von der Leber weg aber nicht (was auch nicht gehen würde, da man sonst stirbt – das habe ich nämlich angemerkt, warum man nicht gleich alles entfernt 😄). In diesem Gang können sich wohl Steinchen bilden, die den „Abfluss“ blockieren. Er hat es mir auf einem Bild erklärt, aber nagel mich mit meinem gefährlichen Halbwissen bitte nicht fest. 😄 Er ist gerade im Krankenhaus und wir schauen mal, was rauskommt bzw. ob er gleich vor Ort bleiben soll. 🙈 Hab einen feinen Sonntag und einen guten Start in die Woche! Liebe Grüße 💛😘

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      1. Das ist schon richtig mit dem Gang. Darüber wird die Leber mit dem Magen verknüpft. Ich wusste nur nicht das der auch Gallensteine produzieren kann. Das hat mir damals keiner gesagt, als mir das Ding rausgerupft worden ist 🤔
        🌈😘😎

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      2. Ich wusste es auch nicht und konnte es gar nicht glauben, als der Römer mir seine Vermutung mitteilte. 😳 Gallensteine ohne Gallenblase?! Aber es scheint zu gehen, obgleich es eher selten vorkommt. 😘

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